Autor Thema: wenn Kinder mit im Spiel sind  (Gelesen 187 mal)

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Offline Lotte1

wenn Kinder mit im Spiel sind
« am: 29.03.2020 00:04:47 »
Hallo,

durch Zufall bin ich auf dieses Forum gestoßen. Ich hoffe, mich hier mit Menschen austauschen zu können, die die Problematik Spielsucht aus eigener Erfahrung, sei es aus Sicht der Betroffenen oder der Angehörigen, kennen.
Jetzt bin ich in einer Situation, mit der ich nicht so recht umzugehen weiß und hoffe, hier Gedanken, Anregungen, Ratschläge zu finden.

Ich habe vor ca. 12 Jahren meinen damaligen Freund kennengelernt. Nach ca. 3 Jahren kam unser gemeinsames Kind zur Welt. In der Zwischenzeit habe ich bemerkt, dass er spielsüchtig war. Anfangs hatte ich die Anzeichen nicht wahr haben wollen bzw. war noch in dem Glauben, ihm helfen zu können. Viele Versuche scheiterten. Obwohl seine Spielsucht auf der Hand lag (Aussagen von Freunden, Angehörigen, Kontoauszüge, Haftbefehl aufgrund nicht gezahlter Beträge …) gab er es nie (sogar bis jetzt) nicht zu. Um meine Familie zu schützen, habe ich mich letztendlich von ihm getrennt. Bitte verurteilt mich nicht dafür. Es gibt sicherlich viele Angehörige, die den Kampf aufnehmen. Aber ich war damals für zwei Kinder und eine pflegebedürftige Angehörige verantwortlich. Ich hatte einfach nicht genug Kraft für diesen Mann.

Mehrere Jahre hatten wir wegen des Kindes sporadischen Kontakt. Immer wieder setzte er uns psychisch unter Druck – betonte oft seine katastrophale finanzielle Lage (ohne weiterhin konkrete Bitten um Geld zu äußern – davor hatte ich schon längst einen Riegel geschoben), aber mit der Betonung, wir seien sein einziger Lebenszweck, er denke über erweiterten Suizid nach … An dieser Stelle habe ich für ihn um Hilfe gesucht, da ichselbst damit völlig überfordert war. Nachdem er im Rahmen einer größeren Angelegenheit versucht hat, uns in seine finanzielle Misere reinzuziehen, habe ich den Kontakt völlig abgebrochen. Für mein Kind war das kein Problem, da wir nicht im gleichen Bundesland gewohnt haben und er in den ersten Jahren ohnehin nur sehr selten bei uns war – oft monatelang überhaupt nicht und wenn, dann nur kurz. Eine Beziehung zwischen ihm und unserem Kind ist also nie entstanden.

Jahrelang war es ok. Er ließ uns in Ruhe, schickte zwei Mal im Jahr ein Päckchen (zahlte nie Unterhalt – aber egal, wir schafften es bislang auch ohne ihn).  Seit ca. einem Jahr will er sehr dringend Kontakt zu uns. Anfangs habe ich versucht, es zu ignorieren, aber er blieb hartnäckig. Mir ist die Gesetzeslage bekannt. Der Vater hat ein Umgangsrecht. Mir ist auch klar, dass mein Kind ein Recht auf den Vater hat. Aber ich habe Angst – vor allem davor, dass er wieder versucht, uns in seine finanzielle Schieflage reinzuziehen. Ich habe Hilfe beim Jugendamt hinsichtlich der Umgangsregelung angefragt. Bei einem ersten gemeinsamen Termin wurde klar, dass er das Thema Spielsucht immer noch leugnet. Meine Ängste wurden als überzogen belächelt. Aber die Gelder, die er damals verspielt hat, sind unglaublich hoch. Als Freiberufler hat er kein Einkommen. Er selbst hat mit einem frechen Lächeln im Gesicht erklärt, dass er noch nie einen Cent in die Rentenkasse eingezahlt hat. Er lebt bei seiner Mutter und von deren Rente. Die Dame ist mittlerweile fast 90 und pflegebedürftig. Meine Angst ist, dass er, sollte seine Mutter nicht bei guter Gesundheit 100 werden (Das soll bitte nicht sarkastisch klingen, vor allem angesichts er aktuellen Situation nicht – aber mal ganz realistisch betrachtet . ?), also dass er einen neuen Finanzier sucht. Dass er mit finanziellen Wünschen bei mir auf Stein beißt, weiß er sicherlich. Aber er hat auf dem Jugendamt bereits betont, dass er den Umgang mit seinem Kind auf Dauer allein wünscht. Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie er Menschen beeinflussen kann. Rhetorisch ist er unglaublich stark. Ich möchte mein Kind, sollte ein Umgang in Zukunft stattfinden, nicht zu sehr im Vorfeld „impfen“. Mein Kind hat den Papa, die Fantasiefigur, die Päckchen und Briefe schickt, lieb. Dieses schöne Gefühl, irgendwo einen Vater zu haben und von ihm geliebt zu werden, möchte ich nicht nehmen.   Aber Kinder sind naiv, gerade wenn jemand mit süßen Worten und Geschenken ankommt.  Und selbst wenn mögliche Beeinflussungen nicht dazu führen, dass mir die Geldkarten geklaut werden oder das Taschengeld beim Papa landet, so befürchte ich, dass er irgendwann bei uns vor der Tür steht, weil er kein eigenes Zuhause mehr hat. Oder wie erkläre ich, dass Papa auf der Parkbank auf dem Weg zur Schule schläft und ich den lieben Papa nicht in unsere Wohnung lasse? Oder eine noch schlimmere Angst: Was ist mit seinen Gläubigern? Ich weiß nicht, wem er Geld schuldet. Was, wenn er sich mit Personen eingelassen hat, die besser nicht wissen dürfen, dass er ein Kind hat?

