Nach unten Skip to main content

Autor Thema: Medeas Tagebuch

0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema.

m

medea888

Re: Medeas Tagebuch Landkarte
#90: 06.12.2021 09:15:16
Guten morgen liebes Tagebuch,
wieder habe ich zwei Wochen gebraucht, um zu berichten.
Erstmal schaue ich kurz, wie es mir geht, ich denke gut, habe den November gut geschafft, weiter in mir und um mich aufgeräumt, mich von Dingen und Menschen getrennt, die mich belastet haben oder wo ich im ewigen schlechten Gewissen lebe mich nicht zu melden.... wie absurd eigentlich, ist es nicht viel schlimmer, jemanden vorzugaukeln man möge ihn doch, weil man sich dann aus dem schlechten Gewissen doch mal trifft,  anstatt doch den Cut zu machen und der Person auch die Möglichkeit zu geben Menschen zu suchen, die ihn lieber mögen....
.....aber das nur am Rande. Schlechtes Gewissen ist aber dennoch immer wieder ein Thema bei mir, egal ob bei Menschen oder Dingen, ich lebe im ewigen Kreislauf des Hinterherlaufens meiner Aufgaben, aber das ist dann doch wieder ein eher gesellschaftliches Problem, schneller weiter höher....

Meine letzte Therapiesitzung war eher eine Anaylse meiner Begegnung mit meinem jungen Ich. Der Feststellung, dass ich da wohl noch sehr weit weg stehe und das ich  mich unter anderem deswegen auch so gerne mich um alles möglich kümmere ( Menschen Dinge, Arbeit), um mich vielleicht nicht selbst zu betrachten.
In dem Zuge, sagte ich, dass ich bei der Kindheitsache dann doch Angst habe, dass ich die "Büchse der Pandora" öffne, also Dinge finde, die ich gar nicht wieder wissen möchte ( wohl gemerkt erinnere mich an meine Kindheit vor dem 10. Lebensjahr im Grunde nicht)
Meine Therapeutin sagte dann, sie würde mich gerne dieses Bild der Büchse wegnehmen, denn das würde bedeuten, wenn man einmal die Büchse öffnet kommen alle Krankheiten und Schlechtigkeiten raus und man kann Sie nicht wieder schließen
   ( mir gefiel die Büchse immer gut, denn obwohl Sie alles Üble enthielt, enthält Sie auch ein Gutes die "Hoffnung, wer nachlesen will hier : https://de.wikipedia.org/wiki/B%C3%BCchse_der_Pandora)

Statt dessen soll ich nun mit einem anderen Bild arbeiten. Einer Landkarte von meinem Inneren:  Da gibt es saftige Wiesen und schöne Seen und Berge und Täler und manchmal regnet es und oft scheint aber die Sonne am Horizont und so entstehen Regenbögen... hui ich werde kitschig .
Und in dieser Landschaft gibt es ein Sperrgebiet. Umzäunt und streng bewacht. seit 40 Jahren nicht betreten, denn es sollen dort noch Fallen stehen und vergessene Waffendepots. Es ist eine große Fläche, man kann durch den Zaun sehen, dass alles schon verfallen ist, Häuser und Gärten und alles zugewuchert.
Ich sollte nun versuchen den Wächter dazu zu bringen mich da mal reingehen zu lassen.  Nach langem hin und her,  merkte ich selbst, ja ich kann da reingehen aber nur mit dem Wächter zusammen, denn er hat Angst, dass ich mich darin verletzen könnte.... 
So sind wir verblieben.  Und hier machen wir wohl weiter und als erstes werden wir wohl rausfinden wer dieser Wächter sein könnte.....

