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Autor Thema: Wo ist die Grenze zwischen Spielsucht und Persönlichkeit?

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Maikäfer

Vor einer Woche wurde mir (und meinem Partner) bewusst, dass er ganz offenbar unter einer Spielsucht leidet. Das finanzielle Ausmaß seiner letzten Aktivität (Daytrading und Geldverlust durch Online-Betrüger) war so groß und sein Verhalten so unsinnig und realitätsfern, dass es nicht lange dauerte, bis uns beiden klar wurde, dass dies eine Spielsucht ist. So weit, so schlecht, und er hat in Abstimmung mit mir erste Maßnahmen getroffen und beispielsweise ein Gespräch mit einem Therapeuten vereinbart.

Auch ist uns beiden mittlerweile natürlich klar, dass Spielsüchtige notorisch lügen, um ihre Spielsucht zu verheimlichen. Die Frage allerdings, die ich mir stelle, ist folgende:

Mein Partner lügt nicht nur, wenn es um seine Spielsucht geht. Mir war schon länger aufgefallen, dass er auch bei anderen Gelegenheiten schwindelt oder sich zumindest so vage ausdrückt, damit man ihn nicht festnageln kann. Bei diesen Schwindeleien geht es eigentlich nie um wichtige Dinge. Soweit ich es beurteilen kann, sind es Dinge, die ihn persönlich einfach in einem etwas günstigeren Licht dastehen lassen. Dazu zähle ich zum Beispiel auch Ankündigungen oder Versprechen, etwas Bestimmtes zu tun. Diese Ankündigungen oder Versprechen werden nur selten eingehalten, und auch dafür hat er dann immer passende Erklärungen zur Hand. Wie gesagt - diese Situationen haben mit Geld oder seiner Spielsucht nichts zu tun. Ein kleines Beispiel: Als wir uns kennenlernten, sagte er, dass er sich schon sehr darauf freue, Hand in Hand mit mir im Wald spazierenzugehen. Später stellte sich heraus, dass er gar nicht gerne Hand in Hand mit seiner Partnerin geht. Interessant ist auch, dass er sich an viele Dinge nicht mehr erinnern kann, und das glaube ich ihm sogar hin und wieder.

Damit mein Partner jetzt nicht allzu schlecht dasteht: Er ist ein sehr liebevoller und liebenswerter Mensch. Sonst wäre ich ja nicht mit ihm zusammengekommen.

Vielleicht können mir Spieler meine Frage aus ihrer Sicht heraus beantworten: Sind Lügen, Schwindeleien, gebrochene Versprechen, vage Aussagen, die nichts mit Geld zu tun haben, Teil der Spielsucht oder können sie es sein? Oder sind sie eher Teil der Persönlichkeit? Beispiel: vielleicht ein übersteigertes Selbstbewusstsein, gepaart mit einem Schuss Verantwortungslosigkeit ("mir letztlich egal!") ? Oder eine schwache Persönlichkeit, die genau das nicht wahrhaben will und sich selbst etwas vormacht?

Ich bedanke mich schon jetzt für jede einzelne Antwort.
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Maikäfer

Andre, du bist der Hammer. Danke!

Etwas in dieser Art habe ich vermutet, aber ich hatte keine Ahnung, ob das auch wirklich so sein könnte, deshalb war es mir sehr, sehr wichtig, das von jemandem bestätigt zu bekommen, der das bei sich selbst beobachtet hat.

"Ihm sind seine Werte nicht bewusst." Stimmt. Er hat mal diese Werte, dann mal andere, und er versucht immer, die Werte zu wählen, von denen er offenbar vermutet oder hofft, dass sie in dieser Situation gerade die "richtigen" sind.

"Er kennt sich selbst nicht. / Er lebt im Außen." Stimmt. Echte, ehrliche, tiefgehende Selbstreflexionen scheinen ihm fremd zu sein. Er wurde als Kind immer bestätigt und verhätschelt. Ich denke, er hat das einfach nie gelernt. Und sooft ich auch versucht habe, ihm dieses Thema - und die wunderbaren Veränderungen, die damit einhergehen - nahezubringen, hat er bisher weder den Wunsch verspürt und/oder den Mut aufgebracht, dies einmal zu tun. Wir alle wissen ja, wie weh das vor allem beim ersten Mal tut. Letzten Endes hatte ich häufig das Gefühl, gar nicht zu wissen, mit wem genau ich da zusammen bin. Kein Wunder - er weiß ja selbst nicht, wer er ist. Was für eine grandiose Sch....

