Autor Thema: Ich bin verantwortlich  (Gelesen 9588 mal)

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Offline Taro

Re: Ich bin verantwortlich
« Antwort #120 am: 02.01.2021 20:24:16 »
Es geht nicht um schlucken, ich bin im Meeting um Erfahrung Kraft und Hoffnung zu teilen. Keiner der Freunde im Meeting ist mir gleichgültig noch bin ich es Ihnen. Wie kommst Du bloss auf sowas?
Die Menschen die mich im Meeting begleiten kennen mich oft besser als ich mich selbst. Das ich und die anderen sich so öffnen ist nur in einem absolut Angstfreien Raum möglich.
 

Offline Fred

Re: Ich bin verantwortlich
« Antwort #121 am: 02.01.2021 22:21:34 »
Taro, bitte lies meinen Beitrag nochmal.

Es geht einzig und allein um meine persönlich Meinung und Erfahrungen ( mit GA )
Daher bevorzuge ich ja auch offene Gruppen, wo auch mal diskutiert werden darf.
Das ist mein Weg - deiner ist ein anderer. Bitte akzeptiere diese Vielfalt.
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Offline Taro

Re: Ich bin verantwortlich
« Antwort #122 am: 02.01.2021 22:32:15 »
???
Natürlich begrüsse ich die Vielfalt.
Wer blind schluckt geht nicht zu GA, oder bleibt schnell weg.
Mehr habe ich nicht gesagt und deckt sich ja mit Deiner Erfahrung.
 

Offline Allesaufanfang

Re: Ich bin verantwortlich
« Antwort #123 am: 02.01.2021 23:24:53 »
Das ist interessant zu hören, denn hier in der Stadt in der ich nun lebe, habe ich bisher nur eine GA Gruppe gefunden. Ich ahnte schon das es wahrscheinlich eher weniger für mich taugt und sehe nun ich muss mich wohl nochmal informieren.bei der Suchthilfe wird man mir hier hoffentlich noch andere Wege aufzeigen.
Lieben Gruß
 

Offline Fred

Re: Ich bin verantwortlich
« Antwort #124 am: 03.01.2021 09:48:16 »
bisher nur eine GA Gruppe gefunden. Ich ahnte schon das es wahrscheinlich eher weniger für mich taugt

Wie kommst du zu der Meinung, es würde für dich "nichts taugen"
Du solltest dort ein paar Wochen teilnehmen und dann sehen ob es dir hilfreich ist.

Ich selbst war sehr erfolgreich und gern in "meiner" AA-Gruppe, die sich allerdings seinerzeit grad zu einer "offenen Gruppe" gewandelt hatte, um nicht den Mitgliedertod zu sterben. Letzten Endes ist jede Sucht-Selbsthilfegruppe überaus hilfreich. Unabhängig vom jeweiligen Gruppenprinzip.
Sogar diese Internet-Gruppe hier kann einen nicht unerheblichen Teil dazu beitragen.
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Offline Fred

Re: Ich bin verantwortlich
« Antwort #125 am: 03.01.2021 10:12:16 »
? ? ?

Ich hab meinen Beitrag selbst nochmal gelesen ... klingt irgendwie bisschen "unfreundlich".
So sollte es nicht sein. Ich lasse es mal so stehen und mache es beim nächsten Mal besser.

Vielleicht wäre mal ein eigener Thread über Selbsthilfegruppen gut ?
Scheinbar gibt es da ja viel Halb- und Nichtwissen und auch Ängste / Ungewissheit.
Ich versuche auch sachlich & nett zu bleiben :-)

Ich denke es wäre toll, wenn du mit den GA beginnst, da du hier umfassende Erfahrungen hast.
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Offline Allesaufanfang

Re: Ich bin verantwortlich
« Antwort #126 am: 03.01.2021 11:57:48 »
Hi Fred,
ich habe in einem anderen Forum bereits einiges darüber gelesen und einige Teilnehmer kennengelernt.
Ich werde mich aber nochmal umfassend informieren.. gerne auch hier;-)
LG
 

Offline Taro

Re: Ich bin verantwortlich
« Antwort #127 am: 03.01.2021 14:17:34 »
Moin moin,

danke Fred für Deine Worte. Aufgrund meiner oft negativen Erfahrungen in anderen Foren fühle ich mich schnell angegriffen. War kurz davor in meiner "Mupfel" zu verschwinden.

