Nach unten Skip to main content

Neueste Beiträge

81
Angehörige / Re: Schockstarre
« Zuletzt von Neukäfer am 25.06.2024 07:52:46 »
Aus der Erfahrung mit meiner Mutter heraus weiß ich, dass diese Gespräche nicht so ablaufen werden. Sie ist nicht der Typ dazu. Sie wird sich Sorgen um mich machen, um sich, um das Geld, und sie wird sich sogar Sorgen um meinen Mann machen! Sie wird nicht in der Lage sein, mir irgendwie gut zuzureden. Es werden keine Gespräche werden, die einem irgendwie guttun. Die Gespräche werden kraftraubend und traurig sein, weil meine Mutter eher der Typ ist, der hadert. Wenn ich beispielsweise eine Erkältung habe, ruft sie jeden Tag an und fragt mit weinerlicher Stimme, wie es mir geht. Ich mache ihr keinen Vorwurf - sie meint es nur gut, aber mir hilft das null, ganz im Gegenteil.

Zu deinen anderen Empfehlungen, Jacky: Du hast mit allem recht. Stundenweise gelingt mir das. Habe ich schon ein Ziel in Angriff genommen? Ja. Derzeit versuche ich, meine finanzielle Lage so weit in Ordnung zu bringen, dass ich die nächsten Monate zumindest irgendwie meine Lebenshaltungskosten bestreiten kann. Da ich selbständig bin, ist das mit der Planung so eine Sache. Wenn der Plan nicht aufgeht, muss ich erneut Aktien mit Verlust verkaufen.
82
Spieler / Re: Dago
« Zuletzt von Andre12 am 25.06.2024 06:50:48 »
Moin Niko,

Zeit ist ein Faktor, das stimmt, aber ist immer mit tun verbunden, sonst bringt das nichts.
Kurz ausgedrückt, kein Geld, kein Spiel, geändert hättest aber nichts, auch wenn Du nicht tradest oder  was immer Du da betrieben hast.

So von mir aus betrachtet suchst Du gerade einen Grund, an dem Du die Verantwortung abschieben kannst.
Was ist los, warum habe ich das gemacht ? ach so ich bin spielsüchtig. Na, dann bin ich krank. Puh Glück gehabt. Ich war es nicht.
Doch, warst Du, denn die Krankheit gehört zu Dir. Du hast eine persönliche Analyse gestartet, um fest zu stellen, dass Du kriminell gehandelt hast ?
Jupp, ist klar.

Hey, das ist jetzt nicht bös gemeint, Du steckst in Deinem Sumpf, in Deinen gedanklichen Kreislauf fest, der Dich in erster Linie, meist über Umwege, wieder ins Spiel führt. Jetzt einen großen Gewinn, dann zahle ich alles zurück und dann ist alles gut, waren oft meine Gedanken. Nö, ist es nicht, wäre es nicht.

Spielsucht hin oder her. Das Geld ist weg, würde auch nichts ändern, wenn bei Deiner "persönlichen  Analyse" was anderes rauskommen würde.
Niko, komm schon.

Ich würde mir 2 Aspekte anschauen, alles um die Sucht, Deine Trigger, Deine Lügen
und genau, wie Du auch schon schriebst, Dich selbst.

Heute hast Du einen Beratungstermin, gestern in einer Gesprächsrunde ( keine Ahnung, was für eine Runde das war) immerhin.
Denke an Deinen ersten Satz : Zeit und Geduld, das bedeutet immer wieder hin da. Hole Dir Input, reflektiere.

Ich kann immer nur wieder sagen, ohne die Sucht zu verstehen und ohne mich selbst zu begreifen, wäre ich nie vom Spiel los gekommen.
Das Spiel hat mich 30 Jahre begleitet,mich selbst habe ich noch ein paar Jahre mehr aushalten müssen, was ohne Spiel auch nicht gut geklappt hatte.

Also bleib dran und nimm allen Input von außen den Du bekommen hast.

