Autor Thema: Wo ist die Grenze?  (Gelesen 356 mal)

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Offline Ongxaoi

Wo ist die Grenze?
« am: 09.01.2020 21:46:05 »
Liebe Leute,
meine Frau spielt stundenlang an diesen "[zensiert]" Teilen. Das fing vor fast 10 Jahren in einer Kneipe an, in der ich ab und zu ein Bier trinken und würfeln war. Anfangs hat sie öfter mitgewürfelt, aber der Automat hat sie suksessive mehr vereinnahmt.
Anfangs spielte sie um 10 oder 20 Cent, das steigerte sich aber im Laufe der Zeit auf bis zu 50 Cent oder sogar mehr.
Dann habe ich sie vor ein paar Jahren in einem [zensiert] erwischt, da sie ihr Auto direkt davor geparkt hatte. Ich war sehr sauer und wir sind abends gemeinsam hingefahren um sie zu sperren. Das hat aber nicht viel genützt da es hier verschiedene Casinos gibt, und die Sperre nur für die eine Kette galt. Außerdem gibts in jeder Kneipe diese Teufelsdinger.
Sie verspricht mir immer, dass sie das alles im Griff hat, aber ich sehe ja das sie viel Geld verspielt. Sie glaubt immer noch, dass sie die Kontrolle hat, ich kann sie daher nicht davon überzeugen ein Gespräch mit einem Therapeuten zu machen.
Hat jemand einen Idee wie ich an die rankomme?
Liebe Grüße
Peter
 
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Offline Jacky1

Re: Wo ist die Grenze?
« Antwort #1 am: 09.01.2020 22:29:41 »
Hallo Peter und herzlich Willkommen im Forum,

30 Jahre sprach ich davon alles im Griff zu haben und ich glaubte es sogar.
Einzig der Unterschied, dass ich mich durch eine logistische "Leistung" nie erwischen ließ.
Aber selbst dann wäre mir "Supertalent" sicherlich etwas eingefallen. 

Du schreibst ja nun hier und nicht Deine Frau, Du suchst den Kontakt und nicht sie.
Wenn sich manchmal Dinge einfach nicht ändern, liegt es oft an der fehlenden Konsequenz.
Bei einem Partner mit dem man Katz und Maus spielen kann, fühlt sich eine Spielerin gut aufgehoben.
Grundlegend in einer Beziehung ist dass man ehrlich miteinander umgeht und sich vertrauen kann.
Sprecht Ihr darüber miteinander, wenn sie spielen war ? Wohl eher ja nicht.

Verstehe mich bitte nicht falsch Peter, natürlich willst Du nicht dass Eure Beziehung darunter leidet.
Du möchtest dass Deine Frau etwas dagegen unternimmt und einsieht dass sie ein großes Problem hat. 
Mache es ihr bewusst, dass auch Du ein Problem damit hast.
Deine Ängste und Sorgen darüber, was dadurch alles kaputt gehen könnte.
Und vor allem, ohne ihre aktive Mitwirkung viel mehr zu verlieren wäre, als "nur" Geld.

Dies ist alles nicht einfach, ich weiß dies schon.
Helfende Hände sind überall, Du bist eine helfende Hand...aber sie muss sie von selbst ergreifen.
Kann jetzt aber auch nicht wirklich abschätzen wie oft sie spielt.
Auf jeden Fall willst Du nicht angelogen werden, doch wenn sie sich ja immer selbst belügt ?
Sei für sie da, zeige ihr wie wichtig sie für Dich ist, zu was Du alles bereit wärst.
Welcher Partner möchte auch, dass seine Liebe an einem Geldspieler sitzt,verliert und es immer wieder versucht zu gewinnen.
Doch wenn sich nie etwas ändern sollte.....erledigt es sich eventuell von ganz alleine.
Angehörige verlieren leider immer mit, auch wenn der Partner einmal gewinnt.
Sage es ihr, dass Du ihr nicht glauben kannst.
Denn wenn beide sich etwas vormachen...dann gute Nacht. 

Kopf hoch Peter und klasse dass Du hier geschrieben hast, höre nicht auf damit, Dich mitzuteilen.

