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Autor Thema: Die ewige Suche nach dem Kick

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Re: Die ewige Suche nach dem Kick
#30: 20.12.2021 01:11:00
Hallo Tobi,

.... wenn endlich Schuss ist mit den ganzen Lügen.

Das Gute, hier im Forum befinden sich einige ehemals "knallharte und abgefuckte" Spieler.
Falls sich jemand dadurch angegriffen fühlt, zählt es wenigstens für mich.
Der Umstand dahinter, ja auch ein eigentlich "liebenswerter und treuer" Ehemann, Freund, Vater, Partner, Sohn usw. gewesen zu sein,
verblasst zunehmend mit dem einst getriebenen Aufwand spielen zu können.
Dahinter, hinter dieser Krankheit. verbirgt sich Verrat, Untreue und Verlogenheit.
Dabei ist es doch nicht relevant, dass man süchtig ist, sondern inwiefern jeder es auch weiterhin zulässt.
Aufzählen brauche ich dabei nichts mehr, dies habe ich und so viele hier schon zu genüge.
Natürlich auch mit dem jeweiligen "Postum Verständnis" ja auch einmal selbst vergangenheitlich alle wichtigen Werte getreten zu haben.

Keiner würde erwarten sich danach einfach selbst zu kreuzigen, obwohl es doch den meisten aktiven Spielern bewusst war, was sie anderen antaten.
Aber eines Tages an einen Punkt zu kommen, ohne nun auch wirklich abzurechnen, wäre mehr halb als ganz.
Ich ( der Esel zuerst ) klinge schon fast wie ein besessener Pharisäer in diesen Worten.
Im Grunde ist es mir egal ob "Hinz oder Kunz" meine Glaubhaftigkeit in diesen Aussagen als unglaubwürdig ansehen,
Aufgrund meiner langjährigen aktiven Zeit als Spieler.

Und wenn aufgrund "ein Spieler bleibt immer ein Spieler" auch "ein Lügner bleibt immer ein Lügner" die Waage halten würde,
hätten "Hinz und Kunz" auch recht!
Heute bin ich an einer Spielo vorbei gefahren, durch die Fenster sah ich diese Automaten, sie leuchteten alle grün.
Früher habe ich mich immer darüber gefreut, weil sie dann nicht besetzt waren.
Eigentlich freute ich mich genau so wie heute darüber.
Weil eines sicher, damals wäre mehr als nur einer im roten Lichte und ich erzähle es jedem gerne den es etwas angeht.
Wie es war und wie oft ich dort verweilte...und vor allem warum ich es nicht mehr mache! 
Doch glaubt es mir ruhig, mit Schweigen und Lügen wäre ich kaum weiter als " Hinz und Kunz" auch denken könnten.

Tobi, Ehrlichkeit bedarf keiner taktischen Anweisung, Du sollst es auch selbst entscheiden wann und wie.
Du suchst weiter nach einem Kick ? Kaum könnte ich mir einen größeren vorstellen...
Als mich selbst geoutet zu haben , alle Lampen einst im roten Licht zu erleuchten.   
     

Liebe Grüße     









u
 
     
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T
Re: Die ewige Suche nach dem Kick
#31: 21.12.2021 13:00:08
Achtung Spoiler-Alarm! - Sie weiß Bescheid!

(Ich labere manchmal bisle viel Mist raus, aber das ist meine Art. Vielleicht haben die ganzen ständigen "Ich bin f..... King Kong muhaaaa" und 10 Minuten später "Ich bin nicht mal die Luft wert, welche ich gerade atme", mich dazu gemacht wie ich heute bin und die Leute teils echt vollschwalle. Es ist nicht böse gemeint und verachtend, aber so bin ich.)

Ich hab mich ein wenig gefühlt wie Denzel Washington im Film "Flight". Er hatte sein ganzes Leben über seine Sucht gelogen und wäre eigentlich am Ende aus allem raus. Er hatte nur noch ein einziges Mal lügen müssen, aber sein Repertoire an Lügen war aufgebraucht.