Zudem hat Sie mir noch ein Buch empfohlen, lustiger Weise habe ich es selbst schon  mehrfach verschenkt aber nicht gelesen.... Stefanie Stark Das Kind in Dir mus Heimat finden.... darin gibt es einige Übungen, die man wohl machen kann.
Nun es liegt hier vor mir, aber ich hatte noch keinen Kopf darin zu lesen.
Vielleicht auch nur wieder mein Wächter der das nicht zulässt... wer weiß.
Nebenbei merke ich, dass Corona meiner Seele immer mehr zusetzt, gestern geboostert, ändert aber auch nichts... Katastrophenmodus an und durch heißt die Devise. Dann wieder sehe ich gestern den Jahresrückblick und sehe Ahrweiler oder auch Afghanistan.... und will meine eigenen lächerlichen Sorgen wieder begraben.  Aber dann denke ich, es ist ok, ich darf auf meinem kleinen Teller auch mal über meine Suppe traurig sein, ohne ständig am Tellerrand zu sein, es ist ok.
Allen, die die Weihnachtszeit genießen und sich dem  " Schein" dieser Zeit gut hingeben können, wünsche ich einen wunderbaren Nikolaustag. Und damit wunderbare 24 Stunden.
In diesem Sinne ein wieder etwas wirrer, aber echter Beitrag von
Eurer Medea
  • IP logged
 
Folgende Mitglieder bedankten sich: Jacky1

m

medea888

Re: Medeas Tagebuch
#91: 29.12.2021 09:35:32
Guten morgen liebes Tagebuch und alle Mitleser ( bin manchmal nicht sicher ob noch jemand meine langen Einträge liest außer Jacky lach)
erstmal kopiere ich hier mein Danke zu meinem Zweijährigen rein, weil es einfach dazu gehört in dieses Tagebuch:

Hallo Jacky, André, Fred und all die anderen die mir in diesen zwei Jahren und auf dem Weg so viel Stütze waren. Die Zeit ist wirklich schnell vergangen. Den Wandel begehe ich auch weiterhin und freue mich auf die nächsten Abenteuer mit mir selbst als spielfreiem Menschen. Ohne das Forum und alle Wegbegleiter weiß ich, hätte ich viel mehr die Stolpersteine unter meinen Füßen gespürt. Von ganzem Herzen also DANKE!
Und ich könnte natürlich auch Picard zitieren habe mich aber für einen Klassiker und typisch für mich für einen  Philosophen entschieden:
„Die reinste Form des Wahnsinns ist es, alles beim alten zu lassen und zu hoffen, dass sich etwas ändert.“ (Albert Einstein)
„Nichts ist so beständig wie der Wandel.“ (Heraklit)
Ich freue mich über meinen weiteren spielfreien Jahre mit Euch allen.
Eure Medea"

  • IP logged
 
Folgende Mitglieder bedankten sich: Jacky1

m

medea888

Re: Medeas Tagebuch
#92: 29.12.2021 09:57:47
Hallo liebes Tagebuch,

so nun mein monatlicher Bericht. Ich lasse den immer einige Tage in mir wachsen, um zu spüren was an Essenz denn übrig bleibt, vom Erlebten und den Gedanken der letzten Wochen, es ist doch mehr, als man so denkt, wenn man sich alles betrachtet, eigentlich schön in so monotonen Corona Zeiten...
Es war ein wechselhafter Monat. Die Arbeit war extrem viel und dann noch der Weihnachtsgedöns. Hat mir alles etwas überfordert. Hatte daher leider erneut zwei kleinere Panikattacken. Meine Therapeutin hat mir das mit Mental Load erklärt, mein Hirn ist dann einfach überlastet und löst daher körperliche Reaktionen aus.
Ich habe mit  Ihr eine Strategie entwickelt, wie ich dass besser in Griff bekomme, indem ich die Dinge auch Zuhause mehr aufschreibe, um Sie aus dem Kopf zu bekommen. Mal sehen, ob das funktioniert.
Die Sitzung an sich, war komisch, ich hatte es nicht geschafft mich weiter mit meinem inneren Kind zu beschäftigen und ich denke Sie war da etwas säuerlich drüber. Sie fragte dann nur, was ich mir denn für die letzten 3 Sitzungen noch wünschen würde, anzuschauen....
Ja meine Therapie neigt sich dem Ende. Sie sieht keinen Grund für eine Verlängerung, bin wohl nicht zu krank. lach. Mir macht das sehr zu schaffen, dass ich ab März ohne professionelle Hilfe weitermachen muss, fühlt es sich doch wie ein Geländer auf meinem Weg an, welches ich ab und an zur Hilfe nehmen kann.
Aber gut, man muss sich den neuen Situationen stellen.
Ich will, mein für mich immer noch größtes Problem, das beschäftigen mit anderen, anstatt mit mir selbst zum Thema machen.
Im Grunde ist es bei mir so, ich habe eine große Plattensammlung mit all meinen Lieben drauf, und nehme mir dann eine Platte höre Sie mir immer wieder an und versuche Lösungen zu finden. Nur meine eigene Platte, die hole ich eben selten raus.
Und so haben wir in der vorvorletzten Sitzung versucht, dass ich mich selbst berate, so als wäre ich eine andere Platte mit etwas mehr Abstand.
Ich muss sagen das ging recht gut, jedoch muss ich das üben, denn meine alten Gewohnheiten werden das nicht so einfach zulassen.

