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Autor Thema: Ich bin verantwortlich

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A
Re: Ich bin verantwortlich
#180: 02.08.2022 09:34:09
Moin,

ich finde dieser, von Dir gestarteten Thread Taro, bekommt viel zu wenig Aufmerksamkeit gewürdigt.
Die Beiträge sind mit soviel Inhalt gefüllt, denke hier geht aber viel unter. Einfach der Zeit geschuldet, der Menge der Beiträge.

Für mich selbst war das eine so wichtige Erkenntnis : ICH bin verantwortlich, ich muss mich nur mal aus meiner "Komfortzone " bewegen.

Ich schreibe mal ein paar wichtige Punkte auf, die für mich damals ausschlaggebend waren.

Mir geht es schlecht, oh kacke wieder kein Geld, alles so teuer, Unterhalt zahlen, Miete ist auch wieder dran, Kredite abzahlen, oh nee, Kumpels bekommen auch noch Geld usw. usf. Stopp ! Wer ist schuld an der Misere ?  ICH selbst. Kapiere ja nicht, dass das Zocken mir es nicht möglich macht obg. Dinge zu bezahlen. Ich schaue mir das also immer wieder an und erkenne langsam  meine Lüge, Besser wurde es erst richtig, als ich keinen  Cent mehr verzockte. ich bestätigte mir meine Lüge und verinnerlichte diese langsam.

Oh man Partnerin ist so doof , sie verletzt mich, sie glaubt mir nicht man ich tue doch was gegen die Sucht, was will sie denn noch? Bloss nicht weiter denken- Zocken. Stopp !  Bin ich denn jetzt ehrlich Ihr ggü. kann ich ich denn Ihr ggü. überhaupt ehrlich sein ? Ich  komme nicht raus aus diesen Kreislauf, weil ich immer Ihr ggü. was darstellen will, was ich zur Zeit gar nicht bin, Halte ich diese Ambivalenz aus oder nährt sie meine Sucht ? ICH ziehe eine Grenze. ICH  entziehe mich erstmal diesen Emotionen, die ich  jetzt sowieso nicht verstehe. ich habe selbst Angst das ich es nie schaffe und möchte auch meine Partnerin damit nicht ins verderben ziehen. ICH entscheide zu gehen. Ich schaue mir das immer wieder an, ICH trage die Konsequenzen für mein Verhalten, auch wenn Sie erstmal weh tun. Ich merke aber nur so ändere ich was, ich merke dass ich langfristig mir immer wieder selbst bestätigte, dass ich unzulänglich bin, in welcher Form auch immer. Alles diente nur meiner Sucht, wenn Geld alle , bestätigte ich mir meine Wertlosigkeit schon wieder selbst.
ICH wollte das so, ICH habe alles zugelassen. Als Kind machtlos, als Erwachsener aber nicht.

Ich fühle mich einsam, ich fühle mich nicht dazugehörig, alle machen was, treffen sich als Pärchen Stopp.  Isoliere ICH mich nicht selbst? Bin ich selbst auch langjährigen Freunden eher zurückhaltend?  ja mache ich, es darf ja keiner Wissen das ich zocke, ich verlange Dinge, im zwischenmenschlichen Bereich  die ICH selbst nicht annährend ( Im Privaten )  erfülle.

Diese Liste kann ich beliebig fortführen. ICH habe die Verantwortung meines Lebens, meines Handels, selbst meiner Gefühle an andere (auch an die Sucht) abgegeben.

Das zu verstehen war ein langwidriger Prozeß, Bedarf vieler Übungen, musste meine eignen Werte erstmal definieren, bewusst realisieren.

Denn verantwortlich über mein Leben sind nicht meine Eltern, meine Verwandtschaft, meine Freunde, selbst nicht mal die Sucht, sondern ganz allein :

                                                       ICH 

Lieben Gruß

André
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Re: Ich bin verantwortlich
#181: 02.08.2022 10:08:31
Ob man jetzt bei 180 Antworten von zu wenig Aufmerksamkeit reden kann  ? ;D
Immer wieder ein schöner Sammler der dem Verdrängen entgegenwirkt.
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Re: Ich bin verantwortlich
#182: 02.08.2022 10:35:27
Ob man jetzt bei 180 Antworten von zu wenig Aufmerksamkeit reden kann  ? ;D
Immer wieder ein schöner Sammler der dem Verdrängen entgegenwirkt.