Ich hatte kürzlich einen Vorfall. Ich hatte durch äußere Umständen einen heftigen Schmerz in meinem Bein. Panik kam auf, ich hätte es ändern können, dann jedoch wäre mein Sohn zu Schaden gekommen. Wie lange es, dauert bis Hilfe kommt war nicht klar. Dann erinnerte ich mich ans Eisbaden. Tief und ruhig atmen. Das tat ich und es passierte etwas eigenartiges. Der Schmerz verlor seinen Schrecken. Ich war wie beim baden im hier und jetzt. Es gab nur den Schmerz und mich. Ich bekam Verbindung mit meinem tiefsten inneren. Ein Zustand den ich sehr schätze und genieße. Hört sich doof an, aber ich war in einer Art Meditation. Ich vergaß Raum und Zeit. Irgendwann kam Hilfe und befreite uns aus unserer Lage. Ich schreibe hier darüber, weil das Erfahrene mich absolut überrascht hat. Sowie ich eigentlich ein Frostkötel bin, genauso habe ich einen Horror vor so einen anhaltenden schmerzhaften Zustand. Nur durch meine Atmung lässt sich mein Körper beruhigen und damit auch die Auswirkung. Der Schmerz ist nur ein Schlüssel zu meinem Unterbewusstsein und ist nichts mehr was ich sofort weg haben will.

Ich habe durch die GA Gemeinschaft mein Leben zurück bekommen, mehr noch ich habe heute ein so tolles Leben welches so sich für mich nie vorstellbar gewesen wäre. Du lieber Fred fühlst Dich in GA Gruppen zum emotionslos nicken verurteilt. Wie könnte eine Beschreibung gegenläufiger sein. Jede Selbsthilfegruppe hat natürlich Ihre Berechtigung. Jeder sollte sich selbst sein Bild machen. Da die Art der Kommunikation bei GA speziell und für viele neu ist. Sollte man es erstmal 3 Monate einmal die Woche besuchen, bevor man sich ein Urteil bildet.

Die Art der Kommunikation ist es für mich ja gerade was das Wunder bei mir bewirkt hat. Ich bin doch selbst mein stärkster Kritiker. Kritik anderer kann da nur stören. Die Erfahrung war überraschend, daß hätte ich mir nicht vorher vorstellen können, wie die Erfahrung mit dem Schmerz.

Eine gute Möglichkeit zum Kennenlernen ist der Besuch des Deutschlandtreffens der GA. Letztlich kommt es immer auf die Menschen im Meeting an, jedoch bin ich immer ein wichtiger Teil. Ist mir ein Meeting zu oberflächlich sollte ich tiefe reinbringen. Wird mir zuviel gelabert, sollte ich damit aufhören.
Der regelmäßige Besuch von GA Meetings führt langfristig immer zur Spielfreiheit. Die Gewissheit habe ich. Mich haben einige Spieler in den Jahrzehnten begleitet, die lange am spielen festhielten. Aber die, die blieben sind heute alle spielfrei.

Die "A" Gruppen sind weltweit vertreten. Die Struktur ist überall die gleiche. Ich besuche seit 32 Jahren regelmäßig die Gruppen. In Hamburg kann ich jeden Werktag ein Meeting besuchen. In jedem sitzen Freunde due länger dabei sind als ich.

Taro
 
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Offline Jacky1

Re: Ich bin verantwortlich
« Antwort #128 am: 04.01.2021 00:05:41 »
Hallo,

in fast allen online Foren ist es wie in einem Haifischbecken.
Dies versuchen wir alle hier zu vermeiden, sicherlich gelang dies nicht immer.
Doch die Tendenz zeigt in eine gute Richtung, Respekt und Akzeptanz ist hier überall zu finden.
Wenn auch gemeinschaftlich in einer festen Sache tief verbunden, bleiben wir Menschen mit teils verschiedenen Wertvorstellungen, Ideologien oder diversen Ansichten. Und dies ist auch gut so!
Es macht uns zu dem was wir sind, Menschen mit Träumen, Vorstellungen und Zielen.
Individuell mit jeweiligen Stärken oder Schwächen, gerade über das letztere wird hier sehr viel geschrieben.
Unter einem Schirm der so viel abhalten sollte, dass diese ""unbändige"" Kraft der Spielsucht daran abperlt.
Auch ein Rückzugshort...zu sich selbst und vor allem über die hier vertretende Gemeinschaft.

