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Autor Thema: Medeas Tagebuch

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medea888

Medeas Tagebuch - Mühsame Tage
#75: 02.04.2021 13:41:27
Hallo liebes Tagebuch und liebe Mitleser,

irgendwie sind die Tage mühsam zur Zeit, vielleicht auch, weil Sie eintöniger sind, man geht arbeiten ( und ich bin so froh, dass ich das kann) und dann kommt man Heim, größte Frage des Tages ist dann noch was man kocht... so gehen die Tage dahin.
Für mich ist mein Kopf gerade mühsam, ich merke ich kann schwer klare Gedanken fassen, träume extrem viel und verarbeite da offenbar Dinge.
In der Therapie bin ich unzufrieden mit mir, vor einigen Wochen wurde mir die Aufgabe gestellt zu versuchen, die Wörter "ich soll" oder "ich muss" zu vermeiden, ich bin kläglich gescheitert... ich kann nicht reden und darauf achten, welche Wörter ich nutze... im Nachhinein kam raus, ich hab das zu wörtlich genommen Aufgabe war das nicht so oft zu denken, dennoch hat es mich erschöpft.
Jedenfalls ist nun der nächste Teil meiner Therapie mit dem Thema Achtsamkeit überschrieben. Kurz zu Erklärung: unser Großhirn, was uns von andern Lebewesen so stark unterscheidet, ist das denkende Hirn, was wir in der heutigen Zeit am stärksten trainieren und nutzen, was uns jedoch auch oft in Kreisläufe führt, die nicht gesund sind, wie zum Beispiel Grübeln, also sich Gedanken zu Dingen machen, die wir nicht ändern können, das löst in unseren Urinstinken dann Angst aus, die wiederum zum weiteren Nachdenken führt und den ganzen Körper in Stress versetzt.... hoffe ich konnte das gut erklären.
Dem entgegen steht das Urhirn, welches für unser Fühlen zuständig ist, das vernachlässigen wir in einer auf Leistung trainierte Gesellschaft immer mehr.
Und hier kommt nun die Achtsamkeit. Wenn wir uns ganz auf unsere Sinne konzentrieren und anfangen ganz bewusst unsere Umgebung durch unsere 5 Sinne wie Sehen, Hören, Schmecken, Riechen und Tasten wahrnehmen, dann entspannt sich unser Körper.  Das kann man einerseits durch Meditation erreichen, aber eben auch im Alltag üben und stärken.
Wenn man darin dann gut ist, kann man weiter gehen und besser in sich selbst rein fühlen, also die Organe, den Stress, die Gefühle stärker wahrnehmen.
Ich habe diese Therapie angefangen um mich besser kennen zu lernen, um zu suchen warum ich süchtig bin und was das mit mir gemacht hat und jetzt merke ich, das wird ein noch steiniger Weg als ich dachte.
Denn wenn ich eines gar nicht gut kann, dann ist es achtsam sein vor allem mit mir selbst. Das wird mir immer mehr klar, wie wenig ich auf mich achte, wie oft ich auch negative Gedanken oder auch traurige Gefühle in denen es um mich geht einfach weg drücke und ich glaube, wenn ich es schaffe da achtsamer zu werden, dann bin ich auf einem guten Weg.
Aber ich hab keinen blassen Schimmer, ob meine Kraft dafür reicht.  Ich bin so müde.
Aber ich werde alles dran geben da weiter zu kommen.
Jetzt genieße ich erstmal die freien Tage und werde mir zwei schöne Bücher von Hermann Hesse und Erich Fried vornehmen. Denn schöne Poesie und Literatur tun meiner Seele immer gut.

Wünsche frohe Ostertage.
Eure Medea

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Taro

Re: Medeas Tagebuch
#76: 02.04.2021 15:17:17
Moin Medea,

was für eine schöne Aufgabe die du in deiner Therapie bekommen hast. Eine zu sollten und zu müssen sind sicher dazu geeignet mich in die Sucht zu treiben. Ich habe daher geübt nicht mehr Dinge zu tun die ich meine zu sollen oder zu müssen. Dadurch haben die Worte dann auch kaum noch Platz in meinen Gedanken oder Worten. Nur wenn es um die Politik geht dann denke ich oft die müssen doch mal...

Ich war heute 8 Minuten im See schwimmen, wie ich schon geschrieben habe öffnet das kalte Wasser direkt einen direkten Zugang zum Reptilien Hirn, oder Urhirn wie Du schreibst. Augenblicklich ist alles Grübeln weg. Es zählt nur noch das hier und jetzt und das verschmelzen mit der Natur. Ich bin richtig traurig das es jetzt wärmer wird, wobei ich das auch mit einem lachenden Auge sehe.

