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Autor Thema: Der heilige Gral des trocken werdens - oder wieso das "Wieso" nicht wichtig ist

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Im Gespräch mit anderen Spielsüchtigen (egal ob SHG, meinen Therapie-Gruppensitzungen oder hier im Forum) ist mir immer wieder ein zentrales Thema aufgefallen, das bei vielen einen enormen Stellenwert einnimmt.

Die Ursache für die eigene Sucht, der metaphorische Big Bang, das eine Schlüsselerlebniss das all die Jahre fremdgesteuerten Verhaltens erklärt.

Warum ist das so?

Ich bin der Meinung, dass die Frage "Warum bin ich süchtig geworden?", oft einen Selbstzweck erfüllt und nicht zwangsläufig dafür da ist das eigene Suchtverhalten zu verstehen. So wird diese Frage, vor allem bei nassen Spielern, dafür genutzt eine künstliche Trennlinie zwischen dem Suchtverhalten und dem eigenen Handlungsspielraum zu schaffen.

Ein Beispiel, das ich oft gehört habe:
Wenn ich wüsste warum ich Spielsüchtig geworden bin, könnte ich sofort (oder einfacher) mit dem spielen aufhören.

Betrachtet man diese Aussage wird klar, ein Stück der Verantwortung für die eigene Abstinenz, wird aus der Hand gegeben.

Wieso das wieso nicht wichtig ist

Unabhängig von der Ursache der eigenen Sucht, bleiben die Schritte aus der Sucht hinaus die gleichen. Es beginnt immer mit dem festen und ehrlichen Entschluss abstinent zu werden.

Um sich überhaupt ernsthaft mit den Ursachen der eigenen Sucht auseinanderzusetzen muss man, meiner Erfahrung nach trocken sein. Ich hatte während meiner Zeit als aktiver Spieler keinen klaren Blick auf mein Verhalten oder meine Motive, da diese immer durch die Suchtausübung getrübt waren.

Ich bin gespannt auf eure Meinung zu dem Thema
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Wenn die meisten sich schon armseliger Kleider und Möbel schämen, wie viel mehr sollten wir uns da erst armseliger Ideen und Weltanschauungen schämen.
 
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N
Hallo Apathetic,

ich denke jetzt schon eine ganze Weile über deinen Kommentar nach.

Ich selbst bin nicht spielsüchtig, sondern Angehörige.

Da ich mich in einen Spielsüchtigen nicht hineinversetzen kann, habe ich versucht, deinen Gedankengang aus einem anderen persönlichen Blickwinkel nachzuvollziehen: Seit ich Teenager war, wollte ich immer ein Motorrad besitzen. Mit 18 machte ich den Führerschein, aber ich musste 30 werden, bis ich mir endlich ein Motorrad kaufen konnte. Bis dahin nutzte ich jede Gelegenheit, um Kumpels etc. davon zu überzeugen, mich mit ihrer Maschine mal fahren zu lassen. Der Wunsch nach einem Motorrad war übermächtig groß.

Dann hatte ich also irgendwann mein eigenes Motorrad. Und musste zu meiner Überraschung feststellen, dass ich gar nicht oft damit fuhr? Es stand meist in der Garage. Also verkaufte ich es nach einiger Zeit. Als die Honda mit dem neuen Besitzer den Hof verließ, rannen mir tatsächlich Tränen herunter. Das Gefühl, etwas Wichtiges verloren zu haben, war furchtbar. Also machte ich mich nach ein paar Tagen auf die Suche nach einem neuen Motorrad, fand es, kaufte es, fuhr ein paarmal - und dann stand es wieder in der Garage.

Dieser Kreislauf aus kaufen - wenig fahren- verkaufen - furchtbar traurig sein - kaufen wiederholte sich etliche Male. Bis ich eines Tages in einem mentalen Stadium war, in dem ich mich ernsthaft fragen konnte, weshalb ich so etwas Sinnloses tue. Sofort nach meiner Frage an mich kam der Begriff "Freiheit!" in mir hoch, und mir wurde klar, dass ich versucht hatte, mich frei zu fühlen, indem ich ein Motorrad besaß (nur besaß! Nicht fuhr!) - sozusagen den Inbegriff für Freiheit ("sich den Wind um die Nase wehen lassen" usw.). Ich hatte also meine Freiheit immer in der Garage stehen - toll!

