Spielsucht Soforthilfe Forum (SSF)
Spieler & Angehörige => Spieler => Thema gestartet von: Verzockt87 am 27.10.2025 20:38:02
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Hallo zusammen,
Da ich neu hier bin stelle ich mich mal vor und würde gerne mein Werdegang mit der Spielsucht teilen:
Ich bin 38 Jahre alt, verheiratet, habe eine Tochter und spiele mittlweile seit meinem 23 Lebenjahr.
Angefangen hat alles damit dass ich damals von einem Bekannten mitgenommen wurde in eine Spielothek. Natürlich war es so dass ich mit einem Budget von 20 Euro über 300 Euro gewonnen habe. Ab diesem Tag würde ich rückblickend sagen nahm der Weg in die Sucht seinen Lauf…
Damals noch nach der Ausbildung arbeitslos verbrachte ich seit diesem Zeitpunkt fast jeden Tag in der Spieothek. Natürlich wurde dort auch ausnahmslos fast dass ganze ALG verspielt(Bis auf das Geld für anfallende Fixkosten). Damals hielten sich die eingesetzten Beträge wahrscheinlich aus Geldmangel noch in Grenzen und Schulden hatte ich keine.
Irgendwann entdeckte ich dann Online Casinos für mich, was die ganze Suchtspirale noch verschlimmerte.
Hierzu kurzer Sprung in der Zeit.
Mittlweile habe ich einen sehr gut bezahlten Job, ein Haus und Familie und durch spielen im Online Casino 15000 Schulden die ich abbezahle. Der Dispo ist jeden Monat am anschlag und alles was nach Bezahlen der Fixkosten über ist landet dort. Sperren lassen habe ich mich in Oasis schon, mein Problem sind die illegalen Online Casinos.
Ich wende mich hier an das Forum da ich hoffe mich hier mit Leuten auszutauschen die diese Problematik verstehen und dadurch mit dem Spielen aufhören zu können.
Ich habe die Befürchtung wenn ich jetzt nichts unternehme Endet das Glücksspielen für mich im finanziellen Ruin. Dies schließe ich daraus wenn ich rückblickend sehe wie sehr sich die Einsätze und die Spielhäufigkeit über die Jahre gesteigert haben. Auch möchte ich meine Familie nicht verlieren.
Bis jetzt sind alle Versuche das Spielen bleiben zu lassen fehlgeschlagen.
Ich hoffe ich kann mir von euch Tipps und Strategien mitnehmen dem Glücksspiel fern zu bleiben. Ich versuche ab Heute mit dem Spielen aufrichtig aufzuhören und werde meinen Weg weiterhin hier Teilen.
Ich freue mich auf Tipps und Allgemein mich mit Leuten auszutauschen denen es ähnlich wie mir geht :)
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Hallo Verzockt87 und herzlich Willkommen im Forum,
ein guter Weg dich nun mitzuteilen, mit diesem Schritt fängst du an dich auszuschließen von deinem Glücksspiel und nicht umgekehrt.
Alles was du nun tun könntest.... Suchtberatung, Selbsthilfegruppe in deiner Nähe besuchen, mit deiner Familie darüber sprechen,
Geldmanagement abgeben und es gäbe noch einiges mehr......
Hat nur dann einen Bestand wenn du begreifst wie machtlos du dem Spielen gegenüber bist.
Wie du damit dir und deiner Familie schadest und im Grunde auf keinen grünen Zweig kommst.
Du möchtest deine Familie nicht verlieren und nicht finanziell ruiniert sein.
Die gleichen Ängste hätte deine Familie wohl auch...wenn sie es wüssten!
Ich selbst habe 30 Jahre lang gespielt , ein wichtiger Punkt dabei aus meiner Erfahrung...in meine Spielfreiheit musste ich erst wachsen !
Von außen betrachtet war dies wie ein kleines Schnippen mit den Fingern.....
doch meine "innere" Bewältigung war pures abarbeiten meiner Emotionen und wahren Werte.
Verzockt, wie wäre es wenn du keine Schulden hättest..... ?
Würdest du dann hier schreiben ?....deiner Familie wegen ?
Naja nicht gerade nun fair von mir. sry.....das Geld oder fehlendes Geld ist ja gerade was uns alle schon sehr belastet/belastete.
Dennoch :) Lebenszeit mein Freund , für dich und mit deiner Familie!
Unbezahlbar , auch nicht mit alten Schulden aus dem Glücksspiel zu tilgen.
Eine Familie kann unglaublich wertvoll sein, deine Tochter ist es ..du bist es!
Unsere Spielsucht ist kein Virus den man mit Antibiotika austreiben kann , kein Tumor zum herausschneiden.
Du bist es Verzockt87, dein Umgang damit und mit dir selbst.
Jaja.... ich weiß wie sehr diese schier unbändige Anziehungskraft zum Glücksspiel auch sein kann.
