Autor Thema: Verlustkompensation  (Gelesen 190 mal)

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Offline Divinios

Verlustkompensation
« am: 25.10.2019 23:31:32 »
Hallo, ich habe am vergangenen Wochenende 1000 Euro verspielt. Ich weiß nicht, ob ich in dem Sinne spielsüchtig bin, dass mich das Zocken berauscht. Was ich feststelle, ist, dass ich den Drang verspüre, die 1000 Euro zurückzugewinnen. Sie mir ehrlich durch einen Zweitjob wiederzuverdienen, bringt meinem mentalen Frieden insofern nichts, da ich mir sage, dass ich das Geld, was ich dann verdiene, ja verdient und nicht gewonnen habe. Das heißt, ich würde meine Arbeitsleistung geben und dafür Geld bekommen. Das Geld wird also durch einen Gegenwert erarbeitet. Das Zocken habe ich aber durch Pech verloren. Auch wenn das vielleicht skurril klingt, aber ich würde es am besten schaffen vom Spielen loszukommen, wenn ich einen Gegenwert für das verzockte Geld fände. Wie gehe ich mit diesem Gedanken um? Kennt ihr so etwas?
Ich wollte einfach mal meine Situation schildern, vielleicht hat ja jemand einen Rat...

Gruß

Flo
 
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Offline Taro

Re: Verlustkompensation
« Antwort #1 am: 26.10.2019 00:22:44 »
 Moin Flo,

Herzlich Willkommen!

Ich weiß nicht wie alt du bist und ob Du das erstmal gespielt hast. Mal angenommen es war das erste Mal, dann wirst du sehr bald wissen ob du spielsüchtig bist oder nicht. Wenn du versuchst es zurück zu gewinnen dann bist Du es. Wenn Du es als Erkenntnis verbuchst wie leicht man in die Sucht abdriftet und nie wieder spielst, dann nicht.

Du hast Dir dann für die 1000 Euro diese Erkenntnis erkauft, ein wirklich günstiger Preis, glaube mir!

Taro
 

Offline Divinios

Re: Verlustkompensation
« Antwort #2 am: 26.10.2019 01:11:05 »
Danke für deine Antwort!

Kann man hier pauschal einen Zeitraum benennen, nach dessen Überschreiten ich sozusagen ungefährdet bin? Oder wäre so etwas unsinnig?
 

Offline Fred

Re: Verlustkompensation
« Antwort #3 am: 26.10.2019 09:15:42 »
Flo,

es ist goldrichtig dass du dich hier meldest.
Erst einmal herzlich willkommen.

Als ich klein war hatte ich schon Schwierigkeiten aufzuhören wenn ich "am Gewinnen"war und war verärgert wenn meine Schwestern nicht mehr mitspielen wollten.
Später fand ich Gefallen an Flippern und Telespielen. Danach ging es in die Spielhallen und Geldspielgeräte.
Das Spielen  machte Spass .. wenn man was verlor, war man verärgert, wenn man gewann fühlte man sich wie ein König.
Nur allzuoft kam der Gedanke, dass ich die Mascheinen "berrechnen" ...  ja "beherrschen" kann.
Ich war jung und Spielsucht ein Fremdwort. Das ist jetzt round about 40 Jahre her ...

Und daran dass ich dir hier schreibe, siehst du dass es ernsthafte Auswirkungen auf mein gesamtes Leben hatte.

Es gibt Menschen die spielen und hören wieder auf ... sind traurig dass das Geld weg ist und ärgern sich über sich selbst wie dumm sie waren.
Dem anderen Teil geht es genauso ... doch irgendwo hat das Spielen Spaß gemacht und der Verlust muss doch irgendwie wieder reinzukriegen sein.
Ein Teufelskreis beginnt ... oder nicht ? oder doch ???? Das Problem ist, niemand weiß es. Und bei uns allen hat es so oder ähnlich begonnen.
Viele von uns haben anfänglich etwas gewonnen ... einige auch nur verloren.
Es gibt keine großen Regeln bei dieser Krankheit.

