Hallo zusammen,
Am Donnerstag (2 Tage vor meinem 13. Hochzeits- und 23. Jahrestag) habe ich von der Spielsucht meines Mannes erfahren. Aufgeflogen ist er nach Jahren, weil ich mich mit dem Thema Eigentum beschäftigt habe und die Konten einsehen wollte, die mich Jahre lang nicht interessiert haben, da ich ihm vertraute und auch im Hauptkonto gesehen habe, dass die Sparraten entsprechend abgingen. Während er "erleichtert" ist, aufgeflogen zu sein, da er bereits depressiv ist und mir mehrfach Abschiedsbriefe geschrieben hat, geht es mir beschissen (ihm allerdings auch).
Ich weiß nicht wo mir der Kopf steht, alles worauf wir um die 10 Jahre gespart haben, für das wir gearbeitet haben und auch verzichtet haben ist weg. Meine Ziele, die jetzt eigentlich erreichbar waren, scheinen nun unerreichbar, wodurch mir jetzt der Antrieb fehlt. Ich esse nur noch wenig, wie man an der Uhrzeit sieht, schlafe ich schlecht, will eigentlich nicht mehr aufstehen und mache es nur, weil wir Kinder haben. Ich sehe keinen Grund mehr zu arbeiten und auch nicht mein Studium zu beenden...
Ich war zu keinem Zeitpunkt sauer, was ich unnormal finde, ich habe Mitleid mit ihm und mache mir Sorgen um ihn...
Zeitgleich war eine meiner ersten Reaktionen, mir eine Übersicht zu verschaffen, zu schauen, ob wir ne Chance haben was wiederzubekommen. Das hat ihn sehr verletzt, weil er meinen Aktionismus so verstanden hat, dass mir das Geld wichtiger ist, als er. Aber so ist es nicht! Mir ist das Geld an sich "egal", sonst hätte ich ihn direkt vor die Türe gesetzt. Was mir nicht egal ist ist, was es uns an Lebensqualität gekostet hat, es zu erwirtschaften. Und in erster Linie habe ich es gemacht, weil ich mich total machtlos fühle, ich habe nichts gemerkt, ihm vertraut und jetzt!? Es zieht mir den Boden unter den Füßen weg. Es hat mir so viel Sicherheit gegeben, dass ich selbst als ihm vor 4 Monaten gekündigt wurde (betriebsbedingt), ich ganz ruhig und zuversichtlich war.
Bevor ich mir einen Überblick verschafft habe, habe ich uns einen Termin in einer Beragungsstelle gemacht und mit ihm gesprochen. Mehr konnte ich meiner Meinung nach nicht für ihn tun, zu diesem Zeitpunkt. Und da meine Gefühle ihm gegenüber Achterbahn gefahren sind, musste ich was tun um mich abzulenken bzw Ordnung ins Chaos zu bringen. Ich habe keine Ahnung, wie es für uns als Paar weitergehen wird, ich habe ihm nur versprochen, dass ich ihn so gut wie möglich dabei helfen werde, gesund zu werden. Ich gehe auch nicht davon aus, dass unsere Beziehung vorher daran kaputt gehen wird, aber ich habe schon Angst, dass sie u.a. daran scheitern wird, dass ich egal, was wir finanziell wieder erreichen werden, immer denken werde, dass es eigentlich so und so viel sein müsste. Im Moment heule ich noch jeden Tag, weil selbst so Kleinigkeiten, wie sich die Nägel zu machen, mich daran erinnern, dass wir auf vieles verzichtet haben um zu sparen. Ich bin zu geizig in ein Nagelstudio zu gehen und selbst zum Friseur gehe ich nur 2 mal im Jahr (für Frauen i.d.R. eher untypisch) weil ich ein Ziel vor Augen hatte, dass definitiv wichtiger ist, als dumme Nägel und Haare und dafür habe ich gerne auf einen so unnötigen Luxus verzichtet. Versteht mich nicht falsch, dass ist einfach nur ein ganz banales Beispiel. Ich bin kein oberflächlicher Mensch.
Heute war übrigens schon der Beratungstermin und um ehrlich zu sein, ich weiß nicht was ich erwartet habe... einerseits bin ich erleichtert, weil er mit mir hin ist und auch bald wieder hin geht, andererseits ist mir zu wenig "passiert". Außerdem keimte in mir tatsächlich auch die Hoffnung auf, dass wir tatsächlich was wiederbekommen könnten. Vordergründig ist zwar für mich, dass er Hilfe bekommt, aber es würde mir persönlich viel Helfen, weil ich dann später nicht aufrechnen und damit die Beziehung belasten würde und es mir vermutlich auch wieder Hoffnung für unsere gemeinsame Zukunft geben würde. Ich habe ein großes Problem damit, etwas aufzugeben, so lange auch nur ein Funke Hoffnung besteht. Das geht bei mir durch alle Lebensbereiche, ich kann keine Dinge, keine Menschen und auch kein Geld aufgeben, ohne nicht jede Chance genutzt zu haben.
Ich denke, ihr könnt an meinem Beitrag erkennen, dass im Moment viel in mir vorgeht und meine Stimmung/Emotionen schwanken stark zwischen Sorge/Mitleid und stark sein für meinen Mann und der Trauer um verlorene Lebensqualität und Zukunftschancen.
Ich habe hier einige Beiträge gelesen und leider habe ich in meinem ersten Besuch hier keinen gefunden, in dem die Beziehung die Spielsucht überlebt hat. Ich würde mich über jeden Kommentar und Tipp von euch freuen, ganz besonders über die, wie man es schafft, dass die Beziehung dieses ganze Drama übersteht.