Natürlich wurde mir der Irrsin, das "Wieso" meines sinnlosen Verhaltens (meiner Sucht?) augenblicklich klar. Ebenso augenblicklich klar wurde mir, dass ich ja so oder so "frei" bin. Dass ich, um mich frei zu fühlen, überhaupt kein Motorrad brauche. Dass ich überhaupt kein Vehikel brauche, um Freiheit erfahren und leben zu können. Das war ein sehr "befreiender" Moment!

Needless to say, ich verkaufte dann mein aktuelles Motorrad (eine Bulldog, der ich noch heute hinterherweine, he he!) und konnte befreit zusehen, wie sie vom Hof fuhr.

Ohne das "Wieso" würde ich wahrscheinlich auch heute noch Motorräder kaufen und verkaufen ... Oder mein Wille, diesen Kreislauf zu durchbrechen, war so stark, dass ich mich endlich auch stark genug fühlte, das "Wieso" anzusehen? Wer weiß das schon ...

Insofern denke ich, dass das "Wieso" durchaus auch bei einem Spielsüchtigen hilfreich sein KANN? Vor allem dann, wenn er noch überhaupt keine Ahnung hat, worin der Grund liegen könnte? Man könnte sich in einer ruhigen Minute vielleicht einmal fragen:

Wann war wirklich das erste Mal bei mir oder wann habe ich das erste Mal daran gedacht, es zu tun? Was ist zuvor oder in diesem Zeitraum in meinem Leben passiert?

Gab es in meinem Umfeld Menschen (Vater, Mutter, Brüder, Freunde ...), die etwas Ähnliches getan haben (spielen / zocken / traden / "komische" Geschäfte einfädeln etc.) und die ihr negatives Verhalten als "normal" oder "gut" dargestellt haben, sodass ich dieses Verhalten als sinnvoll übernommen habe?

Es gäbe sicherlich noch viele andere Fragen, die man sich stellen könnte.
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A
Moin

Wie ist es Dir denn ergangen die letzten Jahre ?

Auf jeden Fall mal einen Beitrag zum Austausch, super.


Ich hatte während meiner Zeit als aktiver Spieler keinen klaren Blick auf mein Verhalten oder meine Motive, da diese immer durch die Suchtausübung getrübt waren.


Ich fange mal hinten an. Das ist der Punkt, wo ich Dir zustimme.


I
Warum ist das so?

Ich bin der Meinung, dass die Frage "Warum bin ich süchtig geworden?", oft einen Selbstzweck erfüllt und nicht zwangsläufig dafür da ist das eigene Suchtverhalten zu verstehen. So wird diese Frage, vor allem bei nassen Spielern, dafür genutzt eine künstliche Trennlinie zwischen dem Suchtverhalten und dem eigenen Handlungsspielraum zu schaffen.

Wenn ich das richtig verstanden habe, meinst Du, wenn jdm. sagt er braucht die Ursache, das er diese Aussage nutzt, da er sie nicht findet, um weiter zu spielen. Er schiebt damit die Verantwortung ab, weg.  Richtig ?

Ist es denn nicht so, dass auf dem Weg in die Abstinenz ich, der Spieler, erkennt, dass die Ursache (im ersten Schritt  ich, der Verursacher) er selbst ist ?




Wieso das wieso nicht wichtig ist

Unabhängig von der Ursache der eigenen Sucht, bleiben die Schritte aus der Sucht hinaus die gleichen. Es beginnt immer mit dem festen und ehrlichen Entschluss abstinent zu werden.


Ja, das wird so gesagt. Im Allgemeinen, im Buch Seite 7 Absatz 5. Da steht es.

Wille und Kampf alleine reicht nicht, wird im Widerspruch dazu, ebenfalls gesagt, wahrscheinlich im gleichen Buch. He,he

Wie oft habe ich mir gesagt : nun ist Schluss, voller Inbrunst, voller Überzeugung, um was zu tun ? Genau das gleiche wieder.

