Autor Thema: Jürgens Tagebuch  (Gelesen 21342 mal)

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Jacky1

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Re: Jürgens Tagebuch
« Antwort #105 am: 28.09.2017 22:42:42 »
Hallo Stefan,

es sind unsere Emotionen die uns tragen und uns fallen lassen.
Man muss lernen sie etwas zu beherrschen, dies empfinde ich als das Schlimmste.
Sein Gefühlsleben soweit zu manipulieren, dass es für sich und andere erträglicher wird.

Sich einzuordnen in das vorgegebene Schema des jeweiligen Moments.

Mir wird in diesem Forum, aber auch fast wohl in jedem auf diesem Planeten, nicht tiefgründig genug berichtet.
Zu schreiben..mir geht es nicht gut, was habe ich nur getan, bitte helft mir, ich will nicht mehr leben...
Sind sicherlich aussagende Dinge und jeder kann etwas nachempfinden durch die weiteren Schilderungen, wie sich der andere gerade fühlt.
Doch da ist noch viel mehr!    

Ich klammere in diesem Forum alles Beiläufige aus.
Der Mensch hinter dem Monitor ist wichtig und wenn einer von ihnen schreibt.."es kamen mir die Tränen", habe ich wieder etwas davon gesehen...Was da noch viel mehr ist.

Liebe Grüße
     
     
 

Jacky1

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Re: Jürgens Tagebuch
« Antwort #106 am: 30.09.2017 00:32:10 »
Hallo,

ich habe einmal im "alten" Forum von einer Angehörigen gelesen.
Sie wartete zu Hause am Küchentisch mit ihrem Kind auf die Ankunft ihres Mannes.
Es war "Zahltag" und sie bangte wohl,welche Ausreden er dann wieder auftischte.
Ich will mir das weitere gar nicht vorstellen, die gescheiterten Träume und Wünsche.
Statt dessen wieder Geld beim Nachbarn leihen für Brot und Wurst..oder was weiß ich.

Ja, es geht noch wesentlich schlimmer.
Physische Gewalt an sich und anderen, den Lebenswillen seiner anvertrauten Lieben auszuhungern...usw.
Alle mitzureißen in diesen Schlund der Leere.

Das ist hier kein Spaß .
Jedem sollte dies bewusst sein.
Es gibt keine Nostalgie eines Süchtigen, er selbst steht in der Pflicht.
Und auch ich erwische mich manchmal dabei etwas zu schwelgen, in wirren Gedanken.
Ein Spieler ist kein egoistisches Arschloch, er benimmt sich nur wie einer.
Bis er eben nach Hause kommt, mit leeren Taschen...

Bei diesen ganzen Gedanken ist mir oft nach Weinen.
Ein gutes Zeichen.
So zu empfinden beim lesen gerader neuer Autoren und beim betrachten der ganzen vergangenen Schicksalen der Älteren hier.
Aus gescheiterten Träumen und Wünschen entstehen neue.
Wenn man aber weiter spielt ist dies egal, alles ist dann egal, alle verlieren.

Es wird nie mehr so sein wie es einmal war.
Sicher bin ich mir da nicht, aber Gewiss ist es allemal.

Ich spiele nicht mehr, weil ich sonst alles setze was ich habe.
Meine Familie, Freunde und mich.
So viel könnte ich niemals gewinnen, als nur eines von diesen zu verlieren.
Schade eigentlich dass es so lange ging, bis ich mich selbst gesehen habe.
Ertrinkend zusehend wie alle um ihr Leben schwammen.

Schwamm drüber....

Liebe Grüße       

 
 

     
 
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Jacky1

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Re: Jürgens Tagebuch
« Antwort #107 am: 08.10.2017 02:00:13 »
Hallo,

dieses Tagebuch ist Scheiße....

ein völliges Durcheinander an Kuriositäten, einfach aus der jeweiligen Laune heraus geschrieben..wie auch jetzt.
Dieses mit sich auseinandersetzen, ist mehr schwebend als darin irgendeinen Halt zu finden.
Phasenweise lässt man sich von einer Antwort tragen, andererseits sieht man gar nichts.
Ich komme langsam zu dem Endschluss, man kann wohl auch seinen Verstand verspielen.