"Er reagiert immer nur auf das jeweilige Umfeld." Stimmt. Ich habe den Eindruck, dass er sich nur sehr wenige eigene, gut überlegte Gedanken macht. Das geht so weit, dass er sich auf Situationen nicht vorbereitet. Ich denke, er kann das vielleicht gar nicht. Er sagt dann stets, es sei wichtig, flexibel auf die jeweilige Situation zu reagieren, und dabei helfe ihm sein "Bauchgefühl".

"...dass er nicht das sagt, was er denkt." Ein sehr, sehr wunder Punkt bei mir. Wie oft musste ich mir anhören "Ich hab das anders gemeint!" Vielleicht weiß er gar nicht, was er denkt? Oder weiß er es, sagt es aber nicht - aber aus welchem Grund? (Du merkst jetzt, Andre, dass ich zwar komplexe Fragen stellen kann, aber derart überwältigt und verzweifelt bin, dass ich eventuelle offensichtliche Antworten nicht zusammenbekomme.)

Und natürlich schreibe ich hier, weil ihm das, was ich hier geschrieben habe, noch gar nicht bewusst ist. Er ist gerade dabei, sich mit der Tatsache auseinanderzusetzen, welchen unglaublichen Schaden er angerichtet hat (finanziell und emotional) und dass er eine Spielsucht hat.

Ihr habt keine Ahnung, wie gut mir bereits diese erste Antwort von Andre getan hat.
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Maikäfer

"Oder  tiefer bohren , sich die Frage stellen, was hat dann dieses Verätscheln mit mir gemacht ? Weiß wie ich mein ?"

Ja, ich weiß genau, was du meinst. Wir hatten vor kurzem ein sehr langes Gespräch, in welchem ich ihn nach und nach bis in die Kindheit zurückführte. Da er sich jedoch kaum an Einzelheiten erinnern "kann", kann ich im Moment nur mutmaßen, und selbst wenn ich den oder die Auslöser finden würde, würde ihm das nicht weiterhelfen, weil er sie ja selbst finden und erkennen muss. Ich kann also nur hoffen, dass er, wie er sagt, wirklich bereit ist, dies zu finden und dass er an einen Tiefenpsychologen und nicht an einen Verhaltenstherapeuten gerät.

Wie bewusst war dir, dass andere dich immer enttäuschten? Oder war es eher nur ein Gefühl, zum Beispiel ein Trotzgefühl?

Lieben Gruß
Maikäfer
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Maikäfer

Ich danke dir SEHR für deine Zeit, André!!!
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Maikäfer

Vielen Dank, Olli.

Ich gehöre nicht (mehr) zu der Sorte Menschen, die glauben, anderen helfen zu können, wenn diese doch nur sich selbst helfen können. Mir ist völlig bewusst, dass mein Partner selbst aktiv werden und bleiben muss, selbst forschen und selbst hinsehen und die Arbeit selbst tun muss. Und dies ausdauernd. Falls ich ihn dabei unterstützen kann, werde ich das tun, solange das meine Kräfte erlauben bzw. solange ich mich dabei okay fühle.

Im Moment konzentriere ich mich, wie du empfohlen hast, ganz auf mich selbst. Dazu gehört auch, Klarheit zu erlangen, und ein Teil dieser Klarheit wurde heute sehr schön von André geschaffen.

