Spielsucht Soforthilfe Forum (SSF)
Spieler & Angehörige => Allgemeines => Thema gestartet von: Apathetic am 08.08.2024 16:16:20
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Liebe Freunde,
ich bin hier im Forum immer wieder über den Begriff "Spielpause" gestolpert, meistens natürlich in einer negativen Konnotation.
Mir ist dabei nicht ganz klar, inwieweit sich eine Spielpause von einer "echten" Abstinenz unterscheiden soll, der Akt ist ja der gleiche, man stoppt vereinfacht gesagt die aktive Suchtausübung.
Oft wird dieser Begriff in Verbindung mit Rückfällen verwendet, ein wahlloses Beispiel von André, das die Suchfunktion ausgespuckt hat:
"Ich bin so aber schnell in alte Denkmuster gefallen und wieder spielen gegangen, nicht in dem Ausmaß wie einst, aber so dass ich bei mir nicht von einem Rückfall, eher von längeren Spielpausen sprechen musste. "
Implizit steckt in dieser Aussage, dass der Unterschied in der inneren Einstellung zur eigenen Abstinenz ist. Also ob diese gewollt oder Mittel zum Zweck ist (z.B. kein Geld mehr vorhanden etc.). Ich bin mir aber persönlich nicht sicher wie relevant das wirklich ist, denn solange die Suchtausübung nicht wieder aufgenommen wird, spielt es ja an sich keine wirkliche Rolle, was der ausschlaggebende Punkt dafür war.
Daraus folgend könnte ja nur zwischen Spielpause und Abstinenz unterschieden werden, wenn diese mit einem Rückfall endet. Handelt es sich bei der Unterscheidung also um reine Semantik, oder übersehe ich etwas.
Wie immer ist jede Meinung/Anregung erwünscht.
LG
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Hallo Apa,
Mir ist dabei nicht ganz klar, inwieweit sich eine Spielpause von einer "echten" Abstinenz unterscheiden soll, der Akt ist ja der gleiche, man stoppt vereinfacht gesagt die aktive Suchtausübung.
Abstinent zu sein als Süchtiger, diese Entscheidung auch getroffen zu haben und zwar für niemand anderen als für sich selbst.
Nicht weil man sonst kein Geld hätte oder nur Stress mit der Familie, Freunden oder dem Arbeitgeber.
Was oder für wen auch immer es eine Begründung gäbe.....es ist eine alleinige finale Entscheidung.
Im Forum haben schon einige berichtet von dieser Entscheidung und wie sie/wir/ich uns dann wirklich frei fühlten.
Auch bin ich bis jetzt keinem Süchtigen begegnet der mit dem Begriff Abstinent leichtfertig umginge.
Und keinesfalls definiere zumindest ich meine Abstinenz über eine Semantik.
Eine kleine Geschichte dazu, in meiner SHG sind alles Alkoholiker mit unglaublichen Werdegängen.
Sehr liebe Menschen wie in einer Krabbelgruppe aus der finsteren Hölle.
Da gibt es keine Suchtpause oder halt mal 20 Wochen nichts trinken.
Sie sind so sehr stabil in ihrem Leben und mit dieser Suchterkrankung, mit Worten und Taten,
dass sie weiterhin alles dafür tun um es zukünftig auch zu bleiben!
Ihre und unsere Sucht kennt keine Abstinenz, sondern eben nur Pausen davon.
Selbst ein Rückfall würde dies nicht ändern um wieder weiterhin von einer Abstinenzentscheidung profitieren zu können.
Psychisch Erkrankte bleiben wir ja anscheinend immer.
Ich habe gelernt von mir selbst, wie leicht ich mich früher in einer trügerische Euphorie der Spielfreiheit wägte.
So musste ich doch nur kurz in mich selbst hinein hören um zu wissen ...es waren nur Lügen.
Da war ich nicht frei und ungezwungen...ich "musste" halt "nur" nicht spielen.
Heute darf ich es und möchte es nicht!
Ich freue mich abstinent zu sein und möchte es immer bleiben.
Diese Gefühl gab mir keine Spielpause und ich kann es heute klar definieren.
Nichts in mir drängt mich zu Spielen und mein Suchtgedächtnis mag von mir aus noch irgendwo sein.
Es gibt heute keinen Suchtrigger mehr! Sonst wäre ich nicht abstinent!
Der Tag an dem ich wieder spiele mag fern sein oder kommt nie mehr....
es muss schon sehr viel passieren auf emotionaler Ebene um dieses gute Gefühl spielfrei/abstinent wegzuwerfen.
Ich würde noch viel weiter dabei gehen und mag nicht so sehr diese " ich erlaube mir für die nächsten 24 Std" Motivation.
Aber ich nahm einst Hilfe gerne und dankend an und so werde ich auch diese Motivation befürworten.
Die Abstinenz habe ich ja nicht erfunden und ich musste sie mir wahrlich erarbeiten, durchaus in Schritten von 24 Stunden.
Nun weiterhin etwas zu pflegen um kein eigener Sklave mehr zu sein ist fest verankert.
Liebe Grüße
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Guten Abend Apa,
wie ich finde ist das eine sehr interessante Frage... der Begriff 'Abstinenz' bedeutet im Wesentlichen 'Enthaltsamkeit'. Ich persönlich finde diese Bedeutung sehr schwierig und sowohl situativ als auch individuell nicht eindeutig zu identifizieren. Oftmals sind die Übergänge der Gedanken und letztendlich auch der daraus resultierenden Entscheidungen sehr fließend. Das eine kann durchaus durch das andere entstehen bzw. tangiert werden. Das 'Aufhören' ist ein Prozess, so wie oftmals der vollendete Suchtmechanismus ein Prozess ist. Eine Pause nimmt man sich aus meiner Sicht bewusst vor, also im Sinne von : ich unterbreche xy für einen Zeitraum von xy....
Viele suchterkrankte Menschen entscheiden jedoch just in einem Moment bzw über einen längeren Zeitraum hinweg abstinent sein zu wollen. Durch einen 'Rückfall' in alte Verhaltensmuster würde ich nun nicht per se meinen, es sei nur eine Pause gewesen. Aus meiner Erfahrung ist Gewohneit das Schlüsselwort. So war man lange gewohnt zu 'konsumieren' aus jeglichen Ursachen heraus. Eben eine Art Kompensation, Skill oder eben einfach durch das stetige Tun. Eine Abstinenz bildet sich im Umkehrschluss... Es wieder zur Gewohntheit werden zu lassen, nicht zu spielen, nicht zu trinken, nicht übermäßig schädlichen Sport zu treiben, nicht zu rauchen etc.... die Bandbreite ist riesig. Aus meiner Sicht ist das Erkennen und Eingestehen eines Suchtverhaltens essentiell, danach heißt es lernen, durchdenken, hinterfragen und v.a. ändern.Ich habe schon mit Menschen gesprochen, die nach gut 17 Jahren rückfällig wurden, dies jedoch nach einer gewissen Zeit wieder stoppen konnten. War das dann eine sehr lange Pause??? Letztendlich zählt jedes Instrument, jeder Schritt und ja auch jede Zeit, wodurch einem schädlichem Konsumleben entgegengewirkt wird.
Liebe Grüße
MiLu