Spielsucht Soforthilfe Forum (SSF)

Spieler & Angehörige => Angehörige => Thema gestartet von: Wasserlilie am 06.10.2024 21:48:17

Titel: Rückfall
Beitrag von: Wasserlilie am 06.10.2024 21:48:17
Hallo Community, ich bin durch das Podcast auf euch aufmerksam geworden. Danke dafür! Brauche tatsächlich einen Rat eines Spielsüchtigen um den Kopf klar zu bekommen. Kurz zu mir, mein Mann spielt seit 3,5 Jahren, haben 4 gemeinsame Kinder, eigentlich das „perfekte Paar“ seit 18 Jahren, glückliches, sorgenfreies Leben, zusammen durch dick und dünn gegangen, allerdings ich erlebte bis jetzt den 4. Rückfall mit. Jetzt hat es gereicht… Seit März letzten Jahres war er 10 Wochen in einer Reha stationär (sein Hilferuf), davor ambulant (mein Hilferuf). Ein Jahr war er spielfrei. Nach der Reha bekam er seine letzte Chance- die Abmachung war klar- spielt er noch mal (egal ob verloren oder gewonnen), verliert er nicht nur Geld (wie immer), sondern diesmal auch unsere Familie… Er hat es tatsächlich gewagt… Somit haben wir uns frisch getrennt. Ich habe ihm schöne Zukunft vorgestellt- beweist er, dass er 2-3 Jahre spielfrei bleiben kann, können wir noch eine Familie bleiben und als Familie leben. Aber wo er eh schon „alles verloren hat“ spielt er weiter… Ich liebe den Mann über alles, deswegen habe ich alles versucht um ihm aus der Sucht zu helfen. Ich nenne es Liebe, Therapeuten co-Abhängigkeit. Meine Frage ist- gehören die Rückfalle einfach dazu oder kann man rückfallfrei durch das Leben gehen? Muss ich es jedes Mal dulden und eigene Haltung dazu finden oder hört er auf und findet für sich den Notfallplan um das Spielen zu verhindern. Eigentlich dachte ich, dass er dies in der Reha gelernt haben musste, aber wenn ich höre, dass er wieder die Illusion hatte das große Geld zu gewinnen, weiß ich, dass er wieder ganz am Anfang seiner Konfrontation mit der Krankheit ist… Er möchte jetzt mit Hypnose versuchen und erhofft sich von in „Wunder“. Was jemand Erfahrung mit? Was gibt es für ihn noch für Möglichkeiten?… Danke Euch für bestimmt sehr wertvolle Tipps!
Titel: Re: Rückfall
Beitrag von: Wirbelwind am 07.10.2024 01:11:23
Moin Lilie
Hallo Community, ich bin durch das Podcast auf euch aufmerksam geworden.

Welchen Podcast ??

Meine Frage ist- gehören die Rückfalle einfach dazu oder kann man rückfallfrei durch das Leben gehen?

Hmmm,...

die breite Masse -eigentlich alle- sagt Rückfälle gehören dazu, ich behaupte bis heute das es eine Schutzbehauptung ist um sich hinter der Krankheit weiterhin zu "verstecken" ; "Ich bin süchtig ich bin krank" oder andersrum... Meine Rückfälle waren alle bewusst, wenn auch zu schwach zu widerstehen so waren sie dennoch bewusst und aus jedem habe ich etwas dazu gelernt.

Der Grad zwischen "liebe" und "co-abhängigkeit" ist auch sehr schmal, ich denke DAS können nur betroffene für sich SELBST beantworten.

Muss ich es jedes Mal dulden und eigene Haltung dazu finden


"Müssen" musst du gar nichts, du musst dich lediglich entscheiden was du zulässt, akzeptierst tollerierst oder mitmachst.

Titel: Re: Rückfall
Beitrag von: Wirbelwind am 07.10.2024 01:19:44
hört er auf und findet für sich den Notfallplan um das Spielen zu verhindern.

Das kann nur ER beantworten,...

Eigentlich dachte ich, dass er dies in der Reha gelernt haben musste,

Was soll man denn deiner meinung nach in 10 Wochen lernen ?

aber wenn ich höre, dass er wieder die Illusion hatte das große Geld zu gewinnen, weiß ich, dass er wieder ganz am Anfang seiner Konfrontation mit der Krankheit ist…

"der große gewinn" hat für mich nie eine Rolle gespielt, geschweige denn verluste wieder wett zu machen. Desweiteren denke ich das die Konfrontation weit davor liegt als "der große gewinn"

Er möchte jetzt mit Hypnose versuchen und erhofft sich von in „Wunder"


Das geld könnt ihr/er euch sparen, auch das wird nicht funktionieren, es gibt weder eine Wunderpille für viele viele psychische Erkrankungen noch eine Wunderpille die aus einem Suchti einen "normalen" Menschen macht,...
Titel: Re: Rückfall
Beitrag von: amTiefpunkt am 07.10.2024 08:32:53
Guten Morgen Wasserlilie,

herzlich Willkommen hier bei uns im Forum, hervorragend, dass du deine Probleme und Sorgen mit uns teilst!

