Spielsucht Soforthilfe Forum (SSF)

Spieler & Angehörige => Ich bin hier ... NEU => Thema gestartet von: Karma1985 am 08.04.2022 23:09:18

Titel: Kontakte
Beitrag von: Karma1985 am 08.04.2022 23:09:18
Hallo zusammen,

ich bin Jessica, 36 Jahre und wohne in Meckenheim bei Bonn. Ich habe seit 2014 mit dem Spielen zu kämpfen und habe bereits 2 stationäre Therapien hinter mir, die auch bedingt und kurzfristig geholfen haben. Aber nicht langfristig. Am meisten haben mir da die Gespräche mit meinen Leidensgenossen geholfen und daher würde ich hier gerne Kontakte mit Menschen aus meiner Nähe aufnehmen, damit man sich auch live mal austauschen kann. Würde mich über entsprechendes Interesse sehr freuen.

VG Jessy
Titel: Re: Kontakte
Beitrag von: Jacky1 am 08.04.2022 23:54:23
Hallo Jessy und herzlich Willkommen im Forum,

eine sehr gute Idee auf diesem Wege "Leidensgenossen" in Deiner Nähe zu suchen, vielleicht klappt es ja hier.
Hast Du schon einmal nach einer Selbsthilfegruppe in Deiner Nähe gesucht?
Dort wären ja dann einige mit denen Du Dich persönlich austauschen könntest.
Kontaktdaten könntest Du über eine örtliche Suchtberatungsstelle bekommen oder schaue einmal unter diesem Link. 

https://www.bundesweit-gegen-gluecksspielsucht.de/selbsthilfe

Und vielleicht möchtest Du sogar hier im Forum über Dich etwas schreiben.
Darüber wieder, würden sich hier einige sehr freuen.
Und es gab sogar schon einige Forentreffen.

Liebe Grüße


Titel: Re: Kontakte
Beitrag von: Fred am 09.04.2022 08:19:11
Moin Jessy und herzlich willkommen hier im Forum

und habe bereits 2 stationäre Therapien hinter mir, die auch bedingt und kurzfristig geholfen haben.

Ich vermute mal, dass die Thereapien eher eine Vernunftsentscheidung waren, oder gar von "außen" angeregt wurden.
Leider ist das schon recht komplex mit der Spielsucht.

Deine "Leidensgenossen" live treffen kannst du praktisch jeden Abend.
In jeder Stadt, ja selbst meist im Dorf gibt es entsprechende Selbsthilfegruppen.
"Spielergruppen" sind meist etwas rarer gesät, aber ich war zum Beispiel die ersten Monate in eine "Alkoholiker-Gruppe".
Die Probleme und Leidenswege sind ähnlich, der Stoff ein wenig anders. Es geht nicht um Geld und nicht ums Spielen,
sondern um das Leben mit einer Sucht.

Natürlich freuen wir uns auch auf jeden der hier in unserem Forum "hängen" bleibt.
Manchmal ist es auch einfacher sich die Last von der Seele zu schreiben als jemandem direkt in die Augen zu schauen.

Erzähl was von dir, Jessy.
Gruß aus dem Norden
Fred
Titel: Re: Kontakte
Beitrag von: Karma1985 am 09.04.2022 08:31:54
Danke für die Antworten und das Interesse. Durch meinen Beruf im Außendienst habe ich kaum die Möglichkeit an regelmäßigen Treffen oder Therapien teil zu nehmen, da ich oft von Montag bis Freitag unterwegs bin. Der Job ist das Einzige, was mich zur Zeit morgens noch aufstehen lässt. Ich lebe alleine mit meinem Hund und bin in keiner Beziehung. Diese habe ich mir selber verwehrt, da ich mich mit der Sucht keinem anderen Menschen zumuten möchte. Der aktuelle Stand meiner Sucht ist, dass ich nach einem 8 wöchigen Klinik Aufenthalt ein knappes Jahr "clean" geblieben bin und seit Februar 2020 wieder jeden Monat mein Gehalt und mittlerweile auch den Kreditrahmen meiner Firmenkreditkarte verspiele. Dies ist bisher noch nicht aufgefallen, aber ich habe jeden Tag Angst, dass das rauskommt, wenn ich meinen Job verliere, verliere ich meine Existenzgrundlage und wahrscheinlich auch meinen Lebensmut. Ich war zwischenzeitlich bei einer ambulanten Therapie, jedoch durfte ich dann nicht mehr dahin gehen, da ich nicht geimpft war / bin. Ich gehe generell sehr offen mit meiner Spielsucht um, meine Freunde wissen von jedem Rückfall... Dennoch kann ich nicht erwarten, dass sie mich verstehen, daher würde ich mich hier wirklich sehr über live Kontakte freuen.

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit 😊

VG
Titel: Re: Kontakte
Beitrag von: Jacky1 am 09.04.2022 10:01:34
... bin und seit Februar 2020 wieder jeden Monat mein Gehalt und mittlerweile auch den Kreditrahmen meiner Firmenkreditkarte verspiele. Dies ist bisher noch nicht aufgefallen, aber ich habe jeden Tag Angst, dass das rauskommt, wenn ich meinen Job verliere, verliere ich meine Existenzgrundlage und wahrscheinlich auch meinen Lebensmut.

Daran arbeitest Du ja leider gerade.  :(
Dann hättest Du wieder Zeit event. eine SHG zu besuchen?

