Autor Thema: Warum bin ich hier  (Gelesen 1220 mal)

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Offline guido62

Warum bin ich hier
« am: 29.08.2020 13:39:15 »
ich bin seit längerer Zeit auf der Suche nach irgend jemandem, dem ich von meinen Problemen erzählen kann. Ich bin mir auch nicht sicher ob ich hier richtig bin. Es geht schon damit los, dass ich unsicher bin ob ich süchtig bin. Bezeichnet man alles als Sucht, bei dem ich nicht Maßhalten kann, dann bin ich durch und durch süchtig. Ich habe 1998 mit dem Alkohol ganz aufgehört, weil ich nicht Maßhalten konnte. Das gleiche trifft bei mir aber auch auf Automatenspielen, arbeiten, Schokolade essen und so könnte ich fortfahren, zu. Ich möchte gern das Automatenspielen aufgeben, weiß aber nicht mal ob das das Problem ist oder ich vielleicht an ganz anderer Stelle anfangen muss, mich zu ändern.
Ich weiß, ein etwas kruder Einstieg aber vielleicht hat ja jemand lust zu antworten.
Gruß Guido
 
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Offline Taro

Re: Warum bin ich hier
« Antwort #1 am: 29.08.2020 18:22:18 »
Moin Guido,

Herzlich Willkommen!
Mehrfachsüchtig bin ich auch, Spieler jedoch bin ich durch und durch. Als ich anfing nicht mehr zu spielen und dafür einiges zu tun verschwanden die anderen Süchte, Ticks und Depressionen langsam von alleine.

Taro
 
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Offline TAL

Re: Warum bin ich hier
« Antwort #2 am: 29.08.2020 18:29:47 »
Hallo Guido,

erstmal herzlich Willkommen.
Ja, warum bist du hier? Warum bin ich hier? 'Just for Fun', 'problematisch' oder süchtig... Fakt ist doch, du hast ein Problem, das dich belastet, und je eher du dein Handeln hinterfragst, desto besser. Du bist hier also richtig, und kannst erzählen, was immer du magst.
Ich gehöre eigentlich nicht zu denen, die sich hier groß zu Wort melden sollten, aber da gerade niemand sonst hier ist, werde ich es mal versuchen.

Unser kleines Problem ist progressiv und hinterlistig. Ob es täglich ist, oder nur am Monatsanfang, oder man sogar immer wieder ein paar Wochen ohne 'durchhält' (um sich selbst oder anderen zu beweisen, daß man ja gar kein Problem hat) - das Entscheidende ist doch, daß am Ende der Kontrollverlust immer wieder jegliche 'Bemühungen' zunichte macht.

Es geht dabei ja auch gar nicht ums Geld. Auch wenn ich nicht mein letztes Hemd verspiele, meine Miete noch zahlen kann, so senkt es meine Lebensqualität (und die anderer) doch drastisch. Es war omnipräsent in meinem Leben, auch, und gerade wenn, ich 'trockensaß'. Die Gedanken sind schon beim 'nächsten Mal' - immer. Quasi auf Autopilot. Das macht es eben so schwer händelbar.

Bei mir war es ähnlich wie bei dir. Erst kamen die Drogen, dann der Alkohol, dann das Spielen - in dieser Reihenfolge.
Entweder 'kreuzvernünftig' oder bis zum Abwinken - ein Dazwischen gab es bei mir nicht. Wenn ich erstmal anfing... das war mir durchaus bewußt. Nach Außen hin war ich immer schon Ersteres, dies ersparte mir lästige Fragen, und niemand sah genauer hin. Ich war daher durchaus in der Lage, mich in Gesellschaft 'normaler' Leute anzupassen, sorgte aber lieber für Gegebenheiten, in denen ich das nicht mußte.

Gestern traf ich mich mit einer Freundin aus der Schulzeit. Einer der wenigen Menschen, die beide Seiten von mir kennt. Aber auch sie glaubt, das Vernünftige hätte nach meiner Trinkphase gesiegt. Tja... schön wär's.
Ich ließ die Drogen, fing an zu trinken, das gab ich auf... doch nach einer Weile begann ich, zu spielen... und den Absprung schaffte ich dann nicht mehr. Wahrscheinlich wollte ich es auch gar nicht, denn es war 'komfortabel', vertraut, und für Andere unsichtbar. Einen wirklichen Auslöser gab es dafür nicht, doch ganz offensichtlich brauche ich sowas wie ein Ventil. Manche Dinge ändern sich nie - mein Wesen gehört wohl dazu - und allein mit Aufhören ist es bei mir nicht getan. Also ja, ich mußte weit mehr ändern als das, um eine Chance zu haben. Kein leichter Weg. Abstand, also komplette Abstinenz, war aber der Grundstein dafür, daß dies überhaupt gelingen konnte. Das gilt für den Rest meines Lebens.

Auch wenn ich das lange dachte - ganz offenbar bin ich nicht der Einzige, dem es so geht.
Im Gegensatz zu mir, scheint dir aber zumindest durchaus klar zu sein, daß die Chance besteht, am Ende irgendwann einfach nur das Suchtmittel zu tauschen, wenn du deine bisherigen Gewohnheiten nicht grundlegend umkrempelst.

Ich muß leider los, also nur eben kurz... darüber zu sprechen ist ein guter Anfang. Die Frage ist also, wie ernst es dir ist. Wieviel du bereit bist, zu geben, um das dauerhaft zu verhindern.
 