Ansonsten befinde ich mich immer noch in einer Schockstarre.
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Hallo Maikäfer und herzlich Willkommen im Forum,

André hat dich schon mal ganz gut gebrieft, da kann ich mich ja erstmal etwas kürzer fassen.
Als Spielsüchtiger sowohl als Angehörige rutscht jeder schon fast zwangsläufig in Kausalitäten.
Dies war mir früher in meiner aktiven Zockerzeit schnell bewusst und dass es mit einer Lüge alleine nicht getan wäre.
So entstand ein unglaubliches Konstrukt, wie ich am besten meine heimliche Suchtausübung unter allen Umständen weiter
ausüben kann. Ohne die Bequemlichkeit, Respekt und Harmonie daheim einzubüßen.       
Und bis zu dem Punkt wo ich endlich alles ändern konnte, war doch jedes Wort im Grunde gelogen.
Wenn es hätte sein müssen und ich dermaßen aufgeflogen wäre, ja dann hätte ich halt ein pseudo Hilfsprogramm ins Leben gerufen
...Psychologe, SHG oder Suchtberatung hätte ich alle als Statisten ohne weiteres einbinden können.

Zumindest ich, habe eben nur deshalb gelogen , weil ich mich sonst meiner Erkrankung sehr geschämt hätte und aus Sorge
sie nicht mehr ausleben zu können.

Sonstige Verhaltensweisen oder Makel können sicherlich immer zu Lügen führen aber was solls....
Ein ehrlicher Spielsüchtiger mit einer Partnerin oder Familie in einem sonst treuen Verhältnis , nicht einmal im
Land wo Milch und Honig fließt.

Es gibt keine Ausreden für einen Lügner...Gründe aber sicherlich.

Schön dass du da bist.

Liebe Grüße   
 
 
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Maikäfer

"So entstand ein unglaubliches Konstrukt"

So langsam wird mir das ganze Ausmaß im Gehirn / in der Gefühlswelt eines Spielsüchtigen bewusst. Es muss furchtbar sein - mir wird ganz schwindelig, wenn ich versuche, mir das vorzustellen.
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Hallo Maikäfer,
So langsam wird mir das ganze Ausmaß im Gehirn / in der Gefühlswelt eines Spielsüchtigen bewusst. Es muss furchtbar sein - mir wird ganz schwindelig, wenn ich versuche, mir das vorzustellen.

Um diesem "Schwindel" zu entfliehen zog es mich einst noch mehr zum Spiel.
Naja...furchtbar ist jetzt etwas viel an negativem Gewicht, Krieg, Verbrechen oder schwerere Krankheiten steht dies viel eher zu.
Weil es gibt Auswege aus solch einer psychisch abhängigen Situation wie der Spielsucht, ich weiß das !
Angehörige die vertrauten und hintergangen wurden sind sowieso frei zu sprechen.
Es wird sich eh entwickeln so oder so bei euch, ausschlaggebend so finde zumindest ich.....
es macht keinen Sinn ohne an jemanden zu glauben, dann nämlich gäbe es hinterher an sich nichts vorzuwerfen,   
Egal was dabei raus kommt...sonst macht alles keinen Sinn und nur für die Katz.

Liebe Grüße     
 
     
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Maikäfer

"es macht keinen Sinn ohne an jemanden zu glauben, dann nämlich gäbe es hinterher an sich nichts vorzuwerfen."

Das gäbe Stoff für einen eigenen Thread.

Ich spiele das mal kurz durch:

Wenn ich an meinen Partner glaube, und er bekommt es hin, hatte ich recht, an ihn zu glauben und bin auch froh, dass ich an ihn geglaubt habe. Wenn ich an meinen Partner glaube, und er bekommt es nicht hin, war ich wieder einmal blöd genug, irgendwas zu glauben und bin noch enttäuschter und verzweifelter als zuvor. Wenn ich an meinen Partner nicht glaube, aber er bekommt es hin, bin ich freudig überrascht und mega stolz auf ihn. Wenn ich an meinen Partner nicht glaube, und er bekommt es nicht hin, bin ich auch nicht enttäuschter als zuvor.

Und wie ist das dann für den Partner? Wie wichtig ist es für ihn, dass ich an ihn glaube? Wie kann er erwarten, dass ich immer noch an ihn glaube? Muss ihm mein Glaube oder Nichtglaube nicht eher egal sein und er muss endlich einmal an sich selbst glauben? Zum Beispiel, indem er die ersten Schritte hier ganz alleine macht?

Ich weiß auch gar nicht, wie das praktisch funktionieren sollte. Ich stelle mir gerade vor, ich sage zu ihm "Ich glaube an dich", und doch würden wir beide wissen, dass es nicht stimmt.

