Autor Thema: Grün ist nicht immer grün  (Gelesen 3270 mal)

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Offline Andre12

Re: Grün ist nicht immer grün
« Antwort #15 am: 12.05.2020 16:14:45 »
Moin,

so wollte mal wieder was von mir hören lassen. Danke nochmal an die letzten beide Beiträge/Kommentare. Ich mochte den ersten Beitrag von Taro gar nicht zu Ende lesen. Warum?, weil genau das da stand was ich gemacht habe. Knallhart und direkt. Ich bin wie gesagt seit 3 Jahren damit beschäftigt aus meiner aktiven, wie sagt ihr immer? nassen Zeit rauszukommen. Stück für Stück, mehr oder weniger erfolgreich. Ich brauchte einfach so lange, ich habe mich weiter gewunden wie so ein Aal um immer wieder mal in die zensiert zu gehen. Und Taro ja, die Ehrlichkeit zu sich selbst, der wirkliche Entschluss nicht mehr zu spielen der ist jetzt erst gefallen. Jetzt sind es 71 Tage ohne. Und es ist einfach geil. So langsam verstehe ich alles, vor allen Dingen mich selber. Und ich schaue auf die letzten 3 Jahre zurück, und ich komme immer wieder zu den Entschluss: Es musste alles so laufen (die Gespräche bei der Ats, die stationäre Behandlung, die SHG , die private Behandlung durch schematische Behandlung, die ewigen Rückfälle, die vielen Gespräche mit Freunden, dies Aufarbeiten der Vergangenheit und der Gegenwart, dies Auseinandersetzen mit sich selbst, dies Hingucken in alle Richtungen) All das war und ist mein Weg. Für mich gab es gar nicht die Lösung zu sagen: so jetzt ist schluss damit, sei ehrlich und fertig, auch wenn ich es zig mal behauptet habe, ich konnte mich immer noch nicht sehen. Dann hätte ich es nur verdrängt, weil ich bin wie ich bin, weil ich ticke wie ich ticke. Das zu erkennen, sich selber anzunehmen das war meine Aufgabe. Es gibt kein Spieldruck, es gibt kein "nicht Aushalten "mehr. 
Ansonsten geht es mir super. Beschäftige mich mit meiner Ernährung und Sport ,beruflich voll eingespannt. Es ist schön seine eignen Interessen langsam zu entdecken. Es ist schön ich selbst zu sein. 

Gruß an alle

André12
 
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Offline Andre12

Re: Grün ist nicht immer grün
« Antwort #16 am: 28.07.2020 14:50:22 »
Moin,
da ich kein Tagebuch führe,schreibe ich mal einfach unter meinem Thema.
Ich bin immer noch spielfrei und war heute endlich mal stolz auf mich. Es kamen letzten Monat Lohnsteuer und jetzt Urlaubsgeld zusätzlich auf mein Konto. Habe noch alles. Kein Verlangen, kein Brennen unter den Nägeln und vor allen Dingen habe ich keine Angst es wieder mal zu versenken. Kann offen darüber reden, da ich ja weiß ich werde es morgen auch noch haben. Es ist ein herrliches, schönes und befreiendes Gefühl. Der Weg war hart und ist hart, aber es lohnt sich und die Spielfreiheit ist zu erreichen.

Ansonsten komme ich beruflich  mit meinen neuem Job gut voran. Kämpfe oder besser stecke aber irgendwie im privaten Bereich noch fest. (Freundin weg, auch das hat in mir ein Loch gerissen ) Aber nun gut auch das gehört zu meinem Weg. Mir fällt es noch schwer, Dinge für mich zu finden, die mich befriedigen und oder erfüllen. Meine eignen Emotionen zu erkennen, meinen Weg für mich zu finden. Aber ok, hoffe viele Dinge ergeben sich einfach durch die Spielfreiheit. Was mir, bei mir im privaten Bereich auffällt, ist immer noch Antriebslosigkeit, vielleicht auch Lethargie und Ziellosigkeit. Beschäftige mich gerade mit Hauskauf und oder Umzug in eine neue Wohnung, neue Möbel. Macht mir aber auch nicht richtig Spaß, aber ich mache es einfach. Mir schwirren dann immer  Gedanken wie, ist das richtig jetzt wegzuziehen oder laufe ich nur weg ?  Habe jetzt erstmal noch 2 Wochen Urlaub und werde mich mit obg. Dingen weiter beschäftigen. Habe Bücher gekauft wie z.B. das innere Kind und merke einfach beim Lesen wie mich das alles angestrengt hat in den letzten Jahren und ich mich irgendwie auch nicht mehr so tief beschäftigen mag. (Mit mir) Versuche jetzt einfach mal nur einen Punkt in Angriff zu nehmen. (Selbstwertgefühl) Und schaue ob es mir damit besser geht. Ach ja, gelaufen bin ich auch nen paar Mal in den letzten Wochen und beim Training war ich jetzt auch wieder öfters.  Ach und Gerichte habe ich gekocht .... was ich ausser Spaghetti/Bolognese auch nie gemacht habe.

