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Autor Thema: Der berühmte Tiefpunkt

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Re: Der berühmte Tiefpunkt
#15: 15.11.2020 18:35:14
Ich habe das Gefühl, dass Spieler Menschen wie Spielautomaten behandeln und einfach alles manipuliert wird.. Es treibt einen wirklich in den Wahnsinn, das Nervenkostüm wird sehr dünn

Solange der "Spieler" aktiv ist, hast du zu 100% Recht. Immer und zu jeder Zeit.
Selbst Reue und Zugeständnisse sind geplante "Schachzüge".
"Wir" sind in diesem Punkt echt pervers ...
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Re: Der berühmte Tiefpunkt
#16: 15.11.2020 23:28:08

Hallo Darksoul

Es sich und anderen eingestehen fällt auch schwer oder?

Nach einiger Zeit gesteht man es schon ein, dass man spielsüchtig ist.
Es zieht einem ja immer dahin, wie ein Magnet mit unbändiger Kraft.
So traf ich früher schon einige die sagten sie seien spielsüchtig, bevor sie wieder alles verloren.
Auch mir war es durchaus bewusst, doch änderte es nichts.

Dennoch entstand dadurch ein immer wieder kehrender Gedankengang, der irgendwann zu einem festen Entschluss wurde.

Doch niemals absolut niemals hätte ich es aufgebracht einem lieben Nahestehenden dies zu erzählen!
Auch dieser Entschluss musste erst enorm wachsen, meiner Familie zu erzählen dass ich ein pathologischer Spieler bin und Unsummen verspielt habe, war einer meiner schwierigsten Momente in meinem Leben.
Damit wusste ich und es war mir klar, zukünftig wird sich so einiges ändern.
Nicht was der Umgang mit meiner Familie bedeutet, sondern dass ich damit meine Abstinenz sozusagen unterschrieb.
Kein zurück mehr, kein zurück in mein altes erbärmliches Zockerleben.

Ich habe es versprochen!
Es mag Süchte geben bei denen ein solch Versprechen sich nahezu in kurzer Zeit in Luft auflöst.
Aber nicht nachdem man begriffen und wirklich registriert hat,  ich möchte mein Leben nicht mehr wegwerfen!
Und eines der Gründe warum ich schon noch oft hier im Forum bin , mich daran zu erinnern.
Dies geht schon sehr weit bei mir, nahezu wie bei "Alex" (Uhrwerk Orange) ...wenn ich Geräusche eines Automaten höre oder eine Roulettekugel am Anschlag, empfinde ich eine Übelkeit...genau so wie früher, nachdem ich alles verspielt habe.

So habe ich einfach zu lange gespielt, bis ich erst angefangen habe wirklich davon zu berichten.
Nicht einmal von mir dem Spieler, sondern von mir dem Menschen.

Ja, dies viel mir beim ersten male sehr schwer, ich freue mich aber es nun gerne zu tun.
Ich muss es nie mehr verbergen!     

Liebe Grüße
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medea888

Re: Der berühmte Tiefpunkt
#17: 16.11.2020 11:17:13
Guten morgen Darksoul,

ich kann deine Wut gut verstehen und alles was die anderen geschrieben haben stimmt natürlich. Als nasser Spieler ist man in seiner eigenen Welt gefangen, dein Freund sieht die Dinge momentan nicht so wie Du, er sieht nur seine Sucht, die ihn genauso manipuliert wie er andere manipuliert, das soll keine Entschuldigung für ihn sein, eher ein Erklärung, denn am meisten belügt er sich selbst und um bei sich selbst nicht aufzufliegen benutzt er sein gesamtes Umfeld. Ich bin jetzt fast 11 Monate trocken und erst seit kurzer Zeit, fange ich an mich von damals zu erkennen, wie als würde ich zurückblicken und da ist ein großes Nebelfeld.... als Spieler war ich in dem Nebel gefangen und  nur ab und an, vor allem wenn ich viel verloren hatte und die Reue mich fertig machte, blickte ich kurz raus aus dem Nebel aber ich konnte ihn lange Zeit nicht verlassen und dann holte er mich immer wieder ein. Das zu erkennen, wenn man drin steht ist unglaublich schwierig und hat auch bei mir einige Anläufe gebraucht, aber irgendwann war ich eben bereit wieder im Licht zu stehen und mich nicht mehr im Nebel zu verstecken. Ob und wann Dein Freund das erkennt und versucht wieder ins Licht zu kommen, dass kann Dir niemand beantworten, leider nicht mal ob er jemals wieder rauskommt. 
Es gibt im Netz gute Artikel zum Thema Suchthirn, vielleicht suchst du nochmal danach. Aber vor allem versuch Du im Licht zu bleiben und Dich nicht immer wieder in seinen Nebel ziehen zu lassen.
LG Medea
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Taro

Re: Der berühmte Tiefpunkt
#18: 17.11.2020 13:22:12
Es sich und anderen eingestehen fällt auch schwer oder? Ich finde es mangelnd Spielern generell an Selbstreflexion und Kritikfähigkeit. Habe das Gefühl es wird einfach immer alles verdrängt. In klaren Momenten ist man durchaus rational und gesteht sich ein, dass man krank ist und Hilfe braucht, in anderen Momenten kommt wieder das Spieler Ich.

Das ist erstmal das normale Verhalten eines Süchtigen. Alles andere muss vor der Sucht zurückstellen. Wenn er irgendwann aus den Sumpf raus will ist das seine Entscheidung. Hilfe von außen ist kaum möglich und wenn dann nur das durchziehen unangenehmer Konsequenzen.

Im Leben verläuft nicht alles wie geplant. Meine Aufgabe ist es auf unangenehme Vorfälle angemessen zu reagieren. Dabei ist es egal ob es der Süchtige Partner, die Kinder oder ein Arbeitgeber ist. Die Antworten auf Fragen die das Leben stellt hole ich mir Hilfe, wenn ich selber keine Antwort kenne.
Nur oft fehlt es den Angehörigen an selbstreflexion sich einzugestehen das sie es sind die Hilfe brauchen.

Taro
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Re: Der berühmte Tiefpunkt
#19: 22.11.2020 21:09:05
Danke für all eure Antworten. Vor allem die Einblicke in die Gedanken eines Suchtkranken. Ich sehe es ja nur von außen, und so sehr ich auch versuche alles nachzuvollziehen, fällt es mir natürlich oft schwer, zumal ich einfach persönlich davon betroffen bin.

Ich kann nicht helfen, das habe ich eingehen, doch der Wille diesbezüglich ist da. Und ich finde zumindest unterstützen kann man, nur ist es wirklich schwierig mit einem spielsüchtigen eine Beziehung zu führen..
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