Autor Thema: Medeas Tagebuch  (Gelesen 4688 mal)

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Offline medea888

Re: Medeas Tagebuch
« Antwort #60 am: 08.08.2020 10:46:51 »
Moin,

zuerst ein Thema, was mit den sehr netten Kommentaren von Jacky und AT zu tun hat und wo ich sogar überlegt hatte ein eigenes Thema dazu zu eröffnen:
Selbstwertgefühl: Als ich da vor zwei Wochen las, dass mein wirr geschriebenes Zeug tatsächlich ankommt und irgendwie auch noch gefällt oder bewegt oder was auch immer, konnte ich das gar nicht annehmen.
Und da hab ich über mein Selbstwertgefühl nachgedacht und gemerkt, dass ich sicher nach Außen hin als mega selbstbewusst erscheine und auch viele Dinge stolz bin, also wenn man mich beruflich lobt, dann kann ich das super annehmen, darin bin ich einfach wirklich einer der Besten.
Aber im privaten fühle ich mich keinesfalls so sicher, da bin ich oft unsicher und wenn jemand sagt er findet mich gut oder manchmal ( vor ein paar Wochen eine Bekannte) vorbildhaft und immer so straight, dann ist mir das schon fast unangenehm. Und ich glaube das hat schon auch mit meiner Zockerei zu tun, dass ich mich selbst als schwach und doof empfinde, weil ich da reingeraten bin und krank geworden bin.
Also das wollte ich dazu noch sagen, ob man daran was ändern kann, oder ob das besser wird mit der Zeit keine Ahnung.

Ansonsten geht es mir gut ich habe endlich rausgefunden wie ich wieder in den Sog von den OC gekommen bin, ich hatte das völlig vergessen, verdrängt oder so. Aber ich bin über eine ganz kurze Phase des Pokern online da wieder rangekommen – vermutlich hat mein Suchthirn mir eingeredet das sei ungefährlich keine Ahnung – naja und von da aus ging es dann schnell in das Casino von dem Betreiber und schwups war ich wieder drauf. Ich bin froh, dass mir das wieder eingefallen ist – keine Ahnung, ob mich das weiterbringt, aber es ist ein Mosaiksteinchen mehr.

Es ist brutal heiß heute, werde mich jetzt mit EisKaffee auf den Balkon legen :) drinnen kann man kaum atmen.

Allen tolle spielfreie Tage und genießt die Hitze solange Sie noch da ist :)

LG Medea
 
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Offline Jacky1

Re: Medeas Tagebuch
« Antwort #61 am: 08.08.2020 15:56:47 »
Hallo Medea,

Werbeslogan: "ich bin es mir wert / weil ich es mir wert bin"
Impliziert ja etwas zu tun oder zu haben, um sich selbst zu bestätigen.
Ob nun eine Fett reduzierte Margarine, die einen gesunderen Umgang mit seinem wertvollen Körper verspricht oder  den Garten umzugraben mit einer Rolex Daytona  am Handgelenk, für das eigene "gesunde" Ego.

Du hast schon einiges von Dir erzählt , von Deiner Arbeit und von Dir.   
All dies gehört nun ja dazu, zum Gesamtpaket Medea.
Im ganzen gesehen könnte man alles schon als gut empfunden durchwinken.  :)

Selbstwertgefühl entsteht ja nicht einfach mal so, es sollte eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein.
Auch Mitmenschen stehen da in Verantwortung , Eltern, Freunde, Arbeitskollegen.......
Oft redet man sich dennoch selbst etwas negatives ein , woher immer dieses Verhalten auch stammt.....

Es war noch nie wichtig was man macht.....es ist nur eines wichtig, wie man es macht....
mit Leidenschaft! 