Ok, noch einen schönen Tag

André

 
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Offline Andre12

Re: Grün ist nicht immer grün
« Antwort #17 am: 24.08.2020 15:11:58 »
Moin,
ich frage mich immer wieder, wieso mir es so schwer gefallen ist, mit dem Spielen aufzuhören. Bin jetzt bei Tag 170 irgendwas, ist nicht wichtig, nur wichtig das es so bleibt. Die Frage werde ich mir nie so richtig beantworten können, auch das ist nicht wichtig für mich, da ich es nicht mehr ändern kann. Ich lebe nicht in der Vergangenheit, sondern in der Gegenwart im Hier und Jetzt. Durch meine Spielfreiheit kann ich mir erlauben,  auch an meine Zukunft zu denken, ich kann planen, ich kann mir Wünsche  erfüllen. Ich kann mein Leben endlich eigenverantwortlich leben und gestalten. Ich kann mich zeigen. Ich kann meine Komfortzone verlassen, ohne Angst zu haben irgendwas "falsch" zu machen.
Warum schreibe ich das? Eigentlich nur, weil ich immer wieder hier im Forum auf die unterschiedlichen Wahrnehmungen zwischen, trocknen und nassen Spieler treffe.  Nasse Spieler, finden 1000 Gründe warum Sie nicht zur SHG gehen, warum sie nicht Einzelgespräche machen, warum Sie nicht alles versuchen um endlich spielfrei zu werden. Sie messen sich an andere Spieler: Oh wie lange hast Du gespielt? oder ach Du warst stationär? Ach, so viel hast Du bereits verspielt ?nee so schlimm ist es bei mir nicht. Man findet Gründe um sich das Spielen weiter erhalten zu können.
Ich denke immer, ja,ich war/bin genauso. Wollte aufhören, vor zig Jahren am 31.12.2003 hatte ich mir gesagt,nachdem ich 2200 € versenkt hatte, ich höre auf. Punkt.  Hielt 26 Tage.... gab es wieder Geld. Irgendwann Januar 2017 auf Druck von außen und von mir habe ich mich mit meiner Spielsucht beschäftigt. Das war ein Schritt, aber noch lange nicht  die ersehnte Spielfreiheit. Aber ein Anfang. 3 Jahre  Arbeiten an mir (Bücher zum Thema, SHG, Hypnotiseur, Einzelgespräche, Aufarbeiten der Kindheit, stationäre Therapie) dann war ich endlich soweit nicht mehr mein Geld zu versenken. Ich hab immer gedacht in  diesen 3 Jahren waren es Rückfälle,wenn ich wieder spielen war, nein, das waren keine Rückfälle, es war eine Unterbrechung vom Spielen. Nicht mehr aber auch nicht weniger. Mit jedem Monat meines Versuches Aufzuhören , kam ich ein Stück weiter, so paradox  es sich anhört. Ich hatte so viele Dinge probiert, alles was wir hier immer vorschlagen, aber nie  aufgehört. In laufe dieser Jahre habe ich mich selber  immer besser kennengelernt. Irgendwann verstand ich, warum ich in diese zensiert gehen mußte. Es wurde besser, also von langsam steigern in die Spielsucht, bis volle Pulle und dann langsam runter auf Null.Je mehr ich mich selber sah, ich mein Selbstwertgefühl wieder fand bzw. überhaupt hatte, je achtsamer ich war umso besser wurde es. Meine Lieblings-Therapeutin sagte Anfang des Jahres zu mir: Ich ticke so wie ich ticke, und so lange ich es nicht aushalte ich zu sein, werde ich immer wieder mal spielen gehen müssen. Irgendwie nahm sie mir mit dieser Aussage soviel Last von den Schultern.
Jetzt beginnt für mich die eigentliche Arbeit, jetzt lasse ich mich zu. Ich verlasse eingefahrene Wege und das fällt mir richtig schwer. Ich hätte bis zum Tod so weitermachen können. Tue ich nicht. Ich gestalte mein Leben selber. Ich werde nicht mehr eine Partnerin haben, weil ich nicht alleine sein möchte, ich werde mich nicht mehr hinterm Sport verstecken, ich werde nicht mehr  feiern, weil ich es (mich) nicht aushalte oder sonstige Dinge tun, nur um irgendwo vor wegzulaufen. Nein, ich tue all diese Dinge oder auch nicht, weil ich es möchte. All das erlaubt mir jetzt meine Spielfreiheit. Es lohnt sich, dran zu bleiben, auch nach diversen Rückschlägen.