Zunächst einmal will ich dir sagen, du bist eine starke Frau und bist mental schon sehr weit Fortgeschritten mit deinem Denken und Handeln als so mancher Angehörige, der hier aufschlägt - dafür hast du meinen vollen Respekt.
Meiner Ansicht hast du bis hierher alles richtig gemacht, du bist emotional gebunden an deinen Mann, hast ihn Chancen gewährt und hast ihm klar vorgestellt, wie deine Zukunft mit ihm aussieht - nämlich ohne Spielen und hast dann, davor verneige ich mich, deine angedrohte Konsequenz durchgezogen, dies schaffen nur die wenigsten Angehörigen, jedoch ist das der einzig logische und zielführende Schritt für den Moment. Er muss sehen und fühlen, dass sein Handeln in kein "immer weiter so" mündet. Eine (temporäre) Trennung wird euch beiden gut tun, obwohl dies natürlich schmerzt.
Meiner Ansicht kann ein Rückfall, sofern man als Spieler den Weg der Abstinenz eingeschlagen hat, immer vorkommen, jedoch ist der Umstand, dass der Spieler diesen wirklich auch gehen will, nicht immer objektiv von außen zu erkennen.
Ich habe in den letzten Jahren, eigentlich noch nie, einen Rückfall gehabt, nach meinem Entschluss abstinent zu werden, der Trick ist, nicht die Sucht zu bekämpfen, sondern sie zu akzeptieren und lernen mit ihr zu Leben. Dafür hat jeder Spieler unzählige Hilfestellen und jeder wählt mehrere davon aus und bezieht diese in seinen Weg der Abstinenz ein. Eine Therapie kann eine davon sein, allerdings schützt diese konkret später im Leben nicht vor dem Spielen, erst recht nicht, wenn ein Angehöriger den Spieler dort hin schickt oder der Spieler nur dorthin geht, um sein Umfeld ruhig zu stimmen und danach seiner Sucht wieder Raum zu geben. Du siehst, es ist ein verzwicktes und Komplexes Thema, das Angehörige leider nicht für den Spieler lösen können, sondern nur dieser selbst.   
Ich persönlich sehe eine Selbsthilfegruppe in den ersten Jahren des Abstinenz für unumgänglich, der Austausch mit anderen Spielern ist essentiell, um zu lernen, welche Strategien diese für sich gewählt haben und davon für sich selbst zu lernen. Du siehst an mir, dass ich selbst nach über 10 Jahren Spielfreiheit an dem Thema weiter festhalte und den Austausch suche, wenngleich nur noch Online und nicht mehr in Präsenz, aber dennoch immer noch ungemein wichtig für mich selbst!
Ganz ehrlich, Therapie, Hypnose, Globulli oder sonstwas - er ist und bleibt die Lösung seines Problems und keine Therapie wird eine Wunderheilung herbeiführen, kann aber helfen, Abstinent zu werden. Er wird das schaffen, wenn er es zu 200% möchte, muss dann aber alle ihm mögliche Hebel in Bewegung setzen, damit es erfolgreich wird. Er ist Patient und Arzt zugleich - welche Strategie hat er? Eine Hypnose - doch das wird zu wenig sein, um ernsthaft spielfrei zu werden.
Ich wünsche dir Viel Kraft Lilie, die wirst du brauchen....

aT
Titel: Re: Rückfall
Beitrag von: Jacky1 am 07.10.2024 22:20:26
Hallo Wasserlilie und auch von mir ein herzliches Willkommen,

wahrscheinlich Kevin`s Podcast...
Schön dass du hier schreibst, daher ist es auch wichtig wie es dir dabei geht, auch wenn dein "Glück" an deinen Partner gebunden.
Kaum ist der Wunsch nach einem großen Gewinn der Antrieb, den hätte ja eh jeder..... auch ein Nicht - Süchtiger.
Ein selbst auferlegtes Alibi eher, alles zu verlieren für ein armseliges reich werden, mehr ist es doch nicht wirklich.

Er sucht nach einer Möglichkeit die ihn befreit von diesem " Leiden " ?
Er verliert all sein Geld, riskiert das Wohl seiner lieben Familie  ...könnte alles verlieren und ihr eure gemeinsame Zukunft.
Selbsthilfegruppen, Therapien, Beratungsstellen...von mir aus auch Hypnose.
Ich gehe sogar noch ab und an zu " meiner " Wahrsagerin  :) ...kein Scherz.
Alles kann eine gute Hilfestellung sein, um zu begreifen, erkennen und zu festigen....
Das man machtlos dem Spiel gegenüber ist, aber nicht sich selbst.     
Was sollte auch von außen heilen können, wo doch im Inneren verborgen ?

