Autor Thema: Jürgens Tagebuch  (Gelesen 21345 mal)

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Offline MiLu

Re: Jürgens Tagebuch
« Antwort #135 am: 16.04.2018 14:33:11 »
....

... es war einmal ein Fotograf, der unglaublich charmant, stilvoll, im Ausdruck grazil und von den meisten Zuschauern wohl sehr beliebt war. Dem Fotografen oblag eine für seine Passion notwendige, aber durchaus besonders ausgeprägte Gabe .... die Beobachtung! Er zog viel umher und hielt vielerlei Momente aus einem durchweg imposanten Blickwinkel fest. Fertig mit der Jagd nach den wundersamen Geschehnissen, verzog er sich allzu gerne in seine Dunkelkammer, um welche sich immer wieder unterschiedlichste Mythen scharrten. Doch der Meister des Bildes, der Erschaffer möglicher Illusionen bevorzugte es, die Sagen und Legenden wachsen zu lassen. Nun stand er vor seinen Bildern, nichts zu erkennen - bis das Licht kontrolliert eingesetzt wurde, denn in einer Dunkelkammer ist es nie durchgängig dunkel. Das Lichtspektrum variierte nun und es entstanden wunderbare Szenen, verewigt auf den zahlreichen Bildern - grandiose Ereignisse wurden festgehalten und verstörende Darstellungen. Der Fortgraf war sich nämlich niemals zu fein, um auch in die Unterwelten abzutauchen, um zu suchen .... so ergaben sich immer mehr Puzzleteile aus den schönsten Merkmalen, sollte man ein Auge dafür haben ....
.... jedoch eine Gemeinsamkeit fehlte auf jedem einzelnen Bildmoment: der Erschaffer selbst! Nach langem Erdulden kam eine lesbare Unterschrift ins Helle: Wäre er auf dem Bilde, so gäbe es dies vermutlich gar nicht - wie auch?! So steuerte er das Werkzeug zur Erstehung jener.

....  und da er nicht gestorben ist, lebt er auch heute noch zwischen den Lichtern und der Dunkelkammer... mit jedoch einer leisen Hoffnung: in greifbarer Zufriedenheit.

Liebe Grüße

MiLu
« Letzte Änderung: 16.04.2018 22:29:39 von MiLu »
.....continued.....
 

Jacky1

  • -
Re: Jürgens Tagebuch
« Antwort #136 am: 22.04.2018 22:11:29 »
......
im Alter und beim betrachten eines Fotos aus vergangenen Tagen, könnte man sich auch fragen.
Statt "war es das schon"... trotz ewigem Suchen, "weniger wäre auch besser gewesen". 

Danke Euch beiden.


Ewig könnte man sich fragen...
Mit der Spielsucht zu brechen beschert einem mehr Vertrauen,Zuversicht,Selbstwert,Freude.
Zusammenfassend: Freiheit!
Eine Chance sich dann auch endlich verwirklichen zu können, für was ein Leben auch stehen sollte.
Ein Narr wird immer einer bleiben, wenn es sich nie frägt:
"Warum bin ich ein Narr".

Warum bin ich spielsüchtig?
Oft habe ich mich dies gefragt, mit anderen besprochen und auch selbst ergründet.
Es war ein reiner Ausgleich um Dingen aus dem Wege zu gehen, Dinge die ich nur verdrängen wollte.
Verantwortung zu übernehmen, für mich selbst.
Ganz bequem und ich konnte alles dahinter einreihen.
Ein paralleles Leben.
Wie es nun dazu kam ist nicht mehr relevant, ich hatte es halt einfach gefunden.
Aber ich fragte nach...mich selbst.
Und Ihr alle habt geantwortet. 

 
Ein Tropfen Öl verseucht tausende Liter Wasser.
Ich habe aufgehört damit.
 

   

Liebe Grüße     
« Letzte Änderung: 22.04.2018 22:45:05 von Jacky1 »
 

Jacky1

  • -
Re: Jürgens Tagebuch
« Antwort #137 am: 03.06.2018 19:51:10 »
Hallo,

auch schon wieder über einen Monat her......

Viele Monate hatte ich schon in meinem Leben, sie waren auch erfüllt mit Unvollkommenheit.
Manche waren zu traurig, andere hingegen zu aufgewühlt, mal zu kalt und manche zu heiß.
Einige Tage davon waren wirklich gut, unglaubliche Stunden waren dabei, traumhafte Minuten und unvergessliche Sekunden für ein ganzes Leben.