 :)

Steter Tropfen höhlt den Stein oder Gutta cavat lapidem non vi sed saepe cadendo  ;)

Lieben Gruß
André
 
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Re: Ich bin verantwortlich
#183: 02.08.2022 21:26:58
Hallo,

schöne Beiträge.

Kann ein pathologischer Spieler überhaupt seine Verantwortung selbst tragen?
Wenn er alles verspielt und gegen seinen Charakter auch noch Gelder besorgt auf allen möglichen Wegen, sich verschuldet, kaum noch Essen für seine Familie aufbringen kann, bald kein Licht mehr im Haus und kalt im Winter. Scheidung wird wohl bald ein Thema  und die Kinder schauen auf den Boden wenn er an ihnen vorbei geht.

Hat er sich dies wirklich ausgesucht?
Natürlich ist er Verantwortlich dafür, nicht weil er es kann...sondern er es mu0!
Ein süchtiger Mensch soll sich Hilfe holen.....dazu muss er erst einmal kommen. 
Wir hier sind gestärkt darin und wissen was wieder passieren würde.
In der aktiven Zeit flohen wir dennoch zum Spiel, es mag ja kaum daran liegen, dass  unsere Konsequenzen aus dem Spielen event. weit minder waren.

Von dieser Sucht los zu kommen ist kein kosmischer Zufall, sondern findet sich eben in jenen Dingen wieder die Taro und Andrè sehr gut beschrieben.
So fängt eine Verantwortung die nicht nur aufgezwungen ist, sondern zur greifbaren Selbstverantwortung dann an....
weshalb viele auch hier ins Forum kommen....es zu ändern! 

Liebe Grüße

 
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Re: Ich bin verantwortlich
#184: 03.08.2022 09:17:18
Kann ein pathologischer Spieler überhaupt seine Verantwortung selbst tragen?
Hier kann es nur ein absolutes "Ja, selbstverständlich" als Antwort geben.

Jeder Spieler kann sich jederzeit für seine Abstinenz entscheiden und sehr wohl die Verantwortung für sein handeln tragen.
Es ist sogar zwingende Voraussetzung für eine Genesung. Aber das ist ja alles hinlänglich bekannt.

Die Frage ist eher "Jacky-typisch" und verfolgt ein anderes Ziel
Jacky, immer wieder kommen Beiträge von dir, die den Spieler in welcher Form auch immer als "schuldfrei" darstellen.
Immer wenn ich sowas lese, keimt in mir der Verdacht, dass du mit deiner eigenen "Schuld" nicht wirklich klar kommst.
Oft betonst du wieviel "Leid" du, oder wir als Spieler allgemein unseren "Liebsten" zugefügt haben.

Ja, genau so ist es. Und wir wissen das. Und du weißt das. Wir sind ja nicht blöd.
Zum "Wohlfühlen" gehört nun aber auch, dass wir zu 100% auch akzeptieren, dass "wir" die "Bösen" sind
und dass es keine bösen Träume waren, die unsere Vergangenheit ruiniert haben.

Die Diskepanz zwischen "Worten" und "verinnerlichen" ist bei dir noch groß.
Ich bin mit dem "bösen Fred" absolut im Reinen. Da gibt es wenig Schönes und gar nichts zu beschönigen.
Mit dem Tag meiner Abstinenzentscheidung habe ich auch mein Leben komplett revidiert.
Ich kann nichts ungeschehen machen, aber ich kann alles mit jedem Tag besser machen als je zuvor.

Die Frage ob ich die Verantwortung tragen "konnte" oder ob ich so sein musste stellt sich mir nicht.
Ich weiß sehr wohl wie ich war und wer ich war und wie ich mich verhalten habe.
Und zu 100% war das ich. Ich war nicht fremdgesteuert und ich war nicht schuldunfähig.

Sich in diese "ich kann doch (vielleiciht) nichts dafür" Schiene zu vertiefen macht krank.
Sich selbst und das jeweilige Umfeld.

Eine andere Sichtweise wäre eine Ohrfeige für alle die den harten Weg in ein neues Leben gemeistert haben.

