Autor Thema: Jürgens Tagebuch  (Gelesen 21347 mal)

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Jacky1

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Re: Jürgens Tagebuch
« Antwort #15 am: 31.12.2016 15:31:42 »
Hallo,

meinen letzten Beitrag 2016 schreibe ich hier.

Vieles habe ich gelernt über Menschen,über mich.
Ich traf einst einen jungen Mann,er ging nach Sierra Leone und verbrachte 12 Jahre dort.
Ein ganzes Dorf hatte er aufgebaut,für Menschen dessen Hoffnung nur eines wahr,irgendwie zu leben.
Er lebt jetzt nicht mehr dort,er kam nach Hause und erzählte mir  viel davon.

Warum schreibe ich es hier?

Er muss nicht mehr in diesem Dorf sein,er hat auch nichts dort hinterlassen.
Er hat nur etwas befreit,was schon immer da war.
Die Menschen dort hatten einfach vergessen müssen,was eine Bedeutung hat.

Eine Plastik wird zusammengesetzt oder gegossen aus einem oder mehreren Materialien.
Hingegen eine Skulptur ist erschaffen aus jenem Material,dass diese ja schon immer beheimatet hat.
So befreite er die Humanität,sie war gefangen in den Wirren des Erlebten,jener Menschen.
Aber immer da gewesen!
Sonst nichts.

Ich habe auch ein Dorf gefunden.

Es muss nun gut werden,es darf nun gut werden.


Liebe Grüße   
 


 
 

Offline Karo

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Re: Jürgens Tagebuch
« Antwort #16 am: 01.01.2017 18:50:59 »
So hoffnungsvoll, so schön geschrieben

ich freue mich, es zu lesen und zu verstehen...Danke

lg Karo
Ich glaube an das Gesetz der Resonanz
und Alles fängt in mir an und hört in mir auf.
 

Jacky1

  • -
Re: Jürgens Tagebuch
« Antwort #17 am: 31.01.2017 01:05:08 »
Hallo,

fast vergessen dass ich ja auch ein Tagebuch habe.
Habe es gerade mal durchgelesen,alles irgendwie düster.

Daran sollte man nicht festhalten.
Es geht nur um mich dabei,mein Empfinden,nicht dass der Anderen.
Es ist zweifellos ein großer Teil von mir,doch es sollte mich nicht weiterhin erdrücken.
Ich habe etwas gelernt mir Dinge zu verzeihen.
Verziehene Dinge sind nicht verschwunden,doch sie sind verziehen.
Ich denke anzufangen,zu kapitulieren.
Ich kann nicht alles ändern in mir und dies ist auch gut so.

Von einer Brücke zu springen war für mich keine Kapitulation.
Es war genau das Gegenteil.
Ich bin nicht machtlos,solange ich meinem Suchtverhalten entgegentrete.
Aber ich kann mir nicht vertrauen,darum nehme ich Hilfe an.
Danke für alle die ich schon von euch bekam.

Dieses Tagebuch ist nicht mehr wichtig.
War es auch noch nie.
Das Wasser unter der Brücke ist nicht mehr das Gleiche,es fließt weiter.
Nur ich verharrte Jahre auf ihr,während alles sich änderte.

Liebe Grüße     
         
 
 
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Offline MiLu

Re: Jürgens Tagebuch
« Antwort #18 am: 31.01.2017 03:13:39 »
Weiter!!!!!! Jacky, weiter! Du bist an einem interessanten Punkt!

Du bist du! Wer ist er?

Es ist spät.... Man nehme meine Worte nicht zu ernst....

Liebe Grüße

MiLu
.....continued.....
 

Jacky1

  • -
Re: Jürgens Tagebuch
« Antwort #19 am: 31.01.2017 13:37:37 »
Hallo,

wenn ich heute traurig bin schließe ich meine Augen.
Ich sehe eine Wiese mit Menschen,Menschen die mich mögen und auch welche denen ich nie begegnete.
All diese wundervollen Dinge die sie mir einst gesagt oder geschrieben haben,ich kann sie dann spüren.

MiLu,dann kann ich meinen Reichtum spüren.
In dieser Präsenz erkenne ich dann die Vollkommenheit des Augenblicks.

Dies nimmt mir nicht die Traurigkeit,aber ich grüble weniger.
Fühle mehr,intensiviere meine Selbstwahrnehmung und begegne mir selbst.

Ich wünsche mir,Chris würde dies lesen.

Liebe Grüße     
   
 
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Offline Crazy Chris

Re: Jürgens Tagebuch
« Antwort #20 am: 31.01.2017 13:54:35 »
Habe ich gerade.

 ;D ;)
Don't fuck with the Devil!
 

Jacky1

  • -
Re: Jürgens Tagebuch
« Antwort #21 am: 31.01.2017 20:35:53 »
Nur mal so.