Lieben Gruß an alle

André


 
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Offline Andre12

Re: Grün ist nicht immer grün
« Antwort #18 am: 04.11.2020 12:36:56 »
Moin,

so wollte mal Euch den aktuellen Zwischenstand nach meiner jetzt 8 monatigen Spielabstinenz mitteilen. Hatte ja geschrieben jetzt beginnt für mich die eigentliche Arbeit... Und das ist noch salopp ausgedrückt. Hatte ja den Ansatz ich muss was ändern, habe dann vor ca 18 Monaten den Job gewechselt um diese Komfortzone zu verlassen. Manchmal denke ich daran noch zurück, hatte alle Freiheiten, hatte Mitarbeiter und konnte mir meine Zeit selbst einteilen. Oder besser gesagt, ob ich arbeite oder nicht lag einfach in meiner Hand, war ja immer zu erreichen.  Dann wurde mir 2017  noch eine höhere Stelle angeboten ( 35 Mitarbeiter) für nahezu ein lächerliches Aufgeld. Begründung : ich wüßte ja sofort wie alles geht und wenn ich was sage, spuren sie ja alle. Na, ja denke dann immer oh man wie lange habe ich da verbracht und es hat sich nix geändert. Als mir dieser Job angeboten wurde, hatte ich gerade meinen Therapieplatz bekommen. So im Nachhinein ärgere ich mich manchmal das ich abgesagt habe, aber nur aus dem Grund für meinen Lebenslauf. Sonst nicht. Jetzt bin ich für 2 Produkte verantwortlich ( Vertrieb und Entwicklung ) Habe mich so langsam eingearbeitet. Vieles positives erreicht. Merke aber wie ich das Gefühl habe, es befriedigt mich nicht. Im privaten habe ich mir eine neue Wohnung gesucht, leider erst am 01.04.21 möglich. Auch hier verlasse ich meine Komfortzone und frage ich mich, ob mir das was bringt außer das doppelte an Miete. Freundin ist auch weg ( Haben  nie zusammen gewohnt). Das ist auch nach 6 Jahren erstmal wieder ungewohnt. Es prasseln also viele neue Dinge auf mich ein, und ich wünschte ich könnte sagen: toll alles neue Herausforderungen, jawoll die nehme ich an. Merke aber seit längerem wieviel Kraft mich das alles gekostet hat und noch kosten wird. Ich habe mit meinen Emotionen sehr viel zu tun. Da ich alles so schlecht einschätzen kann. Empfinde nicht viel Freude an irgendwas. Das heißt nicht das ich jetzt sage, oh mit spielen war alles besser um Gottes willen. Da war das ja auch alles da, nur noch 1000 mal schlimmer und alles verdrängt. Es sind irgendwie 47 Jahre die ich gerade Stück für Stück für mich aufarbeite und nicht vergessen darf ich lebe im hier und jetzt.  Ich freue mich wenn ich mir Dinge leisten kann. Wenn da ein Auto steht zu verkaufen und ich sagen könnte ja kaufe ich. ( Brauche ich nicht, hab Dienstwagen). Ich weiß meine neue gewonnene Freiheit sehr wohl zu schätzen und geniesse sie  auch bewußt. Bin aber irgendwie an einem Punkt der mich innerlich nicht zur Ruhe kommen läßt, obwohl ich so müde und abgespannt bin. Ich grübel dann viel nach und nehme mir dann die Motivation fürs Tun, Machen und Handeln. Lach, typisch ich: stehe mir manchmal selbst im Weg. Ich hoffe meine Antriebslosigkeit ist nur einfach eine vorübergehende Phase.
Ich bin sehr dankbar, dafür ich über diese Dinge schreiben kann.
So, es lag mir einfach auf dem Herzen und wollte das einfach mal loswerden.

