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Autor Thema: Autopilot

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Marcello

Autopilot
OP: 08.11.2021 20:10:09
Moin, um mich steht es mies. Seit 8 Jahren dattel ich an Automaten. Das fing kurz vor meiner Hochzeit an. Als 18jähriger war ich auch schon mal dran. Ich erinnere mich, wie ich damals abends mit dieser Melodie im Ohr ins Bett gegangen bin. Damals habe ich von einem Tqg auf den anderen aufgehört. Dann hatte Spielen 20 Jahre keine Bedeutung und dann vor 8 Jahren ging es wieder los und seit dem fliege ich im Autopilot und kann nicht mehr selbst das Steuer übernehmen. Bitte helft mir. Ich will nicht mehr. Was kann ich tun? Ich möchte diesen blinden Fleck in mir aufarbeiten, weiß aber nicht wie "aufarbeiten" geht.
Grüße Marcello
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Autopilot
#1: 08.11.2021 20:40:47
Moin Marcello,
Super … echt ganz stark das Du hier geschrieben hast. Herzlich willkommen !!
Ja , das kenne ich nur zu gut .. nachdem ich bis morgens um 5 Uhr in der Halle verbracht habe .. 12-14 Stunden zocken rauchen Café .. dann im Bett alles drehte sich & leichter vernebelter Druck im Hinterkopf und piepen und. irgendwie nen flimmern … …

Also  erstmal durchatmen  Marcello , bleibe ruhig , von heute auf morgen ist das nicht weg , also mach Dir keinen Druck . Ich würde mich vielleicht jdm persönlich öffnen , rede dadrüber ,  mache einen Termin bei der Suchtberatung , nehme an einer SHG Teil , gebe Deine Finanzen ab, entziehe Dir das Suchtmittel., dem Geld, lebe mit den Konsequenzen die Du  jetzt vielleicht finanziell tragen muss , übernehme die Verantwortung. Handle zukünftig eigenverantwortlich, nicht die Sucht bestimmt Dein Leben  ,Du selbst bestimmst  Dein Leben .  Setzte Dich hin und fange an zu reflektieren … schreibe alles auf , das muss nicht hier statt finden , ich habe alles nur für mich aufgeschrieben … hab von klein bis  40 Jahre alles aufgeschrieben, was mir so einfiel aus meinem Leben.  Erfahrungen… das befreit schon irgendwie , vielleicht findest Du da schon Ansätze wo Du genauer hingucken solltest .Dann gehst Du Schritt für Schritt weiter . Mache Dir klar was Du nicht mehr willst , mache Dir klar was Du willst  und lebe danach . Sei ehrlich zu Dir selbst , wenn Du reinen Tisch machen willst , haue alles raus , auch wenn noch so peinlich , es nützt nix , sonst bist Du beschäftigt, das was Du verheimlichst hast , zu vertuschen uns das ist für ein  abstinentes Leben nicht förderlich , weil dann bleibst Du in Dein Hamsterrad .

Schön das Du hierher gefunden hast . Es ist zu schaffen !!

Gruß  André
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Marcello

Autopilot
#2: 08.11.2021 21:50:29
Lieber André, ich freue mich über Deine Worte, danke. Mit dem Schreiben, das war schon mal. Ich schrieb viel und als ich später darin las, hatte ich es nicht ausgehalten- Ich dachte,wenn das jemand findet und es hatte so wenig von dem, wie ich mich gerne sehen wollte. Dann verbrannte ich Alles. Mit dem Verbrennen oder Wegwerfen habe ich seit meiner Kindheit- Ich rauche viel, also ich kaufe mir eine Schachtel oder ein Päckchen Tabak und dann rauche ich daraus bis es mich so ankotzt, dass ich die restlichen Zigaretten wegschmeiße, So geht das schon 8 Jahre. Vordem hatte ich paar Jahre nicht geraucht, Weshalb ich auch in Spielos gehe, dort kann ich Rauchen. Neulich habe ich mehrere Stunden gezockt und Zigaretten geraucht, eine nach der anderen, 50 Zigaretten hinter einander weg. Dann wurde mir schlecht und ich habe neben den Automaen gekotzt. Ich dachte, nun schmeißen sie dich endlich raus. Nein, die Casinioarbeiterin wischte es weg und blieb freundlich. Es war eine junge Frau. Sie gefiel mir  gut und sie schaute mitlleidig.
Herzlich Marcello
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Autopilot
#3: 08.11.2021 22:42:17
Mit dem Schreiben, das war schon mal. Ich schrieb viel und als ich später darin las, hatte ich es nicht ausgehalten- Ich dachte,wenn das jemand findet und es hatte so wenig von dem, wie ich mich gerne sehen wollte. Dann verbrannte ich Alles.

