Autor Thema: Ich bin verantwortlich  (Gelesen 689 mal)

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Offline Taro

Ich bin verantwortlich
« am: 14.03.2020 18:44:42 »
Moin moin,

es gibt sicher viele Wege spielfrei zu werden. Aber egal welcher Weg auch immer gewählt wird, die Beibehaltung der alleinigen Verantwortung ist als stabiles Fundament obligatorisch.

Einmal sind es die Finanzdienstleister die für die Einzahlungen nicht berechtigt waren, dann hat die Partnerin nicht richtig auf die Karte aufgepasst, der Casinoblog hat ein Loch, oder die Selbstsperre wurde vom Casino nicht durchgesetzt. Alles habe ich schon öfters gehört um einen Rückfall zu rechtfertigen. Alle Versuche Sicherungen im außen zu suchen sind immer löchrig und das schlimmste, für mich als Spieler ist es auch immer eine Herausforderung genau diese Löcher zu finden.

Für mich war daher von Anfang an wichtig, alle Sicherungen so aufzubauen, daß ich die Verantwortung für die Maßnahmen habe, die im Notfall gegangen werden. Nun ist es ja genau so, daß gerade ich als Spieler nicht verlässlich bin wenn es ums Spielen geht. Das ist sozusagen die Quadratur des Kreises und trotzdem möglich. Leider wird über die Wege dorthin in den Foren kaum gesprochen. Die Schuld der anderen steht dagegen hoch im Kurs.

Schon beim Schreiben wirken Worte etwas wirr.  Vielleicht bekomme ich ja mit der Zeit das noch etwas entwirrt.

Taro
 
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Offline Jacky1

Re: Ich bin verantwortlich
« Antwort #1 am: 14.03.2020 23:33:47 »
Hallo Taro,

ich empfinde es gibt nur einen Weg um spielfrei zu werden.
Und auf diesem Weg gibt es viele Stationen, Freunde, Familie, Betreuer, Psychologen/Therapeuten.....
Man bekommt Tipps, Ratschläge, Erfahrungswerte und sogar ein Zimmer mit Bett.
Und egal was der wandernde Spieler davon beansprucht oder mit nimmt....
Er muss an sich glauben diesen einzigen Weg nun auch zu gehen.

Da bin ich ganz bei Dir , Taro.

Das ganze drumherum, die Emotionen und selbst ja eh immer ein Gefangener seiner selbst zu sein, sehr Komplex.
Was hier und auch sonst immer als "freie Entscheidung" gedeutet wird, liegt doch nur in der Betrachtung es halt selbst zu glauben.
Da kann jeder Reflektieren so viel er nur kann, es wird immer "Regeln" geben, nach denen es sich neu richtet.
"Er hat es weit gebracht, Familie , Kinder, Wohlstand, die Menschen mögen ihn, er teilt mit den Armen und erklärt Blinden die Farben.
er trinkt keinen Alkohol mehr und hat aufgehört zu spielen."
Solide, Verlässlich, Treu, Alkoholiker, Spieler.

Der Spieler!
Schon eine Faszination für sich, wäre ich nicht selbst Spielsüchtig würde ich es mit einer krankhaften Naivität gleich setzen.
Geld, Zeit, Flucht endet im absoluten Verlust.

Die Mündigkeit einem solchen Menschen ihm selbst zu überlassen, dass er es alleine entscheidet und konsequent bleibt, kommt schon Freunde....
Doch genau dies wird über eine gewisse Zeit einfach erwartet und benötigt.
Eine Meisterleistung eigentlich von jedem abstinenten Spieler und nicht jeder hatte eine höhere Macht.
Warum spiele eigentlich ich nicht mehr ?
Viel zu Profan wäre es doch nun zu schreiben, weil ich es nicht mehr möchte.
Doch genau darin steckt etwas sehr gebündeltes, mein ganzer Weg dorthin.
Dieser Weg begann aber nicht am letzten Tage im Casino, er begann am ersten!

Es bleibt immer und ewig etwas fremdes in mir, es hat mich auch gerettet.

Nun bin auch ich ganz wirr.  :)
Aber nur durch meinen erbärmlichen Versuch, es etwas zu entwirren.  :)

Grüß Dich         
         



     

 
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Offline Fred

Re: Ich bin verantwortlich
« Antwort #2 am: 15.03.2020 11:07:28 »
Warum spiele eigentlich ich nicht mehr ?
Viel zu Profan wäre es doch nun zu schreiben, weil ich es nicht mehr möchte.
+1

... würde hier vollkommen genügen

Aber da es vielleicht nicht jeder versteht:
Besondere Lebensumstände machten mir mein Verhalten und die notwendigen Konsequenzen deutlich.
Da fiel bei mir genau die von Jacky zitierte Entscheidung.

Und die sich daraus ergebenden Konsequenzen trage ich gern und sogar mit ein wenig Stolz.
Mein komplettes Leben habe ich umgekrempelt und umgestellt. Innerlich. Nicht zwingend für jeden sichtbar.

Den Spieler "Fred" gibt es de facto nicht mehr "
Auch wenn diese Sichtweise allgemein "verpönt" ist, bin ich davon überzeugt.
Der Kreis schließt sich erst wenn er vollendet ist !
 
