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Autor Thema: Jürgens Tagebuch

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Jürgens Tagebuch
#240: 25.10.2021 19:55:12
Hallo,

...über Dinge die schon vergangen sind.

Jahrmarkt an dem Ort wo ich aufgewachsen bin, meine ersten 13 Lebensjahre verbrachte.
Nach 40 Jahren einmal wieder dort gewesen und bemerkt, dass die Vergangenheit erst in der Gegenwart zu spüren ist.
Es hat sich nichts verändert in dieser Zeit, das Kettenkarussell, die Autoscooter, Schießbude... der Ballonstand usw.
Total veraltet / antiquarisch voller Patina und verblassten Farben, schon genau so wie in den 70ern.
Diese Losbude mit genau den gleichen Bällen mit einem Gummiband dran, wenn man wohl den kleinsten Gewinn hatte.
Teddybären die sich heutzutage manchmal in den Sperrmüllcontainern des Recyclingcenters  wiederfinden.

Alleine war ich nicht an diesem Ort gestern, sondern mit mir liebestehenden Menschen meines Lebens.
Aber auch ohne sie wäre ich nicht alleine gewesen, ich berührte Dinge zum zweiten male nach vier Jahrzehnten.
Und so habe ich mich immer selbst gespürt, zu surreal?...mitnichten!
Als würde ich mich, "den kleinen Jungen" von damals in meinen Arm nehmen um ihm zu sagen...
"egal was auch alles passiert in den nächsten Jahren, du kommst wieder hierher und dann verstehst Du was ich meine"

So etwas bin ich meist aus dem Weg gegangen und nur in negativen Gefühlen, besuchte ich jene Stadt.
Sie kann ja nichts dafür, dass ich als Einheimischer dort zur Welt kam...mögen tue ich sie dennoch nicht.
Nur diesen Jahrmarkt, Zauberland mit Zuckerwatte.
So konnte ich den "kleinen Jungen" von damals auch nicht mitnehmen, es hat ihm gefallen und er sollte nicht erfahren,
was denn alles die nächsten Jahre so auf ihn zukommt.
Weil dann hätte er eine Gewissheit, dass seine Angst absolut berechtigt wäre.

Rückwirkende Idealisierung.

Zitat:
"Wer vorwärts geht, ohne zurückzuschauen, wird leicht über Hindernisse stolpern, die hinter ihm liegen."
André Brie

Jahrelang bin ich nur in die Zukunft gestolpert, unzählige seelische blaue Flecken erzählen davon.
Und einer von ihnen, ist gerade wieder verheilt.

Liebe Grüße       
         

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Jürgens Tagebuch
#241: 25.10.2021 21:08:31
Hat etwas von höherer Mathematik. Man liest das Kapitel im Mathebuch dreimal. Danach ist man sich immer noch nicht sicher, ob man es richtig erfasst hat oder ob man nur meint, dass man es versteht.
Geht das nur mir so?  ::)

JJ
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Jürgens Tagebuch
#242: 25.10.2021 21:38:58
Hallo JJ,

Hat etwas von höherer Mathematik. Man liest das Kapitel im Mathebuch dreimal. Danach ist man sich immer noch nicht sicher, ob man es richtig erfasst hat oder ob man nur meint, dass man es versteht.

Nur folgende math. Grundregel beachten...
Kommutativgesetz:  Es ist egal in welcher Reihenfolge man zwei Zahlen addiert / multipliziert.
...dann kannst Du Dir auch sicher sein.  :)

Grüß Dich
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Jürgens Tagebuch
#243: 30.10.2021 00:38:29
Hallo,

Ihr kennt es ja, wie es ist schlechte Laune zu haben. Keinen Antrieb und am liebsten möchte man dann seine Ruhe.
Man reagiert gereizt und fühlt sich halt down, es geht einem gerade nicht so gut... kann ja einmal vorkommen.
Oder aufgrund von Erlebnissen die man hinter sich hat ,Enttäuschungen oder Verluste von nahestehenden Menschen oder einfach nur "Weltschmerz". 
Auch Ängste und Sorgen spielen eine sehr große Rolle und führen oft zu andauernd "kränklichen" Belastungen.
Gerade hier unter uns begegnen wir gegenseitig solchen Symptomen, aber natürlich auch in unseren Lebensalttagen. 

Wie erkläre ich meine Erkrankung jemanden der zwar die oben erwähnten Situationen kennt, aber nicht wie es ist wenn diese In einem gewissen Rhythmus
und in einem entgegengesetzten Befinden stattfinden, dies sogar ein Leben lang und ich könnte sogar den Kalender danach stellen.

Im Netz ist natürlich viel zu lesen darüber, auch gibt es etliche Dokus, Erfahrungsberichte, Facharbeiten und Analysen.
Von Dopamin, Noradrenalin oder Serotonin zu schreiben macht für mich jetzt auch keinen wirklichen Sinn.
Was auch immer schief läuft in meinem Kopf, tragen muss ich es eh.
Und ich kann jetzt auch nur von mir berichten, aus meiner bipolaren Welt.

