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Autor Thema: Autopilot

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JJ

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Re: Autopilot
#75: 04.02.2022 18:34:35
Hi Marcello,
was hast Du denn eigentlich für ein Thema damit, Menschen die Du schön oder interessant findest "nachzuschauen", wie Du es nennst? Gehört sich das nicht?  :D Kannst sie ja natürlich auch direkt anschauen, anstatt hinterher. Ich finde gar nichts schlechtes daran. Ich schaue Menschen auch sehr gerne sehr genau an: schöne, hässliche, dicke, dünne, interessante und langweilige, Männer und Frauen. Ist doch ein schönes Hobby. Gibt vieles dabei zu entdecken.  ;)
Irgendwie scheinst Du etwas unterdrücken zu wollen, was in dir einfach drin ist.
Wir hatten das Thema in ähnlicher Form schonmal.
Vielleicht hört Dein Auge auch endlich auf zu zuclen, wenn Du ihm erlaubst, überall hinzuschauen.
Ansonsten lese ich aus Deinen Beiträge neben all der Unruhe, die Du hast, ja immer auch gerne die schönen Dinge raus. Und von denen erzählst Du in Deinen Beiträgen immer auch!!
Sehr lebendig wie Du schreibst!!
Mit vielen Höhen und Tiefen.

Ich wünsche Dir ein schönes Wochenende.
JJ

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Marcello

Re: Autopilot
#76: 10.02.2022 21:27:25
Gudai,
danke für Eure Beiträge. An dieser Stelle einen herzlichen Gruß. Ich möchte noch abwaschen und dann in meinem Tyll, von Daniel Kehlmann, weiterlesen. Eine ganz großes Buch, möchte ich empfehlen.
Euch eine behütete Nacht und bis nächste Woche. Ich bin dann mal 3 Tage außerhalb.
Marcello
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Marcello

Re: Autopilot
#77: 20.02.2022 10:03:15
Gudai,
eine herzlichen Gruß an Euch, die ihr jeden Tag kämpft, um nicht zu zocken.
Letztes Woichenende wollte ich mit dem Zug weiter nach Hause und da fiel ein Zug aus und ich trat vor den Bahnhof und sehe gegenüber die Sonne. Es ging nicht anzuhalten und ich ging in dieses Haus rein mit der Sonne als Türschild. Der nächste  und übernächste Zug fuhr auch ohne mich und erst spät kam ich weiter. Scheiße aber wenigstens hatte ich nicht alles Geld verzockt und fand nach 2 Stunden den Absprucng. Zuhause war ich dann auch gleich wieder drin im Lügengerüst und habe eine GEschichte errfunden, warum ich erst so spät kam.
Die Uhr, die die Tage ohne mitzählt, habe ich dann mal wieder auf null gestellt. Heute steht  da eine 7. Auf diese kleine Sieben möchte ich besser aufpassen. Ein zartes Glücksgefühl setzt damit ein. Aber ich möchte diesen Kreis durchbrechen, dass ich mich über etwas freue, was  eigentlich völlig normal ist und keiner weiteren Aufmerksamkeit bedarf.
Herzlich Marcello
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Re: Autopilot
#78: 20.02.2022 10:54:58
Hallo Marcello,

es mag nicht so schlimm sein wieder 2 Stunden in einer Spielhalle gewesen zu sein,  im Gegensatz dies dann wieder zu Hause verschwiegen zu haben.
Eine weitere Lüge um irgendwas zu schützen, geplant was für eine Ausrede am besten wäre.
Es mag sein dass jeder hier der nicht mehr spielt und abstinent ist, sich wie in einem neuen Leben fühlt.
Doch glaubst Du jemand ist deshalb wiedergeboren ?
Alle sind wir frei in der Entscheidung wieder zu spielen, es ist keine Manipulation um ja nicht auf diesen erneuten Gedanken zu kommen.
Aber es sind Zwänge da, welche die uns vorübergehend beruhigen um uns dann wieder hinterher spüren lassen, schon wieder etwas verloren zu haben.
Wenn Du ihnen folgst!

Es ist keine Sekte oder eine Religion, keine zwingende Weltanschauung sich konzentriert einer Spielfreiheit zu widmen.
Es ist genau das Gegenteil, sich von etwas zu lösen was Deine Familie und Dich in einer vernichtenden Abhängigkeit bindet.
Es war Dir nicht einmal wert, nur auf den nächsten Zug zu warten!
Eine Erkenntnis die ja nicht von der Hand zu weisen wäre, Du solltest dazu stehen.

