Nach unten Skip to main content

Autor Thema: Bin ich süchtig?

0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema.

Re: Bin ich süchtig?
#15: 10.05.2022 23:21:59
Hallo Pascal,

unsere oder meine Spielsucht war schon irgendwo eigenständig, immer das gleiche Verhalten wie nach einem vorgegebenen Muster.
Es entwickelte sich zu einem Selbstläufer, egal was man sich auch vornahm, es drehte sich einfach nur im Kreis.
Natürlich jagten wir nach einem Gewinn, aber eigentlich nur um damit die Finanzierung der folgenden Spiele zu gewährleisten.

Andere Dinge schienen nur noch im Hintergrund zu sein oder wurden halt durch das Spielen verdrängt.
Sorgen und Ängste einfach damit betäubt.
Welche - oder ab wann negative Eigenschaften und Emotionen dazu beitrugen, einfach so zu flüchten mag nun leichter erkennbar sein.
Dies hat dann jeder Spielfreie selbst irgendwo reflektiert und durfte es so erfahren.
Eines aber ist sicher! Es entstanden Makel oder waren halt schon immer da gewesen. 
Die immer verhinderten sich von dieser Sucht lösen zu können.
Es ist wie Ursache und Wirkung, die Ursachen zu lösen wäre ein riesiger Schritt und würde der Sucht einiges an Kraft nehmen.
Wir waren doch noch nie Gefangene dieser Krankheit, es blieb uns frei ob wir spielten oder halt nicht.
Wir konnten nur nicht mehr frei darüber entscheiden, weil wir aufgaben an uns zu glauben.
Und uns lieber belogen, statt einzugestehen machtlos dem Spielen gegenüber zu sein!
Dies dann endlich einmal erkannt zu haben, in so vielen Momenten "schwach" geworden zu sein und warum....ist ein Segen.
Wenn etwas nicht von alleine weg geht, ändert man entweder die ganze Welt oder sich halt selbst.
Ersteres habe ich über 30 Jahre lang versucht und es brachte mich fast um....
...dann fand ich mich wieder.

Pascal, zu finden warum es Dich nicht bremst beim Spielen, denn dies macht diese Sucht aus.
Was also sollte es auch sein ? Wenn Du spielst kannst Du nicht so einfach aufhören!
Versuche es zu vermeiden und schaffe Dir starke Brücken, schütze Dich vor Dir selbst.
Keine Wette mehr, ja genau wie Dein Vergleich mit der einen Zigarette.

Liebe Grüße 

 
 
       
  • IP logged
 
Folgende Mitglieder bedankten sich: medea888, Pascal

P
Re: Bin ich süchtig?
#16: 11.05.2022 23:18:07
Ich habe Mal den letzten kompletten Abend, an dem ich verloren habe Revue passieren lassen. Und ich habe mich die ganze Zeit gefragt, warum konnte ich nicht aufhören. Warum immer nochmal verdoppeln und nochmal. Obwohl ich zu Beginn sogar 70 Euro im Plus war. (Eigentlich war das Essen mit der Familie damit gesichert, auschecken, glücklich sein und schlafen, fertig)

Nur aber um am Ende mit 2000 Euro im Minus da zu stehen, mit runtergelassen Hosen.

Warum...?
Und, was wäre, wenn ich vielleicht nicht 2000 Euro an dem Abend verloren, sondern gewonnen hätte? Oder 4000, oder sogar 8000 Euro?
...
Ich weiß es jetzt. Ich hätte am nächsten Tag wieder gespielt. Und dann wieder und dann wieder, ich hätte vielleicht sogar etwas von dem Gewinn schnell auf mein Konto überwiesen, damit ich das nicht auch verspiele. Aber spätestens, wenn ich wieder eine Pechsträhne hätte, wäre der Gewinn wieder auf meinem Spielkonto gelandet und wenn der auch weg wäre, hätte ich wieder mein Erspartes angekratzt...

Warum also das ganze?

Es hört sich jetzt irgendwie paradox an, aber ich glaube, weil ich verlieren will beim Spielen...ich will einfach gar nicht gewinnen.