Chris hat hiermit den tausendsten Beitrag geschrieben im Forum.
Ein kleines Jubiläum.  :)     
 

Offline Fred

Re: Jürgens Tagebuch
« Antwort #22 am: 31.01.2017 20:42:39 »
Nur mal so.

Chris hat hiermit den tausendsten Beitrag geschrieben im Forum.
Ein kleines Jubiläum.  :)     

Boah, wie war das mit den dicksten Kartoffeln noch ?
Der Kreis schließt sich erst wenn er vollendet ist !
 

Jacky1

  • -
Re: Jürgens Tagebuch
« Antwort #23 am: 07.02.2017 01:09:47 »
Hallo,

wenn ich meinem Sohn beschreibe,was er sich und auch anderen damit antut,muss er weinen.
Ich möchte meinen Sohn nicht weinen sehen,ich will ihn lachend sehen.

Früher bekam er immer wieder einmal Geld,Taschengeld oder von unseren Verwanden.
Das meiste wurde angespart,doch welches er in bar behalten durfte.
Davon hätte sich jeder andere Junge Süßigkeiten oder etwas zum spielen gekauft.
Doch nicht so er:
Er kaufte damit für uns alle etwas,unglaublich.
Da kam er nach Hause und hatte ein Brot,Wurst,Milch oder irgendetwas gekauft.
Da kommt Dein Sohn von der Schule und hat ein Brot unter dem Arm.
Statt sich davon Schokolade zu kaufen und sie alleine zu essen.

Wir waren einmal in einem Zirkus,nur einmal.
Alle freuten sich an den brüllenden Löwen und waren beeindruckt von den Peitschenschlägen des Dompteurs.
Doch nur zwei nicht,wir beide sahen die Sehnsucht in ihren Augen.
Die Qual,nicht ihrem Instinkt folgen zu können,in einem kleinen Käfig aufzuwachen,statt über die Steppe zu jagen.

Ich schrieb hier einst,wie ich mit meiner Mutter Hand in Hand nach hause ging.
Dieses Gefühl hält ein Leben lang und bei ihm auch,wenn er früher meine Hand gehalten hat.

Aber im Gegensatz zu mir,macht er es noch heute.
So kann ich ihm auch diesen Halt geben,nicht alleine damit zu sein.

Wir sind hier sehr traurig darüber,dass er Drogen konsumiert.
Doch wir sind da,auch er.
Wir werden dies schaffen.
Und er weiß es,er kämpft,es ist ihm nur noch nicht bewusst.

Niemals werde ich etwas vergessen,dass wir beide gemeinsam gemacht haben.
Er gab mir Kraft,für mein ganzes Leben.

Jetzt darf ich nicht weiterschreiben,denn mein Sohn möchte auch mich lieber lachen sehen.

Liebe Grüße 

     

 
         

 
   
   
 

Offline MiLu

Re: Jürgens Tagebuch
« Antwort #24 am: 07.02.2017 11:05:03 »

Lieber Jackson,

vorweg: das hat eine ganz neue Qualität! Du schreibst offen über deine Sorgen und Ängste, lässt uns daran teilhaben!

Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass dies ein überaus belastender Moment für Dich ist: nun bist du in einer Doppelrolle, sowohl in der eines Betroffenen  als auch in jener eines liebenden Angehörigen ....

Aber du machst das genau richtig: dein Sohn weiß, dass er sich an Euch wenden kann, wenn es soweit ist. Bis dahin wird Euch nicht viel mehr übrig bleiben als ihn von der "Leine" zu lassen. Im Prinzip kannst du jetzt nur die Stellung halten und ihm ungezwungen einfach mögliche Auswege offenlegen.

Wichtig ist es nun: dass du ganz besonders Acht auf Dich gibst!

Jacky, Nichts ist unmöglich! Unterstützung ist da - sowohl für Dich, für Euch als auch für Euren Sohn!

Liebe Grüße

MiLu
.....continued.....
 

Offline Anni

Re: Jürgens Tagebuch
« Antwort #25 am: 09.02.2017 01:10:31 »
Große Menschen bewältigen große Aufgaben....so wie du, deine Family........

Wenn nicht du, wer denn????

liebe Grüße

Anni
 

Jacky1

  • -
Re: Jürgens Tagebuch
« Antwort #26 am: 09.02.2017 10:39:37 »
Hallo,

er möchte dass wir es nicht merken,er scheint zu lügen.
Den getrunkenen  Alkohol kann er nicht verstecken,dies hat er schon verstanden.
Andere Dinge sind etwas leichter zu verbergen.
Er reißt sich so sehr zusammen,um uns nicht zu verletzen?