Moin Marcello,
schaue mal .. hier in dieser Aussage liegt so viel drin . Hier hast Du doch tolle Ansätze für Dich . Mir hat meine Systemlöserin mal gesagt : André solange Du Dich nicht selber aushältst , wirst Du immer wieder spielen  gehen müssen .
Marcello stelle Dich dem, was war , heißt ja nicht das es so bleiben  muss . Schaue Dir das an . Das kannst Du nicht mehr ändern  , akzeptiere das , Dich . Und weißt Du was , das heute und das morgen kannst Du ändern !!!! Für mich habe ich mal definiert wie ich mich sehe ( z.b. über Charaktereigenschaften) dann habe ich es abgeglichen mit dem wie ich mich verhalte .. oh Gott da wurde mir auch schlecht , obwohl die Eigenschaften habe ich mir ja nicht ausgedacht .. nur nicht nachgelebt .d..h. Im umkehrschluss  ich habe mir im Unterbewusstsein ständig selbst gezeigt wie „ verkehrt“ ich bin und mir so , denke ich jedenfalls , das spielen erlaubt , also wenn ich ehrlich bin , damit auch nochmal  das bestätigt . Ich habe also ständig  gegen meine innere Überzeugung gelebt , warum wieso , hab ich auch geklärt , ist aber eigentlich egal , nur meine innere Überzeugung habe ich Jahrzehnte verdrängt , tot gemacht .. mich selbst hatte ich schon lang verloren … nur noch beschäftigt die Sucht zu befriedigen und zu verstecken , denn ich hab ja auch noch nen Umfeld …. Dieses gilt es zu unterbrechen .
Lass vom Spiel los, wenn Du weißt wofür Du stehst,  dann lebe danach . Reflektiere Dich , dein handeln , bist Du das , willst Du das wirklich .. stehe für Dich ein  und gestehe Dir die Sucht ein, dann wirst Du dazu  auch in der Öffentlichkeit stehen können  und kannst Dich um  Dich und  Deine Genesung. kümmern .
Und vergiss nicht , unsere Sucht ist  genauso.  stark wie Drogen , Alk ,  also die Stoffgebundene Süchten , also gehe nicht  so hart mit Dir ins Gericht , nur eins muss Du machen … in Bewegung bleiben , was tun , in dir aufräumen , immer wieder gucken , was. passiert gerade mit mir , welche automatismen greifen gerade , die mich zum Automaten führen …

Du siehst es ist alles komplex und für mich auch sehr schwer in Worte zu fassen , ich hoffe Du weißt worauf  ich hinauswill .

Ab heute lässt Du los 

Lieben Gruß
André
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Autopilot
#4: 09.11.2021 07:33:41
Guten morgen Marcello,

herzlich Willkommen im Forum, toll dass du Dich hier austauschen willst.
Ich war auch 10 Jahre "ohne" spielen und dann hat es sich "einfach"wieder eingeschlichen, in meinem Fall über Umwege des Pokers wieder zu den Online Casinos. Heute weiß ich es war nie weg, deswegen das "ohne" und "einfach". ich hab nur eine laaange Pause gemacht.
Ich hab damals eine halbherzige Therapie gemacht, den Job und die Stadt gewechselt und gut war. Heute weiß ich, war nicht gut, war wieder nur verdrängen und weglaufen vor mir selbst.
Überlege Dir, welche Schritte Du jetzt gehen willst, neben dem Forum. Es gibt viele Wege die nicht wieder in die Halle führen , sondern in ein Leben ohne Scham und Ängste und ohne Dich so selbst zu quälen.
Der Anfang ist gemacht und nun geht es daran weiter zu schauen.
Vielleicht magst du noch ein wenig über Dich erzählen und was Du bisher schon für Dich und gegen Deine Krankheit unternommen hast?
Und aus meiner Erfahrung hier seit fast 2 Jahren, das Schreiben hier im Forum und mein Tagebuch hier, helfen mir immer ein Stück weiter und geben mir auch Halt auf dem manchmal etwas holprigen Weg zu mir.
Sei gegrüßt
Medea
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Wir können den Wind nicht ändern, aber die Segel anders setzen.

