Autor Thema: Wann ist ein (Glücks)spieler eigentlich "trocken"?  (Gelesen 194 mal)

0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema.

Offline amTiefpunkt

  • Spender
  • Senior-Mitglied
  • ****
  • Beiträge: 502
  • Dankeschön: 250 mal
  • Sternchen: 15
  • Spielfrei seit Oktober 2012
Zitat
Was ist denn deine Definition für einen Spielsüchtigen der Glücksspiele spielt ?
So wurde ich neulich von Fred in einem anderen Thread gefragt. Gute Frage, oder?!
Hier sollte vorab definiert werden, was denn Glücksspiele sind! Für mich sind Glücksspiele Spiele, die vom Zufall abhängen (oft Karten oder Würfelspiele). Und ganz klar: nicht jeder Spieler der ein solches Spiel spielt, würde ich als "nass" bezeichnen. 
Also ich spiele mit meinen Kindern oft Kniffel (ein tolles Würfelspiel), ein Spiel, vornehmlich vom Zufall bestimmt, spiele es aber dennoch gerne und würde mich im Leben deswegen nicht als nassen Spieler bezeichnen. Doch wann ist ein Spieler nass, wann trocken? Gibt es hier eine klare Definition, eher nicht oder? Ich versuche mich mal anzunähern....
Ich würde einen Spielsüchtigen als "nass" bezeichnen, wenn er
  • um Einsätze spielt, vorwiegend Geld.
  • dabei einen Zwang entwickelt, die Kontrolle verliert und beginnt den Bezug zur Realität zu verlieren

Sind beide Punkte erfüllt, würde ich ein Glücksspieler als "nass" bezeichnen. Natürlich gibt es noch mehr Formen von Spielsucht (Computerspielsucht, usw), wo evtl nur Punkt 2 erfüllt sein muss.
Bei Poker geht es nunmal immer um Einsatz, wenngleich kein Geld direkt, aber dennoch würde ich hier immer abraten, das Risiko ist zu groß, warum überhaupt eines eingehen?
Jeder muss für sich selbst entscheiden, es gibt meiner Ansicht nach hier keine schwarz-weiß Definition hier...was für den einen bereits ein großes Risiko darstellt, ist für den anderen vielleicht gar nichts!

Hier gilt, jeder muss wissen, was ihm gut tut und was ein Risiko sein könnte, wichtig ist, dass man ehrlich zu selbst ist, einen klaren Weg einschlägt.

Habt ihr auch eine Definition parat??

Seid gegrüßt,

aT
Sag "JA" zum Leben!
 

Offline Fred

Re: Wann ist ein (Glücks)spieler eigentlich "trocken"?
« Antwort #1 am: 19.11.2019 07:27:07 »
Und ganz klar: nicht jeder Spieler der ein solches Spiel spielt, würde ich als "nass" bezeichnen. 

Das war auch nicht meine Aussage. Wenn es so verstanden wurde, war dies falsch.
Thema war ein Spielsüchtiger. Und ein Spielsüchtiger der Glücksspiele spielt, ist für mich "nass".
Ohne wenn und aber.

Das Geld spielt eine eher untergeordnete Rolle und wäre für mich keinesfalls ein Maßstab.
Die "Spieldauer" eines Glücksspiels ist ein wichtiger Suchtfaktor. Schrieb ich ja bereits.
Daher ist Kniffel sicher wieder so eine Grenzsituation ... selbst würde ich es nicht spielen, aber sicher nicht als Glücksspiel kategoriseren.

Wir sollten aber nicht dahin verfallen nun die absoluten Grenzfälle herauszustellen und in nass/trocken kategorisieren.

Hier ging es ganz konkret um Poker ...

Auch muss ich meiner Meinung nach als Süchtiger nicht die Kontrolle verlieren und schon gar nicht den Bezug zur Realität.
Ich kann dir sagen dass ich die letzten 10 Jahre meiner Sucht ziemlich kontrolliert spielen konnte.
Das ist Klischeedenken ... wie es oft angedeutet wird .... Alkoholiker ist der, der am Bahnhof in der Ecke liegt und nicht der "Weintrinker" der Zuhause allabendlich sein Fläschchen leert ...

