Autor Thema: Die Sucht ist vorbei!  (Gelesen 625 mal)

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Offline Cosmos1988

Die Sucht ist vorbei!
« am: 01.01.2019 21:59:59 »
Es ist aus. Ich werde nie mehr spielen. Nie wieder. Es war ein düsteres schreckliches fürchterliches Kapitel. Aber dieses Kapitel ist abgeschlossen. Ich habe meinen Account abgeschaltet und werde jetzt mittels Autosuggestion dafür sorgen dass ich nie wieder auf die Idee kommen werde, Sportwetten zu machen. Dass ich nie wieder dazu verführt werden kann, Sportwetten zu machen. Ich sage mir nicht, dass ich nie wieder um Geld spielen werde. Aber das Thema Wetten und Casino ist gestorben. Aber ganz sicher. Ich brauche keine Therapie mehr, alles was es braucht ist ein Willensakt. Es geht nur um den Willen. Es braucht keine Medikamente, oder keine teure Therapie. Ganz Innen von da muss der Entscheid kommen. Ansonsten ist eine monatelange Therapie umsonst. Ich habe realisiert, dass ich meine ganze Persönlichkeit umkrempeln muss und alles infrage stellen muss, alles. Anders gehts nicht. Ich bin durch die Hölle gegangen, ich habe viel Mist gemacht. Es gibt soviele Fragezeichen, Wieso das alles? Warum hab ich mir das angetan? Aber die Vergangenheit lässt sich nicht mehr ändern. Man muss lernen aus der Vergangenheit.

Von einer so starken so abgrundtief bösartigen heimtückischen dunklen Sucht loszukommen ist eine Herkulesaufgabe. Deshalb braucht es einen HERKULES-WILLEN um nie wieder verführt zu werden. Um ENDGÜLTIG von dieser Bestie loszukommen.
 

Jacky1

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Re: Die Sucht ist vorbei!
« Antwort #1 am: 01.01.2019 23:19:59 »
Hallo Cosmos1988,

viel Kraft und Wut ist zu spüren in Deinem Beitrag.
Doch Vergangenheiten sind sehr wohl zu ändern, nämlich im Empfinden jener Geschehnisse.
Bzw. im Umgang damit....und in einigen Jahren auch spürbar.

Ich halte es für nicht so gut zu trennen, von der Sucht und uns selbst.
Der Träger ist doch eigentlich auch der Verursacher, es wurde doch nur etwas in Gang gesetzt was schon immer da war.

Ja es geht nur über den Willen, wie man ihn letztendlich gestaltet ist nicht so wichtig.
Ohne Autosuggestion wäre ich eh nicht mehr da, nicht nur Ziele kann man damit eher erreichen.
Sondern auch den Glauben an sich selbst zu stärken.

Liebe Grüße   
 
 
.

   
 

Olli

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Re: Die Sucht ist vorbei!
« Antwort #2 am: 02.01.2019 11:56:28 »
Ein frohes Neues!

Mensch Cosmos ... ganz ehrlich ... nicht böse sein ... was für ein HERKULES-Schwachsinn Du doch da von Dir gibst.

Es ist ja nicht so, als könnte ich das nicht verstehen ... so viel Wut, Verzweiflung, Selbsthass und noch so Vieles mehr steckt da in Deinem Beitrag.

Und jetzt nehmen wir das Alles mal weg und schauen uns den Beitrag rein rational an.
Bist Du dabei?
Dann fange ich mal an ...

Zitat
Ich habe realisiert, dass ich meine ganze Persönlichkeit umkrempeln muss und alles infrage stellen muss, alles.

Wie heisst es doch so schön: Was Mäxchen nicht gelernt hat, das lernt Max nimmer mehr!
Was bedeutet das?
Du kannst nicht Deine Persönlichkeit umkrempeln - ein "anderer" Mensch werden.
So kannst Du immer nur auf das zurück greifen, was bereits in Dir ist.