Grüß Dich
 
 
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Offline medea888

Re: Medeas Tagebuch
« Antwort #62 am: 23.08.2020 20:23:30 »
Hallo Tagebuch;)
den Beitrag hatte ich schon vor einigen Tagen geschrieben, war mir aber unsicher ob ich Ihn einstellen will, aber heute zu meinem 8 monatigen will ich es doch tun. Auch wenn es nur indirekt mit Spielsucht zu tun hat. Aber im Endeffekt ist es dann doch ein Gesamtkonzept:
Möchte den Beitrag mal unter die Überschrift setzen, es wird dunkler…

 

Ich war letzte Woche nun zum erstmal bei der Therapie, ich habe mich ja für ein Verhaltenstherapeutin entschieden, da ich glaub, dass meine Sucht doch ein tieferes Problem überlagert hat und ich da wohl mal ran muss.
Ich muss sagen schon da hinzugehen war für mich ganz schrecklich, hatte mehrere Panikattacken aber bin dann doch hingefahren, draußen saß ich dann im Auto und konnte kaum die Türe öffnen.

Das Gespräch selbst war gut, Sie ist ein Typ mit dem ich kann, eher analytisch, weniger der Typ der einem gleich Taschentücher hinhält, das wäre auch nicht meins.

Im Grunde habe ich eine Stunde lang grob meine Baustellen zusammengefasst, natürlich auch das mit der Spielsucht von damals und heute… Sie hat das alles erstmal aufgenommen, wenig dazu gesagt, was denke ich auch OK war für mich.

Während dem Reden fing es dann aber schon an, der Kloß im Hals, das bedrückende Gefühl auf der Seele.

Als ich heimkam wusste ich, dass jetzt die Wolken wieder kommen. Ich hatte jetzt wirklich ganz viel Sonnenschein die letzten Monate, daher machten mir diese paar dunklen Wolken schon Angst.

Ich erinnerte mich daran, wie es vor 12 Jahren war, da wurde es monatelang nicht mehr hell. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob ich sowas nochmal schaffen könnte.

Daher versuche ich jetzt die Wolken zu aktzeptieren und mir den Rest des Himmels schön blau zu halten… Mit viel guter Musik, schönen Filmen, Freunde treffen, positiver Autosuggestion und Sport.

Noch klappt das gut muss ich sagen, mal sehen wie es mit den weiteren Sitzungen so wird.

Am Wochenende gebe ich zu, hatte ich sogar sowas wie einen kurzen Moment des Scheiß egal Gefühls, lass es einfach, tu Dir das nicht an.

Aber ich weiß dann bin ich in wenigen Jahren oder Monaten wieder in einer Sucht, sei es Spielen oder was anderes. Nein ich möchte wirklich weiterkommen, auch wenn es weh tut.

Dazu ist mir ein Gedicht in die Hände gefallen viele werden es kennen.  Es ist eigentlich ein Trauergedicht, ich habe es jedoch nie so empfunden.

Hermann Hesse

Stufen

Wie jede Blüte welkt und jede Jugend
Dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,
Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend
Zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.
Es muß das Herz bei jedem Lebensrufe
Bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
In andre, neue Bindungen zu geben.
Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.

Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
An keinem wie an einer Heimat hängen,
Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
Er will uns Stuf´ um Stufe heben, weiten.
Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise
Und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen;
Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.

Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
Uns neuen Räumen jung entgegen senden,
Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden,
Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!

Freitag habe ich den nächsten Termin, und trotz all meiner Angst, werde ich alles geben weiter hinzuschauen.

Eure Medea

 
 
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Offline Taro

Re: Medeas Tagebuch
« Antwort #63 am: 23.08.2020 22:27:43 »
Moin Medea,

als Zeiten unter dunklen Wolken habe ich meine Depressionen oder des Spielens empfunden.
Zu sehen was ich so lange zugeschüttet hatte führte mich zwar immer wieder auch in "das Tal der Tränen". Jedoch habe ich das immer sofort mehr als eine Bereinigung empfunden, das wichtigste jedoch, es war Stück für Stück mein Einbruch in die Freiheit. Mich und meine
Vergangenheit unverschleiert zu sehen ist für mich die Grundvoraussetzung für ein zufriedenes Spiel und Depressionsfreies Leben.
Wenn in der Vergangenheit eine Depression begann, so war das entscheidende das ich nicht hinschaute (hinschauen konnte). Sobald mir das möglich war, so schmerzhaft es auch immer sein mochte verflog die Depression.

