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Autor Thema: Der Weg ist das Ziel - Stopp den Zock!

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Der Weg ist das Ziel - Stopp den Zock!
OP: 02.12.2016 13:31:36
Hallo zusammen!

Ich habe mir mal erlaubt, mein Tagebuch aus dem "alten" Forum ins neue zu übertragen. Würde es schade schade finden, wenn es dort untergeht, weil ich es gern weiterführen möchte, aus triftigen Gründen allerdings nicht dort, wo es entstanden ist...

Hoffe, dass das soweit okay ist. Kopiere natürlich nur meine Beiträge! Alles andere habe ich gelöscht und musste das Tagebuch teilweise auch anpassen deswegen.
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« Letzte Änderung: 02.12.2016 13:50:07 von Miele1887 »
- Der Weg ist das Ziel -
 
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31 Oktober 2016, 16:43:19

Hallo liebe Gemeinde,

ich habe wirklich lange darüber nachgedacht, hier einen Thread zu erstellen, etwas anzufangen, was so viele vor mir auch schon getan haben. Seit längerer Zeit bin ich in diesem Forum stiller Mitleser, wie wohl so viele andere auch.

Und wie bei vielen anderen sicherlich auch, gab es bei ein Schlüsselereignis, einen Auslöser, der mir die Anmeldung und das Erstellen dieses Tagebuches einfach macht.

Aber zuerst ein bisschen was von mir, macht es ja irgendwie einfacher:

Ich bin Christian, 28 Jahre alt und komme aus der Nähe von Hamburg, noch weiter aus dem Norden sogar. Ich spiele so ungefähr seit 10 Jahren, weiß es aber gar nicht so genau wann ich nun angefangen habe, ist ja auch total unwichtig wann das Elend seinen Lauf genommen hat.

Angefangen hat es damals mit Kollegen in der Spielhalle. Eigentlich war ich immer total gegen diesen Mist, sich an einen Automaten setzen und sein Glück versuchen, was für ein Schwachsinn, ist doch logisch, dass man gegen eine Maschine nicht gewinnt... Was hätte ich mir alles sparen können, wenn ich damals schon auf meinen Kopf gehört hätte  ::)

Naja, jedenfalls wurde aus den ersten Gelegenheits-Aufenthalten dann schleichend mehr, wie bei so vielen läuft es ja anfangs sogar einigermaßen und man macht sich vor, man hätte alles im Griff. Die ersten finanziellen Probleme schlichen sich ein, die ersten Monate mit 3 Wochen ohne Geld für Essen, solche Geschichten. Jeder Cent, wurde sofort wieder in die Halle getragen, in der Hoffnung, Verluste zu kompensieren und Rechnungen mit Gewinnen zu bezahlen. Das war so vor 4-5 Jahren und so ging es dann weiter, mehr und mehr Schulden, Kredite, nicht bezahlte Raten, Schufa, Gerichtsvollzieher, etc. Das volle Programm. Zwischenzeitlich hatte ich Sportwetten für mich entdeckt und war auch dort vom Gelegenheits-Zocker zum Extrem-Spieler geworden.

Natürlich kommt man irgendwann an den Punkt, wo man auf den Scherbenhaufen seines Lebens schaut und sich eingesteht, dass man ein Problem hat. Ich verharmlose das alles schon lang nicht mehr, ich weiß, dass ich ein Problem habe, dass ich ohne Hilfe von Außen niemals in den Griff bekommen werde.

Was für mich aber am schlimmsten ist, und das ist auch einer der Hauptgründe, weshalb ich mich hier angemeldet habe:

Ich belüge meine Umfeld.

Ich belüge jeden Menschen, der mir wichtig ist und den ich liebe. Bis auf ein paar Kollegen (wohlgemerkt auch fast alles nasse Spieler) weiß NIEMAND, dass ich so ein extremes Problem habe. Seit 4 Jahren führe ich eine Beziehung. Meine Freundin weiß, dass ich Schulden habe und weiß, dass ich nicht mit Geld umgehen kann. Natürlich fragt sie mich, wieso ich am 10. des Monats schon wieder pleite bin. Wieso ständig Mahnungen ins Haus flattern (wir wohnen zusammen). Sie ist voll leidtragend und das Lügengerüst, das ich mir in den letzten Jahren aufgebaut habe, ist so immens groß, dass ich unter der enormen Last langsam aber sicher zusammenzubrechen drohe.

Ich will das einfach nicht mehr. Sie hat das nicht verdient. Belogen und betrogen zu werden. Sie ist der liebste Mensch auf Erden und ich nutze das schamlos aus um meiner Sucht nachzugehen. Ich bin ein abgebrühtes, berechnendes, eiskaltes Schwein, wenn es um meine Sucht geht. Ich ekele mich vor mir selbst.

Meine Eltern und meine Schwester wissen auch nichts von meinem Leiden. Sicherlich fragen sie sich auch, wo mein Geld bleibt (bin seit Jahren in einem unbefristeten Arbeitsverhältnis und verdiene ca 1.600 Euro im Monat) aber wirklich drauf angesprochen haben Sie mich nie.

Lange Rede, kurzer Sinn:

Gestern Abend und heute über den Vormittag (ich habe Montags Homeoffice), habe ich in einem SPAM knapp 1000 Euro verspielt. Geld, das ich eigentlich für ganz andere Dinge brauche, völlig klar. Man ist wie im Wahn, im Rausch, und wohl wissentlich, dass man das Geld benötigt, um Raten, Schulden, Miete, etc. zu zahlen, wird immer und immer wieder neu eingezahlt. Ich habe Angst vor mir selbst wenn ich im Nachhinein darüber nachdenke. Wie man so die Kontrolle über sich verlieren kann.

