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Autor Thema: Der berühmte Tiefpunkt

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D
Der berühmte Tiefpunkt
OP: 28.10.2020 13:23:38
Mich würde mal interessieren, ob die Spieler unter euch den berühmten Tiefpunkt erreichten, bevor sie wirklich ernsthaft und aktiv aufhören wollten mit dem Spielen.

Vielleicht möchte ja der ein oder andere mal ein wenig erzählen?..
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D
Re: Der berühmte Tiefpunkt
#1: 28.10.2020 14:21:10
Hallo Andre,

vielen lieben Dank erstmal für die Antwort und deine persönliche Geschichte. Und Glückwunsch, dass du nun so lang schon trocken bist:)

Es ist schwierig, wir drehen uns momentan im Kreis und seine anfänglichen Taten und Versprechen Spielfreiheit zu gewinnen, haben sich in Luft aufgelöst. Seine Familie und ich warten eigentlich nur noch auftun Supergau, wo wir ihn komplett fallen lassen müsse, weil ich denken, dass er nur dann erkennt was seine Sucht alles anrichtet.. Wir wollen ihm nur helfen, aber wir können nichts tun. Er muss es selbst wollen, für sich und nicht für uns.. Ich verstehe ja, dass es schwierig ist und es auch nicht von heut auf morgen funktionieren wird, aber gerade sehe ich eher Rückschritte als Fortschritte. Und langsam bin ich an meiner Grenze.. Diese Sucht zerstört alles. Er ist schon wirklich sehr tief gesunken, vielleicht nur noch nicht tief genug, um raus kommen zu wollen?
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Re: Der berühmte Tiefpunkt
#2: 28.10.2020 15:03:35
Auch dir vielen Dank für die Antwort Harald.

Geld bekommt er von mir keins mehr, das zieh ich nun durch. Wenn er eklig wird oder mich terrorisiert, dann ist es so. Ich kann mich davon mittlerweile abschotten.

Dennoch wünsche ich mir, dass er endlich aktiv gegen seine Sucht kämpft.. Therapiesitzungen hat er die letzten beiden Male ausfallen lassen, das ist nicht gut
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Re: Der berühmte Tiefpunkt
#3: 28.10.2020 23:12:45
Hallo,

über die ganzen aktiven Jahre passierte schon so einiges.
Irgendwann ballten sich diese ganzen negativen Erinnerungen immer mehr in meinem Kopf.
Nach außen gelang es mir schon ganz gut sie zu verdrängen...aber nicht nach innen.

So war es schon ein Tiefpunkt der mich dazu brachte anzufangen endlich etwas zu unternehmen.
Dies hat nichts mit verlorenem Geld zu tun, nur mit meinen kranken Emotionen.
Ich kann sogar den Tag gut bestimmen, in einer Spielhalle, automatisches vegetieren vor einem Automaten.
Wie in einem tiefen Fall und gefühlt gleich psychisch aufzuschlagen.
An jenem Ort und jener Tätigkeit die ich über drei Jahrzehnte fast täglich machte.
Es ging nicht mehr, es war sozusagen vorbei ...ich war tot und nur das Spielen hielt mich am erbärmlichen Leben.
Dabei war es ja dieses, welches alles erbärmlich machte.
Quasi keine Lust mehr zu leben und auch keine mehr zu spielen, ich ging aus der Halle und wartete auch nicht auf mein Geld dass noch im Automaten war.

Wie es auch danach weiterging , egal was auch noch kam, zweimal war ich ja noch spielen danach.
Aber ich fuhr zu meiner Familie, ich bin es ihnen schuldig!
Am Leben zu bleiben und nicht mehr zu spielen, man sagt/schreibt es event. oft leicht.
Lieber wäre ich tot, als wieder jenes Gefühl zu haben und wer mich etwas kennt, so sehr hänge ich eh nicht am Leben.
Also werde ich nichts mehr tun, was mir meinem Lebensatem rauben könnte.

Meine Spielsucht mag immer da sein, ich aber nun auch!

Dieser damalige Tag war gefühlt mein Tiefpunkt und nur zweimal fühlte ich ähnlich .....
bei meinen beiden Rückfällen! ....da zog ich wohl das Spielen doch dem Tot vor.  :)

Liebe Grüße   
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medea888

Re: Der berühmte Tiefpunkt
#4: 29.10.2020 07:30:57
Guten morgen Darksoul,

erstmal tut es mir so leid, dass Du von deinem Freund nicht wirklich los kommst und er sich nicht retten will.