Darin verbirgt sich die Differenz zu anderen Foren, dort wo man oft alleinig im Regen steht.
So passierte dies auch schon in diesem Forum, doch ich weiß es einfach....egal wer auch immer, es wird immer jemand hier sein, der den Schirm immer offen hält.
Für jene die sich im Regen wieder finden.

Jaja, klingt Sozialpatriotisch  :)

Manche mögen darin eine Schwäche sehen, mich macht es stark.
So stand ich fast mein ganzes Leben im Regen, in einem "realen Forum" voller kranken Gedanken.
Und hier aber, wurde ich "trocken".


Liebe Grüße     

« Letzte Änderung: 04.01.2021 23:12:11 von Jacky1 »
 
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Offline TAL

Re: Ich bin verantwortlich
« Antwort #129 am: 10.01.2021 02:50:33 »
Ich lese meine Beiträge auch nicht nochmal, genau aus diesem Grund - und das könnte unangenehm sein. Aber es war eben dann zu dem Zeitpunkt das, was in meinem Kopf rumschwirrte. Es ist gut, dem beizeiten immer mal wieder Luft machen zu können, ohne über mögliche Reaktionen nachdenken zu müssen. Da ist immer viel los. Mir war gar nicht klar, wie sehr das helfen kann, meine Gedanken etwas zu ordnen, sebst wenn es gar keiner liest.

Ja, es gibt im Internet im Allgemeinen so einige 'Unarten', oftmals auch gekoppelt mit ein wenig Doppelmoral. Es geht nicht darum, die Wahrheit zu kennen, denn ich bezweifle doch stark, daß eine Person, die sich in Spielsuchtforen aufhält (von dem gelegentlichen Gast oder Angehörigen mal abgesehen), in der Position ist, Andere zu belehren. Das gilt auch (und ganz besonders) für mich. Vielmehr ist es für mich doch genau das... der Versuch, das momentane Chaos in Worte zu fassen, und damit etwas zu entwirren.
Das mag etwas egoistisch sein, aber ich bin nunmal kein guter Ratgeber. Für mich ist die Tatsache, nicht allein zu sein mit meinen 'Problemen' und Gedanken viel 'nutzbringender', als es jeder noch so gutgemeinte Ratschlag je sein könnte.

Wie ich auch damals schon 'drüben' sagte... am Aufbau der A-Gruppen liegt es bei mir nicht. Im Gegenteil - diese Form der Kommunikation und die Struktur wären für mich schon zwei enorme Vorteile. Ich bin extrem introvertiert, und in neuen Umgebungen nur sehr bedingt 'aufnahmefähig'. Reden dann zu viele Leute durcheinander, geht schnell mal gar nichts mehr. Wenn ich mich aber eingewöhnt habe (was zugegebenermaßen eine ganze Weile dauern kann), neige ich auch mal zu unstrukturierten Monologen, denen irgendwie keiner folgen kann. Aber das habt ihr ja wohl schon mitbekommen. :)
In natura ist es nur eben deutlich holpriger... und immer sehr unangenehm, wenn es mir dann ab und an tatsächlich mal selbst auffällt.

Das Problem ist also nicht der Rahmen, sondern das Problem bin ich. Ich könnte mich dazu nicht überwinden, egal wo. Das habe ich zwar schonmal irgendwo gesagt, aber daran hat sich leider auch inzwischen nicht viel geändert.

Schlaft alle gut und einen schönen Sonntag.