Bis es dann wirklich soweit war, musste bei mir im Kopf ja was passiert sein. Ich nenne das mal Verständnis.

Ich komme mal auf die Ursache zurück. Jetzt geht es in der Aufarbeitung weiter, also a. ich bin die Ursache; b. welche Ursachen, welche Auslöser haben mich zum Verursacher  werden  lassen ? Zu verstehen, egal aus welchen Grund, ich selbst stehe da vor dem Automaten, das ist der Anfang. Das zu erkennen das im ersten Stepp ich, der Spieler es bin. Der Spieler bin ich.  Damit bin ich angefangen und konnte noch lange nicht aufhören.
Dazu musste ich tiefer in b. eintauchen.

Dann schaute ich genauer, immer noch mit gelegentlichen Spiel, aber ich holte mir Verständnis für mich selbst und dann kam der Tag, da war es vorbei, ich musste nicht mehr los. Richtig begriffen hatte ich immer noch nicht, aber das wesentliche. Das dauerte 2-3 Jahre.

Und dann erst, ohne Spiel, ohne alles, konnte ich alle Puzzleteile zusammenpacken und es erkennen. Dann flutschte es. Das war wichtig, um die Abstinenz langfristig , bis heute zu leben. Dann konnte ich mich auch erst auf meine Gefühle, Emotionen einlassen, spüren und aushalten, an mir arbeiten, bewusst, ohne Flucht.

Es gibt kein goldenes Buch. Befolge das und dann wirst abstinent. Es gibt Anleitungen, Hilfe jeglicher Art, nur handeln und anwenden muss der Süchtige selbst. Den Weg für sich selbst, sollte der Spieler für sich selbst finden.

Ich bin jedenfalls kein Verfechter iwelcher Begrifflichkeiten, da sie mich, gerade als Süchtiger, doch einzwängen. Zwänge habe ich aber schon genug, als Süchtiger, oder ?

Von daher ist die Einsicht, die Akzeptanz und was weiß ich noch alles sehr wichtig, wie der Süchtige da nun hin kommt, das zu erkennen, das ist für jeden selbst der erste Schritt in die Abstinenz.

Es ist halt alles komplex. Wir fangen oder die Theoretiker/Fachleute fangen mit dem Ergebnis an:
Ihr müsst ehrlich wollen, ehrlich zu sich selbst usw.
Ja, klar wenn ich das könnte, hätte ich das Ganze doch nicht.

Dann wird dem Spieler unterstellt, siehe Punkt Ursache Selbstzweck. Also er ist nun nachweislich nicht ehrlich, also kommt er auch da nicht raus, ach was , er will gar nicht. Genau, das wird der richtige Weg sein einem nassen Spieler aus der Sucht zu helfen. (Sarkasmus, Sheldon)


Damals als nasser Spieler: Ja, bin ich doch. Es ist halt alles schwer. Meine Freundin macht gerade Stress, der AG ist scheiße. usw. Mal ehrlich, wo ist das denn auf den ersten Blick pauschal eine Lüge, für den Spieler, in seiner derzeitigen Verfassung ?
Dahinter zu kommen, das ist der Weg, raus aus seiner Blase. Seine Lügen für sich selbst  aufzudecken, um überhaupt ehrlich sein zu können. Das wird nicht vom Spieler einfach beschlossen: So jetzt bin ich aber wirklich, wirklich ehrlich ! Und zack ist das Spiel vorbei.

So betrachte ich das.

Lieben Gruß

André
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« Letzte Änderung: 04.07.2024 17:18:09 von Andre12 »
Wer etwas will, der findet Wege. Wer etwas nicht will, der findet Gründe….
 