Mein persönlicher Tiefpunkt.... da ging es mir ähnlich wie Jacky, ich hatte ne Menge, die sich aufgestaut haben. Ich habe x mal versucht aufzuhören, habe mich überall sperren lassen, um dann wieder beim nächsten OC mich anzumelden und wieder und wieder.... und wieder das Gefühl, wenn alles verloren war und man aus der Trance der Sucht aufwachte und es selbst nicht fassen konnte, dass man wieder soviel Zeit und Geld verspielt hatte.... irgendwann war dann der Punkt da, da wollte ich nicht mehr morgens aufwachen und mich für die letzte Nacht vor mir selbst schämen, ich wollte nicht mehr darüber nachdenken woher ich das nächste Geld heimllich bekomme um es dann innerhalb von Minuten zu verspielen, ich war sooo müde und da war dann Schluss. Auch ich habe mir nicht mal das restliche Geld auszahlen lassen, sondern bin einfach gegangen. Ich habe mich dann zwar auch in allen OC sperren lassen aber im Nachhinein, war das an dem Punkt gar nicht mehr nötig gewesen.
Und heute noch wache ich morgens auf und genieße manchmal diesen Moment, wenn ich weiß ich habe nicht gezockt und kann einfach rausschauen und den schönen Baum vorm Fenster anschauen und fühle mich nicht mies.... Ich hab mein Leben zurück, das Gefühl ist das.

Dir alles Gute
Lieben Gruß Medea
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Re: Der berühmte Tiefpunkt
#5: 29.10.2020 17:07:36
Die Theorie mit dem Tiefpunkt hatte ich auch lange.
Bei mir selbst gab es verlorene Ehen/Kinder/Partner/Wohnungen/Arbeitsplätze etc.

Vielleicht hoffte ich immer, endlich meinen "Tiefpunkt" zu erreichen.

Die persönlichen Tiefpunkte liegen aber jedem von uns völlig woanders und es muss nicht zwingend menschliches oder soziales Elend sein.
Einem Freund von mir genügten meine Erzählungen von mir selbst, damit er schon vor knapp 30 Jahren in jungen Jahren nie wieder einen Automaten anfasste. Bei anderen genügte eine ernsthafte Drohung der Ehefrau ...

Es ist ganz unterschiedlich ... bei mir war es letzten Endes ein relativ "geringfügiger" Anlass der mich mein Leben umdrehen ließ.

Das Tragen von echten Konsequenzen ist zumindest immer ein guter Anstoss sein Spielerleben zu überdenken.
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Taro

Re: Der berühmte Tiefpunkt
#6: 29.10.2020 17:51:26
Jeder von uns hat seinen Tiefpunkt. Der eine früher der andere später. Scheinbar weiß man das nicht vorher. Und doch, nach einiger Zeit Spielhalle, gefühlt habe ich mich wie ein Zombie, ein Untoter. Mir war klar, dass ich bis ganz zum Ende spielen werde, die Zeit bis dahin kam mir quälend lang vor. Darum bin ich bewußt in die Spielbank gewechselt. Dort konnte ich das erreichen meines Punktes "nichts geht mehr" stark beschleunigen. Nun ich habe es überlebt und konnte mein neues spielfreies leben früher beginnen.

Als Partner eines Süchtigen ist es wichtig, das jeder Rückfall in die Sucht harte Konsequenzen hat, das ist das einzige womit Angehörige helfen können. So eine Nacht im Winter unter einer Brücke, optimaler Weise noch heilig Abend können  das Denkvermögen eines Suchthirns doch stark erhöhen. Hört sich etwas flapsig an, hab ich aber selbst erlebt.

Taro
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« Letzte Änderung: 31.10.2020 10:44:37 von Taro »
 
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Re: Der berühmte Tiefpunkt
#7: 29.10.2020 21:12:08
Hallo ,

Als Partner eines Süchtigen ist es wichtig, das jeder Rückfall in die Sucht harte Konsequenzen hat, das ist das einzige womit Angehörige helfen können. So eine Nacht im Winter unter einer Brücke, optimaler Weise noch heilig Abend können  das Denkvermögen eines Suchthirns doch stark erhöhen.