Es ist ein Prozess, keiner steckt in ihm drin ..er muss es einfach erfahren.
Und wenn er Hilfe braucht, weil er sonst wieder spielt....sollte er sie auch ganz fest greifen.
Werte...wirklich Werte und ich glaube du weißt schon was ich meine, sollte er wieder wirklich schätzen und beschützen.

Naja , ich habe ja gut reden, 30 Jahre habe ich gespielt.
An einem Punkt konnte ich es dann nicht mehr weiter, ja es gab dennoch Rückfälle.
Und nach jedem wurde ich stärker in meiner Überzeugung und nahm noch mehr Hilfe an.
Da gibt es nichts zu gewinnen für mich...wollte doch eh nur gewinnen um weiter zu spielen.
Ich bin nicht nur der Träger meiner Sucht, ich bin der Erschaffer.    
Ich habe aufgehört mich selbst zu belügen und lernte was zu glauben wäre !!!

Liebe Grüße                   
   
Titel: Re: Rückfall
Beitrag von: Wasserlilie am 07.10.2024 22:29:33

Welchen Podcast ??
-> glücklich süchtig. Sie erwähnen euch direkt am Anfang
Titel: Re: Rückfall
Beitrag von: Jacky1 am 07.10.2024 22:36:52
-> glücklich süchtig. Sie erwähnen euch direkt am Anfang

Wie geschrieben, unser lieber Kevin ist auch hier Mitglied.   

https://www.spielsucht-soforthilfe.de/index.php?topic=856.msg10672#msg10672
Verlinkt unter der Rubrik - Nützliche Seiten, Literatur und Podcast!
Titel: Re: Rückfall
Beitrag von: Wasserlilie am 07.10.2024 22:55:25
Meiner Ansicht hast du bis hierher alles richtig gemacht.

Danke! Jetzt kommen schon die ersten Zweifeln an meiner Entscheidung… Gerade wenn man sich mehrere Podcast hintereinander angehört hat… Man hat sich das Leben geschworen in Gesundheit wie in der Krankheit, bis dass der Tod uns scheidet… Und man verlässt den Kranken, damit er (sorry für den Ausdruck) „auf die Fresse fällt“… Damit er merkt, was er verloren hat. Dass er alles hatte. Dass er vielleicht Angst bekommt nie wieder so glückliche Familie zu haben, wenn er nicht zu 200% möchte spielfrei zu bleiben.
Habt ihr es erlebt, dass man als Paar Therapie macht? Ambulant haben wir es versucht, aber gebracht hat es Nix. Waren allerdings nur 3 Gespräche… Ich wünsche mir eine Therapie, wo die Angehörigen eine Haltung zu den Rückfällen finden und der Spielsüchtige einen Notfallplan erstellt? Dass man lernt mit der Krankheit zu leben und alle Probleme frühzeitig zu erkennen. Bin echt am zweifeln- das macht einen Irre. Gerade, wo so viele meiner Kinder mit dem Wochenendpapa aufwachsen werden müssten statt in der glücklichen Familie…
Titel: Re: Rückfall
Beitrag von: Wasserlilie am 07.10.2024 23:01:09
Was soll man denn deiner meinung nach in 10 Wochen lernen ?

Den Grund warum er gespielt hat? Was hat ihm den Kick gegeben? Das Spielen selber/ der Rausch davor/ mich austricksen? Vor allem aber den Notfallplan ausarbeiten für jeden persönlich…


Das geld könnt ihr/er euch sparen, auch das wird nicht funktionieren, es gibt weder eine Wunderpille für viele viele psychische Erkrankungen noch eine Wunderpille die aus einem Suchti einen "normalen" Menschen macht,...

Ja klar, sonst gäbe es keine Rehas, die Hilfe anbieten würden, wenn die Lösung so einfach wären. Er erhofft sich die Antworten, warum er spielt. Und dass sein Unterbewusstsein aktiviert wird nach dem Motto „Hebeln ist be!“
Titel: Re: Rückfall
Beitrag von: amTiefpunkt am 08.10.2024 12:52:39
Zitat
Man hat sich das Leben geschworen in Gesundheit wie in der Krankheit, bis dass der Tod uns scheidet

Das kenne ich doch irgendwo her.... 8)

Ein Schwur war das nicht, jedoch ein Versprechen! Und zwar bezüglich der Treue. Ich sehe hier keinen Zwiespalt, jedoch wenn er sein Leben gegen die Wand fährt, heißt dies nicht automatisch, dass du mitfahren musst, du hast auch eine Verantwortung gegenüber deinen Kindern, die auch in eurem Wagen sitzen. Ich spreche hier auch bewusst von einer temporären Trennung, die nicht unmittelbar in einer Scheidung mündet - jedoch kenne ich viele Betroffenen, bei denen genau dieses letztendlich passiert ist, weil der Spieler nicht immer gewillt ist, an seinem Problem zu arbeiten - leider!
Das deine Entscheidung an dir nagt kann ich verstehen, aber glaube mir, in der jetzigen Situation ist sie die richtige.

aT
Titel: Re: Rückfall
Beitrag von: Wasserlilie am 08.10.2024 15:19:24

Das deine Entscheidung an dir nagt kann ich verstehen, aber glaube mir, in der jetzigen Situation ist sie die richtige.



