Autor Thema: Mein Weg  (Gelesen 9318 mal)

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Offline Alex

Mein Weg
« am: 15.05.2017 22:00:58 »
Hallo liebe Forenmitglieder,

ich habe durch meine 10 Jährige Spielsucht sehr viele Freunde verloren, da mir das Spielen wichtiger war als alles andere.

Am Ende eines Tages fehlt die Person, der man gerne mitteilen würde, was man geschafft hat, wie erfolgreich der Tag war etc.

Ich denke aufgrund der Spielsucht bin ich auch die längste Zeit als Single durch das Leben gegangen.

Da ich unglaublich gerne meine Gedanken mit irgendwem oder irgendwas  (ja manchmal war es auch hilfreich mit dem Stein in unserem Garten zu sprechen) teilen würde, habe ich beschlossen ein kleines Tagebuch zu eröffnen. Mal alles von der Seele schreiben und um mal in der Zukunft alles Revue passieren lassen.

Ein Tag über die Spielsucht, ein Tag über meine Zukunft, ein Tag vllt auch mal was Dunkles aus der Vergangenheit.

Verfolgt es, nimmt an meinen Gedanken teil, kommentiert. Lasst uns gemeinsam für eine bessere Zukunft sorgen.

Liebe Grüsse
Alex
Spielfrei seit dem 05.01.2020
 
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Offline MiLu

Re: Mein Weg
« Antwort #1 am: 15.05.2017 22:34:54 »
Hey Alex,

ich bin dabei und höre gerne zu!  ;)

Schön, dass Du nun hier bist! Kein Wort wird missachtet, egal in welcher Form!

Nun zählt aber zunächst Deine Gegenwart.... Das heute und jetzt ist der Grundstein einer langfristigen Stabilisation! Vergangenes ist oft nicht veränderbar, aber man kann lernen dies zu akzeptieren.... und die Zukunft kann man durch die Gegenwart formen, jedoch bleibt genug Freiraum für Unvorhersehbares: was gut ist, so lange man die nötigen Werkzeuge nicht mehr aus der Hand gibt!

Weiter so  8)

Liebe Grüße

MiLu
.....continued.....
 
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Offline Alex

Re: Mein Weg
« Antwort #2 am: 15.05.2017 22:53:07 »
Da fällt mir ein gutes Sprichwort ein:

Es gibt nur zwei Tage in deinem Leben, an denen du nichts ändern kannst! Der eine ist gestern und der andere ist morgen.

Ich stimme dir voll und ganz zu.

Vielen Dank.

Liebe Grüße
Spielfrei seit dem 05.01.2020
 

Jacky1

  • -
Re: Mein Weg
« Antwort #3 am: 15.05.2017 23:27:58 »
Hallo Alex89,

Natürlich werden wir gerne daran teilnehmen,auch wenn Du neu hier im Forum bist.
Zu "unserer" Familie gehörtest Du eh immer.
Wir lernen voneinander,erleben und erfahren es gemeinsam,was wir so erlebten.
Und sehen weiter,jeden Tag aufs neue.

Und wir schreiben es auf!

Liebe Grüße     
 

Offline Alex

Re: Mein Weg
« Antwort #4 am: 18.05.2017 20:52:32 »
Wow,

die Tage vergehen momentan wie im Flug. Morgen ist der Termin bei der Suchtberatung und ich hab echt Schiss :/
Man weiß absolut nicht, was einen da erwartet. Ich habe mir viele Gedanken gemacht wie es ablaufen wird, aber im Endeffekt habe ich 0 Plan. Glaub ich bin echt froh, wenn ich das überstanden habe...

Ansonsten habe ich die letzten Tage total die gemischten Gefühle. Mal geht es mir total gut, ich genieße die Dinge, die ich während der Sucht erst gar nicht wahrgenommen habe, sei es die Sonnenstrahlen, mein warmes Bett oder einfach die frische Luft nach dem heutigem Regenschauer. Mal das krasse Gegenteil. Mir geht's beschissen, ich glaub nicht an mich. Denke die ganze Last erdrückt mich. Ich habe Angst, zu scheitern, wieder rein zu rutschen in die Sucht. Wirke überfordert, weil ich so viel an meiner Lebensweise ändern muss. Aber wenn ich mich abends ins Bett lege, dann atme ich tief durch und denke mir: Du hast den Tag spielfrei überlebt.

