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Autor Thema: Spielsüchtiger Freund

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Spielsüchtiger Freund
OP: 01.03.2025 18:34:52
Hallo zusammen,

im Oktober 2024 habe ich herausgefunden, dass mein Freund spielsüchtig ist. Er hat sich inzwischen bei der AWO Hilfe gesucht und geht nun regelmäßig zu Selbsthilfegruppen. Eine Therapie wird auch in Kürze beginnen. (Aufgrund der langen Wartezeiten und dem Prozess überhaupt erst einen Termin zu bekommen) Also haben wir bzw. er sich erstmal und die emotionale und psychische Ebene gekümmert. Zwar ist er noch nicht bereit seiner Familie davon zu erzählen, aber ich denke, dass er erstmal die Therapie aufnehmen soll und dann sehen wir weiter.

Nun sind wir bereit die finanzielle Ebene aufzuarbeiten. Im Laufe des letzten Jahres hat er drei Kredite mit absolut unverhältnismäßigen Zinsen (10-12%) aufgenommen. Demnach steht er jetzt vor einem sehr großen Schuldenberg. Zwar hat er ein gutes Einkommen, aber es ist ungewiss, ob er dieses Einkommen die nächsten Jahre lang haben wird. Zudem kann ich nicht nachvollziehen, wie ihm diese Kredite überhaupt ausgezahlt werden durften, weil seine Ausgaben im Verhältnis zum Einkommen zu hoch sind. Genauer gesagt nach Abzug seiner Kreditverpflichtungen liegt er weit unter der Pfändungsfreigrenze, die vom Gesetzgeber festgelegt wurde. Er war bei der Schuldnerberatung, wurde dort aber mehr oder weniger ausgelacht und ist aufgrund dessen voller Scham sich andere Optionen zu suchen.

Hat hier jemand ähnliche Erfahrung mit solch hohen Zinsen? Oder hat sich jemand genau zu diesem Thema einen rechtlichen Rat bei einem Anwalt eingeholt? Könnte man aufgrund der Spielsucht von einer partiellen Geschäftsfähigkeit sprechen? Ihr könnt mir gerne sämtliche Erfahrungen mitteilen, wäre sehr dankbar dafür!!
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Re: Spielsüchtiger Freund
#1: 01.03.2025 19:30:20
Hallo Andrea,

herzlich willkommen in unserem Forum, eine Frage vorab, spielst du auch? Sorry für diese direkte Frage, aber dein Post macht mich ein wenig misstrauisch.

Ob und warum er diese Kredite nun bekommen hat, ist unrelevant, er hat seine Unterschrift drunter gesetzt, ob spielsüchtig oder nicht, das interessiert die Bank nicht. Nun hat er diese Kredite zu tilgen, was machbar sein wird, egal wie hoch die Schulden sind. Viel wichtiger ist es aber, mit dem Spielen aufzuhören, ohne dies wird der Schuldenberg nur noch höher. Bei der Schuldnerberatung ausgelacht? Könntest du uns diesen Punkt genauer erläutern?

Ich finde es gut, dass du nun hier Hilfe suchst, aber geht es dir nur um das finanzielle? Das Geld ist weg, das solltest du einsehen, mit welchem Argument willst du einen Anwalt einschalten? Wegen zu hohen Zinsen? Diese sind im Kreditvertrag ersichtlich, also wäre mein Vorschlag, das alles so hinzunehmen und daran zu arbeiten, dass dein Freund nicht mehr spielt, alleine wird er es womöglich nicht schaffen, mit dir aber auch nur, wenn er es selber auch möchte.

Erzähl uns bisschen mehr von ihm, wir hören bzw. lesen gespannt mit.

Schön das du hier bist

Liebe Grüße
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Re: Spielsüchtiger Freund
#2: 02.03.2025 10:22:57
Hallo Andrea21 und herzlich Willkommen im Forum,

Hat hier jemand ähnliche Erfahrung mit solch hohen Zinsen? Oder hat sich jemand genau zu diesem Thema einen rechtlichen Rat bei einem Anwalt eingeholt? Könnte man aufgrund der Spielsucht von einer partiellen Geschäftsfähigkeit sprechen? Ihr könnt mir gerne sämtliche Erfahrungen mitteilen, wäre sehr dankbar dafür!!

