Autor Thema: Der berühmte Tiefpunkt  (Gelesen 1426 mal)

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Offline haraldjunki

Re: Der berühmte Tiefpunkt
« Antwort #15 am: 06.11.2020 14:45:49 »
hallo Darksoul

"ihm kein Geld zu geben," naja, wenn de et KONSEQENT durchhälst, det de ihm ken Geld mehr gibst, wird er wahrscheinlich von selbst bald sen Interesse an dir verlieren, er sieht dir dann als "ausgetrocknete Geldquelle" an ;D

Naja, wo se an andere Stelle jetzt lofend Anekdoten noch von de Schulzeit geben: begonnen hat et be mir auch so mit 9,10 Jahren, Geld hatten wer och nie, meine Vater war sehr früh gestorben, tja de wollte och so nebenbei ne Häuschen bauen, war wohl kene jute Idee neben de 8 Stunden normale Arbeit noch 8 Stunden in de Hausbau zu stecken :o, nebenbei noch sene 2-3 Schachteln Kippen pro Tag :o

Naja, was hab ik jemacht? Pass off, Ladendiebstahl kam mir nie in Frage, hab in Berlin mieterlebt wie de Polizei, och Kinder, mit de Polizeigriff abgeführt hat, und dat wegen zwe Tafeln Schokolade! Und wenn de in ne andere Forum zufällig mitliest, kannst de ja och lesen, wie ener ne richtige Tracht Prügel kassiert hat (die be ihm dann angeblich de Sucht ausgelöst hat).

Also, begonnen, hat ik mene "Karriere" janz primitiv als Strassenbettler, am Anfang brochte ik noch ne "Aufhänger" in Form von ne Telefonzelle, wo ik dann de Leute für "Telefongeld" angeschnorrt hab,
Gelohnt hat sich det nicht, also finanziell, zwischendurch mal ne ältere Oma die mir och ma 2 Mark abgedrückt ham, aber dat war dann och schon de "Higlight".

Aber de ganzen "Erfahungswerte", de ganze Menschenkenntnis de ik be solche Aktionen gesammelt hab, von dennen ik bis heute profitiere, unbezahlbar!
Et war wie et spielen: wenn in erst ma drinn bin, in de "Fluss", wenn de Hemmschwelle weg sind, dann kann ik kom noch aufhören, ik war wie ne hungrige Wolf...

De Kehrseite von de Medaille, also damals als Kind, obwohl immer allet "legal" war, de hab ik übrigens sehr schnell zu spüren bekommen: in de Flur von de Schule unterhielten sich zwe Lehrer, auf einmal sagte ener zum andere, ganz laut: "Der da bettelt uff de Strasse Leute an!!", und dann in de Unterricht "Soll ik dene Mutter sagen, det de Leute anbettelst?", "Wat wohl et Jugendamt sagt?", und so wetet, Grund genug danach wieder ma 2 Wochen "krank" zu machen (und woanders wetterzubetteln ;) ), naja und spätter im Leben hab ik de Sache -im großen und ganzen- ja im ganz grossen Stil auch weter "perfektioniert", wobei us 1 Mark mit de Zeit och mal 1000 wurden ;)

um et kurz zu machen: solange de Geld hast, is de Harald dene Freund, haste kenes mehr, hat er dir bald vergessen 8)

..to be continued, de Anekdoten gehen menerener nie aus ;D

Servus wa, von de Linden us Berlin :P

 

Offline Darksoul

Re: Der berühmte Tiefpunkt
« Antwort #16 am: 11.11.2020 18:33:36 »
Danke für die Antworten.

Selbstdestruktion ist auch ein gutes Stichwort. Möchte nicht pauschalisieren, aber denke generell Spielsüchtige neigen zu selbstzerstörerischem Verhalten, können den Kreis nicht durchbrechen, obwohl sie genau wissen wie sehr sie sich und anderen Schaden. Ein Kreislauf aus Scheißegalhaltung und schlechtem Gewissen, kann mir nicht vorstellen, wie sich das anfühlen muss..
 

Offline Jacky1

Re: Der berühmte Tiefpunkt
« Antwort #17 am: 11.11.2020 22:17:21 »
Selbstdestruktion ist auch ein gutes Stichwort. Möchte nicht pauschalisieren, aber denke generell Spielsüchtige neigen zu selbstzerstörerischem Verhalten, können den Kreis nicht durchbrechen, obwohl sie genau wissen wie sehr sie sich und anderen Schaden. Ein Kreislauf aus Scheißegalhaltung und schlechtem Gewissen, kann mir nicht vorstellen, wie sich das anfühlen muss..