Dankeschön! Ich vermute, die starken Worte habe ich gerade gebraucht :-*. Dass es Derzeit die beste Entscheidung ist, auch für uns beide. Kann die Trennung dem Süchtigen helfen die Entscheidung über abstinentes Leben zu treffen? Oder ist es eher ein Hindernis? Lässt sich wahrscheinlich gar nicht pauschal sagen,oder?
Titel: Re: Rückfall
Beitrag von: Wirbelwind am 08.10.2024 15:26:31
EDIT: DAS ist genau das was ich am SCHLUß hier geschrieben habe Lilie...

Kann die Trennung dem Süchtigen helfen die Entscheidung über abstinentes Leben zu treffen? Oder ist es eher ein Hindernis? Lässt sich wahrscheinlich gar nicht pauschal sagen,oder?

Es ist völlig uninteressant ob es hilft oder helfen kann, DU "musst" Konsequenzen ziehen und konsequent bleiben denn wie Du schon selbst schreibst, eine Garantie gibt es für nichts und in die Zukunft schauen kann auch keiner. ICH vertrete den Standpunkt ganz KLAR das eine Trennung besser ist sofern vorher nichts geholfen hat,...

Bleib STARK !!!

Hallo Lilie

Das mit den 10 Wochen kam ein wenig "blöd" rüber bzw. mißverständlich. In meinem Kopf geht sehr viel vor und irgendeiner meiner "schlauen Helferlein" sagte mal zu mir... "die sucht "los zu werden" dauert genau so lange wie man sie ausgeübt hat" das hat sich ziemlich eingebrannt bei mir und als ich letztends kurz bei dem "Moderator" unserer ambulanten Gurppe in der Psychatrie hier vor Ort war sagte er zu mir "Ralf, Du bist immer herzlich willkommen hier, ein LEBEN LANG" das hat mich im ersten Moment gefreut und im zweiten Moment dachte ich, wtf das will ich nicht...
Ich bin sehr Psychatrie und Reha erfahren, ICH fühlte mich etwas vor den Kopf gestoßen als ich gelesen hatte 10 Wochen, da kannst DU überhaupt nichts für...

Meine Frau steht sei 17 Jahren hinter mir, dennoch bin ich auch vom Typ eher einer der jenigen der sagt wenn man schon einiges probiert hat und einfach keine Besserung in Sicht ist DANN MUSS man sich trennen und einen Cut machen, alles andere führt einfach zu nichts. ICH allerdings kann dazu sagen das ich in den letzten 10 Jahren IMMER etwas getan habe, versucht habe, veränderung, therapie, suchtberatung, kein zugang zu geld, Taschengeld. Mich zwischenzeitlich wieder für stark genug hielt, geldzugang wieder hergestellt, schwupps geld wieder weg, DIREKT gehandelt und mit jedem mal wurde es immer "besser" aber wie sagt man so schön.... Ich habe stets und ständig an mir gearbeitet mal erfolgreich mal weniger....

Ich seh das auch wie AT, die beste Hilfe die DU IHM z.zt. geben kannst ist ihn fallen zu lassen, das ist einfach so, muss ja nicht gleich die Scheidung sein...

Davon mal ganz abgesehen, auch wenn Du meinst deinen Mann zu kennen, auch Du kannst ihm nur VOR den Kopf schauen aber nicht hinein... Um so wichtiger ist es das du bei DIR bleibst, an Dich und die Kinder denkst denn DIE brauchen dich WIRKLICH, dein mann braucht sich im moment selbst am meisten da ist kein Platz für "drumerum" und ich rede nicht von 10 Wochen,...

Jetzt schau ich nach langer Zeit mal wieder in den Poadcast rein, ich kenn den ja eigentlich ist mir eingefallen aber alleine "glücklich süchtig" oh man, das triggert mich wenn ich nur dran denke...  ;D ;D
Titel: Re: Rückfall
Beitrag von: Jacky1 am 08.10.2024 21:31:39
Hallo,

ich mache es mir da immer ein klein wenig schwer.
Aber schließlich war es auch eine Angehörige hier, die mir einmal schrieb: " Du musst dich entscheiden"
Der geliebte Partner ist psychisch erkrankt, nun sollte sich ja nicht die Frage stellen, sollte ich dennoch an seiner Seite verweilen ?
Pathologische Spieler sind aber auch ein Fluch und können so viel zerstören...die Liebe würde event. eh daran ermüden mit der Zeit.
Wäre diese Sucht nun so furchtbar in einem integriert, dass sie eh immer im Verderben aller ausnahmslos endet..ja dann.  :)
So ist es nicht !