Warum haben wir nur zugelassen, dass uns die Sucht in so ein Loch gebracht hat.. Warum wird einem erst klar, dass man krank ist, wenn man schon so tief gefallen ist. Natürlich gibt es einen Weg aus diesem tiefen Loch. Es wird extrem schwer, fast unmöglich. Aber wenn man den Kampf nicht angeht, dann hat man schon verloren.

In diesem Sinne, auf weitere 24 spielfreie Stunden.

Ich wünsche euch und euren Lieben ein schönes Wochenende.

Gruß Alex
Spielfrei seit dem 05.01.2020
 

Jacky1

  • -
Re: Mein Weg
« Antwort #5 am: 19.05.2017 00:38:21 »
Hallo Alex89,

Dein Beitrag liest sich ja schon etwas dramatisch.
Nicht mehr spielen zu gehen und irgendwann kaum noch daran zu denken.
Ist dann alles gut ? .....sage es mir.

Diese Hürde zu überwinden und gegen sein unglückbringendes Verlangen anzugehen.
Sollte doch mit Hoffnung und Zuversicht angegangen werden.
Ängste wieder in Dein altes Muster zu verfallen...gut so.
Selbst ein gesunder Mensch hätte doch die gleichen Ängste,wenn er daran denken würde.
Wie es ist sein ganzes Geld und sich selbst dabei zu verlieren.

Alex,ich bin bei Dir,wir sind bei Dir,viele sind bei Dir.
Du bist es mir,uns,vielen wert.

Fuck auf diese Vergangenheit.
0 Plan ist tausendmal besser,als Deine alten Pläne...ein Fortschritt.  :)

Nehme es locker,nicht Deine Krankheit und auch nicht Deine Angst eventuell zu scheitern.
Sondern Dein zukünftiges Leben!
Es wird Dir noch so vieles geben,freue Dich darauf.

Allerdings gelingt es mir ja auch nicht so häufig...große Fresse halt. 

Wunderbar,dass Du Dich hier mitteilst.

Kopf hoch...

Grüß Dich       
 

     
 

Offline amTiefpunkt

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Re: Mein Weg
« Antwort #6 am: 19.05.2017 10:17:53 »
Guten Morgen Alexander!

Ich hoffe, du kannst dir beim Gespräch mit dem Suchtberater neue Impulse holen. Ein mulmiges Gefühl ist es immer, wenn man beginnt offen über sein Problem zu sprechen, erst recht von Mensch zu Mensch, da ist der Gang in ein Forum ein Klacks dagegen. Aber du wirst sehen, wie befreit du danach raus gehen wirst und tief im inneren merkst, das dies die richtige Entscheidung war, obwohl sie schwer gefallen ist!
Hilfe ist dazu da, angenommen zu werden und zu spenden wenn die Zeit dafür gekommen ist!

aT
Sag "JA" zum Leben!
 

Offline Alex

Re: Mein Weg
« Antwort #7 am: 19.05.2017 16:58:15 »
Puh, ich habe es geschafft. Ich hab sicher 10 Minuten im Auto gesessen weil ich Schiss hatte rein zu gehen.

Und ich muss sagen, es war halb so schlimm. Die Frau war sehr einfühlsam. Wir haben fast 3 Stunden geredet. Über die Vergangenheit, die Sucht selber und die Zukunft. Ich konnte echt offen mit ihr sprechen, so ein Typ bin ich ja mal gar nicht. Früher hab ich alles in mich rein gefressen.

Wir haben direkt den nächsten Termin gemacht. Freitag in 2 Wochen. Ich glaub ich hätte noch 5 Stunden weiter quatschen können. Es hat einfach gut getan die Probleme mit einem anderen Menschen zu teilen. Es ist wirklich eine Last von mir gefallen.

Jetzt weiß ich das ich mich mehr mit mir beschäftigen muss. Ich darf nicht vor meinen Problemen flüchten. Als Spieler ist man vor seinen Problemen geflüchtet, indem man in die Spielo gegangen ist.

Ich muss euch danken, denn ihr habt mich heute begleitet und mir echt den nötigen Schwung gegeben, da durch die Tür zu gehen.

aT, ich habe definitiv neue Impulse erhalten, neue Kraft, weiter zu machen.