Aristoteles
 
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Autopilot
#5: 09.11.2021 07:46:51
Moin Marcello,

herzlich Willkommen hier bei uns im Forum, extraklasse, dass du dich zu Wort gemeldet hast!
Zuerst mal eine gute Nachricht: jeder Autopilot kann deaktiviert werden!  8)
Und in der Tat ist es Zeit, dass du die Kontrolle über dein Leben wiedergewinnst. Dazu gehört dann aber auch, die aktuelle Situation erstmal so hinzunehmen, wie sie ist - nämlich beschissen. Du willst dies ändern, umso besser, dann fange heute damit an - Ehrlichkeit zu dir selbst und deinen Liebsten ist Grundvoraussetzung hierfür. Suche dir Menschen, die dich auf deinem Weg begleiten, in Foren, in Selbsthilfegruppen, in der nahen Verwandschaft oder in Suchtberatungsstellen. Begleiten heißt an dieser Stelle nicht, dass diese Menschen den Weg für dich ebnen oder gar selbst darauf gehen, nein sie sollen dir eine Hilfestellung sein, voranschreiten musst du schon selbst....
Bist du eigentlich noch verheiratet??

Grüße,
aT
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Marcello

Autopilot
#6: 09.11.2021 16:47:41
Moin ihr Lieben, ich habe mich heute in der letzten Spielo vor Ort sperren lassen. In den anderen bin ich schon seit längerem gesperrt. Die eine hatte den Besitzer gewechselt und der neue hat die alten Spielsperren nicht beachtet. So blieb mir immer noch diese Möglichkeit. Mein Auto hatte ich schon im Sommer verkauft. Abends war ich immer noch mal losgefahren, um Zocken zu können. Jedenfalls, heute hatte ich mir den Zettel mit der Sperre  in die Tasche gesteckt und wollte nochmal, zum allerletzten Mal, zocken und dann beim raus gehen den Zettel abgeben. Mit diesem Vorsatz bin ich rein und ... ich habe den Zettel gleich abgeben und mich verabschiedet, ohne die Maschinen zu füttern, bin raus und war Sieger. Danke, Euch für Eure Stärkung für diesen Weg.
Nein. mein Ehe ist nicht gefährdet. Meine Frau weiß Bescheid, zumindest teilweise. Ich sage ihr nicht jedesmal, dass ich zocken war. Aber sie sieht es und fragt nicht weiter. Wir haben ein ganz gutes Einkommen und mir gelang es immer so zu lavieren, dass nicht alles den Bach runter ging. Auch habe ich keine Schulden gemacht. Dies ist auch nicht meine Sorge. Es fühlt sich nicht gut an und es ist beschissen, dass ich jedesmal als Verlierer aus den Scheißbuden gehe.
Herzlich Marcello
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Autopilot
#7: 09.11.2021 20:35:38
Hallo Marcello,

das sind gute erste Schritte, gerade auch dass Du darüber berichtest und ich freue mich mit Dir mit.
Selbst wenn man in der Spielo gewinnt bleibt man ein Verlierer, sogar auch ohne spielsüchtig zu sein.
Dieser Gewinn stammt lediglich von anderen Spielern und ganz sicher, denen fehlt dieses Geld und manch ein unglückliches Schicksal
haftet eh daran. Letztendlich wird das Geld von Besuchern dort nur hin und her geschoben...jedes mal abzüglich des benötigten Umsatzes für den Betreiber.
Dieses System kettet alle aneinander und macht so viele sehr krank.

Ich frage mich bei Dir, wieviel Wahrheit kannst Du tragen, zu viel Wahrheit kann schon sehr schmerzen.
Auch "schützt" Du Deine Frau etwas davor, wie groß das eigentliche Ausmaß ist.
So glaube wäre es ein Wahnsinns Schritt mit Ihr darüber absolut offen zu sprechen und wirklich ein Meilenstein des Vertrauens.
Und nun sogar gehst Du es ja an, alles zu ändern !