Und heute noch wache ich morgens auf und genieße manchmal diesen Moment, wenn ich weiß ich habe nicht gezockt und kann einfach rausschauen und den schönen Baum vorm Fenster anschauen und fühle mich nicht mies.... Ich hab mein Leben zurück, das Gefühl ist das.


Solche Dinge möchte ich lesen und hier im Forum bekam ich doch schon einiges davon.
Wie es früher war und im Vergleich zu heute ...kein comme ci comme ça.

Danke Euch beiden, danke an alle hier...ach was solls, Sternchen für alle hier im Thread.
Es mag event. nur ein Klick sein, doch kommt es aus tiefstem Herzen.
Weil es mich gerade freut hier zu sein.
...Andre, Fred, Darksoul, medea ,Taro, Harald ......alle einfach. 

Liebe Grüße
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Re: Der berühmte Tiefpunkt
#8: 01.11.2020 20:38:13
Hallo Darksoul,

einst gab ich mir meinen Forumnamen, da ich der Ansicht war, diesen Tiefpunkt erreicht zu haben. Jetzt, Jahre später, kann ich mir schon vorstellen, dass es noch tiefer geht, aber letztendlich spielt es keine Rolle mehr! Nicht immer ist es ein Tiefpunkt der zum Umdenken führt, dennoch ist dies wohl schon oft der Fall, dass ein persönlicher Tiefpunkt der Grundstein für den Entschluss zur Abstinenz ist. Ich war damals tatsächlich sehr weit unten angekommen, als ich beschlossen habe, den Weg der Abstinenz zu gehen.
Schulden im 6 stelligen Bereich, das Vertrauen der Familie verspielt, fast alle sozialen Kontakte an die Wand gefahren und die Akzetpanz der Realität verloren - nahe am Suizid. Puh, da muss ich heute noch Schlucken, wenn ich daran denke.....

Dein Freund muss es eben entscheiden, es liegt nicht an dir....

aT
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Re: Der berühmte Tiefpunkt
#9: 01.11.2020 22:07:53

einst gab ich mir meinen Forumnamen, ,,,,,

Als ich den Titel dieses Thema las, dachte ich erst Du bist gemeint.  :)

Aber dies ist schon viele Jahre her, mein lieber "berühmter"  Tiefpunkt 

Liebe Grüße
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D
Re: Der berühmte Tiefpunkt
#10: 05.11.2020 20:58:16
Hallo ihr Lieben,

tut mir leid, dass ich mich jetzt erst melde, es war etwas stressig in letzter Zeit.
Erst einmal freue ich mich, dass ihr alle den Spielteufel besiegt habt. Auch wenns natürlich schlimm ist zu lesen, was ich durchgemacht habt. Aber ihr könnt stolz auf euch sein, ihr habt ihn bezwungen und habt euren Tiefpunkt überwunden :)

Was ich mich gerade Frage: Man muss wirklich aufgehört haben zu spielen, um rückfällig zu werden oder? Ich glaube nicht, dass mein Freund rückfällig ist, sondern nie ernsthaft aufhörte.

Ich habe eingesehen, dass ich ihn nicht retten kann. Das einzige womit ich "helfe" ist ihm kein Geld zu geben, konsequenter zu sein und ihm nur zu sagen, dass er aktiv etwas dagegen tun muss..Nicht ich oder seine Familie. Wir haben ihm schon oft die Hand gereicht, er schlägt sie weg, also können wir nichts tun.

Hattet oder habt ihr eigentlich eine Suchtverlagerung erlebt? Also statt spielen dann trinken oder exzessives Konsolenspielen etc.? Soll ja auch gar nicht mal so selten sein? Teilweise parallel zum spielen oder halt in "trockenen" Phasen.
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Re: Der berühmte Tiefpunkt
#11: 06.11.2020 00:17:51
Hallo Darksoul,

Ich habe eingesehen, dass ich ihn nicht retten kann. 

