Spielsucht Soforthilfe Forum (SSF)
Spieler & Angehörige => Angehörige => Thema gestartet von: MissLuna2501 am 17.01.2022 13:39:45
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Hallo an alle
Ich bin ganz frisch hier und wollte euch einfach mal meine Geschichte erzählen um sie los zu werden. Ich meine wer erzählt schon gerne deinen Freunden und der Familie dass der Partner Spielsüchtig ist. Ich bin 25 und mein Partner 28.
Ich bin seit einem Jahr mit meinem Partner zusammen. Wir leben bereits seit 3 Monaten in einer Wohnung.
Er hat mir damals als ich ihn kennen gelernt habe direkt gesagt dass er vor Jahren Spielsüchtig war aber seit 3 Jahren nicht mehr gespielt hat aber noch Kredite von damals existieren die er aber monatlich abzahlt.
Wir sind zusammen gekommen und tatsächlich er hat nicht gespielt. Mit dem Geld war es immer eng wegen seinen Krediten aber auch hier hat er mir immer alles offen gezeigt. Man muss dazu sagen er hat früher rein online Casinos gespielt.
Vor 3 Monaten dann der Schock. Er wurde rückfällig. Innerhalb von 6 Tagen 6000 Euro. Das gesamte Gehalt, der Dispo plus 1000 Euro von nem Kollegen.
Als er es mir gesagt hat, wusste ich erst nicht wie reagieren. Ich habe mich hilflos gefühlt und meiner ganzen Wut erstmal Platz gemacht. Ja ich gebe zu ich habe ihn bestimmt 10 Minuten angebrüllt. Dann herrschte Stille und wir konnten reden.
Ich habe ihm gesagt noch ein Rückfall und ich bin weg. Natürlich meinte er direkt es war eine einmalige Sache und es kommt nie wieder vor. Aber den Worten kann man nicht glauben und ich meinte wenn du aufhören willst dann musst du es beweisen.
Gesagt getan er geht in Therapie. Er hat sich selbst drum gekümmert. Ich habe ihn beim ersten Mal hin gefahren und vor der Tür gewartet.
Von seiner Familie die wissen dass er Schulden hat und Spielsüchtig ist haben wir Bzw. Er keine Hilfe… sein Vater meint nur er ist nicht Spielsüchtig sowas kann mal passieren. Wenn wir weg gehen sagt seit Dad teilweise ganz locker „kannst du mal den 10er für mich in den Automat da werfen du bist näher dran“ oder „wie funktioniert das hier mit den Sportwetten“ bringt mich jedes Mal fast zum verzweifeln!!
Aber nun zu meinem Thema und meiner Frage. Wie macht ihr das mit dem Vertrauen? Ich würde am liebsten täglich sein Konto kontrollieren ob da Geld fehlt weil das Vertrauen diesbezüglich futsch ist! Ich möchte uns nicht aufgeben schließlich habe ich gesagt ich gebe ihm die eine Chance ! Und dazu stehe ich die eine bekommt er
Ich bin gewillt mit ihm zu kämpfen aber nur dieses eine mal.
Aber dieses Vertrauen bringt mich um!
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Hallo MissLuna,
Herzlich Willkommen hier bei uns im Forum, wir hatten vorhin im Chat ja bereits das Vergnügen!
Erstmal super, dass du dich mit deinem Problem nicht ins Schneckenhaus zurückziehst, sondern es hier niedergeschrieben hast!
Toll finde ich auch, wie du mit dem Thema umgehst und auch , dass du ihn hier noch eine Chance einräumst, trotz den jüngsten Verfehlungen seinerseits.
In einer Beziehung mit einem Spieler zu stecken verlangt einem viel ab - in allen Bereichen. Das Thema Vertrauen, das du angesprochen hast, ist ein Kernproblem, da ohne Vertrauen eine Beziehung wenig Sinn macht. Spieler nutzen das ihnen entgegengebrachte Vertrauen ohne mit der Wimper zu zucken aus, um ihrer Sucht nachgehen zu können.
Als meine Sucht damals ans Licht kam, war das Vertrauen zwischen meiner Frau und mit auch auf Null und unsere Schulden waren weitaus Höher als bei euch. Vertrauen ist etwas, das man in der Regel geschenkt bekommt, nun ist der Missbrauch dessen jedoch nicht so einfach wieder zu reparieren.
Ich habe damals Abstand von jedwenem Geldmanagement genommen, kein Konto, keine Karten, nur spärlich Bargeld. Ich habe losgelassen und mich voll und ganz auf meine Genesung konzentriert. Damit einhergegangen ist auch eine vollkommene Transparenz dessen, was ich in meiner Freizeit gemacht habe, ich habe meine Frau an allem teilnehmen lassen - keine Geheimnisse mehr. Wenn man geschenktes Vertrauen missbraucht, besteht die Möglichkeit, sich das verloren gegangene Vertrauen wiueder zu erarbeiten. Ich habe niemals wieder um eine Bankkarte und um Geldmanagement gebeten und dennoch kam der Tag, an dem mir meine Frau meine Karte wieder gegeben hat als Zeichen dafür, dass wieder etwas erwachsen ist zwischen uns, auch wenn es Jahre gedauert hat. Heute, fast 10 Jahren nach meiner Abstinenzentscheidung leben wir (fast) wie davor.