Ganz ehrlich: Ich müsste erst einmal TATEN sehen statt Ankündigungen, bevor ich wieder GLAUBE.
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Hallo Maikäfer,

vorhin hast du noch geschrieben dass dir die Gefühlswelt eines Spielers so langsam bewusst wird.
Du kannst ihn nicht erretten ...es geht hier nur noch um dich! vergesse es nicht beim lesen.
Der Glaube oder die Zuversicht oder halt das Gegenteil zählt nur für dich alleine.
Natürlich wären "Taten" ein gutes Argument zur Beruhigung und das wars dann ?
Taten sind genau so ein Scheißdreck wenn sie nur eine Alibifunktion hätten.
Aber ganz ruhig liebe Maikäfer, an irgendetwas muss sich jeder ja festhalten können.

Du zählst Szenarien auf.....
Unwichtig zu orakeln und die jeweilige Tendenz oft eh nur an Emotionen gebunden.   
Ich möchte es vermeiden dich zu verunsichern...du sollst nur gewappnet sein, motiviert und eben voller Glaube.
An was auch immer, mache es ..hau rein ohne Halbherzigkeiten.
Mir ist doch klar wie schwer das Ganze auch für dich ist und eine Tragödie, es belastet dich...
Hilft alles nichts....jemanden immer beobachten zu müssen, Misstrauen , Kontrolle ..geht auch und daraus kann wieder vieles wachsen.
Aber wärst du dann dir wirklich treu geblieben ?
Ok, meine Familie hat nicht bekundet an mich geglaubt, mich niemals kontrolliert dass ich von dieser Sucht frei komme, meine Kontoauszüge nachgeschaut.   
Sie hat es als selbstverständlich angesehen !  dass ich diese üble Sache ordne.
Verstehst du die Differenz?
Klar können nun einige denken, dies war aber schon ein Risiko und ich hätte sie ja auch weiterhin hintergehen können.
Mir wurde dies ja dann auch leicht gemacht.
Pustekuchen  :)

Mir egal was alles von außen auf mich eingeprasselt wäre, mein inneres hätte es niemals geheilt.
Hatte ich halt einfach Glück ?....naja dem bin ich ja sowieso immer nachgerannt.
Angehörige haben in diesem Forum immer anderen Angehörigen angeraten aufzupassen,
Genau..dass sie nicht weiter angelogen werden und hintergangen.
Dies ist dann halt der Weg mit einem Spielsüchtigen an seiner Seite, es war nicht der Weg meiner Familie.
Dies wollte ich keinesfalls auch noch toppen.
Weil den Weg den ich gegangen bin wäre ich keinen Schritt zum heutigen Tage gekommen, ohne zu glauben.
Dass ich ein Lügner war und mir selbst doch nichts mehr glauben konnte, da war also nichts außer in meine Zukunft zu investieren/glauben.
Ohne Illusionen und gerade erinnere ich mich an alles....wie jeden Tag...gut so.
Klingt es nun Ambivalent ?

Es wird immer ein Glauben sein, in jedem von uns um etwas zu erreichen.
Glaube halt nicht an ihn und warte erst einmal ab ?
Es soll dir helfen, dich bestärken egal welche psychische Erkrankung der Partner hätte.
Du weiß es ja nun, kennst die Gefahren, die Schwachstellen ...Schnittpunkte.
Der Tag an dem er erkennt machtlos zu sein gegenüber seinem Suchtverhalten ....Hilfe annimmt und alles dafür tut ..aber mal so alles.
Du bist doch kein Pflegepersonal und kein Kontrolleur...sondern in einer emotionalen Beziehung.
Was du also auch tust, blöd ist es bei weitem nicht.
Sagt sich doch nur im Nachhinein schnell mal daher .  :)

Also hoch die Hände....