So hatte dann auch jedes Jahr seine Höhen und Tiefen.

Die durchschnittliche Balance könnte noch etwas nach oben tendieren.....habe ja noch ein paar Jährchen.

Und eines Tages ergibt dann die Summe, aller Momente meines Lebens, das greifbare Ergebnis.
Eines unvollkommenen Menschen.

Ich bin tendenziell zufrieden.

Liebe Grüße           

 
   
 

Offline amTiefpunkt

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Re: Jürgens Tagebuch
« Antwort #138 am: 04.06.2018 07:39:19 »
Moin Jacky,

danke fürs Update!

Zitat
Ich bin tendenziell zufrieden.

Das klingt ja sensationell.... :D

Ich grüße Dich!
Sag "JA" zum Leben!
 

Jacky1

  • -
Re: Jürgens Tagebuch
« Antwort #139 am: 24.06.2018 19:36:59 »
Hallo,

nach meinem letzten Spiel hat mich ein Mitglied im alten Chat aufgefangen, sofort.
Ich habe seinen Namen vergessen und er ist nicht mehr da.
Er war halt gerade anwesend und ich weiß es hätte jeder hier sein können.
Es waren wenige Worte und auch diese habe ich vergessen.
Doch jenen Moment vergesse ich nie!
Nicht alleine.

Meine Spielsucht erscheint mir fern, ich habe das Gefühl auch dabei vergessen.
Komischerweise könnte ich es aber noch gut beschreiben.
Etwas schade dass ich so lange gewartet habe damit zu brechen, eventuell brauchte es halt diese Zeit.
Um erst einmal zu entdecken, was ich früher nie gesucht habe.

Menschen denen ich mich anvertraute.

Und die absolut schönste Erfahrung dabei ist, dass sie sich darüber freuen.

Sicherlich bleibe ich in vielen Dingen noch leichtsinnig/unbelehrbar/stur/krank und stumm, es ist aber in den letzten 2 Jahren etwas weniger geworden.
Und eventuell vertraue ich noch mehr an, mal sehen.

Schön über die Spielsucht so offen und frei zu schreiben/sprechen.
Es sind die "neuen" Werte die mich dazu bewegen, sie waren doch schon immer da.
Ich hatte sie nur schlichtweg vergessen.
Und genau diese Werte machen dieses Tagebuch nicht zu einem inneren Drang der Bestätigung.
Ich schreibe halt nur gerne darüber, denn dabei wird es mir bewusster.
Hier wurde ich auch spielfrei.

Liebe Grüße
 
 
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Jacky1

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Re: Jürgens Tagebuch
« Antwort #140 am: 12.07.2018 23:24:33 »
Hallo,

mal wieder das Übliche.......

Eigentlich könnte ich wieder spielen, ist irgendwo auch wurscht.
Könnte ja in Spielos abhängen, Zeit dazu wäre schon manchmal da.
Aber ihr alle habt es mir vermasselt!  :)

Jetzt mag ich nimmer spielen.
Keinen Bock mehr.
Da schreibe ich doch lieber wirres Zeugs im Forum.
 
Ich habe mich einst unterschätzt, kam aber selten vor.  :)   
Und es funktioniert noch immer!
Es hilft mir aufzupassen.

Mich nicht zu überschätzen.

Endlich ist das Leben.
Endlich ist das Glück.
Endlich ist die Hoffnung.
Endlich ist die Vernunft.
Endlich ist die Geduld.
Endlich ist die Ruhe.
Endlich ist die Zufriedenheit.

Unendlich ist das Streben nach diesen Dingen.   

Liebe Grüße


 

« Letzte Änderung: 13.07.2018 00:04:38 von Jacky1 »
 

Jacky1

  • -
Re: Jürgens Tagebuch
« Antwort #141 am: 13.08.2018 22:27:32 »
Hallo,

...und wieder ein Monat vorbei.

So langsam geht mir der Stoff aus, was ich von mir noch schreiben könnte.
Zum Einen gehören die meisten Geschichten nicht hier her und zum Anderen, nimmt es genau jene Entwicklung die man auch erwarten könnte.

Befasse mich sehr viel mit der Spielsucht und sämtliche Faktoren die damit zusammenhängen.
So gesehen bleibt dies definitiv ein Interessengebiet von mir.

Wird voll der Gähnbeitrag...lass es lieber, aber auch mal wieder hier geschrieben. 