Taro
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medea888

Re: Medeas Tagebuch
#77: 28.04.2021 08:35:58
Hallo liebes Tagebuch und liebe Mitleser ;)

wenn man Tagebuch schreibt dann fängt man immer damit an zu schreiben,wie es einem geht: mir geht es gemischt, würde ich sagen.
Einerseits bin ich zufrieden, ich habe viel Arbeit, die mir Spaß macht, gehe gleich das erste mal wieder draußen Tennisspielen und war am Wochenende schön mit dem kleinen CabrioFlitzer auf der Rundtour bei sonnigen 7 Grad, bibber. Viel mehr kann man in diesen Zeiten ja nicht erwarten.
So und nun ist immer die Frage, darf man auf dem Niveau überhaupt noch andere Gefühle haben, als Zufriedenheit? Das fällt mir immer schwer, ich drücke dann die schlechten Gefühle weg, weil ich denke, man es geht Dir doch gut.
Aber emotional geht es mir manchmal eben nicht so gut, mir fehlt der Austausch mit meinen engsten Freunden, mir fehlt Geselligkeit und mir fehlt meine zweite Heimat Italien.... und all das darf ich empfinden oder?

Letzte Woche war ich wieder in der Therapie, eine anstrengende Sitzung, es ging um SelbstAttribution (https://www.pschyrembel.de/Selbstattribution/P04V1) .
Bedeutet wie gehe ich mit mir selbst um, hier ein Beispiel was für Typen es gibt: zwei Schüler treffen sich auf dem Schulhof und haben beide eine 6 und eine 1 im Zeugnis: der 1. sagt bei der 6 " Menno, die Lehrerin ist aber auch so gemein zu mir" der andere Schüler sagt  " oh, da habe ich mich wohl nicht genug angestrengt". Nun die 1 der eine sagt: " wusste ich doch, ich bin der Beste und kann alles" der andere sagt " oh, da hatte ich aber Glück bei den Aufgaben"
So unterschiedlich kann eben Wahrnehmung sein.
Ich neige oft dazu, immer die Schuld, wenn Dinge falsch laufen, vor allem in emotionalen Dingen, bei mir zu suchen, wenn mir aber Gutes widerfährt, dann sehe ich oft nicht, was ich selbst auch dafür geleistet habe.
Ich frage mich, woher das kommt, warum habe ich mich so entwickelt?
Ich glaube das liegt daran, dass ich mich immer gekümmert habe, durch die Alkoholkrankheit meiner Mutter war ich früh darauf angewiesen alles selbst zu machen und den Schein zu wahren, ich glaube das hat bei mir, obwohl ich das immer wieder abstreite, Spuren hinterlassen.
Ich habe mich erst vor wenigen Jahre endgültig von meiner Mutter innerlich distanziert und aufgehört mich um Sie zu Sorgen. Jetzt merke ich langsam, wie gut das getan hat und wie unglaublich wichtig das auch war.
Ich glaube nicht, dass ich mich noch grundsätzlich ändern kann, aber ich werde weiter versuchen mich kennen zu lernen....und meine Selbstattribution mehr beobachten.
oh, das ist jetzt lang geworden...
Dennoch noch ein Episode aus dem Bereich Spielsucht:
Also ich bin spielfrei, denke auch fast nie daran.
Vor einigen Tagen war ich an der Tankstelle, vor mir war ein älterer erkennbarer armer Alkoholiker, der sich eine Flasche Vodka kaufen wollte ( nie verstanden warum die den teuren Alk in der Tanke holen anstatt im Supermarkt) naja und er hatte dann nur noch Geld für so eine kleine Flasche.
Ich hab ihm dann hinterhergeschaut und gedacht, man armer Kerl, lass Dir doch helfen, das ist doch kein Leben
Und dann wie ein Blitz, habe ich mich selbst gesehen wie ich noch vor 492 Tagen an dieser Tankstelle ein von diesen Wertmarken für Internet gekauft habe, nur um dann schnell heimzufahren und die 50 Euro vermutlich in 4 Minuten in einem Online Casino zu verspielen.
Ich bin so froh, dass ich mir Hilfe genommen habe und ich werde auch weiter jeden Tag darum kämpfen, nie wieder an dieser Tanke mit diesem Gefühl von Sucht zu stehen.
Danke für Zuhören und allen einen sonnigen schönen Tag.
Eure Medea
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C
Re: Medeas Tagebuch
#78: 29.04.2021 08:46:39
Guten Morgen,
die Therapiestunden sind sehr wertvoll. Ich war in dieser Woche zu meinem Erstgespräch in einer Suchtklinik. Dass war auch sehr anstrengend. Die kommende Therapie wird mir Antworten darauf geben können, warum ich spielsüchtig wurde. Bei mir spielt die Vergangenheit eine große Rolle, inder mich jeder als taffe Frau gesehen hat. Warum? Ich habe immer mehr auf mein gesamtes Umfeld geachtet, wenig bis gar nicht auf mich selbst. Wir neigen oft dazu zu sagen, dass es uns gut geht, was aber nicht immer so ist. Oft schauen wir kritisch auf Alles, was nicht gut läuft. Loben wir uns für eine gute Aktion?
Was ich damit sagen möchte ist, dass es wichtig ist auf sich zu achten und ganz besonders dann, wenn es einem nicht gut geht. Schön ist es dann, wenn jemand da ist, den ich mich anvertrauen kann. Ich verstehe deinen Beitrag sehr gut.
Lieben Gruß
Cassie :)
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medea888