Liebe Grüße von ganzem Herzen 
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M

Maikäfer

@TAL: Alles gut - ich habe es nicht als Zumüllen verstanden, sondern sauge auch Informationen auf, die nicht direkt zu meinem Thema gehören. Danke, dass du mir das mit dem "hinter einem stehen" noch einmal erklärt hast. Genauso sehe ich das auch. Im Moment befürchte ich, dass er sein Vorhaben nur umsetzen will, um mich nicht zu verlieren. Dabei habe ich ihm mehrfach und ganz deutlich erklärt, dass er es bitte zuallererst für sich selbst tun sollte. Ich kann auch leider gar nicht versprechen, ob ich am Ende noch da sein werde. Ich wünsche es mir, aber sicher bin ich nicht. Dafür ist viel zu viel passiert, mein Herz blutet wie noch nie zuvor, und meine kurze Einführung zu Beginn des Threads ist nur die Spitze eines Eisbergs, der in einer hohen fünfstelligen Summe endete und bald noch in anderen Dramen enden wird, auf die ich leider keinen Einfluss habe und auf die ich auch nicht näher eingehen will.

@Jacky1: Ja, ich weiß, dass ich ihn nicht retten kann. Ich muss gucken, dass ich mich rette. Ich habe das schon einmal getan und war sehr stolz auf mich, aber ich habe danach gespürt, wie viel Kraft mich das gekostet hat. Fast zu viel Kraft. Die Situation jetzt ist schlimmer als die damalige, deshalb geht mir der Popo einigermaßen auf Grundeis. Es ist im Moment auch niemand wirklich für mich da - aus ganz unterschiedlichen Gründen. Ganz schlimm ist für mich das Misstrauen ihm gegenüber, das ich aus unterschiedlichen Gründen schon länger habe. Es fühlt sich für mich so an, als ob ALLES gelogen war, als ob er sich ALLES eingeredet und schöngeredet hat. Nun, ich sehe es auch als selbstverständlich an, dass mein Partner diese Sache regelt, aber ... ... ... Du weißt sicherlich, was ich meine. In meinem Kopf dreht sich alles und ich kann mir im Moment nicht vorstellen, jemals wieder volles Vertrauen zu ihm fassen zu können. Ich fürchte, es wird ständig ein Misstrauen übrig bleiben. Ob ich mit dieser Angst leben will? Eigentlich nein. Das habe ich nicht verdient. Aber egal. Ich konzentriere mich auch mich, schaue, was ich brauche, was ich selbst tun kann, und werde sehen, wie er sich entwickelt.
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Hallo an alle,
als erstes will ich mich mal vorstellen. Mein Name ist Niko, bin 68 Jahre und ich bin die Person von der Maikäfer spricht.
Mir ist bewusst, welchen Mist ich gebaut habe, mir war und ist noch nicht bewusst, dass es sich um eine Spielsucht handelt.
Nach meinem Geständnis habe ich mich auch direkt in eine Online-Selbsthilfegruppe begeben um mit anderen Spielern oder Süchtigen direkt zu sprechen und es tat gut alles loszuwerden und darüber zu reden.
Maikäfer hat auf Grund ihrer Recherche herausgefunden, dass es sich um eine Spielsucht handeln könnte, was natürlich mein Tun nicht rechtfertigen kann, aber für mich ein Startschuss gewesen ist herauszufinden, wer bin ich eigentlich tatsächlich.
Ich habe am Dienstag schon einen Termin bekommen bei einem Therapeuten und bin sehr gespannt was das Erstgespräch bringt und wie es mir vor allem weiterhelfen wird.
Ich werde versuchen mich behutsam und unter Aufsicht mit dem Thema beschäftigen, denn nur so glaube ich, dass es zu einem erfolgreichen Ende gebracht werden kann und ich dann auch eine Chance bekomme meine Partnerschaft zu retten!
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Hallo Andre
danke für das Willkommen.
Und ja für mich und natürlich für Maikäfer war die Situation schlimm, nein das war untertrieben schlichtweg horrorhaft!
Das was ich getan habe geht schon bald ins kriminelle und ist einfach unverzeihlich, weil ich ein Vertrauen ausgenutzt habe was man tatsächlich nicht tut.
Ich stand an dem letzten Mittwoch Abend vor der Entscheidung, beende ich jetzt mein Leben (die Bahnstrecke liegt direkt vor dem Haus) oder stelle ich mich der Situation und versuche sie aufzuarbeiten und vor allen Dingen zu klären.
Ohne jetzt näher ins Detail zu gehen, ich habe mich entschlossen den zweiten Weg zu wählen, bin am nächsten Tag zur Polizei gegangen habe Strafanzeige gestellt und mich selber angezeigt.
Und wie Maikäfer geschrieben hat, haben wir miteinander gesprochen und versuchsweise nach Lösungen gesucht, was natürlich nicht gelungen ist.
Sie ist dann bei ihrer Recherche darauf gekommen, dass es sich um eine Spielsucht handeln könnte.
Wir werden jetzt sehen, was der Termin bei dem Therapeuten bringt und was ich tun muss, was ich tun kann ... um die Situation in den Griff zu kriegen.
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Hallo Dago und auch von mir ein herzliches Willkommen,