Und Krankheit ist hier das Stichwort. Denn Spielsucht ist eine nahezu weltweit anerkannte Krankheit.
Und weißt du lieber Flo was das bedeutet ? Dass nicht du entscheidest ob du spielkrank bist oder wirst oder sondern die jeweiligen Gegebenheiten.

Eine "Grippe" verhinderst du halbwegs sicher, indem du niesende Menschen meidest ... sich daneben zu stellen und zu sagen "mir passiert" nix wäre dumm ... oder zumindest riskant.

Also, da du selbst merkst, dass es irgendetwas in dir bewirkt hat.
Welchen Ratschlag würdest du dir selbst geben ?
"Meide alle Spielmöglichkeiten und lass es sein ?"
Könnte es das sein ?

Könnte ... klar. Aber entscheiden tust du selbst.

Ein kleines reales Beispiel. Die Ehefrau eines Spielsüchtigen geht mit ihrem Mann mit um zu sehen, warum er so dumm ist ihr Geld zu verspielen.
Fand aus irgendwelchen idiotischen Gründen auch immer selbst Gefallen daran und meldete sich später als Spielkranke in diesem oder anderen Foren an. und schildere ihr Leidensgeschichte.

Flo ... niemand kann ich dich hineinsehen ...

Es gibt keine Formel für oder gegen Spielsucht. Die Anwesenden hier sollten dir aber Beleg genug sein dass es ein ernsthaftes Problem sein kann.
Meinem Leben hat es über 30 Jahre abgerungen. Ich wünschte mich hätte man damals so aufgeklärt wie es heute möglich ist.
Vielleicht hätte ich anders entschieden.

Denk drüber nach
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Offline Taro

Re: Verlustkompensation
« Antwort #4 am: 26.10.2019 09:33:07 »
Moin Flo,

ich habe dir absichtlich kurz geantwortet, dann kommt Deine Frage nach dem Zeitraum. Da springt mir entgegen, das Du sogerne noch einmal spielen möchtest. Fred hat Dir dann ausführlicher geantwortet. Weißt Du, es gibt Selbsttest und der ein oder andere Psychologe sagt Dir vielleicht ob er meint ob Du Spielsüchtig bist oder nicht. Letztlich kannst Du Dir die Frage nur selbst beantworten. Dein Wunsch nach dem Zeitraum und der Fakt das Du Dich hier angemeldet hast sagt schon viel darüber was Du glaubst. Nun auch wenn Du Spielsüchtig bist. Ganz am Anfang ist es einfacher die Reissleine zu ziehen als nach 30 Jahren.

Wähle klug.

Taro
 

Offline Divinios

Re: Verlustkompensation
« Antwort #5 am: 26.10.2019 11:34:33 »
Vielen Dank für eure Zeit...

Ich merke, dass ich vor allem ein Schuldgefühl habe, 1000 Euro verspielt zu haben. Auf der einen Seite habe ich gelesen dass es typisch Spielsucht ist, Verluste kleinzureden. Auf der anderen meine ich dass es mir helfen würde die 1000 Euro als Bagatelle zu verstehen, damit mich das Schuldgefühl nicht so plagt. Kann ich das das denn? Ich weiß gerade einfach nicht ob das ein schlimmer Verlust ist oder nicht? Darf man hier über sein Vermögen sprechen oder kommt das nicht gut? Ich sage einfach mal dass ich noch Azubi im 3. Lehrjahr bin und jetzt nach dem Verlust noch 4800 Euro auf dem Konto habe. Mein Nettogehalt ist 830 Euro. Ist das ein Grund für Schuldgefühle? Normalerweise lege ich jeden Monat bis zu 500 Euro zurück. Wenn ich vor ein paar Monaten nicht ziemlich viel in sinnvollere Sachen als Zocken investiert hätte (^^'), wäre ich schon bei 10000. Ich wohne noch bei meinen Eltern.
 