So fühlte ich mich also gestern, als ich vorgestern mal wieder lügen musste, warum wir kein Netflix mehr schauen können (ich habe die Kreditkarte bis auf den letzen Euro ausgeschöpft und das monatliche Abo konnte nicht abgebucht werden). Ich kann und möchte nicht mehr Lügen.
Meine Frau hat mir soviel Kraft, Liebe und Halt die ganzen Jahre gegeben. Ich hingegen habe Sie teilweise behandelt wie ein Stück S......! Dafür schmäme ich mich. Die Schuldgefühle waren nicht mehr ertragbar.

So habe ich es Ihr gebeichtet. Auch die Dinge, welche Sie niemals erfahren hätte. Alles, wirklich alles.
Ich dachte einmal in meinem Leben machst du etwas ganz oder gar nicht.
Sie war sehr geschockt und brauch auch Zeit das alles irgendwie zu verdauen. Zum anderen aber auch teilweise erleichtert, denn sie fragte sich ja auch wo die ganze Zeit das viele Geld hin ist. Das ich doch längst aus meinen Schulden sein müsste. Sie hat sich auch Vorwürfe gemacht, es nicht erkannt und nichts dagegen unternommen zu haben. Ich hoffe ich konnte Ihr diese Gefühl weitestgehend ausreden, denn wie Ihr alle selber zu genüge wisst, haben wir uns in den Jahren selbst zu Meistern in Manipulation und Ausreden ausgebildet.

Dennoch war Ihr erster Satz den Sie sagte: "Was kann ich tun, wie kann ich dir helfen?"; Das meinte ich in meinem ersten Post, wieviel Glück ich doch in allen Lebenslagen immer hatte. Gerade mit Ihr. Sie ist so ein wahnsinnig toller Mensch und dennoch hab ich Sie mit dreckigen Füßen getreten.
Ich weiß selbst nicht warum ich die Chance noch bekomme?! Ich weiß nicht warum es noch Menschen an meiner Seite gibt. Das ist keine Gejammer. Es gibt kein Gejammer mehr ;) Aber man stellt sich dennoch die Frage, weil man es manchmal einfach nicht versteht, so wie man die Liebsten behandelt hat,

Mein Frau kommt zu dem nächsten Termin mit und das freut mich sehr. Ich möchte, dass Sie mehr über meine Krankheit erfährt. Das alles was ich gemacht habe nicht aus böser Absicht oder Dummheit geschah, sondern weil ich krank bin! Zudem bekommt Sie heute Abend alle Zugänge zu meinen Konten und Karten und wird diese regelmäßig kontrollieren.

Ihr habt Recht, dass mein Suchthirn noch vorhanden ist. Aber darum geht es jetzt daran zu arbeiten. Ich baue mir gerade meine Säulen zusammen:  Meine Frau im täglichen Austausch, Mein bester Freund (mind. 1x wöchentlich), Tägliches Lesen/Schreiben im Forum, SHG (erste Sitzung am 13.01.) und Therapie/Zweitgespräch (30.12.) und danach geplant Therapiegespräch und SHG im wöchentlichen Wechsel.

Ich hoffe ich habe euch nicht zu sehr vollgeschwallt. Jacky, medea, aT, Fred, Andre, vielen Dank! Ihr habt Euch viel Zeit genommen und mir so sehr geholfen. Ohne Euch wäre ich jetzt nicht an diesem Neustart in meinem Leben! Ich werde keine Eintagsfliege sein ;)


Servus wa, und frohe Weihnachten! (wenn wir uns nicht wiederlesen  ;) )

Du, weste eigentlich, das menerener dir schon VOR Weihnachten irgendwo irgendwas zocken sieht?