Was will ich dir damit erzählen?
Er muss dir zeigen, dass er auf dem richtigen Weg ist, nicht du musst ihn kontrollieren. Wenn er sich auf den richtigen Weg macht, wird dein Vertrauen wieder wachsen, an seinen Taten. Bleiben die Geheimnisse, das Verbotene und die Unerhlichkeit zu dir (und auch zu sich selbst), wird es keine Zukunft für euch geben, wegen dem fehlenden Vertrauen!
Ich drücke die Daumen!
aT
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Danke erstmal für die Antworten :)
Also zum Thema sein Rückfall. Er sagt es war der Stress und dass es mal einen Monat sehr knapp wurde mit dem Geld und da dachte er er kann ja was gewinnen.
Natürlich ob er mir die ganze Wahrheit erzählt das kann ich nicht zu 100% sagen. Er könnte mich jederzeit anlügen oder sagen er geht zur Therapie.
Meine Gedanken sind da tatsächlich auch ob er wirklich verstanden hat dass spielsucht eine Krankheit ist und die nicht von heute auf morgen verschwindet.
Ich habe mich natürlich so weit es geht darüber informiert im Internet. Und eben da auch raus gefunden wie bei einem alkoholiker er bleibt für immer Spieler.
Auch darüber habe ich mit ihm gesprochen. Aber die Gespräche sind immer sehr kurzweilig als würde er nicht mit mir drüber reden wollen…
Natürlich kann ich hier auch nur mit dem Thema vertrauen sagen er sagt mir immer die Wahrheit. Wissen tu ich es nie. Und derzeit würde ich auch nicht meine Hand für ihn und seine Aussagen bzgl. Der Spielsucht ins Feuer legen.
Zu seinem Vater, danke für die Bestätigung ich sehe das genauso wie du!! Aber ganz ehrlich ich kann als 25 Jährige schlecht einem 50 Jährigen sagen was er zu tun und lassen hat. Aber er sieht es nicht dass dein Sohn Hilfe braucht. Das wäre unnötig und er nennt das Ganze auch keine spielsucht. Als er das sagte sind mir sämtliche Gesichtszüge entglitten…
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Danke für deine ehrliche Antwort! Ich finde es hier super dass mir als Angehörige nicht das große Wunder versprochen wird sondern klare Tatsachen gesagt werden auch wenn das nicht dass ist was man hören will
Zu seinen kurz angebunden sein hatte ich auch schon den Gedanken aber auch den Gedanken vielleicht ist es ihm unangenehme ?! Auch das zugeben, dass er als Mann ein Problem hat?
Ich habe ihn gefragt wo das Geld geblieben isz was los war. Er meinte, dass wohl ein Kredit doppelt abgebucht habe oder mehrere und die Kosten für den Umzug. Ob ich ihm das so glauben kann weis ich bis heute nicht.
Allgemein habe ich das Gefühl immer wenn er in Geldnot kommt heißt es ein Kredit hat doppelt abgebucht oder da ging was schief… habe mir schon oft überlegt ob es eine lüge ist. Sein Konto will er mir dann aber auf nachfragen natürlich nicht zeigen was mich bestärkt. Aber ich denke mir dann auch eigentlich ist er in der bring Schuld und es ist doch gut für ihn wenn er mir was zeigt und damit klar ist er lügt nicht oder denke ich da falsch ?
Er kam mit der Sprache erst dann raus als natürlich am 6. Tag des Monats kein Geld mehr da war. Also keine Kredite beglichen werden konnten oder gar Geld fürs tanken da war. Ich habe ihm tatsächlich da auch kein Geld gegeben sein Vater hat es ihm geliehen…
Um ehrlich zu sein weis ich auch nicht genau ob er wirklich nur ein Rückfall hatte. Wenn ich ihn versuche klar zu machen dass ich ihm gerade nicht glaube reagiert es sofort genervt möchte dann aber auch nicht „beweisen“ dass er nicht lügt.
Wie am Anfang gesagt ich will kämpfen und ihm die Chance geben habe aber einfach Probleme ihm zu glauben auch weil er in meinen Augen nicht genug tut mein Vertrauen zu gewinnen
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Moin MissLuna2501,
ich habe irgendwas um 3 Jahrzehnte gespielt.
Dabei 2 Ehefrauen und diverse "fast"-Ehefrauen "verschlissen".
2-3 Kinder habe ich nur im "Spielsucht-Nebel" miterlebt .. mich im Prinzip aus dem Leben ausgeklinkt.
Trotzdem war ich erfolgreicher Unternehmer und geliebter Vater und Ehemann.
Belogen, betrogen, beschissen habe ich ausnahmslos alle.
