Guten Morgen Wasserlilie,
herzlich Willkommen hier bei uns im Forum, hervorragend, dass du deine Probleme und Sorgen mit uns teilst!
Zunächst einmal will ich dir sagen, du bist eine starke Frau und bist mental schon sehr weit Fortgeschritten mit deinem Denken und Handeln als so mancher Angehörige, der hier aufschlägt - dafür hast du meinen vollen Respekt.
Meiner Ansicht hast du bis hierher alles richtig gemacht, du bist emotional gebunden an deinen Mann, hast ihn Chancen gewährt und hast ihm klar vorgestellt, wie deine Zukunft mit ihm aussieht - nämlich ohne Spielen und hast dann, davor verneige ich mich, deine angedrohte Konsequenz durchgezogen, dies schaffen nur die wenigsten Angehörigen, jedoch ist das der einzig logische und zielführende Schritt für den Moment. Er muss sehen und fühlen, dass sein Handeln in kein "immer weiter so" mündet. Eine (temporäre) Trennung wird euch beiden gut tun, obwohl dies natürlich schmerzt.
Meiner Ansicht kann ein Rückfall, sofern man als Spieler den Weg der Abstinenz eingeschlagen hat, immer vorkommen, jedoch ist der Umstand, dass der Spieler diesen wirklich auch gehen will, nicht immer objektiv von außen zu erkennen.
Ich habe in den letzten Jahren, eigentlich noch nie, einen Rückfall gehabt, nach meinem Entschluss abstinent zu werden, der Trick ist, nicht die Sucht zu bekämpfen, sondern sie zu akzeptieren und lernen mit ihr zu Leben. Dafür hat jeder Spieler unzählige Hilfestellen und jeder wählt mehrere davon aus und bezieht diese in seinen Weg der Abstinenz ein. Eine Therapie kann eine davon sein, allerdings schützt diese konkret später im Leben nicht vor dem Spielen, erst recht nicht, wenn ein Angehöriger den Spieler dort hin schickt oder der Spieler nur dorthin geht, um sein Umfeld ruhig zu stimmen und danach seiner Sucht wieder Raum zu geben. Du siehst, es ist ein verzwicktes und Komplexes Thema, das Angehörige leider nicht für den Spieler lösen können, sondern nur dieser selbst.
Ich persönlich sehe eine Selbsthilfegruppe in den ersten Jahren des Abstinenz für unumgänglich, der Austausch mit anderen Spielern ist essentiell, um zu lernen, welche Strategien diese für sich gewählt haben und davon für sich selbst zu lernen. Du siehst an mir, dass ich selbst nach über 10 Jahren Spielfreiheit an dem Thema weiter festhalte und den Austausch suche, wenngleich nur noch Online und nicht mehr in Präsenz, aber dennoch immer noch ungemein wichtig für mich selbst!
Ganz ehrlich, Therapie, Hypnose, Globulli oder sonstwas - er ist und bleibt die Lösung seines Problems und keine Therapie wird eine Wunderheilung herbeiführen, kann aber helfen, Abstinent zu werden. Er wird das schaffen, wenn er es zu 200% möchte, muss dann aber alle ihm mögliche Hebel in Bewegung setzen, damit es erfolgreich wird. Er ist Patient und Arzt zugleich - welche Strategie hat er? Eine Hypnose - doch das wird zu wenig sein, um ernsthaft spielfrei zu werden.
Ich wünsche dir Viel Kraft Lilie, die wirst du brauchen....
aT