10 - 12% Kreditzinsen mögen nun höher liegen als übliche Vorgaben bei bekannten Banken.
Jene nun als unlautere Wucherzinsen oder von einer unzulässigen Vergabe an einen psychisch erkrankten Kreditnehmer rechtlich
anzugehen...wäre doch ein weites Feld.
Nun wüsste ich keinen Fall der aufgrund einer vorliegenden Spielsucht die Geschäftsfähigkeit einschränkt.
Zumindest nicht im strafrechtlichen Bereich, was im zivilen aufgrund kulanter Humanität oder sonstiger Gründe wohl kaum anders sein würde.
Wenn seine Kredite nun nicht gerade als Haustürgeschäfte oder mit einem  gesetzl. nicht zulässigen Verfahren oder Inhalten abgewickelt wurden,
wären sie wohl kaum in Frage zu stellen.
Nun komme ich beruflich ja aus einem anderen Bereich und mir ist auch bewusst wie Anwälte geschickt einige Tatsachen beugen können.....
von daher.  :)   

Ich finde es gut dass du deinem Freund bei allem so bei Seite stehst.
Und ihr habt ja auch schon so einiges bewegt.
Geld und wie zukünftig alles so finanziert werden sollte ist sicherlich absolut wichtig.
Zu gesunden, dabei aber die unabdingbare Basis.
Aus deiner Sicht Andrea, schätzt du ihn denn selbst als partiell nicht geschäftsfähig ein ?
Was beim Spielen selbst ja wohl außer Frage steht!

Liebe Grüße und schön dass du hier bist     
 
     
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Re: Spielsüchtiger Freund
#3: 02.03.2025 11:09:09
Hallo und danke für die Antworten. :)

Nein, ich spiele nicht und ich bin froh nicht mal 1€ in diese Geldautomaten geworfen zu haben. Mein Freund hat das letzte Mal im September gespielt und ist demnach seit 5 Monaten abstinent. Er besucht auch regelmäßig die SHG und die Beratung bei der AWO.

Ja es geht mir um die viel zu hohen Zinsen. Insbesondere auch darum, dass die Banken hätten sehen müssen, dass dieses Geld für die Spielsucht aufgenommen wurde. (Bei einer Einzahlung über 10.000 € brauchte er zudem einen Nachweis und hat der Bank mitgeteilt, dass das Geld vom Casino kam.) Vielleicht ist das nur in meiner Wunschvorstellung so verankert, aber wenn innerhalb von 6 Monaten 3 Kredite im fünfstelligen Bereich aufgenommen werden, müsste die eigene Hausbank doch mal nachfragen, wofür die Kredite aufgenommen werden.


Die Schuldenberatung hat nur seine Abrechnungen gesehen und dann zu ihm gemeint, dass er ja genug Geld verdient, um diese Kredite abzubezahlen. Etwas gerechnet wurde dort nicht. Sofern man alle Kreditbelastungen von seinem Einkommen abzieht, ist er weit unter der Pfändungsfreigrenze. Er wurde dort nicht ernstgenommen und abgewiesen
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Re: Spielsüchtiger Freund
#4: 02.03.2025 11:34:36
Hallo Andrea 21,

Banken oder Zahlungsdienstleister handeln zumindest dann unzulässig, wenn Zahlungen an nicht lizensierte Glücksspielanbieter weitergeleitet wurden.
Dazu gäbe es dann auch ausreichend rechtlichen Beistand im Netz zu finden.
Klasse dass dein Freund schon länger spielfrei ist und regelmäßig  zur SHG und Suchtberatung geht.
Das kann ja echt was gescheites werden.  :) Hervorragend.

Zu merken wie sehr es auch dir zu schaffen macht, wie lapidar Gelder hier bereitgestellt wurden.
Der Pfändungsfreibetrag wäre doch erst relevant wenn Pfändungen vorliegen, expl. bei einem P- Konto!
Es wäre mir neu, wenn sich im Vorfeld darauf eine Vergabe eines Kredites berufen würde.
So kenne ich einige Gläubiger ohne Suchterkrankung, die wesentlich mehr bezahlen monatlich ..als dass ihnen irgendein Freibetrag
zu Verfügung stände.

