Autor Thema: Überfordert und hilflos  (Gelesen 519 mal)

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Offline Räubertochter

Überfordert und hilflos
« am: 25.02.2020 12:51:58 »
Hallo ihr Lieben.
Ich bin neu hier und würde von euch gerne wissen, wie ihr mit der Spielsucht des Partners umgeht.
Mein Mann und ich sind seit fast 7 Jahren verheiratet. Wir haben zwei Kinder. Wir haben ein wirklich gutes Einkommen und eigentlich wäre alles okay.
Als ich mit unserer 2. Tochter schwanger war, vor knapp 8 Jahren, kamen seine ganzen Schulden ans Licht. Am Ende knapp 30.000 Euro. Ich habe alle Gläubiger angeschrieben um Ratenzahlungen zu vereinbaren. Wir haben 3 Kredite, die nun fast alle abbezahlt sind. Er hat gespielt und seine Rechnungen über Jahre nicht oder nur teilweise bezahlt. Da das Meiste noch vor unserer Beziehung entstand, konnte ich darüber hinwegsehen. Er besuchte eine Beratungsstelle und es schien wieder alles gut zu sein.
Letzte Woche öffnete ich dann einen Brief eines Kreditinstitutes. Eigentlich nur Werbung, oder eine Art Werbung. Aber seine Daten warten bereits vorgetragen. Das machte mich stutzig. Nachdem er mir dann mehrmals ins Gesicht log gab er es am nächsten Tag zu. Er spielte wieder. Schon lange.
Ich dachte ich kann damit gut umgehen. Ich habe wieder deine EC Karte. Ich verwalte die Gelder und Er geht zur Beratungsstelle.  Aber ich gebe zu, es belastet mich so unwahrscheinlich. Ich fühle mich so betrogen, hilflos,überfordert.
Ich habe 2017 Nm ein Studium begonnen und nebenbei Vollzeit berufstätig . Mir war es dann zu viel und habe für die letzten beiden Semester Bafög beantragt. Das fand er nicht so gut. Im Nachhinein fallen mir viele Situationen ein, in denen er Dinge nicht begrüßte die finanziellen Hintergrund hatten. Manchmal sogar nur ein Wochenendausflug.  Ich hätte nie gedacht, dass er mich so dermaßen hintergeht. Wir haben so lange Schulden abbezahlt. Ich habe meine Bonität dafür genutzt , weil er keine mehr hatte.
Es gab Zeiten da war sein Konto, am 3. Des Monats,leer.
Ich bin so sauer und kann mich auch im Alltag nur schwer zusammen reißen. Eigentlich bin ich eine sehr fröhliche und starke Persönlichkeit. Aber gerade Bin ich nichts davon.
Wie geht ihr damit um?
Habt ihr es eurer Familie und Freunden gesagt?
Die Kinder wollte ich da gerne rauslassen.
Es sei denn, er macht es noch einmal.
Das hatte ich auch angekündigt. Ich bin nicht gewillt, zu warten bis er vielleicht noch die Konten der Kinder leer räumt und alles verspielt was wir haben.
Dafür haben wir und auch ich, zu hart gearbeitet.
Ich danke euch für euer Ohr/Auge und freue mich auf eure Tipps und Erfahrungen.
 
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Offline amTiefpunkt

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Re: Überfordert und hilflos
« Antwort #1 am: 25.02.2020 13:14:20 »
Hallo Tochter eines Räubers!

Willkommen hier bei uns im Forum, es ist gut, dass du geschrieben hast. Manchmal tut es gut ein wenig Luft heraus zu lassen.