Allerdings ohne die hier erhaltene Rückendeckung, wäre ich auch gar nicht mehr hier.
Ich wüsste nicht was ich mir eigentlich schreiben würde.
Von daher bin ich schon sehr froh,dass man mich hier aufgenommen hat.
Aber halt auch nur weil ich ein Spieler bin.

Konzentriertes Schreiben ist kaum noch möglich über mich, ein armseliger Versuch.
Vielleicht habe ich schon alles über mich geschrieben, zumindest in Gedanken.
Oder vielleicht auch weil man mich schon ganz gut kennt und ich daher nichts beweisen muss.
Ich mag es sehr mich ins Abseits zu schreiben, es gelingt mir nicht mehr.
Etwas dass in diesem Forum auch nicht möglich wäre, immerhin dies habe ich gelernt.

Wenn auch dieser Beitrag wieder Scheiße ist... :)

Liebe Grüße
   

           
 

Offline Anni

Re: Jürgens Tagebuch
« Antwort #108 am: 08.10.2017 11:39:25 »
Hi Jacky!

Dieses Tagebuch ist NICHT Scheiße! Ja, es wirkt manchmal durcheinander, manchmal extrem, manchmal kann ich nicht folgen. Aber, deswegen ist es auf gar keinen Fall Scheiße! Schau mal auf die Überschrift: Jürgens Tagebuch. Und da darfst und sollst du alles reinschreiben können, was du möchtest, was dir in diesem Augenblick im Kopf herum geistert und was dir manchmal hoffentlich auch gut tut, es los zu werden. Du schreibst in so vielen Threats hier wunderbare Beiträge für andere, munterst auf, gibst wertvolle Ratschläge, zeigst Verständnis und einen Riesenberg von Empathie.
Aber in Jürgens Tagebuch darfst du doch einfach schreiben, wonach es dir ist, ohne an dich selbst den Anspruch zu stellen, dass es für andere sinnvoll oder nachvollziehbar ist. Und außerdem gewährst du uns allen Einblicke in deine Seele, deine Gefühle und Gedanken. Und dafür danke ich dir von ganzem Herzen.

Lieber Gruß
Anni
 

Jacky1

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Re: Jürgens Tagebuch
« Antwort #109 am: 08.10.2017 13:31:52 »
Hallo Anni,

das ist sehr lieb von Dir.

Ich habe Fieber, mir ist kalt, huste mehr als ich atme..alles dreht sich, unendlich viele Taschentücher.
Sie entsorgen den entstandenen Schleim.

So dachte ich funktioniere es hier auch, in diesem Tagebuch.
Doch meine Seele scheint sich immer mehr zu entzünden, mit jedem Wort.
Vielleicht ist es doch besser sich nie wirklich selbst zu finden, nicht umsonst floh man doch einst davor.

Heute so und Morgen so, hinfallen und immer wieder aufstehen.
Und immer dabei zu wissen, wenn man liegen bleibt und erstarrt ist es zu Ende.
Wie bei einer automatischen Armbanduhr, nur die Bewegung lässt die Zeit nicht stehen bleiben.

Ich danke Dir Anni, dass Du gelesen hast und geantwortet...auch von ganzem Herzen.

Liebe Grüße 

   

   
 

Jacky1

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Re: Jürgens Tagebuch
« Antwort #110 am: 14.10.2017 23:16:59 »
Hallo,

was ich mir so alles ausdenke um dies hier zu beenden.
Und von alle dem mache ich es jetzt einfach so.
Dieses Tagebuch ist eine Last, nicht immer..aber gerade nun.
Aufarbeiten und zu verstehen..was gäbe es denn noch zu verstehen ?

Und wenn ich eines Tages das Licht sehe.
Weiß ich das es Liebe war.