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Offline Jacky1

Re: Warum bin ich hier
« Antwort #3 am: 29.08.2020 21:00:54 »
Hallo Guido und herzlich Willkommen,

manchmal hat etwas eine schier unbändige Kraft, dass man darin verloren scheint.
Und wenn keiner in dieser Lethargie sich damit auseinandersetzt, ist man es auch.

Lass es uns herausfinden, wie weit Du gehen kannst und wie weit Du eigentlich gehen solltest. 

Liebe Grüße     
 
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Offline medea888

Re: Warum bin ich hier
« Antwort #4 am: 30.08.2020 08:36:12 »
Guten morgen Guido,
ja, auch ich bin suchtgefährdet in allen Bereichen ( Ok schoki ist nicht so meins ;)) aber sonst muss ich überall aufpassen. Ich bin jetzt über 8 Monate spielfrei und ich muss zugeben es ist mir nicht schwer gefallen nicht mehr zu spielen. Die Arbeit dahinter ist schon was ganz anderes, denn ich muss rausfinden, wie ich als Suchtmensch anders mit Dingen umgehen kann und nicht zu einem Suchtmittel
greife. Ich für meinen Teil, habe Anfangs viel hier gelesen und geschrieben und nun habe ich vor einigen Wochen eine Verhaltenstherapie angefangen. Das ist sehr anstrengend und es macht einem auch etwas Angst, aber für mich fühlt es sich richtig an.
Es gibt aber ganz viele Wege.
Hast Du schon überlegt welchen Du gehen willst? und welche Maßnahmen du dafür ergreifen möchtest?
Freue mich mehr von Dir zu erfahren
Bis bald
LG Medea
 

Offline haraldjunki

Re: Warum bin ich hier
« Antwort #5 am: 31.08.2020 23:35:16 »
Hallo Guido!
Grüsse auch von merener us Berlin!
jetzt wo et in sich hier wieder abgekühlt hat (laut Pinochio Presse ham se hier ja fast de Reichstag "gestürmt" ;) ) komm ik nicht darum, och be dir mene Senf dazuzugeben, also in Verbibdung mit ne klene Spaziergang  ;D
"gern das Automatenspielen aufgeben, weiß aber nicht mal ob das das Problem ist"
in denem Fall scheint hinter de, ik sach ma "Suchtphasen" (wobei ik mir mit de "Arbeitssucht" irgendwie so gar nicht osskenne ;) ), tatsächlich mal irgendein "Defizit" zu stecken, hast de Probleme mit de Frauen, Arbeit, Familie, Gesundheit? Wirste ständig von ne narzistische Vater zusammengeschiessen?

Aber ik starte hier jetzt kene Fragenkatalog, bin weder ne Foren-Onkel noch denne Vernehmungsrichter :D
Nur: wenn de de Grund für de, ik sach ma, "falsche Verhaltensmuster" gefunden hast, haste wahrscheinlich schon de Hälfte geschaft, ik men, de Harald war noch nie de Meinung, det hinter jede "Sucht irgenden Defizit stecken tut", oder dat de "Kauf von Aktien ist in meinen Augen genau so abstrus, wie der Überfall auf eine Tankstelle" ist (de grösste Schwachsinn heute denn ik jemals gelesen hab, für jedet CFD-Bon/Anleihe/Wertpapier hab ik also ne Tankstelle überfallen  ;D :P :o), also um et kurz zu machen, wenn doch en "Defizit" hinter de Sucht steckt, und wenn de herosfindest, wat genau es ist, kannste dann och leichter entscheiden ob de die "professionelle Hilfe" oder de zahlreiche Angebote von de Caritas, Kirche, Selbsthilfegruppe nutzt...

Servus vo de Linden aus Berlin!

PS: "Arbeitssucht" ist hier in D gern gesehen und voll akzeptiert  ;), wie wäret, wenn de von de Automatensucht, für et erste wieder daruf umstellst? :)
 
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Offline Andre12

Re: Warum bin ich hier
« Antwort #6 am: 02.09.2020 11:39:35 »
Hallo Guido, oder besser Moin
super das Du geschrieben hast. Du hast sicher bereits viel hier im Forum gelesen. Wenn ich es richtig verstanden habe, willst Du mit dem Spielen aufhören, kannst es aber anscheinend nicht, fragst Dich  lieber  ob Du süchtig bist ? Ok, ich denke damit ist die Frage fast beantwortet. Du hast anscheinend mehrere Baustellen und sich hier zu äußern ist der erste Schritt um sich davon lösen zu können. Erzähle doch mehr von Dir und auch wenn Du Rückfälle hast, bleibe am Ball und teile Dich uns mit. Ich habe ziemlich lange gebraucht um spielfrei zu werden. Nicht unbedingt die Spielsucht muß Dein Hauptproblem sein, aber ich denke um an die vielleicht eigentliche Ursache ran zu kommen, mußt Du erst spielfrei sein. Weil genau aus dem Grund ich meine Probleme hatte/habe bin ich ja spielen gegangen. Dadurch bekam ich dann andere Probleme ( welche,sollten Dir ja bekannt sein) . Es ist ein Kreislauf. Und die Sucht, welche auch immer, macht alles nur schlimmer. Hilft aber leider nicht dabei, das die Ursache für die Sucht gelöst wird, sondern nur verdrängt.
Ich hoffe dieser Ansatz bringt Dich etwas weiter.  Bleib am Ball und beschäftige mit Deiner Sucht/Süchte und dann gehst Du den nächsten Schritt.

Ok bis dahin!

Gruss  André
   
 
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