Liebe Grüße     
 
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Offline MiLu

Re: Jürgens Tagebuch
« Antwort #142 am: 14.08.2018 23:43:26 »
Jackson,

ich lasse ein Lied für Leute wie uns Forengänger antworten:

https://youtu.be/eSUdlUmtg3Q

Sei stolz auf Deinen Beitrag, so impliziert er etwas sehr Gutes! PERSPEKTIVE! Und 'langweilige Beiträge' mögen der Anfang der Überraschung sein  8)

Alles Liebe

MiLu
.....continued.....
 

Jacky1

  • -
Re: Jürgens Tagebuch
« Antwort #143 am: 04.09.2018 22:24:14 »
Hallo,

wie ich mit meiner Spielsucht umgehe: Teil 1

Manchmal komme ich mir vor wie ein "Schläfer", eine tickende Uhr bis der Zeiger stehen bleibt.
An die Erlebnisse beim Spielen denke ich öfters, das Gefühl dabei kann ich auch wunderbar beschreiben.
In allen Einzelheiten, die jeweilige Ausführung je nach Bedarf.
Doch das Gefühl dabei zu empfinden habe ich vergessen, es wäre wohl erst wieder da beim erneuten Spielen selbst.

Mir ist bewusst dass ich nicht kontrolliert Spielen kann, auch wenn ich denke es doch zu können.
Alleinig aufgrund dass ich es ja gar nicht möchte.
Und Dingen die ich nicht möchte gehe ich aus dem Weg, soweit möglich.
Die Begründung dafür ist im Grunde aber auch sekundär.

So werde ich mir niemals mehr selbst vertrauen, ein Glücksspiel kalkulierend anzugehen!
Dies ist die tragende Säule meiner Abstinenz, meine Art und der Umgang mit dieser Erkrankung.
Und jenes Wissen macht mich stärker und ermöglicht mir gegen jeden Widerspruch anzugehen.
Kein Tunnel mehr, absolute Klarheit darüber...wenn ich spiele werde ich verlieren!

Ich muss mich nicht mehr zwingen, dem Suchtgedächtnis zu widerstehen.
Und ich könnte es auch nicht einfach ausblenden.
Meide nicht einmal bewusst irgendeinen Trigger.

An mir nun zu arbeiten macht mir Spaß, damit höre ich nicht mehr auf.
Es gibt keinen Punkt "of no Return" für einen Spieler.
Und der Glaube an meine Abstinenz ist kein Glaube mehr.
So festige ich diese Gewissheit täglich mehr.
Möchte nun nicht überheblich wirken, doch zumindest dieser Dolch, hat eine stumpfe Klinge.
Ich habe gelernt mit ihm umzugehen, mit mir. 

Ich will einfach nicht mehr, mich fallen zu lassen und zu Spielen.
Dasitzen und abschalten von allem, mein Leben ist Spiel genug.
Und lasse dabei stützende Menschen nicht mehr los. 
 
Und wenn es schmerzt ist es gut, denn ich freue mich über meine Spielfreiheit!

Erinnere Dich wie Du bist, dann erinnerst Du Dich an Deine Zukunft.

 
Liebe Grüße       
 

 
« Letzte Änderung: 04.09.2018 23:06:50 von Jacky1 »
 
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Offline MiLu

Re: Jürgens Tagebuch
« Antwort #144 am: 04.09.2018 23:47:12 »
Jackson,

ja! Danke für diesen Beitrag! Seinen Schatten nicht zu ignorieren, sondern jenen als notwendig zu akzeptieren, da es ja sonst kein Licht gäbe, um jenen erst zu werfen: das heißt LEBEN!

Liebe Grüße
MiLu
.....continued.....
 

Offline amTiefpunkt

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Re: Jürgens Tagebuch
« Antwort #145 am: 05.09.2018 06:35:26 »
DANKE für diesen Beitrag Jacky,

ich meine die Wahrheit dahinter zu erkennen, ich erkenne mich wieder!

aT
Sag "JA" zum Leben!
 

Offline sstteeffaann

Re: Jürgens Tagebuch
« Antwort #146 am: 05.09.2018 09:20:12 »
Vielen lieben Dank. lieber Jacky, für diesen wertvollen Beitrag!

LG
Stefan
"Und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen." (Offb 21,4)
 

Offline Fred

Re: Jürgens Tagebuch
« Antwort #147 am: 05.09.2018 10:05:47 »
Manchmal komme ich mir vor wie ein "Schläfer" ...

Dein Beitrag liest sich sehr gut, doch mich macht er überaus skeptisch.