Jacky, ich kann deine Frage nicht beantworten :/ ich habe noch keine Vorstellung, wie es is wenn man länger Abstinent ist und kaum noch daran denkt. Aber ich denke schon, dass dann so manches besser ist. Ich werde dir die Frage beantworten wenn es soweit ist. Ich bin auf jeden Fall bereit, diesen Weg zu gehen und ihn zu packen.

Gruß Alex
Spielfrei seit dem 05.01.2020
 

Offline MiLu

Re: Mein Weg
« Antwort #8 am: 19.05.2017 17:06:17 »
Servus Alex,

na das liest sich doch klasse! Du hast Dich nun überwunden und dies wird sich lohnen!

Bzgl. deiner Frage: "Warum haben wir nur zugelassen, dass uns die Sucht in so ein Loch gebracht hat"

Ich würde diese erstmal so stehen lassen, denn weitaus wichtiger ist doch die Frage: "Warum solltest Du es zulassen jemals wieder an diesen Punkt der Ausgangsfrage zu kommen?".

Dass nun vorerst ein Gedankenchaos herrscht, ist durchaus gesund: so hast Du 10 Jahre die Gefühle mittels Spielen unterdrückt bzw. vermieden. Nun hast Du für Dich entschlossen, dass dieses Mittel wegfällt. Jetzt heißt es mit all den positiven und negativen Erlebnissen, Gedanken und Gefühlen eigenmächtig umzugehen, ja diese sogar erstmal wieder überhaupt zu empfinden....

Du bist auf einem sehr guten Weg!

Alles Gute weiterhin

Liebe grüße

MiLu
« Letzte Änderung: 19.05.2017 17:35:00 von MiLu »
.....continued.....
 

Offline Alex

Re: Mein Weg
« Antwort #9 am: 23.05.2017 21:18:53 »
Hallo Leute,

ich habe nun schon 2 Wochen geschafft, in denen ich spielfrei geblieben bin. MiLu, deine Aussage klingt mehr wie logisch und einleuchtend. So hat man viele Jahre seine Gefühle durch die Sucht verdrängt. Nun beginnt quasi ein neues Leben. Ich fühle mich wie ein kleines Kind, das die Welt nun aus einem ganz anderen Blickwinkel sieht. Vieles erscheint mir neu. Kein Scherz, ich habe am Wochenende einen Film geguckt, den ich schon X Mal gesehen habe, doch es haben sich in mir ganz andere Gefühle entwickelt, wie es früher einmal war. Ich habe viel mehr gefühlt als sonst (der Film bedeutet mir sehr viel)

Man fängt an, sich an das neue Leben zu gewöhnen, und es ist echt ein schönes Leben, weil so vieles einem so neu vorkommt. Ich hoffe dass dieses Gefühl länger andauert, denn das stärkt mich bei meinem Kampf gegen die Sucht.

Ich gehe mittlerweile öfters spazieren, nehme Dinge in der Natur wahr, die mich vorher null gejuckt haben. Ich bin jeden Tag hier im Forum, und lese fleißig mit. Mir fehlt leider die Zeit, um jeden Tag was neues zu Posten. Es gibt zu viele Dinge, die jetzt nachgeholt werden müssen.

Auf 24 weitere spielfreie Stunden

Grüße
Spielfrei seit dem 05.01.2020
 

Jacky1

  • -
Re: Mein Weg
« Antwort #10 am: 25.05.2017 23:14:37 »
Hallo Alex,

dann entdecke alles was es zu erleben gibt,nichts ist neu von diesen Dingen.
Sie waren schon immer da...nur Du halt nicht.

Schön Dir hier folgen zu dürfen.
Wie heißt eigentlich dieser Film ?

Grüß Dich. 
 

Offline Alex

Re: Mein Weg
« Antwort #11 am: 26.05.2017 12:13:55 »
Das Streben nach Glück mit Will Smith

Ein toller Film, der auf einer wahren Geschichte basiert.
Hat viele Parallelen zur Spielsucht finde ich. Wenn man den Willen hat dann kann man alles erreichen.

Gruß Alex
Spielfrei seit dem 05.01.2020
 

Offline Alex

Re: Mein Weg
« Antwort #12 am: 02.06.2017 13:16:11 »
Hallo Leute,

mein Gott wie schnell vergeht denn bitte die Zeit? Früher wollt man ja schnell älter werden aber mittlerweile fragt man sich einfach nur wo die Zeit geblieben ist.. furchtbar.