Taro
 
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Offline Jacky1

Re: Medeas Tagebuch
« Antwort #64 am: 24.08.2020 23:57:13 »
Hallo,

Belastungen aus vergangenen Tagen die plötzlich neu erwachen, biologische Faktoren, das nähere Umfeld oder momentane Umstände können schon den Tag verdunkeln.
Der eigene Blickwinkel dann noch auf seine negativen Merkmale gerichtet beschleunigt zudem.
Eigene Wertschätzung kann schnell verblühen dabei, Rückzug soweit wie möglich eine Konsequenz daraus.
Flüsternd schreien in einer menschlichen Hülle und sich selbst so fremd.

Die Pharmaindustrie stellt hier eine große Palette an "Tablettchen" zu Verfügung.       
Serotonin und Noradrenalin mögen diese Medikamente nicht.
Diese Medizin ist sicherlich hilfreich, alles irgendwie auszuhalten.
Hat eigentlich irgendwer mehr Seroquel  geschluckt als ich ?

Bei meiner ganzen Erfahrung und doch schon einigen "unglücklichen" Menschen die ich traf, darf ich nun berichten.
In den ganzen Kliniken und so vielen Gesprächen, verrückten Geschichten oder beschlossenen Schicksalen.
Es war nie die Frage, bin ich selbst Schuld an meinem Empfinden ?
Sondern immer nur....
Warum muss ich nur diese Schuld ertragen!
Ist dies der Lohn meines Lebens ?

So ist diese Dunkelheit mein guter Freund geworden, ich bin da nicht mehr zu retten.  :)
Biologisch nicht mehr zu wenden, Sackgasse und halt aushalten.
Mentale Musen sind hierbei meine Versicherung, immer den Weg wieder zurück zu finden.
Wie die schweren Tropfen, die sich dort oben abkühlen und auch immer ihren Weg finden, aus den dunklen Wolken.

Die Sonne ist immer da, auch wenn man nur ihren Schatten sieht.

Liebe Grüße

       
 