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Offline Taro

Re: Ich bin verantwortlich
« Antwort #3 am: 15.03.2020 11:13:47 »
Ist es so, "nicht jeder hat eine Höhere Macht"?

Wieviel Geld hatte ich mir geliehen mit den Versprechen, Du bekommst es zurück...., aber dann....bestimmt!
Alles nur Worthülsen, als ich in die Meetings ging und genau dieses erzählte, ich war gerade nach dem Gespräch mit meiner Bank wieder spielen, das Portmonee war leer. Ich konnte für den Rest des Monats kein Geld mehr abheben. Illegale Geldbeschaffung war TABU, ein Schwur an mich selbst da kam nach dem Meeting ein anderer trockener Spieler zu mir und gab mir 50 DM und sagte, gib es mir zurück wenn Du es kannst!
Was für ein Irrer? Ich erzähle gerade das ich nie meine Schulden begleiche und er gibt mir 50 DM. Oder anders ausgedrückt, er gab mir das Gefühl, an mich zu glauben. Ein Schlüsselerlebnis. Wenn Du willst war er in dem Moment meine höhere Macht. Für mich das aller wichtigste war, Ihm das Geld so schnell wie möglich zurück zu geben.

ich war schon 4 Jahre Spielfrei, ich wollte immer noch mein Fachabi machen, und studieren. Leider gab mir bis dahin mein Umfeld zu verstehen, das ich das wohl nicht schaffen werde. Dann kam eine neue Freundin in mein Leben, eine Medizinstudentin. Sie sagte zu mir, klar schaffst Du das, wenn Du nicht wer dann....
Eine Initialzündung, da ist ein Mensch der an mich glaubt, und plötzlich kann ich auch an mich selber glauben. Ich kann die Verantwortung übernehmen und auch tragen.

Zwei kurze Andekdoten aus meinem Leben und doch Schlüsselmomente. Und wenn Du willst konnte mein glaube an die Worte und Taten der anderen Menschen in Mich Berge versetzen. Es waren plötzlich Dinge möglich, die vorher unmöglich schienen.

Taro
 
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Offline Fred

Re: Ich bin verantwortlich
« Antwort #4 am: 15.03.2020 11:27:33 »
Zwei kurze Andekdoten aus meinem Leben und doch Schlüsselmomente. Und wenn Du willst konnte mein glaube an die Worte und Taten der anderen Menschen in Mich Berge versetzen. Es waren plötzlich Dinge möglich, die vorher unmöglich schienen.

Es wird noch viel besser. Mein unbändiger Glaube an mich selbst ließ mich Berge versetzen.
Es bedarf also nicht zwingend einen Außenstehenden, auch wenn dies oft hilfreich ist.

Die Frage "wer" mich in diese Zustand versetzte möchte ich offen lassen, aber so manches Mal schien es mir schon, als stünde jemand hinter mir ...
Der Kreis schließt sich erst wenn er vollendet ist !
 
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Offline Jacky1

Re: Ich bin verantwortlich
« Antwort #5 am: 15.03.2020 12:19:15 »
Hallo,

es war immer schön von Alfred im "alten" Forum zu lesen, dem LKW Fahrer der in seinem Garten saß vor dem Grill, mit seinem geliebten Bierchen.
Er war zufrieden und hing nicht mehr am Tropf seiner Sucht, die liebe Frau an seiner Seite.
... einfach nur froh, dass es nun so ist!

Bei Fred ergeht es mir da nicht anders, kenne ja ein wenig aus seinem Leben.
Auch bei Taro, a.T und einigen mehr, bei jedem der nicht mehr spielen muss.
Dies sind ja keine Fallstudien aus einem Rosamunde Pilcher Roman, es ist greifbar.

Im Grunde fragt doch jeder neue Schreiber hier, wie habt ihr es geschafft!
Und nicht in jeder Antwort darauf ist etwas so stark zu finden, wie in Euer beiden Beiträge hier.
Oft berichte ich aus einer negativen Sicht, gerade wenn ich über mich schreibe.
Ein Puzzle mit 1000000 Teilen, ich finde doch nicht einmal die Ecken.
Darum für heute nehme ich nur eines mit 10 Teilen, dann wird wenigstens eines mal fertig.  :)
Und fahre etwas Motorrad, aber nicht wie sonst....sondern ich mache es aus innerer Freude.

Ich möchte einfach nicht mehr spielen.

Liebe Grüße     


 
 

 

 
 
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Offline TAL

Re: Ich bin verantwortlich
« Antwort #6 am: 15.03.2020 18:44:31 »
Auch wenn ich es nie wahrhaben wollte, weil ich selbst nicht viel von mir hielt, so war der Glaube Anderer an mich eigentlich nie ein Problem. Schon mein ganzes Leben lang sagen Leute mir "Du verkaufst dich unter Wert."
Ich selbst hingegen sah mich immer nur als eine Last, als Versager, als das verlebte Beispiel, wovor Eltern ihre Kinder warnen, wenn sie ihre Hausaufgaben nicht machen wollen.
Ich stand mir selbst immer im Weg, hielt mich klein, und konnte positive, aufmunternde Worte ganz einfach nicht annehmen, nicht verarbeiten.