Des Weiteren war großes Thema noch die Achtsamkeit, also im Grunde genau das beschäftigen mit sich selbst, hierzu soll ich wenn möglich noch einen Kurs machen oder zumindest ein Übungsbuch .
Im Ganzen war es eher ein abgehakte Sitzung, die mich aufgewühlt hat.
Jetzt nutze ich die freien Tage um Revue passieren zu lassen, mich weiter zu stärken und mich mit dem was ich dieses Jahr erreicht habe und nicht erreicht habe zu beschäftigen. Keine einfache Zeit, aber sicher eine wertvolle.
Mit meinem inneren Kind muss ich mich wohl alleine auseinandersetzen.  Mal sehen wie gut ich das kann.
Von daher liebes Tagebuch und liebe Mitleser, mein seltsamer Weg geht auch nach der Therapie weiter, ihr wertet mich also so schnell nicht los :)

Euch allen eine wunderbare Zeit, herrliche spielfreie 24 Stunden und einen guten Start ins Jahr 2022.

Eure Medea
  • IP logged
 
Folgende Mitglieder bedankten sich: Jacky1, JJ

m

medea888

Re: Medeas Tagebuch
#93: 31.01.2022 16:22:23
Hallo liebes Tagebuch,

Mein Beitrag ist schon überfällig, lach aber die Zeit rast.

Aber heute habe ich Muße, ich sitze in einer schönen Ferienwohnung an der Ostsee, übers stürmische Wochenende mit Freunden hier wunderbar, nun gönne ich mir noch zwei Tage alleine, mit Strandspaziergängen und vielleicht einem kleine Besuch in Travemünde oder Wismar.
Vor 1,5 Jahren war ich hier auch ein paar Tage alleine, und es tut mir gut mal nur mit meinen eigenen Stimmen zu reden. Ich lese das wunderbar neue Buch von Pascal Mercier " das Gewicht der Worte" in denen es um einen Neuanfang geht und darum wie machtvoll Worte und deren Bedeutung für uns ist.
Herrlich, Gedankenvoll.
Bin ich heute anders als vor 1,5 Jahren?
Definitiv ja, ich hatte vor knapp einer Woche wieder Therapie und da ist es mir zum ersten mal so deutlich geworden, wie sehr sich mein Denken doch verändert hat, wie ich viel besser Abstand nehmen  kann zu Dingen und Menschen, die mir nicht gut tun, wie ich endlich anerkenne ich kann nicht alles und jeden retten.
Und wie ich auch merke, dass das was ich bin genug ist. Ich hatte eigentlich vor, noch eine Fortbildung zu machen, seit Jahren denken ich darauf rum, und in der Sitzung wurde mir klar, nein ich brauch das nicht mehr, ich bin so wie ich bin gut, ich muss mir nichts beweisen und höher und  weiter kommen. Ich habe statt dessen entschieden, mich selbst privat wieder mehr zu bilden, aktuell mit dem Thema träumen.
Und das hat bei mir so viel bewirkt, ich merke dass ich jede Nacht weiter Dinge für mich aufarbeite und sie annehmen kann. Noch vor 1,5 Jahren lag ich oft Nachts wach, hab Gedanken gedreht und gewendet, mir um Dinge und Menschen immer die gleichen Sorgen gemacht. Nur um einen hab ich mich nicht gekümmert: um mich!
Das heißt nicht, das ich jetzt zu Egomanen werde, aber ich merke, dass ich loslassen kann, und es ok ist es zu tun. Dass es ok ist, bei mir als erstes zu schauen.
Ich habe mich zudem vor zwei Wochen, ganz von dem Kontakt mit meine Mutter getrennt, es reichte einfach, ihre Beleidigungen und emotionalen Erpressungen, ich wollte einfach nicht mehr, 45 Jahre reichten aus.
( sicher werde ich das nicht auf Dauer einhalten , denn ich bin einzige Tochter und ein verantwortungsvoller Mensch) aber dennoch, wenn es nur ein paar Monate sind, ist das schon mehr Freiheit, als ich mir je sonst genommen habe.