Die Angehörigen leiden meist am Meisten unter der Spielsucht des Partners. Wie du bereits geschrieben hast trifft es das Wort hilflos sehr gut. Hilflos deswegen, weil du es nicht beeinflussen kannst, ob er spielt oder nicht. Sein Problem mit der Sucht kann nur er alleine lösen, sofern er dazu auch gewillt ist. Nur weil er eine Beratungsstelle aufsucht, heißt das im Umkehrschluss nicht, dass er auch mit dem Spielen aufhören möchte. Gerne benutzen die SPieler dies auch gerne als Alibi um weiterspielen zu können. Was hat er denn sonst noch so aktiv dafür getan seine Sucht zu überwinden? Ich lese in deinem Beitrag ständig:
"Ich habe meine Bonität benutzt", "Ich habe die Gläubiger angeschrieben", Ich bin verzweifelt", "Mir war es zuviel" usw
Wenn er aus der Sucht heraus kommen möchte, muss er alle, wirklich alle Hebel in Bewegung setzen, sein Leben zu ändern. Dazu gehört auch selbst Verantwortung zu übernehmen und aus der Grube zu steigen, die er sich selbst gegraben hat. Das ist seine Aufgabe und muss sein Weg sein, du kannst allerhöchstens ein wenig unterstützend mitwirken, aber nur er alleine kann sein Verhalten ändern. Wenn er es nicht kann oder möchte, sollten sich eure Wege trennen!
Gerade das Vertrauen, das die eigentliche Basis einer Beziehung ist, ist oft unwiederbringlich durch den Spieler zerstört worden. Deshalb trennen sich die Angehörigen früher oder später von ihrem Partner oder sie gehen daran ebnefalls zugrunde, wie der Spieler selbst. Nun gibt natürlich auch die Fälle, wo der SPieler sein Problem angeht und eine Fortsetzung der Beziehung möglich ist, jedoch ist dies erfahrungsgemäß eher selten der Fall, zu stark ist die Sucht und zeitgleich die Verlockung, die Sorgen im Spiel zu ertränken.
Du solltest beginnen mehr auf dich selbst zu achten, deinen Weg gehen, zur Not auch ohne ihn. Zu groß ist die Verantwortung gegnüber den Kindern. Dein Leben und das deiner Kinder kannst du beeinflussen, seine Sucht niemals!
Bleib wachsam und beobachte, wie er sich entwickelt. Auch eine temporäre Trennung kann manchmal zum Umdenken anstoßen!
Soviel mal in kürze liebe Räuberstochter,

aT
« Letzte Änderung: 25.02.2020 13:56:26 von amTiefpunkt »
Sag "JA" zum Leben!
 

Offline Räubertochter

Re: Überfordert und hilflos
« Antwort #2 am: 25.02.2020 14:17:35 »
Vielen lieben Dank für deine Worte.
Er schwört, dass er es selbst nicht mehr möchte. Vor allem wenn er daran denkt, wieviel Geld er verspielt hat und was er mir damit antut.
Ich möchte ihm das glauben. Aber da ist immer dieses Bauchgefühl und die leise Stimme, die flüstert, dass ich nicht alles glauben darf.
Es ist so unwahrscheinlich belastend den eigenen Psrnter zu kontrollieren. Wir begegnen uns nicht mehr auf Augenhöhe. Das macht es so schwer. Aber ich kann auch gerade nicht anders.
Er tut weiter  nichts. Er hat sich bereit erklärt auch stationär eine Therapie zu machen. Ansonsten fällt mir nichts ein. Ist das ein schlechtes Zeichen?
Er hat viel bei Sportwetten und onlinecasino verloren. Das sind ein paar klicks auf seinem Handy. Du hast da wohl recht... Man kann eben nichts tun. Das ist schwer.
Trennung ist so eine Sache. Hätten wir keine Kinder, hätte ich es längst getan. Die haben wir aber. Und die beiden lieben ihren Vater wirklich über alles.
Meine erste Tochter ist aus einer vorherigen Beziehung, die ich sehr früh bekam. Wir waren die ersten 6 Jahre alleine. Während Abi und Ausbildung wenig finanzielle Mittel, Dafür viele Nebenjobs.  Daher weiß ich wie es ist, wenig Geld zu haben. Stört mich grundsätzlich nicht. Jedoch zu wissen, wieviel man hat und die Tatsache, dass es einer verspielt, ärgert mich maßlos.
Heute fragte er mich :" Meinst du es kann irgendwann wieder so sein, wie es war?"
Ich bin fast geplatzt. Natürlich geht das gerade nicht. Ich schlafe und Träume schlecht. Bin gereizt und im Moment wenig in der Lage, mich mit seiner Krankheit zu beschäftigen.
So habe ich mir mein Leben nicht vorgestellt. :(
 