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Hallo Apa,

bevor ich spielte .....
eine drecks Kindheit, ich war nur das Muli nur halt schlechter behandelt daheim.     
Mit meiner Traurigkeit und meinem Verhalten war ich alleine in meiner Welt, außen wurde halt nur auf mich reagiert dabei.
Als Jugendlicher hatte ich dann alles besser im Griff und konnte mir viele Freiräume schaffen.
Tja und dann wurde ich 18 und an diesem Tag war ich zum ersten mal in einer Spielo.
Da war kein 50 Pfennig in den Automaten und gleich gewonnen, damit mein Suchtgedächtnis gleich ein gutes Start-up  als Justierung bekommt.
Was weiß ich wann der Zeitpunkt da war an dem ich süchtig wurde, und nichts hat sich gesteigert..von da ab ging ich halt immer spielen ...überall.
Da zog es mich immer hin und ich habe quasi nur darauf gewartet mein Geld endlich zu verspielen.
Vorher hatte ich es auch schon getan ..in Kneipen bei jeder Gelegenheit.

Dies ist meine Geschichte und alles was ich erlebte , als Kind, Jugendlicher oder später war ja da.
Wie meine Gedanken, Emotionen und Wünsche, ein Teil von mir und es gehörte zu meinem Gesamtpaket.
Wäre ich im Iran geboren mit noch "strengeren" Eltern oder in einer freien Hippie Kommune groß geworden ...was weiß ich was dann gewesen wäre. Es spielt auch gar keine Rolle für mich !

Die Gründe warum ich spielte haben sich parallel mit dieser Suchtausübung von ganz alleine addiert.
Dies hat mich natürlich auch geprägt und kam zum Gesamtpaket Jacky1 einfach dazu.
Spiele nicht mehr und alles wird gut ?
Kam ich als Spielsüchtiger eigentlich schon auf die Welt ?
Ist wirklich meine Sucht nur ein Symptom eines Warums ?

Das Eine konnte ich nicht verändern über 30 Jahre lang, auch meine Vergangenheit konnte ich nicht ändern.
Aber ich habe etwas verändert...meine tägliche Zukunft.
Akzeptiert warum ich so bin wie ich bin und es nicht mehr sein wollte.
Da gab es viele  metaphorische Big Bang´s  :) , keine Schlüsselmomente aber viele Schlüssel die einfach nicht passten.
Es hatte nichts mit meinem Leben vor dem 18 Lebensjahr zu tun, ich war und bin dies selbst.
Und zwar so geworden beim Spielen
Meine Sucht war nie eigenständig, ich nur zu schwach, labil, blind, krank  ...im Umgang mit mir selbst.

Ohne einen Ansatz außerhalb meiner Suchtausübung, hätte ich nichts gefunden warum ich aufhören sollte.
Ich musste nicht meinen freien Handlungsspielraum nutzen um mein Suchtverhalten zu verstehen.
Klingt verrückt ..es war eher umgekehrt.

Wie ist es dir so ergangen Apa und geht es dir gut ?   

Grüß dich
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« Letzte Änderung: 04.07.2024 23:44:09 von Jacky1 »
 
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Da gab es doch schonmal was von Medea :-)

Meine Meinung von damals ist zu dem Thema immer noch aktuell, daher hier nur ein Link darauf
https://www.spielsucht-soforthilfe.de/index.php?topic=696.msg8989#msg8989
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A
Moin,

ich versuche das nochmal etwas anders zu erklären, wie ich das sehe.

Wir Spieler suchen die Ursachen für das Spiel, können Sie aber nicht finden, weil wir eben u.a. kein klaren Blick auf uns im nassen Zustand bekommen.
Das ist also unser Gedankenkreislauf und ja diese Ursachen sind nicht zwingend wichtig im ersten Stepp. Wir die aber krampfhaft suchen und das kann so nicht gelöst werden. Das geschieht nicht mit Absicht. Das hält mich aber beim Spiel.


