Autor Thema: Kurzgeschichte einer Mitspielerin  (Gelesen 782 mal)

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Offline MiLu

Kurzgeschichte einer Mitspielerin
« am: 23.08.2017 14:22:06 »
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es war einmal eine junge Frau im Alter von etwa 25 Jahren, die mächtig stolz war, dass sie aufgrund einiger Kuriositäten am Ende ihres Studiums stand und im Begriff war, Informationen bzgl. der bevorstehenden Abschlussarbeit einzuholen. Zu diesem Zeitpunkt lernte sie einen ebenso jungen Mann kennen. Er war charmant, voller Leben und unglaublich humorvoll. Nach einiger Zeit ließ sich Madame umwerben und sagte einem "Date" zu. Sie war unglaublich nervös und von Skepsis und der Überlegung, sich auf einen Menschen einzulassen, stocksteif. So waren zuletzt andere Gedanken wesentlich wichtiger! Aber nun gut: das gemeinsame Treffen war ganz amüsant und so wurde aus einzelnen Aktivitäten und etlichen Monaten später der Entschluss des gemeinsamen Wohnens gefasst. So vergingen die Jahre, in welchen sie sich gut entfalten konnte und ihren Traumjob antrat und auch der junge Mann war wild entschlossen, fleißig an seinem Talent zu feilen. So kam es, dass jener motiviert wurde aus seinem Geschick etwas einzigartiges zu machen: er baute sich seine Existenz auf und eröffnete ein kleines Lokal! Man war sie stolz auf ihn .... außerdem hatte sie dadurch genügend Freiraum für sich und einen von der Selbstverwirklichung zufriedenen Mann an ihrer Seite. Nach und nach gründeten alle Freundinnen und Freunde um dieses Paar herum eine Familie. Noch vor kurzer Zeit erfüllte die junge Frau der Gedanke daran mit Schaudern. Doch nun keimte ganz langsam immer wieder ein Kurzgedanke auf: "was wäre, wenn auch sie die andere Seite langsam betreten würde - voll mit Liebe und Verantwortung?" - zugegeben: häufig verwarf sie den Gedanken schnell wieder - aus einem Grund: Angst! Doch er begann wieder um sie zu werben. So folgten insgesamt drei Anträge ... zuletzt warf sie die Bedenken über Board und willigte vorfreudig und nervös ein.
Der Tag der Hochzeit: im engsten Kreise und mit einem Unbehagen in der Bauchregion sagte die Frau: JA! ... es wurde auf das Brautpaar angestoßen, es gab kleine Häppchen, Musik spielte. Eigentlich fast perfekt! Doch dann wurde der frischgebackene Ehemann auf einmal sehr müde und bat darum kurz nach Hause zu fahren. Er verschlief in etwa 6 Stunden und erwachte erst bei dem Geräusch, welches beim Öffnen von Kuverten entstand. Beim Anblick der Geldgeschenke bekam er große Augen und raffte sich sogar auf letztendlich doch mit seiner inzwischen sehr verunsicherten und frustrierten Frau in ein Lokal zu einem Dinner zu fahren...
Das war es! Am Tage darauf war er sozusagen verschwunden und kaum noch zu erreichen. Er teilte ihr betroffen mit, dass er nun verstärkt arbeiten müsste .... es würde die Geschichte hier durch das Schreiben aller Details sprengen, weshalb die Verfasserin nun darauf verzichtet.
Für die Ehefrau begannen nun unzählige Nächte allein und in großer Sorge. Sie bemerkte, dass ihre Geldkarte missbraucht wurde und innerhalb einer nächtlichen Zeitspanne von 5 bis 7 Stunden ein Betrag von 1.000 Euro fehlten. Auch die Bank hatte keine Erklärung - so legte sie ihm die Pistole auf die Brust als er endlich mal zu greifen war. Immerhin kamen 800,00 Euro und abstruse Argumentationen und mysteriöse Geschichten hierzu zurück... es begann sich nun alles zu drehen, so schnell, jedoch bewegte sich einfasch nichts. Ein Zustand, welchen sie heute kaum beschreiben kann. Sie bemerkte, dass sie gefangen war, in Ketten gelegt .... dennoch unternahm sie vorerst nichts weiter und suchte lediglich Gründe für das Verhalten ihres Mannes, der kaum noch anwesend war, aber immerhin ein Geständnis ablegte und Versprechungen der Problemlösung wie ein Maschinengewehr von sich abfeuerte. Innerlich drohte sie zu ersticken .... es gab einfach nicht genug Sauerstoff! Eines Tages erwachte sie nun und stellte fest, dass alles keinen Sinn machen würde, wenn nur einer von beiden das Leben schätzen würde. Sie bgriff, dass die Fassade, die sie mit aufgebaut hatte absolut keinen Schutz bot. Keine Ehe, kein Kind, Niemand würde ihn daran hintern können! Also fasste sie den Entschluss, ihre Maske aubzulegen und nicht mehr unter dem Deckmantel eines Spielers zu agieren, sondern unter ihrem eigenen Mantel, den sie Stück für Stück verlängerte und unter ihrer Handschrift. Sie stieg aus der Rolle der Mitspielerin aus und wollte nicht länger Betroffene der Suchterkrankung und das Opfer eines widerlichen Wirtschaftsunternehmen sein! Ihr wurde bewusst, dass sie ihr Leben wieder alleine in die Hand nehmen musste. So stellte sie "Eminem mit Lose youreself" auf volle Lautstärke und packte seine Sachen in Kartons und Koffer. Sie machte die gemeinsame Wohnung zu ihrem alleinigen Revier. Es begann zwar eine Odysee an Behördenkämpfen, Anklagen, Vorwürfen und und und ... aber sie blühte wieder auf! Die wehleidigen Blicke der Menschen in ihrem Umfeld qälten sie am meisten, jedoch auch darüber stand die Frau irgendwann.
So und heute sitzt sie hier und schreibt eine Kurzversion des Geschehenem. Es ist eine Episode, ja eben eine Kurzgeschichte einer damaligen Mitspielerin. In jener Zeit holte sie sich Unterstützung, beobachtete die Menschen in den Spielhallen, hörte hier vielen Betroffenen zu und befasste sich fast schon zwanghaft mit dem Thema "Spielsucht". Nicht für ihn, sondern nur für sich selbst. So hat sie nun wichtige Einblicke bekommen und ja auch ein wenig Verständnis für diese Welt.