Harald, auch dir muss i Danke sage und nadirlich frohs Fescht! Aber hasch Pech ket! Mich krigsch nimme so schnell los. I beib dohannä und vor und a noch weihnachte spielfrei! ;

In tiefster Dankbarkeit

Tobi
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« Letzte Änderung: 21.12.2021 17:59:13 von Tobi »
 
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Re: Die ewige Suche nach dem Kick
#32: 22.12.2021 10:52:12
Moin Tobi,

du hast die richtigen Schlüsse gezogen und dich auf den Weg gemacht, die richtige Richtung eingeschlagen!
Mit der Beichte gegenüber deiner Liebsten hast du einen großen Schritt gemacht meiner Meinung nach, es müssen viele weitere (auch kleinere) folgen. Du hast verstanden, worum es geht, beim Umgang mit der Sucht, ein elematarer Schritt.
Interessanter Weise geben sich die Angehörigen zumeist eine Mitschuld an der vertrackten Situation, wobei sie die ganze Zeit über getäuscht und manipuliert wurden durch die geschickte spielweise des Süchtigen und das Vertrauen, welches sie über Jahre in den Partner investiert hatten. Nunja, es wird viel Aufklärungsarbeit nötig sein in nächster Zeit (grandios, dass du sie beim nächsten Mal mitnehmen möchtest), es werden auch Tiefs folgen, mit denen du umgehen werden musst, aber wenn du weiterhin Problme offen aussprichst und auch deine Gefühlslagen kommunizierst, wirst du den ganzen Weg in die Abstinenz gehen, davon bin ich überzeugt!
Grüße,
aT
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Re: Die ewige Suche nach dem Kick
#33: 22.12.2021 21:20:16
Hallo Tobi,

Mein Frau kommt zu dem nächsten Termin mit und das freut mich sehr. Ich möchte, dass Sie mehr über meine Krankheit erfährt. Das alles was ich gemacht habe nicht aus böser Absicht oder Dummheit geschah, sondern weil ich krank bin! Zudem bekommt Sie heute Abend alle Zugänge zu meinen Konten und Karten und wird diese regelmäßig kontrollieren.

Ihr habt Recht, dass mein Suchthirn noch vorhanden ist. Aber darum geht es jetzt daran zu arbeiten. Ich baue mir gerade meine Säulen zusammen:  Meine Frau im täglichen Austausch, Mein bester Freund (mind. 1x wöchentlich), Tägliches Lesen/Schreiben im Forum, SHG (erste Sitzung am 13.01.) und Therapie/Zweitgespräch (30.12.) und danach geplant Therapiegespräch und SHG im wöchentlichen Wechsel.

Manch einer könnte sagen, dass alles reicht noch nicht, was nützt das alles wenn Du es nicht mit Dir selbst schaffst,
Du musst immer auf der Hut sein und eines Tages könnte alles wieder vergessen sein usw...
Und sicherlich es sind ja erst einige Tage.....

Du hast hier im Forum jede Kritik/Hilfestellung angenommen , auf jede geantwortet.
Unglaublich schnell so viel gleich umgesetzt, kaum bei etwas widersprochen oder rumgedrückt.
Ein so wichtiges Mitglied in unserer "Gemeinde" hier geworden, emphatisch und freundlich.
Hast Zuspruch und Hilfestellungen gesucht und gefragt. 
Da geht kaum mehr und es geht ja immer noch weiter und höher diese Treppe hinauf.
   
Unser lieber Autor "amTiefpunkt" schrieb von grandios und von seiner Überzeugung in Dich und Deinen Weg.
Nahtlos schließe ich mich daran an!

Was alles noch kommen mag steht nicht in Bewertung, selbst event. Rückschläge verlieren an Bedeutung.
Solange Du an Dich glaubst, niemals stehen bleibst und mit Deiner Familie in Eintracht lebst.
Und auch wir haben zu danken, Dich hier ein wenig begleiten zu dürfen.
In zwei Tagen ist Weihnachten, es soll das Schönste für Euch werden.

Liebe Grüße   
 


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Re: Die ewige Suche nach dem Kick
#34: 23.12.2021 12:47:41

Du hast hier im Forum jede Kritik/Hilfestellung angenommen , auf jede geantwortet.
Unglaublich schnell so viel gleich umgesetzt, kaum bei etwas widersprochen oder rumgedrückt.
Ein so wichtiges Mitglied in unserer "Gemeinde" hier geworden, emphatisch und freundlich.
Hast Zuspruch und Hilfestellungen gesucht und gefragt.

Ich spüre eine andere Chance. Eine nie da gewesene Chance, mein Leben zurück zu bekommen. Erstmals nach 20 Jahren hab ich endlich Gehöhr gefunden.
Menschen die fühlen wie ich. Menschen die mich verstehen, nicht verurteilen, sondern unterstützen und an mich glauben ;) Das ist unbeschreiblich :)

... es werden auch Tiefs folgen, mit denen du umgehen werden musst...