Und dann, wenn alles weg ist, wenn die Nüchternheit wieder einsetzt, man sich fragt, was einen da geritten hat. Dann kommen die Schuldgefühle, die Angst, jetzt reinen Tisch machen zu müssen. Aufzufliegen. Sich zu outen. Und vor allen als Versager da zu stehen, der sein Leben nicht in den Griff bekommt. Das ist nämlich mein Problem, das, was mich innerlich beschäftigt. Anerkennung.

...

Ich hatte seit der letzten Einzahlung, die gegen 12 Uhr erfolgte, bis jetzt Zeit darüber nachzudenken, wie ich es diesmal wieder hinbekomme, dass ich nicht auffliege, wie ich mein Netz aus Lug und Betrug weiterspinne. Und ich habe keine Lust mehr darauf. Keine Kraft mehr dazu und will das nicht mehr. Also gehe ich den vermeindlich einfachsten Weg:

Ich werde die Hosen runterlassen.

Heute Abend werde ich reinen Tisch machen und meiner Freundin alles erzählen. Mit den Konsequenzen muss ich dann leben aber ich kann das nicht mehr mit mir selbst ausmachen, ich geh sonst kaputt daran. Mittlerweile macht mich der psychische Druck auch körperlich fertig. Ich habe über 20.000 Euro Schulden, bin wegen Beschaffungskriminalität vorbestraft und fahre mein Leben gerade volles Rohr an die Wand.

Egal, wie es ausgehen wird, ich lasse mir nun von Außen helfen. Meine Konten bei diversen Casinos und Wettanbietern habe ich eben alle sperren lassen, bei den Spielhallen hier im Ort werde ich morgen Steckbriefe verteilen, mich auch sperren lassen. Die Nummer von der SHG habe ich bereits zwei Mal gewählt, allerdings meldet sich noch niemand. Egal, jeden Dienstag ab 20:00 Uhr, die Adresse habe ich und es sind nur 10 Minuten zu Fuß von unserer Wohnung. Dort werde ich morgen hingehen und mir einen ersten Eindruck verschaffen, mir Infos geben lassen an wen ich mich wenden kann, etc.

Ich melde mich hier, wie es weitergeht.

Und es tut unheimlich gut, sich das mal von der Seele zu schreiben!

Bis dahin,

Gruß,

Miele1887
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« Letzte Änderung: 02.12.2016 13:39:17 von Miele1887 »
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01 November 2016, 12:28:30

Mahlzeit,

ich habe gerade Mittagspause und dachte mir, dass ich diese kurz nutze um euch von meinem gestrigen Gespräch zu berichten.

Es hat mich wirklich eine Menge Überwindung gekostet und kurzfristig habe ich mit dem Gedanken gespielt, es doch weiter zu verheimlichen, mir irgendwelche fadenscheinigen Gründe auszudenken, weshalb mein Geld schon wieder weg ist obwohl wir erst den Ersten des Monats haben, etc. Ich wollte mich der Wahrheit nicht stellen und fing schon wieder an mir weitere Lügen auszudenken aber irgendwie hab ich den kleinen Suchtteufel in mir niedergerungen und mich der Verantwortung doch gestellt.

Meine Freundin war natürlich geschockt, keine Frage. Unsere 4-jährige Beziehung beruht teilweise auf so großen Lügen, und es tat mir so unendlich weh, sie damit zu konfrontieren und ihr reinen Wein einzuschenken. Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal so viel geweint habe wie gestern Abend, größtenteils wohl eher wegen mir selbst und meiner Situation, aber auch wegen ihr, weil sie es nicht verdient hat so schlecht behandelt und permanent belogen zu werden. Man muss sich das mal vorstellen, ich habe zwei Kredite am Laufen, einen Haufen Schulden bei Gläubigern, Freunden, eine Geldstrafe wegen Beschaffungskriminalität. Und sie wusste von NICHTS, weil ich so gut darin bin mir die Realität so hinzubiegen, dass es einfach nicht auffällt. Das ist krank.

Es war auf jeden Fall die richtige Entscheidung, das habe ich schon während des Gesprächs gemerkt. Und sie wird mir helfen, an meiner Seite sein, mit mir zusammen diesen Weg gehen wofür ich ihr unglaublich dankbar bin. Ich weiß aber auch, dass das die letzte Chance ist, die ich von ihr bekomme, denn auch Ihre Geduld ist nicht unerschöpflich, und dessen bin ich mir bewusst.

Wir werden nun eine Aufstellung machen wie hoch meine Schulden wirklich sind, wer was von mir bekommt und wie lang es dauern wird, bis ich alles abbezahlt habe. Zum Glück verdiene ich Geld und habe eine feste Anstellung. Es wird zwar eine ganze Weile dauern bis alles getilgt ist, allerdings habe ich die Möglichkeit dazu und das ist viel Wert. Da meine Freundin BWL studiert hat und mit Excel & Co. bestens vertraut ist, wird sie diese Angelegenheit weitestgehend regeln und zukünftig auch meine Finanzen regeln, anders geht es einfach nicht und darum habe ich sie auch von vornherein gebeten.

Heue Abend um 20:00 Uhr ist die SHG hier im Ort. Dort werde ich einfach aufschlagen, denn telefonisch habe ich auch heute niemanden dort erreicht. Man kann dort doch ohne Voranmeldung erscheinen, oder? Ich hoffe, dass ich in der Gruppe weitere Infos erhalte bzgl. einer Therapie und den nötigen Anlaufstellen bei uns vor Ort. Das ist nämlich der nächste Schritt, den ich mit meiner besseren Hälfte besprochen habe und was ich auch unbedingt will: Eine Therapie. Ich bin krank und kann mir nicht mehr allein helfen. Und ich will damit auch nicht mehr allein sein!

Vielleicht melde ich mich heute Abend schon und erzähle euch, wie es in der SHG war. Ansonsten aber definitiv die nächsten Tage!

