Autor Thema: Meine Geschichte / Ich spiele nicht mehr mit  (Gelesen 5254 mal)

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Offline Hestia

Meine Geschichte / Ich spiele nicht mehr mit
« am: 26.11.2018 18:39:20 »
Hallo,

ich möchte euch gerne meine Geschichte erzählen. Warum fragt ihr euch?
Ganz einfach, als ich noch keine Ahnung hatte, was Spielsucht bedeuten kann, war es für mich wichtig viele Informationen zu erhalten. Leider ist diese Sucht noch ein Tabu-Thema. Niemand möchte sagen das er/sie mit einem Spielsüchtigen zusammen ist und alles was damit zusammen hängt.
Ich möchte das Angehörige, welche Informationen sammeln, genau wie ich damals, vielleicht etwas aus meiner Geschichte für sich mitnehmen können. Wie mit diesen Informationen dann umgegangen wird, bleibt jedem selbst überlassen.
Ich möchte auch nicht sagen "trennt euch, der oder die jenige tut euch nicht gut", das muss jeder für sich wissen, aber ich weiß wie es ist wenn man Informationen sammelt.

Wie ihr schon erkennen könnt, dies wird keine "Happy-End" Story.
Bis vor geraumer Zeit dachte ich dies jedoch. Ja ich dachte immer das wir irgendwann dieses Paar sein werden, welches sagen kann "seht her, es war ein sehr langer und steiniger Weg, doch wir haben es geschafft". Nein, die Blase ist geplatzt und die geballte Wahrheit / Realität liegt vor meinen Augen. Der Nebel ist sich am lösen und ich werde nicht mehr Teil des Spiel's sein.

Aber nun möchte ich gerne erzählen wie alles kam.

Kennengelernt und zusammen gekommen sind wir 2013.
Zusammengezogen 2014. Hier fing es bereits an das sich ab und an mein Bauchgefühl bei seinen Geschichten meldete. Es war nie etwas schlimmes, aber doch irgendwie immer etwas wo ich dachte "komisch irgendwie hatte er das doch vor XY Tagen noch etwas anders erzählt"
Anfang 2015 fand ich heraus das er Spielsüchtig ist.
Anfangs wollte er keine Therapie machen, entschloss sich dann doch dazu.
Ich sagte oft er solle das nicht für mich, sondern für sich machen. Ich denke ihr wisst alle, was man da für eine Antwort erhält (ja er mache das nur für sich, er wolle selber nicht mehr spielen)
Ende 2015 bis Februar 2016 war er also in stationärer Therapie und ich hatte wieder Hoffnung.

Danach folgte eine schwere Zeit. Jeder sagte mir das ich immer mit einem Rückfall rechnen musste. Ich machte mich schlau im Internet, recherchierte, denn ich wollte auf alles gefasst sein. Aber was soll ich sagen? Keiner kann dich wirklich, auf das was kommen kann, vorbereiten. Natürlich kann man recherchieren womit man rechnen muss (verhaltensweisen etc.), und das mag ja alles gut sein, aber letztendlich ist man in der Situation immer auf sich selber gestellt.

Über kurz oder lang hatte er also immer in ca. Abständen von 6-8/9 Monaten immer wieder Rückfälle. Immer wieder wurden Versprechungen gemacht und Luftschlösser gebaut.
Nachdem er  ende 2017 wieder einen hatte und wieder Angst hatte, ich würde ihn verlassen beantragte er eine Ambulante Therapie und ging dort ab Februar 2018 hin.

Ich kann gar nicht genau erläutern wie der Verlauf oder das Verhalten war.

Ein Problem ist ja, ich hatte bereits vieles versucht in der Vergangenheit.
Kontrollierte ich ihn zu viel bekam ich dies zum Vorwurf gemacht.
Kontrollierte ich ihn nicht mehr (um ihm den Druck nehmen zu wollen) bekam ich das ebenfalls zum Vorwurf gemacht.
Seine Worte damals "Ja natürlich ist es anstrengend wenn du mich kontrollierst, aber ich glaube irgendwo brauche ich das auch".

Also versuchte ich natürlich irgendwo eine Balance zu finden.

Kurz nachdem mein Vater dieses Jahr verstarb, meinte der Herr einfach mal von der schweren Situation abschalten zu wollen.
Und wisst ihr was der Vorwurf dazu war? Ich hätte mich ihm verschlossen, ihn aus der Situation ausgeschlossen und nicht an mich rangelassen.
Bitte nicht falsch verstehen. Der Vorwurf war nicht "weil du mich ausgeschlossen hast habe ich gespielt" Dies war nicht der Fall. Aber er brach sich dennoch in die "Opfer-Rolle" weil ich ihn ja ausgeschlossen hatte.
Es folgten 4 Wochen Abstand, nur kontakt per Whatsapp.
Dann wieder Annäherung.
Im September flogen wir in den Urlaub und der war auch eigentlich echt schön. Hatten kein Streit oder sonstiges.