bis jetzt habe ich immer den Kontakt hier getrennt von Angehörigen und dessen spielsüchtigen Partnern.
Wenn meine Partnerin hier schreiben würde und es ginge um mich....weil ja der Verursacher des ganzen Übels,
dann wollte ich auch unbedingt Stellung dazu nehmen.
Um meine Position zu stärken, egal nun in welche Richtung.   

Nun wohnst du ja an der Bahnstrecke, ich sehe keinen Grund sich auf jene zu legen.
Es sei denn dein gesundheitlicher Zustand wäre psychisch soweit in einer dunklen Welt, um wirklich alles zu verlieren
und ein Meer an Verzweiflung und Zweifel zurück zu lassen.
Und ich nehme so etwas nicht auf die leichte Schulter, nicht warum es jemand berichtet und wie geschrieben, auch nicht
aus Sicht einer verzweifelnden Lage.

Mal sehen was noch so von dir kommt....auch mal spannend.
Nutze es ..nutze es für dich.

Schön dass du nun auch da bist.

Liebe Grüße
 
 


 
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« Letzte Änderung: 23.06.2024 00:09:38 von Jacky1 »
 

Moin Maikäfer,

eigentlich schade, dass du hier sein musst, aber trotzdem natürlich herzlich willkommen hier im Forum.

Mein Partner lügt nicht nur, wenn es um seine Spielsucht geht. Mir war schon länger aufgefallen, dass er auch bei anderen Gelegenheiten schwindelt oder sich zumindest so vage ausdrückt, damit man ihn nicht festnageln kann.

Das ist wohl der Knackpunkt bei jedem Angehörigen eines Spielers.
Diese IMMENSE Vertrauensbruch durch das stetige Lügen.

Meist leben Spieler in einer kompletten Scheinwelt was sich auf alle Bereiche des Lebens auswirkt.
Ich selbst benutzte Lügen um meine Sucht zu verheimlichen oder zu verniedlichen.
Dabei ist es Außenstehenden nicht immer ersichtlich, dass eine bestimmten Verhaltensweise bereits zum Spielprozess dazugehört.

Viele Lügen haben nicht direkt mit dem Spielen zu tun, sondern dienen oft auch der Vorbereitung / Vertuschung / sonstwas.
Selbst dem Spieler ist das meist nicht klar.

Meine Frau war beispielsweise fast jedes WE irgendwo mit den Kindern unterwegs.
Ich erlog immer eine Ausrede, schon Wochen oder Tage vorher, um daran nicht teilnehmen zu müssen.
Für mich war es doch die perfekte freie Zeit, ohne mich rechtfertigen zu müssen, spielen gehen zu können.

Generall behauptete ich von mir ein aufrichtiger Mensch zu sein. Was ich in allen Belangen was nicht irgendwie mit dem Spielen zu tun hatte auch sicherlich war. Mein Umfeld sieht das natürlich anders :-)

Also mein Leben war 30 Jahre lang mehr oder weniger eine große "Show".
Schade um die Zeit. Die hätte ich besser nutzen können.

Dafür waren die vergangenen 9 Jahre in "Freiheit" ( Abstinenz ) besonders lebenswert.
Für alle Beteiligten.

Aber das mit dem Vertrauen ist so eine Sache.
Das dauert bei den Angehörigen meist sehr lange, bis es halbwegs wieder vorhanden ist.
Das sind Emotionen die tief in einem Menschen stecken, da ist mit "Verstand" und "guten Worten" nichts zu machen.
Das braucht Zeit zum Reifen.


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