Fuck you Jürgen

__________________________

 

Blume

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Re: Jürgens Tagebuch
« Antwort #111 am: 15.10.2017 07:21:50 »
Lieber Jürgen,

ich war mal eine Tagebuchschreiberin, vier Bücher hatte ich voll. Mein erstes bekam ich noch in der Grundschule. Diese Bücher haben mir mein Leben gerettet. Alles was so passierte schrieb ich nieder. Es half mir meine Kindheit und Jugendzeit zu überstehen, ich brachte es nicht über mich alles geschehene zu erzählen wobei ich eine vertraute Freundin hatte. Bei irgendeinem Umzug vielen mir die Stücke in die Hände. Da ich Meisterin im verdrängen der negativen Erlebnisse bin war ich so geschockt und entsetzt das ich alle vernichtet habe. Ich hatte Angst jemand könnte lesen wa mir alles im Kopf rum spuckte und sich Sorgen machen was mein Leben anbelangt. Mal bereute ich meine Tat mehr oder weniger, heute ist es mir egal. Eins habe ich beibehalten, wenn meine Seele im Konflikt ist und ich der Ohnmacht nahe bin schreibe ich. Es ist befreiend diese Worte im Kopf los zu werden.

Auch wenn ich nicht der große Kommentator im Forum bin so lese ich dein Tagebuch und umarme dich jedesmal gedanklich.

Liebe Grüße
« Letzte Änderung: 15.10.2017 07:39:52 von Blume »
 

Jacky1

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Re: Jürgens Tagebuch
« Antwort #112 am: 09.11.2017 00:52:31 »
Hallo,

die letzte Zeit war sehr schwer, die Spielsucht ist mein kleinstes Problem geworden.
Heute geht es mir besser, hey vielleicht werde ich doch noch glücklich auf meine "alten Tage."
Nein, will ich gar nicht mehr. Ich bin so wie ich bin.

Ein Freak!

Was wollte ich auch mehr.
Zwei kurze Aufenthalte in einer nahegelegenen Psychiatrie, eine Hand voll bunter "Smarties" und das zärtliches Streicheln einer "Irrenärztin".
Und schon dreht sich das Uhrwerk weiter.

Einmal im Leben...
https://www.youtube.com/watch?v=I1wg1DNHbNU         

Liebe Grüße
 

Jacky1

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Re: Jürgens Tagebuch
« Antwort #113 am: 21.11.2017 22:42:55 »
Hallo,

alleine zu sitzen auf einem kalten Stuhl, am einsamsten Ort der Welt.
Keine Farben, kein Oben, kein Unten.
Keine Erinnerungen an schöne Dinge, keine freundlichen Bilder in meinem Kopf.

Mit Freude würde ich baumeln an einem Seil.

Familie, Freunde, Farben, unendlich schöne Erinnerungen, traumhafte Bilder und zu wissen wo Oben und Unten ist.
Lenken ab, lenken ab vor dem ersticken an jenem Seil.
Ein kranker Mensch ist nicht seines Glückes Schmid, er bedarf so viel an Zuspruch und Halt.

In der momentanen Phase meines Seins, bin ich zwar sehr aufgewühlt und rastlos.
Auch kein Wunder nach den letzten Wochen der Finsternis.
Dennoch empfinde ich eine gewisse Ruhe dabei.

Und dies ist neu, einfach neu!
Etwas dass mir einst auch das Spiel etwas gab, wenn auch nur als Illusion.
So ist es aber real!
Warum auch immer...wollte es nur schreiben und mich dabei freuen, es auch hier zu können.



Liebe Grüße       

 
 
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Offline Fred

Re: Jürgens Tagebuch
« Antwort #114 am: 22.11.2017 13:59:47 »
alleine zu sitzen auf einem kalten Stuhl, am einsamsten Ort der Welt.
Keine Farben, kein Oben, kein Unten.

Gummizelle ?
Der Kreis schließt sich erst wenn er vollendet ist !
 

Jacky1

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Re: Jürgens Tagebuch
« Antwort #115 am: 22.11.2017 21:58:26 »
Hallo Fred,

Gummizelle ?

Ja, eine in die ich mich schon fast mein ganzes Leben lang, immer wieder einmal zurück ziehe.
Ich mache dies nicht einmal freiwillig, ich will dort gar nicht sein.
Oder doch...weiß nicht sicher.