Liebe Grüße     
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Re: Spielsüchtiger Freund
#5: 02.03.2025 12:56:48
Hallo Andrea21,

herzlich willkommen und schön dass du hergefunden hast.

Also der Zinsatz ist doch halbwegs "normal".
Die Kreditkartenfirmen nehmen für ihre Teilzahlungsangebote fast das doppelte.
Die Höhe der Zinsen hängt dann auch von der jeweiligen Bonität ab.

Jede Bank will erst einmal verdienen. Und solange das Einkommen stimmt,
werden Kredite vergeben. Offenbar war die Bonität ja noch gegeben.
Natürlich sind die Bankangestellten keine Sozialarbeiter.

Nach gesundem Menschverstand hast du natürlich völlig Recht,
und so manch Bankangestellter wird evt. auch mal nachfragen.

Dass ein Schuldenberater ohne Prüfung der Sachlage zu so einer Aussage kommt,
halte zumindest ich für zweifelhaft. Warum sollte er das tun.
Egal wie hoch das Einkommen ist, wenn man überschuldet ist, ist man überschuldet.
Evt. wurde da von deinem Partner nicht die volle Wahrheit gesagt.
Entweder dir oder dem Schuldenberater gegenüber.

Also so ganz mag ich die Schilderungen mit der Hausbank udn dem Schuldnerberater nicht glauben.
Für mich ist das nicht stimmig. Und wäre ja nun nicht das erste Mal, dass ein Spielkranker nicht die volle Wahrheit erzählt.
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Re: Spielsüchtiger Freund
#6: 02.03.2025 14:53:03
Hallo Andrea,

sicherlich kann man sich über das vorhandene Banken und Kreditsystem ärgern und aufregen, ist aber nicht zielführend. Bei meinem Konto war es offensichtlich das ich nur 320 Rente Zahlungseingang habe und bekam "von Haus aus" von alleine einen Dispo über 500, damit verdienen die nunmal Geld und mitlerweile geht das doch alles Vollautomatisch. Desweiteren bekamen wir unseren ersten und einzigen Umschuldungskredit absolut Problemlos obwohl -im Nachhinein betrachtet- dieser auch völlig Überteuert war aber im Jumm der Sucht zu der Zeit wars mir ziemlich egal, ich wollte "eigetnlich" die Konten bereinigen.

Kreditkram genau der gleiche Mist, ich musste sogar 3 mal zur Bank obwohl offensichtlich -ich stand ja daneben und hab es gesehen- am Pc bei der Bank die Onlinefunktion deaktiviert wurde. Beim 3ten mal als ich nochmal nach Hause musste mein Handy holen um mich in mein Konto einzuloggen und der Sacharbeiterin zu zeigen was ich meine telefonierte Sie bereits mit der Zentrale und in irgendwelchen zahlreichen  Unterfunktion fand Sie dann die endügltige richtige entgültige Einstellung,...

Mit der Suchtberatung bin ich etwas Zwiegespalten. Da Dein Mann über ein hohes Einkommen verfügt wie Du sagst und er ja auch -NOCH- Problemlos alle möglichen Kredite bekommt kann ich mir gut vorstellen das er nicht Ernst genommen wurde.

Man kann dieses Kreditspiel ziemlich lange spielen - bis die ersten Zahlungsforderungen nicht bedient werden und erste Eintragungen darüber statt finden

Edit: zu den Banken. Wir brauchen ja ein Auto und wahren am überlegen eins zu finanzieren und gingen zur Hausbank meiner Frau. Ohne weit auszuholen und zu diskutieren die Aussage des "Bankberaters"

"Von uns bekommen sie keinen Kredit aber es gibt da Möglichkeiten wo man anfragen könnte, Zinsen liegen dann so um die 15%, sollen wir mal schauen" ? ,... das zu den Banken,...

Wir haben mehr als dankend abgelehnt,...
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8.12.1974 :) Schlechter geht immer, BESSER aber auch :)
 

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Re: Spielsüchtiger Freund
#7: 03.03.2025 12:02:04
Andre12 da würd ich gerne einen Daumen hoch Smile drunter setzen. Ich habe beim Lesen auch sofort dieselben Gedanken gehabt.