Sehr gerne werden wir Dich weiter begleiten und stehen darüber hinaus für jede Hilfestellung zu Verfügung.
Falls Du Adressdaten von Beratungsstellen oder Selbsthilfegruppen benötigst.

Weiter geht es...niemals alleine!

Grüß Dich             
   
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« Letzte Änderung: 09.11.2021 21:04:54 von Jacky1 »
 
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Marcello

Autopilot
#8: 09.11.2021 21:12:34
Lieber André, ..."solange Du Dich nicht selber aushältst" - mit Deinem Satz bin ich heute schwanger gegangen. Das stimmt auch für mich. Es fällt mir schwer Gefühle auszuhalten. Gute wie schlechte. Es gibt ein Wort, Alexithymie, ich hatte es bis vor kurzem noch nie gehört und kann es noch nicht aussprechen. Jedenfalls benennt es die Schwierigkeit Gefühle auszudrücken, zu unterscheiden oder wahrzunehmen. Ich habe mich noch nicht weiter mit diesem Begriff beschäftigt aber ich glaube, das ist eine seelische Krankheit. Ich habe heute begonnen aufzuschreiben, wie es mir geht. Beim nochmaligem Lesen, ist mir aufgefallen, dass ich nichts Gutes nennen konnte oder nichts Gutes  geschrieben habe. Denn eigentlich war es heute cool. Ich bin richtig als Sieger aus der Spielo. Dieses gute Gefühl hält auch jetzt noch und ich glaube, meine Frau hat sich gefreut, dass ich gleich nach Hause gekommen bin.  Trotzdem beschleicht mich so etwas  wie Unbehagen. Ich habe Angst davor, wenn es mir besser geht und ich in diese manische Phase komme, dass ich dann wieder auf Autopilot schalte. Biher war es immer so.
Herzliche Grüße
Marcello
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Autopilot
#9: 09.11.2021 23:11:34
Lieber Marcello

dass Du unter "Alexithymie" leidest, glaube ich nicht. Vielleicht hast Du auf deinen Zettel nichts Gutes geschrieben, aber uns ja schon: Du beschreibst ja ziemlich lebendig, dass es ein gutes Gefühl war heute (nach der Sperrung) als Sieger aus der Spielo so gehen. Und für Deine Frau hast Du auch Empathie.
Du spürst glaube ich schon, was passiert. Du hast nur vielleicht Angst vor Deinen Gefühlen und möchtest sie nicht auf den Zettel schreiben. Das ist ja auch okay so!!
Aus Deinen Beiträgen lese ich auch Dankbarkeit und Erleichterung.
Also ich glaube, Du bist auf dem richtigen Weg!!
Such Dir jemanden, bei dem Du Deine Gefühle sortieren kannst und der dir hilft, die nächsten Schritte zu definieren (Therapeut? Suchtberatung?...). Nutze die Energie, die Du gerade hast!!!  ;)

Viele Grüße
JJ
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Marcello

Autopilot
#10: 10.11.2021 11:06:22
Moin JJ, wir wohnen in einer abgeschiedenen Gegend. Die kleine Stadt in der Nähe besteht gefühlt aus Reha-Läden,  Döhnerbuden und Spielos. Mit Hilfeangeboten ist es nicht so dick. Vor längerer Zeit war ich mal bei einen Nervenarzt und der gab mir Tableten mit, die eigentlich für Alkohliger entwickelt wurden. Die haben mich so dermaßen umgehauen, dass ich gar nicht mehr an Zocken denken konnte. Nach vieleicht 10 Terminen beim Arzt überkam der Eindruck, dass er mit Spielsucht nichts anfangen konnte. Da bin ich dann auch nicht mehr hin. In meiner Vorstellung besteht immernoch das Bild, einfach aufzuhören. Da ist ja nichts, eigentlich ganz einfach. Ich meide die Automaten und gehe einem anderen Beschäftigung nach. Kein körperlicher Entzug und das gute Gefühl bekommt Platz. Manchmal habe ich schon 4 bis 5 Tage nicht gespielt und dann wurde das Stimmungshoch so wild, dass ich ohne Nachzudenken wieder in der Spielo landete und mich dort beruhigen konnte. Gestern war insofern ein besonderer Tag, dass ich mich in der letzten verbliebenen Spielo sperren lassen habe. Nun gut und jetzt merke ich, wie dieses eigentlich gute Gefühl anschwillt und vielleicht in einigen Tagen so unerträglich wird, dass ich mit dem Zug in die Landeshauptstadt fahre. Davor habe ich Schiss. Gern wäre ich so ausglichen wie ein Stein. Der liegt da, ob es kalt oder heiß ist, ob die Sonne scheint oder regnet.
Herzliche Grüße
Marcello
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Autopilot
#11: 10.11.2021 13:26:30
vielleicht in einigen Tagen so unerträglich wird, dass ich mit dem Zug in die Landeshauptstadt fahre.