Gruß an alle . Viel Spaß beim Bergfest

André
 
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Offline Jacky1

Re: Grün ist nicht immer grün
« Antwort #19 am: 04.11.2020 23:18:54 »
Hallo Andre,

erstmal :
Du bist hier im Forum auch manchmal im Chat, von keinem anderen sehe ich mehr Danke unter "unseren" Beiträgen als von Dir.
Du bist präsent, spürbar und auch greifbar, gerade wieder mit Deinem neuen Beitrag.
Was wir alle auch sonst so treiben in unseren Leben, dies hier gehört dazu.
Auch hier dürfen wir sein.
Es ist etwas gutes und bestärkt uns doch in allen Bemühungen....ein gutes Zeichen lieber Andre.

 
Ich habe mit meinen Emotionen sehr viel zu tun. Da ich alles so schlecht einschätzen kann. Empfinde nicht viel Freude an irgendwas. Das heißt nicht das ich jetzt sage, oh mit spielen war alles besser um Gottes willen. Da war das ja auch alles da, nur noch 1000 mal schlimmer und alles verdrängt. Es sind irgendwie 47 Jahre die ich gerade Stück für Stück für mich aufarbeite und nicht vergessen darf ich lebe im hier und jetzt.

Freude, besser gesagt viel Freude empfinde ich eigentlich mein ganzes Leben nicht.
Doch wie sollte ich dies beurteilen, etwas nicht zu empfinden was ich gar nicht zuordnen kann und nach welchen Maßstäben überhaupt.
Überglücklich zu sein ist wohl das Gleiche wie viel Freude zu empfinden.
Ich will/wollte immer alles und zwar so extrem/intensiv wie nur möglich....
Doch meine Umwelt spielt/spielte da wohl nie richtig mit...Spielverderber.  :)

Ratschläge auf emotionaler Ebene gebe ich hier sehr selten, es ist auch ein kleiner aller Ratschläge die man geben könnte.
Nehme jede nur erreichbare Freude die Du bekommen kannst...sie bedeuten das Leben.
Es gibt keine kleinen Freuden, sondern nur , wie Du ja auch geschrieben hast " es hat mit eigenen Emotionen zu tun". 

Und wo ist eigentlich dieses Bergfest ?  :)

Grüß Dich
 
 
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Offline Andre12

Re: Grün ist nicht immer grün
« Antwort #20 am: 05.11.2020 08:56:09 »
Moin Jacky,
Vielen Dank für Dein teilen  Deiner Ansichten, Betrachtungsweisen und Dein Blick auf die Dinge.
Sowas hilft mir immer. Ja, die lieben Emotionen,  das Thema wird noch mein Hobby, mich damit auseinanderzusetzen 😉.  Die richtige Balance zwischen eigne Wahrnehmungen, Fremdwahrnehmungen, äußere  und innere Einflüsse zu finden, zu sehen und abgrenzen zu können. Lach , oh ne das wird ein Spaß.

P.S. Wir im Norden feiern jeden Mittwoch, die Mitte der Woche erreicht zu haben , das Bergfest!😉😂😂

Gruß zurück

André
 
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Offline Taro

Re: Grün ist nicht immer grün
« Antwort #21 am: 05.11.2020 23:59:30 »
Moinmoin,

Emotionen sind das grosse Thema. Als ich hinaus in die Welt ging, hatte ich sowas von keine Ahnung wie das Leben funktioniert, mit Null Selbstwertgefühl. Meine Emotionen passten da immer schlecht, da bin ich lieber spielen gegangen.

Als ich mit dem Spielen aufhörte, ging ich in die GA Gruppen und hatte dort erstmal einen Platz, ich fühlte mich tatsächlich willkommen ohne etwas leisten zu müssen, für mich war das ein unglaubliches Gefühl.
Das tolle an den Gruppen ist für mich, es gibt eine Situation in der ich reagiere, wie ich eben reagiere. Ich lecke meine Wunden und glaube alles richtig gemacht zu haben. Nun spreche ich in der Gruppe darüber, ich höre hunderte von Reaktionen und Emotionen der anderen. Viele führen zu für mich nicht so wünschenswert Ergebnissen, ein paar wenige aber schon. Ich kann mir dann einfach von diesen positiven Erfahrungen eine Möglichkeit auswählen und es beim nächsten Mal einfach ausprobieren. Das funktioniert genausogut mit Situationen in denen ich noch nicht war, in der Situation erinnere ich mich an die Erzählungen der anderen. Ich habe dadurch ein riesiges "Portfolio" an Wissen wie mein Leben funktionieren kann. Meine Emotionen sind auch heute noch mein Thema, aber ich habe gelernt damit umzugehen, so daß ich mich sehr erfüllt fühle.
Als Spieler kannte ich nur Sekt oder Selters, oben oder unten, es gab nur Extreme. Alles dazwischen habe ich kaum gespürt. In meinem Leben suche ich heute auch oft noch extreme. In extremen fühle ich mich wohl, gehört ein Stück zu meinem Leben dazu.

