Spielsucht Soforthilfe Forum (SSF)
Spieler & Angehörige => Allgemeines => Thema gestartet von: medea888 am 15.10.2020 08:20:49
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Suchtmittel – Geld
In den letzten Tagen habe ich mich vermehrt mit dem Thema Geld in meinem Leben und in meiner Sucht beschäftigt. Ich kam glaube ich drauf, weil ich in anderen Foren gelesen hatte und dort sehr viel über Geld und Summen geschrieben wird.
Das ist jetzt vielleicht vielen hier schon völlig klar und mir war es das auch, aber mir ist in den letzten Tagen nochmal so extrem bewusst geworden wie Geld mein Suchtmittel war. Ich war nicht anders als ein Hardcore Drogenabhängiger, der auf der Suche nach dem nächsten Schuss ist. Dieses Gefühl, wenn die Kreditkarte zum 19. eines Monats wieder frei war oder eben mein Gehalt kam.. da hab ich keine Minute gewartet und direkt gezockt. Und dann war alles innerhalb von Stunden wieder weg. Und wenn das nicht gereicht hat, dann bin ich losgefahren und habe mir Bezahlkarten gekauft um damit wieder einzuzahlen, damit es nicht auffiel habe ich das an unterschiedlichen Stellen gekauft... wie ein Junkie war mein einziger Gedanke, wie komme ich an Geld, um weiterzuspielen und da ging es längst nicht mehr darum zu gewinnen, es ging nur um den Trip.
Alles drehte sich nur noch darum, wie ich an Geld komme, wie lange das Geld diesen Monat reicht, wie ich es anstelle damit nicht auffällt, dass ich diesen Monat kein Geld mehr habe. Dieser Moment, wenn man irgendwo seine Kreditkarte als Sicherheit angeben musste und wusste das klappt nicht und schon die Ausreden parat hatte...
Alles ganz schreckliche Erinnerungen, die ich mir aber ganz bewusst wieder hochholen will.
Allen die in dieser Sucht noch mitten drin stecken möchte ich aber auch sagen, dass auch wenn es sich so anfühlt, das Geld nicht Mittelpunkt von allem ist und das loslassen davon dem hinterherzujagen einen unglaublich befreit und einem nach einiger Zeit wieder vor Augen führt, das Geld im Leben wirklich nur Geld ist, heute wo ich meine finanzielle Situation wieder gut im Griff habe ist Geld inzwischen für mich keine Droge mehr, sondern eben einfach nur Geld was man zum guten und spielfreien Leben eben auch braucht.
So das meine Gedanken dazu.
Eure Medea
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Moinmoin,
schönes Thema, kann das von euch beschriebene nur unterstreichen.
Als ich mit dem Spielen aufhörte ging es noch weiter. Ich hatte regelrecht Angst vor dem Tag als mein Konto wieder glatt war und alle Schulden bezahlt. Ich hatte plötzlich Geld über, was damit machen? Ausgeben sparen, wofür sparen, womöglich den Rückfall?
Jahre später ich wollte mir mit ein neues Wohnzimmer kaufen. Ich hatte das Geld, aber soviel Geld auf einmal ausgeben?
Womöglich gefällt es mir dann garnicht. Ich kaufte vorsichtshalber erstmal nur einen Schrank um zu fühlen wie es sich damit anfühlt. Ich hatte nie gelernt mit Geld etwas anderes zu machen als spielen. Das musste ich Stück für Stück lernen. Ich habe dann eine Doppelhaushälfte gekauft und jetzt aktuell bekommen wir eine neue Küche mit Fliesen einmal komplett. Das fühlt sich ganz o. K. an, wobei ich beim Geld freimachen im Hintergrund ziemlich agiel bin. Meine Frau bekommt davon nichts mit, aber ich glaube so wie ich das mache ist es nicht ganz normal.
Ich habe mein Geld in viele Wertstabile Dinge "geparkt" schon etwas schräg, aber wenn ich ehrlich bin macht mir das sogar Spaß.
Ich mußte mir beim Lesen von Andres Beitrag vorstellen, wie in mitten der Emotionen jemand reinkommt und sagt, mit cb bekämst Du Dein ganzes Geld wieder. Das wäre für mich vermutlich zur tödlichen Fälle geworden.
Taro
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Hallo,
da gäbe es nun so viel zu erzählen, was Geld bedeutet, bedeutet hat.
Wie mühsam es man sich verdiente und wie erbärmlich man es ausgab.
Geld zu erarbeiten um es dann vermehren zu wollen mit Glücksspiel und nur aus einem Grund:
Noch mehr Geld zu haben um zu spielen.
Sein Wissen und Können, Leistung, Kraft, Energie, Lebenszeit aufzubringen um es zu haben:
....um zu spielen
Diebisch, betrügend, lügend, heimlich Geld zu bekommen:
...um zu spielen
Nach so einer ewigen Zeit hat für mich Geld an Wert verloren.
Auch wenn ich es noch gerne habe, es hat seine Magie verloren.