Auch Angehörige stehen in einer Verantwortung über die Eigenverantwortung hinaus.
Oft bindend, für den anderen immer da zu sein und ihn zu stützen und halten dass er nicht so tief fällt.
Dies bedeutet vieles zu tun, um seiner Liebe auch mehr als nur ein entscheidender Fingerzeiger zu sein.
Da reicht es oft nicht mit der Bratpfanne hinter der Türe zu lauern um zu drohen, wenn er heim kommt.
Es kann also bedeuten, auf etwas zu verzichten was man doch so sehr begehrt.
Konsequenzen die für alle schmerzhaft wären...so ist es halt mit einem Spieler an seiner Seite.

Der spielsüchtige Partner sollte jede Chance auch bekommen, um wieder zurück in ein "gesundes" Leben zu finden.
Er sollte wissen und erfahren wie wichtig er für seine Lieben daheim ist.
So wichtig das alle auf etwas verzichten würden, damit sich ( er ) etwas ändern könnte.  
Da oben in der bequemen wärmenden Zone, in gerne angenommener Vertrautheit könnte event. nie etwas keimen beim Erkrankten.
Man muss sich entscheiden..es ist eine Entscheidung, mit Nachdruck von den liebenden Menschen um auch alles zu versuchen.
Dies bedeutet ein Eheversprechen, oder Schwur... wer weiß dies schon.

Menschen die einem eigentlich nicht mehr gut tun sollten gemieden werden.
Wenn sie einen selbst mitreißen, emotional gefesselt. Sich nichts ändert und nur geschwätzt wird darüber.
..dies wäre aber nur eine Leitlinie.  :)

Liebe Grüße
Titel: Re: Rückfall
Beitrag von: Wasserlilie am 10.10.2024 21:55:01


Ich (und auch Andere hier) lebe seit einigen Jahren rückfallfrei - es ist also auch dauerhaft durchaus möglich.

Lieber !(😉)Jacky, dazu habe ich noch eine Frage… ich weiß, dass es keinen Patent für spielfreies Leben gibt… dennoch betont Kevin ständig, dass absolute Ehrlichkeit zu sich selber und dem Partner ein Muss sei um dies zu ermöglichen um die Partnerschaft zu erhalten. Um den Kampf mit der Sucht jeden Tag aufs Neue zu gewinnen. Genau das ist das größte Problem meines Mannes. Er hat immer bis zum Schluss verheimlicht, dass er gespielt hat. Immer erst zugegeben, als „Beweise“ auf dem Tisch lagen. Ich bin mir bewusst, dass ein Süchtiger diese Wahrheit geheim hält um weiter spielen zu können. Ihr Spieler seid ja bestimmt alle gute Schauspieler und habt alle einen Oscar verdient… „Ich hätte doch nicht gespielt, ich hätte doch nicht Familie verlieren wollen, Ich weiß doch, welche Folgen es hätte, nicht dafür war ich in der Klinik…“ 5 Min später war der schlimmste Albtraum wieder Realität. Dennoch… Kann man die Wichtigkeit der Ehrlichkeit durch Therapie lernen? Ausarbeiten? Was das ein Thema in der Klinik (in Saarland als Beispiel, da gefühlt alle da waren, mein Mann inklusive)? Ist bestimmt ein langer Weg bis dahin, aber hoffnungslos?
Liebe Grüße und Danke an ALLE für Antworten und Hilfe! Ist wirklich schön Euch hier zu haben 🫶🏻
Titel: Re: Rückfall
Beitrag von: Stella am 10.10.2024 21:59:50
 "Ihr Spieler seid ja bestimmt alle gute Schauspieler und habt alle einen Oskar verdient… "


Hallo wasserlillie. Einen?  ;)...... ist nicht lustig, aber deinen Vergleich benutze ich auch gerne....
Titel: Re: Rückfall
Beitrag von: Wasserlilie am 10.10.2024 22:12:03



Hallo wasserlillie. Einen?  ;)...... ist nicht lustig, aber deinen Vergleich benutze ich auch gerne....