Taro
 
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Offline Allesaufanfang

Re: Grün ist nicht immer grün
« Antwort #22 am: 25.11.2020 12:30:59 »
Hallo André,
Es sieht so aus als hätte ich mein männliches Pendant gefunden.
Es ist spannend Dich zu lesen und sich selbst darin zu entdecken.
Freue mich auf den Austausch mit dir.
LG
 

Offline Andre12

Re: Grün ist nicht immer grün
« Antwort #23 am: 28.12.2020 18:24:16 »
Moin,
das Jahr neigt sich dem Ende .. ok das hört sich an als ob ich zuviele Märchen geschaut habe 😂
Als ich heute über meine Kontoauszüge geschaut habe , fiel mir der Spruch von meinem damaligen Berufsschullehrer seltsamerweise ein:“ Leute rennt nicht dem Geld hinterher, sondern lasst es kommen“
Heute 27 Jahre später ,hab ich ihn wohl erst richtig verstanden 😉 Ich war damals schon im zarten Alter von 20 Jahren spielsüchtig. Ich hab damals schon gedacht , der hat gut reden .. Miete, Auto alles teuer. Ich bin Lehrling , noch nachts gearbeitet .. ja damals schon alles Geld nach Abzug der Fixkosten verzockt und nicht gesehen . Ein Meister des verdrängendes , ein Meister der Ausreden. Selbst vor 2 Jahren , redete ich es schön , meine Kosten stiegen , Unterhaltszahlungen für meine Tochter , Kredite , die politik , alle haben Schuld das ich am 3 pleite bin. Gespräche mit meiner heutigen Ex geführt , nicht verstanden warum sie mir nicht glaubt , weil ich bezahle das ja auch alles und Urlaube machen wir ja auch , was vorher nicht ging . Immer noch am schön reden.. Aber nie ganz aufgehört. Heute 2 Häuser im Automaten später , 27 Jahre nach  diesem besagten Spruch , nach wirklichen , echten 300 Spielfreien Tagen , stelle ich fest , was war ich für ein Arsch für meine Beziehungspersonen , für mich selbst . Heute sehe ich es , verstehe es was alle diese meinten. Heute gucke ich auf meine Konten , sehe ich hab alles bezahlt , ich hab nen Kredit abgelöst , ich hab weder Urlaubsgeld , Weihnachtsgeld ,noch Prämie angefasst .. trotzdem hab ich meiner Tochter größere Geschenke gemacht , div. Zusatzkosten und  noch zusätzlich gespart.. es ist so unglaublich wie sehr ich meinen eignen Schwachsinn was ich so von mir gegeben habe, selbst geglaubt habe. Es ist unglaublich , das ich viele Dinge, unterscheiden kann . Also die ganzen Dinge , Ereignisse , Missverständnisse von Kind an, die mich in die Sucht getrieben haben , zu sehen, als Erwachsener  bewerten und handeln zu können . Es ist einfach schön und fühlt sich gut an. Ja ich war auch oft einsam dieses Jahr , gerade durch die Trennung meiner Partnerin .. oder Corona , aber auch das konnte ich aushalten , manchmal auch genießen . Ich bin ungeduldig , möchte mit einer Frau was aufbauen usw..  , möchte es erleben wie es ist in einer  Partnerschaft  ohne spielen zu sein ,aber auch das es nicht so ist ,
halte ich aus. Beschäftige mich eben mit positiven Dingen. Und sei es eben Kontoauszüge anzuschauen, mich selbst im Umgang mit anderen Menschen beobachten . Jeden Tag zu lernen über mich ,  Erfahrungen sammeln .. und die durch meine Schwäche ( Die Sucht ) erworbenen Fähigkeiten als Stärken zu nutzen ( Einfühlungsvermögen, Situationen schnell erfassen , Einfallsreichtum , Empathie) ok die waren immer da , aber jetzt kann ich mich dabei abgrenzen und nutze die nicht um meine Sucht zu verstecken oder mich selbst zu verstecken oder zu verleugnen.
So genug von mir und meinen Gedanken !