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Re: Ich bin verantwortlich
#185: 03.08.2022 09:52:32
Moin,

die Antwort von Dir Fred, ist Fredtypisch.  ;) Mir ist das natürlich im ersten Part vom Text oder bei einigen anderen.  auch aufgefallen.
Durch den zweiten Teil empfinde ich es aber eher als eine Empathie ggü. uns Spielern. Es ist teilweise unumgänglich in die Sucht zu geraten, es geht nach meinem Empfinden ,nicht um Absolution den Spielern gegenüber, sondern einfach um die Schwierigkeit, die Verantwortung des Spielers, vom Spieler selbst  überhaupt zu erkennen. Grün ist eben nicht das grün, in dem ich aufgewachsen bin, ich habe es nur gedacht, ich habe es angenommen und nie in Frage gestellt, als gegeben, bis  zum Tag X

Erst wenn ich das erkannt habe, dann kann ich doch erst die Verantwortung übernehmen. Die Schuldfrage bzw,-Gefühle, ist eh bei jedem anders, eben so wie weit sie es kommen lassen haben, in wie weit sie andere mit hineingezogen haben. Sich selbst sollte man auch verzeihen, meiner Meinung sollte es langfristig von alleine passieren, wenn man sich eben mit seinen Weg in die Sucht auseinander gesetzt hat und es verstanden hat. Die "Selbstgeißelung" ein Leben lang, für das was bei manchen unumgänglich war, bringt keinen weiter, keinem Geschädigten, dem Spieler selbst auch nicht. Das gehört mit zu akzeptieren. Der Spieler kann sich Gedanken machen über seine "Wiedergutmachung" Wir predigen doch immer : Vergangenes kann ich nicht ändern, aber das hier und jetzt.
Blick nach vorn.

Lieben Gruß

André
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Re: Ich bin verantwortlich
#186: 03.08.2022 20:46:45
Hallo Fred,

erst einmal, so freue auch ich mich wenn auf einen Beitrag von mir eigegangen wird.
Umso mehr wenn Du mich dabei direkt ansprichst.
Dazu sogar noch kritisch hinterfragt, wir beide haben uns schon über die ganzen Jahre oft gelesen.
Und immer wenn Du auf etwas aufmerksam machst, verteidigst Du gleichzeitig unser aller Bestreben.

...Sternchen mit Ansage.  :)

Du spieltest 30 Jahre intensiv und ich darf ja Deine Geschichte kennen.
Bei all deinem sonstigen Potential, Familie, Beruf, Freizeit, Liebe, Fürsorge.....

.........
Jeder Spieler kann sich jederzeit für seine Abstinenz entscheiden und sehr wohl die Verantwortung für sein handeln tragen.

Wenn es so gewesen wäre für Dich und Du wusstest es doch schon immer oder hast Du es damals gar nicht gewusst?

Ich schrieb letztens dass ich halt krankhaft egoistisch war und die mir gebotene Bequemlichkeit ausnutzte.
Niemals war dies das Einzige, es war aber natürlich dabei!

Jahrzehntelang spielen aber jederzeit aufhören können, man muss es nur wollen ?
Egal wie viel Wahrheit darin steckt....es muss wieder erlernt werden.
Eine psychische Störung bleibt eine ernsthafte Erkrankung, sie wird nicht beschönigt oder verharmlost.
Und auch nicht auf etwas reduziert, was eher auf einen durchzogenen Halunken zuträfe.   

Jede andere Sichtweise wäre eine Ohrfeige für alle Süchtigen der Welt.

Weißt Du, meine Ziele hier im Forum sind es nicht, jemanden frei zu sprechen von aller Schuld
Ich habe lediglich versucht Brücken zu bauen, für jene denen alles noch etwas fremd ist.
Möglich dass ich immer noch nicht richtig loslassen kann meiner Vergangenheit.
Schreibe ja oft genug darüber.

SHGs, Therapien ...das ganze Programm sollte zu einer wieder gesunden Lebensweise führen.
Dadurch sollte sich ein großartiger Lernprozess einstellen, eben wieder verantwortlich mit allem umzugehen.
Überall steckt viel Arbeit darin dieser Krankheit aus dem Wege zu gehen.