 
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Offline Taro

Re: Ich bin verantwortlich
« Antwort #130 am: 24.01.2021 21:18:21 »
Als ich aufhörte zu spielen, brauchte ich nicht weniger als ein neues Leben. Es gab nichts mehr in meinem Leben an dem ich hing, aber vor mir lang ein grosses Nichts, ich hatte solche Angst los zu lassen. Mit Hilfe der SHG gingen die ersten Schritte sehr gut. Ein Raum in dem ich nicht bewertet werde, 2 Stunden, fühlt sich richtig gut an. Das gab mir Kraft für das Leben außerhalb der SHG.
Ich traute mich immer mehr in meinem Leben. Hörte in den Gruppen von den vielen Möglichkeiten des Lebens, von den ich vorher keine Ahnung hatte. Eine Schwierigkeit war mich erstmal so anzunehmen mit all den Mängeln die ich nun mal so hatte.
Es hört sich verrückt an, das erste mal das ich einen Platz in einer Gruppe hat so wie ich den eben war, war in dieser SHG. Ich erzähl dort was für ein Arsch ich bin und die sind auch noch nett zu mir hinterher.

Unabhängig von der Religion ist ein liebender Gott jemand der mich so liebt wie ich eben bin. Da ist es außerhalb der SHG wenigstens schon mal einer. Und dann sieht er noch die beste Version von mir, die, die ich in diesem Leben nie erreichen werde, aber ich darf mich in meiner Geschwindigkeit auf den Weg machen.

Taro
 
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Offline Jacky1

Re: Ich bin verantwortlich
« Antwort #131 am: 26.01.2021 23:49:06 »
Hallo,

von außen betrachtet führte ich immer ein "reguläres" Leben, in allen privaten und beruflichen Möglichkeiten.
Und beides habe ich bis zu mir auferlegten Grenzen auch genossen.
Meine Spielsucht floss nie in diese Bereiche mit ein, sie war alleinig konzentriert für sich.
Es war wie ein ständiges jonglieren mit scharfen Messern und bedurfte schon einer gewissen Konzentration.
Mein Freundes/Bekanntenkreis war getrennt in zwei Gruppen und äußerst selten überschnitten sich beide.
Eine Welt in einer Welt!

Von innen betrachtet, in mir selbst führte ich ein absolut "irreguläres" Leben.
Ich muss da jetzt schon ehrlich zu mir sein, unvorstellbar was ich alles inszenierte.
Nämlich genau jenes was man von außen sehen sollte.
Dies hatte nur einen einzigen Grund, um ungehindert spielen zu können.
Hinter jedem Spiel stand immer eine ausgesprochene Lüge!
Im Grunde schaffte ich es immer eine neue Türe wieder zu öffnen.
Es wurden über die Jahre viel zu viele Türen und ich brauchte schon eine lange Zeit bis ich begriff, ich habe sie ja nicht geöffnet sondern für immer verschlossen.

Nun geht es mir nicht so sehr um alles wieder gut zu machen, da müsste ich viel zu sehr in unendliche Details gehen.
Alles geht nicht, vergangene Zeiten kann man nun zwar erklären und sich dafür schuldig fühlen mehr aber nicht.
Dennoch bemühe ich mich sehr, an Menschen die immer da geblieben sind gerecht zu werden.
Für alles was man mich an schuldig sprechen mag, nur zu...ich trage jede Verantwortung vor einem irdischen Gericht!
Als viel wichtiger ist es doch zu empfinden, so weit zu sein um für sich selbst Verantwortung tragen zu können.
Ich konnte es früher nie!
Es ging halt einfach nicht, ich wollte doch nur um Geld spielen.
Da war keiner dem ich wirklich zuhörte, wenn er auf mich einredete wie ich doch mein erbärmliches fuck Leben führte.
Weil; es war niemand da !! Es wusste ja keiner wirklich davon, dem ich wichtig war.
Stumm, blind und verlogen war ich.
Dies klingt nun so als wollte ich mir selbst eine Absolution erteilen, darauf Scheiß ich aber.

Was auch immer gewesen sein mag, heute stehe ich dazu.
Warum auch nicht, ich wollte doch nie so sein wie ich einmal war.
Kein Spielsüchtiger zockt über dreißig Jahre ohne dass ein enormer Schaden entsteht.
Ich wollte nie so sein und machte es trotzdem!
Schuldig in allen Punkten der Anklage ...Urteil : Kranker Vollidiot !
Krank zu sein schuldet keine Reue...aber wenn ein Vollidiot psychisch krank ist...dann kommt halt so etwas wie ich heraus.