Tief in mir will ich gar nicht beim Wetten gewinnen, nur damit ich mir am Ende sagen kann, ich habs doch gewusst.
Und weil ich so ein großes Ego und noch größeren (falschen) Stolz habe, der keine Niederlagen akzeptieren kann, spielte ich weiter.
Mein oberflächiges Ego und mein sehr tief (unbewusst?)  Sitzender Verliererzwang sind eine hochexplosive Mischung beim Wetten....der Alkohol, dem ich keine schuld geben kann, nimmt mir dann den Rest meiner Hemmungen (sprich: die restliche Schutzmechanismen werden außer Kraft gesetzt) und das Übel nimmt seinen Lauf.

Das alte Muster also, zu verlieren, welches ich sehr gut kenne, darin fühle ich mich anscheinend beim Spielen sehr wohl. Und viel Geld in kurzer Zeit zu gewinnen, ist ungewohnt und damit kann ich nicht umgehen.
Also muss es schnell wieder verwettet werden.
Kann das sein? Obwohl ich ein sehr optimistischer und sehr positiver Mensch bin, habe ich tief in mir einen Drang, den ich jetzt sehe, der mich gerne verlieren lässt...weil ich mich darin, so dumm es sich anfühlt irgendwie wohl fühle.

Komischerweise ist es aber bei der Arbeit ganz anders. Auch beim Sport bin ich eher ein Gewinner-Typ.
Wie ist es in meinem Privatleben? Ich bin mit meiner Frau über 20 Jahre zusammen,...aber wir streiten sehr oft. Da ist das Gefühl glaube ich ähnlich wie beim Spielen...bei meinen Kindern hingegen ist es wie die Sonne, die am Himmel aufgeht, vor allem bei meiner Tochter...sie ist meine Sonne, mein Herz, wie auch meine beiden älteren Jungs....mein Gott, was schreibe ich da, so als sei ich komplett betrunken, aber seit dem letzten Spielen trinke ich nichts mehr und werde es auch nicht mehr...
Ich glaube, ich taste mich langsam der Ursache meines Spielens ohne Grenzen Stück für Stück heran...nur ist das gut oder schlecht? Eine Erkenntnis wirft zwei neue Fragen auf...

Ich glaube das reicht für heute, jetzt gehe ich erst Mal schlafen...

Vielleicht geht es einem von euch ja ähnlich und kann das aberwitzige Zeug, was ich gerade gefasselt habe und selber nicht so ganz verstehe, wenigstens ein bisschen nachvollziehen. Dann würde ich mir nicht ganz so dumm vorkommen.
...
  • IP logged
 
Folgende Mitglieder bedankten sich: Andre12, Jacky1

A
Re: Bin ich süchtig?
#17: 12.05.2022 09:24:23
Moin Pascal,


Es hört sich jetzt irgendwie paradox an, aber ich glaube, weil ich verlieren will beim Spielen...ich will einfach gar nicht gewinnen.

schön zu lesen wie Du anfängst zu schauen was bei Dir im Kopf abläuft. Ich persönlich denke, je nach dem in wie weit die Sucht ausgeprägt ist, bzw man drinnen steckt, verschieben sich die Realitäten. Es geht aber nie ums gewinnen oder verlieren. Das Geld wird als Suchtmittel angesehen und eingesetzt, d.h. es gibt eh kein Gewinn der groß genug ist, genauso wie es dann logischerweise kein Verlust gibt, der groß genug ist, um vom Spiel loszukommen. Das kann also nie die Lösung sein. Wenn nach Erklärungen für sein Verhalten und den "unerklärlichen" Kontrollverlusten gesucht wird, kommt man darauf und fühlt sich dumm. Es hat aber nie was mit Dummheit zu tun, es bringt die Sucht einfach mit sich. Erwiesenermaßen sind viele Spieler hochintelligente Menschen..... also streich das ( dumm fühlen, Selbstvorwürfe etc)
Denke auch dran, Körper und Geist Deine neuen Erkenntnisse  verarbeiten zu lassen, "sacken" lassen.

Lies auch mal bei den Angehörigen, das hat mir auch immer viel geholfen, auch wenn ich oder gerade weil ich mich beim lesen der Beiträge für mich selbst schämte, dennoch brachte es mir Demut und Respekt vor unser Sucht.