Aus meinem Leben:
Letztendlich waren es jene Menschen, die ja am meisten unter mir litten, die mich gerettet haben.
Unwichtig ob sie daran glauben würden....denn ich habe mich retten lassen.
Dabei mussten sie gar nicht viel tun, so hatte ich nur Glück dass sie noch da waren.
Es ist für jeden Spieler eine Chance, geoutet zu sein, wie eine offene Tür.
Ja, mehr geht kaum.




Hattet oder habt ihr eigentlich eine Suchtverlagerung erlebt? Also statt spielen dann trinken oder exzessives Konsolenspielen etc.? Soll ja auch gar nicht mal so selten sein? Teilweise parallel zum spielen oder halt in "trockenen" Phasen.

Ich kompensierte es in meine Arbeit, irgendetwas musste ich einfach haben.
Etwas dass mich fern hielt, nicht einmal von einem Gedanken ans Spielen...sondern mir selbst.
Diese Arbeitszeit war sehr intensiv, mehr geht kaum.
Auch heute noch, kann ich kaum in einer normalen Dimension mit meiner Arbeit umgehen.

Gruß   
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D
Re: Der berühmte Tiefpunkt
#12: 11.11.2020 18:33:36
Danke für die Antworten.

Selbstdestruktion ist auch ein gutes Stichwort. Möchte nicht pauschalisieren, aber denke generell Spielsüchtige neigen zu selbstzerstörerischem Verhalten, können den Kreis nicht durchbrechen, obwohl sie genau wissen wie sehr sie sich und anderen Schaden. Ein Kreislauf aus Scheißegalhaltung und schlechtem Gewissen, kann mir nicht vorstellen, wie sich das anfühlen muss..
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Re: Der berühmte Tiefpunkt
#13: 11.11.2020 22:17:21
Selbstdestruktion ist auch ein gutes Stichwort. Möchte nicht pauschalisieren, aber denke generell Spielsüchtige neigen zu selbstzerstörerischem Verhalten, können den Kreis nicht durchbrechen, obwohl sie genau wissen wie sehr sie sich und anderen Schaden. Ein Kreislauf aus Scheißegalhaltung und schlechtem Gewissen, kann mir nicht vorstellen, wie sich das anfühlen muss..

Selbstreduktion aber verbunden mit einer gewissen Dualität.
Der Selbstwert steigt oder fällt praktisch mit dem Gewinn oder Verlust.
Armselig und ohne jeden Wert und nicht nur wegen der gesicherten kranken Anonymität, um ja weiterhin ungestört spielen zu können , wird alles verheimlicht.
Sondern auch diese Scham! Was sollte man auch sagen ? Dass man jeden Abend sein ganzes Geld in einen Spielautomaten schmeißt?
Und warum sollte man es sagen ? Doch nur wenn man nicht mehr kann und sich eingesteht : " Ich gebe auf, fängt mich jemand" 

Es fühlt sich so an als wäre man schon längst gestorben....und hört nicht auf die "Anderen" die da rufen...Du lebst!
Tausende wieder verloren, aber am nächsten Morgen wieder nach außen hin zu funktionieren.
Mit leeren Taschen und Selbsthass, ja richtig, wenn eh schon alles wieder verloren, ist es Scheißegal.
Nur wenn wieder Geld in der Hand, geht es weiter...an den Automaten und grünen Tischen.
Die verlorene Lebenszeit und der ganze Antrieb für ein gescheites Leben, eh am Arsch.

Gruß


     
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Re: Der berühmte Tiefpunkt
#14: 15.11.2020 15:47:02
Es sich und anderen eingestehen fällt auch schwer oder? Ich finde es mangelnd Spielern generell an Selbstreflexion und Kritikfähigkeit. Habe das Gefühl es wird einfach immer alles verdrängt. In klaren Momenten ist man durchaus rational und gesteht sich ein, dass man krank ist und Hilfe braucht, in anderen Momenten kommt wieder das Spieler Ich durch. Ich frage mich manchmal aber auch was ehrlich ist und was nicht. Ich habe das Gefühl, dass Spieler Menschen wie Spielautomaten behandeln und einfach alles manipuliert wird.. Es treibt einen wirklich in den Wahnsinn, das Nervenkostüm wird sehr dünn

Jacky1 das was du da schreibst find ich einfach so treffend. Es ist wirklich traurig wie eine Sucht einen Menschen zerstören kann und alles um ihn herum gleich mit. Ein wirklich abscheulicher Abgrund..
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