Als wir wieder zu Hause waren hatten wir einige Gespräche, er fühlte sich zu sehr kontrolliert, ich war mit einigen Situationen unzufrieden, spürte zu wenig Veränderungen seinerseits, ja ich hatte eigentlich die ganze Zeit das Gefühl, er wolle die Spielsucht aus seinem Leben ausblenden, statt sich damit auseinander zu setzen. Und ich denke dies war auch einer der Gründe, warum wir uns letztendlich trennten.
Natürlich habe ich in den vergangenen Jahren gemerkt das er gewisse Dinge ändern wollte, aber es kamen auch immer wieder die selben Themen zur Diskussion (ich fühle mich zu sehr kontrolliert, keine Freiheit mehr etc.)


Was geschah nach der Trennung?
Er floh aus der Wohnung, ziemlich schnell wusste ich das er spielen war. Es ging mir mieserable die Tage danach. Heulattacken, Magenkrämpfe Übelkeit etc.
Jeden Abend nachdem er nach Hause kam, kam er ins Schlafzimmer um zu schauen ob ich noch da sei.

5 Tage nach der Trennung der erste Versuch. Er stand weinend vor mir und sagte mir, er habe Angst sich etwas anzutun.
Ich ging nicht darauf ein, denn ich hatte seine manipulative Art durchschaut.

Danach folgte die "Schau was du an mir hast" Phase.

Daraufhin folgte die "sieh doch was ich alles im Haushalt mache und ich mich verändere Zeit". Ja der Haushalt wofür er zuvor immer zu müde oder beschäftigt war konnte nun problemlos und ohne diskussion erledigt werden.
Freundschaften wurden gekündigt und er ging wieder seinen Hobbies nach.
Auch hier sollte ich wieder Manipuliert werden. Es wurden wieder Luftschlösser gebaut. Aber ich blieb standfest.

Irgendwann darauf folgten weitere Gespräche, er wolle dies nicht, er hätte gedacht ich würde die Trennung nicht ernst meinen und er will mich nicht verlieren.
In den letzten Wochen habe ich eine Wohnung gesucht und gefunden und werde Mitte Dezember ausziehen.

Er merkt das ich nicht mehr an mich rankommt, ich bekam also Dinge zu hören wie: Du bist kalt und distanziert. Ich habe noch nicht aufgegeben, du aber schon. Ich finde nicht das wir schon alles versucht haben aber DU hast uns ja schon aufgegeben. Ich finde du schmeißt alles zu leichtfertig weg. Und so weiter und so fort. Die Palette ist ewig lang. Aber ich denke alle die sich mit der Thematik befassen oder einem Spielsüchtigen zusammen sind / zusammen leben, können sich vorstellen welche Sätze alle auf einen einprasseln können.

Ihr wisst ja nicht wie müde ich bin, von diesem ganzen Kämpfen, und deshalb kann ich das erste mal (ohne das es mein Ego kratzt) sagen: Ich kapituliere und gehe nun meinen Weg.

Und wenn das heißt das es nun ohne ihn ist, dann ist das leider so. Ich habe meiner Meinung nach wirklich alles versucht und gemacht und getan, aber nie hat es gereicht. Es hat mich einfach nur sehr müde gemacht und daher kapituliere ich!!!
« Letzte Änderung: 26.11.2018 19:25:45 von Hestia »
 
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Re: Meine Geschichte / Ich spiele nicht mehr mit
« Antwort #1 am: 26.11.2018 19:58:33 »
Hallo Hestia und herzlich Willkommen im Forum,

ich (der Esel zuerst  :)) war im Grunde so wie er, nun hinterfrage ich mich heuer sehr häufig,
war ich wirklich nur eine Marionette meiner Spielsucht ?
Und ohne dieses "Leiden" wäre ich der Super Typ gewesen, humorvoll, charmant, liebevoll , treu und ehrlich ?
Nun unwichtig dass ich es heute ja bin.  :)
Da gibt es noch viel mehr an Charaktereigenschaften, die allerdings negativ auf eine Beziehung wirken.
Eventuell verstärkt das pathologische Spielen diese nur immens.
Was denkst Du, dass er ohne seine Sucht jener " Super Typ " gewesen wäre ?
Du kanntest Ihn ja nur unter diesen erschwerten  Bedingungen.

Er war nie ehrlich und aufrichtig, Halbherzigkeiten.
Keiner hier würde Dir irgendeine Schuld geben, niemand...außer "er" halt.
"Er" irrt sich hierbei gewaltig, eh nur ein weiteres Symptom aus seiner Hilflosigkeit.

Kein Spieler sollte eine Therapie machen, als Rettungsversuch für eine Beziehung oder aus Liebe. 
Sie hätte nur einen wirklichen Erfolg, wenn sie aus einem festen Willen heraus angegangen wird.

" Hey Du Idiot, verspielst Dein Geld, Deine Frau und Kinder hungern, Schulden und wenn es klingelt traut sich eh keiner ran zugehen."
Jedem Spieler ist es bewusst was er tat, nach dem Spiel!
Geht halt dennoch wieder hin...und so weiter.

Ich ( wieder der Esel  :) ) tat es eines Tages nicht mehr.
Weil ich endlich bemerkte was ich eigentlich da trieb ?
Weil man mir sagte " Hey Du Idiot, verspielst Dein 'Geld....." ?
Weil ich es plötzlich "nur" wollte ?
Nein !

