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Autor Thema: Kontakte

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K
Kontakte
OP: 08.04.2022 23:09:18
Hallo zusammen,

ich bin Jessica, 36 Jahre und wohne in Meckenheim bei Bonn. Ich habe seit 2014 mit dem Spielen zu kämpfen und habe bereits 2 stationäre Therapien hinter mir, die auch bedingt und kurzfristig geholfen haben. Aber nicht langfristig. Am meisten haben mir da die Gespräche mit meinen Leidensgenossen geholfen und daher würde ich hier gerne Kontakte mit Menschen aus meiner Nähe aufnehmen, damit man sich auch live mal austauschen kann. Würde mich über entsprechendes Interesse sehr freuen.

VG Jessy
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Re: Kontakte
#1: 08.04.2022 23:54:23
Hallo Jessy und herzlich Willkommen im Forum,

eine sehr gute Idee auf diesem Wege "Leidensgenossen" in Deiner Nähe zu suchen, vielleicht klappt es ja hier.
Hast Du schon einmal nach einer Selbsthilfegruppe in Deiner Nähe gesucht?
Dort wären ja dann einige mit denen Du Dich persönlich austauschen könntest.
Kontaktdaten könntest Du über eine örtliche Suchtberatungsstelle bekommen oder schaue einmal unter diesem Link. 

https://www.bundesweit-gegen-gluecksspielsucht.de/selbsthilfe

Und vielleicht möchtest Du sogar hier im Forum über Dich etwas schreiben.
Darüber wieder, würden sich hier einige sehr freuen.
Und es gab sogar schon einige Forentreffen.

Liebe Grüße


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Re: Kontakte
#2: 09.04.2022 08:19:11
Moin Jessy und herzlich willkommen hier im Forum

und habe bereits 2 stationäre Therapien hinter mir, die auch bedingt und kurzfristig geholfen haben.

Ich vermute mal, dass die Thereapien eher eine Vernunftsentscheidung waren, oder gar von "außen" angeregt wurden.
Leider ist das schon recht komplex mit der Spielsucht.

Deine "Leidensgenossen" live treffen kannst du praktisch jeden Abend.
In jeder Stadt, ja selbst meist im Dorf gibt es entsprechende Selbsthilfegruppen.
"Spielergruppen" sind meist etwas rarer gesät, aber ich war zum Beispiel die ersten Monate in eine "Alkoholiker-Gruppe".
Die Probleme und Leidenswege sind ähnlich, der Stoff ein wenig anders. Es geht nicht um Geld und nicht ums Spielen,
sondern um das Leben mit einer Sucht.

Natürlich freuen wir uns auch auf jeden der hier in unserem Forum "hängen" bleibt.
Manchmal ist es auch einfacher sich die Last von der Seele zu schreiben als jemandem direkt in die Augen zu schauen.

Erzähl was von dir, Jessy.
Gruß aus dem Norden
Fred
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Der Kreis schließt sich erst wenn er vollendet ist !
 
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K
Re: Kontakte
#3: 09.04.2022 08:31:54
Danke für die Antworten und das Interesse. Durch meinen Beruf im Außendienst habe ich kaum die Möglichkeit an regelmäßigen Treffen oder Therapien teil zu nehmen, da ich oft von Montag bis Freitag unterwegs bin. Der Job ist das Einzige, was mich zur Zeit morgens noch aufstehen lässt. Ich lebe alleine mit meinem Hund und bin in keiner Beziehung. Diese habe ich mir selber verwehrt, da ich mich mit der Sucht keinem anderen Menschen zumuten möchte. Der aktuelle Stand meiner Sucht ist, dass ich nach einem 8 wöchigen Klinik Aufenthalt ein knappes Jahr "clean" geblieben bin und seit Februar 2020 wieder jeden Monat mein Gehalt und mittlerweile auch den Kreditrahmen meiner Firmenkreditkarte verspiele. Dies ist bisher noch nicht aufgefallen, aber ich habe jeden Tag Angst, dass das rauskommt, wenn ich meinen Job verliere, verliere ich meine Existenzgrundlage und wahrscheinlich auch meinen Lebensmut. Ich war zwischenzeitlich bei einer ambulanten Therapie, jedoch durfte ich dann nicht mehr dahin gehen, da ich nicht geimpft war / bin. Ich gehe generell sehr offen mit meiner Spielsucht um, meine Freunde wissen von jedem Rückfall... Dennoch kann ich nicht erwarten, dass sie mich verstehen, daher würde ich mich hier wirklich sehr über live Kontakte freuen.