Ich habe nie etwas gelernt. Die Frage, warum ich das nicht nachhole, nicht doch nochmal studiere oder eine Umschulung mache, kommt schonmal auf. Und es stimmt, es wäre heute kein Problem mehr, auch nur ein Gehalt wäre absolut ausreichend.

Aber ich bin zufrieden mit dem, was ich habe. Es liegt weit jenseits von dem, was ich glaubte, das überhaupt für mich machbar wäre... ja, was ich als der, der ich nunmal bin, überhaupt 'verdiene'.
Ich könnte problemlos für mich selber sorgen, jederzeit, und auch andere könnten ohne mich auskommen. Das ist es, was die Waage hält - ich falle niemandem zur Last.
Es ist die Unabhängigkeit, die ich mehr schätze als alles andere, nicht nur finanziell. Ich brauche nicht viel, aber was ich brauche, kann ich selbst besorgen. Auf etwas oder jemanden angewiesen zu sein, und sei es nur temporär, ist eine Horrorvorstellung für mich.
Außerdem weiß ich, warum das so ist. Niemand sollte dafür aufkommen müssen, nicht einen Cent.

An mich selbst und meine Möglichkeiten zu glauben geht schon etwas besser als früher. Für die Entwicklung von sowas wie persönlichem Ehrgeiz reicht es aber nach wie vor nicht aus.

Viele sprechen vom persönlichen Tiefpunkt, von rock bottom, oder wie auch immer man das nennen mag. Und ja, auch ich gehörte zu denen, die mit dem Rücken zur Wand stehen mußten, um zu erkennen, daß es nur einen Weg dort raus gibt. Das war ein Wendepunkt, aber in sich trotzdem noch nicht ausreichend. Denn die Erkenntnis allein ist viel wert, aber die Umsetzung funktioniert trotzdem nicht ohne mich und meine Kooperation, doch ich selbst bin nach wie vor der Schwachpunkt jeder Operation, denn verläßlich bin ich nunmal bekanntermaßen eher nicht. Ich mußte umdenken, alles neu ausrichten... es gab keinen Plan B, nichts mehr zwischen mir und dem Abgrund. Ich hatte noch nie in meinem Leben eine solche Angst gehabt.

Ich fand mich damals auf der Straße wieder, hatte ebenfalls alles verspielt, alle Register ausgeschöpft, keinen Cent mehr - und es war erst der Dritte des Monats.
Im Nachhinein betrachtet hatte ich unsagbares Glück, daß ich das abgewendet bekommen habe. Gibt es also eine höhere Macht? Ich weiß es nicht, aber es war definitiv mehr, als nur der eigene Wille. Der allein hätte in dieser Situation nicht mehr geholfen, jedenfalls nicht so 'schnell'.
Und das, was erstmal vor mir gelegen hätte, hätte ich trocken nicht lange durchgestanden.
Aber es kam anders. Um diese letzte Chance zu nutzen, mußte ich bei Null anfangen, und zum ersten Mal tat ich es auch konsequent, so unangenehm es auch war, seinen Kopf aus dem Schneckenhaus zu stecken. Leute, hier bin ich. Hinter den Zahlen auf dem Papier steckt ein Mensch, der sogar sprechen kann... und kannst du mir nachher bei etwas helfen, ich schaffe es nicht allein, den Schreibtisch zu tragen.
Natürlich.
Wie? Natürlich? Einfach so?
Ich habe mich für das Leben entschieden. Beängstigend, wie es war, erschien es mir doch besser als Aufgeben.