Offline amTiefpunkt

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Re: Überfordert und hilflos
« Antwort #3 am: 25.02.2020 14:34:23 »
Vergiss jeglich Lippenbekenntnisse die er äußert. Natürlich hat er ein schlechtes Gewissen und hat Phasen, in denen er nicht mehr spielen möchte. Doch es geht nicht darum was er gerne möchte, sondern um das, was er tut und das ist nichtsdestotrotz spielen. Wenn er spielt, treten seine realen Probleme in den Hintergrund, ein schönes Gefühl, glaub mir, aber darauf folgt ein ganz mieses Gefühl, nämlich wenn man mal wieder alles verzockt hat. Doch dieses Gefühl wiederum kann man im Spielen erneut betäuben, ein Teufelskreis. Glaube ihm gar nichts, sondern messe ihn daran, was er gegen sein Krankheit tut. Ist es nichts, wird sich 100% gar nix ändern. Wenn er eine Therapie macht, eine SHG kontinuierlich besucht, beginnt sich outen (auch gegenüber seiner Eltern und allen Leuten, die er bisher belogen und betrogen hat), kann eine Besserung erfolgen! Hat er sich bereits einen Arzttermin geholt um sich eine Therapie zu verschreiben lassen?
Zitat
Ansonsten fällt mir nichts ein. Ist das ein schlechtes Zeichen?
DU, liebe Räubertochter, musst dir nix einfallen lassen, sondern schauen, dass dein Leben wieder gute Bahnen gelenkt wird, Wenn er bei sich auch dafür sorgt, kann es eine Zukunft für euch geben, nur dann!!!
Zitat
Trennung ist so eine Sache. Hätten wir keine Kinder, hätte ich es längst getan. Die haben wir aber. Und die beiden lieben ihren Vater wirklich über alles.
Ich weiß diese Worte wiegen schwer, aber wenn er nicht beginnt sich zu ändern, ist dieser Schritt unumgänglich, mach ihm das bitte klip und klar deutlich!
Zitat
So habe ich mir mein Leben nicht vorgestellt.
Sag ihm das und ändere dein Leben, wenn er sich nicht ändern kann!
Ich habe zu meiner Zeit auch Konsequenzen gezogen und mich mit meiner Sucht beschäftigt, habe Hilfe in Anspruch genommen. Heute leben ich gut mit ihr, ohne zu spielen. Gedankt hat mir das meine Frau indem sie bei mir geblieben ist, samt unserer 3 Kinder. Du siehst also, es geht, aber der Weg ist steinig und hart. Und der Impuls muss von ihm ausgehen, Er ist das Problem und die Lösung zugleich!
Es ist eine schwere Situation, dennoch musst du versuchen einen einigermaßen klaren Kopf zu bewahren....

aT
Sag "JA" zum Leben!
 
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Offline Jacky1

Re: Überfordert und hilflos
« Antwort #4 am: 25.02.2020 14:46:30 »
Hallo Räubertochter und auch von mir ein herzliches Willkommen,

was der Eine nicht lassen kann, muss der Andere ausbügeln.
Dies funktioniert nur bedingt über eine gewisse Zeit, Du hast schon einiges wieder gerichtet und nun schreibst Du auch hier.
Er aber, hat es nur geschworen "es nicht mehr zu wollen".
Niemand möchte einen Lebenspartner der einen belügt und schon gar nicht jemanden, der einen Eid mit gekreuzten Fingern ablegt.
So ein Dreck!
Wie kann man etwas schwören, nicht mehr zu wollen ?
Und dies einfach so aus dem entstandenen Druck heraus.