Ich kann nichts dafür Schiene....  :)
Jeder muss  die Schuld bei sich selber suchen!
Es ist sein Leben, auch in der schwierigsten aller Lebenskrisen.
Gerade bei immer wiederholenden Suchtkreislauf eines Spielers.

Weil alles andere gar nicht funktioniert!
Als wieder Verantwortung zu übernehmen.
Ich weiß aber auch dass ich ein Schlitzohr bin zu mir selbst und wenn mir auch Dinge bewusst die ich hier schreibe.
Ist natürlich immer ein Eigenanteil dabei und falls dadurch etwas falsch verstanden wird....
oder ich es einfach zulasse..obwohl ich erahne dass es nicht so richtig oder förderlich ist.
Es vielleicht aber auch doch nicht richtig wahrnehme.....
Bin ich sehr froh über jede Antwort.

Ich bin ein pathologischer 'Spieler, nie behauptete ich etwas anderes.
Wir wissen alle was dies bedeutet und was dahinter steckt nun Abstinent zu sein.

Ja ..jeder kann aufhören zu spielen!
Und genau dann...wenn er es kann!

Grüß Dich

 


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« Letzte Änderung: 03.08.2022 22:39:30 von Jacky1 »
 
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Re: Ich bin verantwortlich
#187: 03.08.2022 22:19:01
Eine meiner Lieblingsgeschichten. Ein alter GA Freund und Alkoholiker bekam Besuch von einem AA Freund. Er erzählte, das er einen Rückfall gebaut hätte und jetzt totale Angst hat, das seine Partnerin Ihn raus schmeist, er wolle seine Meinung, was er nun tun solle. Er gab den Rat einen grossen Blumenstrauss zu kaufen und sich zu entschuldigen.
Als der Freund ging kam seine Partnerin zum gemeinsam Freund und erzählte das der Partner einen Rückfall gehabt hätte. Nach dem Streit sei er abghauen. Sie fragte was Sie nun tun solle. Der Freund riet Ihr, Ihn ra6szuschmeisse  wenn er wieder kommt.
Als der Mann also mit dem Blumenstrauss vor der Tür stand, sagte Ihn seine Partnerin das er seine Sachen schnappen und ausziehen soll.

Nach einiger Zeit kamen die beiden wieder zusammen. Als Sie erfuhren, das Sie beide nach dem Rat des selben Freundes gehandelt haben, waren Sie gemeinsam Stock sauer auf dem selben Freund. Bis heute haben Sie keinen Kontakt mehr.

Der GA Freund hat beiden gesagt, was das beste sei, das Sie tun können. Ich finde auch beide Empfehlungen absolut schlüssig. Es liegt in der Natur der Sache, das die Empfehlungen nicht gut zusammen passen. Was das beste für die Angehörige ist, ist nicht das beste für den Spieler. Aber langfristig schon, nur das ist schwer zu erkennen.

Süchtige und Angehörige sind zwei Seiten einer Medallie. Es gibt kein schlechter und besser. Schuld hat er der Betrachtung von kranken Menschen erstmal nichts zu suchen. Das den Betroffenen kaum weiter. Es ist auch nicht möglich einfach mit dem spielen aufzuhören. Die Möglichkeit zum Aufhören einer jeden Sucht hat ein Zeitfenster. Um die Verantwortung für das Leben zurück zu bekommen, muss ich erstmal eine Ahnung davon haben, das ich Sie nicht trage. Der Weg zurück in die Freiheit ist ein sehr lohnender, aber auch ein sehr langer.

Ich habe mich während meiner Sucht schuldig gemacht. Ich habe mich in meinen Möglichkeiten um einen ausreichenden ausgleich bemüht. Ein schlechtes Gewissen habe ich nicht mehr. Ich weiss, das meine Partnerinen während meiner Sucht wieder mit Süchtigen zusammen waren. Augen auf bei der Partner Wahl. Jeder trägt da für sich die Verantwortung.


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Re: Ich bin verantwortlich
#188: 03.08.2022 23:37:59
Zitat
Kann ein pathologischer Spieler überhaupt seine Verantwortung selbst tragen?