Weil ich erkannte dass ich Hilfe brauchte. 
Nicht einmal eine Therapie, ob nun ambulant oder stationär.
Und weil ich es nicht alleinig auf meine Sucht schieben wollte.
Sondern bemerkte, dass es auch an meinem inneren Wesen lag.
Von dem Spiel anfangs wegzukommen war relativ...jaja... leicht, zum Vergleich etwas nun wirklich zu ändern.
An mir!
Daran arbeite ich auch noch Morgen.....

"Er" hingegen hat noch nicht einmal damit angefangen.

Dies alles ist nicht leicht für Dich.
Wenn nichts mehr hilft gegen den Schmerz, muss man sich von Ihm trennen.
Eine Konsequenz für Ihn, eine Chance für Dich.
Für Euch beide.

Hey, Kopf hoch.  :)
Danke dass Du hier geschrieben hast, vielleicht bleibst Du ja etwas.

Liebe Grüße von ganzem Herzen.   

   

     
   
 
               
« Letzte Änderung: 26.11.2018 23:27:05 von Jacky1 »
 
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Offline amTiefpunkt

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Re: Meine Geschichte / Ich spiele nicht mehr mit
« Antwort #2 am: 27.11.2018 06:38:47 »
Guten Morgen Hestia,

sei Willkommen hier bei uns im Forum und danke fürs Teilen deiner Geschichte, sicher können andere ihren Teil daraus ziehen.

Das große Problem einer Therapie ist, dass sie häufig von uns Spieler benutzt wird als Alibi, etwas gegen die Sucht zu unternehmen ohne wirklich an unserem Problem zu arbeiten. Eine Therapie ist nicht die Lösung der Spielsucht, sondern lediglich eine Hilfestellung für Spieler ihr problem in den Griff zu bekommen, sozusagen einen anderen Blickwinkel zu bekommen. Die Herausforderung für uns Spieler ist, die gewonnen Erkenntisse im realen Leben, wo überall Gefahren lauern, umzusetzen.
Hestia, ich war wie er, ein Konstrukt aus Lügen und Realitätsverlusten sondernsgleichen, agierte ohne Rücksicht auf Verluste, nur um spielen zu können. Manipulierte wo es nötig war. Die Sucht ist mächtig! Und dennoch hatte ich eine Partnerin wie du es bist, die gekämpft hat für unsere Zukunft. Sie gab mir ihre Hand und ich ergriff sie, diese letzte Chance ins Leben zurück. Die Erkenntnis, dass ich alle Hebel in Bewegung setzen musste, obwohl mir das Wasser damals bis zum Hals stand, hat mir das Leben gerettet und meiner Familie eine Zukunft geschenkt.
Du hast es ebenso versucht, meinen Respekt dafür! Auch dass du dich wahrscheinlich mehr mit seiner Sucht auseinandergesetzt hast als er es bisher getan hat, verdient Respekt.
Ich finde keinen Fehler in deiner Schilderung - du hast in allen Belangen richtig gehandelt. Es ist nun Zeit für deinen Weg ohne ihn, ich wünsche dir das Beste! Es kommen jetzt wieder bessere Tage...ganz sicher!

aT
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Re: Meine Geschichte / Ich spiele nicht mehr mit
« Antwort #3 am: 27.11.2018 08:06:06 »
Guten Morgen Hestia!

Herzlich willkommen!

Viel Wut, Enttäuschung und Verletzungen springen mir beim Lesen Deines Beitrages entgegen.
Vor Allem, weil er Dir nun vorwirft nicht genug getan zu haben.

Doch der gesamte Beitrag zeigt, dass dies so nicht stimmt.
Du hast alles versucht, was in Deiner Macht stand.

Doch seine Sucht, sowie seine Genesung, stehen nun mal nicht in Deiner Macht - die liegt ausschließlich bei ihm.

Und es ist Dein gutes Recht zu sagen: Bis hierher und nicht weiter!

Chancen über Cahncen hat er "verspielt" und nun muss er mit den Konsequenzen leben.

So lange Zeit hat er Dich an Deine Grenzen gebracht und sie auch überschritten.
Da ist es vollkommen legitim für Dich zu kapitulieren vor Eurer Beziehung und seiner Sucht.

Gleichzeitig stehst Du damit für Dich und eine hoffentlich bessere Zukunft ein - alleine, oder mit einem Partner, der Dich akzeptiert und respektiert.
 
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Offline Fred

Re: Meine Geschichte / Ich spiele nicht mehr mit
« Antwort #4 am: 27.11.2018 11:02:46 »
Hestia, willkommen in diesem Forum.
Ein paar Meinungen zu deinem Beitrag hast du ja bereits erhalten.
Da ich mich dem überwiegend anschließe, möchte ich nur ein paar Ergänzungen hinzufügen.

Zitat
Ihr wisst ja nicht wie müde ich bin, von diesem ganzen Kämpfen, und deshalb kann ich das erste Mal (ohne das es mein Ego kratzt) sagen: Ich kapituliere und gehe nun meinen Weg.