Kurzum: Es ist ein Prozess, auch für eine Angehörige, ja sogar ähnlich wie bei einem Spieler - nur aus einem anderen Blickwinkel. Wer aus diesem System aussteigen möchte, der schafft das auch. Egal ob Suchterkrankter oder passiver Suchtakteur! Jeder muss seine Entscheidung selbst treffen und bereit sein, seine eigene Maske abzulegen. Die Realität nimmt auf niemanden Rücksicht! Man kann und sollte auch kein Leben für zwei führen... Ziel wäre es gewesen, diese zu verknüpfen. Das Ziel wurde nicht erreicht, jedoch ein anderes auserwählt ....

..... das Leben ist schön!

Liebe Grüße

MiLu

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Offline Fred

Re: Kurzgeschichte einer Mitspielerin
« Antwort #1 am: 23.08.2017 21:54:31 »
Hey Milu, das ist ja ein spannender Roman.

Gott sei dank gibt es sowas in der Realität nicht ...
Da läuft einem ja echt ein Schauer den Rücken runter.

<am Kopf kratz>

Danke dass du hier bist !
Der Kreis schließt sich erst wenn er vollendet ist !
 

Jacky1

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Re: Kurzgeschichte einer Mitspielerin
« Antwort #2 am: 23.08.2017 22:30:38 »
Hallo MiLu,

eigentlich ist es ja die "Geschichte" zweier Menschen.
Will jetzt auch nicht meinen Senf dazu geben und ich habe keine Ahnung warum ich folgendes Zitat einfüge.
Ich erinnerte mich halt an jenes beim lesen Deiner Worte.

"Jeder erlebt nur die Sehnsucht oder die Leere, beide sind der Tod bei lebendigem Leibe"
Zitat: Kupke / Neuert

Liebe Grüsse
 

Offline Robert

Re: Kurzgeschichte einer Mitspielerin
« Antwort #3 am: 24.08.2017 00:09:41 »
Ganz schön clever die Frau. Sich selbst aus dem Spiel zu nehmen, verdient höchsten Respekt.

< auch den Kopf kratzen>

Toll das du deinen Weg in dieser komplizierten Lebenssituation gefunden hast. Noch toller finde ich, das du mit dem Thema nicht einfach abgeschlossen hast, sondern andere Angehörige auf ihrer Suche nach Antworten unterstüzt.

Robert

 
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Offline MiLu

Re: Kurzgeschichte einer Mitspielerin
« Antwort #4 am: 24.08.2017 13:28:00 »

Hallo zusammen,

da ja die "Entstehungsgeschichten" von einigen Angehörigen hier weitesgehend im alten Forum zu lesen waren und hier nur neuere Auszüge der Entwicklung zu finden sind, nahm ich die letzten Beiträge aus diesem Bereich zum Anlass, um nochmal in aller "Kürze" meine Story zusammenzufassen.

Sicherlich besteht eine Geschichte aus mehreren Akteuren, jedoch kann ja nur der berichten, der hier anwesend ist - in diesem Fall eben aus meiner Sichtweise.

Besten Dank für Euer Feedback!

.... auf einen weiteren regen Austausch  8)

Liebe Grüße

MiLu
.....continued.....
 
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