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Offline medea888

Re: Medeas Tagebuch
« Antwort #65 am: 22.09.2020 18:36:50 »
Hallo,

ich habe ein paar Wochen nicht geschrieben auch weil ich wirklich viel arbeite momentan. Aber morgen sind es 9 Monate da dachte ist mal wieder an der Zeit..
Die Dunkelheit ist zum Glück nicht stärker geworden, dennoch ist mein Himmel etwas öfters bewölkt als noch vor der Therapie. Ich weiß, dass muss auch so sein und es ist Ok. Und wirklich traurig bin ich seltener, ich schlafe allerdings sehr wenig und bin dadurch oft erschöpft.....Mal sehen wie das so weitergeht.
In der Therapie geht es noch nicht um die Spielsucht, es geht eher um Bewusstsein und Unterbewustsein und darum, dass ich lerne wieder Herr meiner Grenzen zu werden, mich nicht von anderen unter Druck setzen zu lassen und vor allem mich mehr um mich zu kümmern, als immer um die Sorgen anderer. Ich soll hierfür das Bild eines Grundstücks nehmen und mich immer fragen, ob ich gerade noch auf meinem Rasen mähe oder meine Hecke pflege oder wieder die von anderen. Das Schwiergste fand ich jedoch zu sagen, dass ich DAS überhaupt ändern will, ich empfinde meine Art Menschen zu helfen, als eine sehr positive Eigenschaft,die mich ausmacht, und davon etwas loszulassen, fällt mir schwer, klar ich muss ja nicht damit aufhören ich soll es nur reduzieren ein paar % nur...
Puh, sich zu ändern, wirklich zu ändern und wenn es nur ein paar % sind, hätte nicht gedacht, dass mir schon die Entscheidung, das überhaupt zu wollen, so schwer fallen würde.
Und da frage ich mich natürlich auch, habe ich denn wirklich was geändert, seitdem ich nicht mehr spiele? Oder spiele ich einfach nur nicht mehr, bis ich es vergesse nicht mehr nicht zu spielen?
Es ist schwer bei sich selbst zu sehen, ob man sich verändert, weil dass ja nicht von einem auf den anderen Tag passiert.
Ich bin mir meiner bewusster geworden, ja, ich versuche mich selbst wieder mehr in den Mittelpunkt zu stellen - jedoch merke ich auch, dass mein Grundstück verdammt klein ist und ich ganz schnell wieder an anderen Hecken rumschneide, vielleicht auch nur, um nicht zu sehen, wie hoch meine eigene Hecke schon geworden ist. Man merkt, ich bin verwirrt. Und auch das gehört vermutlich zum ändern dazu, sich selbst mal offen zu hinterfragen. Ehrlichkeit also erstmal in reinster Form zu mir selbst zu sein - daran muss ich unbedingt was tun, das merke ich deutlich.
Ansonsten geht es mir gut, ich denke nicht ans spielen, außer wenn ich mich dafür entscheide, darüber nachzudenken.
Ich habe manchmal so komische Flashbacks, die kann ich schwer erklären, die kommen ganz plötzlich und dann fällt mir irgendein Spiel ein, welches ich gezockt habe, aber das ist so schnell wieder weg, das ich danach noch nicht mal mehr weiß ,woran genau ich gedacht habe und das ist auch sehr selten.
Die Tatsache, dass ich keinerlei finanzielle Probleme mehr haben, hat mein Leben soviel leichter gemacht, auch wenn ich dem Geld soweit ich kann aus dem Weg gehe und es möglichst wohin packe, wo ich es nicht sehe. Also da hat sich noch nicht viel getan... aber das braucht vermutlich noch Zeit
So Tagebuch das war´s für Heute.
Allen eine schöne Zeit
Eure Medea
 
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Offline medea888

Re: Medeas Tagebuch
« Antwort #66 am: 24.10.2020 10:54:57 »
Hallo Tagebuch,

gestern waren es 10 Monate, offen gestanden dachte ich es sei heute, hab das Datum verwechselt.
Wenn ich mein Tagebuch lesen, dann bin ich ganz selbst überrascht, was ich in der Ganzen Zeit doch an Gedanken und Momenten hatte.
Wieviel ich mir doch Zeit genommen habe für mich selbst.
In der Therapie sollte ich für das letzte Mal 10 Dinge aufschreiben, die mit dem Satz anfangen: Ich kümmere mich um mich selbst wenn...

Am Anfang fiel es mir schwer was zu finden, weil mir alles so oberflächig vorkam, wie zum Beispiel mit meinen alten Freunden telefonieren, aber die Ärztin fragte dann über was ich mit denen denn so spreche, und da fiel mir auf, dass ich mit allen immer ganz tiefgründige Gespräche führe über das Leben also keinen Smalltalk.... und da wusste ich, doch ich kümmere mich da, um mich selbst.

Einer der Punkt auf der Liste war auch: Ich kümmere mich um mich selbst wenn ich im Forum schreibe. Und das empfinde ich wirklich als Geschenk, einfach hier reinzuschreiben, was mir durch den Kopf kommt und es fließen zu lassen ohne lange zu überlegen.... das empfinde ich als etwas wirklich Gutes in meinem Leben, ebenso wie hier im Chat immer wieder alte Bekannte zu treffen und über den Sinn und Unsinn des Lebens zu schnacken...