Alles rund um die Sucht zu verstehen. Nicht das Bargeld ist schuld. Nicht die Langeweile, fehlende Aufmerksamkeit und vieles mehr.
Dann iwan erkennst vielleicht mal, dass ich selbst die Ursache bin. Diese Erkenntnis ist doch ein wichtiger Schritt, es ist egal was, wie, wo usw. Ich bin es.
Sich selbst als Ursache zu identifizieren. Das bedarf schon sehr viel Arbeit. Solange ich das nicht verstehe, habe ich immer nur behauptet ich übernehme doch die Verantwortung. ( Das war ein riesengroßer Irrtum)

Dann bekommen wir einen klaren Blick und können das aufarbeiten. Das halte ich persönlich für wichtig, um das Risiko zu vermeiden in eine Suchtverlagerung zu geraten und für eine dauerhafte Abstinenz. Denn nur weil wir die Sucht nicht mehr ausüben, ist ja das was uns dahin trieb nicht weg.

Das heißt ich fing zu tief in der Ursachenforschung an, als zu kapieren das ich verantwortlich bin.Ich könnte auch sagen, dass ich mit dem zweiten Schritt anfing, der aber nicht oder nur sehr schwer zu lösen ist, wenn ich nicht den ersten Schritt verstanden habe.
Wenn ich mit dem 2. Schritt anfange, bleibe ich in der Sucht, da ich nicht Schuld bin, denn ich bin nicht die Sucht, ich bin damit beschäftigt alle äußeren Umstände zu finden, warum ich meine Sucht ausübe.

So oder so ähnlich jedenfalls.

Schönen Sonntag

André
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Hallo,

dann möchte ich aber auch nochmal.  :)

Die gleiche Luft die ich atme, das gleiche Haus indem ich lebe und ich bin der gleiche Mensch der ich immer war.
Zufriedener und nehme einfach Werte bewusst und gerne wahr, die ich früher einfach nur ignorierte.
Es waren viele Gründe warum ich früher spielte und es ist im Grunde nur einer warum ich es nicht mehr mache.
Weil es mir alles raubte was ich nun wahrnehmen darf.      

Selbstwert, Respekt, Akzeptanz, Verantwortung, Zuspruch, Glaube, Achtsamkeit, Stolz, Demut, Dankbarkeit........
Alles "nur" Schlagworte ....im Vergleich was es alles in einem Leben so bedeuten kann! 
Ich habe lange gebraucht bis ich niemanden mehr die Schuld geben musste, alle sind frei zu sprechen.
Aber für mich, konnte ich es nur selbst!

Ansonsten war der heilige Gral für mich nur ein kleiner Plastikbecher mit Münzen.

Liebe Grüße
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Hey zusammen,

vielen Dank für die tollen Beiträge, ich habe sie ein paar mal gelesen und darüber nachgedacht.

Mir persönlich war früh klar das die Ursache für mein Handeln ich selbst war und der Gang an den Automaten eine Entscheidung, die ich an vielen Stellen hätte unterbrechen können (Gang zum Auto, zur Bank....).
Es war mir egal, ich wollte es in diesen Momenten, auch mit dem Wissen, das es mir danach schlechter gehen wird.

Wie dem auch sei, jeder Süchtige ist anders und einen universellen Weg aus der Sucht gibt es nicht, daran habt ihr mich erinnert. Danke euch dafür.

Einige starten den Weg in die Abstinenz aus einer extrinsischen, andere aus einer intrinsischen Movtivation, im Endeffekt ist es nicht wichtig. Wichtig ist das man ihn geht, ich glaube das wollte ich eigentlich sagen.

Dann bekommen wir einen klaren Blick und können das aufarbeiten. Das halte ich persönlich für wichtig, um das Risiko zu vermeiden in eine Suchtverlagerung zu geraten und für eine dauerhafte Abstinenz. Denn nur weil wir die Sucht nicht mehr ausüben, ist ja das was uns dahin trieb nicht weg.

Das gibt mir gerade ein bisschen zu denken, ich konnte für mich nie abschließend die Ursache meiner Sucht klären. Trocken bin ich ja jetzt schon ein paar Jahre, aber stelle mir die Frage ob ich mein damaliges Suchtverhalten anderweitig kompensiere, da muss ich nochmal einen genaueren Blick darauf werfen.