Stellt Euch vor, Ihr denkt dass ein lieber wichtiger Mensch an Eurer Seite sterben wird, was auch zweifellos eines Tages geschieht.
Statt diesen Gedanken aber wieder zu verdrängen, weil es ja gegenwärtig gar kein Thema wäre.
Wird dieser Gedanke immer wiederholt bis er sich fest manifestiert.
Daraus entstehen große Ängste, Traurigkeit bis hin zur Verzweiflung.
Nun aber!
Nehmt Ihr die Ursache des schlimmen Gedankens (Begründung) wieder raus und es bleibt noch das Gefühl.
Und plötzlich kann es auf jede andere Situation, Lebenslage oder Szenario übertragen werden.
Es ist immer da wie ein "Grundgefühl" , wie halt ein traurig schlechter Tag den man einmal hat ...nur halt jeden Tag.

Als würde man an einem düsteren kalten Tag durch dreckiges Brackwasser schwimmen.
Ich wollte dies nicht und muss es dennoch, da ist dann kein Gedanke, dass es ja wieder besser wird.
Unwichtig ob es wieder aufhört, keine Motivation auf ja bald kommende Manie.
In diesen Tagen habe ich vergessen wie es wieder wird oder vorher war.

Genau so wie in den manischen Tagen, das gleiche Brackwasser aber an einem sonnigen Tag und ich düse mit einem Jetski darüber.
Diese Traurigkeit und Angst bleibt da, nur macht sie mir nichts mehr aus und auch da erinnere ich mich nicht, wie es an den düsteren Tagen war oder wird.

Nun aber ist in der jeweiligen Zeit der Leidensdruck oder entgegen die Euphorie unterschiedlich stark ausgeprägt.
Dies ist mit Medikamenten allerdings etwas steuerbar und auch mit Gesprächen/Therapien usw.
So bin ich jetzt  ja auch keine 20 mehr und habe durchaus gelernt mich ein wenig selbst zu steuern.
Es gab aber auch Tage wo nichts mehr ginge, dann weiß ich auch wohin ich mich wenden kann.
Genau an jene Menschen über die ich es auch steuere, meine Familie und beste Freunde.
Ein noch so krankes Hirn lässt sich beugen, wenn Herzen schlagen.

Es ist sehr schwierig über etwas zu schreiben was man selbst empfindet, entweder wird es unverständlich, lächerlich, kitschig  oder als kurios aufgenommen.
Selbst zu erörtern dass man unter dieser Störung leidet ist für Fachpersonal nicht so einfach.
Aber wenn es um die Lebenserwartung geht sind sie sich alle einig, sie scheint nicht so lange zu sein wie bei vielen anderen Menschen.

Was bleibt?
Sehr viel sogar und zwei von diesen Dingen sind... bipolar und spielsüchtig.
Keiner der mich etwas näher kennt wird von beiden etwas erfahren, wenn ich es nicht möchte.
Warum auch ...ausgerechnet seine Krankheiten zu vermitteln .......?
Bei so vielen anderen "gesunden" Dingen.


Es klingt nun etwas komisch, unlogisch oder trotzig - Stolz.
Doch bleibt ein Gefühl immer da, egal ob hell oder dunkel.
Weil ich froh bin...so zu sein.

Liebe Grüße   


     

   
 
 

 

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Jürgens Tagebuch
#244: 30.10.2021 06:48:07
Wie erkläre ich meine Erkrankung jemanden der zwar die oben erwähnten Situationen kennt, aber nicht wie es ist wenn diese In einem gewissen Rhythmus
und in einem entgegengesetzten Befinden stattfinden, dies sogar ein Leben lang und ich könnte sogar den Kalender danach stellen.

Ist dir gut gelungen. Es macht sehr traurig wenn man es sich nur vorstellt.  :-[
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Jürgens Tagebuch
#245: 30.10.2021 08:20:16
Guten morgen Jacky,


ich kann mich da Fred nur anschließen du hast das sehr anschaulich erklärt....


wie du ja weißt bin ich mit dieser Krankheit über meine Mutter  aufgewachsen und lebe heute noch mit ihr und ich wünschte Sie wäre so mutig gewesen sich Ihr zu stellen und zu lernen damit zu leben, denn nur die richtige Dosierung von Seroquel oder ähnlichem, führt leider zu einem noch schlimmeren Leidensweg.


Also sei sei stolz auf Dich, du bist ein sehr mutiger Mensch !!!
Und die Traurigkeit anzunehmen ,zu einem bestimmten Grad, sollten wir alle besser können.


Bis bald lieber Jacky.
Deine Medea
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Wir können den Wind nicht ändern, aber die Segel anders setzen.