Ich denke eine Menge Leute hier wissen GENAU wie es dir geht. Aus eigener Erfahrung und aus den vielen Gesprächen mit Betroffenen.
"Ich kapituliere" - ist für mich der wichtigste Satz aus deinem Beitrag.

Klingt erstmal "traurig", "verloren", "resigniert" und das ist es für die meisten Menschen auch.

Aber in Wahrheit steckt in diesen wenigen Worten die Lösung.

Die Spielsucht ist eine Suchterkrankung. Ich selbst habe diese über 30 Jahre "ausgelebt".
Die bedingungslose "Kapitulation" vor dieser Krankheit hat es mir erst ermöglicht, mein Leben grundlegend zu ändern.
Auch meiner Frau ermöglichte diese Einsicht überhaupt erst zu erkennen, dass nicht "sie" die Schuldige an allem ist.
Sondern ganz im Gegenteil, dass SIE nicht helfen kann. Auch das ist eine schwere Erkenntnis und ein Lernprozess.
( Die Geschichte des "sich schuldig fühlen" der Angehörigen könnte jetzt hier hunderte Seiten füllen )

DU bist als Außerstehender bei einer Sucht völlig machtlos. Kannst bestenfalls "helfende" Hände reichen. Ermuntern.
Ich vermute dein "Freund" hatte nie wirklich aufgehört mit dem Spielen, und diese "Rückfälle alle X Monate" waren nur Situationen, wo es keine andere Lösung mehr gab als sich zu "outen".
Mit dem Thema "Co-Abhängigkeit" bist du vermutlich bereits vertraut. Prüfe ob du da durch Einlesen in das Thema Hilfen für dich findest.

Die "offizielle" Meinung ist, dass jeder an seine "Schmerzgrenze" gelangen muss, um der Suchtkrankheit zu "widerstehen". Von "heilen" oder "genesen" sprechen wir ja nicht.
Offiziell bleiben wir ein Leben lang "krank". Auch wenn ich da nicht 100% übereinstimmen mag.

Diese Schmerzgrenze ist aber bei jedem ganz individuell. Mir waren Scheidungen / vernachlässigte Kinder / drohende Obdachlosigkeit etc. meist relativ egal.
Vermutlich ein "einfach die Schnauze voll haben" und ein ganz besonderes Erlebnis mit meiner ( nun schon ) 3. Frau haben es mir ermöglicht diese letzten Endes für mich "ganz einfachen" Schritt auch zu gehen.

Das Verhalten deines Freundes erachte ich als "normal", verlogen bis zum geht nicht mehr um die Sucht zu "beschützen" / "verstecken".
Andere Schlüsse würde ich daraus nicht ziehen. Ich war selbst fast genauso. Ich sehe sowas als "Schutzhandlungen".
Das ist für Außenstehende aber eher unverständlich. Habe ich sie doch nach Strich und Faden belogen, betrogen, hintergangen etc.

Was ich damit sagen will. Ich kenne ganz viele Menschen die durch "Trennungen" wachgerüttelt wurden.
Somit kann eine Trennung auch ein Neuanfang sein. Eine Neuausrichtung.

Wichtig ist, dass du dein Leben für dich ausrichtest. Denn es is deine Pflicht, dich um dein eigenes Wohlergehen zu kümmern.
Dein Partner muss sich um sich selbst kümmern. Ob er dies tut liegt nicht in deinem "Machtbereich". Da bist du "machtlos".
Wie du ja selbst schreibst, du hast kapituliert. Und das ist GUT so, auch wenn das jetzt missverständlich klingen könnte.

Gruß aus Hamburg



------------
Gibt es einen Grund für deine Nameswahl ?
Hestia (griechisch Ἑστία, ionisch Ἱστίη ?Herd?) ist in der griechischen Mythologie die Göttin des Familien- und Staatsherdes, des Herd- und Opferfeuers und eine der zwölf olympischen Götter.
Der Kreis schließt sich erst wenn er vollendet ist !
 
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Offline Hestia

Re: Meine Geschichte / Ich spiele nicht mehr mit
« Antwort #5 am: 28.11.2018 20:29:28 »
Hallo ihr lieben,

vielen Dank für eure Antworten.
Leider komme ich erst jetzt zum Antworten da ich mir Zeit für euer geschriebenes nehmen wollte.

Jacky, ich denke schon das in ihm der "Super-Typ" steckt. Da sich aber meine Welt grade so schnell dreht, ich fühle mich als würde ich auf einem Breakdancer sitzen, kann ich es im jetzigen Moment eigentlich nicht so genau sagen, aber ich denke schon das er ohne die Sucht ein Super-Typ ist.

Ich denke schon das er versucht hat ehrlich zu sein mit seiner Aussage das er nicht mehr spielen möchte. Allerdings weiß ich auch das er alle Therapien nur für ich gemacht hat. Ich hatte ihm von anfang an gesagt, dass wenn dies der Fall sei, die Gefahr hoch sei das er einen Rückfall hat. Dennoch hoffte ich, das er trotzdem irgendetwas davon für sich mitnehmen kann.
Er hat sich nie ein Notfallkoffer zurecht gepackt. Achtsamkeit war meiner Meinung auch nie so anwesend wie es hätte vielleicht sein sollen.
Vielleicht war es wie aT schon sagte, nur ein Alibi.