Sind meine Ängste überzogen? Habe ich zu viel dunkle Fantasie? Ich bin mir nicht sicher, ob das Jugendamt mich ernst nimmt. Vielleicht finde ich hier durch eure Kommentare, Gedanken, die mich etwas runterbringen und vielleicht beruhigen. Vielleicht findet sich aber auch jemand, der / die mich verstehen kann und eigene Erfahrungen schildert, die ich evtl. gegenüber dem Jugendamt als Untermauerung meiner großen Sorgen anbringen kann.

Ich danke euch herzlich vorab und wünsche allen viel Gesundheit.

Lotte
 
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Offline Karo

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Re: wenn Kinder mit im Spiel sind
« Antwort #1 am: 29.03.2020 01:37:57 »
Hallo und herzlich willkommen

ich finde , es gibt nichts zu entschuldigen für deine Entscheidung dich von diesem Partner zu trennen. Es war für dich und dein Kind vernünftig. Was würde es denn mit dir machen, wenn dich jemand dafür verurteilt ??? Würde es dich in deiner Entscheidung noch verunsichern können ?...im Grunde sollte das dir völlig egal sein.

Genauso wie und was dein Ex nun macht. Mich interessiert...warum ist es das nicht ?

Du wirst schon Möglichkeiten finden dich vor ihm zu schützen und aus Abstand zu halten.

Das du trotzdem deinem Kind die Möglichkeit seinen Vater kennen zu lernen nicht nehmen willst..finde ich auch nicht falsch.
Man weiß ja dass es für die Kinder wichtig ist, sich selber ein Bild machen zu können. Wenn sie noch klein sind brauchen sie aber dennoch auch Schutz...und das ist das was du spürst du und willst ihn geben. Ich finde das auch vernünftig und normal.

Aber frage 1000 verschiedene Menschen zum Thema..du wirst unterschiedliche Meinungen dazu finden...wichtig ist aber DEINE

wenn man aber in sich selber unsicher ist...besteht die Gefahr, dass man sich auch leicht verunsichern lassen kann...von anderen. Bedenke das bitte

Ich an deiner Stelle, würde jeglichen Kontakt der über den Kindeswohl-Kontakt hinaus geht...strikt ablehnen

und wenn der Papa vom Kind als Strassenpenner entdeckt wird...so kann man dem Kind erklären...dass jeder Erwachsene für sein Leben selber verantwortlich ist...und manche erst tief fallen müssen, bis sie proffesionelle Hilfe annehmen können.( ohne aufzuhetzen oder schlecht zu machen ... Tatsachen zu sagen,(ohne eigene Bewertungen dazu )  finde ich nie verkehrt)
Dein Kind ist inzwischen fast 9 Jahre...und versteht bestimmt schon vieles. Vielleicht mehr als, dass du es zutraust.

Was deine Angst wegen der Gefahr für dein Kind wegen eventueller Gläubiger angeht, finde ich übertrieben und unnütig...daran schon im Voraus zu denken. Das wäre ähnlich als wenn man jeden Moment auch daran denken würde welche Lebensgefahren noch so da sein könnten...Die Gefahren sind theoretisch alle immer irgendwie möglich....sich damit aber schon vorher dauernt zubeschäftigen macht auch wenig Sinn...bzw raubt Lebensqualität..meine persönliche Einstlleung dazu...sage ich nur, weil du danach gefragt hast

ich weiß nicht ob dir meine Zeilen etwas helfen können...ich wollte deinen Beitrag und Hilferuf aber auch jetzt nicht so unkpmmentiert stehen lassen...

wenn du noch rede bedarf hast....schreib gerne mehr

lg karo





Ich glaube an das Gesetz der Resonanz
und Alles fängt in mir an und hört in mir auf.
 

