Hallo Andre12.
Ich bin, wie schon gesagt, bin ich froh hier zu sein. Mein Mann und ich sind seit 2 Jahren zusammen, haben uns über das Internet kennengelernt. ( hätte ich nie gedacht, dass mir das passiert). Wir haben uns viel geschrieben und telefoniert. Es lagen ja 600 km zwischen uns. Dementsprechend haben wir uns nicht oft gesehen. Ich selber bin Krankenschwester (45) und seit fast 25 Jahren in der Psychiatrie tätig. Von daher, darf ich eventuell sagen, habe ich schon mit vielen Dingen „Erfahrung“. Leider durfte ich auch im privaten mit Alkoholismus Erfahrungen sammeln. Mein Exmann ist nasser Alkoholiker.
Ich hätte mir nie träumen lassen, dass ich noch einmal in solch eine Situation komme. Mein Lebensgefährte weiß um alles in meiner Vergangenheit. Er selbst spricht nicht so gerne über seine. Aus seinem Umfeld habe ich dann so einiges nebenbei erfahren. Ich gehe davon aus, dass dies auch sehr schambesetzt ist. Er sagte mir, dass es ihm leid tut, dass ich jetzt schon wieder an einen „Suchti“ geraten bin. Meine Gefühle und auch mein Kopf fahren Achterbahnen. Momentan glaube ich nicht, dass ich soweit bin Konsequenzen durchzusetzen. Ich bin noch dabei zu appellieren. ER hat mir erzählt, dass er zunächst ein Problem mit dem Alkohol, dann mit Drogen hatte. Davon ist er ohne Hilfe losgekommen. In unserem letzten Gespräch war ich, glaube ich, recht deutlich. Er wollte zunächst wieder alles klein reden, er habe alles im Griff und ich solle mir keine Sorgen machen. Das habe ich dann aber schnell aufgedröselt. Er hat nichts im Griff. Es gibt wohl keine Schulden und es wird immer alles rechtzeitig bezahlt. Aber sobald er Geld in der Tasche hat, ist es weg. Dies habe ich ihm auch in aller Deutlichkeit rüber gebracht, denke ich. Ich habe ihn entscheiden lassen, welches für ihn der nächste Schritt ist, meine Unterstützung angeboten. Erstmal Ablehnung gegenüber einer stationären Therapie. Naja, mal sehen was noch so kommt. Die Nachfrage der kostenübernahme kam aber schon, und auch dieDauer des Aufenthalts. Abwarten.
Ich denke, wenn ich ihm so zuhöre, dass er sehr viel für andere macht und tut, das erlebe ich auch immer wieder. Auch für mich und meine Anliegen hat er stets Zeit ( außer Anfang des Monats). Er scheint im Grunde ein sehr unsicherer Mensch zu sein, mit vielen selbstzweifeln. Seine Kindheit und Jugend war auch nicht unbedingt die tollste. Also alles in allem: eine Aufarbeitung von Anfang an. Auch das ist mir bewusst und ich möchte ihm auch hierbei zur Seite stehen, wenn er mich braucht. Aber ich kann dies nicht für ihn übernehmen.
Den Termin bei der Sucht Beratung war eigentlich für mich. Es war sein Vorschlag mitzukommen. Dass er sich schämt, hat er schon mehrfach gesagt. Daraufhin hab ich ihm schon immer zu verstehen gegeben, dass nichts schlimmer ist als lügen und die sich darauf aufbauenden Schwierigkeiten. Wie schon erwähnt: lieber gleich volle Breitseite. Ich gehe davon aus, dass ich noch lange nicht alles weiß, kommt vielleicht noch. Ich will es hoffen.
Ja. Die Liebe ist noch frisch und groß. Deswegen bin ich noch nicht zu Konsequenzen bereit, auch wenn ihm das vielleicht schadet ( und mir auch).
Sorry, der Text ist megalang. Aber der Austausch auch zwischen betroffenen und mir, den finde ich gut. Vielleicht kann ich so manches bessere einordnen.
Vielen lieben Dank.