Autor Thema: Ich bin verantwortlich  (Gelesen 9636 mal)

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Offline Jacky1

Re: Ich bin verantwortlich
« Antwort #165 am: 04.05.2021 00:06:34 »
Nur was nützt all das Wissen. Frei aus einem Lied übertragen. Was nützt mir der Lastwagen von Wissen wenn die Einfahrt zum Herzen zu schmal des Gegenübers zu schmal ist.

Etwas was wohl jeder so oder so ähnlich erlebt hat:
Ein junges Paar, typisch verstrickt in der Scheiß egal Mentalität, doch aber schon noch motiviert und ich dachte event. mit Potential.
Die waren sehr nett und gegenseitige Empathie mehr als nur spürbar.
Wegweisend und mit fachkundigen Mitförderern an der Seite mauerten wir Ihnen ein Fundament.
Wohnung, Steuern, schier unüberschaubare Verschuldung, Krankenversicherung, therapeutische Versorgung, Starterkitt in die Selbstständigkeit bis hin zur Besorgung von täglichen Lebensmitteln.....alles organisiert uns stets mit Ihrem "naja" Mitwirken.
Und nicht zuletzt Freundschaft, die beiden waren an Weihnachten bei mir und meiner Familie, sangen mit meiner Mutter Weihnachtslieder.
Das Ganze ging nicht einmal 4 Wochen gut!

Dahinter steckte eine schon größere Logistik, Hoffnung und Vertrauen.
Zwei Affen hätten das hinbekommen, sie hätten erfahren dass man so ja nicht mehr seine Bananen klauen müsste.
Affen verraten, hintergehen und treten auch nicht, nachdem man Ihnen geholfen hat.

So denke ich dass einige Menschen schon wollen und es versuchen, aber einfach nicht können.
Dies wissen sie auch und versuchen es dennoch, was bleibt Ihnen auch anderes übrig.
Aber es macht keinen Sinn, jemanden zu fördern der sich nicht eingesteht aufgegeben zu haben.
Dann ist es halt ein dahinsiechen und ich weiß auch wie sich das anfühlt.

Wenn jemand zu blöd, unsicher oder hilflos auch in Emotionen ist, im Grunde nichts kann.
Muss er es sich eingestehen!
Sonst braucht er erst gar nicht anfangen etwas zu lernen oder zu verändern.
Es würde eh nur in Lügen enden.

Es muss nicht einmal eine Suchterkrankung dahinter stecken.
Hilfe bekommen sie natürlich immer.
Sie steht Ihnen auch zu.
Und manchmal, aber wohl nur manchmal fruchtet diese auch.


Liebe Grüße
« Letzte Änderung: 04.05.2021 00:24:05 von Jacky1 »
 
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Offline Andre12

Re: Ich bin verantwortlich
« Antwort #166 am: 04.05.2021 07:22:54 »
Moin Jack,
Dein Beitrag stimmt mich heute morgen sehr nachdenklich. Ich musste ihn 3 mal lesen... Er bringt mich zum nachdenken über mich , mein Verhalten ggü. meinen Eltern , die es zwar nie geschafft haben, mir irgendwas von Wärme , Rückhalt geschweige sonst irgendwas vermittelt zu haben,  gegeben haben . Trotzdem waren sie auf Ihre Art für mich da ... ich bin gut erzogen , habe einen guten Beruf / Job etc ... da werden Sie mir ja nun doch was mitgegeben haben.. klar das emotionale blieb total auf der Strecke , hätte auch alles noch schlechter sein können... das waren halt Ihre Werte der Schein nach außen und das „auf eignen Füßen“ stehen.. hm vielleicht sollte ich dafür auch mal dankbar sein .
Ein bisschen Wut und Enttäuschung entnehme ich Deinen Beitrag, der mir auch noch mal zeigt , wie machtlos ich  selbst doch bin, wenn ich andere helfen will ( muss ) , wenn die es denn nicht  sehen können oder wollen , wenn die nicht bereit sein wollen / können Verantwortung für sich selbst zu übernehmen. Als Dankeschön bekommst noch nen Tritt . Das schmerzt und kostet viel Kraft , so wird es denn wohl auch vielen Angehörigen von Suchtkranken, psychisch Kranken , Eltern oder what ever ergangen sein oder noch ergehen. Da man sie liebt , lässt man sie nicht los ... obwohl ja genau das so oft der richtige Weg ist .

Auch ich hab mir oft die Frage gestellt , warum ich mir nicht helfen lasse habe , und ich komme immer wieder zum gleichen Schluss, es ging nicht , es war nicht zu sehen für mich , denn ich hab ja letzten Endes genau die 2 Punkte gelebt , die ich gelernt habe ....

Lg
André
 
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Offline Jacky1

Re: Ich bin verantwortlich
« Antwort #167 am: 05.05.2021 00:03:13 »
Hallo André,

unsere lieben Eltern......
Ich hatte/ habe  da so ähnliche, falls allen Ursprung in der Kindheit läge, dann tragen auch sie mit.
Meine Eltern waren der Grund weshalb ich nicht total in ein unehrenhaftes Leben geraten bin.
Was früher auch immer war, die emotionale Bindung stand für mich immer aufrecht.
Mein Stiefvater hat mich mehr geschlagen und angeschrien als ignoriert, immerhin.
Ich habe halt einfach seine Erwartungen nicht erfüllt und er wusste sich nicht anders zu helfen.
Es war sein Problem und nicht meines, ich war halt nur da und konnte nicht gehen.

Ihn trifft genau so wenig Schuld daran wie allen anderen denen ich begegnete.
Doch beeinflusste es sicherlich mich in meinen Gedanken und Handeln.
Entschieden habe ich dann ja selbst...Suchtkrank zu werden  :)

Freunde so geht das nicht!
Verantwortung zu tragen für sein Handeln, immerzu!
Doch glaube ich dass keiner hier an seinem erfahrenen Unglück ganz alleine schmiedete!
Es ist "legitim" Suchtkrank zu werden und es auch sehr lange zu bleiben.
Man kann hierbei nicht von einem Fehler sprechen, den man machte.
Es wurde halt zugelassen, man bekam etwas dafür und bevor man merkte dass es zum Untergang führt, war man schon mitten drin.
Keiner möchte Spielsüchtig werden, es geschieht einfach und wird ignoriert.
Dieser dann schier unbändigen Kraft dieser Krankheit muss man erst einmal entkommen.

Ich muss gestehen ich habe mir solange nicht helfen lassen, weil ich es halt auch nicht wollte.
Nun gut ...dieser Beitrag nahm irgendwie ganz plötzlich eine andere Richtung.

Schon lange empfinde ich keinen Groll mehr auf Menschen die sich mir gegenüber als schlecht erwiesen haben.
Denn auch ich habe viel dazu beigetragen und nun in der Hoffnung, das meine früheren "Opfer" genau so denken.
Daran arbeite ich jeden Tag meines Lebens.

Jaja, spät habe ich mich dafür entschieden.
Ging wohl nicht früher, ging halt einfach nicht.
Es war keiner da, dem ich so etwas schreiben oder erzählen konnte wie ich es hier gerade mache. 
Es konnte auch keiner da sein, denn ich war es ja auch nicht!

Meinen letzten Satz brauche ich gar nicht schreiben, André hat dies schon getan in seinem tollen Beitrag.

Liebe Grüße 
 
 
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