Und doch... TAL den Spieler, den gibt es noch. Das habe ich Freitagnacht mal wieder bemerkt, als ich gegen zwei Uhr nach Hause kam, und der Arbeitskollege meiner besseren Hälfte in unserem Arbeitszimmer saß (die anderen standen auf dem Balkon und rauchten), und mir die Vorzüge eines eigenen Spieltisches nahebringen wollte (Nachdem ich sagte "Braucht kein Mensch."). Mit einem Lächeln legte er einen Plastikchip aus einem der Brettspielekartons auf den Tisch und schob ihn mit einem Finger langsam über die Stoffoberfläche, direkt zu mir rüber "Hier. Probier das mal."
Ich spürte, wie sich meine Nackenhaare aufstellten, aber ich sagte nichts.
"Äh, bist du noch da? Bist wohl schon ziemlich müde."
"Ja. Sorry. Nein danke."
Es blieb nicht dabei, er redete weiter. Was mich dabei schockierte war nichtmal sein Versuch, mir weiszumachen, er sei anders als seine Kumpels, denn er ginge ja immer mit Gewinn raus, sondern die Beiläufigkeit, mit der er mir von seiner (angeblich sporadischen) Freizeitbeschäftigung erzählte. Völlig ungefragt. Als würde er Briefmarken sammeln.
Und doch war er da, dieser typische Unterton, dieses Erhabene Getue. Er traut sich das, steht souverän über den Dingen, er weiß, was er tut. Ich kann das schlecht beschreiben, aber es ist eben das, was bei anderen oft diese gewisse morbide Faszination auslöst. Meine bessere Hälfte ist da keine Ausnahme, wie ich bei meiner ersten Begegnung vor zwei Wochen mit ihm feststellte (Das hatte ich noch nie seit meiner aktiven Zeit... und doch reichten an diesem Tag 20 Minuten in einem Raum mit ihm, und mir war klar, daß er Spieler ist - und das nicht nur gelegentlich. Ich war überrascht darüber, daß das für mich offensichtlich war. Ich fühlte mich schuldig, das zu denken. Wer bin ich, das zu beurteilen?). Der Reiz des Verbotenen, eine Art unterschwellige Bewunderung für etwas, was man selbst nicht tun würde, weil man eben gelernt hat, daß es 'gefährlich' ist.
Bei mir war das nicht so, das war er nicht gewöhnt, das merkte man. Es irritierte ihn wohl leicht, denn ich starrte nur konzentriert auf einen Chipskrümel auf dem Tischrand. Er hielt kurz inne, erzählte aber dann doch weiter. Ein guter Redner.
Ich dachte nur "Da ist leider noch sehr viel Luft nach unten.", und biß mir auf die Zunge.
Es geht mich nichts an! - Und es geht ihn nichts an!
Dann kamen die anderen wieder.
Die Gänsehaut hatte ich noch, als ich später erfolglos versuchte, einzuschlafen.

Ich wußte, daß sie einen Spieleabend machen wollten, deshalb bin ich extra lange weggeblieben. Leider nicht lange genug.
Ich hab das Spiel, was sie dann spielten, nichtmal begriffen, mein Kopf war anderswo.

Nun ja, das sind Dinge, denen ich zum Glück lange erfolgreich aus dem Weg gehen konnte. Eigentlich ist er auch ganz in Ordnung. Es ist auch nicht persönlich, er kann nichts dafür - nur kann ich ihm das schlecht sagen.
Ich reagiere nach wie vor auf die alte Konditionierung, der Spieler in mir ist also noch da. Bei sowas regt er sich dann mal wieder und macht mir den Alltag unnötig schwer. Da wirke ich dann wieder wie das Arschloch, daß verpennt hat, als die sozialen Kompetenzen verteilt wurden.

Damit wären wir wieder beim Thema Verantwortung.
Sie auch zu übernehmen, einzusehen, daß sie ganz allein bei mir liegt, ist entscheidend gewesen.
Was wäre gewesen, wenn ich meiner besseren Hälfte von den Schulden erzählt hätte, die ich nach wie vor am Abzahlen war, als wir wieder zusammenzogen?
"Schulden wir das um. Ich bekomme bessere Konditionen als du."
Ich habe später einmal den Fehler gemacht, den Bescheid über meine Bafögrückzahlung noch auf dem Küchentisch liegenzuhaben, als jemand früher nach Hause kam.
Die Diskussion ging drei Tage. Ich wußte ja, warum ich das Studium nicht abgeschlossen habe - und wofür meine Bafögzahlungen draufgegangen sind. Deshalb sollte niemand anders dafür geradestehen, auch wenn es nur auf dem Papier ist. Diese Art von Hilfe ist nicht förderlich für jemanden wie mich. Auch wenn es der einfachere, und von außen betrachtet auch logische, Weg wäre.
In guten wie in schlechten Zeiten eben - es gibt kein 'Meins', nur noch 'Unseres'. Ich denke trotzdem, daß dies eindeutig seine Grenzen hat. Gerade bei mir - und auch um meiner selbst Willen.

Vielleicht übertreibe ich auch, aber Verantwortung fängt ja auch schon viel früher an.
Wie ich anderswo bereits sagte: Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Es wäre ziemlich daneben, andere zu beschuldigen, falls mir das passiert, denn keiner kann mich aufhalten, wenn ich unbedingt spielen will. Wenn nicht auf diese Weise, dann hätte ich es eben anders fertiggebracht.
Hinsehen ist aber unangenehm, und selbst Verantwortung übernehmen ein langwieriger Prozeß, der einen auch noch einschränkt. Wer will das schon?
"Dann doch lieber am Besten alles zurück auf Null, denn das ist die einzige Chance. Damit bin ich dann geheilt. Versprochen! Nie wieder. Ich hab auch gar keinen Bock mehr!
Doch wenn nicht, bleibt mir ja nichts anderes als Spielen, wenn ich will, daß morgen wieder alles in Butter ist.
Ohne sofortige finanzielle Hilfe bin ich am Arsch.
Warum versteht das bloß keiner?"
Tja, warum?

Das Beibehalten der eigenen Verantwortung ist ein langer, steiniger Weg, und damit nicht sehr attraktiv. Auch wenn er mit der Zeit leichter wird, so endet er doch niemals komplett. Daher ist es meist unglücklicherweise erst die letzte Option.
Für mich hat es deshalb den Vollcrash gebraucht, ihn überhaupt nur in Erwägung zu ziehen - leider.