Viele Updates habe ich jedoch nicht und genau das ist mein aktuelles Problem. Es verläuft meiner Meinung nach alles so schleppend. Okay, ich bin immer noch spielfrei (meine zweitlängste Zeit) allerdings bin ich jetzt nicht viel weiter wie vor 1 Woche. Die Spielsperren sind durch, das Verhältnis zu meiner Mutter wird von Tag zu Tag besser. Ich lauf wieder mit Geld rum (nur mit kleinen Summen). Aber ich selbst finde ich tue noch zu wenig, oder ist dies bloss Einbildung?? Setze ich mich vielleicht zu sehr unter Druck. Ich lese hier oft, man muss sich mir der Krankheit und sich selber beschäftigen. Aber was genau soll ich noch tun? Ich denke Tee trinken und abwarten ist nicht der richtige Weg oder?

Die nette Frau von der Caritas hat meinen heutigen Termin streichen müssen, leider. Ich hatte mich schon sehr aufs Treffen gefreut. Jetzt muss ich wieder 2 Wochen warten bis zum nächsten Treffen.. Dabei wollte ich sie heute fragen wo und wann shg statt finden.

Hoffe euch geht es gut
Ich wünsche jedem ein schönes langes Wochenende
Spielfrei seit dem 05.01.2020
 

Jacky1

  • -
Re: Mein Weg
« Antwort #13 am: 02.06.2017 13:51:22 »
Hallo Alex,

wenn jemand auf Dauer erkrankt ist und damit Leben muss,passt er entweder alles seiner Krankheit an oder er fügt seine Krankheit einfach in sein Leben.

Es gilt halt Dinge zu beachten,am Anfang der Spielfreiheit sicherlich etwas intensiver und mit Nachdruck.
Eben in dieser Phase wird das Umfeld so gut es geht angepasst.
Mit der Zeit bekommt man aber eine gewisse Erfahrung und wird freier dadurch.
Der Teufel wird hier nicht an die Wand gemalt,aber es ist gut zu wissen,dass es ihn gibt.

Bei Höhenangst meidet man Türme.
Bei Arachnophobie Spinnen.
Aber hohe Gebäude und Kleintiere begegnen einem dennoch ab und zu.
Selbst durch abwarten und Tee trinken,würde sich nichts daran ändern.

Du sollst Dein Leben leben,dass Du sagen kannst.....
"Ja,ich führe mein Leben und so ist es gut."

Mache alles was dafür notwendig ist,nicht mehr und schon gar nicht weniger.
Schleppend ist in Deinem Falle nur ein zeitlicher Begriff.
Aber hinterher wirst Du eh wieder sagen können, Zitat Alex: "...wo die Zeit geblieben ist"      :)

Grüß Dich
 

Offline amTiefpunkt

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Re: Mein Weg
« Antwort #14 am: 06.06.2017 09:46:40 »
Zitat
Viele Updates habe ich jedoch nicht und genau das ist mein aktuelles Problem. Es verläuft meiner Meinung nach alles so schleppend
Einmal kann das Leben an einem vorbei rasen und ein andermal kommt einem eine Minute vor, wie 3 Stunden, z.B. wenn man auf etwas wartet!? Wartest du auf etwas bestimmtes? Oder besser was hattest du erwartet? Wenn du passiv bist, passiert nichts!
Zitat
Okay, ich bin immer noch spielfrei (meine zweitlängste Zeit) allerdings bin ich jetzt nicht viel weiter wie vor 1 Woche
Auf was bezieht sich das noch nicht viel weiter? Was heißt, du tust zu wenig!? Du bist spielfrei und das ist sehr, sehr gut! Jetzt gilt es die Zeit anstelle des Spielens mit anderem zu füllen! D.h. du sollst dich natürlich auch mit dem Spielen auseinandersetzen, das kann man sehr fein innerhalb einer SHG, aber natürlich sollst du auch andere Dinge tun, die dir gut tun (Hobbys, Arbeiten, Urlaub, etc). Werde aktiv und lebe dein Leben! Gestalte dein Leben, wie es dir passt und wie du glücklich bist. Spieler wirst du bleiben, aber damit kann man leben, sehr gut sogar, solange man abstinent bleibt! Immerzu warten, bis der nächste Suchtberatungstermin kommt, ist zu wenig!
aT
p.s.: Listen, über SHG Gruppen findet man auch im Netz, wenn man möchte...
Sag "JA" zum Leben!