Versuche nicht mehr aufzugeben, denke an Dich und Deine Familie und sehe ein, dass es mehr bedarf als Du gerade unternimmst.
Es gibt nur eine Türe hinter der sich eine Sonne befindet und dort mein Freund, solltest Du nicht mehr lügen müssen.
In Deinem Zuhause.   

Grüß Dich 
 


 
 
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JJ

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Re: Autopilot
#79: 20.02.2022 12:55:41
Lieber Marcello,

warum nur möchtest Du Dich nicht freuen über etwas, das "eigentlich normal ist und keiner weiteren Aufmerksamkeit bedarf"?

1. Was ist normal? Ist die Mehrheit der Menschen normal? Nein, ist sie nicht! Jeder hat seinen Sockenschuss auf seine Weise. Das macht uns Menschen aus.

2. Aufmerksamkeit bedarf eben genau das, was jeden einzelnen von uns ausmacht. Unsere Schwächen, Ängste, Stärken, Wünsche. Unser Glück.

Erlaube Dir doch einfach, dich zu freuen, dass Du gegangen bist, bevor das Geld ganz weg war. Und dass Du jetzt wieder gut auf dich aufpassen wirst.

Hast Du denn inzwischen mal Medeas Tagebuch gelesen? Ich würde es dir wirklich empfehlen!!
Darin wird so sehr deutlich, dass es all die Aufmerksamkeit wert ist!!!

JJ
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Taro

Re: Autopilot
#80: 20.02.2022 14:33:02
Moin Marcello,
diese kurzen Impulse kommen oft völlig aus dem Nichts, dieser Gedanke, "komm geh doch in die Spielo, da kannst Du warten, ist es Warm, ist die Toilette sauber, bekommst Du einen Kaffe usw..
Diesen Impuls entgegen zu wirken ist ohne Strategie sehr schwer.

Ich mache es folgendermaßen, ich darf diesem Impuls jederzeit nachgeben, muss allerdings vorher einen trockenen Freund aus der SHG anrufen und es Ihm erzählen. Kann ich keinen Erreichen rufe ich in einer Therapieeinrichtung an und erzähle es wen ich auch immer am Apperat habe.

Das ist nicht nur ein theoretisches Konstrukt, sondern in der Praxis erprobt und bewährt, auch mit der Therapieeinrichtung. Nun, irgendwann ist das Gespräch zuende, das Tolle, der Impuls spielen zu gehen aber auch. Ich muss jetzt auflegen, mein Zug kommt gerade.

Taro
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Re: Autopilot
#81: 21.02.2022 07:11:31
Eigentlich wollte ich gar nichts dazu scheiben ... aber irgendwie platzt mir fast der Kragen ...
und ich ging in dieses Haus rein mit der Sonne als Türschild.

Was für eine geschwurbelte Scheiße, jeder andere würde ehrliche Worte wählen.
"Ich war in der Spielhalle zocken"
Du stellst das immer sehr distanziert als lustige Geschichte dar.
Vergisst dabei total, dass das dein Leben ist.

Scheiße aber wenigstens hatte ich nicht alles Geld verzockt und fand nach 2 Stunden den Absprucng.
Was für ein Glück !!! Noch Geld übrig und nur 2 Stunden. WOW
Es geht weder um die Summe des Geldes noch um die verbrachte Zeit.
Du kannst mit einem Euro dein Leben ruinieren.

Die Uhr, die die Tage ohne mitzählt, habe ich dann mal wieder auf null gestellt. Heute steht  da eine 7. Auf diese kleine Sieben möchte ich besser aufpassen. Ein zartes Glücksgefühl setzt damit ein.

Kannst die große Traurigkeit in diesem Satz erkennen ?
Wenn dich eine Woche "Nichtspielen" so stolz und glücklich macht ... hast du irgendwas an der Sucht nicht verstanden ...
Das ist absurd was du daraus machst.

Ich bleib mal dabei ... das bist alles nicht du ... das sind Worte eines entfernten "ichs" die du da niederschreibst.
Mit denen du dich leider keinesfalls identifizierst.