Stimmt, einen pro Spieljahr, müssen ja realistisch bleiben. 🤪 Aber weißt du, es gibt einen Unterschied zu Hollywood. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Schauspieler in dem Moment so schwitzen und die ganze Umgebung es riecht. Da ist noch Potenzial nach oben für Golden Globe 😏
Titel: Re: Rückfall
Beitrag von: Wirbelwind am 10.10.2024 22:16:01
Dennoch… Kann man die Wichtigkeit der Ehrlichkeit durch Therapie lernen?

und da trennt sich die Spreu vom Weizen; Ehrlichekit ist AUCH eine Charaktereigenschaft, unabhängig von Sucht oder nicht,...
Titel: Re: Rückfall
Beitrag von: Jacky1 am 10.10.2024 22:27:40
Hallo Wasserlilie,

ich kann deine Fragen gut verstehen, wenn du nicht angelogen werden möchtest...frage keinen Spieler.

Kann man die Wichtigkeit der Ehrlichkeit durch Therapie lernen? Ausarbeiten? Was das ein Thema in der Klinik (in Saarland als Beispiel, da gefühlt alle da waren, mein Mann inklusive)? Ist bestimmt ein langer Weg bis dahin, aber hoffnungslos?

Wem gelingt es schon immer ehrlich zu seinem Partner zu sein.
Da gäbe es viele, nicht einmal süchtig denen eh kaum etwas zu glauben wäre.
Da wird halt verschwiegen was der andere eh nicht hören wollte.
Um nicht als vermeintlicher "Versager" dazustehen, aus Scham, Mitleid oder eiskaltem Kalkül.
Aber als path. Spieler auch um seine Suchtausübung zu schützen! 

Ich war nun selbst nie in einer Therapie wegen meiner Spielsucht.
Aber wenn ich wieder spiele würde ich es meiner lieben Familie sagen ?
Wäre ja paradox .
Diese Frage stellt sich bei mir auch nicht, ob ich zukünftig dann schweigen würde.
Ich behaupte einmal, ich bin ein ehrlicher Mensch ....da muss ich sogar selber lachen  :).
Zumindest ehrlich in Dingen auf die sich liebende und befreundete Menschen erwartend verlassen.

Ehrlichkeit und Treue sind das starke Band jeglicher Beziehung.
Wichtige Werte und dürfen nicht gebrochen werden.
Und du solltest erwarten...dass er dir mitteilt wenn er wieder Rückfällig würde.
Und warum er nicht vorher mit dir darüber gesprochen hat.       
Dir die Wahrheit sagt wenn du ihn fragst, ob er wieder gespielt hat.
Er muss diesen Weg finden mit dir offen darüber umzugehen...klar wenn er spielfrei bleibt ist dies leichter.
Du bist ihm wichtig...er muss es realisieren in kritischen Momenten.
Es würde ihm sicherlich helfen von anderen Spielsüchtigen darüber zu erfahren um sich dann selbst darin finden zu können.

Ein ehrlicher Mensch zu werden...aber überall möglich.
Ein langer Weg...eigentlich nur der Weg in ein gutes Leben....der geht bis zum letzten Tage...nicht nur bei " uns " 

Liebe Grüße
Titel: Re: Rückfall
Beitrag von: Wasserlilie am 10.10.2024 22:47:59

Und du solltest erwarten...dass er dir mitteilt wenn er wieder Rückfällig würde.
Und warum er nicht vorher mit dir darüber gesprochen hat.       
Dir die Wahrheit sagt wenn du ihn fragst, ob er wieder gespielt hat.
Er muss diesen Weg finden mit dir offen darüber umzugehen...

Ganz genau! Darum geht es. Nach der ersten Frage: „Was ist das?“ zu beichten „Ich bin rückfällig geworden“. Und etwas daraus lernen und vielleicht beim nächsten Mal selber zuzugeben. Stück für Stück Fortschritte machen. Ich glaube, dass er es zur Zeit selber nicht mal schafft ehrlich zu sich selber zu sein. Deswegen Theorie, wenn er selber nicht diesen Weg finden, ob man das therapeutisch ausarbeiten kann, wenn einer es natürlich zulässt? Ihr habt mir im Mindset unglaublich geholfen… vielleicht war ich einfach zu naiv in der Annahme, dass er nie wieder spielt… Er hat sich zu sicher gefühlt, war nicht mehr achtsam und die Sucht war mächtiger in dem Moment.
Titel: Re: Rückfall
Beitrag von: amTiefpunkt am 11.10.2024 10:12:46
Zitat
Kann man die Wichtigkeit der Ehrlichkeit durch Therapie lernen?