Und vielen Dank für den Zuspruch und die nützlichen Hinweise und Tipps, es fühlt sich super an so vorbehaltlos aufgenommen und vor allem auch ernst genommen zu werden.

Grüße aus dem hohen Norden,

Christian  :)
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« Letzte Änderung: 02.12.2016 13:39:59 von Miele1887 »
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01 November 2016, 13:31:49


Danke für eure Beiträge!

Das war der erste große Schritt und er hat einiges an Überwindung gekostet.

Ich denke, dass ich mir damit auch so lang Zeit gelassen habe, weil ich mir immer wieder ein Hintertürchen offen halten wollte. Ich wusste ja, wenn ich die Hosen runter lasse, dann hat es sich mit Spielen erledigt. Und ich wollte ja weiterspielen. Also hab ich es natürlich gelassen und mich munter weiter beschissen.

Ich muss auf jeden Fall in Therapie, da führt für mich kein Weg dran vorbei. Habe seit jeher eine sehr sehr hohe Affinität zu allem, was süchtig macht und durchlebe seit Jahren diverse Suchtverlagerungen (sagt man das so?). Bevor das Spielen bei mir richtig krankhaft wurde habe ich chronisch gekifft, jeden Tag, mit körperlichen Entzugserscheinungen. Da gab es dann mal ein Schlüsselerlebnis und seitdem kiffe so gut wie gar nicht mehr, wenn es hochkommt 2 Mal im Jahr. Das ist 4 Jahre her. Was ich sagen will: Irgendwas in meinem Inneren beschäftigt mich unterbewusst ganz extrem und ich denke es ist Zeit, der Sache auf den Grund zu gehen. Ohne Therapie werde ich das nicht schaffen denke ich.

Es ist großartig so viel positives Feedback zu bekommen und es ermutigt mich, diesen Weg weiter zu gehen!

Ich bin normalerweise ein extrem emotionaler und emphatischer Mensch. Das Spielen, all die Lügen, die Flucht in meine Scheinwelt, meine Ausreden, die ich mir teilweise schon selber anfing zu glauben, all das hat mich zu einem kalten, egoistischen und berechnenden A****loch gemacht, das über Leichen geht um seine Sucht zu befriedigen, fast sogar über seine eigene...

Mit meiner Freundin habe ich den besten Fang meines Lebens gemacht, das weiß ich nicht erst seit gestern, aber seit gestern noch viel viel mehr! Ich möchte ihr und vor allem MIR jetzt etwas wiedergeben. Das dafür eine Menge Arbeit von Nöten ist, das ist mir bewusst. Auch wenn ich wahrscheinlich noch nicht mal im Ansatz erkenne, wie steinig der Weg werden wird.

Für Sie ist die Materie jetzt natürlich eine ganz neue und ich kann mir vorstellen, dass Sie hier im Forum bestimmt nützliche Informationen finden kann. Werde es ihr mal vorschlagen :)
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« Letzte Änderung: 02.12.2016 13:41:08 von Miele1887 »
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02 November 2016, 09:39:46

Guten Morgen, Forum,

gestern war es also so weit. Mein erster Besuch in der SHG... Obwohl ich anfangs noch relativ "cool" war und mir dachte, dass mich der Besuch dort nicht sonderlich unter Druck setzen wird bzw. mir nicht an die Substanz gehen wird, wurde ich doch mit jedem Schritt, den ich in der Einrichtung näher kam, aufgeregter und unentspannter, bekam schweißnasse Hände und mein Puls ging in die Höhe.

Ich war einer der ersten und konnte mich dementsprechend vor Beginn schon ein wenig mit den anderen Spielern vertraut machen und mich "reinfühlen", was mir die Aufregung ein wenig genommen hat.

Mein erster Eindruck ist, dass ich froh bin den Weg dorthin gefunden zu haben. Der "Gruppenälteste" ist schon fast 20 Jahre trocken und kommt trotzdem noch hin, weil es ihm eine Herzensangelegenheit geworden ist. Ich finde das bewundernswert. Die restlichen Leute waren bunt gemischt. Wenn ich ehrlich bin, habe ich mit viel Elend und Leid gerechnet, abgerissene Typen, verspielte Existenzen. Und natürlich waren einige auch um ein vielfaches schlimmer dran als ich. Aber wir haben alle etwas, das uns verbindet. Wir sind krank und können alleine nicht genesen. Auf jeden Fall habe ich mich in einigen Geschichten, die angerissen wurden definitiv selbst erkannt und es ist ein gutes Gefühl zu wissen, dass man mit seinen Sorgen, seinem Kummer und seinen Problemen nicht allein ist.

Die Leiterin der Gruppe hat mir ihre Telefonnummer gegeben weil ich sie nach der Sitzung nach Möglichkeiten einer Therapie gefragt habe. Mit ihr werde ich heute im Laufe des Tages telefonieren und hoffe von ihr einige Möglichkeiten aufgezeigt zu bekommen, die ich dann nutzen kann. Würde mir natürlich wünschen, wenn es so etwas direkt bei uns im Ort geben würde, bin nicht sonderlich mobil weil ich kein Auto und keinen Führerschein habe.

Meine Freundin hat mich übrigens zur SHG gebracht und mich auch wieder abgeholt. Normalerweise hat sie Dienstag Abends Sport um die Zeit, in der die SHG tagt, allerdings wird sie diesen nun vorerst ausfallen lassen, weil sie mich nächste Woche und in den Wochen, die folgen werden dort abliefern wird. Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Und das kann ich auch absolut verstehen, ich habe ihr 4 lange Jahre einen riesengroßen Haufen Lügen aufgetischt. Bin völlig überwältigt von ihrer Anteilnahme und ihrem Verständnis meiner Sucht gegenüber. Wenn ich darüber nachdenke, wie lange ich ihr das aus Angst vor Abweisung verschwiegen habe, könnte ich mir in den Ar*** beißen... Sie hat sich auch direkt Informationen geholt, sich ein Buch zur Thematik bestellt und macht sich jetzt schlau, das ist für sie alles natürlich absolutes Neuland. Und ich bin unglaublich dankbar dafür, dass sie das tut. So wie ich mich ihr gegenüber verhalten habe, hab ich das eigentlich nicht verdient...!