Meine innere Unruhe habe ich immer noch, aber ich nehme sie mehr an. Ich arbeite weniger, nehme mir mehr Zeit für Dinge, die ich mag, für Freunde gutes Essen, Sport und seit einer Woche meinem Spanisch online Kurs :)

Ich denke immer noch jeden Tag an die Sucht, und vor allem an die Person, die ich während ich die Sucht ausgeübt habe war.
In meiner Therapie sollte ich meinen inneneren Kritiker finden und mit ihm sprechen, gefunden habe ich ihn, sprechen will er noch nciht mit mir.
Genauso geht es mir mit meiner Suchtpersönlichkeit, ich kann Sie sehen und beobachten aber ich kann noch nicht mit ihr wirklich sprechen... ok das muss jetzt keiner verstehen. Dennoch weiß ich irgendwann kann ich mit ihr sprechen und Sie besser verstehen und ihr helfen. Denn ich glaube ich lerne mich besser, um mich zu kümmern.
Eure Medea, die jetzt in den Wald geht um das bunte Blätttertreiben zu beobachten.
Genießt den Tag, denn diesen heute gibt es nur einmal

 
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Offline medea888

Re: Medeas Tagebuch
« Antwort #67 am: 18.11.2020 14:55:06 »
November ist noch nie mein Monat gewesen, die Dunkelheit der Regen und der Monat vor Weihnachten, was ich auch nicht sonderlich mag.

Zudem ist Anfang des Monats der Todestag meines Vaters gewesen, lange her, aber vermutlich der Moment, der mit mein Leben am stärksten verändert hat. In der Therapie haben wir gerade das Thema Biografie von mir und meiner Familie, also auch passend... morgen hätte mein Vater Geburtstag und in einer Woche vor 2 Jahren hat sich ein sehr guter Freund von mir umgebracht, also im Ganzen ein schwieriger Monat, der mich immer wieder an meine persönlichen Grenzen bringt und nun mit Corona Light Lockdown, den Sorgen um meine Freunde im Ausland und noch ein  paar persönlichen Problemen, habe ich gerade offen gestanden keine wirkliche Kraft mehr. Dennoch wie singt Kettcar in Landungsbrücken

"Aufstehen, atmen, anziehen und hingehen
Zurückkommen, essen und einsehen zum Schluss
Dass man weitermachen muss"

Jedes Jahr denke ich, dieses Jahr wird der November besser und jedes Jahr verliere ich diese Wette gegen mich selbst. Aber ich werde es auch diesen Monat irgendwie schaffen den Kopf über Wasser zu halten. Denn ich weiß es geht rum.

Ich versuche mich ein wenig selbst davon abzulenken, jogge etwas mehr, schlafe leider weniger und trinke daher viele Energiedrinks. Bin froh, dass mein Beruf mich bei sowas auch immer herzlich in seine Arme nimmt. Gepaart mit ein wenig humorvollen Filmen, Musik und viel Waldspaziergängen geht es einigermaßen.

Vor einem Jahr um die Zeit habe ich noch verdammt viel gespielt, das ist heute keine Option für mich, ganz im Gegenteil, der Stolz darauf, dass es mich nicht zum Spielen zieht ist ein weiterer Motivator.

Irgendwie ein ziemlich komischer Eintrag heute, aber der musste irgendwie raus.

Wünsche allen die hier mitlesen, keinen Novemberrain ;)


Eure Medea


 
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Offline Andre12

Re: Medeas Tagebuch
« Antwort #68 am: 18.11.2020 16:11:40 »
Moin Medea,
ja es ist ein ziemlicher dunkler November. Und das meine ich jetzt nicht in der Seele sondern draussen :), trotzdem belastet sowas immer auch die eigene Gemütslage. Ich kann das gut nachvollziehen, wie Du auch meinen letzten Beitrag entnehmen konntest. Ein anstrengendes Jahr liegt nun fast  hinter uns. Und trotz all der Widrigkeiten, trotz alledem bist Du immer noch spielfrei. Du schreibst Deine Gedanken nieder, lässt sie raus, vergräbst Sie nicht mehr bei einsamen Stunden vorm Bildschirm , lässt Dich von Deinen Erfahrungen, Deinem Erlebten  nicht entmutigen. Du schaust dahin, Du erträgst den Schmerz ohne Flucht. Du stellst Dich Deinem Leben. Das ist toll. Sei super stolz auf Dich.

