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Angehörige / Re: Schockstarre
« Zuletzt von Neukäfer am 10.07.2024 09:48:30 »
Heute ist der 29. Tag nach der ersten Schockstarre. Es ist alles immer noch sehr schlimm, aber das eine oder andere ist ein bisschen besser geworden. Ich habe es beispielsweise geschafft, mehr auf meine Gesundheit zu achten. Jedenfalls ein bisschen. Es ist schwer, diesen Teufelskreis aus Gefühlen, sinnlos kreisenden Gedanken und Ängsten zu durchbrechen. Gelingt mir auch immer nur für kurze Zeit.

Mein Mann hatte ja versprochen, es meinen beiden Tanten zu erzählen. Das hatte er immer wieder mit verschiedenen Erklärungen hinausgezögert ("Ich bin grad nicht gut drauf", "Ich mache das schon noch") und dann zum Schluss sein Versprechen gebrochen ("Meine Therapeutin hat mir davon abgeraten", "Nicht ich bin die richtige Person, sondern du"). Ich habe es deshalb einer meiner Tanten heute selbst erzählt. Obwohl ich sie gut kenne und es eigentlich hätte wissen müssen, hatte ich Angst, Vorwürfe zu hören. Aber die kamen nicht. Es stellte sich heraus, dass sie selbst vor langer Zeit einmal 15 Jahre lang mit einem Spielsüchtigen verheiratet war. Ich wusste das zwar, aber ich kannte bis heute nicht viele Details. Diese Details beschreiben das Verhalten meines Mannes auf das i-Tüpfelchen: "Ich habe es nur für uns gemacht." "Ich habe mir das Geld nur kurz geliehen." "Du bist schuld." "Ich werde das nie wieder tun - versprochen!"

Eigentlich bin ich immer noch fassunglos.
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Hallo,

Alles rund um die Sucht zu verstehen. Nicht das Bargeld ist schuld. Nicht die Langeweile, fehlende Aufmerksamkeit und vieles mehr.
Dann iwan erkennst vielleicht mal, dass ich selbst die Ursache bin. Diese Erkenntnis ist doch ein wichtiger Schritt, es ist egal was, wie, wo usw. Ich bin es.
Sich selbst als Ursache zu identifizieren. Das bedarf schon sehr viel Arbeit. Solange ich das nicht verstehe, habe ich immer nur behauptet ich übernehme doch die Verantwortung. ( Das war ein riesengroßer Irrtum)

Dann bekommen wir einen klaren Blick und können das aufarbeiten. Das halte ich persönlich für wichtig, um das Risiko zu vermeiden in eine Suchtverlagerung zu geraten und für eine dauerhafte Abstinenz. Denn nur weil wir die Sucht nicht mehr ausüben, ist ja das was uns dahin trieb nicht weg.

Das gibt mir gerade ein bisschen zu denken, ich konnte für mich nie abschließend die Ursache meiner Sucht klären. Trocken bin ich ja jetzt schon ein paar Jahre, aber stelle mir die Frage ob ich mein damaliges Suchtverhalten anderweitig kompensiere, da muss ich nochmal einen genaueren Blick darauf werfen.

Ich sehe keinen Unterschied was André schrieb und dem was du, ich oder irgendjemand hier im Forum geschrieben hat.
Der einzige Unterschied wäre die Reihenfolge der Herangehensweise.
Was auch immer uns veranlasste zu Spielen, egal was es auch wäre und was wir daraus erhofften oder wussten wie schlecht es wird danach.
Ich bleibe einmal bei den profanen Beispielen, Langeweile und fehlende Aufmerksamkeit.
Man könnte beides ja auffüllen oder erarbeiten dass es nicht mehr so ist und dann ?
Da würde jeder doch versuchen es zu verinnerlichen und auch für sich anzunehmen.      

Die Ursache läge eben in der eigenen Bestimmung - Erkenntnis - Identifikation.
Der Träger bestimmt was er und wie er etwas aufnimmt ...er ist der Schlüssel!
Dahinter steckt der Sinn von : " Ich bin der Herr meiner Seel " " Ich bin meines Glückes Schmied"
Wir Spielsüchtigen mussten halt erheblich mehr Energie dazu aufbringen als andere.
Und zwar in unseren eigenen Köpfen.
   