Hier legte Herr Dr. Kargerer auf einem Seminar auch unwahrscheinlich viel Wert darauf dies den Teilnehmern - außer mir allesamt professionell in der Suchthilfe unterwegs - zu verdeutlichen.
In der Therapie werden Deine Stärken und Schwächen erkannt - sie werden Dir "offenbar", sodass Du die Schwächen akzeptieren und anders damit umgehen und die Stärken eben stärken kannst.

Schau - Du bist hier, um Dir Hilfe zu suchen. Ist dies nicht auch genau eine dieser Stärken, die uns in die Wiege gelegt wurden?
Ist Dir das bisher "bewusst" gewesen?
Na klar - es steckte in Dir - Du hast es ohne groß zu überlegen einfach angewandt.
Hat dieses "Bewusstsein", Dir Hilfe suchen zu können, jetzt einen anderen Menschen aus Dir gemacht?
Quark ... nicht wahr?

Ich versuche gerade eine Deiner "Stärken" in Dir hervor zu heben.
Ist das schlecht oder eher gut?

Eine der Behandlungsmethoden des Herrn Dr. Peter Kargerer beruht auf den "5 Säulen der Identität" nach Petzold.

Die wären:
1. Körperlichkeit
2. soziales Gefüge
3. Arbeit und Leistung
4. materielle Sicherheit
5. Werte

Damit lässt sich Vieles beschreiben. Ich möchte jetzt aber nicht auf jeden einzelnen Punkt eingehen, es geht mir dabei nur um das Prinzip.

Also - Stelle Dir einfach mal vor, dass jede dieser Säulen bei jedem gefüllt ist - mal mehr und mal weniger.
Alle Säulen liegen sinnbildlich nun nebeneinander und durch alle verläuft horizontal eine imaginäre Linie, die die "Normalität" wiederspiegelt - eine ausgeglichene Identität.
Jetzt sind wir ja alle Individuen und bei dem Einen gibt es in einer Säule mehr Inhalt, als bei einem Anderen. Zusätzlich verändern sich die Füllstände im Verlaufe eines Lebens.
Mir fällt da als Vergleich die Anzeige eines Synthesizers ein - nur eben vieeeeeel langsamer.
Trotz der Unterschiede können die verschiedenen Füllstände doch einen ausgewogenen Klang ergeben - also eine ausgewogene Identität.

Bei uns ist das anders - da sind ein - zwei - drei - wie viele auch immer - "Klänge" drin, die die "Musik" scheisse klingen lassen.

Da picke ich mir gleich mal die "Körperlichkeit" bei mir heraus - schlechte Augen/Brillenträger seit der Grundschulzeit - Möglichkeit der Unfruchtbarkeit/Unterleibs-OP in der Kindheit.
Das hat in meiner Kindheit und im Teenageralter zu so manchen Komplexen in meinem Selbstwert geführt.
Mein "soziales Gefüge" hat dies nicht mit mir aufgearbeitet. In diesem Thema war es bei mir also gar nicht existent.

Da haben wir also schon mal zwei Punkte von unwahrscheinlich vielen möglichen, die zwei der Säulen betreffen.

Wenn ich mir jetzt Deinen Erguss über den Willen anschaue, dann versuchst Du ohne auf die Defizite in den anderen Säulen zu schauen, diese mit "Arbeit und Leistung" zu kompensieren.
Wille und Durchhaltevermögen sind zwar wichtig und auch gefragt - aber das ist längst nicht alles.

Habe ich jetzt Dein Weltgefüge ins Wanken gebracht? Wohl kaum - oder?
Du bist immer noch der selbe Mensch.

Suche Dir unbedingt nun Hilfe vor Ort - weite Deine Stärke aus.
Du wirst schon sehen, Du wirst nicht zerfleischt.
Gebe einen Vertrauensvorschuss - an die, bei denen Du Hilfe suchst und vor Allem an Dich selbst.

Du bekommst das hin - allen Ängsten zum Trotze.

Oder soll das Karussel sich weiter drehen? Ich hoffe doch nicht ...