Lieben Gruß
André
  • IP logged
Wer etwas will, der findet Wege. Wer etwas nicht will, der findet Gründe….
 
Folgende Mitglieder bedankten sich: Jacky1, Pascal

Re: Bin ich süchtig?
#18: 12.05.2022 10:18:34
Hallo Pascal,

Alkoholiker, Heroinabhängige usw.  oder pathologische Spieler bekommen durchaus etwas durch ihren Suchtkonsum.
Was auch immer es ist, es scheint ein unbändiges Verlangen auszulösen.
Doch was es dabei zu verlieren gäbe, Selbstachtung, Gesundheit, Freiheit, Familie, Arbeitsplatz, Sozialkompetenz, Geld und zuletzt das eigene Leben.
Macht alle zu suchenden "Verlierern".   

Der Reiz für mich, gerade an Spieltischen war ja eben auch verlieren zu können.
Davon wollte ich mich aber abheben und ignorierte einfach meine langzeitigen Verluste.
Doch diese waren ja da und ich wusste es auch ganz gut, daraus entstand auch ein noch größerer Ansporn immer weiter zu spielen.   
Und es war mir klar, ich konnte niemals so viel gewinnen wie ich eigentlich verlieren konnte.
Es gäbe an den Einsätzen eh kein Limit, dass mich hinderte ...je nach meinem jeweiligen zur Verfügung stehenden Budget.
Ob nun 20 Cent pro Spiel beim Imbiss um die Ecke oder im blauen Saal des Casinos Baden Baden...es spielte keine Rolle.
Es ging nur um das Spiel, die Emotionen und die Verdrängung meiner selbst!
Mehr war es nicht.

Ich bekam dafür einen Scheißdreck und setze dafür alles ein.
Dies ist schon sehr schade für jeden der beim Glücksspiel verweilt und dort stetig bliebe.
Für jeden Menschen der warum auch immer unter einer Suchterkrankung leidet.
Ja, es ist nicht Spaß und Spannung...es ist pures Leid für so viele.
Jeder von Ihnen verliert.

Wenn man etwas nicht kontrollieren kann, muss man davon lassen.
Wenn es alleine nicht funktioniert, muss man sich Hilfe dazu holen.
Wenn.....ein weiteres "wenn" gibt es nicht, es wäre voller Konsequenzen und kaum noch zu tragen/ertragen.   

Liebe Grüße     
   
  • IP logged
 
Folgende Mitglieder bedankten sich: Andre12, Pascal

h
Re: Bin ich süchtig?
#19: 14.05.2022 14:06:34
Hallo Pascal,
hier ist nochmal de Harald, um et gleich vorwegzunehmen: men Leben dreht sich -im Gegensatz zu andere  ;) - nicht ausschließlich um et Glücksspiel bzw. der bekämpfung desselben  ;D

Aber pass off: bestimmte Charaktereigenschaften wie (fanatische) Ehrgeiz, Eifer, sowie de Trieb immer alles sofort erledigen zu müssen, also eigentlich "positive" Eigenschafte, sind beim Spiel extrem negativ, negative Eigenschaften wie Faulheit, Nachlässigkeit und allet auf de "lange Bank" zu schieben sind beim spielen wieder positiv  ;D

Ik mach et kurz: Für DIR ist et spielen reines Gift! Viel mehr mehr noch als für mir! VIEL mehr, hast nämlich Recht mit dene Graustufen, woanders herrscht en beschränktes "Schwarz-Weiß" Bildnis, aber dat stimmt nicht!

Und zu de Alkohol: immer wenn et menerener geschafft hat, sich von de Spieltisch "loszueisen", an de CasinoBar, war et Spiel für de Tag geloffen ;)

Hier noch ne Spruch für et beschränkte "Schatzkästchen" an Phrasenweisheiten, wie et woanders sehr gepflegt wird: "100 Euro kannste de an de Garderobe abgeben!", de Spruch gilt allerdings nur für MIR ;), nicht für jeden, hilft MIR von de Spieltisch fernzubleiben :)

Servus wa!
Harald J., von sene Parkbank...
  • IP logged
« Letzte Änderung: 14.05.2022 14:39:07 von haraldjunki »
 
Folgende Mitglieder bedankten sich: Jacky1, JJ

 
Nach oben