Warum schreibst Du hier und nicht der Verursacher ?
Weil Du Dich nicht mehr auf ihn verlassen kannst!
Dies bedeutet nicht dass ihr nun getrennte Wege gehen müsst, es geht Dir nicht gut, euch allen doch nicht.
Schulden und geplatzte Träume!
Aus die Maus.....
Wenn er aufgegeben hat wird dies eh Konsequenzen nach sich ziehen, so oder so.
Jetzt ist er an der Reihe, etwas zu tun was er eventuell schon einmal geschworen hat.
Für Dich und euren Kindern da zu sein und sicherlich waren seine Finger damals nicht gekreuzt!

Es muss ihm wieder bewusst werden und er sollte keine Hand ausschlagen, die ihn wieder dorthin führt.
Wie es einmal wahr........   

Schön dass Du da bist.

Liebe Grüße   
   
 

Offline Räubertochter

Re: Überfordert und hilflos
« Antwort #5 am: 25.02.2020 16:57:56 »
Nun ja. Wo soll ich nur anfangen.
All das was ihr mir hier beschreibt trat bereits so ein. Er verspricht mir Vieles und sagt, dass er es bereut.
Für einen harmonischen Alltag muss ich erstmal glauben. Wobei es mir sehr schwer fällt. Wenn ich das hier so lese habe ich Angst vor der Zukunft.
Als er vorhin von der Beratungsstelle zurück kam, erzähle er mir davon. U.a. dass der Psychologe ihm sagte, er müsse reinen Tisch mit Allem machen, um dann alles angreifen zu können.
Auf mein Nachfragen hin, ob es denn noch etwas gäbe, das er mir sagen müsse, eröffnete er mir, dass er den Kredit, von dem ich ja durch Zufall erfuhr, im letzten Jahr um weitere 2000 Euro aufstockte.
Er hat Kredite aufgenommen um zu spielen.
Und er kann so gut lügen. Ich habe wirklich ein ausgeprägtes Gespür für Menschen. Aber für meinen eigenen Ehemann scheint das nicht zuzutreffen.
Seine Lüge, die er anbrachte, wofür das Geld gewesen war, kaufte ich ihn komplett ab. Ohne wenn und aber.
Ich habe so unglaubliche Angst davor, dass das immer wieder passiert.
Ich will für ihn da sein und unser Leben nicht aufgeben müssen. Aber ich will auch nicht auf das bittere Ende warten... auf dieses "Aus die Maus".
Und auch diese Opferrolle, in die er sich gerne begibt, möchte ich nicht unterstützen.
Ich hasse es, so hilflos zu sein.
Und ich wüsste, wenn ich ihn verlassen würde, dass ich die Böse wäre.
Heute lies ich mit meiner 14 jährigen Tochter ihr Girokonto eröffnen.  Ich wollte eigentlich glücklich und stolz sein. Stattdessen war ich einfach nur voller Sorge darum, ob er irgendwann an dieses Konto gehen würde.
Ich glaube an die Liebe und ihre Kraft. Und ich glaube an das Gute in Menschen. Aber das , wie ihr schon sagt, verlorene Vertrauen, verdunkelt alles.


 

Offline Jacky1

Re: Überfordert und hilflos
« Antwort #6 am: 25.02.2020 17:21:37 »
Er war ja bei einer Beratungsstelle und hat mit Dir darüber gesprochen, dies ist ein gutes Zeichen.
Bei allem "negativen" was wir hier so schreiben, aus unser aller Erfahrung heraus.
Was diese Sucht vermag und wie schwer es ist ihr zu widerstehen.
   
Auch ein hoffnungsloser Romantiker wie ich und niemals solltest Du folgendes Zitat mit einem "aber" beenden.  :) 
Ich glaube an die Liebe und ihre Kraft. Und ich glaube an das Gute in Menschen.

Wenn es nicht so wäre und wir alle nur auf konstruktive Funktionalität hinarbeiten würden.
Könnten wir es sein lassen!