Und ich war wohl auch etliche male "schlimmer" wie du dabei...und wenn schon.
Versuche dich immer zu erinnern was du tust wenn es dir nach dem Spielen ist.
Glaube nicht dass dir nichts anderes diese lumpige Befriedigung ersetzen könnte.
Fliehe nicht mehr in diesen Nebel aus Hoffnung und Leere.
Nun gut, da wäre noch viel viel mehr und ich fände es schön mehr von dir zu erfahren.
Also Kopf hoch, dazu stehen und jede Möglichkeit nutzen deine Suchtgewohnheit zu brechen.
Liebe Grüße und schön dass du da bist.
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Hi Jacky1,
Vielen Dank für deine Worte.
Deine Frage ob ich ohne Geldprobleme schreiben würde ist berechtigt und schwer für mich zum beantworten. Ich gehe ehrlicherweise davon aus das ich ohne Geldprobleme wohl einfach wie bisher weitergemacht hätte.
Es ist trotzdem so dass selbst wenn ich keine Schulden hätte unheimlich viel Zeit für das Spielen drauf geht die ich sinnvoller mit meiner Familie zusammen verbringen könnte.
Geschweige den wieviel Urlaube usw. Möglich gewesen wären wenn ich das Geld nicht verspielt hätte. Ich habe mal überschlagen wieviel Geld ich in meiner ganzen Spielkarriere verzockt habe. Ich bin auf 50 - 60000 Euro gekommen, von denen ich 15 - 20000 Euro über Kredite bedient habe.
Mit diesem Umstand werde ich mich nun abfinden müssen.
Das einzigste „Glück“ ist dass ich meinen Dispo und den Kredit der läuft mit meinem Gehalt bedienen kann. Mit einem Vollständigen Spielstopp wäre mein Dispo von 5000 Euro in 6 Monaten abgelöst.
Ich habe jedenfalls die ersten Schritte nun unternommen.
Bei der Suchtberatung die hier im Forum aufgeführt ist habe ich mich schriftlich gemeldet.
Desweiteren werde ich Meike Kreditkarte die hauptsächlichlich für Einzahlungen verwendet wurde Anfang nächsten Monat kündigen.
Früher geht leider nicht da der offene Betrag auf der Karte nach Gehalteingang noch beglichen werden muss.
Gesperrt bin ich jetzt in jedem Casino in dem ich angemeldet war.
Auch hier hatte ich schon ein kleines Erfolgserlebnis:
Bei der Bitte mein Konto wegen Spielsucht zu schließen wurde ich penetrant mit Geldboni dazu verleitet das nochmal zu Überdenken.
Ich habe jeglichen Vorschlag abgelehnt und das Konto schließen lassen.
In der Vergangenheit habe ich solche Angebote nie abgelehnt.
Ich werde berichten wie es mit mir weitergeht und freue mich von euch zu hören.
Vielen Dank für die Unterstützung vorab
Liebe Grüße
Verzockt87
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Moin Verzockt87
natürlich auch von mir ein herzlichliches Willkommen hier bei uns.
Da hast du ja schon eine kleine Karriere hingelegt und so manches schon richtig erkannt.
Große Klasse, dass du es jetzt endlich angehen willst.
Dieser Teufelskreis mit den nie endenden Schulden ist auch nicht anders zu bewältigen.
Viele Spielen immer an ihren Grenzen und auch mal darüber. Je nachdem wieviel man verdient wird halt mehr oder weniger verzockt.
Das Problem ist meist nicht mal das Geld, sondern die sozialen Probleme die sich anhäufen.
Erzähl ein wenig mehr von dir.
Gruß aus dem Norden
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Hi Fred,
genau so ist es.
Selbst wenn ich Möglichkeiten hatte durch Sonderzahlungen auf der Arbeit meine Schulden zumindest zu minimieren landete das Geld wieder im Casino, entweder Offline oder Online.
Auch bei mir hat sich dass Spielen immer an der Finanziellen Grenze bewegt oder auch mal darüber.
Ich habe gerade die letzten Monate auch gemerkt wie sehr ich Familie oder andere Interessen wie z.B Sport durch dass Spielen vernachlässigt habe. Ich denke auch hier würden die Probleme von selbst kommen wenn ich so weiter wie bisher machen würde.
Ich halte hier auf jeden Fall auf dem Laufenden und freue mich auf weiteren Austausch
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Die Geldnot, ist ja mehr das Symptom, als die eigentliche Ursache. Sie kann natürlich triggernd wirken, aber vor allem ist es die Sucht.
Ich bin ehrlich ohne es nicht am Geld zu spüren, wäre ich kaum so in Wallung gekommen, um endlich mal was zu verändern. Es trifft einen dann schon dort wo es wehtut.