Da mir meine perfekten Ausreden nicht widerlegt werden konnten, wurden mir die Lügen eher selten "angekreidet"
Als ich mich entschloss mit dem Spielen aufzuhören, tat ich für meine Angehörigen ALLES,
damit sie Klarheit zu jeder Zeit über Finanzen und Zeitverbrauch hatten.
Niemand musste fragen, wo ich war, wo welches Geld ist etc.
Als "Unternehmer" ohne EC & Kreditkarte mit kleinem Taschengeld war schon skurril.
Alles andere sind immer die selben abgefuckten Ausreden die wir unseren Liebsten präsentieren.
Sie variieren nur in Nuancen.
Ich habe das nie als "lügen" empfunden. War ich doch grundehrlich und ein aufrichtiger,symphatischer Mensch.
Die Geschichten dienten doch nur meiner eigenen Verteidigung, der Vertuschung meiner Sucht, meiner Krankheit.
Ein Nicht-Spieler wird das nie "verstehen" können. Warum sollte "er/sie" auch ?
Kurz und bündig.
Glauben kannst du nur, was du schwarz auf weiß siehst.
Traurig, aber einfach Erfahrungswerte.
Ich weiß, die Angehörigen WOLLEN immer glauben dass alles besser wird, aber dieses "glauben wollen" schürt auch immer wieder unsere Kranheit.
Verhindert dass sich mal wirklich was ändert.
Die berrühmten Engelszungen ... die meisten von uns beherrschen das perfide perfekt.
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@Fred: Ich finde es wirklich erstaunlich, dass du deine bankkarte und alles abgegeben hast und nur mit einem Taschengeld gelebt hast.
Du sagst dieses Hoffnung machen die sucht eher voran treiben kann. Wie kann ich als Angehörige ihm denn am besten helfen?
Irgendwo muss ich ja den Glauben auf eine gute Zukunft behalten sonst kann ich gleich aufgeben und das ganze beenden
@Andre bei ihm würde man es anhand von online Zahlungen sehen. Aber ich finde diese online Casinos irgendwie noch schwerer vorallem wenn er mir nicht zeigen will was auf seinem Konto abgeht. Ich werde es mir auf jedenfall weiter anschauen wie weit seine Motivation und sein Wille isz etwas zu ändern. Sobald er diesen Willen nicht mehr hat, bringt das alles nichts mehr.
Das mit der Tiefkühlpizza hört sich für mich an wie wenn er mir immer wieder bewusst macht wie wenig Geld für ihn überhaupt an wert hat. Ich die total sparsam isz ihre Ausgaben immer im Blick hat ist diese Denk weise natürlich neu und total unverständlich
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Du sagst dieses Hoffnung machen die sucht eher voran treiben kann. Wie kann ich als Angehörige ihm denn am besten helfen?
Kurz und bündig: Solange ich meine Partnerinnen/Arbeitgeber/Freunde/Familie "verarschen" konnte musste ich nichts ändern.
Es war mein größtes Bestreben nichts ändern zu müssen und meine Versprechungen detailliert und glaubwürdig zu planen.
Und jetzt wird es noch kranker: In den Momenten wo ich versprach nicht mehr zu spielen, meinte ich es meist sogar ernst.
Aber das war dann schnell verflogen .. .meist nach Stunden oder wenigen Tagen.
Klingt jetzt alles ein bisschen "brutal", aber so lässt es sich in wenig Worte packen ohne Romane schreiben zu müssen.
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Hallo MissLuna,
Wie macht ihr das mit dem Vertrauen?
Manche aufmerksame Leser hier wissen ja , ich bin auch ein Angehöriger, eines Sohnes.
Er mag nun kein Spieler sein, doch sein Verhalten schenkt sich dem gegenüber nichts.
Für mich gibt es da kein endgültiges Loslassen, kein Wegrennen und keine Drohgebärden.
Es gibt nur, mich zu freuen oder mir Sorgen zu machen.
Mit Vertrauen hat es nichts zu tun, er kann mir vertrauen und ich bin immer da und zwar egal was auch sein mag!
Diese sehr innig familiäre Verbindung mag sich etwas zu unterscheiden, als zu einem Partner, den man halt irgendwann einmal kennengelernt hat.
Doch ist es sicherlich möglich zu vertrauen in ihn, in vielen Dingen des Lebens.
Genau so wie ich in meinen Sohn...nur halt nicht in allen Bereichen.
Und diese Schwachstellen kennt man ja dann sehr gut.
Ist vorbereitet und kann auch gezielt darauf achten, wo eventuell eine Lüge beginnt!
"Vertrauen wird dadurch erschöpft, dass es in Anspruch genommen wird."
Zitat: B. Brecht
Liebe Grüße
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Wow danke für eure ehrlichen Worte!
Dass er jetzt an der Reihe ist zu zeigen dass er wirklich vom Spielen los kommen will habe ich verstanden. Aber was ich ganz klar Dank euch auch verstanden habe, wenn er es nicht will wird er mich und mein Vertrauen ohne mit der Wimper zu Zucken ausnutzen!
Ich werde versuchen das ganze zu beobachten und zu schauen wie er sich die nächsten Wochen oder Monate gibt.