Natürlich hatte ich eine starke Anfangseuphorie. Daran ist denke ich auch nichts Verwerfliches. Dennoch betrachte ich die meisten Dinge nach kurzester Zeit relativ realistisch. Auch wenn Ihr vielleicht jetzt schon mehr an mich glaubt, als ich selbst. :) Mein Glaube an mich wird zwar von Tag zu Tag stärker, doch vertraue ich mir noch nicht. Dafür hatte ich zu viele Rückfälle. Auch wenn diese "nur" innerhalb von Spielpausen waren.

Andere feierten hier im Forum jeden spielfreien Tag und sind einfach Ihren alten Hobbies nachgegangen und fühlten sich gut. Ich möchte das auch gar nicht schmälern ...wieder 24h geschafft...das ist super und ich bin auch froh über jeden weiteren spielfreien Tag. Wobei ich da auch meinen innerlichen Finger hebe und mich selbst sah.
Ich muss mich damit beschäftigen und auseinander setzen. Nur nicht spielen, heißt nicht, dass ich es geschafft habe. Ich muss Mittel und Wege finden dauerhaft spielfrei zu bleiben und irgendwann nicht mehr spielen zu wollen und müssen.

Mir ist bewusst, dass es bei mir innerhalb der nächsten Wochen "schlechte" Tage geben und mein Suchtdruck steigen wird. Es wird Stresssituationen innerhalb der Familie, Stress oder Langeweile am Arbeitsplatz geben und auch mal ein oder zwei Kolben zu viel. Ich hab ein breites Netz aufgespannt, indiesem ich versuche ständig zu kommunizieren, aber auch mit einer gewissen Gelassenheit um meinem Kopf wieder Zeit zu geben alles zu verarbeiten.

Ich will möchte für diese Situationen gewappnet sein. Ich hoffe, dass ich mir in den nächsten Wochen, gerade durch die Therapiegespräche und die SHG, Methoden zu entwicklen um diese Situationen zu bewältigen.

Jetzt packe ich es an und hole mir mein Leben zurück!

Falls wir uns nicht mehr lesen, wünsche ich Euch allen ein tolles und spielfreies Weihnachtsfest!

Tobi

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« Letzte Änderung: 23.12.2021 15:37:28 von Tobi »
 
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Re: Die ewige Suche nach dem Kick
#35: 28.12.2021 19:08:09
Ich sitze gerade mit meinem besten Freund in der Kneipe und wir trinken ein Bier. Haben heute gar nicht drüber geredet, weil er gerade bisle Stress hat. Das haben wir gestern schon. Abgehackt für die Woche ;)

Es funkelt und blinkt hinter mir...
Freispiele...Auf jetzt muss er geben... Auf geht's Verlängerung...
 
Ich hab keine Freispiele...

...ich hab spielfrei ;)

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Re: Die ewige Suche nach dem Kick
#36: 28.12.2021 20:15:57
Es funkelt und blinkt hinter mir...
Freispiele...Auf jetzt muss er geben... Auf geht's Verlängerung...

Blöde Frage .. warum tust du dir das an ?
Ich würde in der Anfangszeit solch Situationen auf Teufel komm raus vermeiden.
Unser Hirn reagiert da auf Licht/Sound und sonstige "Bekannte".

Und "abgehakt" für die Woche ... am Dienstag ? Oder verstehe ich was falsch ?

Dein letzter Satz ist der gruseligste:
"ich habe spielfrei"

Genau so ist es nämlich. Du spielst ein paar Tage nicht. Mit Abstinenz hat das nix zu tun.