Eins noch, hinterfrage Dich, warum Du was machst, warum Du was sagst. z.B. Hier berichten um jemanden zu überzeugen oder hier berichten, weil Du was ändern willst, für Dich ?  Dinge tun, um von anderen was zu bekommen macht keinen Sinn. Mache alles für Dich. Der Rest kommt dann von alleine. Automatisch bist Du authentisch, ehrlich.


Hast Du Geld verzockt ? : Ja. Hast Du fremdes Geld  verzockt ? :Ja   
So und nun tue alles, damit das nie wieder vor kommt.

Lieben Gruß

André
83
Spieler / Re: Dago
« Zuletzt von Dago am 24.06.2024 23:58:55 »
Hallo TAL

danke für deine Worte.
ich denke mir auch, dass Zeit und Geduld ein ganz wesentlicher Faktor zur "Besserung" oder "Genesung" sein wird.
ich denke weiterhin, das Druck, so wie Maikäfer ihn indirekt hier aufgebaut hat, nicht unbedingt fördernd sein kann.
das Messer auf der Brust zu spüren kann ja manchmal ganz gut sein, doch wenn es sich um eine Krankheit handelt, was ich jetzt rausfinden will, dann kann ein Messer in meinen Augen sehr großen Schaden anrichten.
bei meinen ersten Überlegungen nachdem das alles passiert ist und die Vorgehensweise muss ich dir recht geben, das war in meiner persönlichen Analyse absolut kriminell und nicht entschuldbar.
ok, vielleicht ein erster Schritt in die richtige Richtung das man sieht was man angerichtet hat ...
aber, es stellt sich immer noch die Frage, warum ...?
und ja, da komme ich dann tatsächlich zu der Überlegung, was ist passiert in meinem Leben, dass es überhaupt so so etwas kam!
danke für deine Worte, dass ich hier immer schreiben kann, werde ich tun und werde berichten wie es weitergeht.
war im übrigen heute Abend in einer anonymen Gesprächsrunde für Spieler, tat richtig gut das ganze auch mal verbal loszuwerden.

euch allen noch einen schönen Abend.
lieben Gruiß Niko
84
Angehörige / Re: Schockstarre
« Zuletzt von Jacky1 am 24.06.2024 23:18:24 »
Hallo Neukäfer,

Die Zeit danach, wenn es meine Mutter erfahren hat, wird vermutlich die schwerste für mich werden, da ich ja selbst kaum Kraft habe, von mir aber natürlich erwartet wird, dass ich für sie Kraft aufbringe, und außerdem wird sie täglich von mir wissen wollen, wie es mir geht, und ich kann ihr nicht jeden Tag etwas vorheulen, sonst macht sie sich noch mehr Sorgen. Vor dieser Zeit habe ich Angst.

Der falsche Ansatz, weil...
Ihr werdet gegenseitig berichten wie es euch geht und spüren wie schön es ist dass ihr euch habt.
Finde einen Ruhepol, nichts kannst du erzwingen. Vieles könnte wieder gut werden ..aber nur wenn du gesund bleibst.
Ordne dein Leben, deine Finanzen und hänge nicht zu lange in dieser emotionalen Fessel.
Finde Wege nach vorne, ändere halt alles ...wenn es so eh nicht weiter geht.
Und dann fängst du an, Schritt für Schritt ....da hinten ist nichts mehr, dieser Zug ist schon lange abgefahren.
Gibt es schon irgendein Ziel dass du in Angriff genommen hast ?

       
85
Angehörige / Re: Schockstarre
« Zuletzt von Neukäfer am 24.06.2024 23:02:16 »
Vor allem dein letzter Absatz war Balsam für meine Seele. Man spürt die Ernsthaftigkeit dahinter. Danke schön.