Natürlich kann ich das. Ich mußte nur aufhören, vor ihr davonzulaufen. Dazu muß ich aber auch in der Lage sein, das als Solches zu erkennen.
Manchmal gehört es auch dazu, mich (und oftmals auch Andere) an meine eigene Verantwortung zu erinnern. Das ist für mich sehr wichtig. Ich setze mich offenbar viel mehr, und auch viel kritischer, mit mir selbst auseinander, als es der Durchschnittsmensch je tun würde - weil es anders nicht geht.

Zitat
Ja ..jeder kann aufhören zu spielen!
Und genau dann...wenn er es kann!
Ein schöner Satz.
Tja... warum habe ich also nicht schon viel früher aufgehört, als der Schaden noch nicht so groß war? Wo war da meine Verantwortung?
Ich wollte sie gar nicht.

Seltsamer Zeitpunkt für dieses Thema, denn ich hatte heute 'Geburtstag'. Wobei... gilt da der letzte Tag, an dem ich gespielt habe, oder der erste, an dem ich es nicht mehr tat? Wäre beides ja irgendwie ein ziemlicher 'Cut'.
Naja, seit mir das Datum bewußt ist, ist das jedenfalls irgendwie seltsam. Macht das einen Unterschied? Wenn ich nicht auf mich achtgebe, kann es jeden Tag vorbei sein, da helfen auch keine Jahre oder Jahrzehnte.
Heute Morgen in der Bahn fiel es mir auf, als ich auf mein Handy sah, und ich fragte mich kurz, ob das jetzt wirklich was ganz Tolles ist. Klar, einer weniger, der sich diesen Mist noch antut. Das ist schon gut.
Aber ich bin nur ein winziger Teil der Statistik, und es wird immer welche geben, die weitermachen.
Der Großteil der Menschheit macht sowas gar nicht. Also nein, nicht zu spielen ist nicht 'besonders'. Es ermöglicht mir nur, ein Teil von der Welt zu sein. Wie jedem Anderen auch, der nicht trinkt, spielt, Drogen nimmt, oder sonstwie in seinem eigenen Paralleluniversum lebt.
Frei von Suchtgedanken zu sein sollte eigentlich ganz normal sein. Und die Bereitschaft, das eigene Parelluniversum zu verlassen ist die Voraussetzung dafür, überhaupt Eigenverantwortung übernehmen zu können.
Weil die Sucht sie gar nicht zuläßt.

Wenn es also eins gibt, was ich dabei verspüre, dann ist es Dankbarkeit. Das aber nicht nur heute, sondern jeden Tag, an dem ich daran denke, was die Alternative wäre.
Natürlich bin ich kein 'mieser Halunke'. Unter anderen Umständen wäre ich aber nicht weit davon entfernt.

Ich denke auch nicht, daß es irgendwem hier um die Schuldfrage geht. Die Antwort ist klar. Jedem hier.
Und wenn ich ehrlich zu mir selbst bin... dann ich rede mir offenbar auch manchmal selbst 'gut zu', wenn ich eigentlich doch an jemanden Anders schreibe.

Schlaft gut. : )
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Re: Ich bin verantwortlich
#189: 05.08.2022 23:32:37
Die Bandbreite von süchtigen reicht von pitsch nass bis Knochen trocken. Genauso ist es bei Angehörige. Es gibt die ganze Bandbreite mit allen Abstufungen. Es gibt Familien mit Suchtstrukturen und solche ohne. Meine heutige Frau, obwohl Sie mich erst trocken kennen wird auch strukturen einer Angehörigen haben.
Wenn der Spieler aufhört zu spielen, dann hat sich der Angehörige noch nicht weiter entwickelt. Es kann Ihr sogar schlechter gehen. Wenn der Süchtige aufhört zu Spielen und sein Leben reflektiert wird er zukünftig womöglich nicht mehr so "pflegeleicht" sein.

Wenn einer in der Partnerschaft sich bewegt und der andere stehen bleibt, dann kommt es früher oder später zur Trennung. Es können beide stehen bleiben, oder es bewegen sich beide.Wenn beide sich auf den Weg machen, kann man sich wunderbar stärken und unterstützen. Ein wirklich lohnender gemeinsame Weg. Iin diesem Fall profitieren beide von einander.
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