So, Tag 2 ohne Spielen, da momentan eh kein Geld vorhanden ist, fällt es mir natürlich leicht nicht zu spielen, wovon auch. Drüber nachdenken tue ich trotzdem sehr viel. Gleichzeitig ist der Gedanke ans Spielen aber gepaart mit einer großen Wut und einer innerlichen Leere. Wut auf mich selbst, weil ich so unsagbar dämlich war und mir so unendlich viel Zeit und Nerven geraubt habe. Wut auf die Automatenindustrie, die von suchtkranken Menschen lebt. Wut auf das System, das so etwas billigend in Kauf nimmt um sich die Taschen zu füllen. Schuldzuweisungen bringen nichts, das weiß ich. Und mein Geld bekomme ich davon auch nicht zurück. Aber diese Wut ist vorhanden und in gewisser Weise finde ich es auch positiv, dass sie da ist.

Ich bin gespannt, wie sich meine Gefühlswelt weiterentwickeln wird in den nächsten Tagen. Jetzt geht es erstmal daran meine Schulden aufzulisten, Gläubiger anzuschreiben, Vergleiche anzustreben. Ein unschönes Thema, das ich immer ausgeblendet habe. Briefe, Mahnungen, etc. sind immer direkt in meine "Schublade des Vergessens" gewandert und es wird sicherlich nicht schön sich vor Augen zu führen, was für einen riesigen Haufen Schulden ich in den nächsten Jahren abzustottern habe. Aber auch das gehört dazu. Ich muss generell lernen, mich meinen Problemen zu stellen und nicht immer den Kopf in den Sand zu stecken.

Euch erstmal einen schönen Tag :)

Grüße,

Christian
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« Letzte Änderung: 02.12.2016 13:42:56 von Miele1887 »
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03 November 2016, 09:35:11

Guten Morgen :)

Gestern Abend habe ich mich mit meiner Freundin hingesetzt und schonungslos meine Finanzen offen gelegt. Was soll ich sagen... Es hat mich nicht mal überrascht, was sich da über die Jahre und gerade dieses Jahr angehäuft hat. Ich stehe mit knapp 25.000 Euro in der Kreide. Einige Sachen davon hatte ich sogar schon fast wieder ausgeblendet.

Was mich wirklich erschreckt hat ist die Tatsache, dass ich allein dieses Jahr zwei Kredite mit über 10.000 Euro aufgenommen habe. Eingeredet habe ich mir, dass ich damit Schulden abbezahlen will. Effektiv habe ich aber mehr als drei Viertel verzockt. Wenn ich ehrlich zu mir selbst bin, und das will ich ab jetzt sein, dann habe ich diese Kredite in dem Wissen beantragt und aufgenommen, dass ich damit erstmal wieder flüssig bin und spielen kann. Ich war mir dessen bewusst und habe es trotzdem gemacht. Und es war okay für mich. Das ist Wahnsinn.

Meine Freundin war erwartungsgemäß platt. Mit so einer Summe hat sie nicht gerechnet, hatte ich doch in bester Lügenbaron-Manier alles vertuscht, abgestritten und manipuliert, damit mein Lügengerüst weiter aufrecht stehen bleibt.

Nun haben wir alle Kredite, Gläubiger, Ratenzahlungen, monatlichen Ausgaben, etc. in einer Excel-Tabelle erfasst, einen Tilgungsplan erstellt und ich darf heute und in den nächsten Tagen diverse Gläubiger anrufen und um Verkleinerung der Raten bitten, da ich es sonst nicht schaffe, alles gleichzeitig zu bedienen. Es werden so schon harte Monate die nächste Zeit, von meinem Geld werde ich lange Zeit nichts sehen, was aber auch gut so ist.

Desweiteren habe ich meine Bankkarte ausgehändigt und meiner Freundin die Zugangsdaten für mein online-Banking gegeben, welche Sie nun ändern wird. Somit habe ich auch keine Vollmacht mehr über mein Geld, was für den Moment und die nächste Zeit das beste ist. Lediglich ein Taschengeld von 5-10 Euro die Woche steht mir zur Verfügung, davon kann ich mir dann Tabak kaufen oder morgens vor der Arbeit mal ein Franzbrötchen :)

Auch hier muss ich sagen, dass ich vor meiner "Offenbarung" ihr gegenüber niemals ehrlich war, was Geld und Finanzen anging. Diese Themen waren IMMER ein wunder Punkt für mich und falls wir doch einmal darüber gesprochen haben, wurde ich sehr schnell launisch und ihr gegenüber auch unfair. Trotzdem habe ich es geschafft, sie so weit zu manipulieren, dass diese Themen eigentlich monatelang nicht mehr angesprochen wurden weil ich ihr zu verstehen gegeben habe, dass das meine Sache ist und sie das nichts angeht. Na klar, ich wollte ja auch nicht auffliegen. Es ist wirklich erschreckend zu sehen, wie abgebrüht und berechnend man wird um seine Sucht weiter auszuleben, finde das faszinierend und abstoßend zugleich.

Jetzt aber so offen und ehrlich ihr gegenüber zu sein, auch was dieses Thema angeht, fühlt sich neu und unglaublich gut an. Es schafft eine neue Ebene des Vertrauens zwischen uns die es bisher so nicht gab.