Lieben Gruß
André
 
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Offline Andre12

Re: Grün ist nicht immer grün
« Antwort #24 am: 04.02.2021 08:52:00 »
Moin,
heute Morgen aufm Weg zur Arbeit, ich quälte mich durch unsere "Schneekatastrophe", ( Hier sei erwähnt wir Norddeutsche können kein Schnee im Straßenverkehr, mit wenigen Ausnahmen  ;D ) war trotzdem entspannt und ließ meine Gedanken freien Lauf..... Heute der 04. des Monats, wie war es sonst? letztes Jahr 2020 ?, weiß ich gar nicht mehr. Aber 2019 wie war das... ? Das weiß ich noch genau: " Ich genervt, Geld wieder mal fast am Limit... was kann ich tun? wo bekomme ich Geld her, wer hat nachts oder am Wochenende Arbeit für mich?.. Kippen auch alle, Essen, ach was uninteressant , scheiße, Frau will Essen gehen mit Familie, wie kann ich da mein Obolus zu geben, der Gedanke das ich auch mal alles bezahle, kam mir gar nicht... Immer nur was tue ich? was mache ich ? es darf keiner wissen usw. usw. Fürchterlich!!!!!!  Dann kam ich automatisch gedanklich zu meiner Ex, stimmte mich kurz traurig. Mein Blick ging auf meinen gepackten Rucksack ( frische Schwarzbrote heute morgen geschmiert mit Salami, Remu. Sportsachen für die Reha, Schachteln Kippen lagen auch rum) Ich musste grinsen, dieser Rucksack stand heute Morgen für alles. Zum 01.04. ziehe ich um, neue Möbel, Kaution, eventuell 2 Mieten (alte und neue Wohnung ) bezahlen, kein Problem, nehme ich vom Giro waren meine nächsten Gedanken... Darauf freue ich mich, mein verlorenes Geld... egal, Ex Frauen  unverzeihlich was ich gemacht habe, denke hier aber auch letzten Endes habe ich sie alle vor mir selber geschützt und sehe es wie mit dem Spielen ich konnte nicht anders handeln, und habe unbewusst daraufhin  gearbeitet das sie gehen müssen, um anschließend wieder rum zu jammern wie blöd und gemein sie waren... und zu spielen.... Oh, man !  Heute mich selbst auszuhalten, meine Emotionen, all das zu lernen, zu erlernen was ich alles mit dem Spiel unterdrückt habe, weggelaufen bin, nehme ich heute an ,stelle mich dem, sehe es  teilweise sportlich.
Das alles ist kein Traum, nein es ist Realität, es ist mein Leben und das ist auch gut so !
Euch allen einen schönen Tag!!!!

André
 
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Offline amTiefpunkt

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Re: Grün ist nicht immer grün
« Antwort #25 am: 02.03.2021 08:17:27 »
Guten Morgen Andre,

ein Jahr ist es nun her, seitdem du den vielleicht wichtigsten Entschluss deines Lebens gefasst hast, nämlich die Entscheidung für die Rückkehr ins Leben! Glückwunsch zu einem Jahr Spielfreiheit - gut gemacht!
Bleib weiter am Ball....

aT
Sag "JA" zum Leben!
 
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Offline Andre12

Re: Grün ist nicht immer grün
« Antwort #26 am: 03.03.2021 08:33:04 »
Moin,
vielen Dank für Eure Glückwünsche. Finde ich immer wieder schön, wie wir hier miteinander umgehen. Jeder weiß, was für Arbeit dahinter steckt, jeder weiß das es nicht nur eine temporäre Arbeit ist, sondern eben ein ständiger Prozess. Ich habe so viel verändert, in den letzten Jahren, teilweise für mich kaum merklich was, doch mit viel positivem Feedback in meinem Umfeld. Hier und da hakt es noch. Auch in der Familie, vorwiegend meinem Vater, gefällt es nach meinem Empfinden nicht, das ich für mich einstehen kann und auch standhaft bleibe. Ich bin sehr stolz auf das was ich erreicht habe und eben auch mit negativen Einflüssen, Erfahrungen leben kann, ohne in alte Muster zu fallen. Die ersten Umzugskartons stehen bereit,  ich freue mich auf mein neues Heim und packe es weiter an mir ein neues Leben, fernab vom Spielen, vom Lügen, vom Verstecken aufzubauen.
Ich bin so froh, dass ich endlich aufhören  konnte zu spielen. Ich kann reflektieren was in mir vorging/vorgeht und es ändern, vor allen Dingen sehen, erkennen und begreifen. Mein "Grün"  :) wird klarer.
Ich kann loslassen, Dinge akzeptieren und mich selbst aushalten. Ich möchte auch nochmal die praktischen Dinge ansprechen: ich kann jeden Tag was zu essen kaufen, ich kann jederzeit Notwendiges kaufen. Ich kann wieder Dinge schätzen, die mir abhanden gekommen sind. Ich kann mich selbst wert schätzen. Ist das nicht alles jede Mühe wert ? Es ist einfach ein unbeschreibliches und schönes Gefühl.