Den nächsten Gedanken den ich nun hatte, war, wie habe ich mich in Bezug auf meine Spielerin verändert? was sagt die zu der Veränderung und wie weit weg fühlt sie sich an?
Sie ist immer noch nah, ich spüre Sie und ich kann und will mich auch immer noch gut an Sie und die  Gefühle und die Ängste und den Wahn den ich hatte erinnern. Es gibt immer noch Situationen, da kommt dann plötzlich ein Bild hoch, ich am Handy wie irre die hunderte und tausende verzockend, ohne jegliche Möglichkeit das zu stoppen.
Und auch nach über 2 Jahren Spielfreiheit, traue ich dieser Spielerin noch nicht, ich benutze Sie ab und an um hier im Forum für mich Antworten und Rat für andere zu finden, vielleicht ist das meine Art Sie angenommen zu haben... ein Teil von mir für immer.

Dennoch, ich bin weit gekommen und langsam merke ich, dass ich mir zugestehe darauf stolz sein zu können, ein kleines bisschen  zumindest.

Im Ganzen ein gutes Gefühl, immer noch zu gehen und nicht zu stehen.
Eure Medea
Heute mal kein Lied, sondern ein Zitat aus dem wunderbaren Buch von Pascal Mercier: Nachtzug nach Lissabon:

But when we set out to understand somebody’s inside? Is that a trip that ever ends? Is the soul a place of facts? Or are the alleged facts only the deceptive shadows of our stories?

"Aber wenn wir uns auf den Weg machen, das Innere eines Menschen zu verstehen? Ist das eine Reise, die jemals endet? Ist die Seele ein Ort der Tatsachen? Oder sind die angeblichen Tatsachen nur die trügerischen Schatten unserer Geschichten? -"
  • IP logged
 
Folgende Mitglieder bedankten sich: Jacky1, JJ

m

medea888

Re: Medeas Tagebuch
#94: 08.03.2022 08:42:41
Hallo an alle da draußen,

Ein Monat ist wieder rum, ein Monat in dem sich unsere Welt verändert hat, Krieg in Europa trifft uns alle hart.
Unvorstellbares passiert in unserer Nachbarschaft und die eigenen Gedanken und kleinen Sorgen treten irgendwie in den Hintergrund.
Dennoch neben Spenden und helfen HIlfskonvois zu packen und den Leuten hier vor Ort zu helfen, wenn Sie aus der Ukraine fliehen konnten,  kann man wenig tun. Hilflosigkeit ist kein schönes Gefühl.

Und das wiederum erinnerte mich heute an das Gefühl, was ich hatte als ich noch gespielt habe. Ich hatte das Gefühl, als wäre ich hilflos gegenüber der Sucht. Seltsam, wenn ich heute darüber nachdenke, dass mein Suchthirn mir das suggerieren konnte über lange  lange Zeit und immer wieder.
Erst ab dem Moment, wo ich wirklich entschieden hatte nicht mehr zu spielen, endete die Hilflosigkeit und es begann die Eigenverantwortung wieder zu kommen.