LG
Apa

P.S.: Ich wäre gerne detaillierter auf eure Beiträge eingegangen, mir fehlt aktuell die Zeit dafür. Auch vielen Dank für die Erkundigungen über mich, ich krame in den nächsten Tagen mein Tagebuch heraus und gebe euch ein Update  :)
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Hallo,

Alles rund um die Sucht zu verstehen. Nicht das Bargeld ist schuld. Nicht die Langeweile, fehlende Aufmerksamkeit und vieles mehr.
Dann iwan erkennst vielleicht mal, dass ich selbst die Ursache bin. Diese Erkenntnis ist doch ein wichtiger Schritt, es ist egal was, wie, wo usw. Ich bin es.
Sich selbst als Ursache zu identifizieren. Das bedarf schon sehr viel Arbeit. Solange ich das nicht verstehe, habe ich immer nur behauptet ich übernehme doch die Verantwortung. ( Das war ein riesengroßer Irrtum)

Dann bekommen wir einen klaren Blick und können das aufarbeiten. Das halte ich persönlich für wichtig, um das Risiko zu vermeiden in eine Suchtverlagerung zu geraten und für eine dauerhafte Abstinenz. Denn nur weil wir die Sucht nicht mehr ausüben, ist ja das was uns dahin trieb nicht weg.

Das gibt mir gerade ein bisschen zu denken, ich konnte für mich nie abschließend die Ursache meiner Sucht klären. Trocken bin ich ja jetzt schon ein paar Jahre, aber stelle mir die Frage ob ich mein damaliges Suchtverhalten anderweitig kompensiere, da muss ich nochmal einen genaueren Blick darauf werfen.

Ich sehe keinen Unterschied was André schrieb und dem was du, ich oder irgendjemand hier im Forum geschrieben hat.
Der einzige Unterschied wäre die Reihenfolge der Herangehensweise.
Was auch immer uns veranlasste zu Spielen, egal was es auch wäre und was wir daraus erhofften oder wussten wie schlecht es wird danach.
Ich bleibe einmal bei den profanen Beispielen, Langeweile und fehlende Aufmerksamkeit.
Man könnte beides ja auffüllen oder erarbeiten dass es nicht mehr so ist und dann ?
Da würde jeder doch versuchen es zu verinnerlichen und auch für sich anzunehmen.      

Die Ursache läge eben in der eigenen Bestimmung - Erkenntnis - Identifikation.
Der Träger bestimmt was er und wie er etwas aufnimmt ...er ist der Schlüssel!
Dahinter steckt der Sinn von : " Ich bin der Herr meiner Seel " " Ich bin meines Glückes Schmied"
Wir Spielsüchtigen mussten halt erheblich mehr Energie dazu aufbringen als andere.
Und zwar in unseren eigenen Köpfen.
   

André: Sternchen  :)
Apa: Nachsitzen   :)

Liebe Grüße
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Guten Morgen,
.hab die letzten Tage über die Beiträge hier nachgedacht und natürlich über meinen eigenen Werdegang...
Ich hatte ja eine lange ( heute würde ich sie so nennen) Spielpause von fast 10 Jahren.
Denn tatsächlich hatte ich beim ersten Mal trocken werden zwar auch eine Therapie gemacht und auch viel an meinen Leben verändert ( Firma geschlossen, Burnout  lange Pause)
Aber rückblickend bin ich nie wirklich in die Tiefe des Problems gegangen, hab nicht versucht mich wirklich kennenzulernen und meine Sucht wirklich als Teil von mir zu akzeptieren.
Das konnte ich dann erst nach meiner zweiten schlimmen Spielphase und meinem echten Willen und Wunsch rauszufinden, warum ich süchtig bin und immer gefährdet bleiben werden.
Heute kenne ich mich selbst viel besser, mag mich auch viel lieber und lebe ganz anders ohne äußerlich wahnsinnig viel geändert zu haben.
Ich habe gefühlt ein anderes Bewusstsein für mich selbst.
Hoffe das klingt nicht zu esoterisch 😂🙈🙈
Achtsamkeit ist hier mein Credo und es ist immer noch manchmal nicht leicht auf mich aufzupassen. Nicht in Verzug aufs spielen aber auf manch anderes  "Verstecken".
Ich bin fest überzeugt, ohne sich selbst ehrlich zu hinterfragen und kennenzulernen gibt es keine dauerhafte Ruhe in der Sucht.
LG und tolle 24 Stunden an alle
Medea

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Wir können den Wind nicht ändern, aber die Segel anders setzen.