1% Medeas Tagebuch
#79: 31.05.2021 09:32:30
Hallo,

schon wieder einen Monat nicht geschrieben.
Da sitze ich dann hier und überlege, wie der Monat war.
Einerseits, gut, ich habe immer mehr das Gefühl ich komme an irgendwas ran, an mich, ich bin oft bei mir und denke nach, nehme mir auch die Zeit dafür. Bei meiner letzten Therapiesitzung ( und es sind leider nur noch wenige, dann muss ich alleine klar kommen) ging es darum, ob ich glaube dass ich an meinem Verhalten schon was geändert habe, ursprüngliches Ziel waren 3%. Das wäre schon super. Meine Meinung dazu war, es ist immerhin 1% . Und das ist das, dass ich wenigstens jetzt merke, wenn es mir nicht gut geht oder ich nicht genug auf mich aufpasse.
das habe ich im letzten Monat leider zu wenig, auf mich aufgepasst.
Habe mich zu sehr in die Arbeit und Ablenkung gestützt und zu wenig in mich reingehört.
Und wenn ich dann mal reingehört habe, dann hab ich das traurige einfach weggedrückt.
Schwarze Wolken hatte ich das letzte mal im letzten Jahr, das ist für mich schon wirklich gut.
Dennoch ist es bewölkt und alles fühlt sich gerade schwerer an. Das Lachen, das Atmen, das Aufstehen und selbst das Schlafen.
Alles leicht anstrengend.
Wenn ich den Mut hätte würde ich mich verkriechen
Wenn ich richtig mutig wäre, dann würde ich um Hilfe bitten.
Für beides fehlt mir die Kraft.
Also aufstehen, Krönchen richten und weitergehen.
Aber ich sehe mich und weiß, das ist das, was ich noch ändern will. Zeigen zu können, dass es mir nicht gut geht. Nicht die fröhliche immer für alle da zu markieren, sondern auch mal zu sagen, ich bin traurig und muss gerade mal traurig sein dürfen.
Ich träume sehr viel, ich weiß nicht, ob das was mit verarbeiten zu tun hat.
fast 1,5 Jahre beschäftige ich mich jetzt mit meiner Sucht und mit dem was dahintersteckt.
Vielleicht ist es auch Ok, mal müde zu sein?
Und schon will ich wieder schreiben, ach quatsch, geht mir doch gut.......
So viele Gedanken schon an einem Montag. Das kann ja eine nette Woche werden.
Danke für Zuhören liebes Tagebuch und Ihr da draußen und bis bald
Eure Medea
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medea888

Re: Medeas Tagebuch
#80: 06.08.2021 08:26:24
Hallo Tagebuch,

ich will mal wieder ein Lebenszeichen von mir geben.
Ich gebe zu, als dumm bezeichnet zu werden, auch wenn es sicher mit einem Zwinkern gemeint war, hat mich abgehalten hier weiter zu schreiben, deswegen die Pause.