Die Zeit danach, wenn es meine Mutter erfahren hat, wird vermutlich die schwerste für mich werden, da ich ja selbst kaum Kraft habe, von mir aber natürlich erwartet wird, dass ich für sie Kraft aufbringe, und außerdem wird sie täglich von mir wissen wollen, wie es mir geht, und ich kann ihr nicht jeden Tag etwas vorheulen, sonst macht sie sich noch mehr Sorgen. Vor dieser Zeit habe ich Angst.
86
Angehörige / Re: Schockstarre
« Zuletzt von Jacky1 am 24.06.2024 22:23:21 »
Hallo Neukäfer und Willkommen zurück,

es ist nun nicht wichtig dass du deinen Beitrag auch an anderer Stelle schon geschrieben hast,
die folgenden Antworten werden sich event. auch wenig unterscheiden im Inhalt.
Du schreibst über deine Sorgen und Ängste und erhoffst natürlich auch Zuspruch und Hilfestellung.
Es hat schon sein Gutes dass du dir dies alles einmal von der Seele schreibst und es ist zweifellos
eine sehr große Belastung für dich.

Du bist der Mittelpunkt dabei und es geht um das Wohl deiner Mutter.
Sie hat es sicherlich verdient die Wahrheit zu erfahren und nicht weiterhin hintergangen zu werden.
Auch sollte sie ihr Geld wiederbekommen, doch am aller aller wichtigsten ist es ihren gesundheitlichen Zustand
nicht zu belasten. Gerade nach ihren Erlebnissen und sie braucht nun mehr als alles andere Fürsorge.
Jene steht in all eurer Verantwortung als Familie da zu sein.
Neukäfer, du hast viele offene Baustellen und es gibt einiges zu bewältigen für dich.
Versuche ...versucht alle so für deine Mama da zu sein, dass sie eine innere Ruhe bekommen kann und nie im Gefühl alleine zu sein.
Schlimme Dinge sind geschehen und nicht mehr rückgängig zu machen, es ist nicht die Zeit für Vorwürfe.
Es ist die Zeit zusammen zu halten,für jeden der es kann und aus Liebe zu deiner Mutter.

Du wirst nun viel Kraft benötigen und brauchst doch so dringend Frieden.
Ich kann dir nur anbieten dich hier zu begleiten aus der Ferne, Anlaufstellen nahelegen und dir immer antworten.
Du sollst nicht weiter einbrechen und es so schwer haben.
Gebe nicht auf und achte auf deine eigene Belastungsgrenze, vergangenes scheint im Rückspiegel des Lebens oft viel näher, als es in Wirklichkeit auch ist.

Liebe Grüße     

 
               
         

     
87
Allgemeines / Olli
« Zuletzt von Jacky1 am 24.06.2024 20:27:58 »
Hallo,

ich möchte kurz mitteilen dass der Account von Olli gelöscht wurde.
Aus vielerlei Sicht kam ich zu diesem Entschluss und ausdrücklich war dies mein Bestreben.      .
Es passt leider nicht mehr und führte zu Störungen in unserer Ordnung.

Liebe Grüße   
88
Angehörige / Schockstarre
« Zuletzt von Neukäfer am 24.06.2024 20:11:37 »
Mein Mann und ich haben uns vor zweieinhalb Jahren kennengelernt und sind seit eineinhalb Jahren verheiratet.

Am 12.6. telefonierte ich, wie so häufig, mit meiner Mama. Sie ist 86 und lebt seit einem halbherzigen Suizidversuch (Verlust des Ehemannes, Einsamkeit, menschliche Enttäuschung durch meine Schwester) in einem Seniorenheim. Sie ist psychisch immer noch labil. Ich habe eine Generalvollmacht. Im Verlauf des Telefonats sagte sie: „Ach, übrigens, dein Mann hat mich vor ein paar Tagen angerufen und gefragt, ob er sich 1.000 Euro von mir leihen kann – es soll wohl eine Überraschung für dich werden. Das ist doch okay, oder?“ Sie liebt meinen Mann über alles und sagt immer wieder, wie froh sie sei, dass ich ihn gefunden hätte und dass sie sich nun keine Sorgen mehr um mich machen müsse. Grundgütiger …