Jetzt wird damit umgegangen, Du bist da und er wird Dir nun zeigen, dass sich etwas ändern wird.
Keinen Plan B, offen und ehrlich.
Alles andere führt nur wieder zu einem "aber".

Nicht vergessen, niemals.
Ohne Vertrauen geht gar nichts mehr, sage es ihm.
Vertrauen muss man sich verdienen, für einen pathologischen Spieler ist es keine Selbstverständlichkeit .
 

 
 
 

Offline Taro

Re: Überfordert und hilflos
« Antwort #7 am: 25.02.2020 19:43:51 »
Moin und Willkommen Räubertochter,

er war bei der Beratungsstelle! Nur der eine Satz den er gesagt hat belegt für mich, er war tatsächlich da. Das ist nicht immer so und schon einmal gut. Ich frage mich, warum Du Ihn nicht begleitet hast? Die Beratungsstelle ist auch für die Angehörigen da.
Ich bin trockener Spieler und meine Kinder 13 und 15 Jahre alt wissen das ich Spieler bin. Für  mich ist es wichtig, das Sie meine Geschichte kennen. Spielsucht ist eine schwerwiegende Krankheit die immer auch die ganze Familie bedroht. Es ist daher angemessen alles zu unternehmen um die Krankheit zum Stillstand  zu bringen. Lippenbekenntnisse helfen da nicht weiter. Neben der Beratungsstelle ist die SHG und die stationäre Therapie als Möglichkeit gegeben. Den Kindern es zu erzählen, das der Papa krank ist, ist sicher nicht verkehrt, genau wie dem Papa auch den Zugang zum Konto der Kinder  izu entziehen.

Ich halte von Kontrolle und Überwachung ziemlich wenig, weil es für einen Spieler der spielen will nicht möglich ist. Aber es ist sicher an den Taten zu merken ob er seine Krankheit ernst nimmt oder nicht. Viele Gespräche sind sicher eine gute Basis.

Bitte glaube auch weiter an die Kraft der Liebe und an das gute im Menschen. Zum besseren Verständnis habe ich den Spieler in mir von mir symbolisch getrennnt. Ich nenne den Spieler in mir "Eugen". Ich bin ein liebenswerter Mensch, Eugen aber sicher nicht. Eugen mit Liebe zu begegnen ist nicht Zielführend. Mit Eugen fange ich keine Diskussionen an. Auch mit dem Eugen von anderen Spielern spreche ich nicht. Alle Eugens bekommen immer nur mit dem Knüppel von mir.

Das heist, reiche gerne Deinem Mann die Hand, sollte er aber wieder spielen, zeige Ihm Konsequenzen auf und ziehe die auch durch. Nie nachgiebig gegen Eugen. Die Härte gegen Eugen ist für Deinen Mann der Rettungsring.

Ich wünsche Dir und Deiner Familie viel Kraft.

Taro
 
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Offline Räubertochter

Re: Überfordert und hilflos
« Antwort #8 am: 25.02.2020 20:35:16 »
Ja. Er war definitiv da und hat mir auch die beiden Zettel gezeigt, die der Psychologe ihm mitgab. Termine für die SHG und neuer Termin in der Beratung.
Wir sprechen schon darüber und auch dass er sich entmündigt fühlt. Aber für mich ist das eine Sicherheit. Dass ich die Gelder verwalte, sichert unsere Existenz.
Ich versuche wirklich so gut es geht für ihn da zu sein.
Ich habe es nicht begleitet, weil ich schon vor einigen Jahren bei einem Termin dabei war Und ich spürte, dass das nicht hilfreich ist, wenn ich dabei sitze.
Er richtete mir von seinem Psychologen aus, dass ich gerne als Angehörige bei der KolleginRat und Hilfe suchen kann. Aber dafür bin ich nicht bereit.
Ich denke in ein paar Tagen sieht es um mein inneren Chaos schon viel besser aus und kann dann auch hilfreicher sein, als noch im Augenblick.
Mir hilft es Ehrlich gesagt viel mehr, hier, von euch, die betroffen sind, zu lesen, dass es auch ein Happy End geben kann und worauf zu achten ist. Ehrlich und schonungslos. Das brauche ich und hilft mir.
I h spreche mit ihm darüber, was ihr berichtet. Oder was ich in anderen Beiträgen gelesen und in Dokus gesehen habe.
Heute Abend hatte ich sehr das Gefühl, dass er ehrlich ist. Ausschlaggebend war, dass er es seinen Eltern gesagt hat. Ich habe das nicht verlangt und sogar etwas in Frage gestellt, ob das gut wäre.
Aber er hatte das starke Bedürfnis.
Er wirkt sehr motiviert und glücklich.
Danke für eure Worte, die mir sehr helfen. :)
 