Warum so lange warten ? Fahr doch gleich heute Abend los. Wird bestimmt nett.
Alles was du schreibst deutet darauf hin, dass dein Hirn jetzt schon entschieden hat, dass du demnächst wieder spielen wirst.

Im Moment sehe ich bei dir Augenwischerei und Selbstbeweihräucherung.
Vom echten Willen dein komplettes Leben zu ändern sehe ich da noch nix ... gar nix ...
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Der Kreis schließt sich erst wenn er vollendet ist !
 

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#12: 10.11.2021 17:00:12
Hallo Marcello,
eine Behandlung beim Neurologen so einfach abbrechen, ohne vestanden zu haben, was man hat, wird wohl einfach keine gute Idee sein.
Wenn es Dich interessiert, was er diagnostitiert hat und wie er dir helfen wollte, dann geh nochmal zu ihm hin (egal wie lange das her ist) und stelle ihm viele Fragen.
Wenn es Dich nicht interessiert oder du "Nervenärzte" eh nicht ernst nimmst, dann tappe weiter im Dunkeln.
Auffallen tut mir einfach (aber ich bin kein Arzt und auch kein Therapeut!!), dass du in deinen Aussagen schwankst zwischen der Angst, KEINE Gefühle zu haben und der Angst, dass Deine Gefühle Dich ÜBERMANNEN. Dazu können dir Ärzte und Therapeuten bestimmt mehr erzählen....
Was ich mir noch vorstellen kann, ist dass Dir ein "Achtsamkeitstraining" helfen würde, die Impulse die in dir wirken, besser zu spüren. Und auch verschiedene Wege, wir wir auf unsere Impulse reagieren können (oder sie eben ignorieren können!). Das nämlich ist es eigentlich, was Du Dir wünschst, wenn du gerne der Stein wärst, der liegen bleibt.
Ob Dir die Fahrt zum Arzt und/oder Achtsamkeitstraining zu weit sind, das kannst du nur selbst entscheiden. Fest steht: Wenn man Hilfe will, muß man sie sich holen!!!

Liebe Grüße
JJ
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Marcello

Autopilot
#13: 10.11.2021 21:25:58
Lieber Fred und JJ, danke, dass ihr Euch Zeit für mich nehmt und Gedanken für mich macht. Ich komme gerade von Arbeit. Ich bin Sozialarbeiter. Zu Kollegeni/innen in die Beratung zu gehen, kann ich mir nicht vorstellen, zumal, wenn sie in der Nähe sind. Aber ich habe mich heute einer Ordensschwester anvertraut und sie hat mir zugehört und sucht mit mir nach einer Behandlungsmöglickeit. Heute ist noch etwas anders gewesen als sonst. Ohne zögern bin ich nach Hause, habe unterwegs noch schnell Schnitzel und eine harte Wurst gekauft und wollte unbedingt  im Forum lesen. So habe ich mich sehr über eure Antworten gefreut. Fred, ich möchte wirklich aufhören mit dieser Scheiße. Sie macht mich krank, nimmt mir die Lust und ich bin immer blank. Bevor ich mich an euch gewendet habe, habe ich schon einiges erreicht und mich mit meiner Spielsucht auseinandergesetzt. Ich habe den Absprung noch nicht geschafft, nein,  aber ich habe meine vormals 3000€ Schulden abgezahlt, habe mit der Bank gesprochen, mir keine Kredite zu gewähren, habe für meine Kinder Sparverträge abgeschlossen, bezahle den Unterhalt für meinen Sohn jeden Monat pünklich und sogar etwas mehr als gefordert, bin nun in allen Spielos im Umkreis von 20 km gesperrt, war mit meinem Sohn in den Ferien eine Woche angeln, halte Termine und Verabredungen besser ein und irgendwie scheint der Schalter auf aus zu kippen. Ich wünsche mir, dass es vorbei ist und ich gebe nicht auf. Mit einer Therapie tue ich mich schwer, stimmt. Aber auch hier habe ich mit einer Klinik telefoniert und möchte mich im Januar einweisen lassen. Sofort geht nicht, ich brauche Vorbereitung dazu.   Ich denke, es gibt zwei grundlegende Behandlungsansätze. Eine Analyse, in der nach Ursachen gesucht wird und Verhaltensänderung. Dabei wird gewohntes Verhalten mit gewünschtem Verhalten überlagert. Ich übe mein Verhalten zu ändern. Für den Rest gehe ich in die Klinik und  was sagte schon Konfuzius: "Es ist nie zu spät eine glückliche Kindheit zu haben."
Euch eine gute Nacht und danke. Prima, dass ihr da seid.
Herzlich Marcello
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#14: 11.11.2021 17:00:48
Lieber Marcello,