Du sagst es schon. Ich weiß zwar nicht ob und wie man es schaffen kann, aber solange keine intrinsische Motivation da ist braucht man es erst gar nicht zu versuchen.

Das ist doch wie mit allem, wenn etwas nicht von jemandem selber kommt oder erkannt wird, können außenstehende noch so lange reden.

@aT Nicht immer habe ich die Hand gereicht und auch hier denke ich das einige Angehörige sich erkennen können.
Ich denke, eine Zeit lang habe ich mehr als eine Hand gereicht. Ja, vielleicht habe ich in manchen Situationen zu sehr gedrängt oder auf etwas bestanden.
Nicht das ich mich rausreden möchte, ich kann diesen Fehler einstehen. Aber dennoch möchte ich sagen, dass es wie bei allem ist. Man muss sich da irgendwie einfinden, nicht zu sehr zu helfen (Geld leihen oder sonstiges), sondern wirklich nur eine helfende Hand zu sein.
Zum jetzigen Zeitpunkt könnte ich trotzdem nicht sagen was ich hätte anders machen sollen.
Es gibt kein richtig oder falsch. Es sind Erfahrungen und demnach handelt man mit der Zeit (je nachdem wie lange man an der Seite dieses Menschen ist)


@Oli
Danke für deine Worte.
Mir war gar nicht bewusst das mein Text so viele Emotionen mit sich bringt, denn momentan bin ich, wie schon längere Zeit, einfach nur am Funktionieren.
Diese Emotionen welche du dort beschreibst sind mit Sicherheit vorhanden, aber ich weiß nicht ob es noch in dem Ausmaß ist wie sie es einmal waren.
Ich denke es hat viel mit meiner Kapitulation und Akzeptanz zu tun.


@Fred
Mein Satz "ich kapituliere" soll keinesfalls "traurig oder verloren" rüberkommen.
Früher wäre ich das gewesen. Wenn ich mich aber von außen betrachte, denke ich, das schon eine gewisse "vorab-trauer" der Beziehung stattgefunden hat.

Der Grund warum ich letztendlich der Trennung zustimmte war nicht das ich nicht mehr kämpfen konnte. Der Grund war lediglich das ich selber ehrlich zu mir war. Mit jedem Rückfall hatte ich mich mal mehr und mal weniger mit der Sucht beschäftigt. Wenn es mehr war las ich natürlich viel im Internet oder schaute bei Youtube, aber ich hatte ja auch schon ein Stück Erfahrung und habe ihn gelernt zu lesen. Vielleicht war mir einfach zu wenig Veränderung da, sodass ich mit jedem Rückfall, mehr und mehr Angst hatte ihn irgendwann zu heiraten etc.
Am Ende fragte ich mich also, wo all das hinführen sollte wenn die Angst überwog, denn ist man nicht mit jemand zusammen um sein Leben zu teilen und irgendwann dann auch die weiteren Schritte zu gehen. Ich habe auch mein Bauch gehört, ja ich habe meinem Inneren-Ich eine Stimme gegeben.


Mit dem Thema Co-Abhängigkeit bin ich vertraut.
Hier möchte ich nochmal alle Angehörigen ansprechen und euch sagen "nur weil ihr dem Spielsüchtigen kein Geld leiht, seid ihr nicht-nicht Co-Abhängig".
Co-Abhängigkeit hat so viele Facetten.
Es kann sein das man sich nur noch Gedanken macht um dem Partner (wo ist er, was könnte er machen, mit wem könnte er unterwegs sein, könnte er Stress haben und in eine Spielo gehen etc.)
Es kann einfach so vieles sein was Co-Abhängig bedeutet. Auch ich habe vor einigen Wochen festgestellt, dass ich bis zum Schluss (vielleicht jetzt auch noch?) Co-Abhängig war / bin.

Die Schutzhandlungen verstehe ich z.T.
Was ich jedoch bis heute nicht verstehe: Ihr habt ein gegenüber, und euer gegenüber weiß ganz genau das sie belogen werden. Wie kann man dann auf sein "Recht" beharren das diese Geschichte stimmt?
Als außenstehnder denkt man sich erst "Das passt doch alles gar nicht zusammen, ich weiß es aber warum will er das ich ihm glauben schenke". Dies sind diese anstrengenden Momente in denen man weiß das man belogen wird und doch schenkt man dem Partner irgendwann wieder glauben, mal mehr....und mal weniger.

Für mich ist Kapitulation ein sehr wichtiges Wort und auch Machtlos zu sein.
Früher hatte ich Panik was passieren würde wenn wir uns trennen. "Wird er wieder mit den negativen Menschen von früher kontakt haben, wird er wieder spielen gehen, wird er vielleicht noch mehr als eh schon spielen und dadurch mehr Schulden machen"?
All dies waren Gedanken welche mich früher vielleicht davon abgehalten haben zu gehen.
Heute weiß ich das ich es nicht ändern kann,.
Ja, ich bin machtlos der Sucht gegenüber, denn er ist der einzige der etwas ändern kann, heute oder irgendwann....
Aber ich habe Akzeptiert und dadurch fällt es mir nicht länger schwer zu sagen das ich kapituliere.