Eine Frage hab ich an euch:

Da ich diverse Gläubiger anrufen muss um eine Ratenzahlungsvereinbarung zu treffen bzw. um die Raten zu verringern, macht es Sinn zu erzählen, dass man pathologischer Glücksspieler ist und sich jetzt in Therapie begibt? Ich will definitiv zahlen und langsam aber sicher meinen Schuldenberg abtragen, allerdings brauche ich dafür das Entgegenkommen der Gläubiger.

Hat damit jemand von euch Erfahrungen? Sollte ich evtl. doch eine Schuldnerberatung machen um der ganzen Sache mehr Glaubwürdigkeit zu verleihen?

Wäre nett, wenn sich dazu jemand äußern könnte :)

Bis dahin wünsche ich euch einen sonnigen, wenn auch eiskalten und frostigen Tag!

Christian
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« Letzte Änderung: 02.12.2016 13:43:40 von Miele1887 »
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07 November 2016, 17:01:28

Hallo zusammen :)

Wollte hier nur kurz alles auf den aktuellen Stand bringen, vielleicht auch eher für mich als für euch, ist immer schön das Erlebte und Verarbeitete hier zu dokumentieren.

Heute vor einer Woche hab ich reinen Tisch gemacht und ich bereue NICHTS! Es war die beste Entscheidung meines Lebens und ich bin froh, sie getroffen zu haben!

Die ersten Dinge auf dem Weg in Richtung Spielfreiheit und heraus aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit sind in Angriff genommen. Ich habe mich meiner Freundin offenbart, ihr ehrlich und schonungslos alles erzählt. Ich war bei der SHG und werde morgen wieder hingehen, worauf ich mich auch schon freue. Zusammen mit meiner besseren Hälfte habe ich alle meine Schulden, Kredite, etc. aufgedröselt und tabellarisch aufgelistet. Auf Anraten von nutella (vielen Dank dir nochmal für den netten Hinweis bzgl. des Vergleichs) habe ich die Gläubiger angeschrieben, mit denen ich die weiteren Zahlungsmodalitäten abklären muss und warte dort nun auf Rückmeldung. Desweiteren habe ich meine Bankkarte abgegeben, das Tageslimit meines Kontos auf 50 Euro runtergesetzt, meiner Freundin die Zugangsdaten zu meinem Onlinebanking übergeben und zusammen mit ihr für die folgenden Monate Daueraufträge eingerichtet, sodass finanziell nun alles einen Rahmen bekommen hat und meine Freiheiten in dieser Hinsicht (und auf meinen ausdrücklichen Wunsch hin!) extremst beschnitten sind.

Was nun noch zu tun ist:

Offline-Sperren in den Suchttempeln hier in der Stadt (online ist ALLES gesperrt, wo ich mich jemals angemeldet habe, Browser-Einschränkungen sind in Arbeit).

Eine Frage stellt sich mir: Die Leiterin der SHG meinte zu mir, dass ich jetzt erstmal ein paar Wochen SHG abwarten soll und selbst schauen muss, ob ich eine Therapie möchte. Ich selbst sehe mich nicht in einer stationären Therapie, was mich aber wirklich interessieren würde ist, WARUM ich Spieler geworden bin, welche Probleme ich EIGENTLICH damit verdrängt habe, etc. Wäre da der Gang zu einem Psychologen nicht sinnvoller? Oder doch ein Sucht-Therapeut, der beides aufgreift (also Spielsucht und, ich nenne es mal "Ursachenforschung"?).

Zu was könnt ihr raten? Bzw. was macht mehr Sinn? Ich weiß, es gibt nicht die Universal-Antwort  für jeden von uns. Jeder tickt anders, jeder braucht seine auf ihn zugeschnittene Behandlung, das ist mir klar. Trotzdem fische ich, was dieses Thema angeht, irgendwie ein bisschen im Trüben.

Abschließend ein kurzer Einblick in meine Gefühlswelt :D

Ich fühle mich zur Zeit sehr gut. Ich weiß, dass es die richtige Entscheidung war, die ich getroffen habe. Es ist auch nicht so, dass ich krampfhaft die Tage zähle, an denen ich jetzt nicht spielen war (sind ja auch nicht so viele bisher). Zu wissen, dass ich nicht gespielt habe erfüllt mich mit Stolz und Zufriedenheit. Ich hätte seit Freitag mehrfach die Gelegenheit dazu gehabt, auch weil wieder etwas Geld eingegangen ist (mache nebenher und unter der Hand ab und an mal ein paar Drucksachen fertig, Flyer, Visitenkarten, Briefpapier, etc. Bin gelernter Mediengestalter). Aber ich habe gar nicht wirklich das Verlangen gehabt. Natürlich denke ich hin und wieder ans Zocken, dafür gibt es auch viel zu viel, was einen daran erinnert und einen triggert, sei es der Weg zur Arbeit, irgendwelche Geräusche, etc. Aber ich bin auf einem Guten Weg und will es schaffen. Sicherlich ist auch noch eine Menge der anfänglichen Euphorie vorhanden, aber warum diese nicht positiv nutzen? :)

Euch einen schönen Abend! Kann nur immer wieder sagen, dass ich froh bin hierher gefunden zu haben, ehrlich! Mittlerweile hab ich das halbe Forum und seine Beiträge durch und es steckt so vieles in diesen Dingen, das man sich mitnehmen kann. Das ist ganz stark!

Gruß, Christian
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« Letzte Änderung: 02.12.2016 13:44:41 von Miele1887 »
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11 November 2016, 10:08:09

Guten Morgen, Forum :)

Mir geht es nach wie vor sehr gut, seit meiner "Offenbarung" bin ich spielfrei geblieben und freue mich über jeden einzelnen dieser Tage! Erstaunlich, mit wie wenig Geld man eigentlich auskommt, wenn man nicht jeden Cent in die Spielhalle trägt oder online verpulvert.