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medea888

Re: Die ewige Suche nach dem Kick
#37: 28.12.2021 22:47:05
Hallo Tobi,

Also sorry, das halte ich auch für ein riskantes spielchen was du da mit deinem Sucht Teufel versuchst. Es gibt genügend Kneipen in denen es keine Automaten gibt. Was willst du dir damit beweisen??? Das klingt wirklich nicht nach ernsthafterm Beschäftigen "abgehakt" ist hier gar nichts.
Pass auf dich auf!!!!  Aktuell bist du noch dein größtes Hinderniss.
Sei achtsamer.
LG Medea


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Re: Die ewige Suche nach dem Kick
#38: 29.12.2021 01:41:33
Hallo zusammen,

erstmal bin ich sehr froh über Eure Nachrichten und jede Meinung. JEDE! DANKE! Ich versuch tiefer darauf einzugehen...

Dein letzter Satz ist der gruseligste:
"ich habe spielfrei"
Der war nicht so cool  ;D Ich dachte ist ein witziges Wortspiel - Freispiele - spielfrei. War nicht meine Sternstunde  :D

"abgehakt" ist hier gar nichts.

Und "abgehakt" für die Woche ... am Dienstag ? Oder verstehe ich was falsch ?

Ich hab des ein wenig, zu wenig ausgeführt. Entschuldigt bitte.
"Abgehackt", war damit das wöchentliche Gespräch mit meinem Freund, welches wir schon gestern geführt hatten. Dieses haben wir uns vorgenommen einmal die Woche zu führen, wobei es nur um meine Sucht und Krankheit geht. Das steht auf meiner Agenda und dadurch wir das gestern geführt hatten konnte ich das "abhacken" und einen Abend mich mit seinen Problemen beschäftigen und auch mal meinem Kopf ein wenig anderen Input geben.
Mein bester Freund hatte mich gebraucht, da es in der Ehe von Ihm ein wenig kriselt. "Du, kein Problem, ich bin für dich da!" Wie er auch für mich da ist und war. Klar, kein Frage... So sind wir in die Kneipe im Ort (die einzigste im Ort) und haben ein Bierchen getrunken und geredet. Ich habe da früher auch gezockt. Klar, ich hab ja überall gezockt. Und das ist der Grund für mich. Ich hab überall gezockt. Ich kenne fast keine Straße, keinen Ort, keine Spilo, kein Wettbüro, f*** keine Stadt, Herr Gott ich kenne fast keinen Menschen mit denen ich direkt oder indirekt gezockt habe.

Blöde Frage .. warum tust du dir das an ?
Ich würde in der Anfangszeit solch Situationen auf Teufel komm raus vermeiden.

...ein riskantes spielchen was du da mit deinem Sucht Teufel versuchst....
Was willst du dir damit beweisen???

Ich meine damit, ich möchte mir damit nichts beweisen. Einen Euro reinstecken um zu schauen ob ich "noch süchtig" bin. Darüber bin ich schon hinaus. Es ist auch nicht der Grund, der Drang (den momentan aktiven) Spielern zuzuschauen und zu denken: "Ha, du bist dumm! Du bist noch nicht so weit wie ich, bla bla bla" - Nein, das ist es nicht. Wenn das jedoch ein typisches Suchtverhalten ist, bitte klärt mich auf!!

Und bitte korrigiert mich, wenn ihr das sieht, was ich noch nicht sehe!

Ich laufe nicht nicht mehr weg. Doch ich kann nicht alle meine Freundschaften (ja, richtige Freundschaften, keine Spielokameraden) kündigen, mich vom aktiven Vereinssport zurückziehen, nur noch zum Italiener um die Ecke und nicht mehr in ne Kneipe oder Bar gehn, nie wieder Sport (Live oder im TV) verfolgen, nur weil damit mein Suchtverhalten konfrontiert werde. Im Tennisverein fängt einer an: "Hast du die Q von Djoko gesehen?" - Was soll ich tun? Soll ich mich daheim einsperren? - Es wird auch Situationen in meinem Leben geben, wo "Spielofreunde" mich ansprechen, auch welche wo ich monate nicht gesehen habe: "Steigst du ein? Jeder Zwanni." - Was soll ich tun? Soll ich mich daheim einsperren? Soll ich mit dunkler Sonnenbrille durch die Welt laufen, nur um keine blinkenden Lichter mehr zu sehn?
Auch wenn Ihr sagt, ich solle die Situationen vermeiden. Werden die Situationen wieder kommen. Ich werde damit konfrontiert werden. Das bringen zwanzig Jahre exzessiven Spielens leider mit sich. Ich habe eingesehen, ich bin krank. Ich möchte nicht mehr spielen. Und ich muss doch lernen mit diesen Situationen umzugehen?! - Sonst ist es doch wieder nur ein Weglaufen? - Ich möchte nicht mehr weglaufen!