Habe ich es geschafft? Sicher nicht. Aber ich ziehe heute bewußt die Eigenverantwortung und Ausgeglichenheit der elektrisierenden Rastlosigkeit und dem inneren Chaos vor. Entschleunigt und stabil.
Wohlwissend, daß es immer sein kann, daß ich es mir morgen doch mal anders überlege.
 
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Offline amTiefpunkt

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Re: Ich bin verantwortlich
« Antwort #7 am: 16.03.2020 07:55:17 »
TAL, grandios, wie du über eine wirre Selbstanalyse immer so klare Antworten geben kannst!  8)

Zitat
Ich habe mich für das Leben entschieden. Beängstigend, wie es war, erschien es mir doch besser als Aufgeben.

Wer sich für das Leben entscheidet, muss unwiederbringlich Verantwortung übernehmen, oft nicht nur für sich selbst, sondern auch für seine Liebsten. Dies kann eine gewaltige Last sein und führt auch mal dazu wieder in alte Muster zu verfallen, jedoch, bei genauem Hinsehen, ist es die einzige Möglichkeit, zu Leben!

Für uns Spieler ist es immer ein Weg nahe des Abgrunds, wer jedoch verantwortungsvoll einen Schritt vor den anderen setzt, wird nicht vom Weg abkommen.

Eine verantwortungsvolle Woche allen,

aT
Sag "JA" zum Leben!
 

Offline Jacky1

Re: Ich bin verantwortlich
« Antwort #8 am: 16.03.2020 20:48:50 »
Hallo Tal,

ich kann ja nun nicht schreiben, Du machst alles genau richtig.
Auch möchte ich nicht schreiben, dass Du diese Entscheidungen alle selbst getroffen hast.
Schon gar nicht schreibe ich Dir, dass Du eventuell zu diesen Entscheidungen "gezwungen" bist.
Durch Werdegang, Umfeld und Deinen Erfahrungen.

Macht ja nun auch keinen Sinn Dir Dinge zu schreiben, die ich nicht schreiben würde.
Diese Dinge können auch nicht zitiert werden, habs ja nicht geschrieben.

Aber was ich Dir sehr gerne schreiben möchte:

Du entscheidest nicht was Du verdienst, sondern in meinem Beitrag ja ich gerade.
Nämlich absoluten Respekt und enorme Wertschätzung.
Du bist zufrieden, es gibt so viele die es nicht sind.
Mich freut das und es macht mich auch ein klein wenig zufriedener.

Toller Beitrag, Tal. Danke.

Grüß Dich 


   
     
 
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Offline Taro

Re: Ich bin verantwortlich
« Antwort #9 am: 16.03.2020 22:49:12 »
Moin Tal,

die Vorstellung das mir jemand die Vorteile eines eigenen Spieltisches in meiner Wohnung erklärt läßt mich erschaudern.
Tatsächlich ist es für mich auch nicht vorstellbar das meine Frau zum Spieleabend lädt. Ich will mich mit soetwas 8n meinen 4 Wänden, meinen Schutzraum nicht beschäftigen. Das gilt auch für meine jetzt pupertierenden Kinder. Wahnsinn das Du das so gelassen ertragen kannst.

Ja, auch bei mir war es definitiv mehr als mein eigener Wille als ich mit dem Spielen aufhören durfte. Hinzu kommt noch, daß neben der Möglichkeit das ich aufhören könnte noch eine ganze Menge anderer Dinge passieren müssten.
Das macht es ja immer so schwierig, wenn ich mit Menschen spreche die noch spielen. Wenn das Fenster für die Spielfreiheit geschlossen ist, dann gibt es keine mir bekannte Möglichkeit dieses zu öffnen.

Verantwortung für mein Leben zu übernehmen heißt für mich auch keine Kompromisse mehr einzugehen. Damit sind die Dinge gemeint,  die ich früher getan habe, weil "das nun mal so ist", "weil man das nun mal so macht" oder "weil ich das nicht ändern kann". Und das wichtigste, wenn ich Dinge gerne machen würde, dann zählen nicht meine Ängste, sondern ich tue es. Das war mein Versprechen an mich selbst für die Spielfreiheit. Eine meiner besten Entscheidungen. Mit zunehmenden Alter wird mir die Endlichkeit meines Lebens bewußt. Ich bin wirklich froh, daß ich nicht auf ein Leben der verpassten Möglichkeiten schauen muss. Für dieses Leben brauche ich immer wieder Mut. Diesen Mut hole ich mir auch nach 30 Jahren noch im Meeting. Genau heute fällt dieses Meeting wegen Corona erstmals aus. Mal sehen wie lange diese Zwangspause jetzt dauern wird. Es ist nicht nur so, daß wir eine offizielle Mitteilung bekommen haben, es sind die Gemeinderäume tatsächlich für alle Gruppen gesperrt.

Taro
 

Offline Jacky1

Re: Ich bin verantwortlich
« Antwort #10 am: 17.03.2020 14:05:44 »
Hallo

Das macht es ja immer so schwierig, wenn ich mit Menschen spreche die noch spielen. Wenn das Fenster für die Spielfreiheit geschlossen ist, dann gibt es keine mir bekannte Möglichkeit dieses zu öffnen.