P.S.   Und hör auf zu Wetten!!!! ;D

André
 
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Offline Jacky1

Re: Medeas Tagebuch
« Antwort #69 am: 19.11.2020 22:28:31 »
Hallo Medea,

30 Tage, 30 Tage Luft holen und einatmen.
Irgendwie gefühlt ist die Luft im November am klarsten.
Die reicht für ein ganzes Leben Medea.
Also noch jede Menge Zeit um wieder frei auszuatmen.

Schicksale können einem diesen ganzen Atem rauben, sie martern und quälen uns.
Wenn wir es zulassen dass sie uns erdrücken, wir dann fliehen vor uns selbst.
Nein, jetzt erst recht!

...schließe mich ausdrücklich Andre`s  Beitrag an.

Grüß Dich





 
 
 
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Offline medea888

Re: Medeas Tagebuch
« Antwort #70 am: 26.11.2020 19:35:55 »
Hallo André und Hallo Jacky,

danke für Eure netten Worte, das bedeutet mir viel!!! Auch dass ihr das seht, siehe weiter unten, denn das ist einer meiner Ängste.

Heute war ein schwerer Tag, ein trauriger Tag an dem ich viel über Leben und Tod und Freude und Trauer nachgedacht habe, soweit es die Zeit zuließ.
Wer diese Tagebuch verfolgt, weiß dass ich in Musik immer viel finde, was mich aufmuntert und bewegt und tröstet.
Heute habe ich mir Passenger | Let Her Go rausgesucht.
wer es nicht kennt hier: https://www.youtube.com/watch?feature=share&v=RBumgq5yVrA&app=desktop

darin heißt es:
Well, you only need the light when it's burning low
Only miss the sun when it starts to snow
Only know you love her when you let her go
Only know you've been high when you're feeling low
Only hate the road when you're missing home
Only know you love her when you let her go
And you let her go

Ja, ich denke wir müssen auch mal traurig sein um zu wissen, wie schön es ist fröhlich und glücklich zu sein. Wir müssen mal im Dunkeln stehen, um das Licht zu genießen zu können.

Momentan muss ich wieder vorsichtiger sein, nicht in alte Muster zu fallen. Gerne verstecke ich mich dann in der Arbeit, die ich Liebe aber die mich auch viel Kraft kostet. Die mir aber auch immer wieder viele Geschichten erzählt, bei denen ich sehe, wie gut es mir geht.
Das hier soll also kein trauriger Beitrag sein, eher einer, der mich daran erinnert, dass es OK ist. Es ist Ok.

Warum ich aber auch schreibe, was ich lange überlegt habe, ist dass ich am Montag bei der Therapie war, da ging es um meine Biografie, also einfach erzählen wie dein Leben so gelaufen ist, das in einer Stunde, komisches Gefühl. Wie als würde man jemanden auf einer Reise treffen und in einer langen Zugfahrt sein Leben erzählen, falls Ihr versteht, was ich meine.
Naja ich habe auch alles erzählt, von Höhen und Tiefen von Liebe und Schmerz, von lustigen Dingen die mich selbst beim erzählen zum Schmunzeln gebracht haben. Ich habe es nichtt ganz bis heute geschafft, aber bis vor einigen Jahren... und die ganze Zeit kam mir was komisch vor, aber ich konnte nicht greifen, was es war.
Und dann war die Stunde rum, ich musste also den Zug verlassen.;)
und dann saß ich draußen im Auto und plötzlich fiel es mir ein, wie so ein Schlag ins Gesicht, es war irre. Ich hatte meine Spielsucht vergessen zu erzählen, die vor 10 Jahren. Einfach nicht erzählt, also nicht bewusst, einfach vergessen. Das hat mich im ersten Moment total umgehauen, am liebsten wäre ich sofort wieder reingelaufen....
Warum mir das so Angst gemacht hat, war dass ich dachte Oh nein, du drückst das wieder weg, du machst die gleichen Fehler....
Ich hoffe inständig, dass es nicht so ist, dass es diesmal anders ist, ich es schaffe achtsam zu bleiben und es nicht wieder zu vergessen.
Das wollte ich an einem etwas traurigen Novembertag erzählen.