Ansonsten ist (m)eine Definition falls man das so nennen kann bereits hier verfasst:
http://www.spielsucht-soforthilfe.de/index.php/topic,536.msg6789.html#msg6789

Und auch das ist nur gelerntes Wissen, übernommen von Personen denen ich allerdings zutraue dass sie wissen was sie verbreiten.
Zum Beispiel Prof. Kellermann der sein Leben für die Spielsüchtigen quasi hergab.
Der Kreis schließt sich erst wenn er vollendet ist !
 

Offline Jkler

Re: Wann ist ein (Glücks)spieler eigentlich "trocken"?
« Antwort #2 am: 20.11.2019 13:39:19 »
Oh ein schwieriges Thema,

Ich glaube in diesem Bereich gibt es sehr viele Grauzonen, wann jemand ein nasser Spieler ist.
Genauso wann ist jemand trocken? Klar wenn man sämtliche Spiele lasst, egal ob mit oder ohne Geld (Tocken usw), gehört man sicherlich zu den trockenen Spielern. Genauso würde ich sagen sobald es um Geld(real) Einsätze geht ist man "nass". Gut jetzt kann man beim Pokern sagen ich habe für die Chips kein Geld hinterlegt und bekomme auch keins dafür. Ja das ist solch eine Grauzone. Für mich persönlich hart an der Grenze. Auf alle Fälle egal welches Spiel, wenn ein Kontrollverlust vorliegt 100% nass. Wie gesagt schwieriges Thema und ich glaube, nicht auf jeden gleich anzuwenden.

Gruß Jkler
Wer Rechtschreibfehler oder ähnliches findet, darf sie behalten.🙈
 

Offline Jacky1

Re: Wann ist ein (Glücks)spieler eigentlich "trocken"?
« Antwort #3 am: 20.11.2019 21:07:38 »
Hallo,

Habt ihr auch eine Definition parat??

Es gibt etliche Möglichkeiten, gerade online, um Glücksspiele auch ohne Geldeinsatz zu spielen.
Auch hier verweilen etliche sicherlich Stunden an Stunden.
Was auch immer in ihren Köpfen vorgeht, von einer "Placebosucht" auszugehen könnte fatal sein.

Nehmen wir einen Raucher, einst qualmte er 60 Zigaretten am Tag, doch schon seit längerem nicht mehr.
Nun sind es "nur" noch 3 Zigaretten am Tag, ein Bruchteil seiner ehemaligen Dosis.
Er hat es scheinbar etwas im Griff, doch dies betrifft ja nur die Menge der Glimmstängel.
Ein Raucher bleibt er dennoch!

Jemand der an Sylvester eine Zigarre raucht ist kein Raucher.
Jemand der Abends sein Feierabendbier genießt kein Alkoholkranker.
Und jemand der zu seinem runden Geburtstag eine Linie Kokain schnupft kein Drogenkranker.

Nun gut, von der gefestigten fachlichen These ausgegangen, gibt es Suchterkrankungen die nicht heilbar sind.
Alkoholsucht:
Sich immer täglich ins Koma gesoffen, den Absprung aber endlich einmal geschafft.
Aber jeden Sonntag am Stammtisch ein kleines Pils, warum auch immer ?

Pathologisches Spielen:
Haus und Hof verwürfelt, mit viel Mühe dieses Verhalten aber beenden können.
Aber Texas Holdem immer Mittwochs mit Freunden spielen, um Smarties?
       
         
Fred hat geschrieben:
"Und ein Spielsüchtiger der Glücksspiele spielt, ist für mich "nass".
Ohne wenn und aber."


Liebe ehemalige nasse "Oberzocker", natürlich können wir uns auch gegenseitig in den Schlaf wiegen.
Abwägen bei jedem Einzelnen, ob man ihm halt nur sanft seine Eier krault.
Wir sollten uns eigentlich ja schon einig sein,
ein pathologischer Spieler sollte nicht mehr spielen, mit seinem Glück, mit sich selbst und schon gar nicht mit anderen Menschen.   
Was Fred geschrieben hat, beinhaltet keinen Spielraum...halt nur manchmal ein Tombola Los kaufen auf der Kirmes?
Aber im gleichen Atemzug zu seiner Frau sagen, einmal ist keinmal?

Ich könnte nun 50 Tage hier durchschreiben, oder einfach nur Fred zustimmen.
Ich entscheide mich einmal zum Letzteren!

Wer nun einmal in der erkrankten Definition gefangen, sollte dies auch nie vergessen.   

Tolle Beiträge von Euch, danke a.T für die Eröffnung dieses Themas.

Liebe Grüße   

       
 
Folgende Mitglieder bedankten sich: Fred