Die zweite Sitzung in der SHG war wieder sehr aufschlussreich und ging diesmal fast 3 Stunden :D War am Dienstag erst um kurz vor 23 Uhr zuhause und danach echt geschafft. Der Kopf bekommt dort wirklich ne Menge Input und man merkt richtig, wie Mechanismen in Gang gesetzt werden, die dazu führen, dass man selbstreflektierter wird, in sich geht und nachdenkt. Ich habe mich immer gefragt, weshalb ich spiele, was der Grund dafür ist. Das war auch Thema am Dienstag und mir wurde ein Gedankenanstoß gegeben, den ich vorher so nicht hatte.

Was bringt es mir, zu wissen, warum ich spiele? Was genau habe ich davon, den Grund zu kennen? Würde es etwas an der Situation ändern, in der ich mich befinde? Würde es alles ungeschehen machen, was passiert ist? All die Lügen? All die verlorene Zeit und das kaputtgespielte Selbstwertgefühl? Wieso versuche ich so krampfhaft ein Etikett dafür zu finden, was mit mir nicht stimmt? In welche Schublade will ich mich einordnen?

Ich habe darüber seit Dienstag viel nachgedacht und ich glaube, dass ich zu keiner Antwort auf diese Fragen komme. Und dass ich auf keine Antwort kommen will. Stattdessen möchte ich akzeptieren, dass ich so bin, wie ich bin. Ich habe eine Suchterkrankung, die mich mein Leben lang begleiten wird. Das bin ich. Und ob das jetzt daran liegt, dass ich als Kleinkind nicht genug Aufmerksamkeit von meinem Vater bekommen habe oder weil mir ADHS diagnostiziert wurde und meine Eltern mich mit Ritalin vollgepumpt haben, SO WHAT!

Ich habe so lange nach Gründen gesucht, wieso, weshalb, warum. Es macht mich rastlos und es ist unbefriedigend für mich. Der wirklich simple Gedanke, einfach zu akzeptieren, dass ich bin wie ich bin, kam mir nie.
Das mag total banal klingen, zeigt aber auch, wie verkopft ich im Umgang mit mir selbst bin. Für mich ist das eine völlig neue Erkenntnis mit der ich mich total wohl fühle :D

Sich der SHG anzuschließen, war eine verdammt gute Idee. Es tut unfassbar gut, sich anfangs noch völlig fremden Menschen so schonungslos zu öffnen. Uns verbindet alle die Sucht, es ist wie ein verschworener Kreis, der Geheimnisse austauscht, die keine mehr sein sollen. Und irgendwie ist es ja auch so. Mit jeder Lüge, jedem Kapitel der Spielerkarriere, das man den anderen gegenüber preisgibt, kommt etwas zurück ins Gleichgewicht. Ich bin nicht spirituell oder religiös, aber der Begriff "Karma" passt hier ganz gut, finde ich :) In so gut wie jeder Geschichte, die ein anderer erzählt, kann ich mich selbst sehen und bekomme einen Spiegel vors Gesicht halten. Was ich in diesen Spiegeln sehe, ist nicht nur die Gegenwart. Bei manch einem Spiegel ist es die Vergangenheit und bei einem anderen die Zukunft, sowohl eine, die ich nicht leben möchte als auch eine, für die sich der Weg lohnt. Lehrreich ist es aber in jedem Fall.

Wie ihr seht, es beschäftigt mich, was dort mit mir passiert, und das ist gut so!

Ich wünsche euch ein schönes Wochenende, lasst es euch gut gehen und passt auf euch auf! :)

Gruß, Christian
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15 November 2016, 16:34:36

Hey, Leute :)

Heute Abend ist wieder SHG. Seit Erstellung dieses Tagebuches bin ich spielfrei und ich muss sagen, dass es mir relativ leicht fällt, nicht zu spielen. Trotzdem erwische ich mich dabei, wie sich der Suchtteufel immer wieder kurz in meinen Kopf stiehlt und meine Gedanken manipuliert.

Es ist irrwitzig: Jetzt, nach zwei spielfreien Wochen, denke ich, dass ich es doch total unter Kontrolle habe. Ich muss nicht spielen, niemand zwingt mich dazu. Es ist überhaupt kein Problem für mich. Wenn ich jetzt noch 3-4 Mal in die SHG gehe, dann kann ich mir das danach auch schenken. Ich bin ja stark genug, man muss es nur wollen.

Kennt ihr solche Gedanken? Sowas geht mir momentan durch den Kopf und es macht mir ein bisschen Angst. Ich weiß, dass das absoluter Schwachsinn ist, ich habe jahrelang gezockt um es besser zu wissen. Es ist wirklich ekelhaft, wie mir die Krankheit diese Gedanken einflößt.

Ich versuche mir dann zu vergegenwärtigen, wie weit runter mich die Spielsucht gebracht hat, was sie kaputt gemacht hat, wie sie mich verändert hat. Und dass es nur einen Gewinner gibt, wenn ich mein Geld in die Spielhalle trage. Nicht mich. Das klappt auch sehr gut, trotzdem schleichen sich solche Gedanken zwischendurch aber immer wieder mal ein. Es reicht, sie wegzuwischen und mich abzulenken.

Was macht ihr in solchen Augenblicken?

Davon abgesehen geht es mir aber sehr gut, bin nach wie vor der Meinung, dass das die beste Entscheidung seit langer langer Zeit war und bin auch immer noch motiviert, den Weg weiter zu gehen.

Grüße, Christian
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16 November 2016, 10:21:12

Einen wunderschönen!