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Offline Räubertochter

Re: Überfordert und hilflos
« Antwort #9 am: 25.02.2020 20:38:00 »
PS:Die Idee " Egon" finde ich großartig.
Hast du das in der Therapie  erarbeitet? Also macht man das da so?
 

Offline Taro

Re: Überfordert und hilflos
« Antwort #10 am: 25.02.2020 22:42:33 »
Ich bin nie in Therapie gewesen, als ich in Hamburg in die SHG von GA kam, damals hießen Sie noch "Anonyme Spieler" gab es 7 Tage die Woche eine SHG. Das habe ich die erste Zeit gemacht. Vor einer Therapie hatte ich zu viel schiss, ich war so fertig, das ich dachte die lassen mich nie wieder raus.
Von Eugen hat ein "alter" Freund immer berichtet, das habe ich übernommen.

Der Weg ist für mich immer über Ehrlichkeit, vor allem mir selbst gegenüber. Einen vorgefertigten Weg, den "man so macht" gibt es nicht.

Taro
 
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Offline Räubertochter

Re: Überfordert und hilflos
« Antwort #11 am: 26.02.2020 15:03:25 »
Ja. Also dass es nicht "den einen Weg" gibt, war mir klar.
Nur hätte mich interessiert ob es eine Methode ist, die gerne angeboten wird.
Hört sich alles sehr zeitaufwändig an.
Habt ihr dann noch gearbeitet? Hattet ihr mit Depressionen zu kämpfen? Oder mit dem Verlust von Freunden und Familie?
Könntet ihr weiterhin über euer Konto frei verfügen?
Heute scheint die Sonne so schön. Das erhellt auch direkt das Gemüt.
Habt alle einen schönen Tag und tankt Vitamin D. :)
 

Offline Taro

Re: Überfordert und hilflos
« Antwort #12 am: 26.02.2020 20:29:24 »
Am Ende war ich 6 Tage die Woche von ca. 20 Uhr bis 4 Uhr morgens in der Spielbank. Die Selbsthilfegruppe war von 20 Uhr bis ca. 22 Uhr. Da habe ich eine Menge Zeit gespart, und am Anfang hatte ich eh nichts besseres zu tun. Ich hatte kein Leben mehr. Arbeit hatte ich die ganze Zeit. Depressionen hatte ich auch, aber nicht vom spielen, eher umgekehrt, ich habe anfänglich gespielt um aus den Depressionen zu kommen.
Ich hatte kurz vor meinem Ende meine Freundin verloren, direkt gegen einen anderen Spieler. Das war für mich aber letztlich ein grosses Glück. Freunde haben sich mit der Zeit fast alle zurückgezogen. Meine Eltern haben auch nach meiner Beichte zu mir gestanden, auch wenn Sie es letztlich nicht richtig verstanden haben.

Über mein Konto habe ich immer frei verfügt. Am Anfang hatte ich von meiner Bank eine heftige Absprache, an die ich mich halten musste. Für mich ist klar, eine Kontrolle durch andere ist bei einem Spieler nicht möglicht. Jedoch ist das bei einer Familie etwas anders. Da muss die Familie den Geldzugang einschränken. Grundsätzlich sind Kredite die Dein Mann hinter Deinem Rücken aufnimmt erstmal sein Problem. Solltest Du Dich trennen bleiben das seine Schulden.