André: Sternchen  :)
Apa: Nachsitzen   :)

Liebe Grüße
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Hey zusammen,

vielen Dank für die tollen Beiträge, ich habe sie ein paar mal gelesen und darüber nachgedacht.

Mir persönlich war früh klar das die Ursache für mein Handeln ich selbst war und der Gang an den Automaten eine Entscheidung, die ich an vielen Stellen hätte unterbrechen können (Gang zum Auto, zur Bank....).
Es war mir egal, ich wollte es in diesen Momenten, auch mit dem Wissen, das es mir danach schlechter gehen wird.

Wie dem auch sei, jeder Süchtige ist anders und einen universellen Weg aus der Sucht gibt es nicht, daran habt ihr mich erinnert. Danke euch dafür.

Einige starten den Weg in die Abstinenz aus einer extrinsischen, andere aus einer intrinsischen Movtivation, im Endeffekt ist es nicht wichtig. Wichtig ist das man ihn geht, ich glaube das wollte ich eigentlich sagen.

Dann bekommen wir einen klaren Blick und können das aufarbeiten. Das halte ich persönlich für wichtig, um das Risiko zu vermeiden in eine Suchtverlagerung zu geraten und für eine dauerhafte Abstinenz. Denn nur weil wir die Sucht nicht mehr ausüben, ist ja das was uns dahin trieb nicht weg.

Das gibt mir gerade ein bisschen zu denken, ich konnte für mich nie abschließend die Ursache meiner Sucht klären. Trocken bin ich ja jetzt schon ein paar Jahre, aber stelle mir die Frage ob ich mein damaliges Suchtverhalten anderweitig kompensiere, da muss ich nochmal einen genaueren Blick darauf werfen.

LG
Apa

P.S.: Ich wäre gerne detaillierter auf eure Beiträge eingegangen, mir fehlt aktuell die Zeit dafür. Auch vielen Dank für die Erkundigungen über mich, ich krame in den nächsten Tagen mein Tagebuch heraus und gebe euch ein Update  :)
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Hallo,

dann möchte ich aber auch nochmal.  :)

Die gleiche Luft die ich atme, das gleiche Haus indem ich lebe und ich bin der gleiche Mensch der ich immer war.
Zufriedener und nehme einfach Werte bewusst und gerne wahr, die ich früher einfach nur ignorierte.
Es waren viele Gründe warum ich früher spielte und es ist im Grunde nur einer warum ich es nicht mehr mache.
Weil es mir alles raubte was ich nun wahrnehmen darf.      

Selbstwert, Respekt, Akzeptanz, Verantwortung, Zuspruch, Glaube, Achtsamkeit, Stolz, Demut, Dankbarkeit........
Alles "nur" Schlagworte ....im Vergleich was es alles in einem Leben so bedeuten kann! 
Ich habe lange gebraucht bis ich niemanden mehr die Schuld geben musste, alle sind frei zu sprechen.
Aber für mich, konnte ich es nur selbst!

Ansonsten war der heilige Gral für mich nur ein kleiner Plastikbecher mit Münzen.

Liebe Grüße
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Angehörige / Re: Trennung oder letzte Chance?
« Zuletzt von Anna94 am 07.07.2024 18:42:06 »
Hallo zusammen,

vielen Dank an Euch alle!
Eure Worte machen mir sehr viel Mut. Die Angebote zur Unterstützung sind klasse. Vielen Dank dafür!

Auch eine Woche später geht es mir gut. Sehr gut sogar.
Ich "warte" bis heute noch drauf, bis der Schlag auch bei mir ankommt. Aber das tut er nicht.

Die Nachrichten, die er mir seit einer Woche schreibt sind höchst manipulativ, sollen bei mir ein schlechtes Gewissen auslösen und zeigen in vielerlei Hinsicht, dass er bis heute nicht verstanden hat, dass ich mich nicht "entliebt" habe, weil sich der Alltag eingeschlichen hat (oder aus sonstigen Gründen), sondern ihn verlassen habe, ja sogar vor ihm geflohen bin, weil ich mich selbst schützen muss, da er sein und mein Leben zerstört.
All das macht es mir noch einfacher mich von ihm zu lösen.

Vielleicht trifft mich der Schlag, wenn ich wieder daheim bin. (Aktuell bin ich bei einer Freundin für einige Wochen - raus aus der Stadt). Mal sehen...Ich werde mich melden, sobald ich im normalen Alltag angekommen bin.