Eben gerade hatte ich einen unschönen Zwischenfall, den ich kurz schildern möchte. War bei youtube unterwegs und hatte dort während meines Spielens oft Videos geguckt, die Leute in Spielhallen aufgenommen haben, von Gewinnbildern, Serien, etc. Auf jeden Fall wollte ich nur Musik anmachen und habe dann auf der Startseite Videoempfehlungen bekommen, eben von diesen Spielhallen-Kanälen. Es kam wie es kommen musste und ich habe mir ein Video angeguckt  :(

Jetzt fühle ich mich schlecht damit. Ich weiß nicht genau, wie ich das einordnen soll. Hätte ich es wirklich nicht gucken wollen, dann hätte ich es auch nicht getan, richtig? Meine Gedanken beim Anschauen waren zwiespältig, auf der einen Seite hat es schon einen Reiz auf mich ausgeübt, auf der anderen war mir zu jeder Zeit des Videos bewusst, dass alles daran schlecht und falsch ist und dass ich es nicht gucken sollte.

Ich werte das für mich persönlich als kleinen Rückschritt, denn das ist das erste Mal seit mehr als 2 Wochen, dass ich mich bewusst mit diesem Mist konfrontiert habe. Und wohl eher nicht aus Neugier, was es mit mir macht, sondern um mich anzufixen. Zwar verspüre ich jetzt unmittelbar danach nicht das unbändige Bedürfnis zu spielen, trotzdem denke ich, dass es ein eindeutiges Zeichen dafür ist, dass ich aufpassen muss.

Vielleicht habt ihr ja ähnliches erlebt und könnt mir eure Meinung dazu schreiben, würde mich freuen :)

Bis dahin euch ein schönes Bergfest!

Gruß, Christian
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« Letzte Änderung: 02.12.2016 13:46:53 von Miele1887 »
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23 November 2016, 11:15:59

Guten Morgen, Leute :)

Von mir ein kurzes Update, auch wenn es eigentlich nicht viel zu berichten gibt. Ich bin weiterhin spielfrei, besuche die SHG regelmäßig und spüre nach wie vor, dass mir das Nicht-Spielen sehr gut tut. Es ist lang her, dass ich über einen Zeitraum von über 3 Wochen nicht gespielt habe und es fühlt sich gut an und ich bin stolz auf mich.

Nach 4 Mal SHG muss ich sagen, dass ich mich gut in die Gruppe integriert fühle, wenn ich gegen 22:30 Uhr wieder auf dem Weg nach Hause bin dann spüre ich, dass ich lebe. Irgendwie wird mein Wertesystem während der Treffen immer wieder neu kalibriert, der Blick auf die wirklich wichtigen Dinge im Leben neu geschärft. Diese Treffen sind jetzt nach kapp einem Monat schon sehr wichtig für mich geworden und ich bereue es nicht, den Schritt gemacht zu haben und mir die Selbsthilfe zu gönnen, wie Olli immer so schön sagt :D

Der Gedanke ans Spielen ist zwischendurch zwar präsent, das kommt dann einfach so, ohne Vorwarnung und das ist auch okay, ich lasse das dann zu und setze mich damit auseinander. Allerdings muss ich sagen, dass es in der letzten Woche weniger geworden ist. Es ist wie ein Zucken, das dann ab und zu aufblitzt und plötzlich da ist, aber genau so schnell ist es wieder weg.

Da ich mich in letzter Zeit durch die SHG sehr viel mit mir selbst beschäftige und durch das Nicht-Spielen auch eine Menge Zeit habe über mich nachzudenken, sind mir einige Verhaltensmuster aufgefallen, an denen ich arbeiten möchte und die ich aufarbeiten möchte. Ich will da jetzt nicht ins Detail gehen, hat viel mit meiner Kindheit zu tun, mit Anerkennung, Akzeptanz, Kritikfähigkeit, etc. Ich denke, dass dort auch der Hund begraben liegt, weshalb ich spielsüchtig bin bzw. warum ich generell ein sehr Sucht-affiner Mensch bin.

In der Gruppe habe ich mir die Telefonnummer eines Suchtberaters der AWO besorgt. Je mehr ich darüber nachdenke, desto sicherer bin ich mir eigentlich, dass dieser Mensch nicht der richtige Ansprechpartner für mich ist. Ich denke da eher an einen Psychologen?

Was ich eigentlich möchte, ist jemanden zum Reden. Nicht meine Freundin, nicht meine Schwester oder meine Familie, mit denen kann ich immer reden. Ich möchte jemanden, zu dem ich einmal die Woche gehe, mit dem ich über mich spreche, der mit mir zusammen in mich reinschaut, mir aufzeigen kann, was mich emotional belastet, was ich mit mir herumschleppe. Mit dem ich zusammen an mir arbeite. Schon eine Art Therapie irgendwie.

Habt ihr da vielleicht ne Idee für mich? An wen genau soll ich mich wenden? Doch erstmal der Suchtberater von der AWO? Ich bin an dieser Stelle ein bisschen überfragt, weiß aber, dass es mir unheimlich gut tun würde, wenn ich in dieser Richtung etwas unternehmen könnte :)

Danke schon mal :)
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« Letzte Änderung: 02.12.2016 13:47:18 von Miele1887 »
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28 November 2016, 16:45:58

Nabend, Leute :)

Kurzes Update von meiner Seite:

Genau heute vor 4 Wochen hab ich den ersten Schritt getan und mich meiner Spielsucht gestellt. Was seitdem passiert ist, habe ich hier in diesem Tagebuch niedergeschrieben. Spielfrei bin ich seit 28 Tagen und ich bin so froh, dass ich es bis an diesen Punkt geschafft habe. 28 Tage ohne Spielen, das hatte ich seit einer gefühlten Ewigkeit nicht mehr und es fühlt sich einfach nur richtig an!

Ein Monat spielfrei. Ein Monat, in dem ich mich so viel mit mir selbst beschäftigt habe, wie lange nicht mehr. Ein Monat, in dem ich viel über mich gelernt habe, auch durch die regelmäßigen Besuche in der SHG.