Ich habe weiter mitgelesen, auch wenn es momentan im Forum ruhig ist, und war natürlich auch weiter bei der Therapeutin und natürlich bin ich spielfrei und das ohne jegliche Mühe.
Mit den Hintergründen meiner Sucht beschäftige ich mich weiter, also mit meinem Selbstverständnis, mit meinen zu hohen Ansprüche an mich selbst und meine Leistungen vor allem bei der Arbeit.
Mit kleinen Schritten merke ich, dass ich mehr loslassen kann und Dinge auch mal einen Tag länger liegen lasse, was mir vor einem Jahr noch unmöglich war.
Ansonsten versuche ich die teilweise zurückgewonnene Freiheit in der Pandemie mit der zusätzlichen finanziellen Freiheit durch das "nicht spielen" zu genießen.
Spielen tue ich statt dessen viel Tennis und mache kleine Reisen.
Gesundheitlich scheine ich etwas angeschlagen, was sich in häufiger totaler Müdigkeit trotz gutem Schlaf äußert, hier werde ich wohl oder übel mal einen Arzt besuchen ;)

so mein kurzer Stakkato Bericht für heute.

Immer noch in tiefer Dankbarkeit für den Tag an dem ich entschieden habe, meinen Weg nicht mehr von einer Sucht bestimmen zu lassen.
Bis bald
Medea
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Re: Medeas Tagebuch
#81: 06.08.2021 20:56:49
Hallo Medea,

klingt doch alles ganz gut bei Dir, bis auf Deine Müdigkeit und ich hoffe dies wird in der nächsten Zeit wieder gut.
Wenn nun Deine Pause wieder zu Ende bringst Du Dich vielleicht hier wieder mehr mit ein.
Dieser Weg führt doch nicht in eine Sackgasse.  :)
Also auf gehts wieder......

Wer dies liest ist doof.  :)

Grüß Dich
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« Letzte Änderung: 06.08.2021 21:38:11 von Jacky1 »
 

Re: Medeas Tagebuch
#82: 08.08.2021 12:23:28
Hallo,

dies ist sozusagen medeas Wohnzimmer hier, ein Ort an dem sie sich wohlfühlen sollte.
Tendenziell auch zu verarbeiten aus Ihren geschriebenen Beiträgen und zu erfahren/erweitern, sicherlich auch von anderen Schreibern.
Kaum kann doch jemand glauben dass in unserem, doch schon irgendwo innigen Bund, eine gezielte und platzierte Verletzung unter Vorsatz geschieht!
Manchmal können Dinge verletzen, oft weil sie aber falsch zugeordnet/verstanden werden, sei es nun vom Schreiber oder dem jeweiligen Leser.
Nun sind wir ja nicht gerade eine Horde aus 12 000 eifrigen Autoren hier und es sollte daher schon möglich sein, expl. Konflikte oder Missverständnisse untereinander zu klären, ohne dass dabei wieder ein gewisser übergreifender "Enthusiasmus" entsteht.
Der doch an anderen Stellen viel wünschenswerter wäre.

Weder Fred noch medea muss ich hierbei in Schutz nehmen oder zusprechen.
So stehen beide hier (und in meinem Herzen) eh save!!!

Wirkung und Ursache...gut so...darum sind wir doch alle hier.
Gerade in "unseren Wohnzimmern " und nicht in einem debattierendem Clubraum.

Noch anzumerken, Beiträge könnten auch gemeldet werden und zwar egal ob diese auch von einem Admin geschrieben wurden.
Ganz sicher, es wird sich dann auch eine Lösung finden ..so viel Vertrauen sollte durchaus aufgebracht werden.
Einen solchen Beitrag kann ich hier aber nicht erkennen !
Auch eben, aus den von mir oben aufgeführten Gründen und mit der Gewissheit der darin beinhalteten positiven Konstruktivität ! 
Danke auch hier Gast sein zu dürfen.

Liebe Grüße   
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« Letzte Änderung: 08.08.2021 22:13:11 von Jacky1 »
 