Ich bekomme immer mehr mein ICH zurück, oder finde es erst? Keine Ahnung, aber wie André das immer so schön schreibt, es geht darum bei sich zu bleiben und zu sich selbst ehrlich zu sein, nicht mehr vorzuspielen auch nicht sich selbst. Wenn man das beginnt  merkt man erst wer man wirklich ist.
Ich merke auch wie mein Umfeld damit wirklich gut klar kommt, mit meiner jetzt doch manchmal sehr direkten Art.  Wie schon vor einem Monat geschrieben bin ich egoistischer geworden, ich selbst stehe einfach mehr im Mittelpunkt. Habe kein schlechtes Gewissen, wenn ich jemanden lange nicht angerufen habe oder wenn ich mal nur für mich sein will, statt mit Freunden los zu gehen....
Ich weiß nicht, ob ich auf Dauer so bleiben werde oder ob es nur ein Zwischenschritt zu etwas anderem ist. Ich weiß aber, dass ich weiter achtsam sein will nicht in die alten Muster zurück zu kehren. Denn eines bin ich in Bezug auf mich selbst nicht mehr - hilflos.
Allen da draußen wünsche ich Frieden mit Euch selbst  in diesen schwierigen Zeiten und den Mut die Dinge so zu sagen, wie sie sind.
Heute Ende ich mal wieder mit einem Griechen

"Die Selbsterkenntnis gibt dem Menschen das meiste Gute, die Selbsttäuschung aber das meiste Übel."

Sokrates


und 24 spielfreie Stunden für alle.
Eure Medea




  • IP logged
 
Folgende Mitglieder bedankten sich: amTiefpunkt, Jacky1, JJ, Lotte31

m

medea888

Re: Medeas Tagebuch
#95: 18.03.2022 08:46:08
Guten morgen Tagebuch und Mitleser,


ich hatte meine vorletzte Sitzung bei der Therapeutin, ich bin immer noch traurig, dass diese monatliche Stunde nun für mich enden wird. Vor allem weil ich es genossen habe, mit jemanden zu reden, wo ich keine Emphatin bin und mich auf die andere Person einlasse, sondern es eben nur um mich geht.... aber da ich werde nicht nur das vermissen, sondern eben auch da Gespräch mit einem Menschen der soviel über Bewusstsein und das Wesen des Menschen weiß und mir sooo viele Denkanstöße gegeben hat. Die werde ich mir dann wohl wo anders holen..... lustiger Weise hatte ich mit einem Kunden eine kleine "Wette" laufen, wenn ich sein Haus verkaufe bekomme ich ein Buch von ihm " 99 philosophische Rätsel" hab ich gestern ausgepackt ;) da wird mir die erste Zeit sicher einiges liefern.
Nun soll ich für die letzte Sitzung ein Fazit ziehen.... zwei Jahre, denken, denken, ändern, wieder ändern, nochmal versuchen, scheitern ( oh wenn ich nur an den Monat oder Könnte und Muss nachdenke puh)... viel Traurigkeit aber auch viel Freude.
Fazit wird dennoch nicht leicht.
Ein Fazit, was ich aber auf jedenfall ziehen werde ist, dass ich es ohne die Therapie und ohne meinen täglichen Weg in dieses Forum und die wunderbaren Menschen, die ich hier kennenlernen durfte, NIE geschafft hätte soweit zu kommen niemals!! ich hätte an der ersten Steigung eine Ausrede gefunden nicht mehr über mich nachzudenken, hätte dann vermutlich ne Weile gut gelebt, um dann in die nächste Suchtfalle zu flüchten.
Diese  Achtsamkeit zu mir selbst, die habe ich gelernt, auch jetzt gerate ich noch in Situationen in denen ich deutlich merke, dass ich gerade nicht aufpasse.... aber ich merke es eben und kann agieren bevor es mir schadet...und das ist der große Unterschied.
Ein weiteres Thema war Stolz, das schreibe ich gleich aber noch in einem eigene Thread....
Ich bin nicht sicher, ob mir der Therapie auch dieses Tagebuch enden sollte... irgendwie fühlt es sich so an als wäre es zusammenhängend... ich werde sehen in einem Monat weiß ich mehr.
Sei noch gesagt, es geht mir wirklich gut, ich lebe bewusst und sehe immer noch die vielen Dinge, die ich noch angehen muss, ganz vorne meine Arbeitsleistung, die leider noch viel zu hoch ist und mich oft an meine Grenzen bringt, aber das ist definitiv im Werden ...