Natürlich kann ich hier jetzt keine klugen Ratschläge erteilen, dafür bin ich noch zu "nass", allerdings kann ich jedem, der neu in dieses Forum kommt und den Wunsch nicht mehr zu spielen mit sich herumträgt dazu raten, es zu versuchen und die dafür notwendigen Schritte einzuleiten.

Ich habe letztens in der Gruppe erzählt, dass die kommenden Monate sicherlich hart werden, weil durch die Tilgung der Schulden kein Geld zur Verfügung ist. Daraufhin meinte eine Gruppenteilnehmerin zu mir: "Wieso hart? Vorher hattest du doch auch kein Geld für dich zur Verfügung..." :D Das hat ein bisschen gedauert aber sie hatte damit total recht! Ich hab ja nie Geld für mich gehabt, das ging ja alles in der Spielhalle oder online drauf, für MICH hatte ich nie Geld. Es ist eh erstaunlich, mit wie wenig Geld man eigentlich auskommt. Bis auf Tabak und ab und an mal ein Franzbrötchen morgens auf dem Weg ins Büro habe ich mir nichts gekauft diesen Monat (war natürlich auch kein Geld da, das hatte ich ja direkt am Monatsanfang verzockt. Bekomme jetzt ja ein wöchentliches Taschengeld von 5 Euro und das reicht, kaum zu glauben!) War ein lustiger und aufschlussreicher Moment für mich, wie so vieles, was in der Gruppe passiert. Den Besuch einer SHG kann ich uneingeschränkt empfehlen und ich denke, dass es wirklich ein sehr sehr wichtiges Instrument auf dem Weg in eine Spielfreiheit ist!

Was den Therapeuten/Psychologen angeht: Ich habe nun erstmal den mir empfohlenen Suchtberater angerufen und warte auf eine Rückmeldung seinerseits (konnte ihm nur auf die Mailbox quatschen, ist permanent nicht zu erreichen -.- ) Werde mich aber auch nochmal im Netz schlau machen, danke für deine Info diesbezüglich! :)

So, ich wünsche euch eine angenehme Woche, bleibt spielfrei und stark, es lohnt sich!

Grüße, Christian :)
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« Letzte Änderung: 02.12.2016 15:44:47 von Miele1887 »
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I

Info2

Hallo Miele..

Was ist mit den Gläubigern raus gekommen..?
Hast Du schon Erfolg verbuchen können..?

LG
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Moin zusammen :)

Ich konnte mich mit allen Gläubigern einigen, teils mit Vergleichen die ich direkt gezahlt habe, teils mit Vergleichen, die ich nun in Raten abzahle und teils mit Ratenzahlungen, die seit dem 01.12. nun ihren Gang gehen. Das eine wird schneller bezahlt sein, das andere wird mich noch Jahre begleiten. Egal, ich weiß, dass ich in absehbarer Zeit schuldenfrei sein werde und das ist die Hauptsache. Nimmt mir doch einige Last von den Schultern und drückt mir nicht mehr so sehr auf die Psyche. Ich hab mich damit abgefunden, dass ich die nächsten Jahre den Gürtel einfach ein bisschen enger schnallen muss und es ist okay für mich. Geld ist materiell. Ich bin in einem festen und unbefristeten Arbeitsverhältnis und die Kohle wird noch länger sprudeln, also brauche ich mir da keinen Stress mehr machen.

War ein schönes Gefühl als am Anfang des Monats alle Daueraufträge und Lastschriften vom Konto waren, klingt komisch, ist aber so :D Natürlich betrachte ich das ganze auch mit einem kleinen weinenden Auge, schließlich bleibt gerade jetzt im Dezember nicht viel übrig für die Weihnachtsgeschenke  :P  Aber da hat mein Umfeld vollstes Verständnis für und auch das ist ja kein Dauerzustand. Ich hab mir die Suppe eingebrockt, jetzt löffle ich sie auch aus  8)

Generell geht es mir sehr gut seitdem ich die Entscheidung getroffen habe nicht mehr zu spielen. Die Besuche in der Gruppe bestärken mich dabei und rufen mir jeden Dienstag ins Gedächtnis, warum ich diesen Schritt getan habe. Nach über einem Monat dreht sich auch nicht mehr so viel ums Spielen wie vorher, jedenfalls tagsüber. Nachts hatte ich jetzt schon mehrfach ziemlich wirre Spielhallen-Träume, war teilweise schon ganz schön abgefahren  :o :D Das zeigt mir aber, dass mein Unterbewusstsein mit der Entscheidung kämpft oder sich damit auseinandersetzt und Dinge verarbeitet. Alles in allem fühle ich mich aber psychisch so stabil wie lang nicht mehr, auch wegen der Ehrlichkeit meinem Umfeld gegenüber. Das tut gut. Körperlich bin ich momentan aber ganz schön abgewrackt  ;D  Liegt wohl am mangelnden Sonnenlicht oder so :D

Ich wünsche euch einen schönen Tag und gute 24 Stunden :)

Gruß, Christian
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Christian,

ich finde deine Einstellung zu deinen Schulden absolut vorbildlich !
Wenige sehen das so realistisch und suchen eher einen Schuldigen als einen Ausweg aus den Schulden.

Aus eigener Erfahrung sage ich, dass es ein sehr erhabenes Gefühl ist, wenn man seine Schulden begleichen kann
auch wenn die Schulden aus lange vergagenen Tagen sehr schmerzlich sind.

Hatte ich dann den einen oder anderen Gläubiger komplett "getilgt" fühlte ich mich
als stünde ich auf dem Mount Everest und die Welt läge mir zu Füßen.

Ich muss dazu aber ehrlich sagen, dass viele wirtschaftlich nicht in der Lage sind die eigenen Schulden zu bezahlen.
Da muss man sich dann einfach durch ein Insolvenzverfahren durchkämpfen.

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