So bin ich verantwortlich, nicht meiner selbst ..sondern meiner Taten.
Ich habe mich nicht ausgesucht, nicht selbst erschaffen sondern ich habe mich selbst gebeugt.
Dies war nicht die Sucht, sondern ich!
Alles andere zu behaupten wäre viel zu banal....für mich.

Liebe Grüße


   
 
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Offline Andre12

Re: Ich bin verantwortlich
« Antwort #132 am: 27.01.2021 10:36:14 »
Moin,
ich führte von außen betrachtet ebenfalls ein " normales " Leben. Jedenfalls habe ich alles dafür getan, dass alle so denken. Habe meiner Wahrnehmung nach, meine Weltbildvorstellung erfüllt. Ob meine Außenwelt das auch so gesehen hat, weiß ich nicht. Denke eher nicht, daher hatte ich gerade im privaten Bereich ständig (auch noch heute ) zwischenmenschliche Probleme, weil ich oft auf Reaktionen getroffen bin die ich nicht erwartet habe, mein Umfeld  nicht auf mein "Spiel " eingegangen ist und ich überhaupt nie, nicht , never ever Verstand warum. Ich habe , trotz beruflichen ständigen positiven Kontakt mit Kunden, im privaten Bereich Menschen , Freunde , die Familie, sportlichem Kreis niemand  nah an mich ran gelassen, aus angst "aufzufliegen". Ich habe unterm Strich alle gleich behandelt, keine Unterschiede gemacht und immer Distanz gewahrt.  So sehr ich mich nach Zuneigung sehnte, so sehr konnte ich mich nicht zeigen. Verstand nie die Unterschiede zwischen Freund, Feind, Partnerin, Familie, wie auch? für mich war das alles gleich. Trotzdem enttäuscht, nie mit irgendjemand eine emotionale Bindung aufgebaut zu haben, bzw. ich war verletzt wenn ich die nicht bekam und war selber auf gar keinen Fall bereit, irgendjemand mich zu zeigen. Viele haben es versucht, ein paar Beziehungen, irgendwann sind sie alle wieder gegangen und ich, bei dem nach aussen hin alles abprallte, war zutiefst verletzt, am Boden zerstört. War nie bereit jemand an mich ranzulassen, aus angst gesehen zu werden, aus angst nicht gut genug zu sein, und oder verletzt zu werden. Am Ende des Tages ist aber all das passiert und ich verstand nix.
Klingt wirr und ist wirr und ist ne Menge Arbeit daraus zu kommen. Für mich ein ständiger Prozess. Das spielfreie Leben ermöglicht mir erst, diese Dinge zu sehen und erahnen zu lassen, was ich überhaupt verloren hab, es ist nicht das Geld, das wäre ja schön das kann man ersetzten, nein es sind die emotionalen Dinge, es sind die Dinge die einen Menschen ausmachen, die das Leben eben lebenswert machen.


Lieben Gruß an alle und schön das Ihr alle hier seid.

André
 
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Offline TAL

Re: Ich bin verantwortlich
« Antwort #133 am: 12.02.2021 18:53:38 »
Hallo allerseits,
   