Heute ende ich mal mit Goethe:
"Es ist nicht genug zu wissen – man muss auch anwenden. Es ist nicht genug zu wollen – man muss auch tun."

allen wunderbare 24 spielfreie Stunden
Eure Medea
  • IP logged
 
Folgende Mitglieder bedankten sich: amTiefpunkt, Jacky1

Re: Medeas Tagebuch
#96: 29.03.2022 21:22:28
Hallo Medea,

ich habe auch einige male mein Tagebuch hier beendet und dann nach einiger Zeit weiter geschrieben.
Beenden oder nicht....weiterschreiben kannst Du ja immer wenn Dir danach ist.

Deine Therapie brachte ja so einiges ins rollen und genau dies wird ja danach auch weiter geführt expl. angewendet.
Vielleicht möchtest Du einmal über Dein neues Buch schreiben, glaube für so etwas gibt es auch schon einen Thread.

Liebe Grüße 
 
  • IP logged
 

m

medea888

Re: Medeas Tagebuch
#97: 14.05.2022 07:37:31
Hallo liebes Tagebuch, liebe Mitleser,

Zwei Monate ist es her... Mein letzter Eintrag im Tagebuch.
Einen Monat meine letzte Sitzung im der Therapie...
Es war ein schönes Abschlussgespräch. Wie in einem anderen Thema hier schon berichtet ging es vor allem darum zu erkennen, dass ich stolz auf den weg sein darf.
Es hat danach noch einige Wochen gedauert bis das Gefühl auch bei mir ankam.
Jetzt fühle ich mich von Tag zu Tag befreite.
Erkenntnisse die ich mir in den letzten zwei Jahren hart erarbeiten musste, kommen nun von alleine. Ich bin viel relaxter bei der Arbeit. Meine sekundär Sucht entspannt sich also auch.
Ich hatte 9tage Urlaub und in 30tage bin ich schon wieder weg.. 😂
Ich würde sagen ich bin in mir ruhen. Ohne lethargisch zu sein. Zufrieden ist glaube ich ein schönes Wort.
Gestern beim Spazieren gehen ist mir jedoch noch etwas aufgefallen.
Ich glaube ich wäre niemals an diesen Punkt der Zufriedenheit mit mir und meinem Leben gekommen ohne die Spielsucht... Irgendwie war das der Weg, den ich gehen musste. Klingt verrückt... Aber in dem. Moment war ich mir sicher, es musste alles so kommen und sein.
Dieses Gefühl hat mich gestern vollkommen erfüllt und deswegen heute dieser Eintrag.
Und daher möchte ich heute mit einem wunderbaren Gedicht von Hermann Hesse enden, welches ich schon mal in diesem Tagebuch hatte und es ist wieder und dennoch anders Passend.
Dennoch ich komm wieder keine Frage 😂

Stufen

Wie jede Blüte welkt und jede Jugend
Dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,
Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend
Zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.
Es muß das Herz bei jedem Lebensrufe
Bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
In andre, neue Bindungen zu geben.
Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.

Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
An keinem wie an einer Heimat hängen,
Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
Er will uns Stuf´ um Stufe heben, weiten.
Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise
Und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen;
Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.

Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
Uns neuen Räumen jung entgegen senden,
Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden,
Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!

Eure Medea



  • IP logged
 
Folgende Mitglieder bedankten sich: Jacky1, JJ

m

medea888

Re: Medeas Tagebuch
#98: 24.06.2022 08:16:51
Guten Morgen,

Wieder ein Monat bzw sogar mehr rum.
Ich war erneut in Urlaub mit meiner besten Freundin... Mädchen Urlaub. Herrlich.
Viel Zeit zum Nachdenken blieb nicht. Ist auch mal gut.
Dennoch ist die Krankheit immer präsent. Was mich gar nicht stört.
In Italien, wo ich in Urlaub war, ist Spielen onnipresente.. In jedem Zeitungsladen wird live Bingo gespielt... Rubbellose gibt es auch im Supermarkt. In jeder Bar stehen Spielautomaten...
Das war komisch da Kaffee zu trinken... Und es dattelt und die Geräusche sind so bekannt. Zuerst hab ich mich bewusst nicht hin gedreht denn ich bin diesen flimmernden Bildern seit zweieinhalb Jahren ausgewichen... Aber dann hab ich gedacht so schau hin, was es mit dir macht...
Und es passierte nichts. Es war einfach ok. Und danach sind mir die Geräusche und Automaten gar nicht mehr aufgefallen.
Auf dem Schiff bei der Rückfahrt stand ich draußen und habe mir die Meer Luft ins Gesicht blasen lassen... Und da stand ein junger Mann neben mir ganz vertieft in sein Handy.. Und als ich an ihm vorbei ging sah ich er spielte in einem online Casino...
Und ich dachte nur. Armer Mann. Und bin ich froh die Luft zu geniessen.
In dem Sinne alle da draussen... Geniesst euer Leben ohne spielen... Es lohnt sich!!
LG und wunderbare 24stunden
Eure Medea
  • IP logged
 
