Spielsucht Soforthilfe Forum (SSF)

Spieler & Angehörige => Angehörige => Thema gestartet von: Copenhagen2025 am 02.06.2026 21:24:32

Titel: Spielsucht kurz vor der Hochzeit aufgedeckt – ja oder nein zur Ehe?
Beitrag von: Copenhagen2025 am 02.06.2026 21:24:32
Liebe Betroffene, Angehörige und Menschen mit eigener Suchterfahrung,

ich möchte gerne eure Einschätzung hören, weil ich mich gerade in einer Situation befinde, die mich emotional sehr belastet.

Ich bin seit drei Jahren mit meinem Partner zusammen. Im Oktober 2025 wurde unsere gemeinsame Tochter geboren. Vor fünf Tagen habe ich durch Zufall erfahren, dass mein Partner spielsüchtig ist. Als ich ihn darauf angesprochen habe, hat er mir schließlich alles erzählt: Er ist seit seinem 18. Lebensjahr, also seit rund elf Jahren, spielsüchtig.

Seitdem ich die Konten und Unterlagen eingesehen habe, weiß ich, wie massiv das Ausmaß tatsächlich ist. Besonders schwer fällt mir die Erkenntnis, dass die Sucht während unserer gesamten Beziehung präsent war – egal ob kurz nach der Geburt unserer Tochter, in meinem Geburtstagsmonat, während unseres Umzugs oder wenn ich mit der Kleinen im Urlaub war. Es wurde immer gespielt. Das bedeutet für mich auch, dass ich seit unserem Kennenlernen belogen wurde.

Gleichzeitig zeigt er seit dem Auffliegen Einsicht. Er war bereits bei einer Suchtberatung, möchte eine stationäre Therapie machen, hat sein Online-Banking gesperrt und wirkt entschlossen, etwas zu verändern.

Nun stehe ich vor einer Entscheidung, die mich zerreißt: Eigentlich heiraten wir in einem Monat. Ich schwanke zwischen Loyalität und Konsequenz.

Ein Teil von mir denkt, dass eine Verschiebung der Hochzeit ein wichtiges Signal wäre. Mein Partner stammt aus einem finanziell stabilen Elternhaus und musste die Folgen seiner Sucht bisher nie wirklich tragen. Vielleicht würde eine Verschiebung ihm verdeutlichen, dass sein Handeln reale Konsequenzen hat und dass Vertrauen erst wieder aufgebaut werden muss. Ich hoffe, dass dadurch auch die Wahrscheinlichkeit für eine langfristige Abstinenz steigen könnte.

Der andere Teil von mir fragt sich, ob gerade jetzt Unterstützung und Zusammenhalt wichtig wären und ob eine Verschiebung als fehlende Loyalität wahrgenommen werden könnte, obwohl er gerade die ersten Schritte in Richtung Veränderung geht.

Deshalb meine Frage an euch: Wie würdet ihr in meiner Situation handeln? Besonders interessieren mich Erfahrungen von Menschen mit Spielsucht und von Angehörigen. Hat eine klare Konsequenz euch geholfen oder eher geschadet? Würdet ihr die Hochzeit verschieben oder wie würdet ihr damit umgehen?

Vielen Dank an jeden, der sich die Zeit nimmt zu antworten. Jede Erfahrung und jeder Gedanke hilft mir gerade sehr.
Titel: Re: Spielsucht kurz vor der Hochzeit aufgedeckt – ja oder nein zur Ehe?
Beitrag von: Fred am 03.06.2026 08:50:46
Moin Copenhagen,

mich überrascht, dass dein Partner sofort von stationärer Therapie spricht.
Im Allgemeinen erzählen wir Spieler nur das absolut nötigste, was sowas von offensichtlich ist,
dass man es nicht mehr leugnen kann.
Der großen Berg der Wahrheit behalten wir dabei zurück. meist aus Angst.
Das kommt dann stückchenweise ans Tagesslicht.

Wenn wir aufgefolgen sind, versprechen die meisten von uns das goldene vom Himmel.
Halten tun wir es anfangs eher nicht.

Also von dem was du schreibst, muss es da ja schon eine längere Vorgeschichte geben.
Warum war dein Freund bereits bei einer Suchtberatung, warum will er eine Therapie machen ?
Sowas entwickelt sich meist erst nach jahrelangem Leidensweg etc.

Für mich zu unklar, darum würde ich jetzt keinen "Ratschlag" abgeben.

Du siehst das aber schon recht realistisch.
Spieler hören meist erst wirklich auf, wenn angedrohte Konsequenzen auch wirklich zu tragen sind.

Alles andere sind meist hohle Worte und Lippenbekenntnisse.

Zusammenhalt und Unterstützung gibt es genau genommen bei einer Sucht nicht.
Ist oftmals sogar Kontraproduktiv.
In jedem Falle muss er für sich aus freien Stücken und eigenem Antrieb aufhören.

Aber wie gesagt, wir sehen hier nur einen winzigen Teil der Geschicht.
Es fehlen zu viele Informationen.