Ich möchte das mal etwas "provokant" erläutern.
Dieser Beitrag stammt eher von dem "Spieler-Jacky" und das sind die Beiträge die ich eher nicht so mag.

Denn ich weiß, dass du diesen "Spieler-Jacky" nicht in deinem "realen" Leben integriert hast.
Es gibt [1] den "solventen" Bauunternehmer der in seinem angestammten Refugium eine kleine "Macht" darstellt.
Und es gibt [2] den Jacky1, der hier mehr oder weniger erfolgreich sein Innerstes nach außen krempelt.

Was ich sehe ist, dass du gerade versuchst dich "selbst" [2] in Sicherheit zu wiegen und [1] damit ablenkst.
Vor ca. 3,5 Jahren hast du in einem anderen Forum über Monate ähnlich argumentiert, bevor es dann zum "Urknall" kam.

Auch ohne "alte Beiträge" in Erinnerung zu rufen denke ich eher, dass du dir grad selbst Absulotin erteilst ... um dich selbst zu überlisten.

Natürlich ... ich kann mich irren und hier totalen Blödsinn schreiben. Ich wünsche mir sogar es wäre so.

Keine Ahnung warum ich so skeptisch bin ...

Vielleicht weil ich diese perfiden Suchtmanipulationen nur zu gut kenne :)
Der Kreis schließt sich erst wenn er vollendet ist !
 

Offline amTiefpunkt

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Re: Jürgens Tagebuch
« Antwort #148 am: 05.09.2018 11:27:23 »
Ich lesen obigen Beitrag von Jacky1, dem trockenen Spieler, der zugleich selbständig ein Unternehmen führt.

Es gab in diesem Tagebuch schon einige Einträgen nach denen ich mir echt ein wenig Sorgen gemacht habe, dieser oben gehört nicht dazu, im Gegenteil, er berührt mich, wie wenige Beiträge zuvor!

Aber auch ich kann mich irren, das ist menschlich!

Jacky1 ist kein offenes Buch! Warum auch?

aT  8)
Sag "JA" zum Leben!
 

Jacky1

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Re: Jürgens Tagebuch
« Antwort #149 am: 05.09.2018 21:17:04 »
Hallo,

....Teil 2.

Unsicher wie weit wir gehen sollten, wie komplex es sich in jedem von uns verhält.
Psychische Hintergründe, schizophrene Verhaltensmuster, ein Suchtgedächtnis dass immer einen Weg sucht.
Unterbewusste Verhaltensstörungen oder doch nur eine Willensangelegenheit ?
 

Auch ohne "alte Beiträge" in Erinnerung zu rufen denke ich eher, dass du dir grad selbst Absolution erteilst ... um dich selbst zu überlisten.


Was habe ich mich früher immer über solche Zitate von Euch geärgert.
Empfand mich als unverstanden und reagierte dann eh schnippisch und trotzig.
Und obwohl ich beim Schreiben meines vorrigen Beitrages das Gleiche gedacht habe, Fred.
Hinterfragt habe ich mich, überlegt warum ich es eigentlich schreibe.
Spürte ich beim lesen Deines Beitrages keinen Ärger, sondern habe mich darüber echt gefreut.
Weil ich mir wirklich nicht sicher sein darf.
Würdet Ihr / ich es nicht bemerken, wenn ein "in Sicherheit wiegen" nur dazu diente, das nächste Spiel vorzubereiten ?
Ohne einen Verdrängungsprozess nur annähernd wahrzunehmen ?   

Ja, ich bin gerne hier, versuche zu helfen, unterstützen und Erfahrungen weiter zugeben, auch in meiner SHG.
Überall Menschen die mir etwas bedeuten.
Aber irgendwo klammere ich mich auch daran, für mich selbst.
Als wäre hinter jedem meine Worte zu lesen / hören "wir zusammen".
Und ich werde so lange hier und dort verweilen, bis ich mir sicher sein kann!
Ist jetzt ja auch kein großes Geheimnis, dies wird wohl nie so sein.

Weil.....
 
Keine Ahnung warum ich so skeptisch bin ...
 

Es ist unsere Stärke.

Dennoch empfinde ich mich als gefestigt , immer mehr.
Es gibt kein vielleicht spiele ich wieder, im Sinne.
Weil ich aufpasse und es nicht mehr zulassen möchte.   

Liebe Grüße



   
 
   
 
« Letzte Änderung: 05.09.2018 22:04:32 von Jacky1 »