Kleine Übung aus meiner Therapie:
1 Monat lang jeden Morgen nach dem Aufstehen in den Spiegel schauen und laut sagen: "Ich bin spielsüchtig und ich werde heute nicht spielen"
Geht schwerer als man meint ... wichtig ist es laut zu sagen.
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medea888

Re: Autopilot
#82: 22.02.2022 08:03:35
Moin Marcello,

mir fehlen da einwenig die richtigen Worte. Als ich Deinen Beitrag gelesen habe, kam es mir so vor als ob Du von uns Absolution haben willst, so nach dem Motto ich bin ja wieder rausgegangen, war doch gar nicht so schlimm oder Leute???
Nein, es ist nicht schlimm einen Rückfall  (oder Vorfall oder was auch immer) zu haben aber ihn klein zu halten und zu verniedlichen, das ist nasses Spieler denken in Reinstform wie es bei mir 100 male erlebt habe.
Also Marcello, wie André schon schrieb, wenn wir trockenen immer noch jeden Tag kämpfen müssten, dann wäre das ein verlorener Kampf. Was wir jedoch machen ich an uns zu arbeiten, über die Spielsucht hinaus.
Bist du in irgendeiner Weise denn überhaupt bereit an Dir zu arbeiten???
Wenn nicht, dann wirst du leider den wichtigsten Zug verpassen - den in ein spielfreies Leben

Also entscheide Dich und such dir Hilfe
LG Medea
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Marcello

Re: Autopilot
#83: 11.03.2022 06:15:19
Gudai,
danke für Eure Beiträge. Nein, bei dem Ausrutscher blieb es nicht. Seit meinem letzten Beitrag war ich wieder zocken. Die letzten Tage täglich. Spielsperre gelöscht. Das ganze Geld, das ich die letzten Wochen aufgehoben hatte, ist weg. Jetzt habe ich wieder Zeit in unserem Forum zu lesen. Irgendwie bin ich erleichert, dass es es jetzt erst mal wieder vorbei ist. Aber soweit kenne ich mich ja schon, die nächsten Gelegenheiten an Geld zu kommen, werden sich bald zeigen. Dann wird es weitergehen. - Autopilot
Andre, wenn das als Hilfe zählt, möchte ich mich hier anvertrauen.
"... an uns zu arbeiten, über die Spielsucht hinaus." - Heute früh sieht es wirklich so aus, dass ich den Zug verpasse. Eh, das ist schlimm: "Sei vernünftig", "hol dir Hilfe", "geh da nicht mehr rein", "arbeite an dir". Leute, Leute, dieser Schatten erdrückt mich gerade.
Hier zu schreiben ist nicht leicht: Selbstmitleid gehört nicht her, Selbstdarstellung fehl am Platz, gutes Gefühl trügt und trotzdem ist mein Platz hier im Forum der sicherste den ich gerade habe.
Ich möchte heute Abend wieder kommen.
Marcello
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medea888

Re: Autopilot
#84: 11.03.2022 07:57:33
Guten morgen Marcello,

traurig zu lesen, dass du weiter gespielt hast, dennoch finde ich es mutig das hier auch so offen zu schreiben, solange du keine Absolution von jemanden hier dafür erwartest.
Keiner hier sagt DU musst irgendetwas tun, das einzige was wir schreiben sind Wege die man gehen kann, die hier viele gegangen sind, und keiner von uns ist Sie ohne Umwege gegangen, ohne Schmerzen, ohne Blasen an den Füssen, an der Seele.
Ich hab oft gedacht ich hätte endlich den Willen aufzuhören und hab dann mit dem nächsten Monat wieder gespielt.... jeder hat vermutlich seine Runden zu drehen.
Dennoch der Entschluss nicht mehr mitzuspielen in der Sucht dem Kreislauf entfliehen zu wollen, ohne Hintergedanken ohne den kleinen Gedanken hinten im Kopf " wenn ich mich finanziell erholt habe, dann kann man ja weiter sehen" ( diese Stimme hatte ich oft im Kopf)
Aber irgendwann ist der Punkt da, wo man das nicht mehr will, der kommt nicht automatisch, schön wäre es, er kommt indem man anfängt ernsthaft über den Irrsinn den man mit seinem Leben betreibt nachzudenken.
Denkst du ernsthaft nach?
Ganz im Ernst, willst du wirklich ohne spielen Leben oder suchst du nur einen Weg, um das Aufhören zu spielen als Ausrede für neues Spielen zu nutzen? so nach dem Motto " ich mach doch was " bin im Forum aktiv, leider muss ich aber dennoch weiter zocken??

Hoffe du kommst heute Abend wirklich wieder und gehst nicht statt dessen wieder zocken.

Gruß Medea
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Re: Autopilot
#85: 11.03.2022 08:24:12
Seit meinem letzten Beitrag war ich wieder zocken. Die letzten Tage täglich.

Es dürfte wohl die wenigensten wundern oder gar überraschen.
Du bist lange nicht am Boden der Tatsachen angekommen.
Hast nichtmal deine Krankheit für dich akzeptiert.

ich selbst war zumindest zum Teil 10 Jahre lang ein "Marcello".
Wir alle waren ganz gewiss eine (längere) Zeit ein "Marcello".