Ob der Vergangenheit (dazu komme ich später) lief es mir heiß und kalt den Rücken hinunter. Ich beruhigte meine Mama und versuchte, das Gespräch so schnell wie möglich zu beenden. Dann kontaktierte ich meinen Mann und fragte ihn, ob das stimmte. Nach und nach (ich musste ihm wieder einmal alles einzeln aus der Nase ziehen), stellte sich heraus, dass er gerade bei der Polizei war, um Anzeige zu erstatten und auch sich selbst anzuzeigen. Weiter stellte sich heraus, dass er im Verlauf von zwei Tagen insgesamt knapp 50.000 Euro vom Konto meiner Mutter (er verfügte über Zugang zu ihrem Konto, da er bisher derjenige war, der alle Bankgeschäfte erledigt hat) abgezogen hatte. Das Geld hatte er an Online-Betrüger überwiesen, die es tatsächlich geschafft hatten, ihm weiszumachen, dass er durch diese Zahlungen das Doppelte zurückerhalten würde. Da wurde mir klar, dass mit meinem Mann etwas überhaupt nicht stimmt. Wer, um Gottes Willen, ist denn so bescheuert, dass er so etwas glaubt?

Wenn ich alleine das lese, was ich bisher geschrieben habe, wird mir schlecht. Genau genommen noch schlechter, denn mir ist seit letzter Woche dauerschlecht.

Jetzt muss ich das Ganze wohl mal irgendwie aufdröseln.

Zum Zeitpunkt unseres Kennenlernens verfügte ich über ausreichend Geld aus einem Hausverkauf. Er hingegen verfügte über kein nennenswertes Geld. Aufgrund seines ungewöhnlichen Namens fand ich schnell heraus (das war praktisch am ersten Tag), dass er einmal in eine kriminelle Geschichte verwickelt gewesen war und konfrontierte ihn damit. Er erklärte mir sofort die Hintergründe (und zeigte mir später auch das Original-Gerichtsurteil), und es stellte sich heraus, dass er selbst juristisch gesehen tatsächlich NICHT kriminell gewesen war. Auch seine Kinder bestätigten mir dies später. Aufgrund dieser Geschichte hatte er über zwei Jahre in Untersuchungshaft gesessen. Er hatte es damals geschafft, ein Revisionsurteil zu erhalten und hätte damit das Recht auf ein neues Verfahren gehabt. Da dies aber erneut eine lange Zeit in Untersuchungshaft bedeutet hätte (er hatte draußen Frau und drei Kinder, die natürlich sehr litten), entschied er sich, das erste Urteil zu akzeptieren, und da er mit der Untersuchungshaft die ihm auferlegte Zeit bereits abgesessen hatte, kam er sofort frei. Dadurch, dass er das Urteil akzeptiert hatte (und durch andere Vorfälle aus der Vergangenheit, an die ich mich nicht mehr im Detail erinnern kann – es sind einfach sehr viele Geschichten), saß er nun auf einem recht großen Schuldenberg – wohl um die 80.000 Euro. Daraufhin entschloss er sich, in die Privatinsolvenz zu gehen. Nach der Entlassung nahm er einen Job als Fahrer an. Offenbar hatten seine Frau und er sich inzwischen auseinandergelebt, und vielleicht auch durch das ständige Auf und Ab und den Stress im gemeinsam Leben erkrankte seine Frau an Krebs und sie trennte sich von ihm. Im Jahr 2020 starb sie.

Ende 2021 kamen wir also zusammen. In den ersten sechs Monaten war ich so glücklich wie noch nie in meinem Leben, aber heute gelingt es mir nicht einmal, mich an dieses Gefühl zu erinnern. Und irgendwie will ich es auch gar nicht, denn kommt mir alles wie eine Lüge vor. Vielleicht schreibe ich dazu später etwas.

Ich wusste also von Anfang an, wo ich finanziell mit ihm stand, aber es hat mir noch nie etwas ausgemacht, mich in einen „armen“ Mann zu verlieben. Geld ist doch nicht das Wichtigste! Heute sehe ich das etwas anders. Und auch, wenn es kaltherzig rüberkommen mag und vielleicht nicht immer zutrifft: Jemand, der finanziell abgesichert ist, steht eher mit beiden Beinen fest im Leben und ist eher ein guter Partner als jemand, der es nicht geschafft hat, finanziell abgesichert zu sein.