Hestia bedeutet auch Kämpferische Göttin des friedlichen Zusammenlebens und als Hüterin des häuslichen Friedens.
Und das ist doch letztendlich das was wir uns wünschen, friedliches Zusammenleben ohne irgendwelche Machtkämpfe ausführen zu müssen.
Falls ich falsch liege auch gut, der Name ist trotzdem nicht so schlecht  :D

Noch etwas zu heute:
Vorhin stand ich an der Kasse bei Aldi, schaute so um mich und da war sie. Ich hatte sie vorher nie wahrgenommen aber ich sah die Paysafe Card und da schoss mir sofort diese eine Situation ins Gedächtnis.

Es war ein Abend letztes Jahr im spätsommer. Eine Freundin von mir hatte Streit mit ihrem Freund und fragte: Weißt du was das sein könnte wenn bei den Kontoauszügen AydenClient steht?
Ich wusste es nicht. Aber der Herr hatte es mitbekommen und wollte meiner Freundin klarmachen sie hätte auch einen Spielsüchtigen Freund.
Er zückte sein Handy und sagte zu mir "sieh diese AydenClient abbuchungen hatte ich auch immer wenn ich gespielt habe".
Mein Kopf drehte. Woher hatte er so schnell ein screenshoot von dem damaligen Rückfall? der war doch schon ewig her.
Es war mir suspekt und ich wollte sein Handy sehen. Als er launisch wurde und es mir nicht zeigen wollte, musste ich nicht weiter fragen.
Und so kam sein Rückfall letztes Jahr heraus, er wusste er war entlarvt und gab es zu.

So, nun aber genug. Habt's alle fein :)
 

Offline Hestia

Re: Meine Geschichte / Ich spiele nicht mehr mit
« Antwort #6 am: 28.11.2018 21:07:20 »
Habe seit Absenden meiner letzten Antwort ein schlechtes Gewissen. Fühle mich als würde ich Ihn bloßstellen....warum ist das so?
Er ist ja kein schlechter Mensch an sich.
 

Jacky1

  • -
Re: Meine Geschichte / Ich spiele nicht mehr mit
« Antwort #7 am: 28.11.2018 21:27:49 »
Habe seit Absenden meiner letzten Antwort ein schlechtes Gewissen.

Ich auch.
So wie er war ich nicht.....ich war viel schlimmer.
Expl. jeder der Dir hier geantwortet hat kennt seine "Welt".
Wir werten nicht nach irgendeinem Maßstab.

Keiner hier käme auf einen grünen Zweig, würden wir unsere Gedanken oder das eigene Empfinden beschönigen.
   

http://www.spielsucht-soforthilfe.de/index.php/topic,271.0.html

Du siehst, wir können schon damit umgehen.


Wie auch immer und warum er noch spielt, seine ganze eingebrachte Mühe.
Ich schreibe nicht dass sie umsonst war.
Sein Weg geht weiter und Deiner auch.

Dieser Ort hier ist kein heiliger.
Aber ein ehrlicher.

Wer hier immer noch schweigt, bleibt eventuell noch ewig stumm.
Eine gutes Wesen hier im Forum hat mir einmal geschrieben "man muss sich entscheiden".
Begleitende Gefühle hin oder her, sie gehören nun einmal dazu.
Ob nun begründet oder auch nicht, sie sind halt da.
So kann ich Dir Dein schlechtes Gewissen nicht nehmen und Dir nur schreiben.
Du brauchst keines zu haben.   :) 
     

Liebe Grüße   
 
« Letzte Änderung: 28.11.2018 21:52:10 von Jacky1 »
 

Offline amTiefpunkt

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Re: Meine Geschichte / Ich spiele nicht mehr mit
« Antwort #8 am: 29.11.2018 10:00:11 »
Zitat
Fühle mich als würde ich Ihn bloßstellen....warum ist das so?

Gefühle sind oft schwierig, mal hindern sie uns, das richtige zu tun, mal unterstützen sie uns dabei!
Hestia, du hast niemanden bloßgestellt oder verraten, du schilderst hier deine Geschichte mit deinem spielsüchtigen Freund. Es ist in der Tat so, dass deine Geschichte in mir gewisse Gefühle auslöst. Ich reflektiere mein eigenes Verhalten, damals, letzte Woche, heute, ordne mich, höre in mich hinein, hinterfrage. Ein Prozess der immer wieder zu meiner Abstinenz gehört. Deswegen bin ich froh, dass es diesen ehrlichen Ort hier gibt und ein Austausch stattfindet.
Du hast kapituliert, willst ein neues Kapitel anfangen, deine Gefühle für ihn, den "Super-Typ-Wenn-Ohne-Sucht", kannst du nicht einfach abstellen - ganz normal! Die Zeit wird Wunden heilen, eine Narbe wird bleiben. Das Leben wird dich einholen - du bist eine starke Frau!
Hast bis hierhin gut gemacht!

aT
Sag "JA" zum Leben!
 