Einen schönen Tag für Euch
Jack, denk dran heute ist Mittwoch ;D

André
 
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Offline Andre12

Re: Grün ist nicht immer grün
« Antwort #27 am: 30.03.2021 14:33:48 »
Moin,
so mein Umzug ist vollzogen. Gefällt mir sehr gut in der DHH: eigner Garten, Terrasse und Garage mit gemauerten Abstellraum. Herrlich, freue ich mich riesig drüber. Endlich den alten Dunstkreis verlassen. Es hat sich viel Zeug angesammelt in den 18 Jahren. Ich habe  rigoros aussortiert. Ausser die Möbel von meiner Tochter habe ich mehr oder weniger alles andere weggeschmissen. 20 Kartons kamen aber doch noch zusammen. War dank meiner Kumpels/Freunde dann aber auch rasch in der Garage. Haben wir natürlich dementsprechend ich nenne das mal anticoronat.... Gestern habe ich dann die Möbel in meiner alten Wohnung abgebaut. Unter anderem auch meinen Kleiderschrank. Obendrauf lag ein Stapel Kontoauszüge von Oktober 2010!!!! Ich denke watt dat denn  ;) ? Schaue mir die durch. Aha, alles wie es immer war. Am Monatsanfang alles nötige bezahlt. Dann am 03 einmal 150 € bar abgehoben, dann  2 Seiten xxx Abbuchungen vom 03. Rest 23,21 € (Damals standen Automaten zum Geldabheben in der Halle, konnte ich  gleich in Münzen auszahlen lassen) Fürchterlich, scheint so weit weg, und irgendwie unvorstellbar, das ich sowas gemacht habe, doch das war ich..  Daneben lag ein google-Auszug datiert vom 17.10. 2010!!!!!!!!!!!!! Suchtberatungsstellen, SHG usw. Ich war immer der Meinung das ich auf Druck meiner EX, erst angefangen habe mich mit meiner Sucht zu beschäftigen, wie ich hier ja auch bereits schrieb. Muss jetzt feststellen, das ich 7 Jahre gebraucht habe, vom ausdrucken der helfenden Instituten bis zum tatsächlich auf dem Weg machen. Herrje, aber gutes Beispiel von" wollen" und " überlegen " " bringt mir eh nix " " ist nix für mich " bis zum tatsächlichen TUN. Trotzdem echt erschreckend. Na,ja. Habe heut abgeklebt und der Maler kommt nachher. Die Schlafzimmermöbel kommen nächste Woche. Matratzen sind bereits da. Freund meinte "Aha 2 Stück " , ich lachte : ja, die Hoffnung stirbt zuletzt. :) :) Morgen muss ich dringend los und
Wohnzimmer bestellen, bevor nach Ostern wieder alles zu hat. So, ich bin guter Dinge und freue mich mir alles so leisten zu können  und ich mich jetzt mit Rasenmäher, Gartenmöbel und Heckenschere beschäftigen kann. Ich merke auch wie mir das gut tut und ich mein Selbstwertgefühl  damit stärke und nicht wie sonst immer nur  nach außen hin, sondern diese Selbstwertgefühl kommt von innen, wo es mir immer weniger wichtig wird, wie ich denn nun nach außen hin wirke, ich nicht drauf achten muß, was ich sage bzw. ich verdammt nochmal keine Erwartungen mehr an andere stelle, die ich durch mein tun und handeln und Aussagen versuche zu steuern und zu beeinflußen und dabei meine Spielsucht zu verstecken und auszuüben. Ich muss gar nix . Ist mir piepegal ! ;)

Euch allen schöne Ostern.