Dann wenn man überlegt gehe ich jetzt tanken oder schaffe ich es noch irgendwie. Wenn man wieder den Dispo erhöht und kotzen könnte weil er innerhalb von Minuten wieder weg ist. Wenn man nicht weiß was man am Wochenende mit seinem Kind machen kann, was nichts kostet, weil das Geld alle ist.
Geld ist das Suchtmittel, aber leider auch notwendig für ein Leben innerhalb der Gesellschaft.
Die Sucht jedoch. Die liegt woanders. Das Geld ist nur der Weg den sie zu dir gefunden hat. Die Frage ist nur:" Warum ist Sie zu dir gekommen oder warum hast du Sie gerufen?".
Auf dem Weg auf dem du jetzt bist, ist das eine der wichtigen Fragen.
Für mich war Sie wichtig. Ich lernte mehr über mich und warum ich Sie rief. Damit ich nicht fühlen muss. Damit ich nicht denken muss.
Damit ich nicht sehen muss, dass wenn ich so weitermache, ich am Ende mein Leben verpasst habe.
Warum hast du Sie gerufen ?
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Hi lieber Verzockt,
ich teile das selbe Schicksal mit dir, bei mir sind es allerdings mittlerweile um die 80.000 - 100.000 EUR die ich in den letzten 10 Jahren reingebuttert habe.
Zu meinem "Glück" allerdings nie Schulden gemacht, also keine Kredite aufgenommen.
Im Grunde genommen, geht es mir primär nicht mal um das Geld, was mich im Nachhinein so stört.
Viel schlimmer sind die unzähligen schlaflosen Nächte die man hatte, sozialer Rückzug weil man es keinen von der Familie erzählen wollte und man gefühlsmässig abgestumpft ist. So geht es mir zumindest heute noch so, nicht mehr ganz so schlimm aber die kurzen Phasen erkenne ich in meinem Alltag.
Ich habe auch noch am meisten das Problem mit illegalen OCs, da kann nur helfen -> kein Online banking mehr und keine Kreditkarten. Nur noch die Standard Karte bei der Bank haben und dort mal Geld abheben zu können.
Das sollte definitiv helfen erstmal, um den spielerischen Druck zu lösen, den man mit Online Banking hat.
Danach würde ich täglich etwas in dieses Forum niederschreiben, um dran zu bleiben und das Thema nicht wieder aus den Augen zu verlieren.
Ich bin selber noch am Anfang, aber habe mir das Forum bereits als Favorit auf meinem Handy abgespeichert und werde mein bestes geben, jeden Abend vor dem schlafen ein kurzes Update von mir zu geben.
Zudem musst du 100% eine Glücksspiel Therapie machen, diese mache ich seit paar Sitzungen und glaub mir es ist ultra befreiend dir die Seele vom Leib zu reden.
Viel Kraft
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Vielen Dank für euere Worte.
ich hatte am Wochenende leider einen Rückfall.
Ich gehe von aus dass allein im Forum schreiben wirklich nicht ausreicht.
Es war nur ein Moment als ich gemerkt habe wie ich meine eigenen Sperren umgehen konnte.
Ich werde zusätzlich zu dem was ich jetzt unternommen habe mich nach einem Therapieplatz umschauen.
Ich denke auch dein Tipp mit dem Online Banking ist gut. Das würde mir auf jeden Fall die Möglichkeit Illegal online zu spielen komplett nehmen. Ich berichte hier weiter
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Hi
Ich will jetzt absolut keine Bankenwerbung machen, aber ich hab hier auch so meine Erfahrungen.
Ich hab jetzt bei der Spardabank -inclusive noch vorhandener Filialen wo man hingehen kann- und habe ALLES Sperren lassen was nur geht seitens der Bank.
Null Euro Konto, kein Dispo, keine Kreditkartenfunktion, keine geduldete Überziehung UND was ich fast am besten finde, keine Abbuchungen durch Dirttanbieter ala Paypal beispielsweise möglich.
Xsola -oder ähnlich- kann man auch sperren, war etwas schwierig und zickig und vorallem Komunikation nur auf english, aber es hat gereicht und funktioniert.
Gamban (oder so) ist auch noch eine Möglichkeit, kostete n zwanni glaub ich im Jahr und auch das sperrt schon mal ne ganze Menge.
Rückfall, ja is kagge, aber es ist passiert und nun mach das beste draus, halt nicht zu lange daran fest. "versagen" ist das eine, die Krankheit das andere.
Ich habe mich Jahre gegen den Gedanken "ich bin krank, geschweige denn süchtig" gewehrt, die letzten mal saß ich in meiner Gruppe " Ralf süchtig", und letzten Freitag fiel es mir das erste mal bewusst auf, Hallo, ich bin Ralf und bin süchtig, ohne nachzudenken, ohne Kopfchaos, denn es IST so, JA ich bin süchtig....