Autor Thema: Meine Geschichte / Ich spiele nicht mehr mit  (Gelesen 10201 mal)

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Offline Jacky1

Re: Meine Geschichte / Ich spiele nicht mehr mit
« Antwort #60 am: 19.12.2019 19:49:54 »
Brauche eure Einschätzung von ehemaligen Spielern.

Gestern stand er vor meiner Tür mit Sachen die ich angeblich vergessen hatte.
Ich bin runter an die Tür, danach geschrieben und heute auch.

Gestern sagte er, er hätte 6 Monate nicht gespielt und hätte sich daher auch nicht getraut um mich zu kämpfen usw.

Heute dann als ich gefordert habe das er ehrlich ist (ein anderes Thema) offenbarte er mir das er am 15. Dezember gespielt hätte.
Hintergrund ist das ich am 15. Dezember letztes Jahr (1 Tag vor seinem geb) ausgezogen bin.
Das hätte ihm zugesetzt jetzt am 15. Dezember.

Kann ich das glauben mit "nur der 15. Dezember" oder glaubt ihr er war die letzten 6 Monate gar nicht spielfrei?

Immerhin hat er nach meinem Auszug sehr sehr viel gespielt.

Danke für's lesen.

Lg

Hallo Hestia,

nach Deinen letzten Beiträgen doch etwas verwundert, würde es denn noch eine Rolle spielen für Dich, ob er lügt oder auch nicht ?

Dennoch meine Antwort, es ist die eines Spielkranken.
Wo kämen wir alle hin, wenn wir nicht glauben würden was engere "Vertraute" an uns heran tragen.
Mit der Ausnahme, dass jener ja eh schon 100 mal gelogen hat und zwar auf immer wieder die selbe Frage.
Am 15.12 zuletzt gespielt zu haben und dies damit entschuldigend zu begründen, es wäre halt der Jahrestag Deines Auszuges gewesen.
Genau dieser Umstand entwertet doch alles zukünftige!
Das einzig positive dabei, dass er gestand an diesem Tag gespielt zu haben.
Ohne ihn zu kennen und es ist mir auch egal, selbst dies glaube ich nicht.

Jeder hat eine zweite,dritte, vierte...Chance verdient, keine Frage und man kann sich ändern.
Nun nur nochmal zu erwähnen, spielkrank bleibt er ja dennoch.
Dein Vorteil ist es aber zu wählen......

Er kommt ja nicht gerade gut weg hier und steht eh in der Kritik.
Dies läge aber daran, eben Deine Berichte hier gelesen zu haben.
Die Spielsucht kann man in den Griff bekommen, auch er.
Andere Dinge aber.......

Grüß Dich lieb



     
 
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Offline MiLu

Re: Meine Geschichte / Ich spiele nicht mehr mit
« Antwort #61 am: 20.12.2019 00:15:44 »
Liebe Hestia,

die Frage ist doch: was fühlst Du? Deine Intention ist Dein bester Freund! Egal, ob er gestern oder vor 5 Monaten zocken war.... egal wie oft! Du warst nie der Anlass, auch Dein Auszug nicht! Das war nur die nötige Folge... er muss nun entscheiden, wohin sein Weg führt! Das ist nicht Deine Aufgabe! Keiner hat die Kontrolle immer über alles, auch übervsich selbst nicht. Aber Du hast die Entscheidungsgewalt für Dich! Bleibe bei Dir.... bei all der Empathie. Er kann es packen, jedoch hängt das nicht an Dir!

Ihm und Dir alles Beste

MiLu
.....continued.....
 
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Offline amTiefpunkt

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Re: Meine Geschichte / Ich spiele nicht mehr mit
« Antwort #62 am: 20.12.2019 07:39:40 »
Moin Hestia,

niemand kann von außen in einen Menschen hineinsehen, schon gar nicht virtuell, jedoch ist sein Verhalten schon ein wenig makaber. Dich als Grund für einen etwaigen Rückfall (ich glaube nicht, dass er jemals in dieser Zeit trocken war, aber dieser Umstand ist ungewiss) zu spielen, bedarf keiner Worte.
Lass dir kein schlechtes Gewissen machen, er wird immer einen Grund für das Spielen haben, solange er nicht erkennt, dass er bei sich selbst suchen muss, wird sein Weg zum Scheitern verurteilt sein.
Aber lass dies nicht mehr zu deinem Problem werden, er hatte nun genug Zeit Maßnahmen zu treffen, Suchtberatung, Therapie und piepapo, am Ende zählen keine Versprechungen, Worte und Lügen, sondern nur die Taten!