Aristoteles
 
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M
Hallo,
nun würde ich auch gerne noch etwas zu diesem Thema beitragen. Ich finde die Frage von dir, Apathetic, sehr spannend!

Bei einer Abhängigkeit steht zu Beginn immer erstmal die Wiederholung. Ich tue etwas/ich spiele, finde das gut, mir gefällt das, also mache ich das öfter. Das ist erstmal etwas ganz Normales und kennt jeder sicher auch aus anderen Lebensbereichen.

Spielsüchtige Personen haben dann aber das Problem nicht mehr damit aufhören zu können, bzw. das Spielverhalten nicht mehr steuern zu können. Die Gründe hierfür sind wahnsinnig vielfältig.

An diesem Punkt schließt sich eure Diskussion zu dem Punkt „ehrlich mit sich selbst sein“ an, da es hier den Schritt braucht selbst etwas verändern zu wollen. Dazu stimme ich dir, Andre, zu, dass es überhaupt nicht einfach ist ehrlich zu sich zu sein. Niemand will sich eingestehen ein Problem mit dem Spielen zu haben oder gar spielsüchtig zu sein, auch wenn man meistens schon weiß, dass man zu viel spielt.
Mir persönlich ist egal ob jemand in die Beratung kommt mit einer Auflage oder freiwillig, Hauptsache die Person kommt mit einer offenen Grundhaltung in den Termin, dann kann ich gemeinsam mit der Person daran arbeiten ehrlich zu sich zu werden (wenn sie das möchte). 

In einer Beratung geht es dann immer erst einmal darum das eigene Spielverhalten zu verändern, bevor es auch nur ansatzweise möglich ist an weiteren Themen zu arbeiten. Um psychotherapeutisch/biografisch zu arbeiten ist eine stabile Spielfreiheit die Voraussetzung, da sonst immer die Gefahr eines Rückfalls besteht, wenn schwierige Themen angesprochen werden. Deshalb ist mir persönlich in meiner Arbeit die „tieferliegende Ursache“ zu Beginn erstmal zweitrangig.

Sobald sich jemand für eine Therapie entscheidet, wird darin sicherlich an vielen individuellen Themen gearbeitet. Häufig geht es darum neu zu lernen mit Situationen umgehen zu lernen, die vorher immer mit dem Spielen bewältigt oder begleitet wurden. Sicherlich ist auch Rückfallprophylaxe oder der Umgang mit Emotionen immer ein Teil der Therapie. Hier kann es dann gut sein, dass die Antwort auf das „Wieso“ gefunden wird!

Ich halte eine Therapie für jeden mit einem Spielproblem absolut empfehlenswert, da es immer wichtig ist sich kennenzulernen und Zusammenhänge zwischen den eigenen Gedanken, Gefühlen und Verhalten herstellen zu können und eben Antworten auf Fragen über sich finden zu können. Daher kann ich absolut jeden verstehen, der wissen möchte wieso er in die Spielsucht reingerutscht ist. Das hat ja häufig auch mit dem Wunsch zu tun nicht mehr rückfällig werden zu wollen. Außerdem ist es immer gut zu wissen, warum man was genau macht!


Ich würde also zusammenfassend deine Frage, Apathetic, umformulieren. Nicht: Wieso bin ich süchtig? Sondern: Welche Faktoren haben meine Spielsucht begünstigt? Das hält jede Person in der Verantwortung, nimmt aber nicht weg, dass Spielsucht eine Krankheit ist

Aus meiner Erfahrung kann ich dir sagen, dass es Spieler gibt, die die Antwort auf das „Wieso“ finden, andere aber nicht. An der Spielfreiheit/dem Spielverhalten ändert das aber nichts.



Zu meiner Antwort eine kurze Info: Ich habe eine verhaltenstherapeutische Suchttherapieausbildung, weshalb sich meine Aussagen auch daran orientieren.
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