Selbstreduktion aber verbunden mit einer gewissen Dualität.
Der Selbstwert steigt oder fällt praktisch mit dem Gewinn oder Verlust.
Armselig und ohne jeden Wert und nicht nur wegen der gesicherten kranken Anonymität, um ja weiterhin ungestört spielen zu können , wird alles verheimlicht.
Sondern auch diese Scham! Was sollte man auch sagen ? Dass man jeden Abend sein ganzes Geld in einen Spielautomaten schmeißt?
Und warum sollte man es sagen ? Doch nur wenn man nicht mehr kann und sich eingesteht : " Ich gebe auf, fängt mich jemand" 

Es fühlt sich so an als wäre man schon längst gestorben....und hört nicht auf die "Anderen" die da rufen...Du lebst!
Tausende wieder verloren, aber am nächsten Morgen wieder nach außen hin zu funktionieren.
Mit leeren Taschen und Selbsthass, ja richtig, wenn eh schon alles wieder verloren, ist es Scheißegal.
Nur wenn wieder Geld in der Hand, geht es weiter...an den Automaten und grünen Tischen.
Die verlorene Lebenszeit und der ganze Antrieb für ein gescheites Leben, eh am Arsch.

Gruß


     
 
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Offline Darksoul

Re: Der berühmte Tiefpunkt
« Antwort #18 am: 15.11.2020 15:47:02 »
Es sich und anderen eingestehen fällt auch schwer oder? Ich finde es mangelnd Spielern generell an Selbstreflexion und Kritikfähigkeit. Habe das Gefühl es wird einfach immer alles verdrängt. In klaren Momenten ist man durchaus rational und gesteht sich ein, dass man krank ist und Hilfe braucht, in anderen Momenten kommt wieder das Spieler Ich durch. Ich frage mich manchmal aber auch was ehrlich ist und was nicht. Ich habe das Gefühl, dass Spieler Menschen wie Spielautomaten behandeln und einfach alles manipuliert wird.. Es treibt einen wirklich in den Wahnsinn, das Nervenkostüm wird sehr dünn

Jacky1 das was du da schreibst find ich einfach so treffend. Es ist wirklich traurig wie eine Sucht einen Menschen zerstören kann und alles um ihn herum gleich mit. Ein wirklich abscheulicher Abgrund..
 

Offline Fred

Re: Der berühmte Tiefpunkt
« Antwort #19 am: 15.11.2020 18:35:14 »
Ich habe das Gefühl, dass Spieler Menschen wie Spielautomaten behandeln und einfach alles manipuliert wird.. Es treibt einen wirklich in den Wahnsinn, das Nervenkostüm wird sehr dünn

Solange der "Spieler" aktiv ist, hast du zu 100% Recht. Immer und zu jeder Zeit.
Selbst Reue und Zugeständnisse sind geplante "Schachzüge".
"Wir" sind in diesem Punkt echt pervers ...
Der Kreis schließt sich erst wenn er vollendet ist !
 

Offline Jacky1

Re: Der berühmte Tiefpunkt
« Antwort #20 am: 15.11.2020 23:28:08 »

Hallo Darksoul

Es sich und anderen eingestehen fällt auch schwer oder?

Nach einiger Zeit gesteht man es schon ein, dass man spielsüchtig ist.
Es zieht einem ja immer dahin, wie ein Magnet mit unbändiger Kraft.
So traf ich früher schon einige die sagten sie seien spielsüchtig, bevor sie wieder alles verloren.
Auch mir war es durchaus bewusst, doch änderte es nichts.

Dennoch entstand dadurch ein immer wieder kehrender Gedankengang, der irgendwann zu einem festen Entschluss wurde.

Doch niemals absolut niemals hätte ich es aufgebracht einem lieben Nahestehenden dies zu erzählen!
Auch dieser Entschluss musste erst enorm wachsen, meiner Familie zu erzählen dass ich ein pathologischer Spieler bin und Unsummen verspielt habe, war einer meiner schwierigsten Momente in meinem Leben.
Damit wusste ich und es war mir klar, zukünftig wird sich so einiges ändern.
Nicht was der Umgang mit meiner Familie bedeutet, sondern dass ich damit meine Abstinenz sozusagen unterschrieb.
Kein zurück mehr, kein zurück in mein altes erbärmliches Zockerleben.