Ich bin dankbar für jede Zeile, jeden Buchstaben von jedem von Euch!!

LG
Tobi







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« Letzte Änderung: 29.12.2021 02:14:29 von Tobi »
 

Re: Die ewige Suche nach dem Kick
#39: 29.12.2021 08:33:40
Moin Tobi,
du zockst doch voll weiter. Nicht am Automaten, aber mit deiner Zukunft.
Und weiß der Teufel womit noch alles.

Und bitte korrigiert mich, wenn ihr das sieht, was ich noch nicht sehe!

Ich laufe nicht nicht mehr weg. Doch ich kann nicht alle meine Freundschaften (ja, richtige Freundschaften, keine Spielokameraden) kündigen, mich vom aktiven Vereinssport zurückziehen, nur noch zum Italiener um die Ecke und nicht mehr in ne Kneipe oder Bar gehn, nie wieder Sport (Live oder im TV) verfolgen, nur weil damit mein Suchtverhalten konfrontiert werde. Im Tennisverein fängt einer an: "Hast du die Q von Djoko gesehen?" - Was soll ich tun? Soll ich mich daheim einsperren? - Es wird auch Situationen in meinem Leben geben, wo "Spielofreunde" mich ansprechen, auch welche wo ich monate nicht gesehen habe: "Steigst du ein? Jeder Zwanni." - Was soll ich tun? Soll ich mich daheim einsperren? Soll ich mit dunkler Sonnenbrille durch die Welt laufen, nur um keine blinkenden Lichter mehr zu sehn?
Auch wenn Ihr sagt, ich solle die Situationen vermeiden. Werden die Situationen wieder kommen. Ich werde damit konfrontiert werden. Das bringen zwanzig Jahre exzessiven Spielens leider mit sich. Ich habe eingesehen, ich bin krank. Ich möchte nicht mehr spielen. Und ich muss doch lernen mit diesen Situationen umzugehen?! - Sonst ist es doch wieder nur ein Weglaufen? - Ich möchte nicht mehr weglaufen!

Du gibst doch schon wieder 1000 Erklärungen warum du in deinem Leben absolut nichts ändern musst.
Ich gehe nicht einzeln auf diesen Schwachsinn ein, erzähle nur ein wenig was ich gemacht habe.

1) alle Personen gemieden, die noch aktive Spieler sind
2) alle Orte gemieden, wo Spielautomaten stehen. Wirklich ALLE. Selbst kein Essen beim Griechen abgeholt, weil dort ein Automat hing.
3) Freunden/Bekannten erklärt warum ich in eine bestimmte Location nicht gehen möchte, ja nicht gehen kann.
4) eigentlich alle Aktivitäten vermieden die mir als "riskant" erschienen, kein Ausgehen, keine Kneipe, kein "rumgammeln"

Nicht für immer, aber für die ersten Monate.
Diese Opfer sind noch verdammt klein im Verhältnis zu dem was du dafür bekommst.

Aber so meine ganz persönliche Meinung.
Im Moment spielst du nicht, weil dein "Verstand" dir sagt, dass es nicht gut ist.
Eigentlich möchtest du aber schon weiterzocken, nur kein Geld dabei verlieren.
Deine Bekundungen und "ah ich verstehe" hier, scheinen mir wie Lippenbekenntnisse.
Eine wirklich Abstinenzentscheidung sehe ich nicht einmal im Ansatz.
Es wäre schön, wenn ich Unrecht habe.
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Re: Die ewige Suche nach dem Kick
#40: 30.12.2021 18:01:35
Vielleicht rede ich Schwachsinn, vielleicht redet mein Suchthirn.
Vielleicht war es aber auch einfacher für den einen oder anderen von Euch, welcher "nur" Automatenspieler war. Mein Suchtmittel war (in den letzten Jahren) zu 90% entweder mein PC auf der Arbeit oder mein Handy und mit diesen werde ich täglich konfrontiert.
Für einige von Euch war es vielleicht leichter, einfach direkt nach Hause fahren und nirgends rumgammeln.
Die Automaten haben durch die angepasste Verordnung schon länger den Reiz für mich verloren.
Ich muss für mich Wege finden und Methoden entwickeln absitend zu werden, während die Suchtmittel für mich zur Verfügung stehen. Sonst müsste ich mein Beruf wechseln und das kann nicht die Lösung sein. Daher muss ich auch lernen, ein Bier in der Kneipe zu trinken ohne zocken zu wollen, auch wenn ich früher sehr viel gedrückt habe. Die größte, meine größere Gefahr, liegt an anderen Orten. Denn wenn daran die Definition von Abstinenz geknüpft ist, dann hab ich noch größere Probleme als jetzt schon.