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medea888

Re: Medeas Tagebuch
#83: 10.08.2021 08:13:52
Guten morgen,

jetzt ist doch alles irgendwie verwirrend, weil einige Beiträge gelöscht wurden.
@ Jacky, natürlich weiß ich, dass niemand hier mich bewusst verletzend will oder wollte, dennoch muss man auch sagen können, wenn etwas verletzend ankommt, ohne dass man dann gleich dafür verurteilt wird.
wir kämpfen hier alle den gleichen Kampf eventuell mit anderen Mitteln. Und ein Tagebuch in einem öffentlichen Raum zu schreiben birgt immer das Risiko in einem gefühlt privaten Bereich öffentlich zu sein - aber diese Wahl hat man ja selbst und auch bewußt getroffen.
Ich schreibe das Tagebuch ja auch für mich und mein zukünfitiges Ich
- Exkurs: vor Jahren hatte ich einen Hirntumor und habe in einem auch öffentlichen Forum zu meinem Krankheitsverlust ein Tagebuch geschrieben, um eines Tages, wenn die Krankheit wiederkommt, zu sehen wie ich das damals geschafft habe - aber auch damit Menschen die auch diese Krankheit haben, sehen wie ich damit umgegangen bin-
- und dieses zukünftige ich, ist ja schon das Ich heute, was meine Beiträge vor einem Jahr liest und darin auch Facetten und Verhalten entdeckt, was Sie inzwischen verbessern konnte :)
Dennoch schreibe ich auch, um den vielen, die hier im Forum stranden und noch ganz tief in den Untiefen dieser schlimmen Krankheit stecken und keinen Weg nach draußen kennen - zu zeigen - Kopf hoch, geh es an, es wird wunderbar.
Und nur dank all der Begleiter hier und außerhalb konnte ich diesen Weg so gehen und bin heute so froh darüber.
Somit nochmal allen die hier lesen, danke dass ihr ihn mit mir geht.
Eure Medea
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Re: Medeas Tagebuch
#84: 10.08.2021 14:16:52
Verehrte Medea,

alles gut und richtig ... der Hinweis Hinweis "verurteilt"......
Dazu schreibe ich aber nichts mehr und hoffe dass es für andere auch nicht verletzend ankommt.

Nicht dass dies hier eines wäre, ganz im Gegenteil....
Nehmen wir einmal ein Kasperletheater  :)...
Da gibt es den Seppl, Bürgermeister, König, Wachtmeister, Krokodil usw.....und das Kasperle.
Die jeweils damit verbundenen Charaktereigenschaften einmal dahingestellt.....
Aber der Böse wäre ich fiktiv dabei nicht!   :)

Dein Tagebuch, Dein Leben....und mal sehen mal sehen was alles so noch kommt liebe Medea.

Liebe Grüße 



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medea888

Re: Medeas Tagebuch
#85: 08.09.2021 11:20:43
Guten morgen Tagebuch,

625 Tage spielfrei sind es heute. fühlt sich gut an, der Weg.

heute morgen im Radio gehört:

https://www.youtube.com/watch?v=IcrbM1l_BoI

ich zitiere mal aus dem Text:

Feeling my way through the darkness
Guided by a beating heart
I can't tell where the journey will end
But I know where to start
They tell me I'm too young to understand
They say I'm caught up in a dream
Well life will pass me by if I don't open up my eyes
Well that's fine by me
So wake me up when it's all over
When I'm wiser and I'm older
All this time I was finding myself, and I
Didn't know I was lost

Ich möchte den Weg den ich in den letzten 625 Tagen gegangen bin nicht um einen Tag missen. Es ist immer noch anstrengend, die Therapie sich mit sich selbst zu beschäftigen. Aber auch sich selbst besser kennen zu lernen.
Ist doch verrückt, da muss man 44 Jahre als sein um sich dafür mal die Zeit zu nehmen, oder musste man dafür sogar süchtig sein??
Zeit ist ein komisches Ding, manchmal geht Sie langsam und manchmal ganz schnell. In der Coronazeit hatte ich oft den Eindruck die Zeit fließt mir einfach nur durch die Hände... das kam von der oftmaligen Monotonie: aufstehen, arbeiten essen schlafen. Wenig Dinge auf die man sich freuen konnte.
Inzwischen habe ich meine Tage wieder gut gefüllt, mit Tennis, arbeiten, Freunde treffen aber eben auch mit Zeit mich mit mir zu beschäftigen, meine alten Bücher rauszusuchen, mal wieder darin zu blättern.
Auch alte Briefe habe ich gefunden und mit einem Schmunzeln an mich gedacht, wie ich doch mal viel naiver war, dadurch aber manchmal auch mutiger.
Zeit eben
Da gibt es doch diesen Spruch: Zeit hat man nicht, man nimmt sie sich. Und das ist wahr.
Und was könnte man sich schöneres schenken als Zeit. Sich selbst den Freunden, aber auch Fremden. Ein kostbares Gut.
Ich bin froh, dass ich dieses kostbare Gut nicht mehr in irgendwelchen Online Casinos verbringe und mir selbst damit wegnehme.
Dennoch 625 Tage sind 625 Tage vom Anfang des Weges, jetzt heißt es weiter dran bleiben, die Dinge die ich gelernt habe zu festigen und nicht in alte Muster zu verfallen.
Ich hoffe das gelingt mir weiter.
Alles Liebe
Medea
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Re: Medeas Tagebuch
#86: 15.10.2021 12:11:48
Liebe Medea,

nun bin ich durch durch dein Tagebuch. Die zweite Hälfte liest sich anders als die erste Hälfte. Ich habe das Gefühl, Dich als Person jetzt besser greifen/verstehen zu können. Ich denke, das liegt daran, dass Du Dich dort auf die Reise in dein Inneres eingelassen hast und uns (Leser) ein Stück weit hast teilhaben lassen. Ich lese unendlich gerne Deine Beiträge. Das ist die Art wie Du schreibst. Und am Ende der meisten Beiträge ein kleiner Wunsch an den Leser: Habt schöne 24 h.