Gruss André
 
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Offline Andre12

Re: Grün ist nicht immer grün
« Antwort #28 am: 06.04.2021 19:33:36 »
Moin,
erste Woche verbracht im neuen Haus.. bin zufrieden, nee das ist zu lapidar, ich freute mich richtig heute nach der Arbeit auf mein zuhause . Nach und nach trudeln jetzt die Möbel ein. Bin gespannt , was da kommt.🙃
Das nur am Rande. Ich bekomme jedes Jahr von meiner Suchtberatungsstelle   ein Fragebogen zugesandt. Ich war dort seit 2017 . Dann nach meiner stationären Therapie  weiter als Nachsorge. Einzelgespräche und SHG solange wie die Kasse bezahlt ,glaube halbes Jahr bis nach der stationären. Dann durfte ich nur noch in die SHG, als selbstzahler. ( wurde so gelöst, einmal bezahlen  , (55 Euro ) einmal als Gast . Das vorab als Informationen. Ich habe den ersten Fragebogen  brav ausgefüllt . ( und gelogen  ) Danach nicht mehr ausgefüllt.  Mich störte da was , konnte aber nicht in Worte fassen was. Jetzt kam wieder einer. Es werden  Fragen gestellt als multiple Choice von : trifft zu bis trifft nicht zu  oder von sehr viel besser bis sehr viel schlechter. Er    zielt  ausschließlich auf abstinent und jetzt andere Suchtmittel als Alternative ab und  Umfeld, Partnerschaft, beruflich tätig usw , immer unter dem Deckmantel, bitte antworten Sie , damit besser auf zukünftige Zocker eingegangen oder besser geholfen werden kann. Also ich sag mal : wie ist Ihre Partnerschaft  besser oder schlechter als vor der der Therapie bzw . In den letzten 12 Monaten !   Der Fragebogen hat sich nicht ein Stück verändert , erinnert mich an Statik von gewissen Häusern, die aus der Schublade gezogen werden und mit entsprechenden Geld bezahlt😉 werden müssen, leider zum heutigen Zeitwert.
Ja, was ärgert mich da nun genau : keine offene Fragen ,  die Fragen zielen nur auf Abstinenz hin. ( dazu muss ich erklären , das ich über einen Rückfall im Einzel gesprochen habe , wo mir gesagt wurde , noch einen und dann darf ich nicht wiederkommen , und damit wäre die staatliche Unterstützung verflogen ) so und dann weiß ich als Spieler was ich sagen darf oder nicht, was natürlich überhaupt nicht förderlich ist. Eine vernünftige Aufarbeitung ist dann gar nicht oder so erfolgt , das es sinnlos war. Also in meinem damaligen Weltbild oder in meiner Wahrnehmung wurde ich quasi gezwungen zu lügen . Na jedenfalls zum Schluss steht immer , ob ich Anregungen hätte, bitte  schriftlich beilegen und bei diesem Fragebogen komischerweise   ( nehme an , weil ich jetzt 2 Jahre aus der staatlichen Unterstützung raus bin , und sie wieder abrechnen können , ist nur meine Meinung, muss ja nicht so sein ) wurde ich gefragt ob ich ein Gespräch wünsche und ob sie mir helfen können. Ich habe dann prompt, diesmal wahrheitsgemäß, alles ausgefüllt und um ein Gespräch gebeten . Den beigelegten Umschlag ( Porto wird übernommen ) habe ich nicht genutzt , sondern eben persönlich abgegeben . Bin gespannt ob ich einen Anruf bekomme .
Ich denke das es bei den Beratungsstellen noch viel Aufklärungsarbeit zu leisten gibt. Also es klingt hoffentlich nicht allzu anmaßend von mir , denke aber die Komplexität meiner Sucht oder der Spielsucht , ist denen nicht so richtig klar. Kann ja auch nur meine Wahrnehmung sein.Den Grundansatz dieser Fragebogen finde ich gut oder auch sehr gut . Meine Therapeutin sagte mir auch immer , das sie keine Psychologin ist ... und die Psychologen sagten mir immer : ihr seit die Spieler, was meint ihr dazu ..... ( in der Therapie / ShG ) zumindest bei gewissen Themen . Aber Denkansätze und lenken zum Hinschauen , oder gerade bei meinen Emotionen konnten sie mich unterstützen. Hoffentlich bekomme ich einen Termin , freue mich auch auf ein Feedback bei meinen Anregungen und ob vielleicht meine derzeitige Erinnerung an die Beratungsstelle vielleicht nur von meinem damaligen Suchthirn gesteuert wurde, wird . Da bin ich gespannt.
Lg
André
 
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Offline Taro

Re: Grün ist nicht immer grün
« Antwort #29 am: 06.04.2021 19:49:21 »
Moin André,

Die Wahrnehmung ist richtig. Es gibt vielleicht eine Handvoll Therapeuten die sich richtig gut mit der Spielsacht auskennen. Aber mittlerweile zahllose Beratungsstellen. Darum müssen Sie natürlich versuchen das Thema in ein Schema zu pressen.

Taro
 
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