Ich kenne das!
Es entsteht aus einem egoistischen Antrieb,hinter vielen Lügen steckt ein guter "Wille".
Nein,absolut falsch!
Für einen süchtigen Menschen ist es nur eine Vertuschung seines Verhaltens.
Manchmal muss man/ich etwas selbst erfahren,um es auch zu verstehen.

Wir versuchen nun gemeinsame Ziele zu finden und diese zu erreichen.
Dass er/wir einen Weg finden um seine Sucht zu "bekämpfen."
Wir gehen dies sehr optimistisch an,was bleibt uns auch anderes übrig.
Zu hoffen dass sein Optimismus auch nicht nur ein guter "Wille" ist.

Am Freitag nächste Woche,nehme ich ihn mit zur SHG.
Er wird dort noch andere Menschen treffen,so wie wir beide.

 

Liebe Grüße
           

 
 

Offline MiLu

Re: Jürgens Tagebuch
« Antwort #27 am: 09.02.2017 12:56:55 »

Hey Jacky,

dass du ihn mit zur SHG-Gruppe nehmen möchtst, finde ich klasse! Denn klar, du als sein Vater bist natürlich emotional zu nah dran. Ich kann mir gut vorstellen, dass dein Sohn nochmal ganz wichtige und neue Blickwinkel durch "Außensthende" erhält und erfahrungsgemäß diese dann leichter annehmen kann, da die Schamgrenze eine ganz andere ist als bei den eigenen Eltern. Hat er schon zugesagt, dass er mit geht? Das wäre ja sensationell!

Darf ich fragen, welche Drogen er konsumiert und welche Symptome ihr bei ihm feststellen konntet?

Liebe Grüße

MiLu
.....continued.....
 

Jacky1

  • -
Re: Jürgens Tagebuch
« Antwort #28 am: 09.02.2017 16:14:49 »
Hallo MiLu,

ja,er wird mitkommen,aber er weiß wie gut er in Schutz genommen wird an meiner Seite.
Da fühlte er sich immer sehr geborgen und auch stark.
Förderlich wird es eventuell kaum sein mit mir,allerdings wird er etwas staunen ,denn so eine "Umgebung" kennt er noch nicht.Er wird mich sicherlich auch ein Stückchen besser kennen lernen,nämlich annehmend und nicht führend.

Jetzt lehne ich mich etwas aus dem Fenster,selten!
Cannabis,Kokain,LSD...wohl was er gerade bekommt.
Es laufen gerade zwei Verfahren gegen ihn,das Erste Urteil nehmen wir an,eine höhere Geldstrafe.
Das Andere entwickelt sich gerade,bei beiden geht es um den illegalen Kauf/Besitz von Drogen.

In der Regel schläft er kaum,geht aber immer täglich zur Arbeit.
Oft ist er sehr ungehalten,auch uns gegenüber.
Der Familienhalt ist ihm aber sehr wichtig,darum zerbricht er oft an seinem Zorn.
Die wechselnden Launen sind in der Regel sehr extrem,in ihrer jeweiligen Form.
Ein konzentriertes Gespräch ist kaum noch möglich,er bricht dann eben ab.
Dann kommt der Zorn und dann halt sein Mitleid über sich.
Für meine Frau ist dies sehr schlimm.

Es gab schon zwei Fälle da flog er einfach um und lag wenige Sekunden in einer Ohnmacht,kann sich aber danach nicht mehr erinnern.Feinmotorische Tätigkeiten sind kaum noch möglich.
Sein Umgang hat sich nun halt auch seinen Bedürfnissen angepasst.

Liebe Grüße
       
     
         

   
 
 

Offline MiLu

Re: Jürgens Tagebuch
« Antwort #29 am: 09.02.2017 17:30:02 »
Ja, das hört sich leider stark nach Folgen von Crystal-Konsum an - da ist man das reinste Arbeitstier, braucht wenig Schlaf .... bis der Knall kommt- dann fäng es wieder von vorne an. Crystal gehört zu der Gruppe der Amphetamine und docken sofort am vegetativen Nervensystem an - meist mit gefühlt positivem Effekt (sympathischer Teil), wodurch eine unmittelbar extreme Abhängigkeit, sowohl psychisch als auch physisch, entsteht. Häufig treten eben auch Aggressionen auf und man existiert nur noch in einer Scheinwelt. Viele rauchen sich dann mit Cannabis wieder runter.
Kläre ab, ob er sog. Kräuermischungen bestellt oder einnimmt - diese führen oft zu Ohnmacht und Kreislaufbeschwerden. Diese sind lebensgefährlich, weil keiner weiß, was darinsteckt- meist der letzte Dreck! Hier würde ich auch nicht lange fackeln, sondern gleich den Krankenwagen bestellen! Meist kommt es ann zu heftigen Psychosen .... Entgiftung unter Beobachtung notwendig.

Liebe Grüße

MiLu
.....continued.....