Was mir allerdings bereits damals etwas seltsam vorkam, war seine offensichtliche Risikobereitschaft, wenn es um Geschäfte ging. Ich hatte den Eindruck, dass er Risiken nicht ernsthaft in Betracht zieht. Trotzdem erzählte er mir immer, welch ein erfahrener Geschäftsmann er sei, und da er aus einer völlig anderen Branche kommt als ich, habe ich es geglaubt.

Später erfuhr ihr (ich glaube, er hatte sich verplappert und ich fragte nach), dass er in jungen Jahren bereits einmal verurteilt worden war und seine Zeit als Freigänger „abgesessen“ hatte. Damals war er zum Geschäftsführer ernannt worden, weil der eigentliche Firmeninhaber aufgrund seiner Insolvenz dies nicht durfte. Der eigentliche Firmeninhaber hat dann ohne sein Wissen Gelder veruntreut, ist danach ins Ausland geflohen, und mein Partner wurde an seiner Stelle „verknackt“. Völlig zu Recht, wie ich finde, denn wer einen Geschäftsführerposten annimmt und nicht prüft, was in der Firma abläuft, muss halt mit den Konsequenzen leben. Antwort auf meine Frage, weshalb er mir diese Geschichte nicht gleich am Anfang erzählt hatte: Aus Scham.

Ich muss den Rest abkürzen oder später nachschieben, sonst sprenge ich das Forum.

In der glücklichen ersten Zeit entwickelten wir beide eine wirklich geniale Geschäftsidee. Ich stehe heute noch hundertprozentig hinter dieser Idee. Um sie zu finanzieren, steckte ich einen großen Teil meines Geldes hinein. Da er selbst finanziell nichts beitragen konnte, schlug er mir vor, seinen Beitrag zu leisten, indem er Börsengeschäfte / Daytrading betreibt, von dem er sagte, dass er viel Erfahrung damit hätte. Nach einigem Hin und Her und vielen Erklärungen, die ich forderte, stimmte ich zu. Mir war das Risiko bei solchen Geschäften bewusst, deshalb machte ich auch keinen Terror, wenn es neben Gewinnen auch mal Verluste gab.

Dann kam der erste Schock. Eines Abends bat er mich, da er an der Börse gerade eine tolle Chance sehe, noch einmal 200 Euro nachschießen zu dürfen. Ich gab ihm die Erlaubnis. Am nächsten Tag stellte ich fest, dass er am Abend zuvor ZWEIMAL 200 Euro nachgeschossen hatte. Ich stellte ihn zur Rede und er antwortete, dass er geglaubt hätte, noch nicht überwiesen zu haben, deshalb hätte er „aus Versehen“ ein zweites Mal überwiesen. Für wie blöd hält der mich eigentlich?

Die Börsen-/Daytrading-Geschäfte liefen mal besser, mal schlechter, aber letzten Endes machte er dort nur Verlust. Was auch sonst. Dennoch schaffte er es immer wieder, mich davon zu überzeugen, dass er JETZT ENDLICH die richtige Investitionsstrategie gefunden habe und deshalb noch einmal Geld brauche. An dieser Stelle mache ich mir die allergrößten Vorwürfe.

Das Ganze gipfelte zunächst darin, dass er (er hatte immer noch Zugänge zu allen Konten) sich mehrfach ungefragt von meinem Konto Geld „lieh“, weil er „eine tolle Chance“ gesehen und entweder „keine Zeit“ gehabt hatte, um mich zu fragen, oder weil er mir „eine Überraschung“ bereiten wollte. Manchmal war das Geld dann komplett weg (bspw. durch Knock-out-Zertifikate), manchmal konnte er etwas davon retten. Nur einmal haben wir wirklich gute Gewinne und praktisch keine Verluste gemacht: als wir gemeinsam vor dem Computer saßen. Da sind wir tatsächlich rechtzeitig rein und wieder raus. War aber, wie mir erst sehr viel später bewusst wurde, reines Glück.