Folgende Mitglieder bedankten sich: Fred, amTiefpunkt, JJ

Re: Medeas Tagebuch
#99: 24.06.2022 10:14:59
In dem Sinne alle da draussen... Geniesst euer Leben ohne spielen... Es lohnt sich!!
LG und wunderbare 24stunden
Eure Medea

Was für eine phantastische Entwicklung, oder ?

Irgendwann ... ich glaube sogar relativ früh, sagte ich mir: "es ist vorbei". Und ich wusste, dass "es" vorbei ist.
Und bei dir bin ich mir auch ganz sicher, dass "es" vorbei ist  :)
  • IP logged
 

m

medea888

Re: Medeas Tagebuch
#100: 26.06.2022 08:29:20
Moin Fred,

Oh das bedeutet mir viel, dass du das von mir denkst!!
Ich selbst vertraue mir wohl erst, wenn ich die ersten zehn Jahre geschafft habe...
Bis dahin geniesse ich jede Spielfreie Minute
LG Medea
  • IP logged
« Letzte Änderung: 27.06.2022 07:25:37 von medea888 »
 
Folgende Mitglieder bedankten sich: Jacky1

Re: Medeas Tagebuch
#101: 29.06.2022 23:32:48
Hallo Medea,

es gibt kein "etwas Spielsüchtig", es spielt keine Rolle wie ein Werdegang so verlaufen ist.
In wie weit jemand sich in diesen Schlund stürzte oder ob ein gewisser "Restverstand" einen totalen Absturz verhinderte.
Dies hast Du schon immer sehr gut verinnerlicht und es wäre gut viele andere würden nur 10% davon umsetzen können.

Es ist schön Deine Geschichte immer weiter verfolgen zu dürfen.
Irgendwie muss man dabei auf kein Happy End warten, es ist im Grunde schon längst da.


Liebe Grüße
 
 
  • IP logged
 

F

Falschspieler

Re: Medeas Tagebuch
#102: 04.08.2022 20:13:33


 
Ich muss mich zwingen von Tag zu Tag zu denken, gerade jetzt in der Krise ist das wichtig, wenn man zu weit versucht nach vorne zu blicken macht das einem Angst.
 

Hallo medea, hab mir gerade mal dein Tagebuch durchgelesen und das Zitat rausgesucht.  ich denke es ist einfach zu hart zu sagen "ich spiele nie wieder"...HEUTE spiele ich nicht ist besser..also nur im hier und jetzt leben... ..Beim rauchen aufhören hatte ich diese Denkweise auch angewendet und dann eben nachts auf die Uhr geschaut und ein Tag war geschaffft. Gerade am Anfang hilft das sehr...
  • IP logged
 

F

Falschspieler

Re: Medeas Tagebuch
#103: 04.08.2022 21:08:38
Große Klasse wie du das geschafft hast midea :)
  • IP logged
 

m

medea888

Re: Medeas Tagebuch
#104: 05.08.2022 14:06:14
Moin Adri,

Ja die 24stunden Regel ist ubd war für mich immer sehr hilfreich bei vielen Dingen icht nur beim spielen.
Und mein Weg ist nicht beendet. Immer noch bin ich jeden Tag kurz im Forum und nicht weil ich Mod bin, sondern weil ich immer noch Demut habe und zudem anderen helfen möchte den Schritt in ein freies Leben zu gehen.
Bleib dran, es lohnt!!!!
LG Medea
  • IP logged
 

 
Nach oben