Offline Fred

Re: wenn Kinder mit im Spiel sind
« Antwort #2 am: 29.03.2020 10:57:32 »
Moin Lotte,

dass und wie du dich von deinem "Spieler" getrennt hast, war genau richtig.
Da gibt es absolut gar nichts was du falsch gemacht hättest. Außer es evt. zu spät getan zu haben.

Einem Spieler kannst du als Außenstehende de Facto nicht helfen.
Maximal unterstützen, wenn ein Aufhörwille vorhanden ist.

Ich war jahrzehnte spielsüchtig und auch wenn ich die ersten Jahre physisch anwesend war, ( also mit meiner damaligen Frau noch zusammenlebte ), haben meine ersten beiden Kinder mich praktisch nicht wahrgenommen. Wenn ich nicht spielen oder arbeiten war, war ich geistig abwesend. In der Sucht gefangen.

Nach der Trennung gab es keine Änderung in meinem Verhalten.
Die Kinder weiterhin nur zu den notdüftigsten Terminen gesehen. Mein Leben drehte sich nur um die Sucht.

Erst viele Jahre später begann ein Umdenken. Irgendwann kommt dieser Punkt.
Auch wenn bereits große Lücken bestanden, habe ich den Kontakt zu meinen Kindern wieder intensiviert.
Es war nicht immer leicht. In späteren Jahren habe ich ihnen auch meine Krankheit erklärt.
Sie konnten es nicht verstehen, waren aber froh dass es mir "nun" besser geht und dankbar, die Vergangenheit besser verstehen zu dürfen.

Mit keinem einzigen Gedanken hätte ich meine Kinder je als Druckmittel eingesetzt oder sie sonstwie ausgenutzt.
Auch nicht im Hauch eines Ansatzes hätte sie Schaden nehmen können. In meiner damals noch "aktiven" Zeit.

Auch wenn es schwer fällt, deine Kinder sind eigene Menschen und es ist nicht deine Entscheidung, ihnen den Vater vorzuenthalten.
Ausgenommen es besteht (reale ) Gefahr für Leib oder Seele.

Meiner Ex fiel es extrem schwer sich mit dem Gedanken anzufreuden, dass die Kids auch mal "nett" von mir sprechen.
Ihr Leben hatte ich ja bereits ruiniert ...
Aus ihrer Sicht hätte ich es nicht verdient die Kinder zu sehen.
Ich danke ihr, dass sie trotzdem immer im Sinne der Kinder entschied und sich selbst sozusagen "hinten an stellte".

Heute ist alles "vergessen" oder zumindest "verziehen" und es herrscht in alle Richtungen ein gutes Klima :)

« Letzte Änderung: 29.03.2020 11:35:24 von Fred »
Der Kreis schließt sich erst wenn er vollendet ist !
 

Offline amTiefpunkt

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Re: wenn Kinder mit im Spiel sind
« Antwort #3 am: 29.03.2020 20:28:49 »
Guten Abend Lotte,

Willkommen hier bei uns im Forum, schön, dass du geschrieben hast.

Vorab mal ein Kompliment, wie du dein Leben und das eures Kindes priorisiert hast und dich trotz deiner Ehe (und Liebe) von deinem Partner getrennt hast, das kann nicht jeder Angehörige von sich sagen - Respekt! In meinen Augen hast du genau richtig gehandelt! Dass er jetzt nach Jahren plötzlich das Recht auf sein Kind sucht, macht mich schon ein wenig stutzig und regt auch meine "dunkle Fantasie" an. Dein Misstrauen ist keineswegs überzogen und auch ich würde an deiner Stelle sehr vorsichtig sein und bei allen Schritten doppelt hinsehen. Sein Kind kannst du ihm freilich nicht vorenthalten, aber eine Portion Misstrauen ist hier schon angebracht!? Spieler sind nun mal exzellente Schauspieler, das haben sie im Blut!  8)
Leider habe ich aus dem Stand heraus keinen praktischen Tipp für dich parat, klingt aber alles ein wenig komisch...rein aus dem Bauch heraus! Warum solltest du dein Kind einem pathologischen Spieler über einen längeren Zeitraum überlassen? Hätte da auch kein gutes Gefühl dabei!?

Ich schreibe morgen nochmal, muss da erstmal ein wenig drüber nachdenken....

aT
Sag "JA" zum Leben!
 

Offline Lotte1

Re: wenn Kinder mit im Spiel sind
« Antwort #4 am: 11.04.2020 23:22:36 »
Hallo Karo, Fred und aT,
vor einigen Tagen hattet ihr auf meinen Beitrag geantwortet. Ich bedanke mich ganz herzlich bei euch für die sehr hilfreichen Gedanken.
Eure Hinweise bestärken mich, hefen bei der Reflexion bestimmter Situationen und eigener Gedanken, regen zum Nachdenken an und geben mir Kraft. Diese Kraft wünsche ich euch für euren Weg auch.
Herzliche Grüße, schöne Oster und viel Gesundheit!
Lotte