Spielsucht Soforthilfe Forum (SSF)

Spieler & Angehörige => Spieler => Thema gestartet von: Fred am 27.07.2023 13:06:50

Titel: Was fühlst / fühltest du beim Spielen ?
Beitrag von: Fred am 27.07.2023 13:06:50
Ich hab Urlaub und Zeit und stöbere ein wenig in meiner Vergangenheit rum.
Dabei stellte sich mir die Frage, was ich eigentlich beim Spielen "gefühlt" habe.

Bei mir war es irgendwie immer gleich:
1. Spielhallentür auf
2. Fred rein
3. Spielhallentür zu
4. Fred ein anderer Mensch :-)
+ keine Sorgen
+ schlagartig keine (körperlichen) Befindlichkeiten mehr
+ gute, eher euphorische Laune

Vielleicht die ersten Sekunden nochmal drüber nachgedacht was ich grad mache, aber das wars dann auch.

Nach x Stunden oder Betriebsschluss

5. Spielhallentür auf
6. Fred raus
5. Spielhallentür zu
8. Fred ein anderer Mensch - getroffen wir von einem Vorschlaghammer
+ alle Sorgen dieser Erde sind wieder da und es sind neue hinzugekommen
+ körperliche Unpässlichekeiten sind sofort wieder da
+ Laune eher traurig gestimmt

Und das immer wieder von vorn ... 30 Jahre lang.

Wie war/ist es bei euch ?
Titel: Re: Was fühlst / fühltest du beim Spielen ?
Beitrag von: Karo am 27.07.2023 19:14:52
Hallo Fred,

GENAU SO, wie du es beschrieben hast !!!

Allerdings mit zunehmen total Kontrollverlusten...kam danach ein kaum mehr aushaltbarer Selbsthass und auch öfter Suizitgedanken,
Diese Situationen habe ich noch sehr gut in Erinnerung. Nicht nur vom Kopf her, sondern auch in den Gefühlen. Ist schon Wahnsinn, wie ich das während der akuten Spielzeit immer wieder total verdrängen konnte. Bzw etwas stärker wirkte.... Die Besessenheit mit dem Spielen dem Alltag zu entfliehen, gepaart mit der nicht sterben wollenden Hoffnung Glück und Erfolg zu haben und zu erleben... Was für ein Selbstbetrug...was für eine scheiß Krankheit...und wie schnell ich damals in ein Suchtverhalten hineingerutscht bin...ist kaum zu glauben....wie Lange und mühsam es für mich war, da wieder von abzulassen...und selbst heute noch...auch wenn ich zur Zeit keinerlei Bedürfnis habe...ich mir nie sicher sein kann, es wirklich überwunden zu haben... Wie du es richtig geschrieben hast....Ich weiß nicht im Voraus was mein Kopf irgendwann mal wieder denkt und spontan in mir eine Reaktion auslösen kann..

Ich bin deshalb überaus dankbar, dass es inzwischen die Möglichkeit einer Sperre und die gesetzliche Pflicht der Kontrolle gibt.
Wenn ich das nicht nutzen würde oder nicht nutzen wollen würde...wäre es Leichtsinn und ein Hintertürchen...

lg Karo

Titel: Re: Was fühlst / fühltest du beim Spielen ?
Beitrag von: Jacky1 am 27.07.2023 23:52:53
Hallo,

bis jetzt hat noch keiner hier geschrieben was er fühlte beim spielen.
Es wurde umschrieben und welche Gefühle ja eh immer stetig da waren...davor oder danach.

Türe auf:
Beim Spielen fühlte ich mich frei, es gab mir die Möglichkeit eben nichts alltägliches fühlen zu müssen.
Ich war konzentriert auf die Walzen, Karten oder sonstiges.
In dieser mir selbst erschaffenen Scheinwelt war wenig Platz für andere Dinge.
Das Spielen hat mir oft geholfen in meiner Traurigkeit und die Nebenwirkungen waren mir dabei egal.
Diese psychische Droge konnte ich am besten mit dem Glücksspiel umsetzen.
Es hat mich oft gerettet, wenn auch nur in meiner Einbildung.
Ich habe nicht gespielt weil ich Spielkrank sein musste...ich wollte es auch und nahm es an.
So habe ich damals diesen Weg gewählt....ohne es so zu wollen wie es dann kam.
Fast würde ich schreiben dass ich manchmal glücklich war beim Spielen.
Dieses Glück suchte ich dann immer wieder.... Türe zu.

Der erbärmliche Rest war voll mit intensiven Gefühlen aller Art.
Ich befürchte wenn ich mal wieder spielen gehe ...bin ich wieder auf verzweifelter Suche nach jenem imaginären Glücksgefühl.
Welches egal ob gewonnen oder verloren...nur hinter dieser Türe einen Bestand hat.
Empfunden ....als wenn fast gar nichts zu fühlen ein Glücksgefühl wäre....
Wahrscheinlich kann man es sogar nur umschreiben...weil greifbar war es nie.
Man wäre auch niemals frei auf einer Flucht. 
Nur das Gehirn gefickt!

Liebe Grüße

 
Titel: Re: Was fühlst / fühltest du beim Spielen ?
Beitrag von: Fred am 28.07.2023 09:38:09
bis jetzt hat noch keiner hier geschrieben was er fühlte beim spielen.

Ich denke schon, dass das jeder auf seine Weise geschildert hat.
Ich könnte das nur pauschalisert darstellen, weil es sonst viel zu viel wäre.
Natürlich ist vor/beim/nach dem Spielen die gesamte Bandbreite menschlicher Gefühler vorhanden.