Ich wünsche allen einen schönen Abend und bis bald
Eure Medea


 
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Offline medea888

Re: Medeas Tagebuch
« Antwort #71 am: 23.12.2020 14:29:06 »
Ein Jahr ist vergangen, seit Tagen denke ich darüber nach und versuche Revue passiere zu lassen.
Es war ein sehr anstrengendes Jahr, was mich oft müde und manchmal traurig gemacht hat.
Aber es war auch ein wundervolles Jahr, mit viel Freude, viel Erkenntnis, viel Liebe und vielen schönen Momenten.
Im Grunde muss so ein gutes Jahr sein denke ich aus Höhen und aus Tiefen aber mit einer positiven Grundstimmung.
Wenn ich meine Spielfreiheit betrachte, dann sehe ich so rückblickend Phasen in denen ich mit befunden habe, die ich aber irgendwie erst jetzt klarer sehe. Ganz am Anfang habe ich mich immer noch unglaublich selbst veräppelt, innerlich doch gedacht, dass ich nur mal ne Pause brauche. Dann als der Abstand größer wurde und ich mutig genug wurde, genau hinzuschauen was ich da eigentlich getan hatte, kam erstmal große Scham auf über mich selbst und Zweifel an vielen Dingen in meinem Leben. Als nächste kam so eine Art befreites Gefühl, was unglaublich viel Energie freisetzte, und ich bin viele Dinge angegangen, merkte dann aber auch schnell, dass ich wieder den Hang hatte mich hinter anderen Dingen zu verstecken. Also entschied ich mich dann für eine Therapie. Die ist noch ganz am Anfang und kostet mich viel Mut aber ich denke Sie tut mir gut.
Ich freue mich inzwischen einfach nur wahnsinnig darüber, dass ich das viel Zeit des Jahres mit mir verbracht habe und so ein wirklich gutes Gefühl für die Spielfreiheit bekommen habe.
Im Grunde fehlen mir wirklich die Worte dazu, wie froh ich darüber bin.
Ich denke auch in den nächsten Monaten werde ich noch viel an mir arbeiten müssen, ein paar Baustellen sind da noch anzugehen und ich will unbedingt dran bleiben, an mir selbst. Im Grunde denke ich man hört nie auf sich selbst besser kennen zu lernen - irgendwie ein spannender Gedanke.
In diesem Sinne wünsche ich allen, die hier mitmachen und den Mut haben hinzusehen und sich selbst zu spüren und anzunehmen eine wunderschöne Weihnachtszeit trotz all der Widrigkeiten und einen guten Start in ein neue Jahr.
Danke an alle die mich im letzten Jahr hier begleitet und ertragen haben ;)
Eure Medea
 
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Offline Jacky1

Re: Medeas Tagebuch
« Antwort #72 am: 23.12.2020 18:31:36 »
Hallo Medea,

die meisten hier schreiben dann " nur ein weiterer Tag" , wenn Ihnen zurecht gratuliert wird, aber sicherlich auch voller Dank so lange spielfrei zu sein.
Ich mag Jubiläen, darum ein kleines Geschenk für Dich.