Das ist wohl der Schlüssel zum Erfolg, wie Kevin das treffend formuliert hat. Ich habe noch nie eine Therapie gemacht, aber genau das ist der Knackpunkt und am Wichtigsten ist wohl die Ehrlichkeit zu sich selbst. Wenn ich mein Problem nicht erkenne, es verleugne, klein rede oder nicht akzeptiere, kann die Abstinenz nicht erfolgen - da hilft keine Therapie der Welt. Danach kommt die Ehrlichkeit zum Umfeld: Partner, Verwandte, Freunde, SHG. Dieser zweite Schritt nimmt soviel an Druck, dass es erst möglich ist, den Weg der Abstinenz zu beschreiten. Als drittes kommen die Hilfestellungen von außen, das Begleiten, aber ohne Schritt 1 und 2 ist alles verloren. Aus meiner Sicht hilft eine Therapie erst bei Schritt 3, die ersten beiden Schritte sind die Basis für eine erfolgreiche Therapie, denn auch dort ist Ehrlichkeit gefragt!

Hm, irgendiwe schwer zu beschreiben.....

aT
Titel: Re: Rückfall
Beitrag von: Wirbelwind am 11.10.2024 10:48:00
EDIT: Du hast das schon ganz gut beschrieben AT, warum stellst du das selbst in Frage ?

ein kleines Veto hab ich zu Punkt 2

Ich hatte nie den Druck nicht ehrlich sein zu können, ich denke aber mitlerweile das es bei Spielern auch einen imensen Druck aufbaut wenn man sich dann dem Umfeld geöffnet hat. Damit meine ich den "inneren selbstdruck" bloß nicht rückfällig werden - und andererseits die "entschuldigung" ich bin krank, ich bin süchtig; das relativiert meiner Meinung nach nämlich das Problem, die "Krankheit" ist nicht das Problem - man SELBST ist das Problem und auch wenn 99,9% der Menschen anderer Meinung sind, DIESE Meinung nehm ich mit ins Grab...

Ich glaube, dass er es zur Zeit selber nicht mal schafft ehrlich zu sich selber zu sein.

Da magst du vielleicht recht haben, WISSEN tust du es dennoch nicht, es sind deine Vermutungen. Ich hab eine ziemlich kontroverse Meinung zum Thema Ehrlichkeit/Verschweigen und auch wenn es ewig gedauert hat bis ich mal von meinem hohen Roß runter gekommen bin andere Meinungen und Ansätze zu zu lassen,

Vielleicht ist er sogar vermeindlich ehrlich zu sich - ebend in der Welt in der er gerade lebt, im inneren... Das weiß aber ebend NUR ER

Deswegen schrieb ich bereits, bleib bei DIR, da ich denke das Du schon ziemlich genau weißt was los ist und wie du bestenfalls damit umgehen solltest denn ER hat erstmal genug mit sich selbst zu tun...

Das Wort "naiv" in diesem Zusammenhang finde ich "doof", das liest und hört man oft. Ich denke hier würde besser passen,

"Ich habe darauf vertraut das er/sie nicht mehr spielt"

Macht es jetzt auch nicht unbedingt besser aber meiner Erfahrung nach hätte man selbst -in dem Fall Du- ein anderen Bezug zu der Thematik und es versinnbildlicht einem ganz genau das was man ebend nicht wahr haben möchte :

Man kann seinen Partner nicht trauen und glauben was er sagt,...

Daraus ergibt sich dann auch "das Fallen lassen", es zählen ebend keine Worte mehr es müssen Taten her "Beweise" so zu sagen und über diesen Weg kann man - MUSS man NICHT- auch wieder zu einander finden.

Deine Frage was die Thematik Reha und Therapie betrifft, ich hab schon einiges gemacht, auch Akut und dabei einiges an Menschen kennen gelernt und mich oft gefragt was machen die hier eigentlich,...

Vorallem im Akutbereich und Reha hatte ich sehr oft den Eindruck das so gut wie alle -ja, SO mein ich das- nur dort waren weil es von Ihnen erwartet wurde, und ganz ganz ganz wenige WIRKLICH für sich SELBST weil SIE es WOLLTEN.

FAKT ist, wenn dein Mann dazu BEREIT ist etwas zu ändern, dann ist nicht gänzlich alles verloren, aber das ist ein harter, schwerer Weg AUCH für DICH und auch für die Kinder, DAS sollte man nie vergessen.
Wie man das nun bestenfalls hinbekommt, ich weiß es nicht, meine Eltern haben es nicht geschafft und dabei kam n ziemlich großer Scheißhaufen raus den ich versuche seit über 10 Jahren zu -aaaaah wie sagt man, ich muss grad innerlich voll lachen- AH zu Kompostieren :) :) :)

Ich hab halt den "Vorteil" keine Kinder zu haben, beziehe Rente seit mindestens 5 Jahren und hab eine Wahnsinnig starke Frau an der Seite und sehr viel Zeit und Raum für Therapie und Suchtberatung, in meinem Fall ging es auch nicht mehr anders als völlig zusammenbrechen, "aber" selbst das ging AUSSCHLIEßLICH von MIR aus, NICHT von anderen...