Selbst während des Spieles gab es ja nach Wahrnehmung / Zustand eine Bandbreite
zwischen großer Euphorie, Hoffnung, Traurigkeit, Verzweiflung und und letztlich völliger Verzweiflung.
Wut war nie dabei wenn ich jetzt so drüber nachdenke.

Überwiegend fühlte ich mich jedoch in einer rosa Seifenblase.

Die Gefühle kann ich heute nicht mehr reproduzieren. Also nicht wirklich (nach)empfinden wenn ich daran denke.
Bis auf die "völlige Verzweiflung" :-) Das steckt so tief in mir drin. Keine Ahnung warum das so abrufbar für mich ist.
Muss grad drüber lachen ... es genügt mir die Situation vorzustellen um diese Verzweiflung von damals zu reproduzieren.

Gott war das eine scheiß Zeit !!!
Titel: Re: Was fühlst / fühltest du beim Spielen ?
Beitrag von: Benji1345 am 02.06.2025 09:38:33
Moin, etwas spät aber hier mal mein Empfinden vor/beim Spiel:

Da ich immer Online tätig war, vorher wie ein aufgeführtes Theater im Kopf, ein disskutales Geplänkel, bei dem immer der Part gewann, der für das Spiel sprach.

Dann wie auf AutoPilot meinen Photo-Tan Generator geholt. Mit Erregung, manchmal freudiger manchmal auch einfach nur erregt.
Eine Klarheit, Fokus und Energie kam auf.
Meist auch Nervosität.
Beim Spielen auch starke Gefühlszustände zwischen Angst, Wut, Unwille, selten auch Erleichterung wenn der tägliche Schaden begrenzt wurde.
Je länger das Spiel dauerte desto weniger Lust hatte ich darauf, bis ich entweder kein Geld hatte und ich es quasi schon vorher entschieden hatte, heute pleite zu gehen und dann regelrecht froh darüber war, wenn das Geld weg war. In der Zwischenzeit war es eine gewisse Qual noch bis zum Ende durchzuhalten, weil ich dann ( für den Tag) endlich aufhören konnte.
Wenn ich für den Moment im positiven abgeschlossen hatte, war es deutlich anstrengender, dann kam ich nie zur Ruhe, rechnete immer wieder nach wie viel "ich jetzt gewonnen" hatte. Wie viel Zeit ich dafür aufgewendet hatte, usw. . Und am Ende war es dann in ein paar Tagen später doch wieder weg.

Alles in allem, kein angenehmes Erlebnis. Immer zu starke Gefühle, sodass es immer sehr anstrengend und zehrend war.
Titel: Re: Was fühlst / fühltest du beim Spielen ?
Beitrag von: Jacky1 am 03.06.2025 21:47:40
Hallo,

wir schreiben alle ins gleiche Buch der süchtigen Spieler. 

Spielen allgemein wirkt sich wohltuend auf die Psyche aus.
Endorphine dabei freizusetzen ist im Grunde etwas positives, was das körperliche und geistige Befinden anhebt.
Dabei auch noch die Möglichkeit Geld gewinnen zu können das I Tüpfelchen.
Vielleicht war unsere Flucht dahin auch einfach der bequemste Weg um uns zu ertragen.
Wir bekamen dort ja auch etwas ...und es richtete uns fast zu Grunde.
Aus meinem nun zeitlichen Abstand kann ich nur schreiben, ich nahm meine Sucht lange Zeit gierig an.
Ich freute mich auch über jeden größeren Gewinn, jeder nahm mir vorübergehend eine kleine Last.
Und nichts anderes wollte ich damals!

Alles andere steht ja eh schon in unserem Buch.

Liebe Grüße 
Titel: Re: Was fühlst / fühltest du beim Spielen ?
Beitrag von: Wirbelwind am 04.06.2025 10:14:56
Ich war wie eine Maschine, Maschinen fühlen nicht. Die führen aus.

Genau SO erging es mir wenn ich mein Browsergame anmachte.
Ich klickte rum, sammelte ein, baute Männchen, gab Truppen in Produktion und und und...

Dann kam die Dunkelheit, ich wurde unruhig "hatte nichts mehr zu tun", EIN KLICK und schwupps kann man sachen kaufen, wieder etwas ablenkung, noch eine halbe Stunde die ich nicht ins bett muss...

Für MICH gerade in letzter Zeit wieder eine Erkenntniss die ich bewusst hinterleuchtet habe, Dunkelheit, spät abends, was macht es mit mir...

ICH WEIß das das Traumatisch bedingt ist da bei uns früher viel nachts passiert ist - also schaltete ich Abends das LICHT ein damit ich hier nicht im Dunkeln sitze und wie von selbst viel es mir immer leichter das Spiel aus zu machen bis hin zur Löschung...

Ich erinnere mich wie ich früher Need for Speed spielte, wie im Rausch, nichts hören, "meinetwegen" nichts fühlen (EDIT: es war/ist die Angst, ein Gefühl !!!eher bezugnehmend auf die Dunkelheit), kam mir gerade beim nachlesen), VOLLER Fokus auf die Straße, die Lichter, links, rechts, zack zack zack...

Aufbauspiele, Sim city, Perfektion, Optimierung, Dinge weit hinter der Sucht warum es mir ebend schwer fällt die Sucht als kranhaft oder ebend als Sucht zu akzeptieren. Für mich über die letzten Jahren betrachtet ist es schon ein RIESEN schritt überhaupt "akzeptanz" und solche Dinge zu schreiben,...