Aristoteles
 
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Jürgens Tagebuch
#246: 30.10.2021 08:43:02
Lieber Jacky,

auch von mir vielen Dank für Deine Antworten!!
Du hast es so erklärt, dass man sich auch als Unwissender hineinfühlen kann.

Und ich glaube, das ist es, was mich an diesem Forum so fasziniert: Dass man auf die Frage "Wie geht es Dir?" eben nicht nur dieses standard-"Gut!" geantwortet bekommt. Zu hören, wie es hinter diesem "Gut!" tatsächlich aussieht, ist ja letztendlich das, was zwischenmenschlichen Beziehungen wirkliche Tiefe gibt.

Also ich bewundere Dich, wie Du mit dieser Krankheit umgehst. Und ich glaube, jeder kann von Dir lernen. Mit seinem "Schicksal" eben nicht zu hadern, sondern sich mit ihm auszusöhnen.
Und ALLES anzunehmen, was in uns ist.

Ich wünsche allen hier ein schönes Wochenende.

JJ
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Re: Jürgens Tagebuch
#247: 30.12.2021 01:19:50
Hallo,

mein letzter Tagebucheintrag 2021.
Ist doch egal wie ich es formuliere, neue Worte oder ein anderer Blickwinkel.
Was ich vermitteln möchte für jeden und für mich selbst ja eh.

In einem mir lichten Moment 2018 habe ich es schon einmal hier erwähnt.

Ich will einfach nicht mehr, mich fallen zu lassen und zu Spielen.
Dasitzen und abschalten von allem, mein Leben ist Spiel genug.
Und lasse dabei stützende Menschen nicht mehr los. 
Und wenn es schmerzt ist es gut, denn ich freue mich über meine Spielfreiheit!


Mehr ist das nicht, es ist mehr als ich jemals haben könnte.
Alles andere ist fern von dieser Sucht, es ist nun ein Leben ohne Glücksspiel!
Ich bin ein abstinenter pathologischer Spieler, es ist nur eines von vielen "Merkmalen" bei mir.
Eine schöne Aufgabe, es für immer auch zu bleiben.

Liebe Grüße     

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Re: Jürgens Tagebuch
#248: 12.01.2022 22:50:33
Hallo,

aus immer gegebenem Anlass ... 

Meine Angehörige,
ich habe sie beschützt immer, wie einen unendlich wertvollen Schatz.
Dass sie nicht traurig sein müsste, keine zusätzlichen Sorgen hatte, außer welche die eh niemand vermeiden könnte.
Ihr eine Welt zu ermöglichen ohne finanzielle Not, frei und ungezwungen zu leben.
Mit unseren Freunden gemeinsam tolle Abende zu verbringen, sie zu tragen in einer stetigen Berührung.
Aufzubauen und fördern, ein Überfluss an übermittelnden Selbstwertgefühlen.
Ihr persönlicher Bodyguard, Ehemann,, Liebhaber, Freund und Diener.

Ich habe sie beschützt immer...und zwar vor mir, dem Spieler.

Ich schreibe es lieber gleich, es ist mir nicht gelungen!
Es gab Tage da war diese  (unsere) Selbstverständlichkeit mir nur im Weg, ein Störfaktor.
Es behinderte mich, wenn ich wieder spielen gehen wollte und ich es nicht konnte oder event. halt nicht so lange.
Mein Lügensystem hatte ja schon Barrieren, die ich nicht mit einfachem Betrug füllen konnte.
Und alles "nur" wegen diesem gemeinsamen Bündnis.
Natürlich gab es diese Gedanken auch umgekehrt, was mache ich denn nur ? , manipuliere und verspiele Geld und Leben.
Statt wie oben ja erwähnt, alles auch wirklich so zu gestallten, dass ich selbst dabei es auch seelisch tragen könnte.
Mal so und halt mal so...je nach egoistischem Bedarf halt.

Für seinen Partner da zu sein, nur aus dem Grund sich dabei auch gut zu fühlen, ist purer Egoismus .
Basiert dies wirklich aus tiefstem Herzen, wie eben (dennoch) auch bei mir...aber unter dem Schleier einer psychischen Erkrankung.
Der ich mich einfach hingegeben habe, ist es eine Welt in einer Welt.
Diese vergangenen Jahre, hätte ich sie nie im Stich gelassen niemals, aber auch nicht meine Sucht.

Es kamen viele Dinge anders, in diesem elenden Tagebuch ist es zu sehen.
Ich hätte einst gehen sollen, ich tat es nicht.
Es war weit mehr als nur Bequemlichkeit warum ich geblieben bin.

Über sie oder für sie kann ich nicht weiter berichten, es wäre immer aus meiner Sicht.
Bis auf eines:
Habe ich schon erwähnt? Sie lacht immer sehr gerne.
Früher wohl weil ich es auch erwartete und heute....
weil ich anscheinend der geborene Tollpatsch bin.  :)

...alles gut!

Liebe Grüße


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