Grüß Dich,

aT
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Offline Hestia

Re: Meine Geschichte / Ich spiele nicht mehr mit
« Antwort #63 am: 20.12.2019 07:47:11 »
Danke ihr Lieben für eure Antworten.

Nein, ich gebe mir nicht die Schuld. Ich hab mir das nur angehört und hinterher mich einfach gefragt ob das der Wahrheit entspricht.
Weil ich irgendwo schon das Gefühl habe das egal was er sagt er lügt.

Im Sommer vor dem Kontaktabbruch hieß es ja auch einmal er würde nochmal eine stationäre Therapie machen, das konnte ich ihm schon nicht so glauben, und nachdem ich dann weg war hat er ja wohl auch keine gemacht sonst wäre dass das erste gewesen was er vorgestern erwähnt hätte.

Jedenfalls meinte er gestern aber quasi er hätte halt am 15. den Rückfall gehabt und Montag gleich die suchtberatung aufgesucht.
Fühle mich als würde er das sagen weil er weiß das ich sowas wohl hören möchte, aber auch das kann ich ihm nicht wirklich glauben.

Ja wenn du es so hören möchtest milu denke ich sagt mir mein Gefühl das dies wieder nur geligen ist, er denkt er war ehrlich zu mir in dem er ein Rückfall gesteht und mir dann sagt das er sich ja aber Hilfe sucht.

Nur war er mit seinen Worten bereits immer schon besser als mit wirklichen Taten...

Lg und danke nochmal für Eure Rückmeldungen.
 
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Offline Hestia

Re: Meine Geschichte / Ich spiele nicht mehr mit
« Antwort #64 am: 21.05.2021 21:22:43 »
Hey ihr Lieben,

Ein kleines Lebenszeichen von mir.

Ich schaue nicht mehr oft rein, da ich irgendwann einen Abstand zu diesem Thema brauchte.

Jedoch muss ich mich nochmal zu Wort melden.
Ich bekomme mit wie den Angehörigen immer geraten wird das sie nach sich schauen sollen, das ist gut und richtig.

Leider fällt mir auf, mich damals eingeschlossen, das dieser kleine Satz von Angehörigen immer überlesen wird.
"Ich hab ne Wohnung, zu essen, Arbeit etc" ich kümmer mich doch eh schon um alles, worum denn noch.

Daher mein Appell:
"SCHAUT NACH EUCH, KÜMMERT EUCH UM EUCH"
Soll nicht heißen das ihr den Partner links liegen lassen sollt. Nein, aber vergesst nicht euch selber. Thema ACHTSAMKEIT.

Der Fokus ist so darauf ausgerichtet das der Partner nicht mehr spielt, das man sich selber komplett verlieren kann.

Wie einige Spieler schon sagen "wenn man spielen will , tun sie dies, ob das den Angehörigen passt oder nicht".

Daher nochmal "Kümmert euch im Sinne von Selbstfürsorge" um euch.
Seid für euch da, bucht euch eine Massage, lest ein Buch, bucht den Urlaub wenn ihr mal raus müsst oder oder oder.

Ich habe das nicht getan, mich so extrem in dieser Materie verloren das ich komplett den Zugang zu mir und meinen Bedürfnissen verloren habe.

Vertraut eurem Körper, er schickt euch Signale ob eine Situation komisch ist oder nicht (Bodyscan ist eine gute Übung um einen Zugang zum Körper zu bekommen).

Bitte bitte nehmt euch das zu Herzen, das gilt für alle. Nicht umsonst heißt es im Flugzeug immer das man erst sich selber die Maske und dann den anderen Menschen aufsetzen soll.
Denn wie soll man jemandem helfen wenn man selber erschöpft ist?