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit 😊

VG
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A
Re: Kontakte
#4: 09.04.2022 09:34:13
Moin Karma1985,

herzlich willkommen im Forum.
Eine Freundin von mir hat eine zeitlang in der hiesigen Automatenindustrie gearbeitet. Sie sagte Zocken ist auch eine typische  Außendienstler -Krankheit.
Ich selbst war  von 95-2019 im Außendienst, na ja zumindest hatte ich freie Zeiteinteilung und keine fragte nach ob ich ins Büro fahre oder was auch immer ich betrieb, die Zahlen waren immer weit vorne ggü den Rest. Also ließ man mich in Ruhe..... :) Möchte nicht wissen wie oft ich 5 min bevor die Dinger öffneten auf dem Parkplatz stand.......  Es liegt natürlich nicht an den Job, aber die "Freiheit" über den Tag war für mich nicht, aber für meine Sucht förderlich. Nur so am Rande jedes zusätzliches Geld was ich erhielt, flog in die Automaten.
Du wünscht Dir live -Kontakte, weil sie Dir immer geholfen haben..... und dennoch bist Du nach 2 stationären Therapien hier. Logisch betrachtet hat das ja nun nicht geholfen um dauerhaft abstinent zu bleiben. Du wirst vieles mitgenommen haben, aber Du solltest Dich nicht daran klammern, dass Du live-Kontakte unbedingt brauchst und an Dingen die "nicht" gehen. Denn Zeit zum Spielen haben wir auch immer gefunden. Jedes Hotelzimmer hat  Wlan.  Um 20 Uhr sitzt man selten beim Kunden.  Worauf ich hinaus will, Du solltest andere Wege eingehen oder zusätzliche. Akzeptieren das Du z.B. selbst vor fremden Geld nicht halt machst, um es für Deine Sucht zu nutzen, also dass Du machtlos bist. Wie kannst  Du da also entgegenwirken ? Ich kenne es nur zu gut, in diesen Situation redet man sich immer ein, jetzt irgendwie die z.B. Kreditkarte ausgleichen, damit keiner was merkt, und dann nie wieder, wie mache ich das ? usw. dann in 2 Moanten ,geht  es wieder los. Also war ich selbst immer damit beschäftigt meine Suchtmittel zu bekommen und die Sucht zu verstecken, aber nie mit meiner Sucht. Diesen Kreislauf, diesen Gedankenkreislauf zu unterbrechen ist eine Aufgabe. Es ist doch nicht schön, jeden morgen quasi "Angst" zu haben vom AG entdeckt zu werden.  Was kannst Du also tun ?

Lieben Gruß
André

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Wer etwas will, der findet Wege. Wer etwas nicht will, der findet Gründe….
 
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Re: Kontakte
#5: 09.04.2022 10:01:34
... bin und seit Februar 2020 wieder jeden Monat mein Gehalt und mittlerweile auch den Kreditrahmen meiner Firmenkreditkarte verspiele. Dies ist bisher noch nicht aufgefallen, aber ich habe jeden Tag Angst, dass das rauskommt, wenn ich meinen Job verliere, verliere ich meine Existenzgrundlage und wahrscheinlich auch meinen Lebensmut.

Daran arbeitest Du ja leider gerade.  :(
Dann hättest Du wieder Zeit event. eine SHG zu besuchen?

Deine Gesundheit und Dein Wohlergehen sollten an erster Stelle stehen und nicht Deine berufliche Kariere.
Du bist ja bemüht aus Deinem Suchtverhalten zu kommen, doch es reicht ja momentan nicht aus.
Du machst Dir große Sorgen und es quält Dich doch so sehr.
Liebe Jessy eine Lösung muss her und Du kannst sie leider nicht erzwingen.
   

. Ich gehe generell sehr offen mit meiner Spielsucht um, meine Freunde wissen von jedem Rückfall... Dennoch kann ich nicht erwarten, dass sie mich verstehen, daher würde ich mich hier wirklich sehr über live Kontakte freuen.

Es ist doch nicht so wichtig dass sie Dich wirklich verstehen in Deinem Verhalten, Du bist Suchtkrank!
Doch sie würden sich doch sehr wünschen, dass es Dir wieder gut geht.
Es sind Deine Freunde!

Mache unbedingt alles dafür um Deinen Lebensmut zu erhalten, manchmal müssen auch Dinge geändert werden dafür.
Dass ist nicht so einfach ich weiß dies schon, doch es ist alle Mühe wert....für Dein so wertvolles Leben.

Liebe Grüße

 

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« Letzte Änderung: 09.04.2022 11:51:54 von Jacky1 »
 
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K
Re: Kontakte
#6: 09.04.2022 19:51:43
Das ist im Prinzip die Frage, was kann ich (noch) tun? Ich habe wie gesagt, die Therapien gemacht, ich habe durch einen Umzug mein Umfeld verändert, dann irgendwann meinen Job gewechselt, ich gehe weitestgehend offen mit diesem Thema um und hab mich bei "meinen"  Casinos (spiele seit Jahren ausschließlich online) sperren lassen. Meine Finanzen kann ich nicht aus der Hand geben, da ich beruflich Zugriff brauche für Hotel- und Reisekosten. Damit möchte ich auch ausdrücken, dass ich durchaus bereit bin, Dinge zu ändern und es bereits mehrfach getan habe. Ich bin zur Zeit so wahnsinnig glücklich in meinem Job und habe einen unglaublich tollen Chef, bei dem es nicht zwangsläufig zu einer Kündigung kommen muss, wenn alles rauskommt. Auch das wollte ich machen, ihm davon erzählen, allerdings hat mein Anwalt mir davon abgeraten, da ich ihn in Zugzwang setzen würde.
Ich sollte noch erwähnen, dass ich ebenfalls süchtig nach Gras bin, seit über 20 Jahren. Es ist, wie bei vermutlich allen, ein sehr tiefsitzendes Problem, was ansatzweise auch bereits reflektiert wurde und ich weiß, dass eine Psychotherapie das einzig sinnvolle ist. Ich stecke in einem Dilemma.