Ich habe es versprochen!
Es mag Süchte geben bei denen ein solch Versprechen sich nahezu in kurzer Zeit in Luft auflöst.
Aber nicht nachdem man begriffen und wirklich registriert hat,  ich möchte mein Leben nicht mehr wegwerfen!
Und eines der Gründe warum ich schon noch oft hier im Forum bin , mich daran zu erinnern.
Dies geht schon sehr weit bei mir, nahezu wie bei "Alex" (Uhrwerk Orange) ...wenn ich Geräusche eines Automaten höre oder eine Roulettekugel am Anschlag, empfinde ich eine Übelkeit...genau so wie früher, nachdem ich alles verspielt habe.

So habe ich einfach zu lange gespielt, bis ich erst angefangen habe wirklich davon zu berichten.
Nicht einmal von mir dem Spieler, sondern von mir dem Menschen.

Ja, dies viel mir beim ersten male sehr schwer, ich freue mich aber es nun gerne zu tun.
Ich muss es nie mehr verbergen!     

Liebe Grüße
 
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Offline medea888

Re: Der berühmte Tiefpunkt
« Antwort #21 am: 16.11.2020 11:17:13 »
Guten morgen Darksoul,

ich kann deine Wut gut verstehen und alles was die anderen geschrieben haben stimmt natürlich. Als nasser Spieler ist man in seiner eigenen Welt gefangen, dein Freund sieht die Dinge momentan nicht so wie Du, er sieht nur seine Sucht, die ihn genauso manipuliert wie er andere manipuliert, das soll keine Entschuldigung für ihn sein, eher ein Erklärung, denn am meisten belügt er sich selbst und um bei sich selbst nicht aufzufliegen benutzt er sein gesamtes Umfeld. Ich bin jetzt fast 11 Monate trocken und erst seit kurzer Zeit, fange ich an mich von damals zu erkennen, wie als würde ich zurückblicken und da ist ein großes Nebelfeld.... als Spieler war ich in dem Nebel gefangen und  nur ab und an, vor allem wenn ich viel verloren hatte und die Reue mich fertig machte, blickte ich kurz raus aus dem Nebel aber ich konnte ihn lange Zeit nicht verlassen und dann holte er mich immer wieder ein. Das zu erkennen, wenn man drin steht ist unglaublich schwierig und hat auch bei mir einige Anläufe gebraucht, aber irgendwann war ich eben bereit wieder im Licht zu stehen und mich nicht mehr im Nebel zu verstecken. Ob und wann Dein Freund das erkennt und versucht wieder ins Licht zu kommen, dass kann Dir niemand beantworten, leider nicht mal ob er jemals wieder rauskommt. 
Es gibt im Netz gute Artikel zum Thema Suchthirn, vielleicht suchst du nochmal danach. Aber vor allem versuch Du im Licht zu bleiben und Dich nicht immer wieder in seinen Nebel ziehen zu lassen.
LG Medea
 
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Offline Taro

Re: Der berühmte Tiefpunkt
« Antwort #22 am: 17.11.2020 13:22:12 »
Es sich und anderen eingestehen fällt auch schwer oder? Ich finde es mangelnd Spielern generell an Selbstreflexion und Kritikfähigkeit. Habe das Gefühl es wird einfach immer alles verdrängt. In klaren Momenten ist man durchaus rational und gesteht sich ein, dass man krank ist und Hilfe braucht, in anderen Momenten kommt wieder das Spieler Ich.

Das ist erstmal das normale Verhalten eines Süchtigen. Alles andere muss vor der Sucht zurückstellen. Wenn er irgendwann aus den Sumpf raus will ist das seine Entscheidung. Hilfe von außen ist kaum möglich und wenn dann nur das durchziehen unangenehmer Konsequenzen.

Im Leben verläuft nicht alles wie geplant. Meine Aufgabe ist es auf unangenehme Vorfälle angemessen zu reagieren. Dabei ist es egal ob es der Süchtige Partner, die Kinder oder ein Arbeitgeber ist. Die Antworten auf Fragen die das Leben stellt hole ich mir Hilfe, wenn ich selber keine Antwort kenne.
Nur oft fehlt es den Angehörigen an selbstreflexion sich einzugestehen das sie es sind die Hilfe brauchen.

Taro
 
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Offline Darksoul

Re: Der berühmte Tiefpunkt
« Antwort #23 am: 22.11.2020 21:09:05 »
Danke für all eure Antworten. Vor allem die Einblicke in die Gedanken eines Suchtkranken. Ich sehe es ja nur von außen, und so sehr ich auch versuche alles nachzuvollziehen, fällt es mir natürlich oft schwer, zumal ich einfach persönlich davon betroffen bin.

Ich kann nicht helfen, das habe ich eingehen, doch der Wille diesbezüglich ist da. Und ich finde zumindest unterstützen kann man, nur ist es wirklich schwierig mit einem spielsüchtigen eine Beziehung zu führen..