Früher war da die Freude irgendwie größer, mit vollen Taschen...wenn diese auch große Löcher hatten.
Ich finde es immer noch unglaublich spannend, wie andere Werte sich immer mehr in den Vordergrund schieben.
Und diese sind sogar umsonst.
Liebe Grüße
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Hallo,
Sein Wissen und Können, Leistung, Kraft, Energie, Lebenszeit aufzubringen um es zu haben:
....um zu spielen
Diebisch, betrügend, lügend, heimlich Geld zu bekommen:
...um zu spielen
Nach so einer ewigen Zeit hat für mich Geld an Wert verloren.
Auch wenn ich es noch gerne habe, es hat seine Magie verloren.
Früher war da die Freude irgendwie größer, mit vollen Taschen...wenn diese auch große Löcher hatten.
Ich finde es immer noch unglaublich spannend, wie andere Werte sich immer mehr in den Vordergrund schieben.
Und diese sind sogar umsonst.
Liebe Grüße
Moinmoin,
als ich spiele hatte ich keine Ahnung vom Leben und von echten Beziehungen zu Menschen, wo ich mich zeige wie ich bin und damit verletzbar. Von meinem imanigären Gewinn hoffte ich mir dieses nicht vorhandene Leben kaufen zu können. Echte Beziehungen, so glaubte ich brauche ich dann nicht mehr. Ich hatte solche Angst wieder verletzt zu werden.
In dem Maße wie das Leben zurückkehrte, ich mich traute mich voll in Beziehungen zu begeben, in dem Masse nahm die Wichtigkeit von Geld ab. Trotzdem setze ich noch immer ausreichend vorhandenes Geld mit "Sicherheit" in Verbindung.
Dabei weiss ich genau, dass das Unsinn ist. Wegbrechendes Leben oder Beziehungen kann ich mit keinem Geld der Welt ausgleichen.
Taro
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Hallo,
materielle Dinge waren mir einst immer wichtig, zeigen was man hat und man kann es mir glauben, für einen Spieler der große Summen verspielte war dies nicht so einfach. Wobei an den Automaten und Spieltischen waren alle gleich.
Dies geht für mich nun schon sehr weit, solche privaten Dinge zu schreiben aber es gilt, keinen Ruf zu verlieren.
Es war halt einfach etwas nicht bin Ordnung mit meinem Umgang mit mir selbst.
Den Schein nach außen immer wahren, Scheiße einfach mit Gold zu übertünchen.
Aber nicht wissen wie es nun finanziell weitergehen sollte!
Verdammte Axt, was bildete ich mir nur da ein ?
Zerfressenes Gedankengut, statt zu würdigen was qualitative Dinge eigentlich bedeuten.
Um sie dann eh wieder zu verschachern.
Wegbrechendes Leben oder Beziehungen kann ich mit keinem Geld der Welt ausgleichen.
Darin liegt der Schlüssel!
Und ich bin sehr dankbar es endlich auch leben zu dürfen.
Mit Respekt und nicht mehr aus dem Blickwinkel eines Blenders!
Das besonders Schöne daran, zu erfahren dass man ja selbst auch ein wertvoller Mensch ist.
Ich sollte dies nie mehr wegwerfen, keiner sollte dies.
Liebe Grüße
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Hallo,
da trage ich noch etwas nach....
Aus dem Casino nachhause zu fahren und sehr viel gewonnen, wenn Glückshormone übersprudeln und den Körper durchfluten.
Allerdings einfach so aus der Sicherheit und frei weiter spielen zu können.....
Kokser werden es kennen, die Anderen erinnern sich vielleicht an ihre Kindheit.. zwei Minuten vor der weihnachtlichen Bescherung.
Jenes Gefühl, ohne Kontrolle ein Schauer der sich schnell wieder auflöst.
Das Traurige daran, egal was ich alles so an freudigen Dingen erlebte...es war anders, dieses Glücksgefühl.
Sie hielten länger an, aber an Stärke in einem Moment nicht so stark , als nach jenem Gewinn.
Dieser Gedanke war lange in meinem Kopf, diese Erinnerung.
Und jetzt ist er endlich raus, egal ob es irgendjemand liest oder auch nicht.
Ob es jemand versteht oder auch nicht.
Spielsucht kann eine enorme Kraft ausüben, sie ist aber nur "künstlich" und verbiegt den Süchtigen im Empfinden.
Mich macht das traurig, an einst zu denken, nicht einmal für mich...
Liebe Grüße
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Offenbar gibt es 2 "Sorten" Spielkranke.
Ich habe in ~30 Jahren Spielsucht nicht ein einziges mal erwartet/geplant/gehofft, mit einem Spiegewinn irgendwelche Schulden zu bezahlen oder Gewinne zu erwirtschaften.
Geld war immer mein "Stoff" ... ein Gewinn ein Zusatzstoff :-)
Ich hatte auch irgendwie nie "größere" Gewinne in der Automatenhalle.
Wenn es denn mal was gab, vermehrte ich die Anzahl der bespielten Geräte ... in der Regel auf alle in der jeweiligen Halle verfügbaren.