Liebe Grüße     

 
 

 
 

Offline Ongxaoi

Re: Wo ist die Grenze?
« Antwort #2 am: 09.01.2020 23:44:27 »
Hallo Jacky,
danke für deine nette Begrüßung und empathischen Worte. Wir sind seit 15 Jahren verheiratet und ich sehe wie sie mir entgleitet. Dummerweise habe ich MS und sitze im Rollstuhl, kann ihr also wenig attraktive Freizeitangebote anbieten. Wenn ich sie brauche ist sie immer für mich da, im Urlaub in Ägypten gibts ja zum Glück diese Dinger nicht und dann gehts ja auch ohne, aber ich fürchte mich vor einer Verschlimmerung.
Da sie sich nicht süchtig fühlt, sieht sie natürlich auch keinen Handlungsbedarf.
Ich muss dazu sagen dass sie Asiatin ist, und wie es scheint haben die einen besonderen Hang zu allem was blinkt, bunt ist und Geräusche macht.
Liebe Grüße
Peter
 

Offline Jacky1

Re: Wo ist die Grenze?
« Antwort #3 am: 10.01.2020 00:11:48 »
Peter,

Du wirst es nicht glauben, ich weiß sogar wo in Ägypten diese Dinger stehen, die habe ich schneller gefunden als die ganzen Tempel.  :)
Ich kann Dir nicht sagen ob es schlimmer wird, doch jetzt ist es doch schon genug.
Du kannst also diese Sache nun gelassen hinnehmen und dann halt mal sehen...oder.
Lese doch einmal einige Beiträge von anderen Angehörigen, leider gab es nicht immer ein Happy End.
Es wird Dir nun nicht helfen, doch damit bist Du nicht alleine.

Es ist auch wohl kaum möglich, dass eine pathologische Spielerin aufgrund eines Gefallens für Ihren Partner damit einfach mal aufhört.   
Doch kann ich nicht beurteilen, wie problematisch ihr Suchtverhalten ist.
Was der Eine verbergen möchte, kann der Andere nicht erzwingen.
Wenn das Geld weniger wird, werdet ihr beide die Folgen spüren.

Wenn es Dir nicht gelingt, kannst Du ja selbst wählen. Sie aber sieht keinen Grund um zu wählen.
Und genau da zwischen...liegt die Grenze.

Grüß Dich           

 
 
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Offline Jkler

Re: Wo ist die Grenze?
« Antwort #4 am: 10.01.2020 16:43:14 »
Hallo Peter,

Herzlichen Willkommen hier im Forum.
Als Überschrift steht die Frage" Wo ist die Grenze?".Das muss jeder für sich selbst entscheiden. Der Spieler und der Angehörige. Bei mir war die Ansage meiner Frau das es vorbei ist, die Grenze bei mir wo ich mir sagte daß sich etwas ändern muss. Bei ihr, war das halt auch ihre Grenze. Uns hat es gut getan, zum Glück. Das heißt aber nicht das es bei allen so klappt. Daher auch von Jacky der Einwurf mit der Konsequenz. Es bringt z.b. nix zu sagen was man nicht einhalten könnte. Die Spielsucht hat leider nur eine Gemeinsamkeit. Und das ist das alle Leiden, Spieler und Angehörige.

Kopf hoch
Jkler
Wer Rechtschreibfehler oder ähnliches findet, darf sie behalten.🙈
 

Offline amTiefpunkt

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Re: Wo ist die Grenze?
« Antwort #5 am: 11.01.2020 17:34:16 »
Hi Peter,

viele Angehörige müssen qualvoll mitansehen, wie der Partner entgleitet ohne dass sie auch nur den Hauch einer Chance gehabt hätten, es zu verhindern. Dennoch stellen sie oft die Schuldfrage bei sich selbst, was natürlich völliger quatsch ist.
Suche den Dialog mit ihr, stelle unmissverständlich klar, was dich stört, und wie du dir die Zukunft vorstellst. Deine Krankheit schränkt deinen Bewegungsspielraum hier natürlich maßgeblich ein, da du evtl gar nicht alleine Leben kannst!? Ein offenes, schonungsloses Gespräch wirkt oft wunder...

aT
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Offline Jacky1

Re: Wo ist die Grenze?
« Antwort #6 am: 09.02.2020 15:35:56 »
Hallo Peter,

nicht mehr einschlafen.
Wahrscheinlich hat sich noch nichts geändert, denn ich rechne schon damit...wenn doch..
teilst Du uns es mit.

Grüß Dich