Sorry das das schon wieder so viel ist, aber ich hab halt viel Zeit, viel zu erzählen und auch mitlerweile ne Menge Ahnung möchte ich mal meinen was ich gerne teile, und wenn auch nur ein Satz oder gar ein Wort geholfen hat hab ich mein Ziel erreicht. Manchmal mag ich auch Stuß schreiben, keine Frage, das weiß ich selbst, in MEINER Therapie allerdings habe ich gelernt das es ebend nicht auf den Stuß ankommt sondern auf das Gute worauf man/ICH sich fokusieren sollte,...


Titel: Re: Rückfall
Beitrag von: Wasserlilie am 11.10.2024 19:58:38

Sorry das das schon wieder so viel ist, aber ich hab halt viel Zeit, viel zu erzählen…

DANKE!
Titel: Re: Rückfall
Beitrag von: UknowWhoIam am 12.11.2024 20:09:26
Liebe Wasserlilie,

nach einem Monat Stille in deinem Thread muss ich auch was endlich schreiben.
Es ist unglaublich was du alles für deinen Mann gemacht hast und wie du dich für ihn als coabhängige einsetzt hast.
Trotz allen seinen Lügen hast du aber weiter gemacht, weil du ihn "über alles liebst (oder geliebt hast)". Ich habe Tränen in den Augen wenn ich deine Geschickte lese
Nun leidest du aber sehr, weil er trotzdem weiter gemacht hat und deine Hilfe nicht annehmen wollte. Du bist einfach eine Traumfrau und hast solches Leben nicht verdient.
Du bist verzweifelt und denkst dass dein Mann sich nie ändern wird. Das mindeste was er jetzt machen kann, bzw machen soll ist sich aus dem Scheiß rauskämpfen und jegliche Möglichkeiten das Geld zu verwetten sich wegnehmen.
Dann kommt der schwerste Teil, sich dein Vertrauen zurück zu Gewinnen. Wenn er nüchtern bleibt, sollte ihm die Arbeit an der Ehrlichkeit leichter einfallen. Es mussen erstmals bestimmt Wochen, Monate oder Jahre vorbei laufen bevor er dir es beweißen kann
Der Kevint sagt, dass es sich spilefrei bleiben lohnt. Es lohnt sich auch noch um das perfekte Paar und die Liebe kämpfen die ihr nirgendwo finden werdet.

PS-Ja Ciebie tez ja Ciebie tez  ("Liebe Über Alles")

Titel: Re: Rückfall
Beitrag von: Fred am 13.11.2024 08:38:38
Es lohnt sich auch noch um das perfekte Paar und die Liebe kämpfen die ihr nirgendwo finden werdet.

Zumindest ein Teil dieses Paares ist ja von perfekt Lichtjahre entfernt.

Titel: Re: Rückfall
Beitrag von: Ansh am 13.02.2025 09:07:05
Meiner Ansicht hast du bis hierher alles richtig gemacht.

Danke! Jetzt kommen schon die ersten Zweifeln an meiner Entscheidung… Gerade wenn man sich mehrere Podcast hintereinander angehört hat… Man hat sich das Leben geschworen in Gesundheit wie in der Krankheit, bis dass der Tod uns scheidet… Und man verlässt den Kranken, damit er (sorry für den Ausdruck) „auf die Fresse fällt“… Damit er merkt, was er verloren hat. Dass er alles hatte. Dass er vielleicht Angst bekommt nie wieder so glückliche Familie zu haben, wenn er nicht zu 200% möchte spielfrei zu bleiben.

Und das ist auch so.  Ein Haus steht auf einem Fundament. Hier heißt das Fundament Vertrauen. Die Statik Ehrlichkeit. Wenn das beides Wegbricht, worauf steht das Haus - die Beziehung dann? Die dann auch noch vergiftet wird durch die Nebenwirkungen dieser Krankheit? Mit emotionaler Verlassenheit, nebeneinander her leben, deine Enttäuschung, Verzweiflung, der ständige Versuch Stress zu vermeiden damit er nicht Rückfällig wird, der verzweifelte Versuch die Sucht zu lenken und zu kontrollieren, damit der Wunsch einer harmonischen Partnerschaft besteht, die Nebenwirkungen der Sucht wie Depression, Antriebslosigkeit, Gleichgültigkeit, Interessenlosigkeit, usw. wirken sich auf die Beziehung aus und das sehr massiv. Deine mentale und körperliche Gesundheit leidet. Statt ihm helfen zu können gehst du kaputt. Das ist was am Ende übrig bleibt, ein Suchtkranker Mensch der bislang seine Sucht schön warm gebettet hatte und ein zerstörter Partner.

Ja bis das der Tod uns scheidet. Wessen Tod? Aufopfern bis du umfällst? Oder dann doch lieber den Weg der Liebe? Liebe zu dir selber und auch Liebe zu ihm, denn wenn nur eine Trennung hilft, dann möge es so sein.