Offline MiLu

Re: Meine Geschichte / Ich spiele nicht mehr mit
« Antwort #9 am: 29.11.2018 18:45:36 »

Hallo Hestia,

es fühlt sich womöglich jetzt noch nicht richtig und gut an, evtl. auch morgen und übermorgen noch nicht....
... aber aus eigener Erfahrung heraus, kann ich Dir versichern, dass die Zeit kommen wird! Mehr hättest Du wirklich nicht machen können - für ihn! Ab sofort geht es um Dich - Veränderungen für Dich!

Die Anschuldigungen und Vorwürfe, die zu hören bekommst, sind leider typisch für seine aktuelle Situation. Er versucht eine Rechfertigung für sein Nichthandeln ausfindig zu machen und da Du die für ihn nahestehende und greifbare Person bist, richtet er seinen Unmut insbesondere gegen Dich. Versuch Dich davon emotional zu distanzieren.... salopp gesagt, ist das nämlich Bullshit!

Ich haderte lange Zeit mit dem Begriff "Kapitualtion". Jedoch wurde mir hier im Forum verständlich gemacht, dass dies kein Scheitern impliziert, sondern lediglich eine notwendige Entscheidung - für MEIN weiteres Leben!

Man gewöhnt sich an die Entscheidung mit all den daraus resultierenden Konsequenzen. Heute genieße ich das damalige Kapitulieren.

Alles Liebe

MiLu
.....continued.....
 

Offline Hestia

Re: Meine Geschichte / Ich spiele nicht mehr mit
« Antwort #10 am: 29.11.2018 20:21:53 »
Hallo ihr lieben und wieder ein herzliches Dankeschön für eure Antworten.

Ich weiß gar nicht so genau was ich zu all dem Antworten soll.
Kenn ihr das, ihr lest euch die Antworten durch, euch schießen tausend Gedanken und Worte in den Kopf und plötzlich ist der Kopf doch leer.
So geht es mir momentan sehr oft. Alles dreht sich, wie auf einem Breakdancer eben. Ich denke sobald ich in der neuen Wohnung bin, der ganze Weihnachts- und Silvestertrubel hinter mir liegt, wird alles ruhiger. Das hoffe ich jedenfalls.

Auf- und ab geht es mit den blöden Emotionen. Könnte es sein das ich vielleicht auch ein schlechtes gewissen habe weil ich weiß das es ihm nicht gut geht und nicht nur weil ich das Gefühl hatte ihn bloß zu stellen?

Meint ihr es könnte sein das deshalb so viele Angehörige immer wieder ihre Grenzen überschreiten und weiter aushalten?
Ich z.B. habe früher das Wort "kapitulieren" mit "aufgeben" assoziiert. Und wer gibt schon gerne auf? Also fängt dieses Wort ja auch irgendwo an am Ego zu kratzen. Ich war schon immer eine Kämpferin und so habe ich lange Zeit weiter gemacht.

Heute kann ich sagen das ich es nur noch 1 Person schuldig bin zu kämpfen. Und das bin Ich.
Ich "kämpfe" für mich und das es mir besser geht und ich wieder glücklich werde, auch wenn das nun leider ohne ihn sein wird.

Habt`s fein und liebe Grüße  :)
 

Offline MiLu

Re: Meine Geschichte / Ich spiele nicht mehr mit
« Antwort #11 am: 30.11.2018 00:57:52 »
.... ich kann mich noch sehr gut an die damalige Zeit  erinnern. Ich war permanent auf der Suche nach Antworten. Antworten, die ich sowohl bei ihm als auch bei mir suchte. Womöglich steckt hier auch eine gewisse Gemeinsamkeit?! Bei dem einen äußert sich dies durch ein Suchtverhaten, bei dem anderen in den Versuchen hinsichtlich des Auffangens eines Leidensdrucks. So oder so sollte keine Schuldfrage gestellt werden, sondern vielmehr die Frage: was macht mich zufrieden? Hier müssen Grenzen und Möglichkeiten rational betrachtet werden, obgleich einen die innigen Gefühle meist daran hindern. Das Wichtigste ist die Erkenntnis, dass v.a. für sein eigenes Leben Verantwortung getragen werden sollte, bevor man sich der Unterstützung weiterer Personen effektiv widmen kann. Es bringt gar nichts, wenn man sich aufgibt, im Glauben daran, dass sich dadurch Probleme lösen lassen. Du, Er, Wir, Ich müssen immer wieder Entscheidungen auf Tatsachen beruhend treffen und nicht alles der Hoffnung oder der Sehnsucht nach Sicherheit und eines 'Wunschlebens' überlassen. Dadurch hat jeder Einzelne von uns ein viel größeres Wirkungsspektrum als man glaubt. Man muss nicht machtlos sein.