Ich freue mich, wenn ich mehr von Dir lesen darf!!

Und was ich Dir auch sagen will: Wenn im November wieder die Trauer um Deinen Vater hochkommt, dann sei Dir einfach gewiss: Es ist die pure Liebe, die Du da spürst.  :-*

JJ
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medea888

Re: Medeas Tagebuch
#87: 15.10.2021 17:07:36
Hallo liebes Tagebuch,

dann nehme ich den sehr lieben Beitrag von JJ mal zum Anlass hier wieder zu berichten.
5 Wochen sind seit dem letzten Eintrag vergangen.
Bisher meine Schwierigsten glaube ich, vielleicht aber die Produktivsten auf meinem Weg.
Im Grunde hatte es sich schon etwas angekündigt, dass mir ein wenig die Lust/Kraft am emotionalen Auseinandersetzen ausging. Aber anstatt mir dann einfach die Zeit und Ruhe zu nehmen, habe ich mich mit sehr viel Arbeit betäubt, ähnlich wie beim Spielen löst das für mich im Grunde das Gleiche Problem, ich drücke Dinge damit weg, Arbeit steht dann an absolut erster Stelle und hat vor allem Vorrang egal, ob privat Leben oder auch Gesundheit.
Ich glaube es kam dazu, weil ich das Gefühl hatte ich stecke in eine Sackgasse: Ok ja, super spielfrei: check weniger Stressen lasse: Check Therapie weitermachen : check...
aber dennoch ist da immer noch eine innere Unruhe, die mich nicht loslässt. Hinzu kamen einige andere emotionale Momente, alles zusammen führte dann eben zu einem Rückschritt, zumindest habe ich es so empfunden.
Glück war, dass dann ein sehr schöner Urlaub folgte in dem ich gezwungen war nicht zu arbeiten.
Und da kamen dann irgendwie Dinge hoch, die mir gut taten. Besonders faszinierend für mich waren einige wenige Momente in denen ich es schaffte im Hier und Jetzt zu sein, voll und ganz. Wenige Minuten nur, aber für mich schon sensationell, weil ich sonst mit meinen Gedanken immer überall gleichzeitig sein muss...

Dennoch war ich auch enttäuscht von mir, dass ich mich wieder in alte Verhaltensweisen gestürzt habe....
Spielen kam mir übrigens in keinem Moment in den Sinn, das war keine Option.
Zurück aus dem Urlaub, hatte ich mir fest vorgenommen, nicht wieder so stumpf zu werden und mehr wieder im bewussten zu sein.
Ist mir ganz gut gelungen.
Dienstag hatte ich dann meine Therapiesitzung. Und offenbar habe ich zumindest meine Therapeutin sehr happy gemacht, weil ich ziemlich dolle zusammengebrochen bin, irgendwie kamen da ganz komische Dinge hoch und Sie wollte,, dass ich versuche diese zu erfühlen und nicht rational zu bewerten. Etwas was mir als Dauer Zerdenkerin ja unglaublich schwer fällt. Aber gut ich dachte was solls Du machst das ja um was zu ändern und ließ mich drauf ein.
War super schmerzlich, viele Kindheitssachen, Verlustängste, Alleinsseingefühle von damals kamen hoch und sind auch drei Tage danach alle noch da. Das wird mich wohl noch ne Weile Nachts wachhalten...
Jetzt fühle ich mich gerade als hätte ich Dienstag im Feuer gestanden und mein Körper ist von kleinen blutigen Wunden übersät.
Dennoch hat meine Therapeutin gesagt, das wäre eine ganz tolle Sache und Sie würde sich sehr für mich freuen, denn darauf können wir nun aufbauen und weitermachen. (offenbar hatte Sie nach einem Jahr schon fast die Hoffnung aufgeben bei mir tiefer zu kommen....( hui ich mag das nicht, wenn Sie dann sagt, ich müsste verstehe, dass ich nun mal stark disfunktional agiere, da komme ich mir immer so kaputt vor, beruhigend ist nur, dass Sie sagt, da würde in der heutigen Zeit sehr vielen so gehen.. bin also nicht die einzig Kaputte.)