Es ist Dein Name in großen farbigen Buchstaben.  :)

MEDEA   

Farben die Du ins Forum brachtest.

Gut gemacht

Liebe Grüße
 
 
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Offline medea888

Re: Medeas Tagebuch
« Antwort #73 am: 12.01.2021 08:44:30 »
Hallo an alle,

als ich vor mehr als einen Jahr entschieden hatte nicht mehr zu spielen, da dachte ich zunächst, es geht darum dass ich keine Geldsorgen mehr habe, schnell wurde mir klar, dass das Problem mit dem Geldhaben eines der Geringsten war, danach dachte ich eine Zeit lang, es geht darum wieder mehr Zeit zu haben um andere Dinge zu tun. Was mir am Anfang total schwer viel, weil mir nicht einfiel, was mir Spaß machen könnte. Und erst jetzt nach über einem Jahr mit mir selbst beschäftigen, mit Sucht beschäftigen mit vielen Lesen im Forum und schreiben mit anderen ist mir klar geworden, dass es um etwas ganz anderes geht, es geht darum bewusst zu Leben.
Ich habe mich ja früher schon mal mit Philosophie beschäftigt und in der griechischen Philosophie geht es genau darum: Nur ein bewusstes Leben kann ein gutes Leben sein - nur ein Leben in dem man mit mir selbst im Reinen ist und sich selbst erkennt.
Ich finde das eine große Herausforderung mich mit mir selbst zu beschäftigen, leider neige ich immer wieder dazu mich mit anderen zu beschäftigen, vermutlich, um mich vor mir selbst abzulenken - aber auch weil ich mich selbst oft nicht so als Mittelpunkt sehe und oft denke, mir geht es doch gut, schau mal der geht es schlechter und schon spiele ich meine eigenen Sorgen und Ängste runter.
Das führt dann leider oft dazu, dass ich den einfacheren Weg suche und in alte Verhaltensweise falle.
Meine Therapeutin hat mir letzte Woche gesagt, dass das Hirn in Stresssituationen grundsätzlich dazu neigt in alte Gewohnheiten zu verfallen, weil es weiß, dass die ja mal funktioniert haben, denn im Endeffekt ist unser Hirn nicht darauf programmiert glücklich zu werden, sondern einzig und alleine dafür da, dass wir überleben.
Letzte Woche bin ich auch wieder in ganz alte Verhaltensweise gerutscht und habe bist zu Erschöpfung gearbeitet. Das habe ich früher oft, manchmal saß ich im Auto und wusste gar nicht, wie ich noch heimkommen soll, weil ich so erschöpft war, dass mir die Tränen runterliefen. Genau so saß ich letzten Freitag Abend auch da.
Um dann doch mal abzuschalten und mich vor mir selbst zu verstecken, hab ich dann oft gespielt. Ich will damit nicht sagen, dass das der einzige Grund war, aber sicher einer der wichtigeren.
Heute sehe ich meinen Zustand und gehe ihn an, überlege wie ich den Streß reduzieren kann und renne nicht einfach drauf los.
Zudem habe ich inzwischen so viele neue Dinge für mich entdeckt, die meine freie Zeit erfüllen, nicht nur füllen, dass ich keine Flucht mehr ins spielen brauche.
Es ist immer noch ein langer Weg, mich selbst immer wieder daran zu erinnern, was richtig und wichtig und gut für mich ist, aber ich habe das erste mal seit einem Jahr das Gefühl, ich mache wirklich Fortschritte in meinem eigenen Verhalten und wie ich mit mir umgehen soll.
Ich hoffe ich bleibe so bewusst in meinem Leben .
An dem Text habe ich im Kopf jetzt wirklich lange geschrieben, dachte zuerst ich mach aus dem ein eigenes Thema, aber ich denke es passt dann doch besser in mein Tagebuch.

Ich wünsche allen einen bewussten Tag ;)
Eure Medea
 
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