ja, die Diskrepanz zwischen Außen und Innen... manchmal wünschte ich, es gäbe einen Weg, sie zu überwinden, oder überhaupt nur zeigen zu können, daß sie da ist. Ich weiß aber nicht, wie... und stattdessen inszeniere ich weiter, damit man nicht sieht, was keiner sehen soll, bin quasi in dieser Rolle drin - schon immer gewesen. Vielleicht habe ich mich vorher schon 'selbst verloren' - wer weiß das schon? Denn ich hatte auch davor schon nichts anderes getan, es war in meiner aktiven Zeit letztlich nur noch ein weiterer Faktor dazugekommen, den es zu 'verbergen' galt. Noch mehr Unsicherheit, noch mehr Verwirrung, noch mehr Windmühlen... aber zumindest hatte ich da schonmal Übung drin. Es ist aber bei Weitem nicht mehr so schlimm wie noch zu meiner Spielerzeit, denn ich habe mir im Laufe der Zeit immer mehr erlaubt, einfach ich zu sein. Zumindest zu Hause, und teilweise sogar auf der Arbeit. So ist es nunmal. Das hatte nicht viel mit 'Mut' zu tun, sondern eher damit, daß ich einfach nicht mehr wollte. Das hat durchaus seine Vorteile. Ein Rest der Scharade ist aber immernoch da. Heute ist es mir zwar ziemlich egal, was andere von mir denken, es gibt aber eben nach wie vor Dinge, die kann ich einfach nicht. Sowas verstecke ich nach wie vor. Selbst heute weiß ich deshalb manchmal nicht, was ich eigentlich darstellen will - und wie. Ich tue es aber trotzdem, eben weil ich es schon immer getan habe. So nach dem Motto: Alles, nur nicht die Wahrheit! Das Ergebnis ist dann eine schlechte Komödie... meine groteske Version von 'Normal'. Warum mache ich das?
Weil meine kläglichen Erklärungsversuche schon immer alles nur noch schwerer gemacht haben, da ich auch oft selber nicht weiß, wie ich erklären soll, was ich selber nicht verstehe... und ich eben zwangsweise erklären müßte, wenn ich nicht so täte, als wäre alles kein Problem.
Kämpfe in meinem Kopf, die ich nicht gewinnen kann... als ob ich von sowas nicht echt genug hätte. Nur leider muß ich den Ein oder Anderen tatsächlich weiterkämpfen, denn da gibt es eben nunmal keine Alternative. Gebe ich auf, gewinnt das Chaos. Das möchte niemand, am Allerwenigsten ich selbst.

Man fragte mich kürzlich im Chat, ob ich glücklich sei. Das ist wirklich nicht einfach zu beantworten. 'Nie' ist im Hier und Jetzt eine unhaltbare Aussage, bei 'Glück' ist es andersrum, es gilt für den jeweiligen Moment, und nicht darüber hinaus. Trotzdem haben sie etwas gemeinsam, denn es sind beides sind sehr monströse Worte, die genutzt werden, etwas sehr deutlich, fast schon 'überspitzt', hervorzuheben. Eben wegen ihrer Eigenschaft, nicht mehr steigerbar zu sein.
Doch mit Superlativen ist es wie mit Versprechen - man sollte wohlüberlegt damit umgehen, denn niemand weiß, was morgen sein wird, ob etwas ewig dauert oder endlich ist... oder ob es eben nicht doch noch 'besser' (oder schlechter) geht.

Ich bin zufrieden... an jedem Tag, an dem ich mit dem Wissen ins Bett gehe, daß alles geschafft ist, was ich mir vorgenommen habe, und nichts Unvorhersehbares passiert ist (beides klappt bei Weitem nicht immer). Und wenn ich sicher bin, daß heute durch mich niemand verletzt wurde (und ja, auch andersrum), und ich keinem zur Last gefallen bin. Dann war es ein guter Tag. Eventuell auch mal etwas anstrengend, aber schön. Wenn abends nichts in meinem Kopf rumspukt, kann ich gut einschlafen.
Dann spüre ich Zufriedenheit, weil in meiner Welt alles ohne Quietschen läuft.
Aber bin ich dann glücklich?
Was ist das überhaupt?
Ehepartner, Kinder, Job und Eigenheim?
Oder ein Haufen Geld, und nur machen, was einem gerade paßt?
Keine Sorgen, keine Nöte?
Nein. Das kann es nicht sein. Je nach persönlicher Vorstellung gehört etwas davon möglicherweise dazu, das ist aber noch nicht alles.
Eltern wünschen sich vielleicht machmal etwas mehr Zeit für sich; Alleinstehende sehnen sich trotz all der Möglichkeiten eventuell doch ab und an nach einem ruhigen Leben mit Partner. Man kann nicht alles haben.
Mhhh, also... Unglücklichsein kenne ich. Aber Glück? Wo unterscheidet sich das von einem zufriedenen Grundzustand, der meiner Meinung nach fundamental wichtig, und damit für mich oberste Priorität, ist?