Wenn ich den kompletten finanziellen Schaden zusammenrechne, fehlt nicht viel bis 100.000 Euro.

Man kann sich vorstellen, dass es in diesen Situationen zu sehr heftigen Diskussionen kam, und nicht nur einmal habe ich ihm voller Wut, Enttäuschung und Verzweiflung meinen Ehering an den Kopf geworfen. Ich mache mir die allergrößten Vorwürfe, dass ich es damals nicht durchgezogen habe, denn:

Jetzt ist nicht nur meine finanzielle Zukunft in Gefahr, sondern tatsächlich auch das Leben meiner Mutter.

Er muss und will es meiner Mutter beichten. Wie und wann er es vorhat, weiß ich noch nicht. Es wird ein Psychologe dabei sein, und meines Erachtens sollte auch das eine oder andere Familienmitglied zugegen sein, um sie zu stützen, und ich habe vor, ihren Hausarzt einzubinden. Aber ganz egal, wie gut so etwas vorbereitet wird: Ich sehe mich der ganz realen Gefahr ausgesetzt, dass meine Mutter diese Schocknachricht nicht überwindet. So sieht’s aus.

Mein Fazit: „Absoluter Realitätsverlust.“ Nicht nur in Geldangelegenheiten. Darüber schreibe ich vielleicht beim nächsten Mal.

Was ich jetzt bräuchte?

Erstens: Zuwendung. Es gibt drei Freundinnen (zwei davon im Ausland), die mich so gut unterstützen, wie sie können. Das war’s aber schon. Meine eigene Familie weiß es noch nicht, also kann die mir nicht helfen. Die Kinder meines Mannes stehen hinter ihrem Papa und interessieren sich für meine Lage null. Und das, obwohl sie mir immer alle versicherten, ich gehöre „zur Familie“. Autsch, aua, autsch.

Zweitens: Erholung. Die kann ich mir gar nicht leisten, da im Moment viel Organisatorisches erledigt werden muss, darüber hinaus muss ich Geld verdienen (ich bin selbständig). Also keine Erholung. Auch kein erholsamer Schlaf, nada.

Drittens: Die Lösung verschiedener praktischer Probleme. Muss ich alles alleine machen, trotz nicht ausreichender Zuwendung, trotz fehlender Erholung, trotz fehlender finanzieller Mittel.

Viertens: Einen Ehemann, der sich seinem Selbst stellt und auch seiner ganz praktischen Verantwortung. Wir hatten in den vergangenen Tagen zu verschiedenen Dingen Kontakt, aber es ist wie immer. Bis ich ihn beispielsweise dazu gebracht hatte, zu versprechen, diesen ganzen Mist meinen beiden Tanten zu erzählen, die eng mit meiner Mama verbunden sind, statt diese schwere Aufgabe mir, der Geschädigten, aufzubürden, vergingen einige heftige E-Mails. Es gibt noch andere aktuelle Problem und Aufgaben, für die er keine Verantwortung übernehmen will oder wo er mich wieder einmal vertröstet.

Seine Lügen gehen übrigens weiter. Ich fragte ihn heute, ob er den Polizisten erreicht hätte, um den Termin bei meiner Mama abzustimmen. Er sagte, er hätte ihn noch nicht erreicht. Ich rief dann selbst dort an und erfuhr: Der Polizist ist drei Wochen in Urlaub.

So, jetzt habe ich mich ausgekotzt. Aber Vorsicht, in mir steckt noch mehr von dem Zeug.
89
Sternstunden / Re: Erfolgstabelle
« Zuletzt von medea888 am 24.06.2024 08:36:59 »
Spielfrei
NameAbstinent seitTage
________________________________________
Andre12 02.03.20201575
Medea 23.12.20191645
Jacky 15.08.20162870
Fred15.08.20153236
amTiefpunkt10.10.20124275
Olli 01.07.20066568

Details zur Tabelle


Rauchfrei
NameNichraucher seitTage
________________________________________
Olli 10.10.2021988
Fred 23.12.20153106
amTiefpunkt 26.02.20018519
Erstellt: 24.06.2024 00:00:58
90
Spieler / Re: Dago
« Zuletzt von TAL am 23.06.2024 20:30:21 »
Hallo Dago,