Grüß Dich   
 

Jacky1

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Re: Jürgens Tagebuch
« Antwort #116 am: 26.11.2017 23:27:31 »
Hallo,

wenn ich so den Verlauf meiner wechselnden "Gefühlsphasen", mit der jeweils andauernden Länge betrachte.
Hey...da könnte es doch tatsäschlich mal kein ""depressives"" Weihnachtsfest für mich werden.
Und endlich mal wieder ""euphorische"" Weihnachten.  :)

Hoffentlich schenkt mir keiner wieder eine geschichtliche Chronik, mit furchtbaren Bildern.
Oder Anziehsachen .... :)

Liebe Grüße 
 
 

 
   
 

Jacky1

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Re: Jürgens Tagebuch
« Antwort #117 am: 29.11.2017 00:26:37 »
Hallo,

es gibt natürlich einige Filmchen, diesen finde ich nicht so schlecht.
Es geht nicht so sehr um die visuellen Eindrücke, sie vermitteln nur etwas zu zeigen, was nicht so einfach zu erklären wäre.

https://www.youtube.com/watch?v=n8bVcOd1kAQ

Seroquel xr hat mir sicherlich geholfen, meine Phasen dauern in der Regel so ca. 10 - 12 Wochen.
Dies mag nicht wichtig erscheinen in einem Suchtforum wie diesem, schreibe es dennoch.
Das Spielen hat mich soweit "unterstützt", Zeiten auch zu überstehen.
Es hätte auch alles andere sein können. 
Schade, denn vieles wäre besser gewesen.

Liebe Grüße   

 

Jacky1

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Re: Jürgens Tagebuch
« Antwort #118 am: 03.12.2017 00:47:12 »
Hallo,

da wurde ich gefragt ob ich in die Spielsucht geflohen bin, um mich etwas abzulenken von meinen Gefühlen.
Und ich muss nun schreiben, ein erhöhtes Risiko oder die "Entlastung" bei einem hohen Gewinn bewirkte natürlich einen chemischen Prozess in mir. Eine Art künstliche Freude machte sich dann breit, hielt aber nicht sehr lange an.

Es kam vor dass ich nach draußen gegangen bin wo mich keiner sah, um zu weinen.
Dieses Weinen habe ich regelrecht erzwungen, mit enormen Druck.
Ich versuchte dadurch etwas von der Traurigkeit abzulegen, hielt aber auch nie lange an.

Ob ich nun spielsüchtig bin oder es nie gewesen wäre, ein "psychischer Wechselbalg" war ich schon immer.
Eigentlich das Einzige was immer lange gehalten hat.  :)
Doch ich habe es nie als einen "Freibrief" angesehen, um vieles zu rechtfertigen.

Meine Sucht habe ich viele Jahre gehütet, es war früher immer mein Geheimnis.
Bei meinen anderen Erkrankungen hatte ich einige Verbündete, es verließ eigentlich fast nie unsere vier Wände.
Es sei denn zu therapeutischen Maßnahmen, um dagegen zu wirken.
Außer einigen anderen Menschen mit dieser Erkrankung und manchen Ärzten, meine Familie und engen Freunden, weiß es keiner in meinem Umfeld.
Dieses ist sehr wohl auch begründet in so vielen Dingen.

Selbst hier habe ich es oft nur angedeutet, es tut mir zumindest nicht Schlechtes, mehr darüber zu schreiben.
Da könnte ich sonst alles haben was man sich so wünschte.
Ein spielsüchtiger bipolarer schizophrener gestörter Mensch werde ich immer bleiben.
Mir Wurscht.  :)

Liebe Grüße 
         
   
 
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Offline MiLu

Re: Jürgens Tagebuch
« Antwort #119 am: 03.12.2017 21:24:34 »
Jackson, wenn nicht Du, wer dann?! Du hast eine wichtige Rolle... schön, dass Du weiterhin schreibst!

Du bist realer als du zu glauben magst.....

Liebe Grüße  und an Deiner Seite

MiLu
.....continued.....