Alles noch sehr konfus für mich.

Wie immer habe ich auch dazu ein passendes Lied gefunden.
In diesem Sinne war´s das erstmal liebes Tagebuch, danke fürs Zuhören und allen schöne 24 Stunden

besonderen Gruß an JJ ;)


Eure Medea


Jupiter Jones: Warten
hier der Link und der Anfang vom  Text
https://www.youtube.com/watch?v=Csy66mF5lSw

Um das hier zu versteh'n
Braucht es Hirne und Herzen
Von nie da gewesener Größe,
Braucht es Tränen und Schmerzen.
Ich müsst' es selber seh'n,
um das hier zu versteh'n.
Um das hier zu versteh'n,
braucht es Arme und Hände
Von nie da gewesener Stärke,
braucht es Fäuste, braucht es Wände.
Und dann nach Hause geh'n,
um das hier zu versteh'n.
Und was nützt uns uns're Weisheit in 'ner ausgemachten Scheißzeit?
Und was nützt uns die Erkenntnis, dass was Heimat war jetzt fremd ist?
Wenn wir trotzdem niemals lernen, was es heißt sich zu entfernen
ohne jemals ganz zu geh'n
Wenn's das gäbe, wär das schön.
Ich hab' den Verstand verloren.
Blinde Augen,
Taube Ohren,
Stumme Lieder,
Leere Bücher,
Pfeifen, Flaschen, Taschentücher
Und wir rennen um unser Leben
…….
Quelle: LyricFind
.
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medea888

Re: Medeas Tagebuch
#88: 18.11.2021 20:05:05
Hallo liebes Tagebuch,

schon wieder ist ein Monat rum, unfassbar.
Wenn ich in mich reinhöre, denke ich es geht mir gut. Aber ich bin auch derzeit ängstlicher als sonst. Am Wochenende war ich mit meiner besten Freundin ein paar Tage unterwegs, das tat sehr gut, dennoch hatte ich seit langer Zeit wieder in der Nacht eine Panikattacke, ohne dass ich sagen könnte warum, ergriff mich einfach Angst... kein schönes Gefühl.
Ich denke es arbeitet in mir. Daher werde ich jetzt mein ziemlich einzigartiges Erlebnis meiner letzten Therapiesitzung berichten ( sorry es wird länger)
Die Therapeutin setzt immer bei der letzten Sitzung an und fragte daher, wie es für mich war, mich als Kind zu sehen und vor allem zu spüren, wie ich schon schrieb war es für mich ja eher ein komisches Gefühl, was viel hoch geholt hat, von dem ich glaubte es wäre für mein heutiges Leben gar nicht mehr entscheidend... wie Hilflosigkeit gegenüber der Krankheit meiner Mutter oder der Tod meines Vaters...#