Frank

  • -
Re: Verlustkompensation
« Antwort #6 am: 26.10.2019 11:55:35 »
Hey

Willkommen...


So fäng eine Sucht an.

Akzeptiere einfach den Verlust und hack es als Lehrgeld ab. Wenn du jetzt weitermachst , wirst du in der Sucht landen.
Viele hatten wie du eine schöne Summe angesparrt und haben dann über die Jahre es verspeilt. DAs geht ganz schnell.
Du hast nur für den Moment Spaß am Glücksspiel.

Jahre später wenn alles weg ist, hast du garnichts mehr davon.

Nur für Spaß, Spannung und Adrenalin soviel Geld ausgeben.

Ich habe auch den Fehler gemacht, war immer sehr sparsam habe alles zur Seite gelegt.

Dann kam meine Spielerzeit, obwohl ich oft was gewonnen habe, war trotzdem irgendwann alles weg.

Und hat es sich gelohnt?

Ich sage dir ...

Nein hat es nicht
 
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Offline Fred

Re: Verlustkompensation
« Antwort #7 am: 26.10.2019 12:23:07 »
Auf der anderen meine ich dass es mir helfen würde die 1000 Euro als Bagatelle zu verstehen, damit mich das Schuldgefühl nicht so plagt.

Verstehe es als ganz großen Verlust. Mehr als ein Monatseinkommen.
Akzeptiere dies. Es ist KEINE Bagatelle .. es waren EINTAUSEND Euro.

Wenn es dir hilft, denke dir du hättest einen neuen Fernseher für 1000,- gekauft und beim Aufstellen ist er dir aus der Hand gerutscht.

Schuldgefühle musst du nicht haben. Es war dein Geld und im Grund steht es dir frei, was du damit machst.
Eine Nacht in einem netten Bordell kann auch schonmal 1000,- Euro kosten.

Sag dir einfach "ich hatte nen geilen Abend und mal richtig was auf den Kopf gehauen" ... und gut und aus ...

Tappe nicth in diese Falle, dass du das Geld zurück haben *musst*. Weder mit Extraarbeit noch mit Spielen.
Dein Hirn beginnt bereits dich zu manipulieren ...
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Offline Jacky1

Re: Verlustkompensation
« Antwort #8 am: 26.10.2019 12:32:28 »
Hallo Divinos und auch von mir ein herzliches Willkommen,

Du bist in einer Ausbildung verdienst 830 € und "normalerweise" schaffst Du es jeden Monat 500 € anzusparen.
Ich bin absolut begeistert von Dir.

1000 € zu verlieren ist eine Menge, sicherlich nicht nur für Dich.
Aber weißt Du was noch viel mehr ist ?
Deine angesparten 4800 € !!!

Divinos, Du kannst Deine verlorenen 1000 € wieder zurück gewinnen, ist irgendwo auch möglich,sicherlich.
Ganz bequem und relaxt, da sitzen etwas hoffen und den Gewinn einstreichen.
Hey, wie wäre es denn gleich noch eine ganze Menge dazu zu gewinnen ?
Da machst Du am besten gleich Deine 10 000 voll!
An einem Glückspilz hat sich noch keiner den Magen verdorben.


Und Deine Schuldgefühle wandeln sich in Wohlbehagen....Pustekuchen.
Hier geht es ja nicht um einen Lottoschein für einsfünfzig, mein junger Freund.
Du wirst schon etwas mehr riskieren müssen und denkst Du wirklich, selbst bei einem Gewinn....
dann keine Schuldgefühle zu haben ?
Schon wieder solch ein Risiko eingegangen zu sein ?
Alles zu riskieren...sein Leben?

Ein Handwerker, Kaufmann, Busfahrer, Bäcker oder irgendein Azubi bekommt für seine Arbeit seinen Lohn.
Ehrlich,strebsam,vernünftig und kann sich daran aufbauen, Selbstachtung und Anerkennung.
Ein Glücksspieler, was soll das sein ? Interessiert keine "Sau".