Ja, da kann man einreden und von sich erzählen.
Sie hören zu und geben einem sogar noch recht, was aber dazu führt dass sie dann einfach gar nicht mehr mit mir darüber sprechen oder mich belügen, wenn ich nachfrage ob sie wieder spielen waren.
Dies musste ich schon des öfteren erfahren.

Ich war genau so.

Was war es mir früher immer mega peinlich, wenn ich beim spielen jemanden traf den ich kenne.
Extra immer weit gefahren und immer Angst im Nacken dass es einer aus meiner Familie erfahren könnte.
Der große Magier, Vater, Geschäftsmann, Großkotz......der Münzenkönig.  :(
Es hat schon sein Gutes, heute schäme ich mich nicht mehr, gespielt zu haben.
Dies hat nun gar nix mit dieser Krankheit zu tun, sondern mit mir selbst.

Zu bedenken möchte ich noch geben, leider ist man oft angewiesen , auf was auch immer.
Um wirklich eine Eigenverantwortung konsequent beizubehalten.

Liebe Grüße     
 

Offline Taro

Re: Ich bin verantwortlich
« Antwort #11 am: 17.03.2020 23:57:28 »
Für mich war es immer so, daß ich wie in einem Irrgarten in meinem eigenen Leben gefangen war. Am Ende stand immer das Spielen. Dieser Irrgarten war mit Wänden aus "ja aber" und "ich kann ja nicht" gebaut. Oder anders ausgedrückt, ein Wollknäuel wo sich am Ende immer die Katze in den Schwanz beißt.

In den Meetings erlebte ich wie mein Wollknäuel nur durch zuhören endknotet wird und dort plötzlich garkeine Wände mehr in meinem Irrgarten sind. Ich neige auch heute noch zur Knäuelbildung und zum Wände hochziehen wenn ich mit meinem Kopf und den Gedanken längere Zeit allein bin. Dann fehlt mir die Klarheit um meine Eigenverantwortung beibehalten zu können.

Sinngemäß schriebst Du mir Kindergarten sei doch mal ganz nett. Hey, ich bin Spieler und damit leide ich auch ein Stück weit am Peter Pan Syndrom. In allen Bereich handele ich nie Erwachsen. Aber doch im Spaßbereich und nicht dort, wo ich mich um das rote Feuerwehrauto streite und wo wir uns das am Ende gegenseitig auf den Kopf schlagen.

Die Spielsucht hat mir nur durch ein Wunder nicht das Leben gekostet. Ich habe grossen Respekt vor jeden Weg der in die Spielfreiheit führt. Ich erzähle in den Foren von meinem Weg, eine Wertung oder gar eine Abwertung der Wege anderer ist für mich völlig abwegig. Dafür habe ich vor der Krankheit viel zu viel Respekt.

Taro

 

Offline Jacky1

Re: Ich bin verantwortlich
« Antwort #12 am: 18.03.2020 14:49:32 »
Sinngemäß schriebst Du mir Kindergarten sei doch mal ganz nett. Hey, ich bin Spieler und damit leide ich auch ein Stück weit am Peter Pan Syndrom. In allen Bereich handele ich nie Erwachsen. Aber doch im Spaßbereich und nicht dort, wo ich mich um das rote Feuerwehrauto streite und wo wir uns das am Ende gegenseitig auf den Kopf schlagen.

Ein Kindergarten ist in der Regel ein Hort, an dem man eben lernt, sich das Feuerwehrauto nicht gegenseitig auf den Kopf zu schlagen.
Eine sozialpädagogische Instanz die nicht nur betreut , sondern einen Erziehungsauftrag erfüllt.  :)

Nein, sinngemäß wollte ich Dir etwas ganz anderes nahe legen.
Du hörst mir nicht richtig zu.   :)
Darum soll es nun Paul McCartney Dir erklären.

https://www.youtube.com/watch?v=u6T5C-jzSH0

Sinngemäß:
...nehme es Dir nicht so zu Herzen.

Grüß Dich
 

Offline TAL

Re: Ich bin verantwortlich
« Antwort #13 am: 18.03.2020 17:21:17 »
Guten Abend,

ja, ich bin zufrieden, ich will ich gar nicht mehr als jetzt. Ich mache es mir selbst aber manchmal unnötig schwer. Das liegt wohl hauptsächlich an meinen eher dürftigen Kommunikationsskills. Aber habe ich überhaupt ein Recht, mich zu beschweren, wenn mir etwas nicht paßt? Wäre das nicht 'Jammern auf hohem Niveau'?