Empathie würde ich es nicht nennen, Verständnis habe ich aber auf jeden Fall. Auch für deine scheinbar unmögliche Lage.
Einer der wichtigsten Faktoren auf dem Weg 'da raus' sind Zeit und Geduld. Und die Fähigkeit, objektiv und rein sachlich zurückzublicken. Daran hapert es denn doch mal gelegentlich. Denn wer länger abstinent ist, neigt gelegentlich dazu, Andere 'mit der Brechstange wachrütteln' zu wollen - weil es im Nachhinein betrachtet hat alles so klar ist ("Wie konnte ich nur?"). Zumindest mir persönlich ist es manchmal auch schlichtweg zu anstrengend, mit der Sucht zu diskutieren (egal, ob meine eigene, oder die eines Anderen). Ich entscheide mich dann, das nicht zu tun, statt eine entsprechende Antwort zu geben. Zumindest im Idealfall. Gelingt mir leider auch nicht immer.

Aber... Ich gehöre auch zu denen, die kriminell geworden sind. Der einzige Unterschied ist, daß ich nie erwischt wurde. Doch nur, weil das lange her ist, heißt das noch lange nicht, daß es nie passiert ist. Das sollte ich nie vergessen. Auch, oder besonders dann nicht, wenn ich hier schreibe.
Wie so viele andere Dinge, die Menschen hier berichten - ich war einmal nicht viel anders. Es geht auch hauptsächlich um die 'Kopfsache', und da war ich weder 'schlimmer', noch 'besser'.

Und ich hatte auch nicht plötzlich mit einem 'Fingerschnippen' Klarheit.

Mit dem Anklicken irgendwelcher Kästchen ist einem auch nicht geholfen, zudem ist das auch nicht nötig, denn ich denke, Dago ist inzwischen auch klar, was für ein 'Problem' er hat.
Mir ist es auch völlig egal, wie das heißt, und in welche Schubladen irgendwelche 'Fachleute' mich stecken. Der Schlüssel wird mit der Zeit angepaßt und verfeinert, da es nunmal so etwas wie einen 'einheitlichen Konsens', eine gemeinsame Sprache, unter Fachleuten braucht. Das ändert für den Betroffenen aber nichts.
Von daher... wenn wir uns schonmal auf die theoretische (um das Wort 'klugscheißerisch' zu vermeiden) Ebene begeben - im ICD-10 lief 'es' noch unter 'Abnorme Gewohnheiten und Störungen der Impulskontrolle'. Dennoch bezweifle ich stark, daß sich das Krankheitsbild (und auch die 'Herangehensweise') für die Betroffenen in den letzten Jahren irgendwie plötzlich verändert hat.

Ich dachte übrigens auch sehr lange, spielsüchtig seien Andere, doch ganz sicher nicht ich. Der Gedanke kam mir gar nicht. Für mich ist es bloß ein 'Hobby'. Andere sammeln halt Briefmarken. So abwegig ist es also nicht, daß du das bisher nicht so gesehen hast (oder einfach nicht sehen wolltest, wie du vielleicht später einmal feststellen könntest).
Entscheidend ist doch viel mehr, was du jetzt tust, nachdem die Einsicht da ist. Was du daraus machst, nun 'mit dem Rücken an der Wand zu stehen'. Damit das nie wieder vorkommt.

Also ja, es stimmt, du hast noch nicht viel 'begriffen', wie meine Vorredner sagen. Das wird auch nicht leicht werden. Aber jeder muß irgendwo anfangen - und genau darum geht es doch.

Von daher... du kannst immer schreiben, wenn du etwas wissen willst oder so. Die Gemüter hier werden sich erfahrungsgemäß schon wieder beruhigen.

Das wollte ich nur nochmal sagen, weil der eigentliche Inhalt des Threads hier gerade irgendwie 'auf der Strecke bleibt'. Dieses Hin und Her hier ist ziemlich befremdlich.
Nach oben