Entscheide für dich, wieviele Jahre du noch ein "Marcello" sein willst.

Was genau ist denn jetzt ein "Marcello" ?
Es ist jemand der weiß, dass er krank ist, aber dies nicht wahrhaben möchte und denkt dieses Problem "alleine" mit dem Kopf lösen zu können.

Wenn du "wiederkommst" ... schreib' ich mehr ...


ps.: Ich gehe davon aus, dass "Marcello" nicht dein Realname ist. Falls doch - ist es hier als "Metapher" zu sehen :-)
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Marcello

Re: Autopilot
#86: 11.03.2022 19:53:38
Gudei, der Tag hat gehalten. Es war ein Aufatmen. Danke für Eure Antworten. Ich versuche der Reihe nach vorzugehen.
Ich wünsche mir spielfrei zu sein. Wenn ich es bin, halte ich es nicht aus. Einmal bin ich der Vernünftige der sein Leben strukturieren kann und pünktlich ist. Der ein Instrument spielt und eine nette Familie mit hübschen Kindern hat. Dann wieder der Desperado - nach dem Motto ist ja sowieso alles verloren. Der sich gern prügelt und besoffen Leute anpöbelt. Nüchtern (spielfrei) stört mich die Fliege an der Wand, meine Frau kaut viel zu laut oder meine Kollegen kriegen es doch nicht hin. Das ist genau die Spannung. Klar will ich nicht mehr zocken aber dieser Schatten ist so stark. Ich denke, ich möchte eine Möglichkeit finden diesen Schatten (Dämon) zu zulassen. Also versteht mich nicht falsch. Ich weiß , bissl spielen geht nicht. Aber ich muss eine Möglichkeit finden den Abenteurer in mir zu akzeptieren und dem wilden Marcello Raum geben. Klingt nicht schlecht. Aber der Marcello hat Angst, traut sich nicht raus, schaut am liebsten seinen Schafen beim Fressen zu und ist ein fauler Hund. 
Fred, ich habe keine Vorstellung wie Hilfe aussieht, solange ich es nicht verstehe. Ja, ich versuche dem erstmal intellektuell zu begegnen. Ich ahne, dass das nicht reichen wird. Vieleicht muss mir erst ein Dachziegel zum Aufwachen auf den Kopf fallen.
Ich möchte mal kurz weg. Abendprogramm mit den Kindern. Bis gleich.
Marcello
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Re: Autopilot
#87: 11.03.2022 20:02:12
Hallo Marcello,

als ich angefangen habe in so einem Forum zu schreiben und damit das Erste mal etwas getan habe in meinem Leben, gegen mein Suchtverhalten.
Spielte ich auch einfach weiter.
Etwas seltener aber doch immer einmal wieder, ich gab halt nicht auf und versuchte immer weitere Schritte um es zu ändern.
Die Erfolge wurden spürbarer für mich, ich kann nicht genau sagen als ich mich wirklich für eine Abstinenz entschieden habe.
Dafür gibt es kein Datum, wahrscheinlich der Punkt an dem ich  von mir erzählte, ohne irgendeinen Plan um abzulenken.
Mich nicht mehr versuchte zu verstecken, zu verbergen oder etwas falsches vorzugeben.
Solange ich für mich selbst ein Fremder war, hätte ich sonst niemals etwas ändern können.

Entscheidend war, immer bereit zu sein weiter zu gehen.
Einige hier und in meinem privaten Umfeld stützten mich dabei sehr.
Dies alles gab mir den brauchenden Halt, etwas dass ich in meiner aktiven Suchtausübung nie hatte.
Wenn jemand krank ist wünscht man ihm gute Besserung......
gute Besserung Marcello.