Ich bin dennoch äußerst gespannt auf das heutige Gespräch, mit meiner Frau und der Suchtberatung, meine Spielanalyse und welche weitere Vorgehensweise mir da vorgeschlagen wird.

Tobi
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Re: Die ewige Suche nach dem Kick
#41: 30.12.2021 18:12:14
Hey Tobi,

ich finde es gut, wie Du das alles für Dich analysierst. Und auch, dass Du Dich nicht gleich umwehen lässt von der Kritik hier im Forum. Letztendlich bringt einen jeder kritische Hinweis und die Auseinandersetzung damit ja ein Stückchen weiter!!

Für Dein Gespräch bei der Beratung mit Deiner Frau wünsche ich Dir alles Gute!! Es ist gut, dass Ihr das noch in diesem Jahr habt. Je mehr ihr Eure Gefühle noch sortiert vor dem Jahreswechsel, desto leichter ist es an Silvester gemeinsam ins neue Jahr zu starten.

Sei Du jeden Tag stolz auf die Tage, die Du schon in der Erfolgstabelle stehen hast. Du hast Dich doch bisher gut geschlagen. :-)

JJ
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Re: Die ewige Suche nach dem Kick
#42: 30.12.2021 18:33:42
Du solltest die Konfrontation mit dem Spielen jedoch nicht gleich am Anfang "gewinnen" wollen.
Das alte Sprichwort "Wer sich in Gefahr begibt, kommt darin um" bewahrheitet sich bei Suchtkranken leider ganz besonders oft.

Deine steten Begründungen etwas nicht zu ändern, beunruhigen mich ein wenig.
Begründet doch eine grundlegende Verhaltensänderung erst die Abstinenz.

Aber die ersten Schritt sind schon mal absolut gut und richtig.
Bleib dabei
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Re: Die ewige Suche nach dem Kick
#43: 03.01.2022 19:22:11
Hi zusammen,

das Zweitgespräch bei der Diakonie hat leider nicht stattgefunden. Ich bin innerlich sehr gestresst, angespannt und nervös mit meiner Frau dorthin gegangen.
An der Eingangstür sahen wir einen Zettel mit der Aufschrift: "Leider müssen wir die Sprechstunde für Glücksspiel unter Internet bei Herrn XXXXX heute kurzfristig absagen. Weiß gar nicht was ich dazu sagen soll. Sehr schade und enttäuschend.
Ich habe mir dann das positive herausgezogen, dass meine Frau mit mir den Weg dort hin gegangen ist und auch wieder gehen wird.
Zudem habe ich Sie ein Thema hier im Forum lesen lassen um sich noch mehr mit dieser Krankheit vertraut zu machen. War ganz gut für uns beide als Alternative zum ausgefallenen Gespräch.
Heute habe ich einen neuen Termin bekommen, der allerdings erst in 2 1/2 Wochen stattfindet.
Um die Zeit bis dahin intensiver an mir arbeiten zu können, werde ich mich morgen um eine weitere/andere SHG bemühen, da diese dort, aufgrund der Pandemie, momentan jetzt nicht mehr stattfindet.