Liebe Grüße
Anna
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Moin,

ich versuche das nochmal etwas anders zu erklären, wie ich das sehe.

Wir Spieler suchen die Ursachen für das Spiel, können Sie aber nicht finden, weil wir eben u.a. kein klaren Blick auf uns im nassen Zustand bekommen.
Das ist also unser Gedankenkreislauf und ja diese Ursachen sind nicht zwingend wichtig im ersten Stepp. Wir die aber krampfhaft suchen und das kann so nicht gelöst werden. Das geschieht nicht mit Absicht. Das hält mich aber beim Spiel.


Alles rund um die Sucht zu verstehen. Nicht das Bargeld ist schuld. Nicht die Langeweile, fehlende Aufmerksamkeit und vieles mehr.
Dann iwan erkennst vielleicht mal, dass ich selbst die Ursache bin. Diese Erkenntnis ist doch ein wichtiger Schritt, es ist egal was, wie, wo usw. Ich bin es.
Sich selbst als Ursache zu identifizieren. Das bedarf schon sehr viel Arbeit. Solange ich das nicht verstehe, habe ich immer nur behauptet ich übernehme doch die Verantwortung. ( Das war ein riesengroßer Irrtum)

Dann bekommen wir einen klaren Blick und können das aufarbeiten. Das halte ich persönlich für wichtig, um das Risiko zu vermeiden in eine Suchtverlagerung zu geraten und für eine dauerhafte Abstinenz. Denn nur weil wir die Sucht nicht mehr ausüben, ist ja das was uns dahin trieb nicht weg.

Das heißt ich fing zu tief in der Ursachenforschung an, als zu kapieren das ich verantwortlich bin.Ich könnte auch sagen, dass ich mit dem zweiten Schritt anfing, der aber nicht oder nur sehr schwer zu lösen ist, wenn ich nicht den ersten Schritt verstanden habe.
Wenn ich mit dem 2. Schritt anfange, bleibe ich in der Sucht, da ich nicht Schuld bin, denn ich bin nicht die Sucht, ich bin damit beschäftigt alle äußeren Umstände zu finden, warum ich meine Sucht ausübe.

So oder so ähnlich jedenfalls.

Schönen Sonntag

André
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Allgemeines / Re: Spielsucht-Beratung auch hier
« Zuletzt von TAL am 05.07.2024 15:28:55 »
Danke, Marie.
Ja, so kann ich mir etwas darunter vorstellen. Das klingt auf jeden Fall nach einer guten Sache.

Ich stimme Fred da zu, normalerweise kommen hier nur irgendwelche schlecht durchdachten (und noch schlechter recherchierten) Multiple-Choice-Umfragen, deshalb ist es sehr schön, auch mal persönliches Engagement hier zu haben von jemandem, der nicht irgendwie 'betroffen' ist.
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Allgemeines / Re: Spielsucht-Beratung auch hier
« Zuletzt von Marie_LSG am 05.07.2024 12:48:42 »
Hallo Fred,
es freut mich sehr, dass ich hier gut aufgenommen werde und es für euch in Ordnung ist, bzw. ihr euch freut, dass ich mich hier beteilige!
Dass die Welt im Glücksspielbereich so bunt ist, ist auch genau der Grund, warum ich diese Arbeit gerne mache, der Bereich wird meiner Meinung nach insgesamt immer noch zu wenig gesehen.
Ich habe einen rein fachlichen Hintergrund, was Spielsucht angeht und bin selbst nicht in irgendeiner Art betroffen. In der Suchthilfe bin ich seit knapp zehn Jahren tätig und werde versuchen meine Erfahrung hier mit einzubringen.

Viele Grüße!
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Da gab es doch schonmal was von Medea :-)

Meine Meinung von damals ist zu dem Thema immer noch aktuell, daher hier nur ein Link darauf
https://www.spielsucht-soforthilfe.de/index.php?topic=696.msg8989#msg8989
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Sternstunden / Re: Erfolgstabelle
« Zuletzt von Fred am 05.07.2024 12:24:54 »
Spielfrei
NameAbstinent seitTage
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Andre12 02.03.20201586
Medea 23.12.20191656
Jacky 15.08.20162881
Fred15.08.20153247
amTiefpunkt10.10.20124286

Details zur Tabelle


Erstellt: 05.07.2024 00:02:19
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