Deine Gesundheit und Dein Wohlergehen sollten an erster Stelle stehen und nicht Deine berufliche Kariere.
Du bist ja bemüht aus Deinem Suchtverhalten zu kommen, doch es reicht ja momentan nicht aus.
Du machst Dir große Sorgen und es quält Dich doch so sehr.
Liebe Jessy eine Lösung muss her und Du kannst sie leider nicht erzwingen.
   

. Ich gehe generell sehr offen mit meiner Spielsucht um, meine Freunde wissen von jedem Rückfall... Dennoch kann ich nicht erwarten, dass sie mich verstehen, daher würde ich mich hier wirklich sehr über live Kontakte freuen.

Es ist doch nicht so wichtig dass sie Dich wirklich verstehen in Deinem Verhalten, Du bist Suchtkrank!
Doch sie würden sich doch sehr wünschen, dass es Dir wieder gut geht.
Es sind Deine Freunde!

Mache unbedingt alles dafür um Deinen Lebensmut zu erhalten, manchmal müssen auch Dinge geändert werden dafür.
Dass ist nicht so einfach ich weiß dies schon, doch es ist alle Mühe wert....für Dein so wertvolles Leben.

Liebe Grüße

 

Titel: Re: Kontakte
Beitrag von: Karma1985 am 09.04.2022 19:51:43
Das ist im Prinzip die Frage, was kann ich (noch) tun? Ich habe wie gesagt, die Therapien gemacht, ich habe durch einen Umzug mein Umfeld verändert, dann irgendwann meinen Job gewechselt, ich gehe weitestgehend offen mit diesem Thema um und hab mich bei "meinen"  Casinos (spiele seit Jahren ausschließlich online) sperren lassen. Meine Finanzen kann ich nicht aus der Hand geben, da ich beruflich Zugriff brauche für Hotel- und Reisekosten. Damit möchte ich auch ausdrücken, dass ich durchaus bereit bin, Dinge zu ändern und es bereits mehrfach getan habe. Ich bin zur Zeit so wahnsinnig glücklich in meinem Job und habe einen unglaublich tollen Chef, bei dem es nicht zwangsläufig zu einer Kündigung kommen muss, wenn alles rauskommt. Auch das wollte ich machen, ihm davon erzählen, allerdings hat mein Anwalt mir davon abgeraten, da ich ihn in Zugzwang setzen würde.
Ich sollte noch erwähnen, dass ich ebenfalls süchtig nach Gras bin, seit über 20 Jahren. Es ist, wie bei vermutlich allen, ein sehr tiefsitzendes Problem, was ansatzweise auch bereits reflektiert wurde und ich weiß, dass eine Psychotherapie das einzig sinnvolle ist. Ich stecke in einem Dilemma.

Ich danke euch, es ist gut, dass es dieses Forum gibt.
Titel: Re: Kontakte
Beitrag von: Karma1985 am 09.04.2022 19:58:41
Achso und Andre, ich spiele tatsächlich nie während der Arbeit, auch nicht, wenn ich eine ganze Woche alleine unterwegs bin und abends im Hotel. Bei mir ist das Wochenende/Urlaub/Freizeit das Problem, wenn ich alleine auf der Couch sitze.
Titel: Re: Kontakte
Beitrag von: Jacky1 am 10.04.2022 00:21:13
Hallo,

was macht man eigentlich, wenn mehrere Therapien durchlaufen wurden, die Umgebung verändert, der Beruf gewechselt und die neue Arbeitsstelle einen erfüllt - Freude bereitet.  Sich hat sperren lassen in Casinos und man offen mit dem Thema Sucht umgeht, es sogar seinen Freunden erzählt, darüber schreibt
und weiterhin hilfreiche Kontakte sucht .....und dennoch bleibt alles gleich?

Wenn ich nun einmal auf mich zurück schaue, wurde ich spielfrei/abstinent sogar fast ohne diese oben beschriebenen, durchaus hilfreichen "Dinge".
Eigentlich das Einzige bliebe, dass ich mit dem Thema Sucht sehr offen umging.
Na klar, was bliebe mir auch anderes übrig.

Andrè hat es in seinem letzten Beitrag auf den Weg gebracht.
Am Anfang des Endes meines Suchtverhaltens, bemühte ich mich und habe immer mehr gelernt Hilfe anzunehmen.
Spielte aber weiter - doch immer weniger.
Und war auch schon in so einem Forum und auch in einer SHG, dann hörte ich ganz auf mit dem Glücksspiel.
Aber spielte in meinem Kopf noch weiter - aber immer weniger.
Irgendwann bemerkte ich und es war irgendwie wie ein positiver Zwang und meine erste tiefgreifende Erkenntnis.
Hey mein Leben funktioniert ja ohne dieses Suchtverhalten ganz gut.
Es hatte seine "magische Kraft" verloren und es machte BOOOOOM in meinem Kopf.
Und genau ab diesem Zeitpunkt machte alles einen Sinn, hier zu berichten, es meiner Familie und Freunden zu erzählen und in eine SHG zu gehen.
Ein pathologischer Spieler zu sein und das Spielen nicht mehr zu brauchen ist ein tolles Elixier.
Vielleicht erkennt man es erst so richtig, wenn man es sein lässt...einfach einmal sein lässt.
Ohne in einem tiefen Loch zu landen und sich in der dunkelsten Gosse des Lebens wiederzufinden,
wo ja dann keiner mehr eine Wahl hätte außer es dann angehen zu müssen!
Denn noch darfst Du es Jessy.

Liebe Grüße