Der Weg in die Spielfreiheit mit Hilfe der SHG ist kein "Zeitaufwand". Dadurch habe ich ein völlig neues Leben bekommen, eines was ich heute noch nicht fassen kann, das ich es führe. Ich gehe noch immer regelmäßig einmal die Woche in die SHG.

Taro
 
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Offline Jacky1

Re: Überfordert und hilflos
« Antwort #13 am: 26.02.2020 21:00:44 »
Hallo Räubertochter,

da hänge ich mich doch gleich an Taros Beitrag dran.
Während meiner aktiven Spielzeit arbeitete ich auch, mehr oder weniger.
Einige Freunde und Partner verloren, ich habe sie sehr vernachlässigt.
Zugang zu Geld hatte ich immer, zu Depressionen auch.
Nutzte das Spielen um jene etwas zu unterdrücken, half aber nix.

Methoden um diesen Kreis zu durchbrechen gibt es so einige.
Mir half am meisten darüber offen zu sprechen, zu Erfahren nicht der Einzigste damit zu sein.
Dadurch lernte ich mich erst richtig kennen und kam auf meine Schwächen / Makel.
Es hätte mir nicht gereicht es einfach halt nicht mehr zu wollen, das Spiel war nur das Medium meiner selbst.
Und das Suchtverhalten mit all seiner Kraft, hatte es da sehr leicht.
Heute befasse ich mich sehr damit, auch mit mir selbst.
In einer SHG, hier im Forum und mit mir nahe stehenden Menschen. 
Und endlich kann ich es auch wirklich schreiben..."ich möchte nie mehr spielen"
Denn sonst würde ich es sicherlich wieder tun.
Ich möchte es nicht mehr für meine Familie, Freunde, Bekannte,alle hier im Forum und vor allem, für mich!
So darf ich behaupten, diese finale Entscheidung getroffen zu haben, ich habe sehr dafür gearbeitet und werde es weiter machen.

Und noch zum Wetter:
Schwarzwald Süd meldet Sturm und Schneeregen, den ganzen Tag ohne Vitamin D.  :)

Liebe Grüße 


 



 
   
 
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Offline amTiefpunkt

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Re: Überfordert und hilflos
« Antwort #14 am: 27.02.2020 06:35:21 »
Moinsen,

also im Vergleich mit der Zeit, die wir einst du das Spielen aufgrbracht haben, ist die Zeit für die Maßnamen, die wir für unsere Abstinenz aufbringen nun wirklich ein sehr kleiner Teil.
Ich für mich hatte nicht mit Depressionen zu kämpfen, das Arbeiten fiel mir lange Zeit schwer (allerdings während ich noch spielte sehr viel schwerer  8)). Die Anzahl meiner Freunde hat sich seit dieser Zeit eher erhöht, da ich wieder am sozialen Leben teilnahm. Während meiner aktiven Spielphase blieb fast keine Zeit dafür.
Mit dem Beginn meiner Abstinenz habe ich damals zum Schutz vor mir selbst mein Konto aufgelöst. Seitdem haben meine Frau und ich ein gemeinsames Konto. Die ersten 5 Jahre hatte ich keine EC Karte, das war schon eine Umstellung. Nach 5 Jahren Abstinenz habe  ich wieder eine bekommen und lebe seitdem sehr gut damit. Auf Onlinebanking und Kreditkarte verzichte ich bis heute und werde das wohl auch so beibehalten. Ich lebe gut damit!
Die Abstinenz ist ein lang angelegtes Projekt, nicht alles muss gleich auf einmal, sondern alles mit seiner Zeit. Die SHG ist eine wunderbare Begleitung in diesem Projekt...ich hoffe, er nimmt sich dieses Projekt zu Herzen!

aT
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