Das mit dem Spieltisch ist wohl auch so eine Sache. Ich denke mir normalerweise immer "Laß doch jedem, was er möchte." Jedem das Seine. Toleranz. Ich möchte ja auch nicht, daß mir jemand reinredet. Damit fahre ich normal eigentlich ganz gut.
Es gibt aber leider Situationen, bei denen ich nichts gegen meinen inneren Widerwillen machen kann - er ist dann einfach da, und läßt sich nicht abstellen. Dies war (und ist) so eine.
Ich bin eher unsozial, mag eh nicht gerne Besuch haben, denn ich fühle mich dabei immer unwohl und nervös. Keine Ahnung, warum, aber es war schon immer so. Normal schlucke ich das runter, es ist ja unsinnig. Doch... wenn die dann alle hier in meiner Wohnung sitzen und ihre Weltraum- oder Wildwestspiele spielen? Stundenlang? Anderswo okay, aber hier?! Hier kann ich mich nicht zurückziehen. Es ist zu dicht, zu nah dran an meinem Sicherheitsbereich, zu penetrant, um es zu ignorieren. Das verursacht ein irrationales Unbehagen. Gegen diese Vorstellung kam ich entgegen jeder Vernunft nicht gegenan, so sehr ich ich es auch versuchte.
"Du.... Ich will das nicht!"
"Warum? Wäre doch cool."
"Bitte... Nein."
"Ach, doch. Wirst schon sehen. Magst du bestimmt."
"Möchte ich nicht. Echt nicht. Wirklich."
Es kam der Versuch einer Diskussion über das Warum (Kommt leider mal vor, zum Beispiel "Guck doch, der Laptop ist blau, du magst blau." - kein Witz. Was soll man dazu noch sagen?), bei der es egal gewesen wäre, was ich gesagt hätte, weil es nicht dem entsprochen hätte, was mein Gegenüber hören wollte, da der Entschluß sowieso schon feststand. Ich muß es ja mögen, und sage es nur nicht... oder so...
Ich sage also gar nichts mehr weiter, es bringt einfach nichts. Denn ein einfaches Nein gilt nicht, und ich will das nicht erklären, und könnte das auch gar nicht verständlich rüberbringen. Meine Meinung sollte aber doch jetzt auch so eigentlich klar sein. Sollte man meinen.
Am Ende wurde es irgendwann doch gemacht, und dann kommt die Enttäuschung darüber, daß ich es nicht haben will... und warum ich denn nichts gesagt hätte... über meine mangelnde Begeisterung. Ich sei schwierig.

Vor etwa drei Wochen kam also eine WhatsApp "Ich habe einen Tisch gekauft, der wurde heute mit einer Spedition in der Firma angeliefert. Mein Auto ist zu klein, der paßt nicht rein. Aber meine Schwester hat frei und kommt mit dem Wagen meines Vaters vorbei, ihn abzuholen, dann könnt ihr ihn ja schonmal aufbauen, bevor ich komme."
Kurz darauf stand meine Schwägerin vor der Tür.
Ich war ein wenig genervt von der Ignoranz und Selbstverständlichkeit. Genug, daß es offenbar merkbar war, denn sie hat wohl später erzählt, wie irritiert sie darüber war. Was war das denn? Ich sei ja sonst nicht so.

Auch wenn ich es nicht wollte, aber ich konnte nichts gegen diese Gedanken tun, die sich mir beim Schrauben mit meiner Schwägerin aufdrängten... "Warum werde ich überhaupt gefragt, wenn meine Meinung eh egal ist? Warum entscheidet man über meinen Kopf hinweg, weil man glaubt, es besser zu wissen als ich selbst? Das ist noch entwürdigender, als gar nicht erst gefragt zu werden. Ja, ich bin nicht gerade redselig oder diskussionsfreudig... aber wenn ich schonmal Nein sage, mehrmals, was selbst einmal nicht oft vorkommt, dann meine ich es auch so. Wenn's dich eh nicht interessiert, dann frag nicht. Die meisten Dinge sind mir doch egal. Ist es einmal nicht so, wird trotzdem 'reininterpretiert', statt meine Antwort hinzunehmen. Warum ist das so?"
Ich weiß, daß das ungerecht und überzogen ist. Ich fühle mich schuldig, daß ich so denke... bei einer Lappalie, habe ein schlechtes Gewissen... aber gleichzeitig eine unterschwellige hilflose Wut im Bauch. Auf mich... auf meine Intoleranz, und darauf, daß ich etwas anscheinend nicht vermitteln kann... und daß ich anderen nicht gönnen will, was sie gern mögen. Ich hasse das, komme aber nicht gegenan. Es schaukelt sich innerlich hoch.

Also... ich toleriere es am Ende nicht nur mit zusammengebissenen Zähnen und einem falschen Lächeln, sondern ich habe das Ding sogar aufgebaut. -.-
Sie spielen Brettspiele darauf, meine ganze Wohnung ist voll damit (Auch so ein Punkt: "Warum willst du nie mitspielen?"). Naja... wenigstens ist es schwarzer Stoff mit Weltraummuster. Könnte schlimmer sein.
Ich will ja auch keine Szene machen. Wenn ich dafür sorge, daß ich nicht zu Hause bin, ist es auch für mich in Ordnung. Kompromisse halt.