Jetzt ruft mich gestern ein Freund an, ob ich abends zum Pokern komme. Ich sagte, ich überlege es mir und melde mich. Meine Frau hingegen meinte, klar mach doch Ihr schaut ja auch Football zusammen. Das tut dir bestimmt gut mal wieder rauszukommen. Sie weiß noch nicht richtig, wie Sie mit mir umgehen soll. Das erhoffe ich mir von dem gemeinsamen Therapiegespräch.

Diese Pokerrunden waren in meiner Vergangenheit nie ein weiterer Auslöser für einen Rückfall. Oder ein leichter Kick der mich wieder angefixt hatte. Denn es ging ja eh um Peanuts. Obwohl ich mit mir haderte, denn ich hatte eigentlich gar keine Lust. Ich hatte direkt nach dem Anruf nicht das Gefühl, wow nice klar voll Bock, sowie noch vor ein paar Wochen. Nein. Ich wollte eigentlich gar nicht. Ich wünschte er hätte mich nicht angerufen, so dass ich jetzt in dieser Lage bin. Dennoch sagte ich eine Stunde später zu...

...und eine weitere später wieder ab. Denn da war sie wieder diese Machtlosigkeit. Ich will eigentlich nicht, aber ich mache es trotzdem? - Nein Junge, das muss ein Ende haben. Das muss aufhören! Es war so schwierig und immer weder redete ich mir ein, du gehst ja nicht wegen dem Spiel, sondern der Geselligkeit dort hin. Dann ich es ja ok. F*** nein ist es nicht!

So habe ich mich an Eure vorherigen Posts erinnert. Ich muss was ändern. Ich darf nicht wöchentlich in diese Situationen kommen. Mit der einen komme ich vielleicht klar und ich denke sie macht mich stärker, mit der anderen vielleicht nicht. Schon gar nicht jetzt wo ich noch soweit am Anfang stehe. Ich bin noch zu tief drin und wenn ich mich weiter ständig auf diesem dünnen Eis bewege, breche ich irgendwann ein.

Vielen Dank für die Denkanstöße und klaren Worte. Auch mit Verzögerung sind wieder ein paar durchgekommen. Danke!

Und natürlich Euch allen einen tollen Start in das neue Jahr!

Tobi
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Re: Die ewige Suche nach dem Kick
#44: 12.01.2022 11:37:28
Wenn dein halbes Leben, wie in meinem Fall, aus Zocken bestand ist es natürlich das Hauptthema in meinem Leben. Deshalb bin ich hier. Es soll aber auch ein großes Thema in meinem Leben bleiben. Nicht das zocken, sondern die Abstinenz.

Natürlich sollte die Zeit, die Gesundheit und meine Familie eigentlich genug Grund sein damit aufzuhören, aber das reicht mir leider nicht. Ich denke aber auch, dass dies ein großes Merkmal eines pathologischen Spielers ist.

Gestern hatte ich ein großes Problem auf der Arbeit, welches ich nicht einfach lösen konnte. Ich wurde nervös und unruhig. Und es kam natürlich wieder der Gedanke ans Zocken. Nur ein wenig zum Entspannen. Und nach einem Monat, seitdem ich nicht mehr gezockt habe, kam ich genau wieder an den Punkt, an die Situation, wo es eigentlich wieder los ging. Daraufhin habe ich sofort eine SHG kontaktiert und mich übermorgen zu dem Termin angemeldet.

Ich habe auch seit 1 1/2 Wochen meinen Alkoholkonsum drastisch reduziert und fühle mich gut, als weitere Säule gegen meine Sucht. Da ich natürlich auch stark alkoholisiert viele Rückfälle hatte. Aber auch um mein Leben wieder in den Griff zu bekommen, denn es bringt herzlich wenig, wenn ich nicht mehr spiele, aber mich dafür gleichzeitig totsaufe. Es erfordert doch aber auch viel Kraft und Energie. Dadurch geriet meine Spielsucht in den letzten Tagen in den Hintergrund und schon kam des Teufele wieder raus. Das ist wirklich der blanke Wahnsinn, dass ich mich nicht mal eine Woche auf meine Fitness, auf den Alkoholverzicht, auf meine Gesundheit fokussieren kann, ohne dass mein Suchthirn das sofort erkennt und wieder rauskriecht.

Ich muss mich täglich damit auseinander setzen.

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