Übrig blieb da (fast) nie was ... so gesehen kenn ich keine "Gewinne"
Was war dann meine Motivation zu Spielen ?
Bei mir war es eine subjektive, tiefe innere Einsamkeit. Ich konnte mich einsam fühlen wann immer ich es wollte.
Und in der Spielhalle war das weg ... wie weggezaubert. Ich saß in einem rosa Nebel .. bis das Geld "alle" war.
Es ist wohl für Außenstehende schwer zu verstehen, aber Geld in dem Sinne hat für mich auch heute noch keine Wertigkeit.
Ich kann es heute gut verwalten und planen was ich dafür bekommen kann.
Aber so richtig gefühlten "Wert" hat es für mich nicht.
Meine "gefühlte" Einsamkeit, vor der ich mich ein Menschenleben lang fürchtete war ungefähr in der Minute verschwunden,
als ich mich entschied nicht mehr zu spielen. Sie kam nie wieder.
Ich konnte mich mit mir selbst beschäftigen.
Stundenlang in einem Raum sitzen ohne irgendetwas stromfressendes zu betreiben. (zu müssen)
Auf Toilette sitzen ohne zu lesen ...
Dass ich mich in einer gefühlten Komfortsituation befinde, soll heissen ich hatte immer gute Arbeit und mich niemals so völlig finanziell ruiniert, betrachte ich als puren Zufall und bin sehr dankbar dafür. Es hätte jederzeit anders sein können.
Was ist Geld ? ...
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Hallo Fred,
es gibt eine Differenz zwischen Münzautomaten und "Jeton - Spielen".
Da bin ich voll bei Dir, was wollte man auch erwarten in einer Spielhalle ?
An fünf Automaten das beste Gewinnbild , gleichzeitig ? Um dann am nächsten Tag locker diesen Gewinn wieder zu verspielen?
Dauernd Münzen nachwerfen und auf den Tasten klopfen, ins flackernde Licht schauen bis es nicht mehr geht.
Der eventuelle Gewinn passte ja eh immer in einen schmalen Geldbeutel, Münzen zählen.
Da ist die Relevanz an einem grünen Tisch wesentlich erwartungsvoller, je nach Einsatz und dem entsprechenden Gewinn konnte man damit wochenlang in Spielhallen verweilen. Eine hunderter Serie ist damit nicht zu vergleichen, denn die Menge an Geld steigert das süchtige Wohlbefinden doch schon etwas.
Aber:
Erstaunlich, ich war sicherlich mehr in Spielhallen als in Spielbanken.
Die letzten aktiven Jahre fast nur noch.
Und ja, mir wird schlecht wenn ich daran denke und es tut mir auch furchtbar leid für Dich Fred, für mich auch, für so viele.
Genau das empfunden zu haben was Du beschrieben hast.
ich gab in der Spielsucht sogar auf etwas gewinnen zu wollen, niemals in einer Spielhalle.
Dies kam von ganz alleine und ich wusste dies doch sogar!
Und warum sollte ich dann auch noch in Spielbanken gehen, ist doch fucking wie viel ich dort gewonnen hätte, als Spielsüchtiger brauchte ich eh nur Geld zum spielen.
Ohne Geld hätte ich ja gar nicht gespielt, das ist alles übelster Dreck.
Und ich bin etwas erschrocken über die ersten Sätze in meinem Beitrag hier, es zeigt mir auf dass die Entfernung zur Vergangenheit manchmal viel näher scheint, als ich immer dachte.
Willst Du Millionär werden spiele Lotto, willst Du Millionen verlieren geh in eine Spielhalle.
Spielhallen sind der unterste Dreck und absolut, dort geht es nur um das Stillen der Sucht, ohne Perspektiven.
Spielbanken und Co, natürlich auch Lotto würde für einen spielsüchtigen Menschen nur eine einzige Perspektive haben, Geld zu gewinnen um es zu verspielen.
Es ist also egal was man spielt, Hauptsache man konnte es!
Um mich total auf meine Sucht zu fixieren, waren Spielhallen der ideale Ort.
Alles andere war zu aufwendig und zu viel Ablenkung.
Und außerdem nur Illusionen in einem kranken Hirn.
....keine 2 Sorten Fred, nur in der Entwicklung unterschiedlich, das Ende ist ja eh dann hier ...bestenfalls.
So scheiße ich heute auf das verlorene Geld, auf meine verlorene Lebenszeit, mit Wehmut?..sicherlich.
Möchte ich mein Leben wieder wegwerfen weiß ich schon wo ich hingehen müsste, ob mit oder ohne Krawatte ... das Gleiche.
Diese "Grundnaivität" mit Glücksspielen reich zu werden hat nicht einmal etwas mit Spielsucht zu tun.
Und über die aktiven Jahre wird es jeder schon selbst erfahren, nur ein Zeitvertreib .... Lebenszeitvertreib.
Geld hat dann eh keiner mehr.
Grüß Dich