Hallo amTiefpunkt,
Danke für Deine Antwort.
Mein Sohn ist 23 Jahre, mit seinem Vater war ich nicht verheiratet.
Ich weiß nicht, ob mein Sohn wirklich verinnerlicht hat, daß er spielsüchtig ist. Er kann sehr gut verdrängen.
Sein Arzt hat gemeint, ADSler sind besonders häufig von Spielsucht betroffen, weil sie sich damit den Kick holen, das nehme ich mal so hin. Seitdem er das Medikament nimmt ist er einigermaßen aufgeräumt im Kopf. Vor ein paar Monaten war er noch völlig desorientiert, hat einfache Sätze nicht erfassen können. Der Tod seines Vaters hat ihm den Boden unter den Füßen weggezogen.
Ich hoffe sehr, daß er in der ambulanten Suchttherapie aufgefangen wird; er fühlt sich gut aufgehoben bei der Psychologin. Und die andere Suchttherapie scheint ihm gut zu tun. Ich beobachte das aus der Ferne. Er muss lernen, sein Leben selbst in den Griff zu bekommen. Mit verwirrten Gedanken gelingt es kaum.
Seit Mai habe ich (von des Vaters Geld) die Mieten übernommen, Ratenzahlung hatte er vereinbart und nicht bedient. Genauso wie alle anderen Kosten, Inkasso etc.- es war furchtbar, ein riesiger Berg an ungelösten Verpflichtungen. Aus Geldmangel hat er gehungert und schwarzt gearbeitet, war nicht versichert und hat das nicht verstanden. All das hat er damals nicht realisiert. Er versuchte sein Gesicht zu wahren. Sagen wir mal so: ich habe ihn "unter meine Flügel" genommen, damit er erstmal sortieren konnte. Schließlich musste sein Vater beerdigt werden, was angesichts der hohen Schulden kaum möglich war, zu finanzieren.
Wir haben 3,5 Stunden gebraucht, den ALG Antrag zu stellen, weil seine Konzentration nicht funktionierte und er alles falsch oder gar nicht verstanden hat. Das kann man auch verstehen, da half ich ihm so gut ich konnte. Und an diesem Beispiel sieht man, wie schwierig das Leben mit ADS sein kann. Chaos in der Wohnung, genau wie im Kopf.
Ich habe einen Anwalt eingeschaltet, damit sein Diebstahl geklärt wird, das kann ich nicht.
Die ganze Zeit habe ich mir große Mühe gegeben, ihm keine Vorhaltungen gemacht. Dann hätte er sich nämlich noch mehr verschlossen. Ich denke, nur so konnte er sich sein Problem überhaupt ansatzweise angucken. Er hat bislang niemandem, dem er sich anvertrauen mag (außer den Therapeuten).
Es ist klar, daß Einsicht der erste Schritt sein muss, damit er mit seiner Sucht zu leben lernt.
Und er weiß, daß mich die ganze Aktion (es war noch soviel mehr) wahnsinnig viel Kraft gekostet hat und ich bin mehrfach an meine Grenzen gekommen. Aber mein Kind fallen lassen? Nein. Jetzt müssen Bedinungen geschaffen werden. Und ich hoffe inständig, daß Donnerstag eine Bestätigung seiner Betreuung folgt und sie endlich losgeht. Das ganze Vorabprocedere ist schon gelaufen. Jetzt muss das Geld gesichert werden, damit er noch eine Zukunft haben kann. Inzwischen geht er zu den Therapien und ich habe das Gefühl, es dämmert ihm allmählich, wei tief der Sumpf ist -mal gehts besser, mal schlechter.
Liebe Grüße Alexandrax