Geld, Schulden...das alles regelt sich mit der Zeit immer irgendwie. Alles andere drumherum finde ich etwas bedenklicher.
Ich habe auch am Anfang immer gedacht das ich meinem Mann helfe wenn ich ihm diese Schuldenlast nehme, ihm helfe das in den Griff zu bekommen. Damit war ich beschäftigt, hatte das Gefühl ich helfe wirklich mit fruchtbarem Ergebnis...und er hat Munter weiter gespielt und Geld geliehen, von Freunden, Nachbarn und jedem der ihn in die Quere kam. Hat mir erzählt er geht in die SHG und zu Beratungsterminen. Wo er wirklich war  - Gedanken dürfen reisen....;D
Ich will nicht sagen das das bei deinem Freund auch so ist. Ich möchte nur sagen das man von einem Spieler nie das volle Umfang seiner eigentlichen Sucht bekommt. Nur Scheibchenweise. Den Rest muss man sich selber zusammen denken oder zufällig mitbekommen.

Wäre dein Freund - wenn du es nicht heraus bekommen hättest - selbstständig in eine Therapie/SHG/Beratung gegangen und hätte die Reißleine gezogen?
Wieviel von den Dingen regelst du, was macht er aus eigenen Stücken? Grenze dich genug ab. Das ist  ganz wichtig.
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Re: Spielsüchtiger Freund
#8: 16.03.2025 15:23:14
Vielen Dank für die zahlreichen Antworten. Hab länger nicht mehr reingeschaut.

Es macht wirklich den Eindruck als hätte ich nur das finanzielle im Kopf, aber bei einem Schuldenberg im hohen 5-stelligen Bereich ist das glaube ich normal. Wir haben immer davon geträumt ein Haus zu kaufen :D, gestaltet sich mittlerweile etwas schwierig. Ich zahle seine Schulden nicht ab und werde es auch nicht tun, das habe ich ihm auch so gesagt.

Dass er seinem persönlichen Umfeld bzw. seiner Familie noch nicht von der Sucht erzählt hat, hat leider auch andere Hintergründe auf die ich auch nicht eingehen muss. (Schlechte elterliche Beziehung von Anfang an). Ich hoffe, dass ihm die Therapie gut tut und er erkennt, dass es wichtig ist darüber zu reden. Ja wichtig ist, dass er die Sucht zum Stillstand bringt, aber kann man jemals wieder nicht spielsüchtig sein? Also die Sucht wird ja immer da sein, man kann nur lernen damit umzugehen (das meine ich).

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Re: Spielsüchtiger Freund
#9: 16.03.2025 16:40:55
Hallo Andrea,

Ja wichtig ist, dass er die Sucht zum Stillstand bringt, aber kann man jemals wieder nicht spielsüchtig sein? Also die Sucht wird ja immer da sein, man kann nur lernen damit umzugehen (das meine ich).

Forscher und kompetente Fachprofessoren sind sich da wohl einig, dass pathologisches Spielen quasi nicht heilbar wäre.
Sicherlich auch fundiert und begründet, so dass das Bundesministerium für Gesundheit sich dieser Meinung halt anschließt.
Ich selbst bin ein path. Spieler und ob ich diese  psychische Erkrankung anscheinend immer habe, ist nur soweit relevant wie mein Umgang damit.

Ja, nicht nur ich kann damit umgehen und so leben wie jemand der diese Erkrankung nicht hat.
Mit dem wesentlichen Unterschied....ich kann nicht mit dem Glücksspiel umgehen.
Und nicht nur darum meide ich es, weil ich weiß was dann passieren könnte.
Darum übergieße ich mich z.B auch nicht mit Benzin und rauche nebenbei, weil ich dann wohl auch verloren wäre.

Diese ( meine) Sucht kann immer da bleiben, ich darf Leben und weiß wie ich es anstelle.
Und ja, ich habe es auch erst erlernen müssen...
Heute gehe ich automatisch und Intuitiv damit um, es ist keine Last oder Belastung...
es macht mir Freude ..egal was da allerorts prophetisch diagnostiziert wird.
Und Andrea....ich bin frei!

Jeder Spieler könnte dies wohl sein.....

Liebe Grüße
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