für den Fall dass Du heute wieder nach der Arbeit ein Schnitzel und eine harte Wurst kaufst und danach hier reinschaust, dachte ich, wär es nett, ich hinterlass nochmal einen Gruß für Dich.
Wenn Du tatsächlich im Januar in eine Klinik gehst, dann werden doch dort wahrscheinlich auch Therapiegespräche stattfinden? Da kennen sich aber alle anderen hier besser damit aus als ich.

Dass Du Dich einer Ordensschwester anvertraut hast, finde ich gut. Je mehr du dich öffnest, desto besser ist es doch!!
Das mit Deinen Gefühls-Höhen und -Tiefen finde ich weiterhin erstaunlich. Ich würde an Deiner Stelle mal versuchen, darüber Tagebuch zu schreiben. Einfach die Gefühle die auftauchen hinschreiben und jeweils mit Stärke 1-10 bewerten. Ist es tatsächlich so, dass du vor den "guten" Gefühlen mehr Angst hast als vor den "schlechten"? Was ist bei Dir ein "gutes" Gefühl?
Leg dich doch einfach mal auf die Couch und lass die guten (und schlechten?) Gefühle über dich hereinschwappen. Lass sie einfach mal auf dich wirken. Fühle bewusst hin was da ist. Nimm wahr wo und wie du es fühlst. Schreib dir das dann auf.
Hinkucken ist meistens die gesündere Lösung als es nicht wahr haben zu wollen.
Wenn Du merkst, dass Du nicht klarkommst, dann fahr gleich zu einem Arzt oder ruf bei der Telefonseelsorge an. Ich denke aber eher, dass du escerstaunlich gut aushalten wirst. Vielleicht bleibst du dabei sogar auf dem Sofa liegen wie ein Stein. Vielleicht auch nicht. Du wirst es sehen.

Deine Vorstellung davon, einfach nicht mehr zu spielen, kenne ich sehr gut von meinem Mann. Er meint das ja auch. Ich persönlich sehe es eher so:
Wenn Dein Bein gebrochen ist, brauchst Du auch einen Arzt. Es reicht nicht, Dir einfach ganz fest vorzunehmen wieder zu laufen.

Was Deinen Wohnort angeht: Es ist Dir peinlich zu einem Therapeuten zu gehen, aber es ist dir nicht peinlich in die Spielo zu gehen??? Das verstehe ich jetzt wieder nicht. Spielo wär mir persönlich da echt peinlicher!! Und dort sehen dich auch viel mehr Leute.
Davon abgesehen steht ein Therapeut unter Schweigepflicht. Keiner wird erfahren, was Du da redest.
Außerdem ist es kein Armutszeugnis, wenn man zum Therapeuten geht. Therapeuten müssen für ihre eigene Ausbildung zum Beispiel selbst eine lange Therapie durchlaufen, um sich selbst richtig verstehen zu lernen. Und auch als fertige Therapeuten gehen viele noch zu einem "Supervisor".

Zum Therapeuten zu gehen ist genauso schlimm oder unschlimm wie zum Augenarzt zu gehen.

Melde dich mal wieder, wie es Dir geht.

JJ
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