Gruß aus dem Norden
Titel: Re: Spielsucht kurz vor der Hochzeit aufgedeckt – ja oder nein zur Ehe?
Beitrag von: Wirbelwind am 03.06.2026 13:54:50
Grüß Dich Copenhagen, ich bin der abstinente Zocker hier und rede / schreibe ungern von "wir"...

Anhand der Informationen die Du Preisgegeben hast seh ich das ähnlich wie Fred, einen wirklichen Willen aufzuhören sehe ich hier auch nicht, er sieht ! wahrscheinlich ! seine Fälle davon schwimmen und "redet" nun das nötigste damit du bei ihm bleibst und macht das "nötigste" getreu dem Motto auf dem Bau,... "So viel wie nötig so wenig wie möglich"

HINTER der Sucht - und das ist tatsächlich bei allen so - steckt weit viel mehr als nur zu zocken , hier wird IMMER irgendetwas kompensiert was man nicht anders zu lösen weiß und -meistens- ist das nicht mit Konto sperren und Suchtberatung gelöst sondern zieht einen langen Weg nach sich, nicht immer aber so gut wie.

Bei mir zb. ist das "recht einfach", ich hab Adhs (keine Medies) und nach gut 12/13 Jahren habe ich meine anderen Baustellen (Trauma etc.) GUT im Griff, die Sucht ist geblieben und mit jedem Tag den ich abstinent bin und bleibe -jetzt 2 oder 3 Jahre (ich beziehe mich hier NUR aufs Schädigende Zocken in Spielhallen) - merke ich von Tag zu Tag wie schwer es mir fällt weil mein Kopf schon rattert sobald ich die Augen aufmachen und ICH hab das mit zocken kompensiert "Ruhe im Kopf" und ich hab auch bis dato nie gelernt mit Geld "richtig" umzugehen, hat ich es war es halt da, hat ich keins wars halt weg...

Zu der Frage mit der Loyalität

Hm, das kannst du nur dir selbst beantworten.

Ich weiß leider das man wirklich harte Konsequenzen ziehen muss / sollte da sich sonst nichts ändert, auch wenn das -verständlicherweise- die wenigsten hören oder wahrhaben wollen. Ich hab hier n Papa mit dem ich hin und wieder schreibe und ich spühre wie sehr er sich Sorgen macht um seinen Sohn und mehr wie zuhören kann ich nicht, denn handeln tut er gegenteilig(mit der Zeit wurde es "besser") zu dem was ich sage, was aber einfach nur menschlich ist...

ICH würde jedenfalls die Hochzeit verschieben denn immerhin trägst auch Du hier die Verantwortung für ein Kind mit, da würde ich jedenfalls KLARE Grenzen und Prioritäten setzen denn das Thema ist keine Sache von ein paar Tagen oder wochen, die Sucht wird IMMER bleiben und das sollte man als Angehöriger immer bedenken ohne Panik machen zu wollen.

Mein Partner stammt aus einem finanziell stabilen Elternhaus und musste die Folgen seiner Sucht bisher nie wirklich tragen.

Heißt im Umkehrschluß das er nie Verantwortung für sich selbst übernehmen musste, was wiederum bedeutet das die Konsequenz der verschiebung erst recht "gerechtfertigt" währe.

Der Aussage von Fred "Zusammenhalt und Unterstützung gibt es genau genommen bei einer Sucht nicht." widerspreche ich total, das MUSS man Individuell betrachten, bzw. währe zu hinterfragen WIE GENAU er das meint.

Meine Frau steht seit 18 Jahren hinter mir und als wir geheiratet haben vor 15 Jahren war ich zwar auch süchtig, habe das aber nie als "krank" betrachtet da es Teil meines Lebens war. Ich hab damals auch alles mögliche versucht und getan, habs aber nie selbst hinbekommen bis ICH begriffen habe das es SO nicht weitergeht, bin beim Arzt zusammengebrochen und hab mich Einweisen lassen, das ist nun, wie erwähnt, 13 Jahre her oder so...

HEUTE geht es uns ziemlich gut, allerdings hatte ich VIEL ZEIT mich um mich und meine Baustellen zu kümmern und wir haben keine Kinder,...


Edit: aaargh, :) bevor Fredi wieder Schnappatmung bekommt,...

Ich kauf mir zb. hin und wieder n Lottoschein, warum ? Keine Ahnung, zu viel Geld im Portemonaite und weiß nicht wohin damit ? Meine ganze Familie hat Lotto gespielt, immer. Mal gewinnen ? wär schon cool, wenn nicht ist auch gut ... Hm, der Sozialkontakt mit der Verkäuferin im Tabakladen ? fällt mir grad ein, das könnte auch ein Grund sein...

Wie sagte meine Suchtberaterin immer so schön wenn ich nicht weiter wusste ?

Was ist das geringere Übel,...

Und ganz im Ernst, n Lottoschein kostet nicht die welt, ist spontan und ich bin n paar Tage "entspannter".
Nimmt es überhand und wird 2 wochen oder n Monatslotto DANN WEIß ich das ich handeln MUSS, das ist ebend der Unterschied zu früher aber das lernt man nicht in paar wochen...