Nun die Therapeutin fragte mich dann, ob ich, geführt, mich von damals wieder treffen wollte. Ich gebe zu ich hab gezögert aber dann dachte ich, wenn schon dann jetzt richtig.
Ich sollte dann einfach die Augen schließen und geschlossen halten und sollte mir einen Ort vorstellen, wo ich dieses Kind treffen will.
Und dann war ich schon mitten drin.... in einem großen Kinosaal ( oder Theater) vollkommen leer mit roten  Sesseln aus Samt und einem Geruch nach altem Leder und ich stand ganz oben in den Reihen und schaute nach Unten und da stand "ich" als kleines Mädchen mit einem hübschen Kleid und dunkelblauen Lackschuhen. Es war vollkommen klar alles, wie in einem Film.
Ich sollte dann zu dem kleinen Mädchen weiter runter gehen, das fiel mir schon nicht leicht, aber nach gefühlt mehreren Stopps kam ich unten an.
Das Kind stand einfach nur da und war ganz ruhig, es wirkte nicht ängstlich oder so. Ich sollte es dann ansprechen, was ich auch tat, ich fragte es, was es denn ganz alleine hier machte. Es/ich sagte ganz ruhig " ich warte, darauf dass jemand kommt" wie lange es da schon wartete wusste es nicht und ich fragte auch nicht auf wen es wartet ( auf mich nicht, das war mir irgendwie klar)
Die Therapeutin wollte dann, dass ich mit dem Kind weiter agiere, also wollte ich mit dem Kind den Saal verlassen, aber zunächst fragte ich es, ob es sich in den Klamotten wohlfühlte, denn ich hatte den Eindruck es war nicht so, und es sagte es würde gerne die Schuhe ausziehen. Also setzten wir uns auf den Boden und es zog die dunkelblauen Lackschuhe aus. Ich schaute es dabei an und merkte da zum ersten mal, dass mir selbst die ganze Zeit schon die Tränen runterliefen, ohne dass ich jetzt wirklich laut heulte, es waren einfach nur stumme Tränen. ....
Ich nahm das Kind dann wieder an der Hand und schaute nach einem Ausgang, der aber nicht zu sehen war.
Da sagte dann die Therapeutin schon die Zeit wäre um ( es waren somit schon über 20 Minuten im Saal vergangen)  und ich sollte mich aus der Situation wieder lösen. Und da hatte ich dann auch Panik. Es wäre mir unmöglich gewesen, das Kind in diesem Kino alleine zurück zu lassen, ich war nicht fähig die Augen zu öffnen.
Also sollte ich da Kind nehmen und wohin führen, wo ich es alleine lassen würde.
 Ich war dann sofort mit dem Kind in einem großen  Park, ich glaube es war NY und kaufte ihr an einem dieser Stände ein großes Eis. Dann setzte ich mich mit ihm auf eine Bank und erst da konnte ich dann da Kind zurück lassen und die Augen öffnen.
Mein ganzes T-Shirt war komplett nass von Tränen.
Ein absolut krasses Erlebnis.
Die Therapeutin sagte mir dann, dass ich leider ganz wenig Zugang zu dem ICH von damals habe und mir selbst wohl doch eher fremd bin, etwas was ich so nie annehmen würde....
Sie fragte dann, ob ich mir zutrauen würde bis zum nächsten mal mich nochmal alleine dem Mädchen zu näheren. Ich sagte sofort nein, denn wenn ich in diesem Kinosaal ohne die Stimme der Therapeutin gewesen wäre, ich wäre da nicht raus gekommen..
Das Gefühl, jetzt drei Wochen nach der Sitzung ist immer noch komisch, weil es so real für mich war.
Dem Kind bin ich nicht wieder begegnet, aber eben meiner Panik.  Ich bin mir ziemlich sicher, dass das eine mit dem anderen zu tun hat.
Hier im Forum schreiben ja viele darüber, dass die Spielsucht doch nur ein Symptom oder ein Verstecken vor etwas anderem im Leben ist.
Ich denke ich bin wohl auf dem Weg das rauszufinden.
Ich bin dennoch dankbar und froh, dass trotzt meiner momentan eher teilweise instabilen Psyche ein Rückfall in das Verstecken durch spielen nicht in Frage kommt. Und immer noch, wenn ich mich selbst reflektiere und mich als Spielerin sehe, bin ich froh, dass ich dahin nicht wieder gehen will.
Ich möchte mich dem stellen, was mir Angst macht, denn nur so weiß ich entkomme ich jeglichem Verstecken.
So ich hoffe liebes Tagebuch, du bist nicht eingeschlafen bei der langen Geschichte und ich werde wieder schreiben, hoffentlich mit weiteren Erkenntnissen.
Bis dahin wünsche ich allen Mitlesern die Kraft für wunderbare 24h .
Eure Medea


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Re: Medeas Tagebuch
#89: 19.11.2021 15:56:26
Liebe Medea,

ganz ehrfürchtig bin ich diesmal geworden beim Lesen Deines Beitrags. Das Bild vom kleinen Mädchen sehe ich ganz klar vor mir.... wie es da steht, ganz klein, still, im schönen Kleid.
Die Schuhe abzulegen ist für mich ein Bild für "Zwänge abstreifen" und sich Befreien aus einer ungemütlichen Lage. Die kleine Medea hat um Deine Hilfe gebeten. Das ist sehr wertvoll!!!
Du hast ihr geholfen.
Vielleicht findest Du ja nach und nach mehr darüber raus, wovon du sie befreit hast.
Vor der Einsamkeit in dem Kinosaal? Der Ausweglosigkeit?
Dass Du erstmal zögerst, wieder direkt in die Situation zu gehen, verstehe ich.
Aber ich denke, du wirst die Berührungsängste nach und nach verlieren. Mach es in Deinem Tempo. Es ist Dein Kind in Dir. Und Dein Leben. Du hast keine Eile.
Irgendwann willst Du vielleicht wieder hin.
Es ist auf jeden Fall ein riesiger Wert, dass Du den Weg jetzt kennst!!

Ich drück Dich.
JJ
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