Weisst Du eigentlich, was der "Wille" alles beinhaltet? Schlage mal nach ... Der funktioniert nur im Zusammenspiel mit den anderen Säulen.
 

Offline amTiefpunkt

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Re: Die Sucht ist vorbei!
« Antwort #3 am: 07.01.2019 06:17:07 »
Moin Cosmos,

schön, mal wieder was von dir zu lesen. Im Herbst vorletzten Jahres hast du folgendes geschrieben:
Zitat
Aufgrund eines Rückfalls hab ich keine andere Option mehr als eine Selbsthilfegruppe zu suchen, um Kontakt mit anderen Betroffenen zu haben
Bist du hier aktiv geworden, hast dich mit anderen Suchtkranken ausgetauscht?
Das war meines Erachtens ein guter Ansatz. Lernen, mit seiner Sucht zu leben ohne sie auszuüben, ist das Geheimnis. Dafür wird aber eine Account Löschung und ein "Herkules-Willen" nicht ausreichen! Hole dir Hilfe und mach es nicht alleine mit Dir aus!

Gruß, aT
Sag "JA" zum Leben!
 

Offline Cosmos1988

Re: Die Sucht ist vorbei!
« Antwort #4 am: 11.02.2019 01:37:57 »
danke für eure Antworten. Es ist in der Tat viel Wut in mir drin. Diese Wut hat nicht nur mit dem Spielen zu tun. Der Säulen-Vergleich von Olli kann einiges erklären, es sind bei mir viele Säulen schwach. Auch wenn mein Text etwas überspitzt formuliert ist, so stehe ich hinter jedem Wort. Ich denke mal die Sucht ist nur ein Symptom für etwas Anderes, ein Defizit/Schicksalsschlag oder irgendwas. Aber meine für mich ausgemacht zu haben warum ich in den ca. 10 Jahren immer wieder gespielt habe. Ich sehe mich zum jetzigen Zeitpunkt was die Spielsucht anbelangt als geheilt an. Ich habe auch 0 Suchtdrang. Ich habe erkannt warum ich gespielt habe. Ich habe mich von Aussen erkannt, dieser tiefliegende Grund, der Grund allen Übels ausgemacht. Es war Schwäche. Ich war immer ein Opfer, schwach. Und schwache Menschen werden zu Opfern gemacht. Wenn nicht von Anderen, dann durch sich selber. Man fügt sich selber Leid zu. Starke Menschen machen sowas nicht. Menschen die innere Stärke haben kommen nicht mal auf die Idee zu spielen, ja vielleicht mal zum Spass. Aber sie laufen nie gefahr süchtig zu werden, weder Drogen noch Alkohol oder Spielsucht. Denn jeder weiss ja dass Spielen zwangsläufig zum Verlust führt. Derjenige der schwach ist, der spielt dann aber immer weiter, nicht etwa weil er gewinnen will, sondern weil er unterbewusst sich selber schaden will. Denn er ist ja schliesslich ein Opfer.

Es mag bei jedem andere Gründe geben warum man spielt. Bei mir war Schwäche immer der Hauptgrund da bin ich mir sicher. Deshalb habe ich keine Angst dass ich je wieder der Sucht verfalle weil bei einem Rückfall erkenne ich dann automatisch dass ich wieder schwach bin und in eine Opferrolle komme. Ich werde keine Spielsucht-Therapie machen. Aber eine Selbsthilfe-Gruppe wäre gut auch um anderen helfen zu können.

@Olli: Ich glaube schon, dass man seine Persönlichkeit ändern kann. Nicht komplett aber je nach Mensch ist das wahrscheinlich unterschiedlich aber denke schon dass gewisse Menschen sich sehr verändern können im Laufe des Lebens. Und vielleicht ist die Sucht wie ein Test, der ultimative Test quasi.

Man kann sicher stolz sein wenn man diese Herausforderung geschafft hat. Und man kann sicher auch vieles draus lernen.