Und vll achtet ihr mal drauf, aber die meisten werden ihr Handy in der Regel auch bei spätestens 25-30% Akku laden weil sie wissen dass das Handy sich bald ausschalten wird.
So, im übertragenen Sinne ist es auch mit uns Menschen.

Ihr könnt den Partner Unterstützen wenn nötig, aber retten muss er sich selber.
Also helft, indem ihr euch, um euch selber kümmert, denn auch das wird niemand sonst übernehmen.

Macht's gut, seid gut zu euch.

Eure Hestia
 
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Offline Jacky1

Re: Meine Geschichte / Ich spiele nicht mehr mit
« Antwort #65 am: 21.05.2021 23:08:20 »
Hallo Hestia,

zuerst einmal erwähnt:
Angehörige bleiben meist nicht nur länger aktiv in diesem Forum, sondern melden sich auch nach der Zeit öfters einmal wieder.
Im Vergleich zu einer Handvoll Spieler, die Anderen berichten meist sehr wenig, gar nicht oder halt nie mehr wieder.
Diese inoffizielle Statistik könnte ich hier auch belegen.
Dies wirft dann auch jenes Bild der breiten Masse, welches man von Spielsüchtigen auch erwarten könnte.

Du hast jetzt nichts von Dir berichtet, daher hoffe ich sehr es geht Dir gut.
Und es hat ein ganz anderes Gewicht, wenn eine Angehörige aus Ihren Erfahrungen berichtet als ein pathologischer Spieler dieses versucht.

Und ja, Angehörige haben es allemal verdient, Abstand zu diesem Thema zu halten.
An erfahrenem Leid sollte niemals festgehalten werden!

Grüß Dich, von ganzem Herzen.
 

Offline amTiefpunkt

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Re: Meine Geschichte / Ich spiele nicht mehr mit
« Antwort #66 am: 06.06.2021 10:27:01 »
Hallo Hestia,

danke für diesen tollen Beitrag!

Zitat
Daher mein Appell:
"SCHAUT NACH EUCH, KÜMMERT EUCH UM EUCH"
Soll nicht heißen das ihr den Partner links liegen lassen sollt. Nein, aber vergesst nicht euch selber. Thema ACHTSAMKEIT.

Es ist so wichtig und es kann eigentlich nie oft genug betont werden. Nicht umsonst gibt es das Sprichwort:
"Liebe macht blind!" (Co-Abhängigkeit übrigens auch)
Es ist sehr schwer diesen Spagat als Angehöriger eines Spielsüchtigen hinzubekommen, aber so sehr vonnöten!

Ich wünsche dir nur das Beste!!!

Grüße,

aT
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Offline JJ

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Re: Meine Geschichte / Ich spiele nicht mehr mit
« Antwort #67 am: 30.09.2021 11:35:45 »
Hallo Hestia,
da hatte wohl jemand eine gute Idee, Deine Story zu fixieren!!
Schon dein erster Beitrag trifft bei mir ins Schwarze. Ich sehe mich und meinen Mann darin zu 100% wieder. Diese Dauer-Lügerei/Manipuliererei. Es fehlen einem einfach die Worte!!
Ich gebs zu, ich mußte dann nach 2 Seiten spoilern und zu Deinem neuesten Beitrag vorblättern. Dort endlich die Antwort auf die Frage "Wie geht nicht-Co-abhängiges Verhalten?" Was für eine Erleichterung, ich scheine auf dem richtigen Weg zu sein!!! Habe letzte Woche einen MBSR-Kurs mit Achtsamkeitstraining gestartet (Ist das Zufall?) und eine Massage bei Chris gebucht. Das also ist der richtige Weg, ja???
Außerdem gehe ich morgen allein mit meinen Kindern in den Freizeitpark. Mein Mann kann schön arbeiten gehen und sein verzocktes Geld wieder reinarbeiten. Ein bisschen Teufel steckt ja in mir auch drin!!!
Ich sende Dir liebe Grüße und Danke für Deine Geschichte!!!
JJ