Räume Dir die Zeit ein, um wütend, traurig und zweifelnd zu sein. Aber gönne Dir auch das Gefühl des Aufatmens! Du hast niemanden im Stich gelassen! Akzeptanz ist mein Lieblingsbegriff! Akzeptiere Dinge, die Du einfach nicht verändern kannst und investiere Deine Energie in solche, auf welche Du Einfluss hast.
Eine kuriose Zeit wird auf Dich zukommen: zwischen enormer Euphorie und Erleichterung,aber auch geprägt von Schmerz und vieler offener Fragezeichen.

Es wird leichter.... und irgendwann blickst Du voller Selbstbewusstsein, Kraft und Mut auf das Vergangene zurück...

Ehrenwort!

Liebe Grüße

MiLu
.....continued.....
 

Offline amTiefpunkt

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Re: Meine Geschichte / Ich spiele nicht mehr mit
« Antwort #12 am: 30.11.2018 06:44:10 »
Zitat
Auf- und ab geht es mit den blöden Emotionen. Könnte es sein das ich vielleicht auch ein schlechtes gewissen habe weil ich weiß das es ihm nicht gut geht

Sicher kann das sein, üblicherweise gibst du dir evtl auch noch eine Mitschuld daran, überlegst wie du ihm helfen kannst. Doch das ist absoluter Blösinn!
Noch mal ganz klar formuliert:
  • Du trägst keine Mitschuld an seiner Situation
  • Du kannst ihm aus seiner Situation nicht befreien
  • Du hast alles in deiner Macht stehende getan (vielleicht auch noch mehr) um ihm eine Hilfestellung zu geben
  • Du trägst Verantwortung für dein eigenes Leben
Hestia, Gefühle und Emotionen sind menschlich, gut dass du dich mitteilst! Ihr wart über ein halbes Jahrzehnt ein Paar, da ist es doch nur zu verständlich, dass sich da emotional ne Menge tut.
Du schaffst das!!!

aT
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Offline Hestia

Re: Meine Geschichte / Ich spiele nicht mehr mit
« Antwort #13 am: 01.12.2018 20:00:38 »
Hallo,

das alles ist doch eine riesen sch***, in einem Moment hat man das Gefühl stark zu sein und dann kommt eine Situation und man fühlt sich komplett in die Alte Zeit zurück versetzt.
Man kann sich nur immer wieder und wieder die Antworten hier durchlesen und sich sagen "halte durch". Was aber heute bleibt ist ein scheiß Gefühl.

Heute morgen ging es mir recht okay.
Er war feiern, 8h00 niemand zu Hause, war in Ordnung für mich. Doch als ich ihm um 11h00 eine Nachricht wegen einem Paket schrieb und sah das er kurz zuvor noch online war, wusste ich sofort, okay, er ist noch immer unterwegs.
Durch seine Antwort "grade erst wach geworden" fühlte ich mich der Zeit zurück versetzt. Wie oft hatte er früher so geantwortet... Ich fragte mich warum er dies instinktiv erwähnte, hatte ich ja anders als damals gar nicht danach gefragt wann er nach Hause kommt. Ein weiteres Gefühl welches in mir aufkam war dieses unerträgliche mich-für-dumm-verkaufen-zu-können Gefühl. Mit diesem Gefühl stieg die Wut an, denn noch immer fragte ich mich warum er automatisch versuchte sich zu verteidigen.
Ich versuchte mich zu beruhigen, mich von meinen Gefühlen zu distanzieren, als aber dann sein Vater vor der Tür stand hatte ich endgültig das Gefühl in die Vergangenheit katapultiert worden zu sein.
Natürlich weiß ich nicht ob er spielen war, aber es fühlt sich einfach zu sehr danach an.
Seither ist mir mein Kopf heute einen Streich nach dem anderen am spielen.
In der einen Sekunde schaffe ich es Rational zu denken, dafür kommt aber quasi eine h in der ich es nicht schaffe und traurig und verletzt bin.
In dieser Zeit habe ich mir immer und immer wieder eure Antworten durchgelesen.


Eine kuriose Zeit wird auf Dich zukommen: zwischen enormer Euphorie und Erleichterung,aber auch geprägt von Schmerz und vieler offener Fragezeichen.

Ich glaube diese Zeit ist bereits da  :-[
Ich bin nicht Verantwortlich, ich kann keine Sorge für ihn tragen, es ist seine Entscheidung, er muss die Konsequenzen tragen etc.
Dies sind nur einige der Sätze, welche ich mir immer und immer wieder aufsage.
Und dann kommt das Herz und spürt den schmerz, seinen - meinen, will Linderung und lindern.

Es hilft alles nicht, ich muss den Weg weiter gehen, ich kann nicht zurück.

Morgen kommt ein neuer Himmel.
« Letzte Änderung: 02.12.2018 09:47:22 von Hestia »
 
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Offline MiLu

Re: Meine Geschichte / Ich spiele nicht mehr mit
« Antwort #14 am: 04.12.2018 14:23:51 »
Hallo Hestia,

wie geht´s Dir aktuell? Dein Beitrag hat mir sehr gefallen! Ich finde, dass Du trotz dieser emotionalen Belastung unheimlich gut reflektierst!

Weiter so ....

Liebe Grüße

MiLu
.....continued.....