Ich danke euch, es ist gut, dass es dieses Forum gibt.
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K
Re: Kontakte
#7: 09.04.2022 19:58:41
Achso und Andre, ich spiele tatsächlich nie während der Arbeit, auch nicht, wenn ich eine ganze Woche alleine unterwegs bin und abends im Hotel. Bei mir ist das Wochenende/Urlaub/Freizeit das Problem, wenn ich alleine auf der Couch sitze.
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A
Re: Kontakte
#8: 09.04.2022 21:38:23
Moin Karma,

das meinte ich  vorhin mit was Neuem, nicht Dinge als gegeben zu nehmen.
z.B. Kreditkarte ist doch dann für die Woche, für die Hotel und Reisekosten , da bräuchtest Du demnach gar nicht den vollen Zugriff auf Dein privates Konto, wenn doch wäre es ja kein Problem, weil Du ja sowieso nicht in der Woche spielst, sondern  am Wochenende. Also stellt sich doch jetzt die Frage, wie kannst Du  erstmal Deinen vollen Zugriff von Freitag Abend bis Montag Morgen unterbinden....... ? Wie kannst Du dann Deine private Zeit nutzen. ?Vielleicht mal eine Hundeschule oder nach neuen Interessen suchen. Schauen was es mit Dir macht, am Wochenende nicht zu spielen, Dich um Deine Genesung kümmern. Ich denke schon, das Dir was einfällt, Du hälst einfach krampfhaft an Deinen Süchten fest.Mache Dir klar, dass Du diese nicht mehr ausüben kannst, weil Du nicht aufhören kannst, es hat keinen Zweck. Ist Dein Empfinden denn anders, wenn Du 3-4 Wochen mal nicht kiffst ? Kenne mich da nur vom hören sagen aus.  Wäre es nicht interessant zu schauen, welche Möglichkeiten sich bieten wenn Du eben weder kiffst noch zockst. Deinen Kopf überhaupt mal die Möglichkeit gibst, mit klarem Verstand auf Dich zu schauen ?

Lieben Gruß
André

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Re: Kontakte
#9: 10.04.2022 00:21:13
Hallo,

was macht man eigentlich, wenn mehrere Therapien durchlaufen wurden, die Umgebung verändert, der Beruf gewechselt und die neue Arbeitsstelle einen erfüllt - Freude bereitet.  Sich hat sperren lassen in Casinos und man offen mit dem Thema Sucht umgeht, es sogar seinen Freunden erzählt, darüber schreibt
und weiterhin hilfreiche Kontakte sucht .....und dennoch bleibt alles gleich?

Wenn ich nun einmal auf mich zurück schaue, wurde ich spielfrei/abstinent sogar fast ohne diese oben beschriebenen, durchaus hilfreichen "Dinge".
Eigentlich das Einzige bliebe, dass ich mit dem Thema Sucht sehr offen umging.
Na klar, was bliebe mir auch anderes übrig.

Andrè hat es in seinem letzten Beitrag auf den Weg gebracht.
Am Anfang des Endes meines Suchtverhaltens, bemühte ich mich und habe immer mehr gelernt Hilfe anzunehmen.
Spielte aber weiter - doch immer weniger.
Und war auch schon in so einem Forum und auch in einer SHG, dann hörte ich ganz auf mit dem Glücksspiel.
Aber spielte in meinem Kopf noch weiter - aber immer weniger.
Irgendwann bemerkte ich und es war irgendwie wie ein positiver Zwang und meine erste tiefgreifende Erkenntnis.
Hey mein Leben funktioniert ja ohne dieses Suchtverhalten ganz gut.
Es hatte seine "magische Kraft" verloren und es machte BOOOOOM in meinem Kopf.
Und genau ab diesem Zeitpunkt machte alles einen Sinn, hier zu berichten, es meiner Familie und Freunden zu erzählen und in eine SHG zu gehen.
Ein pathologischer Spieler zu sein und das Spielen nicht mehr zu brauchen ist ein tolles Elixier.
Vielleicht erkennt man es erst so richtig, wenn man es sein lässt...einfach einmal sein lässt.
Ohne in einem tiefen Loch zu landen und sich in der dunkelsten Gosse des Lebens wiederzufinden,
wo ja dann keiner mehr eine Wahl hätte außer es dann angehen zu müssen!
Denn noch darfst Du es Jessy.

Liebe Grüße 
   




 


 
 

     
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« Letzte Änderung: 10.04.2022 00:58:01 von Jacky1 »
 
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