Du bist jung und voller Potential, so viel Energie. Das verlorene Geld kompensierst Du locker wieder.

Falls aber, es Dich eh wieder zum Spielen zieht, dann werden Schuldgefühle nicht das einzige Problem sein.
Passe da bitte sehr auf Dich auf.

Absolut Klasse, dass Du hier geschrieben hast, auch davon bin ich begeistert.
Konzentriere Dich auf wesentliche Dinge, auf Dich!
Und nicht mehr auf eine lumpige Chance, bei Der Du viel mehr verlieren kannst, als jemals zu gewinnen.
 

Liebe Grüße 
 
Jürgen, 53 Jahre, Spielsüchtig, Spielfrei seit 3 Jahren.
         
 

 

             
 
« Letzte Änderung: 26.10.2019 12:57:29 von Jacky1 »
 

Offline Jkler

Re: Verlustkompensation
« Antwort #9 am: 26.10.2019 13:30:02 »
Hallo und herzlich willkommen auch von mir.

Ich denke dein Gehirn arbeitet schon Richtung Spielsucht. Wiederholen von Verlusten ist ein typisches Anzeichen von Spielsucht.
Wie soll das passieren das wiederholen? Mit 500€ Einsatzgeld? Super. Und wenn das auch weg ist Holst du mehr um wenigstens die 500€ wiederzugewinnen? Dann kommt der Gewinn mit vllt 800€. Dann spielt man weiter, den Rest möchte man ja auch wieder haben und am Ende des Tages steht mehr minus wie Morgens. Das ist Spielsucht im vereinfachen Sinne.

Aber was würde dagegen sprechen egal ob du süchtig bist oder nicht. Hilfe anzunehmen? Hier geschrieben hast du ja schon. Vllt gehst du Mal in eine Suchtberatung, sie kostet nichts und wenn du nicht spielsüchtig sein solltest schadet es dir aber auch nicht.

Ich hab Mal bei 40k € aufgehört weiter nachzurechnen welchen Verlust ich erlitten habe. Mittlerweile ist es egal. Viel schlimmer war das verspielte Vertrauen meiner Familie und die verlorene Zeit.

Hört sich alles super schlimm an wie wir es da stellen?

Ist es auch glaube es uns.

Deswegen nutze deine Chancen
Kopf Jkler
Wer Rechtschreibfehler oder ähnliches findet, darf sie behalten.🙈
 

Offline Taro

Re: Verlustkompensation
« Antwort #10 am: 26.10.2019 23:07:08 »
Moin Flo,

Ich war 23 Jahre alt, ging fast täglich ins Casino, spielte um hohe Summen. Da kam ein Mann auf mich zu, erzählte mir seine Lebensgeschichte. In Kurzform mittelständisches Unternehmen verzockt, Sozialhilfe und zockt immer noch. Ich versicherte ihm mein bedauern und ging wieder an die Spieltische. Am nächsten Tag sah er mich, ging auf mich zu, schrie mich an, ob ich nichts verstanden hätte ich solle abhauen und hätte dort nichts zu suchen. Die Saaldiener kamen dazu und beruhigen Ihn, ich hatte richtig Angst, aber nichts verstanden. Später verstand ich das er mich tatsächlich schützen wollte.

Für mich ist nicht wichtig, was jemand schreibt, für mich ist wichtig welches Gefühl ich beim Lesen habe. Oft verstehe ich dann etwas was da überhaupt nicht steht, für mich aber ganz deutlich ist. Das hat schon oft zu Unmut geführt. Deine Beiträge lösen bei mir die Erinnerung an meine Geschichte aus.

Du kannst natürlich alles an Beratung und SHG in Anspruch nehmen. Wenn Du weiter spielst solltest Du es dringend.

Mein Gefühl sagt aber ganz laut, Dreh dem Glücksspiel den Rücken zu, Lauf und schau nie mehr zurück.

Taro