Klar... ich darf mich auch mal nur für mich freuen, und sogar sowas wie Erleichterung (und vielleicht sogar ein wenig Stolz) empfinden, wenn ich doch einmal geschafft habe, was ich nicht für möglich hielt - auch wenn es noch so banal ist. Früher konnte ich das nicht, denn das ist ja schon irgendwie lächerlich. Heute erlaube ich es mir aber, auch mal mit mir zufrieden zu sein, auch wenn ich immernoch manchmal denke, das sei übertrieben, und eigentlich nicht der Rede wert.
Oder statt Spott und Unverständnis eine freundliche Antwort zu bekommen... geduldig und bemüht, meinem oft verzögerten Verständnis gerecht zu werden... das ist zwar in dem Moment etwas unangenehm, im Nachhinein aber ein schönes Gefühl. Ernstgenommen zu werden eben, und sogar etwas Wertschätzung zu erhalten. Auch das darf sein. Und ich darf mich gut dabei fühlen.

Ich habe damals den allerletzten Rest von dem verspielt, wovon ich auch vorher schon kaum etwas hatte - Selbstvertrauen. Diesen 'Kredit' zahle ich also heute noch ab. Ich muß es mir aufbauen, jeden Tag ein wenig, und auf das Bißchen, was ich habe, immer sehr gut achtgeben.
Für mich wäre Glück genau das - ein selbstverantwortliches Leben frei von irgendwelchen Zwängen und Erwartungen. Ich kann mich 'verstellen', weil es eben der gewohnte Weg ist, aber es gibt ja auch Menschen, bei denen ich das gar nicht müßte. Das weiß ich innerlich auch. Ich muß wohl noch lernen, daß es gar nichts Schlimmes ist, ich zu sein, und das eben auch das 'Falsche' dazugehört. Das einzusehen ist der schwere Teil - und irgendwie möchte ich das auch gar nicht, auch wenn es vieles eventuell einfacher machen könnte.
Könnte. Konjunktiv.
Tja... so sehr ich es mir auch manchmal wünsche; offen zu meinen 'Defiziten' zu stehen ist mir einfach nicht möglich. Jedenfalls nicht zu allen. Das bedeutet allerdings nicht, daß ich mir ihrer nicht bewußt wäre. Auch wenn, oder gerade weil, ich gelernt habe, sie zu akzeptieren, kann ich damit leben. Sie sind da, ja, ganz deutlich - aber sie sind meine Sache.
Denn letztlich lebe ich damit, und kein Anderer.
Ich stehe meinem 'Glück' zwar selbst im Weg, aber ich achte damit auch mein persönliches Bedürfnis nach Selbstbestimmung. Die Dinge würden sonst möglicherweise sehr kompliziert und unüberschaubar werden.

Trotzdem bin ich nicht unglücklich. Ganz im Gegenteil. Ich bin zufrieden, wie es ist. Das ist mehr, als ich je für möglich hielt. Der Preis für Offenheit wäre mir aber einfach zu hoch. Und damit meine ich gar nicht mal nur meine Vergangenheit, sondern vielmehr all die 'Baustellen', die ich nach wie vor habe. Vielleicht kann ich das eines Tages... mir zu sagen "Scheiß drauf!"... momentan habe ich aber zuviel Angst davor.

Also ja, ich bin nunmal ich. Was ich getan habe, und auch was ich heute tue, geht von mir aus, und nichts und niemand kann etwas dafür. Das kann ich nicht ändern, aber ich kann es besser machen. Und das versuche ich auch. Jeden Tag auf's Neue.
Ich bin unendlich froh, meine heimliche Suchtausübung nicht mehr verstecken zu müssen. Das war sehr anstrengend. So kann ich zumindest versuchen, mich etwas um mich selbst zu kümmern, auch wenn das nicht immer leicht ist.


Ich wünsche jedenfalls allen ein schönes Wochenende.


 
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Offline Taro

Re: Ich bin verantwortlich
« Antwort #134 am: 14.02.2021 00:20:04 »
Ich habe heute eine halbe Stunde mit dem Beil eine Badefläche ins Eis geschlagen, bin trotz meiner Klaustrophobie kurz unter das Eis getaucht. Ein Moment des Glücks.

"Frei" ist heut die entscheidende Richtgrösse für mein Leben.

Taro