Liebe Grüße
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Marcello

Re: Autopilot
#88: 12.03.2022 06:53:56
Gudai,
heute zocke ich nicht.
Nachdem ich gestern Hals über Kopf hier raus bin, noch die Gedanken weiter.
Medea, eine rationale Entscheidung funktioniert eben nicht. Zumindesrt bei mir nicht. Wenn ich jetzt gefragt würde, ich würde sagen: Ich zocke nie wieder. Es wird aber der Moment kommen, da trifft es mich und dann schaltet die Ampel auf grün. In solchen Momenten konnte ich es wiederholt nicht mehr anhalten. Hat schon geklappt aber verlassen kann ich mich da nicht. Mir fehlt da mitlerweile das Selbstvertrauen. Was läuft da gedanklich ab? Kann ich ein Muster erkennen und es beschreiben? - Kann ich gerade nicht, mir fehlt da die Konzentration und ich müsste denken. und wahrscheinlich jetzt schon in der Lage sein das Gefühl, das ich nach einem Rückfall habe, jetzt schon zu partizpieren. Selbst die Erwartung, mir geht es danach schlecht, das Geld wird weg sein und das schlechte Gewissen wird mich plagen, reicht nicht aus, um da nicht reinzugehen.
Wenn ich hier schreibe, gehe ich zumindest nicht zocken. Ich setze mich mit meinem Zustand auseinander. Selber habe ich das Gefühl, eine Runde nach der anderen zu drehen, ohne rauszukommen. Jemand schrieb dazu, dass er bei seinem Aufhören nicht gemerkt hat, ab diesem Tag war es wirklich vorbei. Es war eher ein Prozess.
Danke für Eure Geduld mit mir. Danke für den Spendenhinweis.
Herzlich Marcello
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Re: Autopilot
#89: 12.03.2022 08:00:38
Jemand schrieb dazu, dass er bei seinem Aufhören nicht gemerkt hat, ab diesem Tag war es wirklich vorbei.

In dem Moment als ich meine s.g. Abstinenzentscheidung traf wusste ich, dass ich nie wieder spielen würde.
Es war anders als die hunderte male zuvor.
Ich wollte nicht mehr spielen, weil ich nicht mehr wollte.

Es gab keinen der üblichen Gründe:
Familie / Kinder / Zeit / Finanzen / nervt / macht man nicht / Lügen müssen / Geschichten erfinden müssen

Ich hatte einfach die Schnauze voll von dem ganzen Elend.
Gleich die ersten Tage verbreitete ich in einem Forum die frohe Kunde, dass ich nie wieder spielen werde.
Hat natürlich niemand richtig ernst genommen. Warum auch ... nur ein weiterer Lügenbold :-)

Mit dem Wissen um die Gefahren der Sucht entmachtete ich mich finanziell und zeittechnisch praktisch selbst.
Erklärte meiner Frau all die Geheimnisse der Geldbeschaffung bis ins Detail.
Schilderte wie ich mir (Spiel)-Zeit verschaffte
Bat sie darum für einen Zeitraum von mindestens 2 Jahren mir meine finanziellen Mittel nicht verfügbar zu machen.
Letzten Endes bat ich sie, meinen Worten für eine lange Zeit nicht zu glauben und versprach zugleich, dass sie nie fragen müsste,
weil ich sie vorab über alle Zeit & Geld-Löcher informieren würde.

Die Entmachtung dauerte "nur" etwas über ein Jahr. Ich tat meiner Frau einfach "leid" und sie war sicher,
dass ich damit umgehen könne.

Denn zwischenzeitlich gab es nie einen "Fehleuro" oder eine "Fehlminute" oder eine sonstige unklare Situation.
Ein Funken Grundvertrauen hatte ich zurückerobert. Das war nun der "Lohn" für gute Arbeit.

Aus gesundheitlichen Gründen war ich nur 6 Monate in meiner Selbsthilfegruppe und nach einer längeren Pause war ich einfach nicht mehr dort.
Zu der Zeit war es für mich wirklich wichtig, aber später übernahme dieses Forum hier die Funktion meiner "Selbsthilfegruppe"

Ich versuche das mal zu verbildlichen:
"Ich werde nie mehr spielen" ist der allererste Ruderschlag um die Weltmeere zu bezwingen.
Abertausende müssen folgen. Stürme und Flauten bezwungen werden.

Ein bisschen mit den Händen paddeln schiebt das Boot 1-2 Meter voran .. und dann ? Wie geht es weiter ?
Du bleibst im Hafenbecken liegen, paddelst zurück, steigst wieder aus und das war's.

Es ist eine Menge Arbeit.

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Die Spielsucht ist in meinen Kopf. Jeden Tag kümmere ich darum. Nicht weil es mich belastet oder beschäftigt.
Nein, damit ich sie nicht "vergesse". Denn die Folgen sich nicht mehr aktiv darum zu kümmern sind hinlänglich bekannt.
Und ich möchte gar nicht an mir herumexperimentieren ob das nun stimmt oder nicht.
Ich nehme es als gegeben und es wird Routine wie das Zähneputzen ...

Das Ende beginnt immer gleich: mit der eigenen Abstinenzentscheidung
Ich habe noch von keiner einzigen Abweichung von dieser Regel gehört.
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