Gelassen war ich da also leider auch dieses Wochenende nicht, auch wenn ich das gerne von mir behaupten würde. Ich konnte schon von unten aus dem Auto sehen, daß im Arbeitszimmer noch Licht an war und die Autos noch unten standen, darum bin ich sitzengeblieben und wir haben noch eine halbe Stunde im Auto geredet, aber sie wollten und wollten einfach nicht aus der Haustür kommen...
Irgendwann mußte ich ja doch rein, was soll's... gucke um die Ecke ins Zimmer, um nur kurz Hallo zu sagen und mich ins Bett zu verziehen, aber dort sitzt nur einer von ihnen. Mhhh..
Dann geht die Balkontür kurz auf, und jemand ruft rein: "Wir kommen gleich, rauchen eben eine.", und dann zu ihm: "Kannst es ja kurz erklären, dann spielen wir noch eine Runde."

Er bat mich, mich zu setzen... und gratulierte mir zu diesem beschissenen Tisch...
Ich hätte gleich ins Bett gehen sollen, aber das wäre unhöflich gewesen, und dann habe ich einfach nicht schnell genug geschaltet, und wurde von der Reaktion auf meine Antwort überfahren. Alle Souveränität war dahin. Völlig idiotisch...

Was soll ich machen? Ich kann nicht verlangen, daß von anderen auf etwas Rücksicht genommen wird, was ja gar nicht existiert.
Oder soll ich jemandem, dem ich erst einmal zuvor begegnet bin, erzählen, daß es mir eiskalt den Rücken runterläuft, während sich meine Hände unterm Tisch in meine Knie krallen... nur weil mir sein Gesprächsthema nicht paßt?
Au Mann, ich armseliger Clown. Klar... ich als leuchtendes Beispiel. Ich lach mich tot.
Ernsthaft. Wer bin ich, über ihn zu urteilen... oder ihn zu belehren?
Ich hab mich nichtmal selbst im Griff. Fangen wir doch am besten erstmal da an.

Ja, der große Realist. Souverän, ausgeglichen, sarkastisch, über den Dingen stehend und durch nichts aus der Ruhe zu bringen...
... war (und ist) in Wirklichkeit der unsicherste Mensch von allen.
Am meisten Angst hatte er davor, mit sich selbst und seinen Gedanken allein zu sein.
Auch ich habe immer viel Aufwand betrieben, nicht gesehen zu werden.
Doch, ich schäme mich sehr dafür. Heute noch. Das kann ich nicht ablegen. Es geht nicht.
Für das Aufrechterhalten der Fassade nehme ich eine innere Demütigung jederzeit in Kauf.
Reiß dich gefälligst zusammen!

Denn, ja genau... "Ich kann doch nicht..." und "Ich sollte doch...".

Ich verdiene sicher keinen Zuspruch, denn ich versuche nur zu tun, was eigentlich selbstverständlich sein sollte - jeden Tag aufs Neue... es gab sogar Zeiten, da war es jede Minute aufs Neue. Schritt für Schritt. Manchmal, wenn der Grat schmal ist, muß ich das erstmal erkennen, um meine Schritte mit Bedacht setzen zu können. An all dem bin ich selbst Schuld. Doch nie wieder möchte ich mir und anderen das antun. Nie wieder möchte ich dahin zurück.
Es gibt nämlich etwas, was ich schuldig bin... auch mir selbst: Das heute in mich gelegte bedingungslose Vertrauen zu rechtfertigen... und glaubt mir, in meinem Umfeld ist das nicht einfach. Ich könnte die Hölle lostreten, und man würde mir noch den Kopf streicheln.
Dummerweise ist das aber nicht nur eine Redewendung - denn es wäre nicht wirklich abwegig.

Verantwortung beinhaltet ja nicht nur das Einhalten von Verpflichtungen anderen gegenüber, sondern auch sowas wie Wertschätzung... und hier muß ich erstmal bei mir selbst anfangen.
Ich darf traurig sein. Ich darf mich scheiße fühlen. Ich darf mich freuen. Ich muß nicht alles verstehen.
Ich bin eigentlich ganz okay!
Bin ich das wirklich? Nein. Aber machen kann ich da auch nichts. Also laß gut sein.
Ich bin zufrieden heute, ich mag meine kleine Welt. Ich ärgere mich nur manchmal, es nicht bessermachen zu können, mich nicht angemessen revanchieren zu können, weil ich eben an meine Grenzen, an meine eigenen Wände, stoße.

Und andere? Eigentlich braucht man mich nicht wertschätzen oder ernstnehmen, das weiß ich selbst. Trotzdem gibt es diese seltenen Gelegenheiten, bei denen ich es dann doch irgendwie gerne hätte... einfach nur, indem man ein simples Ja oder Nein eben als ausreichende Antwort hinnimmt, statt es totzureden bis ich schweige - was eben sehr schnell geht.
Ich bin aber nunmal machtlos gegen meine unsinnigen inneren Reaktionen.
 

Offline Jacky1

Re: Ich bin verantwortlich
« Antwort #14 am: 18.03.2020 21:33:52 »
Hallo TAL,

hoffe einmal dass ich es nicht überlesen habe.
Aber gehe ich richtig in der Annahme, dass Dein Partner nichts über Deine "Spielsucht" weiß ?

Bei einem ja er weiß nichts:
Glück gehabt, er hätte ja auch einen Dattelautomaten kaufen können. 

Bei einem nein er weiß alles:
Pech gehabt und zwar nicht an der Auswahl des Tisches.

Grüß Dich